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Full text of "Die Staatsfinanzwissenschaft : theoretish und praktisch dargestellt und erläutert durch Beyspiele aus der neuern Finanzgeschichte europäischer Staaten"

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Professor Karl £)etnrid? Hau 

OF THK ÜNIVMSITV OF HllOKLBIRa 

PRE8ENTED TO THE 
UNIVER8ITY OF MICHIGAN 

•Y 

iriY. philo parsoiif- 

OF Dktroit 




Dogle 



H J 



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Die 

Staatsfinanzwiffenfchaft 

üniversityof} 
theoretifch und praktifch dargefielU 



t s a tf 

«rlmntcrt dnck Beylpitle «uf der neueni Finaasf eCdhiclit« 
turoplElIcher 6ta«tett« » 



Ludwig Heinrich von Jakob. 



S T fi B r B a n id. 



Halle 
>«y Hemmcxd« und SchwetTokke 



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r-^r^wr- 



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r 



Dem 

Herrn x 

Chriftiaii Sigismund Kraufe 

KonigL BajTcrrchem KegienuigfraUi« in Bayrtntli 

* 
iridmet diefei Buch 

zum Denkmahle 
unfrer mthr als fiin&sigjäbrigea preuodfchaft 



der Verf^ffer. 

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4 

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I* ■! I I 



Vorrede. 



Die Uitterfudiungcn über die Nattr mid die 
Urfachen 4fB Nationalwohlftandes, -vrelche feit 
jidam SnUth eiaen immer wachfienden Grad von 
YoUkoimneliheit und Gründlichkeit erhalten ha* 
ben, niafsten notfiwendig auch einen yortheil« 
haflen Einflufs auf die Ausbildung der Finanz- 
w i f f e n f o h ä f t äulsern. Auch weift ein jeder^ 
dCT die Werke yon Soden, Hnrl , . Stochar 
V. Nmfarn u. f. w. und befbnders auch die 
kennte welche ueuerlichfi iijber die Theorie der 
Abgaben geichrieben find , als : die von KrÖnoke^ 
Sartcriua, Kefsl/er, KreMxmA andern, dafs die 
Finanz- lind Abgabehtiheorie eine ganz andere* 
Gefialt gewonnen hat, als ihr Jußi, Pfeiffer,, 
liielefeld und felbft Sonnenfels gegeben hatten; 
Qie Theorie des ^atioiialreraiögens beilaild ror 
fünfzig Jahren nur noch aus Prägnanten, die 
man der Policey • und FinanzwifTenfchaft da, 
wo es nöthig ichien , unhiügf , oder ihren Sätzen 
einwdbte^ jetzt ifl fie zu einer eignen, für fich 
beflehenden Wiffettichaft gediehen , worin jene 
firagmentarifchenUnterfiiQhungen der altem Zeit 
^eils alt iiDTollftändig, tbeils als ganz falfch er^ 



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i 



Vi Vorrede. 

I 
fcfaeinen. Wer daher jetzt über das Finanzwe- 
fen gründlich urtheilen will, muß fich die ver- 
trautefte Bekanntfchaft mit den neuem Fort- 
fchritten der ibgenannten politifchen oder Na- 
tionalökonomie erworben haben. Diefe allein 
fiihrt ihn an die.S|Ht20 d^r Grundi^ttze, vonwel- 
chen alle Finanzmaafsregeln ihre letzte Recnt- 
fertigung erwarten* ht mart findet in ihr die 
Grundlage der FinanzAviffenfchaft , und die Be^ 
urtheilung der hauptfachlichßen Finanzmittel 
vi^l foiWÄriiger, ah fie jo die fÜtern Schrift-' 
ij0tleB:iK ifar^n Finaniifyfiemon lieferii konirten. 
Vnß. fo niii£i ißs äuoh feym iKenn w^r gleic^ 
die FiiutnäTniffenfchalt eine gavis beÜEmirfere und 
von der ^Nationalökonomie gotr«rmte • Wiffen- 
ichaft austnaclitf fo gehört doch das- Finanzie- 
ren eines Staat» au den Haupturfacken , Hvelchd^ 
auf deji Rekhtbum öAet die Armuth deö Volki 
Einflüfa haben, und ieilie Theorie d^» National-^ 
Termögens ina& dafter nothwendig die FinanfH« 
i^aa&regeln» im Alfgenleincn zergliedern , um 
ihren 'fiinflufft auf da^ Nationahvobl zu »eigen.' 
piefes ab^r' kann nicht anders «uftBiile- gründ- 
liche Art.gofehehen, ah durch eincf Zetgü^^erung* 
des Wefens der Ha^ptfinanzmaafsregeln feibft. 
Deshalb find in den Werken von Snvkh, Büfchp 
Kraiss^'Say, SUmondi, Storch, Ricardo , Tor^ 
reriM u. al die Haupttdletnente der Pinanzwiffen- 
fchaft anzutreffen. -Die Finanzwiffenfchaft aber" 
xnuis jene allgemeinen Grundfiltze dfe» Ffnanz-' 
wefen$, welche die Nationalökonomie nur um' 
ihres Zhvecks wjllen aufnimmt, näher beftfm-* 
mea und ihre manni^hfoltigen Anwendungen^ 



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Vorrede. Yii 

«uf die yieUiiltigen VerhältniflTe wirklicher Staa- 
ten «eigen. Denn de foll eine praktifbhe Wiit^ 
fenfchaff feyn. Jene allgemeinen Sätze über da« 
Abgabenwefen y deren die Nationalökonomie be^ 
^arf , reichen bey weitem nicht zu , um ein Fi-. 
Bimzfyflem aufzufuhren. Die allgemeine Theo^n 
rie kaon einen fehr hohen Grad von Vollkom-* 
sienfaeit erreicht haben ; abejc es bleibt noch viel 
zu thun übrig, wenn diefelbe auf die Fälle, 
welchu im wirklichen Leben vorkommen, ange- 
wandt werdeh foU. Jene geht von den allge- 
meinflen Thatfachen aus und bauet ihre SätzQ 
auf die Wahrheit und Richtigkeit derfelben« 
Aber wenngleich diejfe und die daraufgebauten 
Sätae vollkoofunen richtig ütid ; fo kann die all-^ 
gemeine Theorie doch nicht fo^Ieich auf die in 
der Erfahrung vorkoihmenden Fälle angewcmdt 
werden; Denn die in der Erfahrung gegebenen 
Thatfachen baben viel- mehr und oft ganz andere 
Bigenfchaften, als die, welche in der allgemein 
aen Theorie vorausgefetzt worden find. ' SoH 
nun diele auf dergleichen Fälle angewandt 
werden; fo muffen alle abweichenden odev 
»och. hiam kommenden Umflände in genaud 
Erwägung gezogen, und mit- Hülfe diefer 
Kenntnifle das allgemeine Princip modificirt^ 
beschränkte erg^zt, und fo gleichfam eine ber- 
Cbndere Theorie für den vorliegenden Fall ge- 
bildet werden. Hier zeigt fich der Unter fchied 
des blo&en reinen Theoretikers und dea prak« 
tÜchen Theoretikers,^ des blofs^ Praktikers, der 
nidits als Routinier ift, und des theoretifchen 
{Taktiken, der mH Einßcht in die Theorie die. 



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vin Vorrc<Ie. 

Praxis übt. Der reine Theoretiker abflrahlrt 
Yon den befonderen Fällen, und hält fich bloft 
an das Allgemeine, weil die Theorie um fo 
gründlicher wird, je mehr fie zu allgemeinem 
ßätzen fortfchreitet, und ein Syftem allgemeiner 
Sätze darfleilen kann, die durch ein höchited #11- 

Semeines Princip zu einem Ganzen verbundea 
nd. Der praktifche Theoretiker führt jene 
abflrakte Theorie der Anwendung auf die ein- 
^ehien wirklichen Fälle näher. Er zeigt, wel- 
che Combinatiorien und Vergleichungen der alt- 
gemeinen Sätze erfodert werden , um diejenige 
Regel ausfindig zu machen , welche für mehrere 
in der Wirklichkeit vorliegende , mit mehrern 
Umfländen als in der allgemeinen Theorie ange- 
nommen Word w 9 begleitete Fälle pa&t; er lehrt 
hierdurch die richtige Anwendung der Theo- 
rie. — , Hat ^mand die allgemeine Theorie 
blöfs mit dem Gedächtniflfe aufge&fiit und dabej 
nicht viel UrtheiUkraft; fo wird et leicht einen 
fchiefen und verkehrten Gebrauch von der 
Theorie machen , wenn er fie praktifch anwen- 
den foU, weil er die in der Erfahrung vörkom-* 
xilenden Umftändc nicht aufzufaflTen und zu er^ 
wägen, und alfo die uöthigen Zwifchenfttze 
nicht zu findpn vermag. Diefes find die Theo«^ 
retiker, welche die Theorie bey den Routinier» 
in Übeln Ruf bringen. Denn wenn diefe fehen, 
dafs fie es mit ihrer Routine und ein wenig ge- 
fundem Menfclienverüande beOer machen, als 
der gelehrte Heir; fo meinen fie, es fey die 
Theorie oder die Gelehrfamkeit an d&: verkehr- 
ten Handlongsweife Schuld; es i& aber blofs 



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Vorrede; tx 

der Mangel der Urtbeilskraft deflen, der dm 
Theorie anwenden foll. Der yerfländige Theo- 
retiker wird kl folche Fehler nicht verfallen; 
wdl er, weniles zur Anwenduilg kommt, je-- 
desmahl erfldie Umftände in der Wirklichkwt 
imterfucht , und durch deren KenntniCs bald üa^ 
iety welcjie undere theorctifche Sätae herbey- p 

geholt und mit den übrigen verglichen vrerdeB 
»äffen , um das , was für den vorliegenden Fall 
gHt, zu finden. Gedächtni{sgelehrte fchehted 
, nur weife zu feyn,* fo lange fie die Weisheit An-^. 
derer auskramen,, weil Tk^ dabey nicht offene 
baart, v/as ihnen oder Andern gehört. VcrflSn- 
dige Theoretiker wiffcn aber fehr wohl, wi^ 
vreit fie die Theorie tragt; * fie werden e» daher ' 
ttie unternehmen , die allgemeine Theorie anf- 
Fälle anzuwenden , die fie liicht im gröisted 'De- 
tail kennen , oder weim fie fich nicht der «or. ' 
richtigen- Anwendung nöthigen Uebung.und Ge- 
%midtheit bewufst find. Es ifl indefTen gar kein 
Fehler, dafs einige blofs und allein die allger^ 
meine Theorie cultivir^, und gar nidit in* 
|>raktifche Feld hinabgehen mögeii. Selten kana 
ein Menfch Zeit genug gewinnen, um dasADge-. 
meine und Conerete mit gleicher Vollkommen- 
hcät kennen zu lernen. Daher ifl es befTer , dafs 
die verfchledenen Fächer getheih werden ; dia '^ 

einen mehr den Höhen der Speculation entgegen 
fireben, die andern die bewährt gefundenea 
Theorieen aufs Leben anzuwenden fuchen. Wer ' 

wird es einem Neuton, ^inetttJLnplace u. f. w. 
zumuthen woUeit, dafs fie ilu^e Zeit auf die £r-^ 
lemung der empirifchen KenntniflTe und Kvmfl- 



' • ^ , Digitized by VjOOQ IC 



3l; Vorreden 

griffe verwenden fallen , di^ zur Verfertigung 
elfter Ukr^ eines Weberfiuhls, einw Mpble, 
fioer Patopfmafchine u. £ w. gehören? -^ und. 
wer kann es tadeln ^ dais fie dergleichen Mafchi^ 
Ben anzufertigen pidit yerflehen, wenn fie nur 
wiffen, dals iJuien eine felche Gefchicklichkeift 
abgebt Dagegen w^den Müblenbaumeifte» 
•der Weberfiuhl£abricanten und Leute diefec 
Art lieh in der AbmeflTung ihrer Kenntnjfle dei^ 
Mechanik auf* eine höchfl lächerliche Art rerir-^ 
ren, .wenn fie. .fie über die eines Neuion 4>der 
Laptaee fetsen wollten, w^ fie Mafdiineii je^ 
Her Art. zu bauen' beflbr verfiiehen, als diefe? 
. Was fie^ um gefchickte Techniker zu werden^ 
bedni^n, mufaten fie doeh erft als Refultate 
der tieferen Forfefaungen jener grofsen Männ^v 
eriiolten. Sie verliehen die Befiiltate zu benu-« 
txßn^ fie felbfl zu finden vermögen fie nicht — » 
Es fodert eine eigne Art von Greifi^skraft, die 
oilgemeinfien Begriffe aufzufinden y fie za allge^ 
meinen Sätzen zu verbinden, und diefe £b zu 
eombiairen , dafs daraus ein confequentes Ganze 
entfteht; das Talent, die Refultate jener Unter«^ 
ittchoAg^n ins Leben einzuführen, und fie da^ 
wo.es möglich ift, praktifch anzuwenden, ifl 
▼on jener Geiflestiefe verfchiedeit und viel häu- 
figer Jn der Welt anzutreffen, als der ^cula-n 
tive Tieffinn: eine höchfl weife Einrichtung der 
Natur, da die Welt vielmeV praktifche Men^- 
fchen als tieffinni^ Theoretiker bedarf, und die 
Entdeckungen Emes JVee^o/f einem, ganzen Heer 
voii Praktikern ihre Richtung geben. 



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Vorrede. nt 

— , — ■ ' • 

Indeflen laiTen die hohen Geifler denen^ 

frelchen fie die RefuHate ikres Tieffinnes iiher^ 

Kefem, noch yiel zu tfraa übrig. Detin'lbUeii 

diefelben aufs Leben angewandt werden; fo 

mtls Ton den empirifchen Gegenftänden «ber^ 

aiahis das Allgemeine , das mehreren derfelben 

xakonRDt, abgezogen; und d^s übeiüieleftePrni^ 

dp So eingerichtet werden , Aafs es auf die FäU# 

paftt j TOB welcher jene allgetaeio^ enpirificheM 

Sätze abgezogen Rttd, Di^s ift ^hU Werk des 

praktischen Theoretiker. Sie biUien die ange^ 

wandten Theorie<6n^ Aberielbfi dev Gebtancb 

diefer erfodert wieder grofse Vovficht und riA 

IJrtheilskraft , wenn man fie auf landere .Fällt 

jnr Leben anwenden feti, 4ds di« find, ^on wel^ 

ehed fie abgezogen find. Denn es iil unmöglich^ 

eine Theorie empirifeher GegenAiinde fo «yoUh 

ftindig jsa geben , da(s die Anwendung darod 

fibr ttlle'mÖgliohe rerkommende Fi^e beflammt 

Wäre. Immer bleibt der UrtbeiUkraft deflfenf 

dter fie anwenden Toll , noch yiel übertalfen. £i 

inii& hier etwas wegnehmen , doi^ etwas zu£e^ 

tmffi j xmA die Theorie bey ^dem einzehiett 

Falle aaf taufenderiey Art bald einlbhiinken^ 

hahi cfgänzen. Deshalb rxwi^ ein gutler Prakd-^ 

kery der nieh« ein bk>(ses Werkzeug ABdereoi 

feyn, foBderii mit eigner Urtheihkrait' wiricert 

Witt, audh die Theerib kennen, -wetm er gleich 

nicht Kraft hat, fie felbft eu erfinden ^ er mnft| 

thebreti^yier Praktiker fejm. Diofe Betroolw * 

tungan^gelten^ftibftToafolchenTheorfeen, weU 

che fieh airf die todte' Natur oder jAyfifche Gc^ 

genfiändb beaieheB, wie Mechanik, Baukimf^ 



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xn * yprred^* 

' • ■ ■ 

Bergwerkäwiflenfchaft u. f. w. — Die ver*- 
ichiedene.natürfiche Befcfaafienheit der vorkom- 
mentlen Gegenfiände , auf welche ihre allgemei-- 
nen Sätze angewandt werden ibilen , ihre ver^ 
ichiedenen Eigenfcbaften , welche fie tfaeils.ih«^ 
rer individuelleh Natur verdanken , theils durch 
den Einflufs fremder Dinge erhalten , erfodem 
taufenderley Modificationen der aÜgemeinen 
Theone bey ihrer Anwendung. Noch viel mehr 
aber ;gilt diefes von (blchen Theorieen, welche 
auf das Leben imd Handeln der Menfchen anzu- 
wenden find. Denn die Menge der Verände- 
rungen der todten Körper ift iehr unbedeutend 
gegen die unendliche Mannichfaltigkeit der 
Nüancirungen, welche der Menfch durch feinen 
Verft^d, feinen Willen und feine Leidenfbhaf-r 
ten unter die Dinge und in , die Yerhältnifle 
bringt, auf welche die allgemeinen Sätze der 
Theorie angewandt werden follen. < Die Finanz- 
wiffenfchaft gehörf unter die Wiffenfchaft die- 
fer Art. Zur Finanzpraxis ift es bey weitem 
nicht genug, 'die allgemeinen Begriffe von Grut, 
Werth, TAufch u. f. w. zu kennefn, oder die 
Refultate der Nationalökonomie inne zuhab^. «-« 
Dafs aus den Staatsgütern der moglichft gröfstef 
Reinertrag in die Staatscaflfe gebracht werden 
folle , iß ein Satz der allgemeinen Theorie , der 
leicht allgemein zugeftanden wird. Aber wie 
ganz andere Maafsregeln werden in einem men- 
fchenleeren, von Reichthum und Kenntniffen 
entblölsten Lande ergriffen «werden muffen, um 
£efes zu beXvirken, als in «inem Lande, wo. 
iex Landbau fchon zur Vollkommenheit gßdie-* 



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Varrrede. ' , xiii 

heu, wo eine grofse Concurreoz von VoliUia- 
bendeu Landwirtfaen ifi, die ihre Capitale auf 
denLaedbau anzulegen fachen? — Ä'Vie ver- 
fehieden werden nicht d^e Maafsregeln hierzu 
felbft in den yerfchiedenen Provinzen eines und 
defll^lb^i Landes feyn müflTen. Was am Rhei- 
He in diefer Hinficht rathfam ifi y wird es nicht 
in dem Herzogthume Sachfen feyh^ imd was 
hier yortrefilich feyn kann» ifi es deshalb niclit 
in Of^rcufsen oder Pommern. Die Theorie 
der Domainenbenutzung wird al£b in dem einen 
l^ande eine ganz andere Geflalt erhalten , als in 
dem andern, obgleich der allgemeine Grund- 
fifttz für alle Länder gültig bleibt. Wexm man 
mm auch die Theorie für einige diefer Fälle 
modificirt; fo wird es doch unmöglich feyn, fiö 
fiir alle \za modificiren, und fo mufs immer 
noch viel von dem eignen Verßande des Prak- 
.tik'ers ergänzt werden. — Dafs der Staat fei- 
ten ein befferer Gewerbsmann ifi, als derPri- 
yatmann, in ein relativ allgemeiner tlieoreti- 
fch^r Satz imd in vielen Fällen . volllcommcn 
wahr* DennocH' können nicht hloCs Ausnahmen 
vorkommen', es kann auch HindemiflTe geben, 
"welche machen, da(s es doch befler ifi, der 
Staat behält äie unvoUkommne Betreibung fei-« 
aes Gewerbes nodi eine Zeitlang bey , als dafd 
er es der Gefahr ausfetzt, von Privatleuten 
noch imvollkommner betrieben zu werden^ weil 
noch alle Bedingungen der voUkommneren Be** 
trtibnng durch diefelben fehlen. Es kann fer- 
tier feyn , dafii dem Staate die Hände gebunden 
find, und er die iiavollkommnem Methoden^ 



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jtiY VoTr.ede. 

^ ■ - ■ -^ 

jeinEiakoniinen zu bewirken, bejrbeiiaken nrafs^ 
3¥eilSiäea, Herkominea ^ Priyilegien, ConiH4» 
tutiofien ihm ei unmöglich machen , die beffe« 
ren Methodi^n an die Stelle der fchleehteren xxf, 
fetsen. — - Dafs jeder Ort feine Arnfen ertiäh^i^ 
ren folle^ i& ein altes th^oi^tifches Priaeip/ däi 
'im Allgemeinen Billigung verdient. Aber wel^ 
ehe find alf die Armen eineä Orts anzufefaen? 
?W^ean in einer Stadt eine Garnifon einquartiert 
ifl, welche hülflofe Witt\v«a imd Kinder nt 
H«nderten xuriickMst, wenn einige reiche Fa-* 
bricänten Taufende von Spinnwn und Weberti 
hineinziehe», denen fie einige Jahre Brot ge^ 
ben^ nnd fie bey iiadüalTendem Debit plotzli<A 
(ns Elend finken laiTen j wenn eine iblche iStadt 
wohlfeile Wohngelegenheiteii darbietet, £b daia 
mUes Gefindiel fich vom Lande,' aus, der Provins 
und felbfl aus der Fremde hineinsieht , und die 
Nichtaufoahme deffelben durch Laadeagefetxt 
unterlagt ifi, «r- foll die Stadtcommime alle di^ 
Armen drnähren, weil fie bey ihr fich iefshaft 
gemacht haben? — Häufig wird der obig^ 
theoretifehe Satz von den Praktikern in diefem 
Sinne angewandt Bewähren fie dadurch , dals 
fie die Theorie gehörig vetflandeo haben? und 
fehlen ^e nicht gerade deshalb, weil fie fchltehtt 
Theoretiker find, da fie den i&chten Sinn dei^ ai^ 
gemeinen Sätze nicht zu vervoUfiändigen wiA- 
fen? — ' Nichts ifl evidenter, als den theore-^ 
tifche Grundfatz, die Steuer nach dem reinen 
Einkommen eines jedeki zu vertheilen. Aber mit 
welchen unüberwindlichen Schwierigkeiten hat 
der za kämpfen, welcher das reinte EinkomiBeh 

ei- 



Digiti^edby Google 

V 



Vorrede. txt' 

^_i_aj_ii^^ — — ■ 1 -■ — r — • ■ ii.L- . 

eines jeden erforfchen foU , um die Steuer dar- 
nach unter die Einzelnen zu vertheilen , und 
welche Ungerechtigkeiten, welche Verwüflun- 
gen ini^ Vermögen des Volks können angerichtet 
werden , wenn der Gmndiatz nach blofs'en all- 
gemeinen Vorausfetzungen ausgeführt wird? 
Jeder, der mit der Natur des reinen Einkorn* ' 
mens nur etwas rertraut ift, muls d^*an ver- 
zweifeln, jemals diefe Aufgabe der Finanzwi^ 
fenfchaft vollkommen zu löfen. Das reine Ein*^ 
kommen der verfchiedenen Individuen ändert fich 
nicht nur in jedem Augenblicke millionenfach^ 
fondem viele haben es auch in ihrer Ge^valt, 
daflelbe fo vor dem Auge des Finanziers ta ver* 
fkeqj^en und es zu^ verteilen, daf^ es dem, der mit / 
alleiidiefen Schwierigkeiten bekannt iü, ganzun- 
möglich fcheinen mufs, fich der Gleichheit in der 
Beileurung auf directem Wege auch nur zu nä^ 
hem. Nur auf vielerley Umwegen , die ihn die ^ 
yertrantefie Bekanntfchaft aller einzelnen Steueiv ' 
Pflichtigen erfi kennen lehrt, kann er hoffen, 
dem Ziele näher zu kommen. — » 

Zwifchcn-der reinen Theorie, die. von al- 
lem Detail abfirahirt, und fich nur an die allge- 
meinften Vorausfetzungen hält, und der blofsen 
Routine, die nur das nadimachen kann, was 
fie andere machen ficht, und höchflens einer 
v<m ihrer Erfahrung abftrahirten Analogie, her 
noch nicht vorgekommenen Fällen folgt, ntnü 
ea daher eine Zwifchenclafle von Kenntnifs ge- 
bto, welche lehrt, wie die Theorie auf das 
wirkliche Leben anzuwenden. Hierzu gehört 
in der That eine gam^ eigne Kunfi und Ge- 
(cfaicklichkeit bey eilen praktifchen Wiffenfchaf- 

9* JaitBk Staaufinanzwiff. )> 



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XVI Vorjrede. 

ten, befonders aberbey folclien, deren Theo*^ 
rie in der Anwendung fo unendlich Viele Modi** 
ficationen fodert, als z. B. die FuumswiflTen* 
fchaft. Um eine fokhe Theorie mit Sicherheit 
für einen ganz einzelnen Fall zu gebrauchen^ 
dazu gehört I dafs man yorher fich eine Fertig- 
keit erworben habe, fie auf viele ähnliche Fälle 
anzuwenden. Nur wenn man die Schlüfle nach 
der Induction und Analogie an mehreren yon 
einander yerfichiedenen, aber dpch unter einan- 
der ähnlichen Fällen geübt hat, erlangt man ei- 
ne Fertigkeit, die Theorie iieuen noch nicht 
Torgekemmenen Fällen richtig anzupaflen. Je 
greiser die Menge ähnlichei% beobachteter Fälle 
iRy und mit je mehr Nachdenken man alle diefe 
Fälle mit der allgemeinen Theorie yerglichen, 
je öfter man erfahrei;i hat, wieviel noch zu ep» 
wägen übrig blieb , wenn man fchon alles erwo- 
gen zu haben glaubte , deÜo umfichtiger wird 
man werden, wenn es darauf ankommt, eine 
Theorie zur Ausführung zu bringen , deflo we-* 
niger wird maiji in Gefahr feyn, einen fehler« 
hinten Gebrauch yon der Theorie bey einem 
neuen noch nicht yorgekummenen Falle zu ma- 
chen. Zwar findet der gute ausgezeichnet« 
Kopf die Schranken der Anwendung der Theo*^ 
rie yon felbfi, wenn er zur Praxis tritt* Aber 
die meiden Menfchen bedürfen einer Anwei--* 
iung , wie die Fehler bey Anwendung allgeme^ 
ner Sätze zu vermeiden, und was alles zu beob-» 
achten ift, wenn eine Theorie au£s wirkliche^ 
JLeben angewandt werden foU. Auch die beflen 
Köpfe begehen leicht Fehler, wenn ite fich 
•hne eine folche Belehrung aM$ Werk machen^ 



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Vorrede. xvn 

. luid lernen erft durch ihre Irrthümer, was zu 
einer beflem Praxis gehört, welche Vor- und 
Umficht beym Gebrauch aHgemeiner theoreti- 
'icher Sätze im praktifchen Leben nöthig fey» 
'Man darf nur die Gefchichte des Papiergeldes 
durchgehen^ um zu fehen^ welches Unheil die 
blofse Empirie angerichtet hat, die es zuerft ein- 
führte, wie wenig es aber auch einer ünvoll- 
kommnen Theorie gelungen iß, 4ie tinfeligen 
Wirkungen deflfelben wieder wegzufchaffen. — . 
Was für Schaden diejenigen angerichtet haben^ 
welche das Heilmittel der Verminderung des 
Papiergeldes verfuchten , um die Krankheit def^ 
felben zu heben, und wie fehr fie fich in der 
Iheoretifchen Berechnung der Folgen ihrer 
Kaaisregel irrten. Wie einUmftand, den fie bey 
diefer Berechnung yergafsen , alle ihre Erwar-^ 
tungen zu nichte machte , habe ich in meinef 
Scluift deutlich gezeigt (§. 903 u. f.). So wie die 
blol^en' Theoretiker es leicht darin verfehen, 
dafsfie die aus allgemeinen Begriffen u. f. w. ent-^ 
wickelten, oder die a priori, erkannten Princi-* 
pfen auf Fälle anwenden wollen , die wegen ih- 
irer befonderen Natur* andere »Modificationen er-^ 
fod)em j fd verfehen es blofse Praktiker leicht 
darin, dafe fie die Ton ihren einzelnen Erfahr 
rnngen abgezogenen Sätze zti weit ausdehnen, 
tknd fie da anwenden, wo die Verfchiedenheif 
der Fälle ganz andere Sätze verlangt. Ohne 
alle Theorie kann au^ der Empiriker fich nicht 
▼on der Stelle bejvegen. Da er aber feine 
Theorie nur von einzelnen Erfahrungen abziehe 
und fie doch allgemein anwenden will; fo ifi er 
SMli^iii viel sröfiiwfv Gefrhr in FeUer «u TWr 



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/ 



xvm Vorrede. 



fallen, fobald er feine Erfahrungsfätze auf an- 
dere Fälle anwenden will, als der Theoretiker, 
der fein Augenmerk zu wenig auf das Concrete 
richtet. Deshalb iß eine Anweifung, wie theo- 
retifche Sätze in der Praxis zu gebrauchen , un^ 
gemein nützlich. Werke , welche , ohne eben 
die allgemeine Theorie jjrs in ihre oberften ein- 
fachften Elemente zu verfolgen fich begnügen, 
die Refültate derfelben mit ihren Gründen dar- 
zuftelleu, und dann Anweifung haben, wie diefe 
Theorie in einer grofsen Menge einzelner von 
einander verfchiedenen Fälle ausgeführt werden 
tannundmufs, find angewandte oder prak- 
t i f o h e Theorieen , und fcheinen einen doppel- 
ten Vortheil zu gewäliren, nämlich: i) daf» 
fie die Theorie durch Beyfpiele erhellen, und 
deren Verftändnifs dem Praktiker erleichtem, 
und 2) dafe fie die Ausführbarkeit derfelben in 
Thatfachen zeigen , dabey aber doch auch leh- 
ren, wie es möglich und nothwendig fey, daft 
fich die Theorie nach den Thatfachen richte. 
Hierdurch wird zugleich die tfrtheilskraft ge- 
ftärkt, und eine Fertigkeit erzeugt, auch da, 
wo noch andere neue Thatfachen vorkommen, 
die eine Abänderung der allgemeinen Theorie 
bey der Anwendung fodem, die Regel felbß zu 
finden^ welche die Umßände verlangen. Wer 
ein folches Werk mit Erfolg unternehmen will, 
der mufs melnrere Völker und Länder, ihre 
verfchiedenen Eigentimmsverhältniffe , Cultur- 
zuflände, ihre Sitten, Gewohnheiten, Gewer- 
be u. f. w. gründlich haben kennen lernen, er 
müfs alles diefes mit der allgemeinen Theorie 
verglichen , und deren Anwendung auf die er- 



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^ Vorred«» xix 

■'■■ Ul i . ' i-j " i > ■ 

fbrfdUen Verbältnifle aufs forgföltigfle unter« 
focht haben. Wer einige Länder mit Nachden-* 
ken anfchaulich beobachtet hat, wird auch acu 
den Befchreibungen anderer Länder leieht;er dtß 
herausCuchen können, was (ich auf Anfch^uung 
und richtige Beobachtung gründet, als derjenige, 
der alJe^ nur allein aus Büchern fchöpf t Leicht 
hän^ fich eifi folcher an das Seltfame und Para- 
doxe, das öfter mehr dient, die Neu'gierde jbu 
kitxeln, als brauchbare Belehrung zu geben, 
weil t$ feiten id. ,Mir find dahep diejenige 
Schriften von jeher verdächtig gewefen, welche 
ilire Beyfpiele aus China , Japan , den Societäts« 

onfeln , oder andern eben fo entfernten und un*r 
bekannten Ländern entlehnen,, um die Euro«- 
^äer 2U belehren , wie fie ihre Policey oder ihre 
Finatuien einrichten feilen. — Soll e^n folche» 
Werk für Praktiker wahrhaft belehrend wer- 
dei|; fo muffen die darin angeführten Fälle nicbt 

' hlols wahr, fie müflfen auch den Fällen ähnlich 
ieyn, für welche fie zur Belehrung dienen fal- 
len. Nur dadurch wird die ^analogifche Schlufs- 

' «rt vervollkommnet. Eine folche praktifche 

Finan^wiflTenfchi^ zu liefern war meine Abfielet 

bey jder AbfaflTung des vorliegenden Werks , und 

wenn gleich ichon mehrere ähnliche Bücher vor^ 

handen find , die insbefondere für einzelne Fäll^ 

treffliche Ausführungen enthielten : £o glaube icb 

doch, dafi mehrere Yerfuche folcher Art, fo^ 

wohl der Wiflenfchaft felbfl , als ihrer richtigeti 

"Anwandung förderlich feyn* können, Wenn fie 

teit d^r gehörigen Einficht untei^nommen , und 

.mehrei:e oder, andere Fiüle in Betrachtung gezo- 

\gen^ auch wohl nei^ Anfiehten der Theorie er- 



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XX Vorrede, 

öfihet haben*. loh. bin zufrieden y vrenn Kenner 
urtheilea, dafs mein Beilreben, ein folohesBuch 
ZVL liefern y nicht ganz mifslungen fey . Wenig* 
flens bin ich mir bewufst, nicht unvorbereitet 
ans Werk^ gegangen zu feyn. Seit länger als 
zwanzig Jahren mit der Theorie der Nationd« 
Ökonomie und des Finanzwefens, und mit dem 
Wichtigften, was darin geleiftet worden, ver-* 
traut, habe ich nicht nur forgföltig viele Data 
aus der Gefchichte und den beßto Länderbe* 
fchreibungen , die zur Befiätigung oder Wider- 
legung oder Aufhellung der Finanztheorie die- 
nen konnten , gefammelt , fondem ich habe auöh 
den Zulland der Staaten, in welchen ich gelebt^ 
iklhR mit Aufinerkfamkeit beobachtet, und mich 
um alles genau bekümmert, was zur Beurthei- 
^ung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit der 
Ausführung dient: ich habe einige Zeit die 
Staatspraxis mit angefehen, ich habe die Metho- 
den kennen lernen, wie die Staatsgefetze ent- 
liehen , und bin mit den Getrieben vertraut ge- 
worden, von welchen die erfte Bewegung und 
Beflimmung ausgeht : ich habe bey melu^eren 
'nicht unwichtigen Staatsoperationen mitzuwu>- 
ken Gelegeniieit gehabt, fo dafs ich auch man«- 
cÄe HindemiflTe , die fich hinter dem Vorhang© 
und in dem f erfleckten Räderwerke befinden^ 
habe kennen lernen. Von den abflracten Satzes, 
welche mein Buch enthält, kann ich daher diie 
aUermeiflen mit Beyfpielen aus eigner Beobacli^ 
fung und Erfahrung belegen. Einige diefer 
Erfahrungen habe ich in den Erläuterungen arf- 
geführt; manche find nicht im Detail gegeben, 
fondem nur fo viel davoi^ angedeutet^ ida zur 



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Vorred« XM 



JBrläaterpng oder .Betätigung der Theorie dient» 
Wo es hätte anfiö&ig werden können, ins £an-- 
jcelne zu gehen , da habe ich es beym Allgemein 
nen bewenden laflTen. Bey vielen abilracten 
Ratzen find die Facta , von denen fie abgezogen 
find 9 gar nicht bey gefugt, weil fie das Werk 
ma fehr angefch wellt , oder auch wdd Aerger* 
nils gegeben haben würden. Sie fchienen mir 
um fo eher wegbleiben zu können, da jeder, des* 
einigermaafsen die Staatsgetriebe und die Ge^ 
fchichte des Finanzwefens näher kennt y» die. 
Facta, welche ich im Sinne hatte, errathen, 
oder doch ähnliche leicdit in dem Kreife eigner 
£rfahi*ung oder in der Tagesgefchicbte finden 
kann. Beym mündlichen Vortrage über die 
jPinanzwiflenfchaft wird die Anfuhrung folcher 
Thatfachen weit mehr gehäuft^ und idi bin im 
Werke felbfi deshalb £o ausführlich in der Dar-» 
ftellwng der Theorie gewefen, um kurz darüber 
•im mündlichen Vcortrage feyn zu können, un4 
)ie&o mehr Zeit für die Erläuterungen durch 
Factft übrig zu behalten. Idi glaube auf diefct 
Weifts ein Handbuch geliefert zu haben , * daj^ 
nütdxdb feyn kann i) fiir Gefchäftsmänner , die 
nidtt Zeit und Mufse genug haben, um das Wiob<^ 
tigfia zu lefen^ was über die Theorie der Finanz 
«en geichrieben wird, oder (ich gf nau um daa ^ 
SU bdkümmem^ was auiser dem ihnen zurBeär-« 
b^jtnng angewiefenen Felde -vorgeht , und doch 
gern in Bekanntfchaft mit den Fortfcfaritteii dev* 
' Theorie bleiben joaögen. Diefe iBnden in mei^ 
tBm Werke nicht nur die Refultate der wich-* 
tigflen neuere Unterfiichungen über das Fiuaozr 
we(en in fy^ematj^her Ordn^og dargefielll;, 



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xxn Vorredet 

■■ '■ I ■ ■ II II ■■ . I I 1^1————^»—.—^^ 

fondern auch mehrere Facta ai^s verfchiedenen 
Ländern,, die theils zur Erläuterung, theils »um 
Beweife der allgemeinen Behauptungen dienen 
können. Nichts führt leichter zu einfeitigcn 
Urtlieilen, als wenn man immer nur Ein Land^ ^ 
Eine. Methode, Eine Art der Handhabung vor 
fich fleht. Denn leicht Wird das für das einzig^ 
Wahre und Rechte gehalten, woran nian fich 
in der Praxis gewöhnt hat , b^fonders wenn et 
bisher leidlich damit gegangen ift. Daher wer- , 
den Air Erweiterung des Blicks und zur Berich- 
tigung der Urtheile in empirifchen Sachen fremde 
Erfahrungen nothwendig. 2) Für angehende 
iStaatsgelehrte. Ein Fehler , in welchen junge 
Köpfe fehr leicht verfallen, beßeht darin, dafs 
fie eine erlernte Theorie zu rafch auf das Leben 
anzuwenden geneigt find,, ohne dafs fie die vor- 
liegenden Umflände genau und in allen ihren 
Einzelnheiten erforfchen, um zu fehen, db die 
Umflände auch mit denen , welche die Theorie 
vorausfetzt , und unter denen fie allein wahr ift, 
diefelben find. Mein Lehrbuch zeigt an vielen 
Staaten, welche Vorficht und Behntfamkeit beym 
Gebrauch allgemeiner Sätze in ihrer praktifchen 
Ausführung anzuwenden fey , und giebt daher 
Viel Gelegenheit, die Urtheilsfcraft zu üben, und 
fie zur genauen Umficht zu gewöhn^i. Deshalb 
bin ich oft fotief ins Detail gegangen. Nichts 
kaün auch mehr dazu dienen , den Hoehnaith 
und den Dünkel zu heilen ^ als ob ein blof^ea 
theoretifches Wiffen der allgemeinen Grund- 
Iktze der Staatswirthfchaft fchon hinreiche , die 
Finanzen des Staats zu reformiren , als die Vor^ 
legung der unendlichen Schwierigkeitea bey der 



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Vorrede. Mnii 

Anwendttiig der Theorie in gegebenen -Ftilen 
iin4 diQ Darilellung der Menge yon Rückfichten, 
auf welche bey der Ausführung einer Finans« 
maafsregel geachtet werden mufs. Leider be-^ 
weifen mehrere neuere 'Finanzverordnungen 
nur zu deutlich , da(s felbft Mänper, denen man 
wohl zutrauen foUte , dafs fie durch Erfahrung 
gelernt hatten, was dazu gehört, wenn allge- 
meine Sätze angewandt werden foUen, in diefem 
Puncte häufig fehlen , und fo fehr fie fich ihrer 
praktirchen Kemitnifie rühmen, doch nur wie 
tlieoretifche Anfänger verfahren. Denn fobald 
man allgemeine Verordnungen ergehen läfst, 
wovon man' fich gezwungen ficht, bald mehrere 
Ausijiahnien und Mr>dificat>onen hinterdrein za 
machen ; fo i& diefes allemahl ein ficheres Zei*- 
chen, dafs man fich nicht vorher nach allen den 
Fällen, aufweiche das allgemeine Gefetz anga^ 
wandt werden follte, gehörig erkundigt hat. Es 
Ml aber eher kein allgemeines Finanzgefetz ge- ^ 
geben werden, bevor alle nöthige Detail- 
kenntnifle dazu vor Augen liegen. — Auch 
glaubeich, dafs 3) mein Handbuch refiectiren^ 
den Weltbürgern wird nutzen können, welche 
nach^ einem freyen und gründlichen Urtheile 
über das Finanzwefen ftreben. Was endlicfh 
4) das reinwiffenfchaftliche Intereffe "betrifft; fo 
tiiue ich auf deii Ruhm , die PinanzwiflTenfchaft .^ 
neu begriinjlet oder reformirt zuhaben, VeriÄcht. 
Ich erkmme vielmehr dankbar die Verdienfte 
derer auf durch welche diefer Gegenfiand bis^ 
her bearbeitet ift, und glaube , dafs die Finan^- 
wiflenfchöft durch die Unterfuchnngen, welche 
theils. in den Werken über die Nationalökono- 



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«MV Vorrede:;. 

. . > ^ ■■* ■ ■■ ■■ ■ ' ■ ■■ ' ■ ' 

mie^ theils in den ihr zunächfl und unmittelbar 
gewidmeten Sohriften ihrer VoUkornjoic^nbeit 
iftiemlieh nahe gebi'acht i&'y ich habe mic^ dafatir 
J^egnügt zu yerfuchen , die Refultate diefer 
Forfchun^n in einer leichten fyflematifcheit 
Ordnung darzufl^Uen. Manches indeflfen, WM 
JBanige für fchon ganz ausgemacht und in der all^ 
gemeihen Theorie begründet halten/ ifi mix 
nicht fo vorgckomnien. So habe ich mich z. B^ 
der indirecten. Steuern wieder angenommen undl 
fie unter einen fblchen GefidUsptmct geAeU% 
runter welchem fie von den Vorwurf^ nicht ge»r 
troffen zu werden fcheinen, welche man ihnea 
bisher gemacht hat Faft alle Theoretiker der 
neuernZeit haben fich gegen diefe Art von Steuera 
erklärt Ihnen £chwebte gewöhnlich, nur die 
.Form derfelben vor, welche die meifien der im 
der Praxis üblichen indi'recten Steuern in dem 
Terfoliiedenen Staaten haben. Da diefe ohne 
.Riickficht auf das wahre reine Einkommen d«r 
Contribuenten aufgelegt und yertheilt find, da fie 
«dieSteuerfummen ohnePrinoip undblo&rhi^o^ 
difbfch zufammenbringen, indem dabey mehr, 
auf das, was einkommt, als auf die Art, wie 00 
einkommt, Yon wem und in welcher Proportion 
jmm reinen Einkommen eines jeden es gezogen 
wird; fo fcfaeint die Meinung allgemein gewor^ 
den zu fejm, als ob diefe Steuerart gar keiner 
Uebereinüimmung mit den ächten Principien der 
Gerechtigkeit und der Nationalökonomie fiihig 
fey. Man glaubte, dafs nur die directe Befteui- 
rung.eine folche VoUkommenheit zulaflfe, und 
wurde daher geneigt, diefe ausfehlieislich geltat 
cu laiTen. 



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Totrede. 



. IndefilNEi xeigt fieh bey genauerer Betracb-* 
taug das Unzureidiende der allgemeinen Theorie 
iiirgendflt deutlicher, als bey diefem Pimote. 86 
ricfatig tiHmlich das allgemeine Prmcip ifi, daft 
nur das reine Einkommen und diefes nur nack 
«inem gleichförmigen Ebenmaafiiebeileuert wer* 
den foU: fo unrichtig ericheint der Säte, diA 
eil» iblche Befieurang allgemein duroh die d^ 
irecte Befbumng ausmifiilyren fe j. Denn <jkr* 
€elbe beruht auf folgenden , in d^ Erfahrung 
falfdh befundenen Vorausfetsungen, als ob i)das 
reine Einkominen eines jeden nach der Wahr^ 
iieit zu Dörfchen , und 9) die Abgabe von eig- 
nem jeden , der ein reines Einkomm^ hat^ 
leicht 2u erheben fey. Die erfle dieler Befaaup^ 
tungeti iil allenfaUs nur da wahr, wo das Efaa» 
Icommen aller aus Einer Hauptquelle, beibodej» 
«US dem Grund^'und Boden ilieist^ oder wo es 
'dffentlich gereicht wird, wie bey den Beiblduur 
^jgen. Wo aber das Einkommen £> unendlidi 
^nanuichfoltige Quellen erhalten hat, als m un«* 
fem cultirirten bürgerlichen Gefellfchaften, da 
darf iQan nur einmahl felbft mit Hand ans Werk 
gelegt za haben, iim ficb zu überzeugen, mit 
welchen unüberwind}ichen Schwierigkeiten die 
Erforfchung des reinen Einkommens der Einzel- 
nen rerknüpft ifl. ' Eine mehrfach angefUHto 
Erfahrung aber lehrt aufs augenfcheinlichfie, 
dafs das Einkommen eines jeden auf directem 
Wege zu ergründen unmöglich iey , und daher^ 
wenn man &cfh auf eineblofse directe Befteurung 
einfchränken wollte, das Vermögen Vieler gans 
' «mbefleuert, weniges in richtiger Proportion be* 
legt, überall aber die gröfste Unjjleichheit und 



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xxvr Yottede. 

Ungerechtigkeit in der Befteurung e^tftehea 
würde. — Wenn man aber auch daa reine Ehw 
kommen wirklich erforicht hat; xfo ifl eft doch 
m vielen FUllen fo gut als unmöglich, die daraiiC 
feilende Steuer gehörig eiaa^uuehen. Befopderf 
^t dieföa von dmm kleinen reinen Einkommen^ 
4mi in jedem ciiltivirten Reiche zufammeoge^ 
nommen fo grolse Summen bildet , dafs man e» 
nicht übergeltön kann, wenn man nicht ein» 
imerträglicW Lad auf die Wohlhabenden wer^ 
fen und diefo dadurch felbft in die Claflfe derer 
hefabdrüdLen will, die keine Steuern geben 
kodnen. Ein Syfiem, d^s fiph blofs auf directe 
Steuern befohränkt, fuhrt in einem Staate , der 
gro&e Bediirfnifife hat, unvermeidlich thejk zur 
Siärteften Tyranney in der Vertbeilmig und Bcr 
liefaung) theils dennoch zuletzt zum Deficit un4 
Bankrot *). ,— Dagegen fipd die Vorwürfe, 
welolm der indirecten Befieurung, fo wie fie 
ibisher in den meiden Ländern befchaffen i(l,.uttd 
wie fie ». 3. noch neuerlich Hr, Brunner gefchil- 
dert hat, allerdings nicht ungegründ'et Die 
Frage aber ill: ob fich diefelbe nicht fp verbef- 
tern laffe, da£i man durch eine verfländige Com- 
fainirung der indirecten rai^ den direoten Steuern 

*) Bloft wenn das pbyfiopratifoiie Syrern wabv wärt, 
würde dat directe Steuer(y(ieiA ausführbar und in der 
That dat vollkommenftc feyn. Allein •diefes Syftem 
ift nicbi nur von aUen Praktikern verworfen worden, 
weil et in der Ausführung feine UnthuAJichkeit a 
pofteriori teigte, fondem deffen Unrichtigkeit ift 
auoh öftere a priori dargetban, und von mir iaa« 
befondere , wifs^tch glau))c, auf eine fo evidente Art 
erwiefen worden, dafs fchwcrlich noch ein Verfuch 
gelingen kann , et gegen fo klare Thatftcbeu «o rat« 
ten« Man fehe ff« 50a b p. fg. 



H 



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Vdrrede. xsvit 

■ ^- ' — — 1— 

A6ni Princip einer gerechten und gleichen Be^ 
fleurting y ief näher komme ^ und den Zweck ei-» 
nes guten Auflagefyflems yiel ficherer erreiche^ 
als wenn man lieh auf Eine diefer SteuerclafTen 
ausfehliefslich befchränkt ? — Uiefes Problem 
glaube ich bejahend durch n^ine Theorie geldH 
tu haben, und ich bitte daher die Kritiker, die«» 
fem Th^e meine» Werks ihre Aufinerkiamkett. 
hauptf ächlich zu fdienken In der bisherigen 
Praxis ift man allenthalben und zu allen Zei- 
ten von der Vorausfetzung ausgegangen, dafii 
dieNothwendigkeit directe und indirecteSteoem 
lieben einander erfodert Aber die Ausführung 
fcheint von fehr dunkeln und verworrenen Be- 
griffen geleitet zu fejm. 'Ich bin der Praxis ge- 
folgt, aber ich habe yerfucht Licht hinein zu 
bringen, und dib Principien' feflzuflellen , wel- 
che diefelbe leiten müflen. Steht es fefl, daia 
jede NachforTchung über das reine Einkommen 
incmgelhaft und ungewifs bleibt^ fo muis die di^ 
recte Befteurung fo angewandt werden, dais fie 
tmt dasjenige Einkommen trifiV, was man mit 
Gewifsheit kennt, und zwar mufs fte dafielbe in 
fehr mäfsigem Grade jund nur folches belegen, 
wo die Steuer leicht und ohne dafs es zu harten 
£xecutionen zu kommen braucht, erhoben wer- 
den kann. Da abter auf diefe Art ein grofser 
Theil des Einkommeuß unbeÜeuert bleibt , und 
ein anderfr nicht in gehöriger Proportion be- 
fieuert wird; fo mufs diefer Theil auf andere 
Weife getroffen werden. Ich bringe hierzu eine 
theils directe, theils indirecte Confumtionsfieuer 
in Vorfchlag, und habe verfocht, derfelben ein© 
fbkhe Einrichtung zu geben, dafs man dabey dw 



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^- 



gröfstmöglichile Wahrfcheinlichkeithat: i)dafr 
fie gleichfalls nur nach dem reinen iEinkommen 
regulirt ifi; 2) da(s>iie hauptfächlieh das Ein-» 
kommen derer trifft, weldie entweder daflelb^ 
der öffentlichen Kenntpifs geflidentlich entsie-r 
liMi, oder dasjenige, welches fo klein ifi, dalä 
•s fich zur directen Einkommenfleuer nicht eig- 
net. 3) Wenn fie auch gleich das Einkommen 
derer berührt, welche fchon durph die directe 
Steuer getroffen werden; fo wird fie diefen doch 
tiicht in grö&ern Proportionen aufgelegt , als es 
geibhehen mürste, wenn das Staatseinkommen 
allein durch eine directe Einkommenfieuer nur^ 
iammengebracht wiirde. — Dafs auch bey die- 
fer Anordnung noch AuslafTungen und Ungleich«« 
heiten vorfallen werden , räume ich ein. Aber 
ich behaupte, dafe diefe imm?r vorfallen wer** 
den, welches Abgabqnfyfiem man ;auch ervirähle. 
Wenn aber eine gänzliche Vollkommenheit ei- 
ner Sache unmöglich ift, und die Sache doch 
nothwendiger Weife gemacht werden mufsj fo 
kann nicht mehr die Rede davon feyn , wie fio 
ohne alle UnvoUkommenheiten zu Stande zu brin^ . 
gen, fondern nur wie fie fo auszuführen fey, da6 
fie fich der Idee der Vollkommenheit am iheifien 
nähere ? Eine folche Methode habe ich anzugeben 
verfuchty und wenn es der Mühe werth gefunden 
wird, fie zu beachten und fie auszuführen: fo 
werden erfahrne Praktiker, die zugleich die 
Theorie richtig gefafst haben, noch viele Cele- 
genheit im Laufe der Erfahrung finden, ihr nach 
tmd nach eine immer gröfsere Vollkommenheit 
SU geben. Als unbedingte Schranken aller Finanz- 
maalaregeln habe ich die Prindpien des Rechts 



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Vorrede« jcaux 

I,., I I ' •*' I '■ ■ ■ 

«Q.die Spitse geHellt und kein Finanzgefetz auf^ 
genomiiien, das fich nidbt durch das Recht voll«« 
kommen rechtfertigen läfst; die Principien der 
Nationalökonomie müiTen gleicfafall« Schraokea 
)e.desFinan£fyflenis feyn, und es iü daher darauf 
idienthalben genaue Rückficht genommen. In«* 
deis können höhere Zwecke Torkommen^ deren 
Erreichung die Verletzung der Grundfätee der 
Naticmalökonpmie in einzelnen Fällen verllattetj 
jedoch darf diefes nur tdmporSr und fo feiten als 
möglich gefchehen. D^bey habe ich mich über**- 
haupt bemüht , die von mir aufgeftellte Finanz«- 
theorie der Ausführung fo nahe zu bringen , als 
möglich. Sie erfodert ,^keinenTodtenf{Mrung ei^ 
nier Revolution der ganzen Staatswirthfchaftnadi 
einem neuen Syil^n mit Zerilörung des ahen'^i 
wogegen ein erfahrne Staatsmann ^) mitRedit 
warnt. Meine Theorie läftt aUe alten Mate- 
rialien beliehen : fie giebt blofs Ideen an , wie in 
diefelben einebeflere Ordnung, mehr Licht, mehr 
Einfachheit und Einheit zubringen; fie möchte 
g6rn die blinde und dunkle Vertheilung der Steu-^ 
el^ in eine tichtbare und allgemein Terfiändliche 
Terwandeln, fo dafs jeder Befteuerte felbft einfe- 
hen mufs, warum er fo und nicht anders befleuert 
ift, und dals er nach den Principien der Gerech- 
tigkeit und Gleichheit, die Jedem yerfländlich 
find, nicht anders befleuert werden könn^. Ich 
woUte einen Verfuch machen, zu lehren, wie 
eine folche VerbefTerung olitie alle Erfchütterung 
der bisherigen Staats ~ undFinanzyerfaffung und 



^ Der Herr Staattminißer von Sehuekmanm in feinen 



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XXX Vorrede. 

allmählig einzuführea fey, und *fich mit der Ver- 
breitung richtiger Vorftellungen über das Prin- 
cip derßefteurung von felbfl finden müfie. Mei- 
ne ThecMtiie foUte felbß die Mittel in fich enthalt 
ten, wodurch jede Verirrung, welche in der 
Anwendung derfelben fich offenbaren möchte^ 
verbeflert werden könnte. Das: Prüfqtv alles 
und das Gute behaltet, hat mich bey Ausarbei- 

' tung diefes Werks nicht verlaffen, und ich wün- 
fchC) da& 63 auch der. Leitftem derer fey, die 
daflfelbe lefen und davon einen praktifchen Ge- 
brauch machen wollen. 

Die Erläuterungen führten mich natürlicher 
Weife oft darauf, Facta, die 'vor un(em Augen 
liegen, mit der Theorie zu ^vergleichen, und 
mehrere öffentliche Finanzmaafsregeln der Kritik 
zu unterwerfen. Dafs diefe nicht immer bey^ 
fallig ausfallen konnte , liegt in der Natur eines 
Verfuchs, das Gefchehene zu verbeffern. Ich 
glaube daher nicht, dafs Regierungen, deren 
Maafsregeln die Kritik triflft, fich dadurch belei- 
digt fühlen können^ da die redliche Abficht, Gnites 
zu bewirken, nirgends in meinen Urtheilen^ zu 
verkennen feyn kann , da es allenthalben nur auf 
Confequenz und Erkenntniis des Wahren und 
Rechten angelegt, und meine Schrift nur für 
folche beftimmt iß, die fie zu prüfen vergehen. Es 

, giebt viele Staatsbeamte, welch© geneigt find, jede 
Kritik öffentlicher Verordnungen, die von Schrift- 
ßellernJierrührt,' die nicht dem Entliehen jener 
Verordnungen beygewphnt haben , mit Verach- 
tung zu betrachten. Wüfste man, fagen fie, was 
alles gefchehen ifi, ehe die Verordnung erlaffeii 
worden, mit welcher Mühe alle^otiMn da^^iber 

ein-- 



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Vorrede. xxxt 

•ingeflögeii, wie alle Behörden vorher befragt, 
und alles Berichtete im .gemeinfchaftlichen Katlie 
erwpgen wordcfn ; fo würde man einfehen , dafs 
alles das , woran mis die Schriftfleller weislich 
erinnern wollen, längfi gefchehen, und weit mehr 
Rückfichten beobachtet find, als woran die fpe- 
culativen Herren gedacht haben: man würde 
fich dann befcheiden, zvl glauben, dafs unter dem 
möglich Ausführbaren immer das Beße gewählt 
i^^orden ifi; und wenn diefes dennoch nochi\4^än^ 
gel' hat, ib mu& man bedenken , dafs man.diefi^l 
oft Uols deshalb befiehen laflfen mufste, weil 
andere Maa&regeln , die der Theorie nach voll- 
konunner zu feyn fcheinen , in der Ausführung 
aoch mangelhafter gewefen feyn würden; fie 
würden überzeugt werden, dafii alle menfchliche 
Werke, und fo auch die FinanzmaafsregelUji 
nie von allen Mängeln befreyt werden können^ 
und man zufrieden feyn mufs, wenn 'man fblche 

erwählen kann, welche die wenigfien haben r 

Dieie Bemerkungen der .praktifchen Staatsmän- 
ner find im Allgemeinen richtig., Und allerdings 
bort man fehr oft die öfientlichen Maa^sregvln 
ohne y erßand und Einficht tadeln. IndeljTen wer- 
den verßändige und unparteyifche Stafitsuiänner 
auch einräumen , dafs , fo mühiame Vorarbeiter) 
auch gefchehen, und fo viele Arbeiten darauf 
gewandt worden feyn mögen, hierdurch doch 
nicht immer weder die zweclunäisigßen , noch 
die nodiwendigften Data zufammengebracht wor- 
den find, und da£s, um jene Data richtig zu be- 
nutzen, diejenigen, welche allgemeine Veror<l7 
nungen darnach erlalTen follen, auch richti^^ 
Principien und -Geiil im KopC« h^ben müflfw; 

». Jakoh Staats finamufijf. , O , 



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xxxü Vorrede. 

Schreiber dieies hat riel Gelegenheit gehabt, dio' 
Fragen zu fehen , welclie an hohe und niittlerd 
Beamte erlaffen wurden, um fich bey den zij er- 
laffenden allgemeinen Finan»v^ordnungen nacki 
deren Antworten zu richten. Er hat die ungc--' 
heuren Actenfttifse Tor fich gehabt, weichte mit 
Antworten darauf angefüllt waren , und kennt " 
die Mühe, welche es koßete, den Inhalt dieAnr. 
Fapierhauftin zu ordnen und klar darzuflellen^ 
Aber er weifs auch , dafs die Bemerkung eines 
einzigen Kaufmanns, eines einzigeii Gut^tbefit^oers, 
JB eines Schitflers o<Ier Schneiders , die mit der 
Localität und Individuahtät ilirer Gewerbe uml 
den Verhältniffen derfelben bekannt waren, dem 
Finahzgefetzgeber von'gröftenn Nutzen gewe(en 
feyn würde, als der ganze Wuft officieller, ge- 
meiniglich insgeheim eingezogener Nachrichten. 
Denn feiten habt^n die Provinzialbeamten, befon- 
ders die höhei'n , eine detaiUirte Renntnifs d^* 
Verkehrsund derlntereflen aller Claflen von Ge— 
werbsleuten ihrer Provinz, noch feltcnrr wiffcfrf 
fie die Puncte herauszufinden , welche bey dea 
vorfcycnden Finanzmaafsregeln hauptfächlioh zu 
beachten notlnvendig find, und am ällerfeltenile^n 
haben fie Eifer und Luft, das ihnen aufgetrageno 
Gcfchüft mit derjenigen Sorgfalt und Umficht zu 
betreiben, welche allein ein fruchtbares Refultat 
fiir die hohem Behörden geben bönntCv ^ — WVnii 
daher in einem Finanzfyßem i) lieh deutlich ein 
ganz fulfchesTrincip oder auch ^rinoiplofigkeit 
bfibnbart, und diefes durch die Kritik bewiefen 
wird; Xvenn 2) evident gemacht werden kann, 
dafs die Finanzmalifsregeln ganze ClalTen der Ein + 
^öhner zu Grunde richten , dafs fie einträgliche 



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Vorrede. xxxni , 

Geiverbe iserftoreD , oder andere niclit aufkom- * ^ y 
meii laden, weiln fie das geringe reine Einkorn- * ^ 

men Einiger ganz TerfchliQgcn, das^ gröfsere An* 
derer ;unberülupt laflTen; yvean klar nacligewiefen ' 

>verden kann, dafs fie die gar nicht trelfen, wetr 
clib fie treffen wollen , fondern die Lafi auf die \ 
Schultern iblcher fällt, die nach der Abficht des 
Staats davon frej bleiben fällten: fo kann eino , 
folclie Kritik, welche diefes beweifet, nicht mehf 
durch Vomehmthun oder durch Geheimni&krä^ 
merey abge^vi^fen werden. ^Vas maix fich wck 
für Arbeit und Mühe gemacht habe , um eij^ FK - ^ 

nanzfyftem, das £a fchlechte Folgen s^igt, xorzu«^ 
bereiten; es iA eine fchlechte Arbeit, eine ver-» 
lome Mühe gewefen, IMe Sac^ mufs beffer ge««* 
lernt und b^fler gemacht werden^ Wa hlpf^ 
Empirie herrfcht, da wird freylich eine gpründ^» 
liehe Kriltik amwenigflenrerflanden werden und 
auch am wenigfieii nutzen; wo ober die, welche 
die Finanzen leiten , höhere Einfichten befitzei^ 
da wird man fich gern auf Fehlgnffe imd übli^ 
Folge», die ron verkannten oder unbekannt get- 
blidbenenUmftänden herrühren, die hey der. er^ 
flcn Einführung neuer Finaniunaafsregehi nie 
ganz zu vermeiden find, aufmerkfam machcn«laf^ 
fea , da die Principien die Mittel finden l^en, 
die UnvoUkommei^^iten wegzufehaßenK -^ * Ich 
habe mich deshdib am wenigften gefoheuk, meino 
allgemeinen Bemerkungen mit Beyfpielea aus 
dem preufsifchen Staate zu belegen, und das der , 
Kritik zu unterwerfen, was mir in deffen Fi«an2%- 
fyfiem mangelhaft zu.feyn fchiea. Nicht als ob 
hier melnr Fehler zu fiudeix wären, ald in andern 
Ladern , es lie&e fich vielnieHr leicht das Ge- 

e a 



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xxxtv Vorrede. 

gentheil zeigen; fondern aus folgenden Gründen : 
i) Der preufsifohe Staat gehört zu denen, die 
nach Principien und nach deutlicher Einficht def- 
fen, was man will, regiert werden. Viele höhere 
dafige Staatsbeamten find wiflTenfchaftliche Män*> 
ner, die dasGrundlofe eines Tadels eben fo wohl 
deutlich zeigen können , als fie das Wahre darin 
anisuerkennen bereit find. Hior können alfb kri- 
tifbhe Bemerkungen am erflen belohnend werden, 
indeih fie entweder Gelegenheit geben, unge* 
gründeten Tadel zu berichtigen und fo die adop* 
tirten Maafsregeln defto deutlicher zu rechtfer- 
tigen; «oder, indem ^ie Bemerkungen, wenn 
man fiel für wahr erkennt, Verbeflerungen der er-- 
kannten Fehler am fchnellJden zur Folge habeft. 
d) Das, was in dem Staate gefchieht, wo ich 
lebe und wirke , ifl mir am heften bekannt. Ich 
war alfo weniger in Gefahr, falfche Facta an- 
zuführen und falfche SchlüflTe daraus zu ziehen, 
ab wenn ich meine Bey fpiele aus fremden Staaten 
entlehnt hätte. Ueberdies ift der preufsifche Staat 
mein Vaterland, und der Wunfeh, hier etwas Gu* - 
tes zu wirken, der ftärkfte. Endlich 3) war es mir 
auch erfreulich , hierdurch eine Gelegenheit zu 
finden^ denenjenigen, welche unfre neue Cenfur- 
ordnung gern in den Ruf einer feindfeligen Ten- 
denz gegen die Publicität bringen möchten,' einen 
Beweis in Thatfachen zu liefern, da(s unfre Cen- 
für freymüthigen Aeufserungen über öffentliche 
Einrichtungen und Gefetze, wenn fie auch diefe 
tadeln , keineswegs zuwider ift. 
Halle, im Augufi 1821. 



In. 



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halt. 



Einleitiittg. 

I. Begriff der FinaniwilTenrchAft . (f •- i . •• 

IX. Rune Gefchichte uod Bücherkimde^ der Fi- 

nantwüTenfchaft ^ t)* 5*5^ • 

in. Leitende allf emeine GrundfäUe für die Fi- 

aanswilTenfchaf t • ' • . . H* 55 * 4^* 

IV* Nähere Beftimmuog des Inhalts der Finanz* 

wiflenfchaft und Plan diele« Lehrb'acht ^, 4^ "44* 

Erftes Buch. 

Von der vStaatf eioaffhme. ' ^ 

Einleitung. Von den Mi tteln, den Suatf auf irand 
ta befriad^en I im Allgemeinen • • ff. 45-49. 

Erfte Abtheilung. 
Von dem Einkommen ans den Staatsgütern oder Domainen* 
Erfter Abfchnitt, Von den Suattgütern im 

Allgemeinen • • • • H- 5^ ' 57* * 

Zwejrter AbCohnitt. Von den einxelnen Arten 

der Domainau insbefondere • . M« 5d*5^, 

I» Von den Laadbaog&tem dee Staati ff. 6o-sia. 

IX. Von den Staats Waldungen • • ff. 215-3^. 

IXI» Von den StnaUfaiergwerken ^. ff. 27/ -508. jliad . 

'f Zweyte Abtheilung. 

Von dem Öffentlichen Einkommen aus den Finanxregalien. 

Erfter Abfchnitt. Von den Finantregalien über- 
haupt . ... • H« 309-31S. 
ZwejrterAbfehnitt. Von den Finanzregalien 

inshefondere • • . * M. 3>9* S^o. 

I. Von der Benutzung der Juftiz und Policey als 
• Finant^oelle .... H-S^^'S^S« 



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XXXVI Inhalt. 



U. Von dem Wald , Jagd- u. WalleiregM |(. 514* 5*5. 

III. Von den^Bergworks. und den damit suCam- 
menhÄiigeiidcn Regalien . ' tf. 544-380. 

IV. Von den gemeinfau^ou Gütern iiud Ijcrrenlo- 

/en Sachen w *o, .o« 

V. Von den monopohihfcken Staattgewcrljen JJ. 330-4^0. 

Dritte Alytheilnng. ' 

Von deiii Ätaatfeinkditomen an« Abgaben, 
Erfttfr AbXchnitt. Von d^i fitaataeiukornfnen 
an« Abgaben im Allgemeinen^ 

I. Von dem Kechte de« Staat« i Abgaben zu fo- 

^^^ • • . . • M»i5t*459. 

II. Von 4^n «Ugemeiaften GrundlSttea für die 
Anordnung der Abgaben . , , f». 4^9.464. 

III. Von den Quellen , au« welchen die Abgaben 
entrichtet werden rnfKIen . . H.^S'i'Ktn 

IV. Eintheilung der Abgaben , * j. J^J) 
ip w e y te r A b f c h n i 1 1. Von den verfchiedenen 

Arten der Abgaben insbefondere. 
I. Von den Zwangedi enA en , Natural- und Geld- 

abgaben . . . . U cx^^kU 

IL VondenPerfonaUleaemo4erdenperrönlichen ^ 

u Von den Abgaben, die nach dem eigenthäm« 
liehen ßefitze oder dem Vermögen regulirt 

^"^ ü. KSe-KT^ 

9. Von den Abgaben, die nach dem gemilbhten 

£inkoinmen geordnet find • W 58o-a8ö. ' 

5. Von der Eegulirang der Abgaben nach dem 
reineii Einkommen eine« jeden« 
A. Von der Grundrente , , ü k^'^Oaa. 

m. Von der Gapitahin«rente ., U.6!;.tfjr 

C Von der Induftri^rente . . 1 £ 2^ 

4 Von den Abgehen, welche nach der Au«gabr^ 
geordnet end, insboTondere den Confnm- 
tionsfteuem , , im ^ 

JV. Von dem ünterrcWede der dirVflten 'nnd ii.- ''^' 
di^teu Abgab« . , , «.708.?^ 



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Inhalt. ^cxxvjt 



Dritter Ablchnitt. Voir dem «nCi^rerdtiali* 

«hen Stafttseinkommen • • •• H« TH'^r^r* 

I. VoB dem Suatifchatift . • .» ij. 7tö-*7S5. 

,21» Von derErkohiung der g«w51iolic]i«n oder der 

Auflegung neuer Abgaben « .. (I* TS^-^Zf^. 
m. Yen Veräuff erung der Staattgüler oder «nde» 
rer Euinahmequellen und deren böbetn Be* 

uutsung , .. lt«74*-745* 

tr» Von der BeauUnng des StaaUeredite ^f. 74$ -St 5« ^/li 

* • 

Zweytes Buch. 
Von den Staattausg rb«B« 
Einleitung. Betriff und Eintkeilung der St^t#*^ 

autgaben » . • • • g. Uß'^di^ 

Srfter Abrchnitt. Von den A'-^gabea I6r 

die BedfirfbilTe der feuveiainen ^facbt ^. 955-glo» 
•''Zweyter Abfcbnitt. Von den Ausgaben fQr 

die Bedfir&ÜTa de« Givilregimenta ^^, 0#i-«9i>^ 

Dritter AbroHnitt» Von den Aufgaben liir 

^ die Bedarf nüTe des Militairregiments 1^ 91* *H^* 
Vierter AbXchnitU Allgemein« Bemerkun- 
gen über den Autgabtf -Etat. ^ J^ SB^^S^ 

Drittes Buch. 

Von der Plnantrerwaltuftg» 

Einleitung. Begriff und Eintbeilung der Lehr« 

Ton der Fi nant Verwaltung • . ff. 9(4 «^. 

Erfter Ablcbnitt. Von der Einkeit und Ein« 

fachKeit in der Finantverwaltung ff. 967*989» 

Zweyter Abfchnitt. Von* der riobtigen Ver* 
* tkeiluDg der öffentlichen LaAen | bcluuders der 

Abgaben » • ^ • ff. 990-998» 

!• Von der Erforfcbnng des reinen Einkommens 
der £intelD<>n und der Vertbeilung dar Ein- 
kommen fteuer darnach • • ff. 999. looo. 
1» Von der GrAdrente « « ff« 1001-1055. 
a. Von der Capitalrcnte • • {^. 1054-1063. 
.5, Vpn der Indunrierentef • , • ^l ioS^-jioi. 



/ 



V 



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aüocvm Inhalt. 

* ■ < - , ■ . I ■ ■ , ■■ 

II. Vo^ äer Aaordouiig der Goiifumtiontfteuer 

. '• • . • . ' ^. 1109. 4105^ 

1. Ton 4er Möglichkeit, die Gonfnmtionslleuer 

Tdn dem reinen Einkommen oitisutiehen ff. 1104- 1119» 
ft. Welche« find die pafflichlien Gegenftände f or 

die Gonfurationfiteuer • • If« 1120- 1155* 

5« Von den Maafsregeln, welche bey der Con* 

fumtiontfteuer in befolgen , um die Gewerbe 

nicht lu fttfren • • H*i«96-ii45« 

III. Von den Steuerbefreynngen . ff. ii4&-ii74« 

IV. Von der Beßeurung der Ausländer ff. 1175-1196. 

Dritter Abfebb^tt* Von der Brbebung der Ab- 
gaben • • . • • H* ^> 97* 1^99* 
I. Von der directen, und indirecten Ste^iereihe* 

hung • • • . K. 1199- lagS» 

II* Von der Selbftedminiftretion und Verpachtung 

der Steuern • • ' ' ii* 1256- 1267. 

Vierter Abfchnitt. Von der Erhaltung der ge- 

nauen tJeberGoht und der Vergleicbung der 

Staatseinnahmen und Staatsausgaben • (.1268* 

!• Von der Eintheilung der FinanzTerwaltung ^» 1369 - 1272. 

ir. *Von den Finanzetats • • (f. 1273*^ 1282* 

IJI. Von den Staatsc^lten • • ff. i255-i5o(>. 

IV. yon dem Staatsrechnungswefen ff. 1307-1515. 

V. Von detGontroUe der Finanzen ff. 1516-1323. 



Grund 



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Gr undfät ze 
der 

StaatsfinanzAviffenfchaft 



M r fi • r B a^n d. 



v.UUkStaaufinmnzUfiJf. A 



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Einleitung. 

I. 

Begriff der Finanzwiffenfchaft. 

JV^it dem Staate entftehen öffentliche Gefcbäfte, 
die zum Wohl der bürgerlichen Gefellfchaft noth« 
wendig und nützlich find. Diefe werden mit der 
Vervollkommnung und Erweiterung der bürgerii* 
chen I Verhältnlffe fo weitläufig und verwickelt, 
dafs fie nur von gewiffen Perfouen, die fich aus* 
fchlieCslich damit befchäftigen , zweckmäfsig und 
vollkommen verwaltet werden können. Sowohl 
die verhältnifsmäfsige Belohnung eines folchen Per* 
fonals, als die Ausführung vieler andern gemein* 
fam^ni Zwecke der bürgerlichien Gefellfchaft, 
macht einen gewiffen öffentlichen Aufwand 
für den Staat nothwendig. 

Die Wiffenfchaft von den Grundfi'tzen , nach 
welchen diefer öffentliche Aufwand am bellen be- 

■K a 



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Einleitung. 



ftVitten wcrden-kann, wie alfo einerfeits dielMittel 
dazu am zweckmäfsigften zurammengebracht, und 
afldererfeits am befieu verwandt werden, lieifst 
die Finanz.wiffenfchaft. (S. meine Einlei- 
tung in das Sludium der Staatsw. $. i6. u. 5o6.) 

An merk« Eslwäre wohl belTer, wenn das fremde, ety- 
mologifch zweifelhafte und unbeAimmte Wort Finanz 
vermieden werden könnte» Wir haben zwej deutfche 
Wörter , welche angrenzende Begriffe bezeichnen: 
Staatthauthal tung und Staate wir thfcliaft. 
Jenes bezeichnet einen weitern BegtifT. Denn ui^ter 
der Hauthaltung verlieht man löwohl die Beforgung 
alles defien* was zu den BedürfniUen eines Haufes oder 
einer Familie uothwendig iß, als die Kegierung der 
Ferfonen, die dabey gebraucht werden. (Siehe auch 
SbgrhartTs Synonymik.) Nach diefer Analogie wird 
alfo die Staatshaushaltungskunli denfelben Begriff an- 
deuten y iden man gewöhnlich mit dem Ausdrucke der 
Innern Politik verknüpft. Lageren macht die 
Wirtlifchaft nur ei^en Theil der Haushaltung aus. Sie 
. beßeht in der Kunit , die Bediirfnifsmittel anzufchaffen 
und lie zweckmäfsig zu verwenden, 'Sbuach würde der 
Ausdruck : S^aatswirthf chaf ts wif f enfchaft, 
Xehr gefchickt feyn, um das zu bezeichnen, was mau 
Finanzwiffenfchaft nennt* Indeffen hängt dem 
Begriffe Staat eine Z)weydeutigkeit an , welche macht, 
dafs man diefen Ausdruck bisher gebraucht hat, 
um einen voti dem, was Finanzwillenrchaft Keifst , 
Terfchiedenen Bcgrilf zu bezeichnen. Es wird nKm* 
lieh durch das Wort Staat bald die bürgerliche Ge- 
fellfchaft felbft, das Volk, wie fevn es einen Ver- 
ein, ein Ganzes ausmacht; bald das organiGrte R6- 
gierungsperfonal dicfer Gefellfchaft , welchem die 
Bek>rgung ihrer öffentlichen Zwecke anvertrauet ift, 

) angedeutet. Nimmt man den Ausdruck Staatswirth- 
fchaftswiffenfchaft im erffern Sinne ; fo Jsegreift Ce die 
Parßellung derjenigen gefclligen Verhältniffe in ficht 
in welchen das Nationalvermögen am vortheilhafte» 



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I. Begriff der Finanzwiflenfchaft. ^ 



iten erzRgt, Tertheilt und rerwandt werden kann. 
In diefem Sinne hahen bifher viele Schriftßeller den 
Ausdruck Staatswirthrdiaft genommen. Andere haben 
diefes lieber Nati onal wi r thfchaft nnd Natio- 
nalökoApmie nennen mögen, bie Frantofcn nen- 
nen es ^conomie poHtique, dadurch vorzüglich 
auf die Maafsregeln der Regierung und die öffentlichen 
Inlb'tutionen hindeutend, welche auf denNad'onalwohl- 
Aand Einflufs haben. Denfelben Aasdruck brauchen 
auch die Engländer und Italiäner, obgleich bcy letz- 
tern fchon fehr früh diefe Wiffcnfchaft mit Econo- 
mia nazionale bezeichnet wird. Im andern Sinne 
aber wird Staatswirthfchaftslehrc nichts anders bedeu- 
ten ](önncn, als die Willenfchaft y welche gewöhnlich 
Finanz wiUcnrchaft heifst. So lange indelTen jeneZwey- 
deutigkeit dem Worte anklebt , Icheint es beCTer, den 
Ausdruck Finan« bey zubehalten; bcfondert, da et 
durch den langen Gebrauch Xo benimmt iä , dafs Nie- 
mand leicht etwas anders dabey denkt ^ als was wir 
eben erklärt hoben, 

I 

Kurze Gefchichte und Bücherhunde der Finanz-- 
wijfenfchafi. 

§.Z. 
Die Finanzwifrenrcbaft ift erft ein Froduct 
der neuern Zeiten, und es fehlt noch viel an ihrer 
VoUkoaimenheit. ^ 

Soba^I Gemeinwefen ^ntftanden, zeigte fich 
auch das Bediirfnifs eines Aufwandes fOr das Gan- 
ze« Wo fich einzelne Mächtige an die* Spitze 
ftellten, und fich das Vermögen aller zuzueignen 
wufsten, indem fie den ihnen Unterworfenen nur 



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6 Einleitung. 

fo viel abgaben 9 als zu ihrem UnterRnte unent* 
behrlich war, da mufsten freylich diere Mächtigen 
dei) öffentlichen Aufwand aus ihrem Vermögen 
allein beftreiten. Ihr Reich glich ^em Haus* 
wefen > in welchem der Hausherr allein Herr und 
Einnehmer ift, und folglich auch alle Atisgaben 
allein zu beftreiten hat, übrigens aber über dio 
Krä£te und Dienfte der Seinen gebietet. 

§. 5. 
Da es aber in den frOhern rohen Zeiten der 
Gefellfchaft kaum einen öffentlichen Zwejck giebt» 
der Koften erfodert, aufser etwa der/ Vertheidi^ 
gung gegen äufsere Feinde oder des Angriffs auf 
dielelben : fo wurde der Ueberflufs der Mächtigert 
auch faft nur hierzu angewandt; die ärmeren Un- 
tergebenen mufsten ihre phyfifchen Kräfte nach 
dem Befehle Ihrer Herren dazu hergeben, und 
wurden dafür mit Nahrung und Waffen verfeheq, 
t)der auf Plünderung angewiefen. 

§. 6. 
Wo indeffen der Staat gleich nrfpfünglich 
mehr -aus freyea ^^ von einander unabhängigen 
Leuten zufammengefetzt wurde, da finden wir 
ynehrere Beyfpiele in der Gefchichte, dafs zu, d«m 
öffentlichen Aufv^ande gleich urfprünglich? ein 
Theil der Nationalgüter beftimmt und von dem 
Privatgebrauche gänzlich abgefondert wurde, wie 
bey Stiftung des fpartanifchen , rdmifchen und 



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IL Gefcll. u.Bücherkunde^d. FinanzAY. 7 

anderei; amn Staaten. Eine folctie Ordnung der 
Dinge fetzt auch eine 'Verwaltung des öffentlichen 
Guts zum Voraus, die jedoch, fo lange es bey die* 
fer Einfac^bit bleibt, ohne weitläufige WiTfen- 
fchaft leicht zweckmäfsig gefflhrt werden kann« 

$• 7- , 

Wo aber dergleichen Gemeingfiter nicht vor- 
handen find, und die Staat sgefeilfchaft aus meh- 
rern unabhtngigen und vermögeiTden Leuten be* 
Hebt, oder wo jene Güter nicht mehr zur Errei- 
chung der öffentlichen Zwecke zureichen, da tritt 
öie Nothwendigkeit ein, die PriTatkräfte der Ein- 
zelnen in Anfpruch zu nehmen, und zu verlangen, 
düfs fie die Staatszwecke entweder unmittelbar 
duroh ihre perfönlicben Dienfte, oder durch an* 
dereBeyträge aus ihrem Privat vermögen befördern 
helfen. Diefe Nothwendigkeit hat Geh fall in 
allen Staaten gezeigt, fobald fie zu einem höhe- 
ren Grade der Vollkommenheit und Cultur gelangt 
waren. 

§ 8. - 

Wo ßch nun dergleicheiraedürfniffe zeigten, 
da fehlte es zwar nfe an Mäpnern, welche da, tvo 
Dienfte, Güter oder Geld zu finden waren,' die- 
feiben für den Staat zufammen zu bringen wufsten. 
Allein es dauerte' lange , ehe fich folche Begriffe 
gehörig entwickelten, nfch welchem deutlich ein- 
zufehen war, wie die Staatseinkünfte fo zufam-* 



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% Einleitung. 

qiengebracbt werden könnte^, dafs Niemand dabey 
beeinträchtigt, fondern Jeder nach Prinipif^ien der 
Gerechtigkeit und Gleichheit befchatzt wOrde. 

5- 9- 
Wie weit die Griechen und Römer in der 
Anordnung ihrer Begriffe über das Finanzwefen / 
gekommen, läfst fich fchwerlich fagen,» do die 
vorhandenen Schriften, nur geringe Fragmente 
über die Einrichtung ihres Finanzwefens enthalten. 
Was darüber aus den griechifchen und römi- 
fchen Schriftftellern bekannt ift, findet man ia 
folgenden Schriften zufammengeftellt. 

I. Hiltorifcher Verfuch über die römifchen Fi- 
nanzen, von Heffewifch. Altona i8o4* 
S. Grundzüge des Finanzwefens im römifchen 

Staate, Von Boffe.' Braunfchweig i8o5. 
3, Die Staatswirthfchaft der Athener, von 
BÖih^ Berlin 1 8 1 8 — ig« 2 Bde» 

$. lo. 

Insbefondere zeigt die Ge(<?tffchte des römi- 
fchen Finanzwefen^Kmter einigen Kaifern, dafs 
man fich mehr um das Zufammenbringen grofser 
Summen bekümrperte, als darum: ob dabey auch 
die Regeln der Gerechtigkeit und Billigkeit beob- 
achtet, und ob der Zweck des Staats dabey ge- 
fährdet werde, oder nicht; ob fich gleich nicht 
leugnen lifst, dafs die Einrichtung des römifchen 



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U. Gefch. XL. Bücherliunde d. Finanz w. 9 

Steuerwjefehs im Ganzen helle £ififichten über die 
Ncttur deffelben verritfa« 

5. !!• 
In den deutfchen Staaten wurden die öffcnt- 
liehen Ausgaben in den fröhern Zeiten hauptfäch* 
lieh aus den Einkünften der Staatsgüter» welche 
mit den PrivatgQtern der Fürft^n häufig. vermifcht 
wurden, beflritten. Regalien und zubillige Ein» ' 
künfte» die fflr befondere Dienfte des ^aats gezo- 
gen wurden > halfen diefe, wo jene Quellen nicht 
zureichen wollten, vermehren. Wo aber noch 
mehr erfoderlich war, da konnte der Furft, in der 
BegeJ, nur^ mit Bewilligung der Stände Beyträge 
erhalten. Siehe 

1. JT. JSr. Langes hiftorifche Entwickelung der 
deutfchen Steuerverfaffung feit den Karolin- 
gern bis auf unfere Zeiten. Berlin il. Stettin 
1793. 

2. K. J. Hätlmanr^s Finanzgefchichte des Mit- 
telalters. Berlin i8o5« 

$. 12. 

Wo aber auch die Stände die Steuern bewil- 
ligten, da bemerkt man doch nicht immer, dafs 
die Anlage und Vertheilung derfeiben auf richtigen 
filnfichten beruhte* 

§. i3. 

Als insbefondere die fiehenden Heere auf« 
kanaen und immer eine gröfsere Ausdehnung er- 



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lo Einleitung. 



/ 



hielten, und als die fich biufenden und fcbnell auf 
einander folgenden Kriege einen immer gröfsern 
Aufwand foderten , endlich als die Staatsverhält- 
xiiffe immer verwickelter, die gemeinfimen Zwe- 
cke mit dem wachfenden» Reichthum der Völker . 
immer mannichfaltiger, und die Verbindungen 
der Völker in Europa fowohl unter fich^ als mit 
den entfernten Welttheilen^ immer häufiger und 
felbft fürjeden/Einzelnen wichtiger wurden^ hier^ 
durch aber wiederum die Streitigkeiten fich mehr- 
ten , und die Kriege koftfpieliger und dauerhafter 
zu werden anfingen; fo wuchs auch der öffentliche 
Aufwand immer mehr und mehr. Es mufsten 
deshalb auch mehrKQnfte angewandt werden, dem 
Vermögen aufzulauern, und ihm, wo es fich nur 
blicken liefs, etwas abzunehmen, um die Staats« 
(cafTen dadurch zu fallen. 

Am leichteften wurden Zölle und Acci- 
f e n als Quellen neuer Einnabhien entdeckt. Diefe 
floffen um fo reichlicher, je mehr die WaarenmaC* 
fen. fich häuften, und der Handel den Ländern 
Tiel ausländifche Producte zufabrte. Wer diefe 
Abgaben zuletzt bezahle, und ob dadurch eine ge- 
rechte und gleiche Vertheilung der Abgaben be- 
wirkt werde, daran dachte man weniger, als an 
die Summen , welche dadurch in die Staatscaffen 
gefcbafft wurden , und an die Leichtigkeit , der« 



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II. Gefqh. u. Büchefliunde d.Finanzw. it 

gleichen Abgaben aufzulegen , ohne der Einwilli- 
gung der oft widerftrebenden Landftande zu be- 
dürfen. 

§. x5. 
Da insbefondere das Geld um fo mehr fichtbar 
wird» je lebhafter die Circulatio^n ift; fo fand 
die Speculation der FibanzkMftler in der zuneh- 
menden Circulation des Geldes ForzQglicb ein fie 
anlachendes Mittel, recht viel Geld in den Staats- 
fehatz zu bringen. Denn wo fich nur Geld oder 
Geldeswerth blicken liefs, beym Einkauf und Ver- 
kauf, an den Landesgrenzen, in den Städten» btj 
Erbfchaften , Anleihen , Käufen von Immobilien, 
bej Gefchenken u. f. w., verfuchten fie die Hand 
auf den Beutel zu legen, um von dem aus einer 
Hand in die andere übergehenden Gelde etwas in 
die Staatscaffe zu ziehen. 

Auch da, wo man zwar nicht Geld fahe, aber 
es doch ahndete, lüchte man es zu erhafcben. 
Man belegte Vermögen und Einkommen aller Art 
mit Abgaben. Um dabey ungeftörter zu vcrfah* 
ren, verfc^honte man die, deren Einwilligung man 
bedurft hätte, und erkaufte dadurch die letztere, 
wo fie nöthig fehlen, für die Befteiirung (blcheic 
Bürger , die, nach der hergebrachten Weife, kein 
Recht des Widerfpruchs hattenC' Auf diefe wurde 
deshalb die Hauptlaft des Staats gewälzt. Die 



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12 Einleitung. 



Landftände ftimmten gern dazu, weiui doch ein- 
mal der öffentliche Aufwand nicht zu rermeiden 
^war, dafs andere geben follten, wenn fie fich nur 
ffelbft dadurch von Abgaben frey erhalten konnten. 
Daher wurden die niedrigem Stände durch Staats* 
frohnen, Militärdienfte , Requifitionen, Natural- 
lieferiingen undGeldfoderungen oft erdrückt, wäh- 
rend die, welche das Volk vertreten follten, ^ch 
die Staätslaft federleicht machten. 

$. 17. 

Die Finanzkunft beftand unter folchen Ver- 
hältniffen in nichts anderem , als in der Gefchick- 
lichkeit, irgend eine Quelle zu entdecken, viror* 
aus für den Staat Geld zu fchöpfen wäre.. So 
lange diefes aber ihr einziger Zweck war, oder 
doch zu feyn fchien , konnte fie dem Volke nicht 
anders als höchft verächtlich und felbft haffens* 
werth erfcheinen. 

$. 18. , 

Befonders mufste eine folche Methode, wel« 
che Steuern ohne Rückficht auf den Zweck der 
Staatsbürger erhob, alsdann^.drückend erfchei- 
nen, wenn letztere fich mit den fteigenden öffent- 
lichen Bedürfniffen immer mehr und mehr ver- 
gröfserten und jährlich wiederholt werden ntufs- 
ten , welches beydes durch cUe Einführung der fte- 
henden Heere nöthig wurde. 



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II. Gefch. n. Bücherkunde d. Finanzw, 1 3 

Dafs eine folche Art, die Bey träge zu dem 
StaatseinkoxTinir)D zu fammeln , ftt.lerbaft war, 
mochte wohl fchon Fon manchen eingefefaen wer- 
den, als jene Unordnungen noch herrfchten, und 
es konnten viel beffere Begriffe über die gute Ein- 
richtung des Finanzwefens gefammelt feyn, eb^ 
dlefe beffern EinGchten zur Anwendung kommen 
konnten. 

f 20. 

Indeffen waren es doch hauptfächlich jene 
T^irsbriuche und Jie Leiden der Völker, die durch 
eine fchlechte Finanzverwaltung Ober fie gebracht 
wurden, welche den menfchlJchenVerftand antrieb, 
darüber nachzufinnen, wie das Finanzwefen auf 
eine gerechte und billige Art eingerichtet werden 
könnte. 

$. £1. 

Man fing an, dieKönfte der bisherigen Finanz« 
Verwalter zu zergliedern, und das Verderbliche 
derfelben für die Unterthanen und fQr die Regen- 
ten felbli deutlich zu machen. Man zeigte , dafs 
durch ein fo rhapfodiftifches, auf keine fiebere 
Grundlage gebauetes Verfahren die Quellen, wor- 
aus der Regent feine Einkünfte ziehen foll, er- 
fcböpft, und dafs fie%ndlich gänzlich ausgetrock» 
net werden; man bewies, dafs dlefelbe Summe 
von Einkünften auf eine folche Weife erhoben 
werden könnte, dafs die Quellen, woratis fie 



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14 Einleitung. 



fie genomitien worden, immerfort diefelbe Summe 
zu liefern im' Stande feyn, ohne dafs man fie zu \ 
erfchöpfen brauche. 

Man ftritt alfo nicht gegen die Staatsbedürf- 
nilTe und gegen die Nothwendigkeit» fie zu beft'ie« 
digen; aber man fuchte zu beweifen, dafs es mög- 
lich wäre: 

1} Mittel anzuwenden, wodurch das Volk durch 
öffentliche Mafsregeln felbft bereichert, und 
dadurch in den^ Stand gefetzt werden könnte, 
dem Staate fogar mehr als jetzt zu geben, 
ohne dafs es dadurch Noth litt, oder ohne 
dcffs "es dadurch aufser Stand gefetzt wQrde, 
in Zukunft daffelbe zu geben ; 
a) die jStaatsbedürfniffe auf eine folche Weife 
zu befriedigen, dafs dieUnterthanen dadurch 
nicht allzufehr angegriffen würden , fondern 
^ genug übrig behielten, um neue Capitalien 
zu fammeln und jährlich mehr zu erwerben, 
fo dafs dadurch für die Staatseinkünfte fogar 
eine jährliche Zunahme möglich würde, fo* 
bald es die Noth er^dern foUte; 
3) die Auslagen und Staatslaften auf eine folche 
Weife zu vertheilen, dafs nicht mehr die eine 
Claffe der Einwohner allein bedrückt ^wflrde, 
fondern dafs ein Jeder einen proportionirlich 
gleichen Antheil daron übernehmen müfste. 



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( 



II. Gefch. u. Bücherliunde d. Finanzw. 1 5 

So entwickelten fich allmählig ächte Grund« 
fötz^ der Staatswirthfchaft, 'und die Finanzkünft 
bildete fich zu einer Finanz wiffenfchaft aus. 

In diefem Geifte bereiteten die Finanzwiffen- 
fchaft vor : in F r a n k r e i c b die Verf affer mehre- 
rer Memoiren, als: SiiUy, Turgot u^.ty und an- 
der^ in ihren fonftigen Schriften, wie yauhan 
(Dixme royale), St. Pierre^ und fpät er, tiefer in 
das Staatsrecht eingehend, die fogenannten Oeko. 
nomiften (^Queanai und deffen Schüler); in 
Deutfcbland: SeckendorJ , Schrödter, Loen 
u. f. w.; in England: Mortimer, Stewart vlhJl 
andere; in Italien: Genovefi, f^eri u» L w. 

§. 24. 

Man gab der Finanzwiffenfcfaaft dadurch ihre 
WOrde, dafs man anfing, fie in ihrer innigen Ver- 
bindung mit dem Zwecke des Staats zu erwägen. 
Üer Zweck aller Staatsausgaben wurde genauer 
zerglic^dert, die Grade der Nothwendigkelt und 
Nützlichkeit einer jeden ernfihafter unterfucbt. 
Das Finanzwefen erhielt dadurch feine beftimmte 
Stelle und wurde dem Staatszweke gehörig un« 
tergeordnet. 

$. 25. 

Von Jufii (1768) gabi in Deütfchland dar 
Finanzwiffenfchaft zuerft ihre wjffenfchaftliche 



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1 6 Einleitung. 



Form ; ihm folgten die meiften Scbriftfteller wohl 
ein halbes Jahrhundert hindureb. 

*. 26. 

Einen noch feftern Grund gewann aber die 
Finarizwiffenfchaft durch die neueren Untcrfa- 
cbungen über die politifche oder die National* 
Ökonomie« Denn dadurch wurden die Quellen 
des Nationalreichtbums erfchöpfend zergliedert; 
es wurde dadurch deutlich, aus welchen Fonds 
alle Abgaben zuletzt bezahlt werden, und unter 
weichen Umfiänden man fich allein Hoffnung ma* 
eben kann, dafs fie leicht und fortdauifrnd ent* 
richtet werden können. Hieraus muffen fich denn 
auch die Regeln finden, nach welchen die Abga- 
ben auf eine gerechte Art zu vertheilen find. 

§. 27. 

Derjenige, welcher diefe Zergliederung zu- 
erfi wiffenfchaftlich vornahm , ift Adam SmitK 
Sein Werk über die Urfachen des Natio« 
nalr eicht bums brachte eine Reform in allen 
Staatswiffenfchaften überhaupt hervor, und mufste 
insbefondere eine gänzliche Umbildung der Finanz** 
wiffenfchaft bewirken ; denn ihre Hauptgrundfätze 
find dadurch wefentlicb Gerindert, und es hat in» 
fonderheit die Lehre von den Abgaben von dem* 
felben ein ganz neues Licht erhalten. 

$. 28. 



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IL Gcfch, ru Bücherlcunde d. Finanzw. 17 

§. 28. 

Wenn auch Adam Smith^a Lehre nicht allge- 
mein und unbedingt angenommen worden ift» fo 
hat fiedbcb allenthalben neue Unterfuchungen und 
neue Anfichten erweckt; felbft die, welche das 
Alte erhalten wollten, mufsten es auf neuen We* 
gen verfuchen. Und io ift durch A.- Smith und 
durch feine Nachfolger in England {Torrens, Ri-- 
^ardo)y in Frankreich (ßaf)y Italien QSismöndi) 
und Deutfchland {Kraus, Sartorius, Soden und 
eine Menge anderer) hauptfächlicb ein neues Le- 
ben | in die Staatswiffenfchaften gebracht worden, 
Diefes hat auch auf die Bearbeitung der Finanz- 
wKTenfchaft unter den Deutfchen eiuen grofsen 
Einflufs geäufsert, und mufs ihn noch in der Folge 
. äofsern. 

$• 29. . 

Die Praxis erfodert diefe Vervollkommnung 
der Wiffenfchaft eben fo dringend, als die Theo- 
rie* Denn fo lange die Staatsbedürfniffe gering find, 
kann allenfalls eine rhapfodiftifchc, unregelmäfsige 
und ungleiche Vertheilungi der Abgaben beftehen, 
ohne dafs iie die Nation zu Grunde richtet. Aber 
ihre Wirkungen werden immer drückenc^er und 
zerAorendelr, je gröfser die Summen find, welche 
dadurch zufammengebracht werden follen. Nun 
find aber durch die letzten Kriege alle Staaten in 
fo tiefe Schulden gerathen, dafs deren Verzinfung 
und Wiederbezahlung, neben der Befriedigung der 
V» Jakoh Staaufinanzwijf. B 



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1 8 Einleitung. 



Gbrigen gleichfalls eher zunehmenden als abneh^ 
znenden Staats- und Gemeindeb^dflrfnifTe, viel 
gröfsere Summen erfodert, als fonft die öffentli- 
chen BedQrfniffe' verlangten» Aus diefen Gründen 
ifl die Vervollkommnung der tlnanzwiffenfchaft 
zugleich dringendes ZeitbedfirfniXis des praktifcben 
Lebens. 

§. 3o. 

Wir befitzen indeffen noch fehr wenig voU- 
ftSndige Syfteme der Finanzwiffänfchaft, welche 
nach den neueften Unterfuchungen bearbeitet find. 
Dagegen haben einzelne Haupttheile derfelben, 
befonders die Lehre von den Steuern und Abga* 
ben, fcbon jetzt den grofsen Einiufs derfelbeu 
erfahren. 

$. 3i/ 

Bine ziemlich vollftändige BQcherkunde der 
Finanzwiffehfchaft findet fich: 

1. in der Literatur der Jurisprudenz und Politik 
von Erfch. Amfterdam und Leipzig i8i2. 
Cjedoch nur neuere und deutfche Werke bis 
auf das^Jahr der Herausgabe.) 

2. in Rüdiger*8 Staatslehre« Halle lygS. 

3. in Harl's theoretifch-praktifchem Handbuch 
der — Steuerwiffenfchaft. 2 Theile. 1814/ 



$. 32. 

Kirr begnügen wir uns, diejenigen Schriften 
anzuführen, welche theils ein originelles Syftem 



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II. Gefch. u. Bücherkunde d.Finanzw. ^9 

' ' " ■ j ■ ■ ■■ ■ . ■■■ 

d^rFin^nzwirfenfcbaft aufgeftellt, theils dleHaupt- 
tbeile deffelben^ nameotlicb die Lehre von den 
Abgaben , auf eine ausgezeicbn^te Art in befon- 
dern Schriften abgehandelt haben. 

i. 33. 

' An der Spitze derer» welche die Finanzwif* 

fenfchaft vollftändig zu bearbeiten anfingen» fiebt 

das Werk von Jußi^ wovon jedoch nur d^r erfte 

Theil erfchienen ift : 

.. Syftem des Fina^zwefens u. f. w., von Joluxnn 

Beißrich Gottlob. von Jußi. Halle 1766« (Für 

, * die damalige Zeit fehr brauchbar > und lange» 

zum Theil npch jetzt das einzige Handbuch 

der,praktifchen Slaatsmänner.) 

Folg^des BQcMein ift b^ofs deshalb merkwflrdig, 

weil e$ die Grundfätze des Finanzwefens, welche 

unter Friedrichs U. Regierung inPreufsen befolgt 

wurden, zien^ch vollftändig darftellt, ob es gleich 

fonft keinen wiffenfchaftlicheif Werlh hat : 

Abrifs von einem Polizey- und Fininzfyftem 

zum Gebrauch regierender Herren. Entwor» 

fen von Ernß von Mrnßhaufen. Berlin i788, 

ate Auflage. ^ 

Das Merkantilfyftem ifl von Sonnenfeh auf das Fi« 

jianzweffn angewandt in deffen 

ISrundfätzcn der Polizey, Handlung und Finanz, 
von Sonnenfels. Wien 1787. Dritter 
Theil, welcher die FinanzwilTenfchaft ent* 

hält« 

B 2 



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20 , Einleitung. 



Die neueren Unterfuchungen findet man benutzt in 
2/br/'« VoUftändigem Handbuche der Staatswirth* 
fchaft und Finanz. Erlangen 1811. 
Ein originelles and beachtungswerthes Syftem der 
Finanzwiffenfchaft enthält folgende Schrift: 

Die StaatsfinanzwifTenfchaft. Ein Verrucb von 
Julius Graf von Soden. Leipzig 1811. C^er 
Nationalökonomie fünfter Band.) f , 

*. 34. 

Ueber die Äbgabenlehre insbefondere find zu 
bemerken : 

1. /. TV. von der Lith VoUftandige Abhandlung 
von den Steuern. Ulm 1766. 

2. C/..irr6>zcJtc'Ä Steuerwefen, nack feiner Na- 
tur und Wirkungen. Darmftadt und Giefsen 
j8o4* 

3. Dejfen Werk: Ueber die Grtftidfätze einer 
gerechten Befteuerung. Heidelberg 1819. 

4. Efchenmayer'sWox^chUg zu einem einfachen 
Steuerfyftem. Heidelberg 1808. 

5. D. KrehVa Steuerfyftem nach den Grund- 
fätzen des Staatsrechts and der Staatswirth- 
fchaft. Erlangen 1816. 

6. Dejfen Beyträge zur Bildung der Steuerwif- 
fenfchaft» Stuttgard 1819. 

7. JSTe/i/er'Ä Abgabenkunde. Tobingen i8i8* 
Diefe Autoren gehen indefs zum.theil von fehr 
verfchiedenen Grundfätzen aus. 



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[ 



III. Leitende allg. Grundf f. d. Finanzw. 2 1 * 

Eine gute Nachwelfung der Steuerverfaffun- 
geo verfchiedener Länder findet man in 

Jtiarl's Vollftändigem .theoretifch - praktifchen 
Handbuche der gefammten Steuerregulirung. 
2 Bde. Erlangen 1816. 



III. 

Leitende allgemeine Grundf ätze für die Finanz^ 
, mfpenfchafu 

§• 35. 

Pie FinanzwiTfenfchaft foll den Zweck der 
bürgcriichcn Gefellfchaft befördern helfen. Sie 
fetzt daher ^inen deutlichen und richtigen Begriff 
Ton dem Zwecke derfelben voraus, und kündigt 
ficb als deffen Mittel von felbft ihm untergeord- 
net an. Der Zweck des Staats fchrän^t daher 
alle iinanziellen Maafsregelii ein» und er ift der 
Hauptpunkt, mit welchem fie verglichen und an 
welchem fie geprüft werden muffen. 

$. 36. 

Da nun die Zwecke des Staats (Einleitung ia 
d* Stud. d. StW. $$. g. 262. u. f. w.), mit welchen 
das Finanzwefen in Collifion gerathen kann, darin 
beftehen, dafs allgemein Gerechtigkeit gehandbabt, 
und der Wohlftand aller einzelnen fowohl als des 
Ganzen durcb das allgemein bürgerliche Band 



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a2 Einleitung, 



möglichlt erleichtert und befördert werde ; fo 
werden alle Finanzmaafsregeln durch die Princi- 
pien der Gerechtigkeit und der National- 
ökonomie elngefchrSdkt und modificirt werden ^ 

muffen. 

*• 37. 

Die Gerechtigkeit verlangt: 

1) Dafs keine Finanzmaafsregel den allge- 
meinen Zweck der Staatsbürger weder in 
allen , noch in einzelnen Gliedern des Staats 
zerflöre; iasbefonderi, dafs fie keine Unge- 
rechügkeit gegen irgend jemanden enthalte. 

2) Dafs der eine nicht in einer gröfsern Pro- 
portion zu den Staatf;la(len bey^utragen ge- 
zwungen werde» als der andere; oder dafs 
jeder nach dem Maafse der Vortheile und des 
Vermögens, das er unter dem Schutze des 
Staats geniefst,* zur Erhaltung deffelben bey- 
trage, wenn die Nothwendigkeit Beyträge der 

einzelnen erfodert« 
f 
Erläuterungen. Prüfung einiger finanziellen Maals- 
regv»ln nqcH diefen GrundfäUen, als: in Beziehung 
auf Nr. 1. die Staats^läubiger zu zwingen, ZufchüITe 
auf ihre Staatsobligationen zu geben , unter Andro- 
hung gänzlicher Annullirung derfelben — Bezah* 
, lang der in Metallgeld bedungenen Zinfen in ver« 
fcblcchtertem Papiergelde — Kelb'ictiou der Bank- 
zahlung in England. In Beziehung auf Nr. c. WäU 
zung aller Abgaben auf einige Stände mit A^isnahme 
der reichten u. £• w. 



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III. Leitende allg. Grundfi f. d. Fijiaiizw. z 3 

S- 38. 
Wenn fich gjieich dicfe Principien der Ge- 
rechtigkeit, befonders von Nr. 2. (§. 37.)» nicht 
^ in jedem einzelnen Falle fireng ausführen laffen, 
• weil es die eingefchränkte menfchliche Kennt nifs 
verbindert : fo mufs doch das Befireben oderr der 
ernfiliche Wille vorhanden feyn » jedes fich ent- 
deckende Unrecht diefer Art aus dtmFinanzfyftem 
^egzufchaffen. 

§. 39. 

Die Nationalokx)noinie gebietet die 

Schonung der Quellen des Wachsthums des Na* 

tion^lvermögens; fie fbdert die gröfste Zweck- 

mäfsigke^t ubd Sparfamkeit in den Finanzanla^n. 

Erläuterung: Grundanfl agen ,. die den reinen Ertrag 
YerfcKlingen ; Abgaben, welche die Gewerbe hemmen ; 
Dienfte , Welche weniger Nutzen bringen , als in der 
Zeit, wo man lie ^einrichtet, fonft dadurch gefchaffen 
werden könnte j Befoldung tiberflüffiger Staatibeam- 
ten u. !• w. 

Die Foderungen der Gerechtigkeit ($. 3y.) 
an die Finanzwiffenfchaft find unbedingt; die Fo» 
derungen der Nationalökonomie niOffen- fich Ein- 
fcbrsinkungen gefallen laffen, fobald dlefelben durch 
höhere Zwecke unvermeidlich geboten werden^ 

Erläuterung. Chambrts ardenus '^ ^-^ Navigations- 
acte — QuarantaiaeanHaUen — Monopole* 






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^4 Einleitung. 



IV. 

Nähere Beflimmung des Inhalts der Finanzwif^ 
fenfchaft und Plan diefea Lehrbuchs. 

$. 4>.' 

Die FinanzytrifTenfchaft kann nur die allge- 
meinen Grundfätze enthalten, wonach das Finanz«» 
wefen eines jeden Staats beurtheilt und geprüft 
werden mufs. ^ 

§^ 42. 
Die Anwendung diefer allgemeinen Grund- 
fätze auf ein befonderes .Land fetzt eine genaue 
Kenntnifs defTelben voraus, infonderheit derRech« 
te der Unterthanen , ihres Vermögens, Zuftandes, 
des Grades ihrer Cultur, ihrer befondern Erwerbs - 
iidd Nahrungsguellen und der Einwirkung der 
verfchiedenen Finanzoperationen auf diefelben. 

Erläuterung. Aulage einer Grundfteuer — Catafter — 
Bonitirung — Privilegien — Fabrikenüand — Arbeits* 
lohn — ConXumtion n. f. w. 

Die Finanzwiffenfchaft ftellt das Syffcem je* 
ner Grundfätze mit ihren allgemeinften Folgen und 
Anwendungen dar, fo dafs jeder in der Praxis 
'vorkommende Fall darunter pafst und darnach be* 
urtheiU werden kann. Auch da,' wo der eine in 
der Finanzwiffenfchaft aufgeftellte Grundfatz we- 
gen der in der Wirklichkeit vorkommenden Hln^ 



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IV. Inh. d. Finanzw. u. Plan dief. Lehrb. 25 

derniffe nicht angewaadt werden kann , tnufs den- 
noch das deshalb abgeänderte Verfahren durch 
andere Grundfatze der Finanzwiffenfchaft gerecht- 
fertigt werden können. Wird man durch die Üm- 
flände gezwungen, auf eine Vollkommenheit im 
Finanzwefen Verzicht zu leiften jund ein Uebel zu 
wählen: fo mufs die»Finanzwiffenrchaft wenigftens 
lehren , welches unter den Uebeln das möglichft 
kleinfie fey* 

Aus dem Begriffe der Finanz wifTenfchaft (§. 2.) 
ergiebt fich fchon» dafs darin 1) von den Mitteln, 
den öffentlichen Aufwand zu befireiten, d. i. von. 
der öffentlichen Einnahme^ 2) von dem öffentli* 
chen Aufwände feibft oder den öffentlichen Aus« 
gaben, und 3) von den Mitteln, die Einnahme 
imd Ausgabe gehörig zu ordnen und mit einander 
zu vergleichen , gehandelt werden muffe. 

Deshalb werden wir die Finanzwiffenfchaft 
in folgenden drey Büchern vortragen : 
Erfte's Buch. Von der Staatseinnahme. 
ZweytesBuch. Von der Staat$ausgabe oder 

den StaatsbedOrfniffen. 
Drittes Buch» Von den Mitteln, die Staats- 
einnähme und Ausgabe zu ordnen und mit'ein* 
ander zu vergleichen, oder von der Staats« 
hausbaltung. 



r . 

« 



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±6 Elftes Buch. 



Erftes Buch.' 
Von der Staatseinnahme. 



Einleitung. 

Von den Mitteln ^ den Staatsauf wand zu befriedigen^ 
im Allgemeinen^ t 

§. 45. 
Was Prlratperfonen zur Beförderung gemein* 
famer Zwecke aus freyem Belieben thun; was 
Regenten oder Heerführer durch RequiGtion per- 
föolicher Dienftleiftungen oder Naturallieferungen 
dazu zufammenbriogen, das ift. kein Gegenftand 
der Finanzwiffenfcbaft. Diefe betrachtet nur die- 
jenigen Mittel, welche nach beftimmten Regeln 
und Gefelzen zu Befriedigung der Staatsbedarf* 
niCfe dienen. 

S. 46. 
Zwar läfst fich nicht in Abrede ftellen , dafe 
reiche und mächtige Oberherren, fo wie manche 
begüterte Privatperfonen , aus ihrem Privatver- 
mögen mancherley gethan haben und noch thun, 
um öffentliche Zwecke zu befördern , und dafs fie ' 
dadurch dem Volke manche Ausgabe erfparen 
und ihm manche Wohlthat erzeigen. Aber da diefe 
Mittel fo wenig einer beftimmten Regel folgen 



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Von der Staatseinnahme, 57 

nDd fo wenig bleibende "^Quellen der Staatsein-^ 
einnähme feyn können , 'als die Requifitionen von 
Inländern oder Ausländern: fo find weder jene 
noch diefe ein Object der Finanzwifrenfchaft. 
Diefe erwägt nur diejenigen Quellen der Staats« 
cinnabine, welche beftändig fortdauern und nach 
befiimmten (^efetzen benutzt werden können. 

Diefelben laffen fich fQglich auf folgende vier 
zurückführen : 

1. Staatsgüter oder Domainen ; 

2. Regalien; 

3. Staatscapitale ; 

4* Abgaben in Natura oder in Gelde. 

$. 48. 

Die Staatscapitale verdienen keine "befondere 
Betrachtung« Ein Staal^ würde fie n<mlich dadurch 
zu einer befondern Quelle feines Einkommens ma« 
eben, daf^ er die von ihm'gefammelten Capitale 
auf Zinfen ficher ausliehe, und von dem daraus 
entfpringenden Einkommen die öffentlichen Be- 
dürfniffe beftritte. Allein der Fall, wo etwas Aehn- 
licbes gefchehen, kommt feiten und nur bey eini- 
gen kleineren Staaten Vor. Die meift^ Staaten 
haben weder Luft noch Gefchicklichkeit, Capi* 
tale zu fammeln« Und in jedem Falle würden fie 
gröbern Staaten nur ein fehr fchwaches Mittel 



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flg Erlies Buch. 



gewähren, da, doch dergleichen Capitale Die vöa 
fehr grofsem Umfange feyn könnten, und noch 
mancherley Bedenklichkeiten gegen das Anfam- 
mein grofser Capitale in dien Händen- des Staats 
Statt finden. Was darüber bemerkt zu werden 
verdient, wird gelegentlich da, wo es iich fchickt, 
erwähnt werden. 

' - $. 49. 

Es bleiben daher nur folgende Quellen der 
öffentlichen Einnahme übrig, welche eine aus* 
fahrliche Betrachtung in der Finanzwiffenfchaft 
verdienen : 

I. die Domainen oder Staatsgüter ; 
. 2. die Regalien; 
I 3. die Abgaben oder Steuern. 



Erfte Abttxeilunff. 

yon dem Einkbpimen aus den StaatsgüterA 
oder Domainen.* 

ErfterAbfcIinitt. 
Von den Staatsgutem im Allgemeinen^ 

§. 5o* 
Man nennt folche GrundfiQcke, welchd dc^m 
Staate eigentha-mlich gehören, und de^en 
Einkünfte zur Befbreitung der öffentlichen 



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Von der Staatseiiinahme. 29 

Ausgaben beftimmt find,' StaatsgQ.ter oder 
Domainen* 

Anm. Domainengüter nnterfcheiden (icli deshalb Von 
folchen Gätern, iwelche dem Kegenteti nach dem Pri- 
vat^chte und zu feinem Pri?ateigenthume gehören. Zu* 
weilen ift eft fchwer, diefe von jenen %u unterfcheideiiy 
da der Urfprnng des Eigenthums an folchen Gütern fich, 
Läufig in dunkle Zeiten verliert*, und' es eine Zeit gab» 
wo die PrivatFerhältniHe des Regenten von fei;ien öiTent* 
liehen in vielen 3taaten kaum unterf chieden wurden. In 
Sparta , Köm und andern alten Staaten , wo die Königo 
nmji Herrfcher oft weclvfeUen , da war der Unterf chied 
iwifchen Staatsgütern und Privatgütem des Staatsober- 
hauptes beltimmt genug bezeichnet. In den Feudal« 
ßaaten aber fiel der Begriff des Staats und des Fürßen 
faft g'anz zufammen. Wo insbefondere der Kegent un- 
befchränkter Erbfurft ward, da wurde das, was dem 
Staate und was ihm gehörte , leicht ganz vermifcht* 
Mthr abgefordert blieb diefes in Ländern, wo fich 
Stände entwickelten und aufrecht erhielten, die daa 
S^taatseigenthum bewachten , befonders wenn das Reich 
zugleich Wahlreich war, wo bey jeder neuen Wahl 
klar werden mufite, was, dem Reiche und was dem 
Fürteen izukam. 

§. 5i. 
Die Staatsgüter könöen beftehen: 

1) Aus einem vollftändigen Elgenthumsrechtt 
an ganzen Landgütern, einzeloen Stöcken des 
Grundes ond Bodens, als Fddern, Garteo, 
Wiefen, Waldungen, Teichen, Seen, Gebäu- 
den, Bergwerken, Salinen u. f. w. 

3) Aus mit diefen Gründftacken verbundenen 
oder fonfk begründetert' rechtlichen AnfprO» 
eben an das Grandeigeothum anderer^, wonach 



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20 Erltes Buch. 

C , 

die Fefitzer fo|cher Grüade verpflichtet find, 

dem Staate einen Thell des Ertrags abzugebent 

und denfelben» es fey in ENenftleiltungen, oder 

in Producten des GrundilQcks» oder in baarem ^ 

Gelde zu entrichten. 

Anm. Bergwerke und Waldungen» fo fern fie Staats« 
ergenthum Had/ mtilTen zu den Domainen, und niclit, 
wie oft gefohieht, zu den Regalien gereclinet wer- 
den. Sie weHen nur dann Kegalien, wenn das Recht 
darauf nicht aus einam der gewöhnlichen Erwer^ 
bungstitel des Eigenthums » Xoudern jius den Hoheits* 
rechten abgeleitet wird. 

, $. 52. 

Die Rcchtsanfpröche auf Leiftungen oder Ab- 
gaben > die auf andern' Gütern haften, find eine 
Art von-Miteig^nthum, indem fie dasEigenthums* 
recht des Befuzers auf mancherley Art befchrän- - 
ken. In wie fern nun diefe Leiftungen einen Geld- 
werth haben»* helfen fie offenbar für denjenigen, 
der im Befitze derfelben ift, ein Einkommen biN 
den. Es gehören abe^r diefe Rechtsanfprüche ^ 
theils zu den Dominiallandgütern^. tbeils beruhen 
fie auf andern Verbältniffen. 

$-53. 

Die erfteren rühren aiis der Art und Weife 
her, wie fich die Grundherrlichkeit und das davon 
abgeleitete Eigentbum der Vafallen und Bauern 
nicht blos in Feudal-, fondern auch in manchen 



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Von der Staatseinnahmen 3 1 

andern Staaten gebildet hat. Denn da Grund 
und Boden meiftens von d#n Mächtigen und Gro* 
fsen erworben/wurde, fo machten diefe den klei- 
nen Leuten 9 oder andern, welchen fie Landereyen 
abliefsen , die Bedingungen , unter welchen fie ih-v 
nen LandftOcke überlafTen wollten. Diefe beftßn- 
den, gewöhnlich in beftimtnten oder unbeftiinmteA 
Herrendienften und Abgaben in ^Naturalien, die 
erfi; fpäter zum Theil in Geldabgaben verwandelt 
wurden» Dergleichen Reohtsanfprüche und Rechts» 
Verbindlichkeiten zwifchen den Grundherren und 
ihren Belehnten wurden dann an die Gotcr ge^ 
IcnQpft und von den Befitzern der herrfchaftllchen 
Gfiter verlangt, von den Befitzern der Vafallea* 
guter geleiftet. Wir treffen daher diefes Verhält^ 
nifs faft bey allen Rittergütern gegen die Bauer- 
gttter an , und wo es nicht Statt findet, iH es ge» 
meiniglich erft in fpätern Zeiten aufgelöft. 

Da nun die LandesfQrften in Deutfchland aus 
den gröfsten Grundherren entftanden,' und ihre. 
Dominiallandgüter nichts anders find, als theils 
ihnen urfpranglich angehörige, theils durch £r* 
oberung, Erbfchaft, Schenkung, Kauf oder an* 
dere Titel erworbene Herrengüter: fo iffc hieraus 
deutlich genug ,^ wie jene Dominialrechte entftan- 
den und in langjährigem Befitze- hinlänglich be- 
gründet find. 



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32 Erftes Budi. 



§. 55. 
Eine andere Art von RechtsanfprQcbea an 
fremde Gater bilden die Zeh enden, die auch 
hier und da zu einem landesherrlichen Einkommea 
geworden find. Denn obgleich der Zehend ur* 
fprünglicb hauptfächlich ein Einkommen ill, jwel- 
ches für die Geiftlichkeit beßimmt war, ufid ihr 
auch in vielen Staaten noch angehört: fp bli^b 
das Einkommen doch auch denen , welche ficb der 
Güter oder der Rechte der Geiftlichkeit bemäch- 
tigten. Und fo ging das Recht auf den Zehendea ' 
da, wo die geifilicben Gflter, Klöfter, Bistha* 
meru.f.w. weltlichen Landesherren anheim fielen, 
auf die Landesherren über und half das DominiaU 
einkomnien vermehren* Denn man kann derglei- 
chen RechtsanfprQche auf einen Theil des Ein- 
kommens eines Landgutes am füglichfien als eine 
Art von A'Iiteigenthum betrachten , fo dafs die be- 
zehndeteh Güter den Zebendherren zum Theil ge- 
hören; Auch finden fich Rechte auf Zehenden 
mit vielen Gütern verknüpft, wo fie nicht aus dea 
Rechten der Geiftlichkeit abgeleitet werden kön- 
nen , und wo fie mit den Rechten auf andere Art 
Leiftungen gleichen Urfprung zu haben fcheinen. 

' $. 56. 

Mit welchem Rechte die Anfprüche auf Lei- 
ftungen, Lieferungen, Abgaben, Zehenden u«f.w. 
vom Staate erworben» ift jetzt nicht mehr Zeit . 

zu 



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I 



Von' der Staatseinnahmen 33 



zu unterfucheo; und was man auch fQr Unrecht 
l)ey dem erften UrfpruDge diefer Rechte ahnden 
oder entdecken möchte: fo kann man doch diefes. 
feit vielen hundert Jahren befiehende Recht nicht 
abändern» da der langjährige ungeftörte Befitz ein 
unbeftreitbarer Rechtstltel^ft, ohae deffen Aner* 
kennung die meiften £igenthumsyerhiltni|^fe zer- 
Hört werden wfirden. 

Die*Anfprficbe auf Dienfte» Abgaben und Ze« 
henden haben in ihren Wirkungen immer diefelbe 
^iatur, fie mögea nun auf befundern GOtern haf* 
ten» oder auf einem andern Gründe beruhen. Wir 
werden 6e daher bej der Betrachtung der Domi* 
niallandgüter im Allgemeinen ip Erwägung ziehen» 
da die meiften diefer Hechte an fie geknüpft find« 

Zweyter Abfchnitt* 
fin dm tinztlntn Arttn der D omainen insbe/onders» 

«. 58. 
Die hauptfächlichften Domainen in den mei- 
' ften Staaten find: 

1) Landbaugflter, und zwar a) Güter mit 
grundberriichen Rechten und Gerechtigkeir 
ten gegen die Vafallen, und anderes von ihnen 
abhängiges Grqndeigenthum; ^) andere ein- 
zelne .Uomainenftücke 9 die mit jenen eine 
-9. Jakob StaaufinanMwiff* C 



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34 Erftes Buch. 



gleiche oder ähnliche ländliche Benutzung 
haben, als: Aecker, Wiefen, Teiche, Stein« 
brOche ü. f. w. 
* -2) Waldungen; - 

3) Berg^werke und Salinen« 

• '. ' 

§• 59. 

Wir verftehen unter LandbaugOtern folche» 
wobey der Landbau die Hauptfache ift/ Oft find 
mit (b|chen Gütern ^auch Waldüngen , Fifchereyen 
und andere Wirthfchafts^weige verbunden , die 
nicht eigentlich untfer dem Begriffe des Landbaues 
fiehen^ aber fie find fodann nur Nebenzweige. 
Da Waldwirthfcbaft auf ganz andern Grundßtzen 
beruht, als Landwirthfcha^^ fo muffen die Wal- 
dungen eben fo, wie die Bergwerke und Salinen, 
insbefondere erwogen werden. 

I. 

Von den LandhaugQtem des Statt«, 

$. 60. 

Der grdfsteTheil der Staatsdomainen befteht 
in *den,meilten deutTchen Ländern in Landgütern, 
die mit grundherrlichen (adeligen, ritterfchaftli- 
chen) Rechten verfeben find. Sie beliehen daher: 

1} in dem eigenthümlidienBefitz eines gröfsern 

V oder kleinern Terrains, aus Aeckern, Wie- 

fen, Teichen, Wäldern u. f, w. zufammcA* 



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} ' Von" der Staatseintialime* 55 

gefetzt. Üiefe ßnd bald zu Einem Ganzeh ver* 
bunden, und in Einen Hof, der die dazu nd* 

' thigen Wohn- und Oekonomiegebäudc ent- 
hält > vereint, bald in mehrere, mit Woba^ 
und Wirthrchaftsgebäuden Terfehene Neben« 
Oekonomieböfe (Vorwerke) vertheilt. 

ft) In den mit dem Befitz folcher üflter verbun« 
denen grundberrlichen Hechteii« 

Diefe Rechte find gewöhnlich: 

1) Das Jus patronatus« 

2) Die Gerichtsbarkeit Aber alle, die auf 
dem Territorio dts Oats Befit2ungen haben, 

^ oder darauf angeliedelt find. 

3) Das Obereigenthum Aber alle Ländereyen 
und BauergOt^r, welche der Grundh^r, Vor 
alten Zeiten, an folche, die iich auf feinem 
Boden angefiedelt haben, abgelaffen, und 
Aber welche er Geh gewöhnlich"' folgende 
Rechte, welche «ufamtnen ütiter dem Namen 
des Obereigenthums begriffen werden, vor* 
behalten hat, nämlich t a) das Jagdrecht 4 
b)das BehOtungsrecht der Baueräcker; c)dic 
Anerkennung des Grundherrn als Oberlehns- 
herrn, und die damit verbundene Leiftung 
gewiffer Abgaben, es fey jährlich, oder beym 
Wechfel der Befitzungen, oder bey andern (Ge- 
legenheiten; d^ die. Leiltung gewiffer. DlenÜe 

•Ca 



^ • 



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36 Erftcs Buch. , 

, ■ ^ ■ ' > ' . 

oder Frohnen, umfpnft^ oder gegen geringe 
Entfcbädigungen far die Ritterhöfe ; auch wobl 
e) gewiffe Natural- oder Geldpräftatiönen. 
4) Ällerley Privilegien, als : das ausfchliefsende 
Beobt auf dem Territc^rio, Mahlen ,' Braue- 
teyen, Branntweinbrennereyen , Ziegeleyen 
!!• f; w« anzulegen» und die InfafCen zu zwin* 
gen, fich keiner andern als.diefer Anftalten 
zur Befriedigung ihrer Bedarfniffe zu bedie- 
nen, ausfcbliefslich Schenken und Gafthöf* 
zu halten 9 u. f. w. 

$• 62. ) 
Betrachtet man nun erftl ich diefe verfchie*i 
denen Quellen felbft| aus welchen die Domainen* 
guter ihr Einkommen geben, fo zeigt fich : 

l) dafs zwar dasjenige Einkommen, weichet 
aus dem Ertrage der Ländereyen , als Felder, 
Wiefen, Waldungen, Teichen u. f. w. erzielt 
Wli'd, ein folcbes fey, welches auf eine Weife 
entfieht, wodurch unmittelbar Niemanden, 
Abbruch gefchieht, und es kommt daher nnr 
darauf an, diefe Quelle fo zu benutzen, dafii 
daraus der gröfstmöglicbtte reine Ertrag ge- 
zogen werden kann. 

Was aber * y 

a) das Einkommen aus den fogenannten grund« 
herrlichen Hechten angeht^ fo ift zu bemer- 
ken: a)dafs einige derfelbeb gar kein oder 



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Von^ der Staatseinnahme. ^ 



*Mrttari 



ctocii nur ein unbedeutendes Einkommen ge« 
wShren , und daher in der Finanzwiflenrchaft 
^kei tx Beachtung werth find; b) dafs von 
denen > welche ein Einkommen geben» die 
meiaen datfelbe auf eine folche Weife lie- 
fern, die deniGruudfatzen der Nationalöko* 
nomie geradezu entgegenwirkt« 

$. 63. 

Das Jus patronatus fibergehen wir ganz, 
weil es nichts einbringt, und alfo nicht in die Fi- 
nanzwiffenfchaft gehört. 

$•64. 
Ueberdie Patrimonialgt richtsbarkeit 
ift viel geftritten worden. Das Refultat davon ift, 
dafs fie zwar von Nutzen feyn mag, fo lange die 
Ihr Untergebenen blots arme Leute ohne Bigenthum 
und ihrem Grundherrn abfolut unterworfen find; 
dafs fie aber vieles von ihrem Nutzen verliert und 
leicht fchädlich wird, fobäld diö Unterthanen Ei* 
genthnm gewinnen , und auch noch andere Inter« 
effen zu beförgen haben, als die ihres Herrn. 
Denn in diefeth Falle wird offenbar : 

i) dafs fie das Recht der Unterthanen in Ge- 
fahr bringe, weil der Herr in vielen Fällen' 
Richter und Partey zugleich ift, und es kein 
hinreichendes Mittel giebt, den Einflufs des 
richterlichen Eigennutzes und der Partey- 



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58 - Erftes Buch. 



lichkeit auf rfie Richterfprüche des Pairimo- 
nialgerichts zu b^mmfin, Diefer Einflufs ift 
vm fo gröEser und um fo gefährlicher, je grö« 
fser die iMacht und das Anfehen der Grund- 
herren ift. Alfo il^ es vor allem bedenklich, 
diefe Gewalt in den Händen desjenigen Grund- 
herrn zu Jaffen, der zugleich Souverain ift, 
und der die Gerechtigkeit durch feine iür iba 
iniereffirten und mächtigen Landescollegia 
oder gar durch feine Pächter adminiftriren 
läfst. 
ö) Das Einkommen, welches aus der Verwal- 
tung der Gerechtigkeit entfpringt, ift für die 
DomainengOter gemeiniglich fehr gering. 
Wäre es bedeutend; fo wärediefes fqboii al- 
lein, ein Gründe einjß folche Einrichtung zu 
verwerfen. Denn es motte bedej>klich-fcbei* 
jien, dem Staate fein |^inkommen auf eine 
fo trübe Quelle anzuAy^eifen , da es die Staats», 
pflicht verlangt, die Gerechtigkeit den ün* 
terthanen fo wohlfeil als mdglich, wp nicht 
ganz umfonft, zukommen zu laffen. Es wird 
alfo Pflicht für den Stallt feyn, alle flbertrie* 
bene Unkoften bey der Tuftiz zu vermindern. 
JZieht er aber bey feinen Domainen felbft eia 
grqfses Einkommen davon ; fo wird diefep 
Umftand ejne ftarke Triebfeder feyn,' das 
Unvollkommn^ und Schlechte, weil es ihm 
etwas Qiubriügt, beftehen zu laffen. -«^^ Was 



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Von der Staatseinilalmie. g^ 

^ ' - . 1 _ 

aber die Juftizpflege dem Staate als Ritterguts- 
befitzer auch einbringen m&ge, er verliert das 
Einkomiliea daraus nicht einmahl » wenn er 
die Patrimonialgerichte aufhebt, weil er auch 
als Staat das Hecht verwaltet, und das alTo in 
feine Caffe fliersen mufs, was fonft das Patri- 
tnonialgericbt erhob* 

Anm. Das Uebel der Patrimnnialgericlite wird ctttdurcli 
nicht Termiaderty dafi eign« fachkundige und ^en 
höhern Gcrichtsin (tanzen verantwortliche Gericht!« 
Halter angeftcllt werden, die dai Kecht im Namen 
.des Patrons verwalten. Denn die Stellung dieler 
Gerichtshalter ift im Allgemeinen immer fo, tdaCi 
der Grundherr oder Pachter einen grofsen Ei^flufa 
auf (ie hat Es bleibt immer ffir die Bauern fchlimm, 
Coh das Recht von dem fprechen xu lalTen , der an 
ilures Gagners TiXche fich^s wohl leyn lälst. 

$,65- 

Was das Jagdrecht betrifft, fo kann davon 
nicht die Rede feyn ,- in wie fern es auf die Jagd 
auf eignen Feldern eingefchränkt ifL Das Vor« 
recht^der Dominialgflter beftebt vielmehr darin» 
dafs 6e die. Jagd auch ausfchljefsiicb auf -den Fei« 
dern ihjrer Bauern und oft^noch auf dön Fluren 
vieler andern Privatleute ausüben können, und 
alfo auch das Recht beßtzen, der Benutzung die« 
fer Felder folcbe Befcbrankungen aufzulegen, wel« 
che i^ Ausübung ihres Jagdrechts hinderlich fal* 
len könnten* 



<^ 



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4P - Erftcs Buch. 



' $. 66. 
Aus einem folchen privifegirten Jagdrechte 
kann nun allerdings ein Nutzeij für den Berech« 
tigten entftehen ; allein eine Sehte Staatshaushal- 
tung mufs fragen: ob der Nachtheil, der daraus 
fCk* die mit diefem Rechte befchwerten Fluren er- 
wfichft, nicht gröfser fey, als der Vortheil, den das 
Domfjnengut aus einem folchen Rechte durch Be- 
nutzung der Jagd ziehen kann ? — Ift diefes der 
Fall, fo wird offenbar das Nationaleinkommen 
dut^cb eine folche Befchwerung gefchwicht, und 
das Einkommen der Domaine aus dem Jagdprivi* 
leg|o vermindert die Nationalproductiqn» 

$.67. 

Noch mehr ift das letztere der Fall mit 
dem Hutungsrecht«; (4*6i.) auf fremden Fei« 
dern« Denn der Nutzen, diftr aus einer folchen 
Behutung für die Domainenfimter entfpringt, ift 
fehr gering, im Vergleich mit dem NachtheilCi. 
den die Aecker, welchen ein fo läftiges Servitut 
anhängt, davon haben. Könnten diefe frey benutzt 
werden ; fo v^Orde ihre Production oft um -| ver* 
gröfsert werden können, wovon der Nutzen, der 
den Aemtern aus der Hutung entfpringt, vielleicht 
kein Zwanzigt heil- ausmacht. 

Erläuterung. Ich kenhe eiuDomaiiieiignt, weichet 
das HutuDgtrecht auf 4000 Morgen fremden Landee 
hat, wovon wenigen« 5000 Morgen gutes Ackerland' 
lind. Für aooo $U Schafe faetiüiit jenes Amt 600 AthL 



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Von der Staatseinnahme. 41 

jährliche Pacht , worin das Pachtgeld für jene Hutnnf 
begriffen iÜ* Wir woUen «annehmen^ daCi auf dieft 
Hutung 900 Rthl. fallen , da die Pacht für eigne Weide, 
auch mit in Reifen 600 KthL ßecKt. Wir wollen femeir 
letzen, daft der Nutien der Mitberechtigten gleich» 
fallt noch 500 Rthl.. Rente fey: et beträgt alfo di# 
ganze Benutzung der Weide auf dielen 4000 Morgen 
600 RtkL '— Ein Morgen Ackerland von derfelben 
Qualität, alt das Weideland ift, worauf aber dat Ho» 
tungsrecht nicht haftet, wird in derfelben Flur mit 15» 
bit 200 Rthl. bezahlt; iil er aber mit dem Hutungf* 
rechte behaftet, fo gilt er nur 100 Rthl. Angenom- 
men , daft durch Aufhebung des Hutui^sreohtt jeder 
Morgen nur einen Mehrwerth von 50 Rthl. erhielte; 
fe werden 4000 Morgen , von der Servitut der Hutung 
befreyet, aoo,ooo Rthl. mehr werth feyn, alt 4000 Mor- 
gen mit diefem Servitut. Da nun «lafelbft der Acker 
eine Rente von 4 Procent feinet Kaufwerthes trägt^ fo 
werden ftatt der 600 Rthl. Rente, welche die Weid^ 
giebt, 8000 RthL Rente nach Aufhebung des Hutungt* 
rechts entfpringe^ ^o beantwortet (ich der Einwurf, 
daft durch Aufhebung der Hutung die Schäfereyen lei- 
den würden. Und wie wird iich vollen^« der rohe Er- 
trag diefet Felde« vermehren ! Die sooo Stück Schaafs« 
welche dort weiden , geben höchftent 4000 Rthl. rohes 
Product, ttn4 diefe werden durch eine grofse Quanti- 
ttt Kömer, Heu n. L w. erzeugt, fo difs aus jenem 
Hutüngsrechte «icht der dritte Theil diefes Rohertragf 
entfpringt« Ein Ackerfeld aber , dat gooo Rthl. Pacht 
giebt, mufs wenig ftens 18-^94000 Rthl. Brutto • Ertrag 
geben. Was für eine Menge Familien wird ein foloher 
Ertrag nähren! 

$. 68. 

Was die ungewilTen Gefälle anlangt, die aus 
den Abgaben bey dem Wecbfel der Befitzungen, 
Kauf-, Erbfällen u. f. w. entftehen; fo betragen 
fie im Ganzen Kleinigkeiten, und können leicht 



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4a Erftes Buch* 



guf eine gleichförmige bequeme jährliche Abgabe, 
»ach eißem Durchfchnittsprelfe ihref fünfzig* oder 
hundertjährigen Ertrags zurflckgeführt werden. 

$.69. 

Die Zwangsdienfte und Frohnen mit Gefpann 
und mit der Hanxl, welche die Hinterfaffen oder 
Bauern den Domainengötern Jeilien muffen , mö» 
gen allerdings zur vortheilhaftern Bewjrhfchaftung 
fo grol^er Güter, als die Domainen genf^iniglich 
finf, an vielen Orten nützlich und unentbehrlich 
feyn. Sie find daher freylieb etwas werth, und 
vermehren den Ertrag folcher Grundftücke, die 
ein Recht darauf haben ; aber ajjsgemacfht ift, dals 
diefe Dienile in ^dem Lande, wo es nicht an nütz«^* 
liehen befchSftigungen fehlt', dfenen , die fie lei- 
fien, mehr koften, als fie den*Aemtern Nutzen 
bringen. Hätten die Hinterfaffen die Freybeit, 
über ihre Zeit und Kräfte frey zu disponiren; fo 
worden fie in der Zeit, welche ihneni^die Frohnen 
wegnehmen, das Doppelte von dem verdienen kön* 
nen,^ was die Frohnen dem Staate nutzen. Wenn 
alfo die Verpflichteten von ihrem freyen Verdienfte 
das bezahlten, was ihnen die Frohnen nach richti- 
ger Schätzung werth fincj; fo hätten fie noch die 
ändere Hälfte ihres Gewinnftes fOr fich felbft: 
welches offenbar eine Vermehrung des National* 
reichthums feyn wQrde. 



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Von Äer Staatseinnabme. 43 

Was dieNaturaJpraüaticmen betrifft, fo habea 
fie, als Staatsabgabeo betrachtet, alle die Nach* 
tlieile, welche Von den Naturalabgaben Oberhaupt 
gelten« Unter ihnen aber ift der Zehend eine 
der fcbädlichiten : \) weil es eine höehit ungleiche 
Leiftung ift, wie in der Folge bey der Lehre voo 
den Auflagen ausfohrlicher gezeigt werden wird ; 
2) weil er der VerbeCfening der zehendpflicbtig<^a 
.Becker entgegenwirkt, da die Beforgnii's, deo 
zehnten Theil von dem durch Anlegung von Capi» 
tauen und Anwendung gröfsern Fleifses vermehr» 
ten £rtrag)s. zu verlieren, von vielen Verbefferun« 
^en abh it. . 

Aamerknng» Autföluiielier hierüber f . ^ 912. 

f 71. . 

Endlich ift aller Gewinn, der aus den foge^ 
nannten P^vilegien oder Monopolien der Domai« 
oengöter hervorgeht, ebenfalls nur ein folch^r» 
der aufKoften derer, denen das Privilegium Zwang 
auflegt, errungen wird«—- Mühlen, Brennereyeo» 
Ziegi^leyen u. f. w. find^Gewerbe, deren natürlicher 
£rtrag durch den Capital- und Unternehmergewina 
beßimmt wird,- und fo weit ift. an demfelbeo 
njcbts Tadelnswerthes« Wird ^aber damit ein 
künftlicbe'ls Monopol verbunden', welches da* 
durch gefchieht, dafs man die £in wohner gewiffer 
Diftricte zwingt, ihren Bedarf durch diefeinftitute 



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Erlies Buch. 



ausfchliefslich zu befriedigen; fo fetzt man den 
Monojpoliften in den Stand, höhere Preife f&r feine 
Producte zu erzwinget/,' als er bey einer freyen 
Concurrenz bitte erhalten können , und das Ein- 
kommen, welches aus diefer kOnftlichen Preise 
erhöbung fliefsit, ift ein erzwuttgenes, das zwar 
die Einkünfte des Domainenamtes erhöht, . aber 
dem National* und Staatsintereffe ftracks zuwider 
ift. Denn die Nationalökonomie lehrt: i) dafs ' 
auf dergleichen privilegirten Inftituten die Producte, 
in der Regel bey weitem nicl^ zu fo geringen Ko^ 
ften hervorgebracht werden, als wenn es durch 
die freye Concurrenz aller Privatperfowenj ge* 
fchieht, -dafs alfo nicht einmahl der ganze Vortheil» 
der aus dem Monopol preife entfpringt, zur Staats* 
einnähme kommt, fondern fich in unnützem Ge* 
werbsauf wände verliert;' 2) dafs die Preife der 
Producte bey vollkommen frey er Concurrenz jener 
Gewerbe fo niedrig werden , dafs aus dem , was 
die Confumenten beym Ankauf jener Waare dabey. 
gewinnen, das Einkommen, was der Staat von 
dem Monopole zog,, nicht nur erfetzt werden- 
kann, fondern auch ein erklecklicher Ueberfchufs 
fflr die Confumenten bleibt. — Es ift daher das ^ 
Einkommen des Staats aus dergleichen Monopo« 
len den Grundfätzen der Nationalökonomie gänz- 
lich entgegen. 



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I 



y 



Von der Staatseinnakine. 49 

$•72. . 

Privatperfonen , welche Güter befitzen, die 

dergleicbeo Vorrechte habeOf als wir von deo Do« 

mainengatern angeführt , können unftreitig ein 

grofses Intereffe dabey finden, diefe Güter mit 

. allen ihren Vorrechten zu behalten. Denn 

1) ertbeilen fie ihpen einen Vorzug Tor Tielen 
ihret Mitbürger, bekleiden fie mit Anfehen 
mnd einer grofsen Macht über die Gutsenter* 
thanen« Viele Regalien vermehren diefee 
Anfehen nnd verftirken ihren Einfluüs hanpt« 
llchlich, wie die Gerichtsbarkeit, das jnt 
patjronattis, das Recht tIerPolizeyu.Cw. 

2) Ziehen fie .offenbar einen grofsen Gewina 
Ton dem Frohnenwefen und den Monopoiien* 
Dafs dadurch andere bedrückt werden, oder 

' Nacfhtheil erleiden, bekümmert fie nicht fehr, 
und es fpomt fie wenigftens ihr eigener Nn* 
tzen gar nicht an , denen, die dabey leiden, 
Erleichterung durch Entfagung ihrer Vortbelle 
zu fchaffen. 

$.73. 
Befitzt nun der Staat dergleichen Güter; fo 
treibt der mit jenen Privilegien verknüpfte Vor« 
theil ihn allerdings, als Domainenbeßtzer, gleich- 
falls an, jene Privilegien ungefchmälert zu erhal- 
ten, und er hat in (o fern mit dem Privatbeßtzer 
von Rittergütern gleiches intereffe. Die erfte Art 
von Vorzügen ($• 72. Nr. 1.) wird ihn felbft zwar 



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46 Erftes Buch* 



weniger intereffiren, da er diefe, wenn fie auch 
dem OutsbeBtzer entzogen würden, als Staat be* 
hält. Indeffen find doch die Verwalter feinef 
Domainen fehr bey de/en Erhaltung betheiligt, 
wenn fie die Rechte des Staats als Domainenherr 
ausQben, weil dadurch ihr Anfehen gröfser wird. 

^ ^ . $. 74. 

Es läfst fich alfo nicht leugnen, daCs in dem 
Befitze der Domainengöter, fo fern fie mit jenen 
Vorzügen bekleidet find, der Staat Äin Privatinter* 
effe erhält, welches dem öffentlichen Intereffe, 
das er allein haben foll, widerftreitet. Das letz- 
tere nämlich verlangt, alle Verhältniffe möglichft 
aufzuheben und abzufchaffen, welche der mög- 
lichit heften Benutzung des Bodens und der Ver- . 
TollkommnUng .des Erwerbfleifses, fo wie dem 
wohlfeilften Ankauf der Dinge im Wege ftehen; 
das InterefCe des mit jenen Vorzügen begabten ' ^ 
Domaineneigenthflmers aber fodert, folche Ver* 
hältnlffe beizubehalten, welche den Ackerbau der 
Bauern lähmen ^ die^Induftrie vieler Arbeiter 
fchwächen, die allgemeine Production vermindern, 
und die Preife vieler Dinge zum Nachtheil mehre- 
rer Glieder des Staats erhöhen, Da nun «in fol- 
ches Intereffe die Regierung ftets antreiben wird, 
dergleichen Verhältniffe auch bey Privatgütern zu 
begünftigen und zu erhalten, fo lange fie felbft 
^-Domainen befitzt ^ indem die Rechte diefer auf , 



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Von der Staatseinnahm^. 47 

demfelben Grunde beruhen, als die Rechte jener; 
fo wird fie ftets in Gefahr breiben , parteyifdi zu 
urtheilen, wenn aber Abfchaffung oder Milderung 
jener VerfaSltnilfe entfcbieden werden foll. 

.$.75. 

Wenn es daher auch bedenklich gefunden 
werden follte, die Domainen zu veräufsern, fo 
wird doch die gefunde Politik jederzeit wünfchen 
maffen, dafs , , 

1) von den Domainen jede Art von Nutzung 
und jedes Verhältnifs getrennt werde, welches 
den ächten Grundfätzen der Nationalöko* 
nomie widerftreitet, die NaUonaJproduction 
fchwacht, ociergar der unpart^yjfcheu Rechts* 
pflege Gefahr droht; dafs dagegen 

2) foiche Verhältnirfo an die Stelle der fchädli* 
, chen gefetzt werden, die fich mit den Pfin- 

cipien des Rechts und der Nationaiökunomie 
vollkommen vertragen, und die dem Staate 
durchaus kein Privatintereffe an Beybehaltung 
irgend einer antinationalökonomiltifcUen üe* 
nutzung der Domainen übrig laffen. ' 

S. 76. 

Wenn der Benutzung der Domainen diefe V9ll* 
kpmmenheit ert heilt werden kann; fowird es aller- 
ding? beff^r feyn, fie beyzubehalten, als fie gänz- 
lich zu, veräufsern Denn wenn auch in einem' 



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48 Erftes Buch. 



Staatt9 der keine Domaloe bat, alles » was er be- 
darf» clui'ch Abgaben von dem Privat vermögen 
gezogen werden kann^ und dadurch die Quelle 
des Staatseinkommens vereinfacht zü werden 
fcheint ; fo ift doch zu erwigen : 

i) daCs bis jetzt noch keine Methode entdeckt 
ift^ wie die Staatsauflagen unter die Staats* 
genofTen fo zu vertheilen find, dafs jeder nicht 
mehr nnd nicht weniger beytrigt, als er nach 
den Grundfätzen der Gerechtigkeit und der 
Nj^tionaldkonomie ($• Sy-— 4o«) bey tragen 
foll, und dafs daher bey Verthdlung der Ab- 
gaben Ungleichheiten durchafts nicht zu ver- 
meiden find. Je geringer aber die Summe ift^ ' 
welche der Staat durch Auflagen zu erheben 
hat) defto weniger läftig oder fühlbar werden 
dib aus der Be/chränkung der menfchlichen 
' Kenntnifs hervorgehenden Unvollkommen- 
heiten. Ein btaat wird daher um fo glack- 
lieber daran feyn , einen je gröfsern Antheil 
der ihm nöthigea Summe er aus feinen Do- 
mainen entnehmen kann. 
ii) Wenn der Staat fein Einkommen aus den 
Domainen zieht, fo verdankt er folches fei- 
. nem Eigenthum» worauf ein Privatmann durch- 
aus keinen Anfpruch zu machen liat. Es er- 
regt daher eine folche Erhebung in Nie^ian- 
dea Unzufriedenheit , MifsvergnOgen oder 
irgend eine unangenehme Empfindung* Der 

Staat 



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yon der Staatseinnahme. 49 

Sfaat wird in diefetn Falle von jedermann wia 
ein anderer Privatelgenthamer betrachtet» 
dem das, was er aus eignem Gute zieht» mit 
Recht zukommt; und die Wohltbaten , wel- 
che dem Volke aus einem folcben Einkorn* 
men zuflief^en, werden als reine and uneigen- 
nützige Wohlthaten . der Regierung betrach- 
tet, da man hingegen das, was von den Ab- 
gaben beftritten wird , als eine blofse Folge 
der Anwendung des eignem Guts der Privat- 
leute anfieht^ 

«.77. 

Diefe letzte Betrachtung ift von grofser pfy- 
chologifcher und moralifcber Wichtigkeit^ Sie 
wird zugleich in unfern Staaten von der gefcfaicht- 
llchenEntftehung derDomainea unterftfltzt. Viele 
derfelben, ja diemeiften, wo nicht gar alle, find 
als Grundeigenthum des Regenfeen oder der Regen* 
tei^amilie entllanden, und werden von dem Volke 
gemeinhin als deren Privateigenthum betrachtet. 
Eine Benutzung ihres Einkommens für öffentHche 
Zwecke mufs daher dem Regenten vorzOgliche 
Liebe und Zutrauen des Volks erwerben , und es 
wäre (ehr Schade, wenn diefes Band zwifchen 
Regenten und Volk durch Ver&ufserung der Do- 
mainen verfchwinden foUte. 
' . ' *. 78. 
Aus diefen politiCohen Gründen kann man 
alfo dem Vorfchlage einiger Staatslehrer, die Do« 
«. Jahob Staatsfinanzwijf. D 



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50 Erftes Buch. 



maiiien gänzlich zu veräufsern, fobald fie ein bc- 
träcbtiiches Einkommen gewähren , unmöglich 
Beyfall geben. Das Problem, welches die Finanz* 
wiffenfchaft zu löfen hat, wird vielmehr blofs 
fcyn: 

von der Benutzung der Domainen alle Mifsbräu- 
che zu trennen, welche fie dem Volke läftig 
und verhafst machen können; und in Ansehung 
ihrer folche Methoden zu erfinden , die das Ei- 
genthuntsrechttles Staats auf die Nutzung unan« 
getaftet laffen , und fowohl fflr die Regierung, 
als für das Volk ani zutrSgiichfteo find. 

$• 79- 
Wir wollen daher zuerft die Benutzung der 
Domaihen betrachten, fo wie fie bisher in unfernii 
um) andern Staaten Oblich und gewöhnlich ift ; und 
z weytens wollen wir in Erwägung ziehen, welcher 
unter den wirklichen und möglichen Benutzurtgs- 
arten am betten mit dem oben ($. 78.) angegebe* 
nen Grundfatze Obereinßimmt. 

§• 8o» « 

So wie die Domainengüter in den meiften 
Staaten noch jetzt befchaffen find, hat die Domai- 
nen Verwaltung einen doppelten Gegenfiand, näm* 
lieh: 

1) die Verwaltung der mit dem Domainen- 
gute verknüpften Gerichtsbarkeit , der Juftiz 



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Von der Staatseinnahme. ,51 

, und PuJizey, fo wie der übrigen Ehren- 
« rechte ; 
2) die ökonomifche Bewirthfchaftung des Land« 
gutes. 

$. 81. 

Die AusObiing der Ehrenrechte, als Befetzung 
derPfarr* und Juiti^ftelien, hat fich gewöhnlich 
dtir Regent felbft vorbehalten, oder hat fie feinen 
LandescoUegien oder ^beftimmten Staatsbeamten 
übertragen ; die Ausübung der Juftiz und PoJizey 
aber ift an vielen Orten noch mit der Domainen- 
bewirthfchaftung verbunden, und wird daher von 
dem Oekonomiebeamten.^ugleich verfeben. 

§. 82. 

So viel ift aber ganz klar, dafs die Verbin- 
dung der Jufiizpflege fowobl, als der Ausabung 
der Polizey, mit der Bewirthfchaftung der Aemter 
in Einer Perfon, leicht in Mifsbrauche ausarten 
mufs, und höchft nachtheilig für die Untergebe- 
nen werden kann 9 wie fchön oben $• 64* ange- 
deutet ift, 

y §. 83. 

Man ift dahet unter wohlwollenden Regie- 
rungen fcbon län^ft'darauf bedacht gewefen , die 
Juftiz - und Polizey Verwaltung von der Oekono- 
mieverwaltüng zu trennen, und er&ere entweder 
einem befondern» von dem Oekpnomieamtniann 

Da 



, I 



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52 Erftes Buch. 



trerfchiedejien JuftitiariuS) oder einem Gerichts* 
coUegio zu übertragen. 

$. 84. 

Welche Bedenklicbkeiten gegen die Rechts- 
und Polizeyverwaltung durch einen eigenen Jufti- 
tlarius entftehen, ift ebenfalls §. 64» angedeutet. 
Sobald aber die Jufiiz und Polizey auf den Aem- 
*tern durch die gewöhnlichen Jufiizcollegien ver* 
waltet wird, ift fie gegen Farteyllchkeit nvög- 
lichft gefiebert. 

Anm. Ef läfst iich indetfen tiiclit leugnen, daTs et un- 
gemein fchwer iß, die Juftii- und Folizeypflege auf 
GrundlHicken , welche durch Fröhner öder gar Leib- 
eigene von dem Grundherrn bewirthfchaftet werden, . 
fo zu organifiren, dafs auf der einen Seite die Zwangf- 
arbeiter nicht willkührlich tyrannifirt/ und auf der 
andern der Herr in feinen Rechten dui'ch denStarrCnn 
und die Faulheit der Arbeiter nicht beetnträfchtigt 
werde. 4fti der Herr, Richter und Polize jbeamter über 
feine Arbeiter; fo hängen diefe ganz und gar von 4er 
Willkfihr des erfteren ab, und die Gefahr, daff He 
tyranniGrt werden, ift gar nicht tu vermeiden. Sie 
müllen daher alles Gute nur allei» von der Milde ihrei 
Herrn erwarten. Hat dagegen der Herr nidht das 
RecHt, feine Arbeiter felbft in Ordnung zu halten und 
lu beftrafen, fondem mufs erft tu Klagen bey dem 
Richter feine Zuflucht nehmen ; fo ift er unaufhörlichem 
Verdtufs und SchadeM aufgefetzt. Denn in der Land- 
wirthfchaft giebt es fo unendlich viele kleine Vcrfehen, 
Vernachläfßgungen, Trägheiten und Faulheiten — der 
Arbeiter kann durch feine verfteckte Bosheit fo viel 
verderben und alles fo fchlecht machen, dafs, wenn 
der Herr bey jeder Unordnung zum Richter feine Zu- 
flucht nehmen foll, und nicht einmahl die Arbeiter äa- 



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Von der Staatseinnahme.- 53 

dem oder fortjagen kann, ^r unendlichen Verdrufs, 
Zeitverluft und Schaden davon ^ trägt, gegen welchen 
ihn durchaus keine Obrigkeit fchütxen kann» Selbft 
die Strafen der Schuldigen fallen mehr auf ihn, alt 
auf diefe,da er, w&hrend He gefangen fitzen oder durch. 
Schläge XUT Arbeit ungefchickt gemacht werden , ihre 
Arbeit einbüfst. — Unter allen Uebeln fcheint daher 
bey armen Fröhnern oder Leibeigenen noch das klein* 
Jte das zu fcyn, dal« dem Herrn unbedingte Gewalt 
über fie gelalTen wird. — So wie in Liefland, Elth« 
land und Curland eine Leibeigenordnnng ^rfchien, 
worin die Herren das Strafrecht verloren, und bey 
•ntfteh enden Unordnungen ihre Zuflucht zu den porf« 
und Landgerichten nehmen mufsten, blieb ihnen nicht« 
mehr übrige fils ihre Bauern lieber gänzlich frey zu 
lauen. Denn dadurch gewannen die Herren wenigftcns 
die freye Wahl unter dei^ Arbeitern, und das Recht, 
jeden Arbeiter, der ihnen nicht genügte, zu entlalTen» 
Wo die Fröhner zugleich Eigenthümer von Landgü- 
tern oder Häufern find, und daher mit Geld/trafen ge- < 
ftwungen werden können, .läfst fich allerdings eine ab-» 
gefonderte und förmliche JuAiz viel leichter einfüh- 
ren , ob fie gleich auch hier doch nie fieiXsige Arbeiter 
erzwingen kann» 

$. 85. 
Die üblichften Arten, die Domaincngüter 
ökonomifch zu bewirthfchaften , und denr Staate 
die Einkünfte daraus zu bewirken, find: 1^ Selhft- 
verwaltuiig oder Adminiftration. II) Ver- 
pachtung, welche feyn kann: j^uZeitpacht, 

2) lebenslängliche oder Vitalpacht, 

3) Erbpacht, 4)Erbzinsverleihung. 

f 86. 
Alle diefe Methoden können entweder fo an- 
gewandt werden , dafs die Güter bey allen ihren 



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54 Erftes Buch., 

Rechten und ihrer ganzen VerfalTung gelaffen und 
unzertrennt beybebalten werden, oder man kann 
fie zerftückeln, gewiffe Rechte* und Vorzüge roa 
ihnen trennen, und fie fodann in diefer Geftalt 
auf die obige Weife benutzen. Wir wollen zu- 
nächft die erfte und dann eine ^hveyte Anwendung 
betrachten* 

. $. 87, 

I. Die Selbftverwaltung der Ddmaiincn be- 
fteht darin, dafs der Staat die Güter fOr feine 
Rechnung durch einen Adminiftrator bewirthfchaf- 
ten läfst, und deti' daraus entfprin inenden Verlvift 
und Gewinn trägt. — Die Vortheile, welche 
man fich von der Selbftverwaltung verfpricht, wer- 
den, in folgende Puncte gefetzt: i) dafs ein Ad- 
miniftrator bey weitem nicht fo viel kofte, als ein 
Pachter; 2) dafs dabey der Landesherr den ganzen 
Gewinn des Gutes allein ziehe; 3) dafs dabey 
leichter Verbefferungen vorgenommen werden 
können« 

$. 88. 

Allein bey näherer Betrachtung und nach den 
Erfahrungen, die man von der. Selbftadminiftr^* 
tion gemacht hat, verfchwinden jene Vortheile 
fehr bald, fobald man insbefondere die Selbftver^ 
waltung in Staaten, die einen grofsen Umfang von 
Dunsainen haben, allgemein anwenden will. Es 
zeigen fich fodann vielmehr davon folgende Unbe- 
quemlichkeiteo und Nachtheile: 



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Von der Staatseinnahme. 55 

l) Ift es fcbwer, viele gute und gefchickte Ad- 
miniuratoren zu finden, und felbft der befte 
wird fchwerlicb den Grad von Genauigkeit» 
Sparfamkeit und Aufmerkfamkeit anwenden, 
den er als EigentbQmer oder als Pachter an- 
wendet. Daher belaufen (ich 

a) die Koften der Adminiftration immer höher^ 
als was einem verfiändigen Pachter die Wirth- 
fchaft zu flehen kommt. 

3) Alle die Vorfchüffe, welche die Pächter fähr* 
lieh zur Bewirthfchaftung der Domainen ge« 
brauchen; das ganze Inventarium, das fie an- 
fchafl'en, kurz das ganze fixe und umlaufende 
Capital, das zur Bewirthfchaftung nöthig ift, 
mfllste fodann der Staat felbft anfchaffen und 
verlegen. Das umlaufende Wirthfchaft^^ca- 
pital kann aber leicht zweymahl fo viel betra- 
gen, als das Pachtgeld, und was erfodera 
die Beftandauslagen und Inventarien ! «— Wie 
fehr würde ein grofs^r Staat bey einer fo 
Ungeheuern Wirthfchaft, wodurch jährlich 
3o — 4^ Millionen Rohertrag gewonnen wer« 
den föU , betrogen werden. 

4) Die Adminiftration erfodert eine weitläufige 
und koftfpielige Controlle, und doch kann 
£e nie fo genau feyn, dafs fie alle ynterfchlei- 
fe und Bevortheilungen zu verhindern im 
Stande ift. Wäre fie zu genau, fö würde fie 
den Gang der Wirthfchaft gänzlich lähmen^ 



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56 Erftes Buch. ^ 

und wiederum dadurch n^ehr Schaden als 
Vortheil bringen. Was endlich, 
5) die Verbefierung der Domainen anbetrifft, 
fo kommea fie auch feiten zu Stande,; da. 
a) die Domainenkammern oder die Regie- 
rungen immer Geld nöthig haben, und es 
alfo am Capital zu Verbefferungen fehlt. 
Denn auch bey demwohlgeordnetflenFinänz- 
wefen mufs doch auf die etatsmäfsige E|n- 
aahme gefehen werded. Die Eini^ahme aus 
den DomainengOtern macht aber ein'en Be^ 
fiandtheil davon aus. Wo foll alfo der Staat 
die grofs^ Summen zu den Verbeflemngen 
hernehmen , die eiq grofser Umfang von Do- 
mainengQtern erfodert ? — Denn dafs von 
wenigen Gütern, die, etwa ein Regent zu fei« 
nem Vergnügen befitzt, oder von kleinen. 
Fürftenthümern , wo der Regent nur ein gro* 
fser Gutsherr ift, hier nicht die Rede; feyn 
kann , fondern' nur von grofseä. Staaten und 
von Domainen, die Millionen bringen foUen, 
verfleht fich von felbfkt b) VerbefTerungen 
machen Mohe, und werden daher voil den 
Adminiftratoren eben n^cht fehr verlangt, 
wenn fie nicht etwa zur Bequemlichkeit des ^ 
Admlniftrators dienen. Dergleichen find aber 
feiten dazu gemacht, die Revenuen zu ver- 
mehren. Verbefferungen, die mit Befchwer* 
de und Arbeit des Admlniftrators verbunden 



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Von der Staatseinnabme. 57 

fiad, werden von den Adminiftratoren ge- 
meiniglich fdbft erfchwert; c) kommen fie 
der öffentlichen Adminiftration gev^öhnlich 
fotheuerzu fteben, dafs dabey aller Vortbeil 
daran verfcb windet; und endlich d) wer* 
den $e auch oft mit grofsem Leicbtfinn un- 
ternommen) da diejenigen, welche fie in 
Vorfchlag bringen, ihr Vermögen nicht^ da- 
bey wagen , wenn fie auch mifslingen, 

$.89. 

Es giebt daher nur wenig einzelne Fälle', wo 
zpr Adminiftration gerathen werden kann. Diefe 
find : 

i) Wenn von Gatern.die Rede ift, deren Ein*' 
künfte gröEstentheils in haaren Gefällen be* 
fiehen, oder die eine fo einfache Verwaltung ^ 
erfodern, dafs fie fich feicht überfehen und 
controUiren läfst. 

2) Wenn ein Gut fo ruinirt ift, dafs ein grofses 
Capital hineingefteckt werden mnCt , um es 
wiederhe'rzuftellen und in Ordnung zu brin* 
gen, und doch dieVeräufserung eines folchen 
Domainenftücks fich mit den einmahl ange- 
nommenen Grundfätzen der Staatsverwaltung • 
nicht verträgt, oder fonftUmfiänd.6 vorhanden 
find, welche es unvortbeilhaft machen, ein 
fö ruinirtes Cut Frivathänden anzu?ertrauen. 



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58 Erftes Buch» 



3} Wenn grofse Veränderungen damit vorge» 
nonnmen Averden Tollen, wobey der Staat fich 
freye Hand vorbehalten mufs. 
4)' Wenn man die Abficht hat, laridwirthfchaft- 
liche Verfuche zur Belehrung anderer Land*> 
wirthe ^zu'machen. 
5) Wenn folche Zeiten eintreten, wo es an 
Pächtern fehlt. 
Bev folchen Umftänden wird die Adminiftration 
eine Ausnahme und eine temporäre Maafs« 
regel feyn dürfen. 

$. 90. 

Ift nun die Adminiftration einmahl befchlof* 

fen; fo mufs man doch dahin trachten, fie aufs 

vollkommenfte einzurichten. Hierzu gehört: 

1) Dafs man einen gefchictten, tüchtigen und 

rechtfchaffenen Adminiftrator finde. Wo die 

Domainenpachtungen eifrig gefucht werben, 

ift die Hoffnung, eine folche, nach geendeter 

AdminJllraUon eines Gutes, als Belohnung zu 

erbalten, ein kräftiger Reiz, tüchtige Oeko- 

nomen, die fich fonft zur Adminiftration 

nicht verftanden haben würden, zur üeber* 

nehmung derfeiben zu beltimmen. \ 

I 2) Dafs der Adminiftrator mit einer guten und 

hinreichenden Inftruction verfehen werde. 

Diefe kann jedoch immer nur allgemein 

feyn. ^ 



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m^ 



Von der Staatseinnahme. . 59 

3) Uafs der Admioiltrator eine genaue Recli- 
iiung ablege. — . Die Auffeher übeyr die Ad- 
miniftratoren und Domainen^eamte maffen 
nicht nur mit der Landwirt hfchaft im Allge« 
meinen beltannt feyn, fondern auch das Do* 
mainengut, welches fie controlliren foUen, aufs 
genauefte kennen» und insbefondere von d|er 
Einrichtung folcher ökonomifchen Rechnungen 
genaue Kenntnifs befitzen » um theils das For« 
' niale, theils das Materiale folcher Rechnungea 
gehörig zu beurtheilen. 

Anm. 1. Ein Be3frpiel einer InftnictioB fär Domainea* 
adminißratoren iü : Anweifiing zur Bewirth- 
Xchaftung derjenigen Pertinenzienin 
den neuen fudpreufsirchen Aemtern, 
welche nicht verpachtet^ fondern in eig- 
ne Admi niliration genommen werden fol« 
len; vom^öten Sept. 1797. 

Anm. ». Auf einem Landgate multeti bf^fonders fOnf' 
RfchnudgsbÖcher geführt werden : i) Ein Erntebuch; 
ß) ein Drufchregiftler ; 5) eine Fruchtrechnung ; 4) eine 
Kcchnung Über die Viehnutzung; 5) ein allgemeinot 
Kechnungsbuch. För jeden Nebeutwpig der Wirth* 
fchaft gehören wieder eigne fVcchnun^sbü her. Siehe 
Heime Grundlätze des landwirtdlchaf tischen Kech» 
nungswefent. Uelmftädt löoo. 4. 

, Eine beTondere Art der Adminiftration ift die 
(bgenannte Gewäbrsadminift;ration. Sie be-* 
fleht in einem Vertrage, worin der Adminiftrator 
fich anheifcbig macht, einen gewiffeo Etat des Er* 
trags zu erf Allen, wogegen ihm von dem Ueber* 

t 



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6o' Erlies Buch. 



fchuffe Ober den beftiimnten Etat ein beftimmter 
Antheil als Gewina zugefiebert wird. 

II. Die Verpachtung (§. 85.) überhaupt 
befteht darin, dafs dem Pachter der Gebrauch und 
die Nutzung eines Gu^es gegen «inen gewilTen Zins 
Oberlaffen wird ; und wenn von Verpachtung 
fchlechtweg die Rede ift^ fo trerfteht man d>e Ver- . 
Pachtung auf eine gewiffe Zeit oder Zeitpaeht 
darunter. 

$. 93- 
Die Verpachtung hat tror der Adminiftration 
der Domainex^güter im Allgemeinen unftreitig 
Vorzüge. Namentlich gehört dahin : 

1) Dafs dabey die jährliche Einnahme für den 
Staat ficher und beftimmt ifl ; 
, 2) dafs der Staat" aller Aufficht über die Details " 
der Wirthfchaft' überhoben ift. Diefe wird 
um fo mehr entbehrt, 

a) wenn der Staat fich wohlhabende PSchter 
auswihlt , welche alle Pachtbedingungen 
um fo pünktlicher erfüllen werden, als fie 
mit ihrem Vermögen für alle Verletzungen 
derfelben, in wiefern dadurch Schaden ver* 

' urfacht wird , haften können ; 

b) wenn nicht zu kurze Pachttermine gefetzt 
werden , und dem Pachter die Ausficht ^ 
bleibt > dafs ihm am Ende der Paclitzeit die 



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Von der Staatseinnahme. 6i 

Pachtung uoter bilUgeo Bedingungen werde 
verlängert werden; 
c) wenn dem Pachter zugleich alle die Ver- 
bindlichkeiten aufgelegt werden, deren Er- 
fOilung fflr den Staat befchwerlich iß, und 
deren Ausführung ihm weit mehr kofiea 
wQrde', als dem Pachter, wenn er fie zur 
rechten Zeit beforgt« 

$. 94- 
Eine verwickelte Frage hierbey ift: wie die 
Verpachtung in Rückficht auf deil Umfang ihrer 
Stücke am heften einzurichten fey? ^— Wenn 
nämlich zu einem grofsen Gute mehrei^e Pertinenz- 
ftücke, als:/ Vorwerke, Mühlen, Brennereyen, 
Ziegeleyen, Glashütten, Fifchereyen u« f. w. gehö- 
ren ; fo fragt es fich: ob es beffer fey« das ganze 
Gut mit allen feinen Pertinenzien an Einen zu 
verpachten , oder die Pertinenzftücker zu ver« 
einzeln* 

Hierüber läfst fich fchweriich. eine allgemeine 
Antwort, die für den einen oder andern Fall ent* 
fchiede, ertheilen. M^n kann nun. das Princip 
angeben, wonach die vorkommenden Fiille zii be* 
iirthejlep find». Dietes befteht darin: Der, Staat 
mofs diejenige Methode der Verpachtung wählen, 
welche i) ihm die grdfste Rente , 2) dem Lande 
die^r5[^aTota]production giebtj 3) welche ihm. 



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6a , . Erftes Buch. 



neben dielen letzten Zwecken, die Auf ficht und 
Verwaltung erleichtert. 

$. 96. 

Im Allgemeinen haben freylich die grofsen 
oder fogcnannten Generalpacbtungen den Vorthcil, 
dafs fie .de?n Staate die Aufficht erleichtern, da 
er es in folchcm Falle nur mit ^wenig Pächtern zu 
thun hat. Allein auf der andern Seite bleibt es 
auöh wahr, dafs, je gröfser und zu fano mengefetz- 
ter eine Wirthfchaft ift, defto fchwerer läfst fie 
fich vollkommen überfehen. Die entfernten Thcile 
des Guts, oder diejenigen Zweige der VV^irthfchaft, 
•welche verfchiedene Kenntniffe und G^fchicklich- 
keiten erfodern, werden von einem Generalpach- 
ter feiten fo vollkommeki betrieben werden, als 
wenn die entfernten Vorwerke eigene, und die 
einzelnen Zweige der Wirthfchaft, als Ziegeleyen, • 
Glashütten ü. L w. fachverftändige und alleinige 
Pächter hätten. Sagt man, dafs der Generalpach- 
ter dergleichen ihm tinbequera gelegene/ Grund- 
ftücke Mud Induftriezweige fchon von felbft an 
Afterpächter weggeben werde} fo fcheint es doch 
wenigftens gewifs, dafs der Staat den Gewinn, 
den der Generalpachter jron feinen Afterpäch- 
tern zieht, einbüfst, und es entfteht fodann die 
Frage: ob diefer Vcrluft weniger beträgt, als ihm 
die AufQcht über die Speciaipachtungen koftea 
würde? 



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k\ 



_ Von der Staat semnalime. 6$ 

Wenn aber auch felbft cler reine Ertrag fflr 
den Staat bey der Generälverpachtung eben £9 
grofs feyn foiJte, als bey der Specialverpachtung 
der einzelnen Pertinenzien; fo leiJet es doch faft 
keinen Zweifel, dafs der Rohertrag bey der Genc- 
ralverpachtung geringer ausfällt, als bey d^r fpc« 
ciellen Verpachtung. Denn der Generalpachter 
wird bey feiner Benutzung nur dahin fehen, dafs 
er mit wenig Arbeit und geringen Koften einen ' 
grofsen Reinertrag fOr fich herausbringt , welches 
dadurch gefcbieht, dafs er die entfernten Feld« 
ftflcke durch Scbäfereyen, und die Aecker Ober* 
haupt, mehr durch eine grofseCultur ohne zu weit 
getriebene ßedüngung oder vielarmige Bearbeitung 
benutzt. Aus einer folchen Bearbeitung, die we- 
nig Menfchen befchäftigt und ein geringes rohes 
Product giebt, zieht der Generalpachter die Pacht-- 
rente und einen gröfsern Gewinn für fich, als wenn 
er einen volikommnen Ackerbau betriebe. 

.$. 98. 

Ift aber die Wirthfchaft kleiner; fo bringt 
eine -forgfäkige Cultur und volikommner Feldbau, 
durch eine grofse Vieh wirthfchaft und viele Hände 
betrieben, dem Pachter, da er auf alles die Augen 
felbft haben kann und die Felder feinem Haufe 
nahe bat, gröfsern Gewinn. Eine folche Art von 
Oekopomie nährt zugleich eine gröfsere Menge 



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V 



64 . " Erlies BucJi. 

Menge Meirfchen, die zur Bearbeitung des Bodens 
gebfaucht werden. Nach diefer Betrachtung fchei* 
nen aifo mäfsige Pachtungen » die Einer-fämmtlich 
überfehen kann und deren Theil. d^r Pachter voll- 
kommen verfteht, für den Staat yortheilbafter zu 
feyn , als fehr grofse. 

$-99- 
Eben fo werden auch einzelne Zweige der 
Gutswirthfchaft, alsZiegeieyen, Glashfltten u. f. w., 
mit grofserer Sorgfalt betrieben, und ernähren 
mehr Familien beffer» wenn ße von einem eigenen 
Fachtet verwaltet werden, als wenn fie ein Gene* 
-ralpachter durch Verwalter, Fac^ore u. f. w. be» 
treiben läfst. 

- f 100. . 

In manchen Ländern hat man eigne Rentäm* 
ter, oder da$ fogenannte Intendantur-Syftem 
eingeführt« Diefes befteht darin,- dafs einzelne 
Güter oder Nutzungen verpachtet oder, in Admi- 
jaiftra^ion gegeben werden, über eine beftimmte ' 
Anzahl derfelben aber ein bjefoldeter Beamter ge- 
fetzt wird, welcher nicht nur die Pacht« vkid Ad« 
miniftrationsgefälle, desgleichen die haaren Qefälle 
erhebt, fondern auch die Pächter in ihrer wirth« 
fchaftlichen Aufführung beobachten foll, die herr- 
fchaftlichen Bauten beforgt, und die Aufficht über 
dib Unterthanen führt, kurz alle diejenigen Pflich- 
ten ausübt, welche fonfi dem Generalpachter 

im 



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Von der'Staatsdinnahme. 65 

WiM*—i>l^ll ■! I 7 * , • ■■. U li I .1 !■■ ■! 

im Preursifchen in Anfehung der Unterpächter in 
ftÜBe«) Bezirke roit aufgelegt vrerden. 

£tn folcher B^mter vertritt alfo die Stelle 
der Kamn^er , und ift dem Beamteii und Pacbter 
fi» nahe gerückts dafs er fi< fiel genauer beobach* 
teil und controUiren kann, als die Kammercollegi« 
folcbes zo thuh im Stande find. Es herrfchte die« 
fes Syftem in dem ehemaligen SQdpreuf^en, und 
ift insbefondere da zwekmäfsig und nothf^cndig 
befunden worden, wo* es viele kleine Doinäineil- 
j^acbtungen giebt. Die Erfahrung hat aber gezelgt^^ 
daCs die Pachter durch eine folche nahe und ftetd 
Aufficht, durch das beftändige Eiiimirchen dei^ 
Intendanten gar leicht > wo nicht bedrückt^ doch 
fehr genirt werden. 

S« 101. 

Dergletdheii Intendanten reichen jedoch iä 
eineiti Staate ^ der grofse 4jnd weitläufige Domai* 
iien zu verwalten hat^ er mag nun das Admini^ 
firations- oder das Verpachtungsfyftem erwählen^ 
för die vielen ungleichartigen Arbeiten, die da* 
init verknüpft find, nicht hin« Denn es el-fodert 
die Domainengoierverwaltung eine grofse Menge 
von Oerchäfteu, deren KenntnifTe eigentlich ztt 
eitler reiden Finanz wiffenfchaft nicht gehören» die 
aber doch da ^ wo der Staat einen beträchtlichen 
Theil feines Einkommens aus DomainengOtern 
tiebtj fdr 'die («"inan^bebörden notbwendig werden. 
V0 Jakob StaaUfiHanzwiJf. £ 



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66 Erftes Buch. 



f. I02. • 

Es muffen oämlich i) Anfchlage fflr die 
DomainengOter gemacht, 2) Bauten und Repara- 
turen y^ranQ:altet, 3) VerbefferungsTorfchlige ge* 
prQft und an Ort und Stelle unterfucht werden u. f. w« 
Dazu werden eigene Domainenkamniercollegia 
notbwendig, die von jeher fo wichtig fchienen» 
dafs man fie lange Zeit mit den eigentlichen Fi* 
nanzcollegien felbft verwechfelt hat, und die Qbri^ 
gen Finanzan^elegenheiten des Staats gleichfam 
nur als eine Nebenfache betrachtet wurden , die 
man denJiammercoUegienza beforgen zugleich mit 
auftrug» 

$• ]o3. 

Eigentlich aber gehört fflr das Finanzcolle- 
gium j3ur die Einnahme aus den Domainen und die 
Beurtheilung im Allgemeinen , auf welche Art die 
Domdinenämter am vortheilhafteflen benutzt wer- 
den können« Wenn«die Ausführung der Benutzung, 
welche von demFinanzcoUegio für die zutriglichfle 
erkannt worden ift, noch eine befondere Einwirkung 
des Staats und Beamte von technifchen Kenntniffen 
erfodert; fo gehört diefes für befondere Techni- 
ker, die unter der Oberaufficht derPinanzcollegien 
die von diefen gegebenen Vorfchriften praktifch 
auszuführen -haben. 

Anm. Oekonomie-^nnd BauverftHndige, die bIo(^ ihr 
Fach rerl^ehen, gehören daher, alt folche, iiicht zu 
dtn Gliedern der FinanicoUegien , Tondern mfiHen, alt 



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Von der Staatseinnahme. ^^ 

denfelben untergeordnete Werkzeuge ^ })\o£$ deren Be- 
fehle ausführen, und Gutachten, die von ihnen gefe- 
dert werden» abgehen« 

Dafs aach von diefer Seite die Beziehung der 
Einkaufte aus den Domainenämtern viele Kotten 
verurfacht , darf nicht aus der Acht gelaffen wer- 
den. Dahin aber mufs gerechnet werden : 

i) nicht nur das, was dieBefoldung der Finanz- 
beamten koftet, welche entbehrt werden 
könnteia^ wenn der Staat mit Bewirthfchaf- 
tung der Domainen nichts zu thun hätte, 
und 
a) was die Techniker, die blofs um der Domai« 
nen willen gehalten werden möffen, koften, 
als Oekonomieräthe und Oekonomieinfpecto* 
ren, Bauräthe, Bauinfpectoren u. f, w.; fon- 
dem auch 
3) was diefe durch ihr öfteres Befuchen der 
Aemter den Oekonomiebeamten zu ftehea 
kommen« Denn obgleich diefes blofs den 
Beamten zu entgehen fcheint ; fo wird doch 
jeder leicht ermeffen, dafs der Oekonomie* 
beamte bey feiner Pachtung auf folcben Ab- 
gang rechnet, und im Grunde dem Staate das 
an der Pachtrente abgezogen wird , was die 
Officianten den Pächtern durch ihr Einia-* 
gern, durch Scbmauferejen u.Lw« zu ftehea 
kommen. 

E a 



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I 



gg Elftes jßuch. 



§• io5. 

Wenn aber auch gleich dieFinanzwifTenfchaft 
(ich um die tecbnifchen Kenntniffe, welche zur 
Bewirtbfcbaftung der Domainenämter nuthig find, 
nicht bekümmert ; fo mufs fie doch die GrundfStze 
vortragen , nach welchen der Ertrag folcher Güter 
beurtheilt werden mufs, fo lange das Pachtgeld 
djsr Domainen eine Hauptquelle des Staatseinkom- 
mens ausmachen. Deshalb erfolgt hien eine Dar- 
fiellung der Grundfälze^ der Veranfchlagung der 
Güten • 

$. 106. 

Der Pachtanfchlag oder die Veran- 
fchlagung ei^es Gutes beileht in einer Ueber* 
ficht von dem ungefähren Ertrage deffelben, der 
Nutzung der GrundftQcke, des Viehftandes. und 
anderer damit verknüpften Pertinen^en und Vor- 
theile, um^ darnach das mögliche I^achtgeld zu be- 
^mmeUf 

lieber dergleichen Pachtanfchläge, fo wie fie 
insbefondere in den preufsifchen Staaten üblich 
find» findet man in folgender Schrift eine fpecielle 
und gute BeieBrung: 

jT. X). Nicolai's Oekonomifche juriilifche Grupd- 
fStze von der Verwaltung des Domaioenwe* 
fens in den preubifchea Staateif. 2 Thelle« 
Berlin 180 2, 



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Von der Staatsemnahme. 69 

■ r — ' ' ' — — ■ 

AllgemeiiK^r find abgefafst: 

Grun^rätze zur Verfertigung und Beurtheilung 
richtiger PjichtanfchlSge über alle Zweige der 
Landwirtbfchaft, von /. JP. Meyer. Hanno- 
ver 1809. und 

G* von Flotoitf's Anleitung zu Fertigung der Er- 
tragsanfchläge Qber Landgüter , befonders 
Aber Domainen* Leipzig 1*8120* 

$• 107. 

Die Veranfchlagung eines Domainengrund- 
fificks fetzt eine genaue Befcbreibung des Outes» 
feines phyfifcben Znftandes fowobl, als alier feiner 
Innern VerhältnifT« zum voraus. Der Anfchlag 
wird daher unufo genauer angefertigt werden kön- 
nen, wenn man 

1) eine genaue Specialcharte von der Domai- 
ne hat, worin nicht nur der Umfang und 
die Grenzen des ganzen Gutes nach einem 
richtigen Maafsftabe beftimmt, fondern auch 
alle fonftigen Qualitäten des Gutes gehörig 
angegeben find , woraus man fich alfo a) von 
der Qualität der Aeck^r, ihrer Lage und 
f'ruchtbarkelti b)derWiefen; c) der Wei- 
den,' fowohl d6i^ eigenthOmlichen als frem- 
den , ausfohliefslichen oder gifmeinfamen« 
und ihren VerhUtniffen gegen den Ackerbau ; 
N d) dier Telclie , Berge, Wege, Entfernungen 
yfotk dem O^kpnomiehofe, den X^andftrafsen» 



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70 V Erlies Buch. 



Marktplätzen u. f, w. einen vorläufigen deut- 
lichen Begriff machen kann. « 
2) Es mufs eine genaue Befohreibung von der 
BeTchaffenbeit des zu veranfchiagenden Gutes 
und über jedes einzelne PertinenzftOck ange- 
fertigt werden. -^ Diefe -kann fich theils 
auf eigne Anßchten und Beurtheilung, theils 
auf Zeugniffe, Extracte aus den WirthfchaftS'" 
rechnungen gründen, und es maffen dabey 
die Leute» welche das Gut bisher genutzt 
haben., Pächter, Wirthfchaftsbeamte u» f. w« 
zu Rathe gezogen, und der Werth ihrer Auf- 
gaben mit den übrigen Umftänden genau ver« 
glichen werden, 

5) Man mufs eine richtige üeberficht des mehr- 
jälirigen wirklichen Ertrags des Gutes vor 
fich haben, fo wie eine Gefchichte der bishe* 
rigen Bewirthfchaftungsart ; desgleichen 

4) eine Preislift^ der erzeugten Producte von 
metirern Jahren, nebft den Urfachen, welche 
die gewöhnlichen Preite in die Höhe trieben 
oder fie erniedrigten« 

5) Eine genaue Kenntnifs der Vorrechte und 
Privilegien des Gutes; des Nutzens, welcher 
daraus gezogen worden ift oder gezogen wer- 
den kann; der Dienfte, welche die Bauern 
leiften; der Rechte <derAecker; der Verbind- 
lichkeiten! welche gegen das Gut Statt ^ndeut 



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I 



Von der Staatseinnahme« ji 

und welche diefes gegen andere zu erfallen 

bat u. f. w. 
Auch, mufs man erforfchen, was jeder Vortheil 
denen koftet, die ihn gewähren; was das Gut da« 
Yon für reellen Nutzen hat, und ob dadurch fdr 
die Nationalproduction etwas verloren gehe , oder 
nichr, 

'§. idS. 

Alle diefe Notizen roalTen in eine eigene Tn* 
formation gefafst werden , und demjenigen zur 
>Hand feyn» der das Gut yeranfehJagen will« Ift 
eine Colcbe Information fchon vorhanden, fo mufs 
fie doch bey jeder neuen Veranfchlagung mit der 
Wirklichkeit verglichen, genau revidirt, das Nö* 
tbige verindert und berichtigt werden« 

§• 109. 

Eine folche genaue Befchreibung des Gutef 
wird aucb'den Staatsbeamten zugleich in den Stand 
fetzen, zu beurtheilen, vne die Domaine am heften 
zu benutzen, ob die Ablöfung der Dienfte, des 
Hutreebts, der Jagd und aller andern Privilegien 
fjlr das Ganze vortheilhaft fey, und nach welchen 
Principien die befTere Benutzung zu erreichen und 
zu reallBren feyn dürfte. 

§. 110« 

Was nun die Veranfchlagung felbft betrifft; 
fo mufs ein grofser Theil der Berechnung natürli- 



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i2 Erftcs Buch. 



eher Weif« auf vorausgefetzteti Kegeln beruhen» 
deren Zutreffen mehr oder weniger ungemfs ift« 
Daher Rann auch fier vollkoninienfte Anfcblag nie 
mit dem wirklichen Ertrage in jedem Jahre ganz 
Obereinkommen. Das Beftreben kann nur feyn» 
einen folchen Anfchlag zu verfertigen , deffen an- 
^'^ genommene jährliche Durchfchnittsfätze , wenn 
man fie mit der Summe der Pachtzeit multlplicirt» 
mit der Summe des wirklichen Ertrags in die£er 
Zeit zufammentreffeo. Diefes Ziel wird man um 
fo eher erreichen« je mehr die Refultate des An» 
fchlags aufsetzen beruhen, die in einer forgfältig 
angeftellteo Unterfuchung und Erfahrung Ton ei« 
sem gröfsern Zeiträume gegrQnd«t ßnd» in wel« 
ehem die gewöbniichften und wahrfcheinlichftett - 
Fälle vorzukommen pflegen. Von einem je län« 
gern Zeiträume, und von je' genauem Erfahrungen 
in^ diefem Zeiträume die Fractionsfätze abgezogen 
find » defto zuverläffiger wird die Berechnung. 
$. 111. 
Die einfachfte und treffendfte Art zu ver« 
anfchlagen wäre unftreitig ein blofser Aus*i^g der 
Ausgabe und Einnahme aus richtig geführten Wirth* 
fchaftsrechnungen mehrerer Jahre. Uierbey mOfste 
aber freylich vorausgefetzt werden, da£s i) die 
Rechnungen in allen Theilen der Vy^irtHfchaft rieh* 
tig unvl ununterbrochen geführt, und a^ dafs die 
Wirthfchaft ftets gut und |intadelhaf( vervvaltel 
t^orden fcy. 



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Von der Staatseinnahme* 73 

$• 112. 

Ueberhaupt ift bey allen ÄDfchlagen zu mer- 
ken, dafs man dabey zweyerley beabfichtigt, 
sämlicb : i) den Naturalertrag auszumitteln ; und 
2) den Geldertrag, welchen die zum Verkauf ge- 
fteliten Naturalien oder auch fooftige Gefalle, nach 
Abzug aller nothwendigen Ausgaben, geben« — ^ 
Da der Ertrag der Naturalien eines Gutes viel 
ficherem Regeln folgt, als der Preis der ländlichen 
Producte; fo kann auch der Naturalertrag viel 
ficherer gefunden werden , als der Geldertrag -— 
und um letztern nicht zu übertreiben, legt man 
gewöbnücb eher zu niedrige als zu hohe Preife bey 
der Veranfchlagnag zuna Grunde. 

AufcH* bey dem Naturalertrage mufs man 6ch . 
.fehr baten, ihn zu Qbertreiben« Es kann die- 
fes aber dadurch gefchehen , dafs man einen hö- 
bern Grad der Cultur annimmt, aU er in der 
Wirklichkeit Statt bat, oder. Verbefferungen vor- 
ausfetzt, die erft mit der Zeit und durch Gapitale 
bewirkt wv^Mi rofiften. Es darf aber nur das aq* 
gefet2t werden, was während^des Laufes der Pacht-, 
jähre, fir welche der Anfohlag gelten foU, blpfs; 
durch zweckmäfsige Einrichtung und Fftbrung der 
Wirtbfcbaft gewonnen werden \ami^ --^ Wenii 
daher der Ertrag wegen bisher (ohteeht geführter 
Wirtbfcbaft ni^drigeip ift, sOs e^ bay ttoer hafferii 



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74 Erlies Buch* 



WirthTchaft feyn könnte; fo ift allerdings auf die- 
(en Umftand Rackficht zu nehmen« . 

$• 1^4- 
Die natarlioben und ßchesen Principien fQr 
die Veraiifchiagung eines Landgutes find daher 
folgende: 

1} Man fuche den rohen Productenertrag aus- 
findig zu machen. Dahin gehört die Pro« 
duction von Getreide, Fabrikproducten, Gras, 
Heu, Futterkräuter, das zahme und wilde 
Vieh , welche auf dem Gute gezogen werden, 
desgleichen H^lz, Dünger u. f. w. — Auch 
die Keallieferungen und Dienfte, fo wie die 
haaren GefSlIe find hierher zu rechnen. 

a) Die zur Erhaltung der Wirthfchaft dienende 
und dazu nothwendige Ausgabe in rohen Pro- 
ducten ziehe man gleich ab ; und wenn die 
geernteten nil:ht zureichen, fo reducire man 
die Mehrausgabe auf Geld, fo wie auch der 
Reft der Einnahme derfeiben auf Geld zu re* 
duciren ift* 

3) Hierauf fahre man die nothweiKÜgen und 
zur Wirthfchaft'fonft gehörigen Geldausgaben 
nach beftimmten Rubriken auf* Dahin ge* 
hören: 

a) Zinfen der VorCchflffe, derCaution, ^es 
8uperinventarii u. f. w.; 

b) die Ausgaben f Or Snp^lirung deä Zugviehes ; 



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Von der Staatseinnahme. 75 

c). GeBnde - und Tagelobn ; 

d) Ausgaben au Schmid , Wagner u^d andere 
Handwerker; 

e) fär Baureparaturen ; 

f) Affecuranz far Viehfterben» Hageifchlag 
und andere Unglücksfälle ; 

g) der Induftrielohn des Pachters, der fo be- 
ftimmt werden mufs', wie der Lohn des Ad* 
xniniflrators eines folchen Guts feyn würde; 

h) der Induitriecapitalgewinuft des Pachters. 
Diefer wird nach dem Umfange des auf die 
Bewirthfchaftung des Gutes angelegten Ca- 
pitals, in wie fern zur Erhaltung deffelben 
Induftrie nötbig ift, beftimmt. 

Zieht man die Summe diefer Ausgaben von dem 
Torber ausgemittelten Geldertrage ab, fo ergiebt 
fich der reine Ertrag, welcher die Pachtfumme 
ausmacht. 

Wenn aber gleich die Richtigkeit diefer Grund- 
fätze als unbezweifelt anerkannt wird ; fo gehören 
doch zur Beurtheilung, ob fie auf ein beftinimtes 
Cut richtig angewandt worden , und zur richtigen 
Anwendung felbft noch eine grofse Menge verfchie- 
denartiger Kenntniffe. Es mufs nämlich, um zu- 
erft den Robertrag zu findeif, genau unterfucht' 
und ausgemittelt werden: ^ 

1) der Flächeninhalt des Gutes; 



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76 Elftes Buch. 



2)* che innere Bercbaffenheit oder Ertragsfäbig- 
keit des Bodens; . 

3) die Abtheilung deCTelben io Felder^ Schläge 
oder Kpppeln; 

4) das Ausfaatsquantum der Verfchiedenea 
Früchte; 

5) die Vervielflltigung diefer AusfaM in Kör* 
ncrn; 

6) der Strohertrag; 

7) der Ertrag der Futtergewäcbfe ; 

8) der Ertrag von der Stoppelwefde; 

9) die Frucht-, Stroh- und Heu^reife. 

Der Flächeninhalt wird, nach einer vorher«' 
gängigen richtigen Vermeffung, jn dem üblichen 
Landmaafse beftimmt* -— Die Beflimmung des 
Flächeninhalts nach der Ausraat ift fehr trQglich, 
befonders wenn man die Ausfaat der einen Fliur 
auf mehrere anwenden wollte« 

$. 117. 

Um die Qualität des Ackers zu beurtlieilen, 
fcheinen die chemifcben blofs thepretifehen Prin- 
cipien nicht hinreichend, da nicht nur der Bbden 
fich oft mit jedem Quadratfufs ändert, fonderh 
d|e Theprie Oberhaupt noctV nicht alle Urfachen 
erforfoht hat, wodurch der Qrad der Fruchtbar- 
J^^it d^s ßodeft« b^ftliQmt wird. -«■ Erfahrung 



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« 

Von der Stuatseimiahine. 77 

— — ^— — ' ■ ' ' ■ ' ^^■^■^^^—i > II I — ^— — ^^— .^ 

^und das ürth^il fachkundiger Männer,* die eiüe 
ganz vejrtrauM ßekanntfchaft der Flur haben, fcheini: 
der hefte Grund "zu fcyn, worauf ein* folides Urtbeit 
darttb^c ?» bauea ift. - ' 

$• ii8. 

Was die Eintheilung der Aecker betrifft: fo 
kommt alles auf die Berechnung der Quantität 
Danger an, welche jährlich gewonnen werden 
kann. Ura aber diefes zu beftimmen, mOETen fol- 
gende Umftande unterfupht werden : 

1 ) Ob die Wirthfcbaft Wiefen habe^ und wieviel ? 

2) Wie die Wiefen befchaffcn , 

3) ob fie privaüv feycn, oder Servituten dar- 
auf haften? 

4) Wie der Ertrag der Wiefen befehaffen fey ? 

5) Was die^Wirthfchaft für Weiden habe, und 
wie fie befchaffen feyen? — ob fie privativ 
feyen', oder Mitnutzungen darauf haften? 

6^ Wie viel Stück Vieh der einen oder der an- 
dern Art darauf geweidet werden , und in 
welchem Maafse es feinen Unterhalt darauf 
gefunden ? 

Die Beurtheilung alier diefer Pdncte hängt wie- 
derum von einer grofsen Menge von Umftäoden- 
ab, deren Einflufs der Wirthfchaft^kuadig^ ken- 
nen mufs« 



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78 Erftcs Blich. 



$• 119. 

Hat iTUm fich diiefe KenntnilTe erworben} fo 
wird fich auch grQndlich beurtheilen lafTen» wel- 
che Feldereintheiludg für die Bewirthfchäftung 
des Guts die vortheilhaftefte feyn möchte, und 
ob {lie beftehende einer Veränderung bedarf*, odefr 
nicht* 

$• 120. 

Wa&' das Ausfaatsquantum der yerfchiedenen 
Früchte betrifft; fo find darüber die Meinungen 
der Landwirthe fehr getheilt. Auf jeden Fall aber 
ift deren Beftimmung ein wichtiges Problem für 
die Landwirthfchaft« Ohne fich um die Streitig- 
keiten der Oekonomen über das hefte Maafs der 
Ausfaat zu bekümmern, ift es zur Verfertigung 
oder Beurtheilung eines Anfcblages hinreichend, 
die am Orte übliche Ausfaat bey der Veranfchla- 
gung zum Grunde zu legen. Man erforfcht fie 
durch eidliche Abhörung der Verwalter, Acker- 
Tögte, Hofemeifter und andere verftändige Acker- 
leute, wobey noch die Saatregifter ^u Hülfe ge- 
nommen werden. 

$• 121. 

So wie die Ausfaat, fo mufs auch der Aus- 
drufch oder der KörnererKag fo genau als möglich 
ausgemittelt werden, wenn der Ertragsanfchlag 
genau werden foll. — Es kommt dabey zugleich 
auf die bisherige Ackerwirthfchaft und die mög- 
liche VerbefTerung derfelben an. 



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Von der Staatseinnahme. 79 

$• 122« 

Der Eörnerertrag ift fo verfchieden, dafs Geh 
darüber ebenfalls fchwer allgemeine Sätze angeben 
lafTen« Er ift daher nach gleicher Methode, a)s 
die Ausfaat fOr jedes Gut insbefondere, mit Zuzie* 
hu0g der Drufchregifier ausfindig zu machen. 
$• 1 23. 

So wie nun der Ertrag der Körner oder Obri« 

gen Frflchte, die auf einem Boden gebauet wer« 

den, ausgemittelt ift; fo mufs diefes auch in An« 

fehung der Futtergewäcbfe gefchebenj als: 

i) des Klees; 

2} des flbrigen kOnftlicben Futters, wie dec 

Wicken, untermifchten Raygrafes, der Run* 

kelrOben, Möbren, Kartoffeln, des Kohls 

u. f. w, ; 

3) der Wiefen ) 

4) der Stoppelweide. 

$• 124* 
Endlich folgt die ^fcbätzung der Vieh- 
nutzung : 

1) des Hörn Viehes s 

2) der Schaafe; 

5) der Schweine; 
4) des Fedei-viehes. 

Alle diere Berechnungen mOflen lieb auf Data 
ftützen, welche theils bewährte Oekonomen für 
die Theorie geliefert, theils fich durch die befon« 
dern Erfahrungen an Ort und Stelle befiitigt haben. 



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80 Erlies Buch. 



Man kann die Viehnutzung auch gao2 aus der 
RecbnuDg laden) und SeaheinProductderlnduftri* 
des Pachters betrachten« In dierem Falle darf abeii 
anch keine Auisgabe fflr das Nutzvieh in Rechnung 
kommen) und dieProducte, die unter diefer ürubrik 
ftehen, muffen zu G^lde gerechnet» in £innahme» 
fo wie der nothige DOnger inr Ausgabe gefieilt 
werden mufs« 

§. 126. 

Die Preife der Producte werden nach einem 
Mittelpreife angenommen. Um diefe zu finden, 
nimmt man die Marktpreife der. nfichftliegenden 
Stadt von einer Reihe der zuletzt verftriohenen . 
Jahre, jedoch fo, dafs man die Preife, wo aufser- 
ordentliche Umfiände eine allzu grofse Erhöhung 
oder Erniedrigung bewirkten , wegläfstk 

A n m. Die Berechnung det Durchfclinitupreiref erfödert 
vielerley Erwägungen.- Sielie Krau* VermiXchte Schrif> 
ten, ifterTlu Ahh. Vlil«. 

$• 127. 

Nachdem nun auf diefe Weife der rohe Ertrag 

gefunden, muffen zweytens ($. 11 4«) die Wirth» 

fchaftskoften des Ackerbaues gefucbt werden. 

Diefe find verfchieden: 

. 1^ nach den Verfchiedenen Gröfsenverhältniffeit 

des Ackerhofes ^ bey fonft gleicher Be* 

niitzung; 

d) Aach 



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Von der Sta(atseinnahme. gi 

2) nach der Verfch]edenhe|t des Bodens, der 
Lage der Aecker, der verfchiedenen Abthei« 
lungen in Schläge, und nach den verfchiede» 
Iren Fruchtarten, welche angebauet werden. 

$. 128. 
Um die Naturalausgaben richtig zn wardigen, 
mufs ausgemittelt werden : 

]) Was die Kräfte der Thiere bey der ländli- 
chen Arbeit auszurichten vermögen, um zu 
beftimmen, wie viel ;cur Bewirthfchaftung ' 
desLandgntes nöthig find, als: wie viel Land 
man mit einer beltimmten Anzahl Pferden 
oder Ochfen in dem verfchiedenen Boden in 
einem Tage bepflflgen, eggen, walzen u. f. w. ; 
wie viel Centner oder Pfund an Getrei^'e, Heu, 
Dünger u« f. w* man mit einem Gefpänn ^n 
einer beftimmten Zeit einfahren kann. 

a) Wie viel Zugvieh zu aller ländlichen Arbeit, 
die zur guten Bewirthfchaftung nöthig ift, ge- 
braucht werde; wie viel Pjugtage, wie viel 
zum Eggen, Walzen ; wie viel DOnger-, Ernte- 
Getreide«, Stadtfuhren gerechnet werden 
mOfTen, und wie' viel Zugvieh zu allem dlefen 
erfodericb fey ? u. f. w, 

3) Wie viel Futter daffeibe zu erhalten erfo- 
dert werde ? 

4) Was zur Speifung des Gefindes an Deputat 

gegeben werde, gehört gleichfalls unter diefe 

Rubrik* 
9. JakQk SfüUfinantwiff. F 



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ä 



8ä' Eriles Buch* 



$) findlicb mub auch (wenn man nicht die Rech« 
nuDg nach $.Vis5. eingerichtet hat) das be* 
rechnet werden, was das Wirthfchaftsvieh 
an Naturalien koftet, wozu man auch fOr 
jede. Gattung gewiffe Durchfchnittsquanta 
Futter hat 

Was drittens die Berechnung der Geldausga« 
beo ($• 11 4*) angeht, fo gehört dahin: 

1} Alles, was für die Unterhaltung des Zugvie- 
Viehes ausgegeben wird, als: 

a) die Zlnfen für das Capital, was im Ankauf 
der Pferde fteckt; 

b) Verluftcapital durch Abnutzung oder Ster« 
beo des Zugviehes; 

O ^^ Ausgaben ftir Arzneyen ; 
d) für Hufrchlag und Gefchirn 

a) Was fOr die Ackergeräthe verwendet wird^ 
als: Acker «und Neben wagen, PflOge, Eggen, 
Walzen; desgleichen fOr Stallgeräthe« 

3) Lohn fOr Knechte, Enken, Viehmägde u.f,w. 

4} Lohn far die'nöthigen Handarbeiten. Diefe 
morfen fowohl ihrer Quantität nach ausgemit- 
tek, als ihre Lohnrätze befiimmt werden« 
Zur Ausmittelung der nöthigen^ Quantität 
mufs man das Verhältnifs der menfchlichen 
Arbeitskräfte zu den erfoderlichen Verrich- 
tungen kennen, als: wieviel jemand in einem 



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Von der Staatseinnahmen %^ 



Tfge fäen, graben» mahoa» drefcben vu f. w, 
könne. 

5) Auch geliören dahin die dem Ganzen der 
Wirthfchaft angehörigen Koften , als: 
a)^ Gebalt des Verwalters, der Haushälterin» 

des Hofmeifters u. f. w.; 
b} Ausgaben für Feuerungsmaterial» Licb^ 

Oel; 
c) Unterhaltung des HaushiltungsinTentariums» 
als: Betten, Kachengeratbfchaft u. f. w« 

6^ Endlich mflITen auch die Zinfeo für das fix« 
und bewegliche Verlagscapital, fo fem ei 
nicht fchon wie hey Nr. i. berechnet Ift» In 
Aufgabe gebricht werden. 

$• i3o* 

Wenngleich für al(e diefe Rechnungen Durch* 
fohnittsfätze in den Schriften der bewäbrteften 
Oekonomen zu fitiden find, wie insbefondere in 
Th€ier^8y Meyet-'s, von Flotoiv^s und anderer Wer* 
ken; fo kann man bey Verfertigung derAnfchlfgo 
denrelben doch nicht unbedingt folgen, fondern fie 
können nur Leitmittel abgeben, um das, was in 
Jedem befondern Falle in der WirkRhkeit Statt 
findet, ausfindig zu machen» und die Urfacben 
der vorkommenden Abweichungen zu profen. 



F a 



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84 Erlies. Buclu 



!§. i3i. .1 

Auf gleiche Weife mOtTen nun auch alle Ne^ 
bennutzungen veranfchlagt werden , wovon die 
hauptfächlichften find: 

1) Fifcbereyen; 

2) Brauereyen; 

Z) Branotweinbrennereyen; 

4) Ziegeleyen, Kalk* und Gypsbrennereyen; 

5) Mahlen verfebiedener Art; 

6) SteinbrOchet TorfgrSbereyen, Bleichen» 
Torfgniben und andere kleine Pachtftacke 
ähnlicher Art; 

7) Glashatten i 

8) Gärten und Weinberge u. f. w« 

DasHauptprincip bey allen diefen Anfchjägen 
bleibt eine richtige Berechnung der Einnahme und 
Auggabe* Um aber diefe anzuftellen, mufs man 
Botbwendig nicht nur im Allgemeinen mit der 
Natur und dem Wefen aller diefer Gewerbe, den 
dazu nothwenfligen Erfoderniflen und der durch 
diefelbe möglichen Production bekannt feyn; fon» 
dem man mufs fich auch die genauefte KenntniCs 
der einzeln^ Gewerbe, der Localität und Um* 
ftfinde , unter welchen fie Statt finden , erworben 
haben. Wir haben diefes nur an einem Haupt* 
zweige der DomainenwirthCphaft gezeigt« Man 
ficht aber leicht, dafs ein Staatsbeamter, der die 



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Von der Staatseiimalune« $5 

Anfcfalige der Obiigen hier genatinten oder andern 
möglichen Nebenzweige beurtheilen oder leiten 

' foU, eine eben fo fpecielle Keontnifs von jedem 
diefer einzelnen Gewerbe und von allen Datis» 
welche ;uf grOndlicher Beurtheilung ihrer Ausga» 
ben und Einnahmen gehören » befitzen mafre, als 
der» welcher einen Anfchlag.von der Lfndwirth« 
fchaft eines Gutes machen oder beurtheilen foll» 
von letzterer befiizen mufs. Die fpecielle Beleh* 
mng darQber kann aber nicht in der Finanzwiffen« 

yfchaft gefucht werden » fondern (man mufs fie aift 
der Technologie und eigner Erfahrung fcböpfen, 

Indeffen läfst man ficb in grofsen Statten» 
wo das Veranfchlagungsgefchäft wegen häufigen 
Wechfels der Domainenpäcl^ter oft vorkommt» 
nicht bey jedem Anfchlage auf dergleichen detail« 
lirte Berechnungen ein» Insbefondere hat man in 
den prenfsifchen Staaten das Gefchäft fehr zu ver- 
einfachen gefucht, indem man es auf gewiffe all« 
gemeine» dorch mehrfache Erfahrungen gefundene 
Grundfatze reducirt hat» die bey allen Anfchligen 
angewandt werden« 

§. i34. 

Zwar hat jede Regierung von jeher gewiCTe 
fpecielle GrundlStze» die durch Vorfchrift oder 
Obfenranz in ihrem Departement angenommen 



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i6 Erftes Buch. 



£nd, and ipromach man bey Veranfchlagung der 
Domainen verfährt. Aber dennoch glebt es auch 
gewiffe allgemeine Kegeln» welche allenthalben 
bey dem Anfchlagsgerchäfte befolgt werden maf* 
^en. Diefe (ollen hier kürzlich angefahrt werden. 

Kennt man einmahl die Natur des Anfchlag* 
gefchäftes; fo wird man fich auch leicht in die fpe« 
dellen Methoden finden, wenn man einige Mufter 
vor fich hat. Man findet im Myliif eine Menge 
Verordnungen , die fich auf diefes^ Gefchäflf bezie- 
hen« Die neuefte ift vom jften September 1797». 
und die geltenden Refultate find zufammengezo* 
gen dargeftellt in der obigen Schrift von Nicolai 
($. J06O. 

Die allgemeinften Grundfätze, die bey allen 

Begierungen gelten, find zwar ziemlich diefelben» 

^ welche wir oben ($. 1 1 4- 1 15 u. f. w,) angegeben 

haben; jedoch kommen einige nähere Beftimmun* 

gen dabey vor. Es wird nämlich ebenfalls 

l) dem AnfchlagsverFertiger zur Pflicht gemacht» 
fich eine genaue Information Aber die 
Oröfse und Befchaffenh^'t des Guts zu Ter* 
fchaffen; fodann 
ä) den Natural- und Geldertrag» fo wie die 
Wirthfcbaf tskoften fo genau als möglich aus« 



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Von der Staatseimiähme. 87 

mitteln. Jedoch ift zur Ausinittelungi des 
Geldertrages 

3) far jede Art der Producte ein gewiffer Preis 
Ton der Regierung fchon feflgefetzt, welcher 
die Kammertaxe heifst» und die man nur 

. von Zeit zu Zeit, wo es die Umftände fodern, 
ändert« Eben fo find auch , 

4) in Anfebung der Production gewiffe Sätze 
für den Ertrag oder die zu gewinnende Kör« 
nerzahl beftimmt , wobey die Rückficht 
herrfcht, daCs der Ertrag nicht Obertrieben, 
fondern nur ein mittlerer und gewiffer ange« 
norameti werden folL 

5) Ueber jede Nutzung' werden fodann Spe« 
c i a 1 a n f c h I ä g e verfertigt. Bey jedem wer» 
den fogleich alle zur Nutzung erfoderlicfae 
Koften von dem au^gemittelten rohen Ertrage 
in Abzug gebracht, und der bleibende Ueber- 
fchufs als reine PachtrevenQe (Arrende) aus* 
geworfdi. Nachdem nun alle Specialanfchläge 
fertig finc^ wird am Ende eine Recapitulation 
der Summen dew Specialanfehlage gemacht, 
die Ausgaben, welche das Ganze betreffen 
($• > i4* I^i** 30 ^^^ daher in den Specialan* 
fchlägen nicht vorkommen , gleichfallis reca« 
pituRrt, und die ganze ^umme der Ausgaben 
^on der ganzen Einnahme abgezogen« Der 
UeberfcbuCs ift die Summe» wekhe man f&r 



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88 Erftes Buch. 



den reinen Ertrag hält» und die man als 
Pachtfumme annimmt. 

Die Ordnung, welche man in den Regierun- 
gen bey Anfertigung der Specialanfchläge beoby-- 
achtet wifTen will» ift herkömmlich folgende; / 

i) die beftä'f^digen Gefälle; 

2). die unbeftändigen Gefälle; 

3) das Dienftgeld; 

4) der Erbpachtscanon; 

5) die Zeitpacht der Vorwerke} 

6) die vcrfchiedenen Pertinenz- oder Neben* 
itacke* 

$• i38. 
Einige Regierungen bringen jedoch alles un* 
tcr drey Rubriken : 

1) Beftandige Gefälle. 

2) UnbeftSndige Gefälle. 

3) Pacht- und Arrend^ftacke* 

§♦ 139. 
Den fertigen Anfchlag überreicht der Com« 
miffa^rius der Regierung mit feinen BemerkungeUt 
und fo wird er dem CoUegio vorgetragen« Diefes 
aberträgt einem Mitgliede die Prüfung deffelben, 
welches feine Bemerkungen dagegen vottrtfgt. 
Darnach wird der Anfchlag, wo es dem CoUegio 
. noth wendig fcheint, berichtigt > und an den Fr* 



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, Von der Staatseinnahme« 89 

- 

nanzminifter mit einem gutacbtlichen Bericht ein- 
gereicht. Diefer ftellt eine Superrerifion an » und 
hierauf folgt die Entfcheidung« | 

$• i4o* 

Was die beftändigen und nnbeftändigen Ge- 
fille betrifft ; fo ift dabey nicht viel zu verwalten« 
Der Beamte übernimmt deren Verwaltung gewöhn* 
lieh fOr einen beftimmten Gehalt gegen Abrech« 
nung, wo er denn blofs als Steuereinnehmer der 
Regierung erfcheint» oder er garantirt fie gegen 
gewiffe Procente. In den neueften Zeiten hat man 
fie^ wenigftens in deh efaemahls weftphälifehen 
und neuen Rheinprovinzen » von den Pachtämtern 
getrennt, und fie, wohin fie auch wirkÜoh gehö* 
ren» den Steuerfimtern übertragen* 

§. i4i* 

. . Bey dem Anfchlage der Aecker legt man 
l) die übliche Feldereintheilung zum Grunde, 
glebt eine Ueberficht der vorhandene^ Mor- 
gejizahl, und theilt fie in Claffen nach ihrer 
Güte; 
9^ wird dieEinfaat ausgemittelt, wobey man ge« 
wiffe auf Erfahrung ruhende und von den Re* '* 
gierungen als Regel angenommene Fractions- 
fttze zum Grunde^ legt. Herrfcht die Drej* 
felderwirthfchaft« fo wird vom ganzen Fiä* 
•beninbalte der Felder | zu jedem Felde» 



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90 Erlies Buch. 



•| zur Saat und -^ zur Brache gerechnet. Letz* 
tere rechnete man fonftgar nicht zum Ertrage. 
Alles wird gewöhnlich auf die üblicbeOetrei* 
deart reducirt, und man nimmt auf das, was 
der Pachter durch Speculätion oder befondere 
Indujflrie gewinnen könnte, "keine Rückficht« 

3) Hierauf wird der Körn er ertrag oderErdrufch 
ausgemittelt« Hierbey zieht man die Ernte* 
und Drufchregifter zu Käthe} jedoch öber- 
fchreitet man gewiffe angenommene Kammer« 
oderRegierungsfätze nicht leicht« Nach den« 
felben giebt die erffce Claffe in Weitzen 5— 7, 
in Roggen 5 — 5y, die Gerfte 5 — 6 Korn; 
in der zweyten Claffe fieigt der Ertrag von * 
ji^ — 5^ Korn Roggen, und ^ — 4 Korn Ha- 
fer; in der dritten 2 -*- 3 Korn Roggen und 
3~*4Kora Hafer. 

4) Von dem fo ausgemittelten Ertrage wird 
dann abgezogen : a} die Ausfaat ; b) das fo« 
genannte Wirthfcbaftskorn, worin man 

' alle fpeciellen Koften zufammenfafst, und fol« 
ches als das Refultat fpecieller Berechnung 
der Koften anficht. 

5) Der Keft wird dann nach der beftimmtenj^am* 

mertaxe zu Oelde gerechnet, und dadurch 

das Pachtquantum ffir die Aecker beftimmt« 

Anm. 1. Die Fnictienen aat den Drnfchrefiftern be<- 
Himme« , welche Ton den Nr. 5. angegebenen Zah- 
len bey der Ertragsreohnung genommen werden 
floUeii. «- Et dürfe« Mir^Iahro nicht mit in die 



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Von der Staatseinnahmc. . 91 

Fraetion genonuaen werden. Htgegei» dürfen auch 
sieht höhere Sätze* genommen werden, aU 7 hoch- 
ftens 8 Korn,' wenn gleich die Fraction höhere Ke«. 
laltate gehen- follte. Jedo^ Toll auch nie unter 
5 Korn Ertrag angenommen werden , weil Felder, 
die weniger gehen , ändert alt durch den Fruchihau 
SU nutten. 
Aunu 2. Zur AusXaat rechnet man dnrohwag 1 Kom 
fttr den Morgen. Das WirthTchaftskom wird fo be- 
rechnet , dafs man von dem nach Abzug der Ausfaat 
übrig bleibenden Körnerertrage die Hälfte alt Wirth* 
fohaftakem abzieht, wenn der ganae Ertrag nicht 
über 5 Kömer ift. Ift der Ertrag aber ober 5 Körner, 
Xo werden doch iedetmahl nur a Körner alt Wirth« 
fphaftskom gereohatt« 

Diefe Metbodeift zwar kurz, aber fie fdhrt» 
vraan fie allgemein angewandt wird, nicbt immer 
zu richtigen Refultaten« Insbefondere deutet dtts 
Wirthfcbaftskorn , da es für alle Arten der Güter 
als gleich angenommen wird, und fich blofs nach 
der Menge der geerrit^ten Körner richtet, die 
Wlrtbfcbaftskoften höchft unficher an. Denn 

1) lEinOut» wobey viel Spann- und Hofedienfte 
find» hat viel weniger Wirthfchaftskoften, 
als ein Gut, das keine oder wenige Dien fte 
bat. Es werden zwar die Dienfte in Einnah« 
ne gebracht, aber die SStze, nach weichen 
diefes gefchieEt, find viel zu geringe; fie find 
dem Pachter viel mehr werth* 

2) Es wird bcym beben Ertrag (Aber 5 Korn) 
das Wirthfchaftskora fo gering angenommens 



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9 t ^ErAes Buch. 



als bey (^em. niedrigen (5 Korn)« Diefes ift 
aber nur dann richtig, wenn der höhere Er- 
trag blofse Wirkung der Natur ift. Anders 
ift es aber 9 wenn er Wirkung der forgfälti* 
gern, mfibfamern, mehr Arbeit und Vor* 
fcbalFe koftenden Gultur ift* 
3) Bejm fchlechten Boden werden geringere 
Koften als beym guten gerechnet» welches 
gleichfalls ganx falfch ift, da^ie Gewinnung 
der wenigem Producta auf fchlechtem Boden 
oh mehr koftet, als die mehreren auf guter 
Erde. 
Will man daher der Wahrheit nahe komn;ien , fo 
roufseine genaue Berechnung der wirklichen Wirth* 
fchaftskoften zum Grunde gelegt werden > nach 
der Art, wie oben angegeben ift. ' 

Anm. Dat eiaft immige Urtl^eil der prenffifchen Oeko- 
nomen über die Kammeraiifchllige ilb: daTt Ni^hland 
xnit dem WirthTchafUkom aufkommen kann , Um die 
'WirihTchalukoiten xu befreiten ; daft aber i} der zu 
niedrig angenommene Ertrag, und a) die niedrige 
Kammertaxe iie dafür mehr als entlchädige.— Wellte 
man alTo ftrenger in Anlehung des Ertragt und der 
Geldpreife des Getreides verfahren» fo würde man'noth« 
wendig aueh die KoAen genauer herechnen müHen« 

§. 143- 

In der Regel wird in den preufsifchen Anfchlä- 
gen angenommen» dafs nur die gewöhnlichen Ge* 
treidearten gebauet werden, und was der Pachter 
durch den Anbau von Fabrikfrachten » als Habe* 






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Von der Staatseinnahme. 93 



faat j Kflmmel, Krapp u* f. w. gewinnt, nicht ge* 
rechnet, welche^ allerdings febr zum Vortheil der 
Pächter ifL — Indeffen wird doch in manchen 
Provinzen , und in den neuern Zeiten noch allge» 
meiner als fonft, aacb auf andere. Frachte Rück- 
ficht genommen , und man hat fodann in den Re- 
gierungen ebenfalls gewiffe Sätze angenommen, 
wornach man den reinen Ertrag davon auswirft. 
Diefe Sätze find ziemlich wiliköbrlicb , da fie nur 
Von einfeitigen und unvollkommenen Erfahrungen 
abgezogen zu fejn fcheinen. 

Anm. NaoH Nicolai nimmt man an» daff i Scheffel 
Auflaat Linfan 5—8 RtW., Hanf s-^S RtM. reinen 
Ertrag gcbc,^ jede Metse EinfaU- Hxrfe, AfibaTaamexi, 
Mohn n, L w. a — ;<J Rthl.; Tahak für den Morgen 
la Gr. u« !• w* 

$. 144. 

Sind einzebe Stücke an kleine Leute in der 
Nachbarfchaft grofser Städte verpachtet; fo v$r* 
anfcblagt man diefe befonders nach der Morgen* 
zahl zu folchen Preifen, wie fie am Orte am billig- 
ften Statt finden. Eben fo die fogei^nnten Wor- 
den, d* h. vorzüglich guten Ackerftücke, welche 
dicht bey den Höfen liegen und als Garten benutzt 
werden« 

$. 145. 

Der Oarbenzehend, welcher an vielen Orten 
vom Ackerbau gegeben werden mufs, wird den 
Domainenpächtcrn nach der Kammertaxe aufscr 
dem Wirtbfchafitskorne gut gethan, Dabey büfst 



» ** , 



X 



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94 Erftes Buch/ 

der Pachter ein. Es würde oatürlicher feya > iba 
vom rohen Ertrag in Natura abzuziehen. 

$. 146. 

Stroh, Weid« und Hdtuog wird nicht mit ia 
Rechnung gebracht , in wie fern es blofs zur Vieh* 
futterung und Erzeugung des Düngers dient» den 
man ebenfalls nicht in die Rechnung bringt. In 
einigen Anfcblägen bringt man jedoch die priva* 
tive Hatung mjt einer Kleinigkeit für jeden Mor* 
gen (1 — *6 Gr.) zur Einnahme, und rechnet dann 
die Viehnutzung etwa^ niedriger. Es wird aber 
die Rechnung dadurch zufammengefetzter und, da 
£e dann verfchiedenen Principien folgt, un6cher« 
Vollkommner und einfacher würde der Anfehlag 
werden, wenn man, ilach dem oben ($• 125.) 
geths^nen Vorfchlage, die Berechnung der Vieh* 
nutzung gSnzlich wegliefse, und fie als Wirkung 
der Induftrie des Pachters betrachtete; wogegen 
fodann alles, was das Gt^t zur Erhaltung des Vie« 
hes liefert, in Einnahme, und alles, was diefes 
in die VVlrthfchaft giebt, in Ausgabe geftellt wer* 
den /mflfste. 

$• i47* 
Die WIefen pflegt man, wie die Felder, in 
zwey Hauptclaffen einzut heilen, nämlich zwey* 
Iiauige und ein hauige, und iton jeder Claffe 
wieder drey Grade anzunehmen: gute, mittlere 
und fehl echte. Auf jede Art rechnet man die 



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Von der Staatseinnahme. 95 

-^i— — *— ■Ml*! ■ . ■ 111 I > lii r 

Ernte zu einer gewlffeo Quantitjtt Heu, und rech* 
net, nach Abzug der Gewinnungskoften» den rei« 
nen £rtrag zu befiimmten Geldfummen, die mit 
dem, was wirklich daran gewonnen, wird , als bil- 
lig aogefehen werden können i* und natürlich mit 
den fteigenden Preifen des Heues von Zeit zu Zeit 
erhöbet werden, firflche» Moore und Lachen 
werden erft nach der Urbarmachung und nach Ab* 
zug der darauf verwandten Koften veranfchlagt« 

$. 148- 
Oartennutzungen werden nach mäüsigen Sätzen 
insbeCondere veranfchlagt, to wie auch wilde Baum* 
ziicbt, die Benutzung der Korbweiden u. f* w. 
Weingärten werden etwas geringer gefchätzt, als 
Obllgärten, ohne in nähere Koftenberecbnung ein* 
zugehen. 

Das Nutzvieh wird gleichfalls Jnsbefondere 
veranfchlagt. Zu diefem Behuf mittelt man 

i) veriiöittelft des Inventariums und eidlicher 
Ausfage der Verwalter, Schäfer, Hirten u«f. w. 
den gefammten Viel^fiand aus. Hierauf zieht 
man > 

2) das Wirthfchaftsvieh ab, und veranTchlagt 
das Nutzvieh, wohin Rindvieh, Schaafe, 
Schweine und Federvieh, accli Seiden war- 
mer und Bienen gerechnet werden, wo Geh 
dergleichen in bedeutender Menge finden. 



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9^ Elftes Buclu 



$. i5o. 
Wollte man den reinen Ertrag des Nutzviehes 
genau berausreclinen ; fo niOfste man die ganzen 
Koften delTelben zuerft genau berechnen , das An* 
fchaffungscapital, deffen Zinfen, Gefinde« undHir* 
tenlohn, Fütterung, Salz, Bullen» Böcke u. f. w«» und 
diere vom Brutto -Ertrage abziehen. Dergleichen 
Berec|;inungen find auch häufig angelegt worden. 
Da fie aber fehr weitläufig ausfallen ; fo hat man 
blofs gewiffe beftimmte SätzCi welche dieRefultate 
jener Berechnungen find, fQr die Viehnutzung 
angenommen, welche dann als reiner Ertrag fQr 
die Viehnutzung in den Anfchlägen gelten, und 
durch Detailberechnungen in den einzelnen Fällen 
probirt werden können. Bey Koben wird fQr je« 
des Stack eine beßimmte Summe als reiner Ge- 
winn ^gerechnet, bey Schaafen von jedem hun- 
dert. Die Nutzung der Schweine wird bald nach 
Verhältnifs derWirthfcbaft mit einer runden Sum« 
me , bald fQr jeden Wifpel Winterausfaat mit 
I Rthl. oder i Rthl. 8 Gr^ bald auf jede Kuh ein 
Schwein mit 8 oder lo Gr. inAnfchlag gebracht.— 
Eben fo bringt man die Nutzung des Federviehes 
Bald mit einer runden Summe von 5 — - 3o Rthl«, 
bald fOr jeden Wifpel Sommerausfaat mit I2 Gr. 
in Anfchlag; auch wohl mit beitimmten Pro* 
centen vom Ertrage der Obrigen ökonomifchen 
Nutzungen. Auch far den Seidenbau und die Bie« 
nenzucht giebt es gewiffe Anfchiagsfi^tze y jedoch 

wer- 



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Von der Staats^iinahme. 



97 



V^eJ'den fie gar, nicht veranfcbiagt, wo fi« nicht 
1»MräohtJiBb £ad. ' , 

Aüeh fw die Nebennutgubgeö ($. i3i;) hat 
.man in de^n preursifchen Staate gewiff« Veran* 
Icblagongsfätze, welche als Refultate vorhergehen, 
der häufig angeftellter DetäiJberechnüagen afige- 
fchen werden» und welche die jedesmahlige De« 
taiJberecbnUBg bey einzelnen Fällen eatbehflich 
machen» 

In Anfehbrig der Fifcharey toiitel-fchgldet mail 
die wilde und die Äahme. Was die erftere in 
Seen und FIflffen betrifft, fo wird fie abgefchätzti 
1^ nach vorhandenen Rechnungert und bey det 
Adminiftratiofl geführten Regiltern. Man bettimmt 
fodann die Nütiu^g' nach der Fractlon mehrere^ 
Jahre, und bringt | des Ertrags für dielflLoÄen in 
Anfchlagl 2) nach den Vorigen. Pachtconträcten J 
3) nach einer runden Summe, bey unerheblichen 
Fifchereyen; vorzüglich 4) durch cfieAusfäge Verei- 
deter und erfahrner Fifcher^ Diefe vvei-den exami* 
nirt b) über die Arten der Fifchej b) Ober di« 
Quantität, die jede Fifcherey giebtj c) Preis und 
Debit} d) über die Anzahl und Oröfs« dit Kähne j 
•)die Oattarig derOarne j QZahl ^er Eflge ü. f. w* 

Anm. Die bedeutendfteu wiWbri Fi/chei-eyen in den 
pr«aCiifch«n Staaten find in üftpT«uf««h j i& def Oftfeej 
im Curifchen, friroktn Haff nnd ia tinigen groben Land« 
». 3»k9l> Staotsfinanzwijf, ' ' q ' 



X 



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98 ^ Erlies Buch. 



feea« Eine der widitigfte]iFifc|iereyen ift der L ac hf- 
fang. Die Pächter müITeii darüber genaue Regifter 
führen y und fie werden nach denfelben ¥on 6 xu 6 Jah* 
ren rerpachtet. Zur Aufficht Über die(e fo wichtigem 
Fifohereyen find honigliche Ober« un4 Unter|Uchoi6i- 
Her gefetzt j\ die fich auf ihren Kähnen der Flagge mit 
dem Ichwarien Adler bedienen, die Fifchereytinfea 
erheben und der Hegienmg berechnen. Dergleichen 
groUe FiTchereyen find keine Pertinenvftücke anderes 
Domain en , fondem für fich verpachtet. -*- Uebrigena 
£nd die Satte, wornacli die wilde f ifcEerey gefchitxt 
wird, hdcbil ongewilf« ^ 

Bey den zaliaien oder Teiclififcfaereyeop 
befooders bey den Kacpf enteieben » wird in' dem 
Anfcblage 

1) die Morgenzabl nacb dem VermeCTuiigsregi-' 
&%X9 oder wo diefes fehlt, die Gröfse nach 

^ der Ausfaat beftimmt, und ^ als jSbrlieh 
brach liegend, d. b. abgeladen und ^um Befäen 
angewendet, abgerechnet, wo dergleichen 
Ablaffungen Statt finden* ^ 

2) Bey der Abfchätzung mufs auf Boden, Län- 
ge, Tiefe, Zuflirfs und Abflufs, den mitt- 
leren WaCrerftand, die trockene Nntzung u. C w. 
Kackficht genommen werden. 

3) -Man unterfcheidet fodann Laicht ei che, 

Streckteiche und Befatzteiche« 

' Laich- oder Streich teiche fiod folche» 

die zur Erzeugung der Fifche dienen , uod in 

welchen die Karpfen fingerlang wachfen 



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Von der Staatseinnahme.. 



maflen. Aus dieCeo werden fie in die S t r e c k« 
t ei che zerfetzt, i^o &€ zwey Jahre bleiben» 
Aus deofeiben. werden fie in die Befat^« 
^>eicbe gethan, wo fie noch zwey Jahra 
wachfen mQffent vnd dann ausgefifoht und 
Terkauft werden. Bey den Laiohteicb^n rtfch^ 
net nia4 i a Laichkarpfen auf Einen Morgen» 
wovon 3o bis 5o SclH>ck Saamenfifche ge- 
wonnen werden. Von diefen werden auf 
zWey Jahre jedes Jahr die Hälfte in dieStreck« 
teicbe gefetzf, und ^ fQr Schaden und Zufälle 
aB^e^ogen. In den Streokteichen rechnet 
man auf den Morgen zahn Schock; und wenn 
die Teiche zwey Jahre bewäffert find und ein 
Jahr brach liegen 9 ^ zur jlfarlicben Nutzung» 
wovon f fOr Abgang abgerechnet wird» Bey 
den BeCatzteichen richtet fich der pefatz 
nach dem' Boden , und darnach ;werden fie 
claffificirt. Man rechnet in guten Teichen 
auf 1 oder ij Morgen ein Schock dreyjibrigen 
Karpfenfaamen zum Befatz, in mittleren fo 
viel auf i^ bis 4 Morgen* Davon kömmt ;| 
zur iäbrlichen Nutzung, f i& Abzug. Hier» 
von reclinet man 35-^45 Stack auf i.Cent« 
ner, veranfcblagr diefen nach einem beftimm* 
ten» von Zeit zu Zeit fich vei^dernden Re« 
gierungsfatze, und zieht nocb 3 Procent von 
diefer Verkauffunraie ab, wegen der darunter 
befii^dlicfaen kleinen oder fremden Fifche. 

C a 



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loo ^ Erftes Biich. 



$. i54. 

Btj Abfchiitzung der Brauereien fucht 
man erftlich den jährlichen DebiC auszumitteln«. 
Zu dem Ende iuuEb man i)wifren, wie viel Schenk- 
bSufer damit verlegt werdep; oder man «rfieht 
folches 3) aus den^ Acciferegiilarn von dem zur 
Moh^e gekommenen Malze, aus dfin Rechnungen 
des Pachters u. f. w.^ oder 3) man fchliefst es aus 
tier ZahJ der jährlichen Gebräude und des dazu 
verbrauchten Getreiden. . Hierauf wird 

zweytens die Berechnung bey den Braue* 
rtyen (b angesetzt : 

i) Zum WeiTsbier rehnet man auf ein Ge- 
br&ode von 32 Tonnen S2 Scheffel Weizen* 
inalz* Davon wird 1^ Tonne als Ausfalle- 
Wer und Schenklianne abgezogen^ die übri- 
gen werden itaoh der Regierungstaxe zu Gelde 
gerechnet, und noch für Covcnt und Bärme 
. zuweilen eine kleine Summe für jeden ^ifpel 
in Anfchlag gebracht« Davon wird die Aus- 
gabe für Weizen, Hopfen « Holz, Mahl* 
metzd, Braupfanne, Brauer^, Böttcherlobn» 
FuhrgeM u. f« w« in Abzug gehrachu Der 
Heft giebt den reinen Ertrag« 
a) Die Veranfchlagung des Braunbiers, ge- 
fchieht nach derfelben Procedur. Man rech- 
net hier auf ein Gebrijude von 02 loniiea 
2 Wifp«l Gerftenmalz, oder auch wohl auf 
^. tiiie Tonne 2 Sehelfel Malz. Von der VVifpel«- 



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, Von der Staatseinnahine. loi 

■ II 11 - 11 . II ■ ' n I |, • I 

zahl wird f oder 3 ScheffeLals Quellmaafs 
abgerechnet« Beyi|i«'Weifsbier rechnet man 
1 Scheffel Hopfen anfs Oebrflude» beym 
Braanbier 5 Scheffelt oder 2 Pf und auf düä 
Tonnen Eben fo giebt es fOr di^ Feuerung 
beftimmte Sitze. 

S- i55. 

Die Veranfehlagung einer Branntwelnbtena«^ 
rey hat mit der Brauerey. viel Aebnliches* Man 
niicmt an« dafs -i Scheffel Branntweinfehrot auf 
4 Theilen Roggen - und i The|l Oerftennftal« 
1 3 Quart ; 1 Scheffel Schrot ans 4 Theilen Weizen- 
lind X Thell Gerftenmalz 16 Quart BrAnntweln 
giebt. • Von dem, was nach Krflgen geht» wird 
das 2ofke als Schankquart abgerechnet, und das 
flbrige nach einem beftiromten Mittelpreife veran» 
fchlagt. FOr die Maftung wird i Rthl. auf den 
Ohm gerechnet. Hierauf werden die Ausgaben 
abgezogen t nnd der Heft als reiner Ertrag ange* 
fehen. 

Wandle Mahlen, Glasbfltten, Tbeerfchwe« 
lereyen und andere Nebennutzungen betrifft; fo 
werden zwar audi, fobald fie in Zeitpacht, es fey 
mit den Vorwerken, oder für fich allein, gegeben 
werden, befondere Anfohlige dSTon nöthig, und 
man kann die Vorfchriften und Mufter in ^er oben, 
angefohrtcn Schrift von ^icaiai finden« Indeffea 



• i 

V. - . * ' 

I r 



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tq% Etiles Buch. 



hat mao fieb fcbon läogft von der Ungewifsheit 
folcher Aofchläge belehrt» und man hat es daher , 
Vortheilbafter gefunden, dergleichen Nutzongen 
entweder gänzlich zu verXuCpem, oder fie in Erb«» 
pacht zu geben* Da indeffen auch dergleichen 
Operationen eine richtige Ueberficht des Ertrags 
Torausfetzen , wenn fie mit Verftande ausgeführt 
werden follco ; fo gehört allerdings die Bekannt^ 
fchaft mit den Grundfätzen der Ertragsanfchläge 
diefer Nutzungen far Finanzbeai^e» welche dis 
Vererbpachtung ausfuhren feilen. 

$. i5j. 

Wenn man fich nun durch Veranficblagiing 
der Domainengater ^inen richtigen Begriff von 
deren Ertrage gemacht hat» und ihr Zeitpacht be? 
fchlofCen ift; fo entftehen in Anfehung deffelbea 
noch folgende Fragen : 

i; Wie foUen die Pächter befchaff^n feyn, an 

welche dte Verpachtung gefcbeb^n foll? 
a) Sollen die Domainen an den Meiftbietjuidea 

oder nach Anfchlägen verpachtet werden ? 
3^ A^f wie lange Zeit fallen fie verpachtet 
^ werden ? 

4) Welches moffen im Allgemeinea die Pacht« 
Bedingungen feyn? 

5) in welches Verhältnifs follen die Pfichter mit 
den flbrigen ätaatsgenoCTen gefetzt werden« 
die n)it ihnen gleiche Gewerbe treÄbeii? 



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Von dei: Staat&eixmahme. la^ 

1. In Anfchung des erften Punktes CS« i^7*J^ 
icann es keinen Zweifel leiden»^ dafs der Staar.das 
Recht habe, fieh unter den ficb einfindleflden Pfich* 
tern denjenigen auszuwählen , welcher foiche Ei« 
g^nfchafren hat,- dafs er ihm.dii^ gröfste GewShr 
l) filr prompte Bezahlung des Pachtgeldes» 2) far 
ctie Erhaltung und VerbefTerung der Domaine durch 
Verftändige und ▼oIIkomitineBewirthfchafhing und 
fOr gute Behandlung der Unterthanen leiftet, * 

In diefen Hinfiehten wird er alfo darauf zu . 
feheii haben: i) dafs feine Pächter wohlhabende 
Leute imd mk fo viel Capital verfehen find, alt 
erfodert wird, um die Wii^brchaft mit Ordnung 
zu fahren , • zuffliige UnglacksfSIle zu überfteheut^ 
den yortheilbafteften Verkauf der Producta abzu- 
warten, auch dlie nöthigen VorfphQffe zu den er- 
f •deriichen VerbeffnrungeK zu machen ; a;) dafo 
SeWirtbfchaftsverftändige find, und fchon Beweife ' 
davon abgelegt haben ; 3) daCi fie in keinem . 
lehlechten Rufe ftebeii, bcffonders dafs man fich 
zu ihnen verfj^en ktone» dafs fie gegen die Froh- 
aar und gegen die Gutsunterthanen gerecht und 
billig feyn werden* ^ 

Anm. 1* Man kdimte twar'fagvn, dafs fichNiet^and 'an 
«iai^ Pachtung melden und fein Vermögen daran wa« 
gen werde, wenn er die Oekonomie nicht >erftelitt 
eder kafaie fidhara Mittel kennt, dat Gut £6 in nuuen,. 



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'io4 Erftes Buch. 



^aTs er Profit davon h«U Indeffon leYirt doch die Ev« 
iUivitug,' 44^ viele UnwilTende Gefchä^te unterneh- 
inen ^ dio Ge gfinz upd gar picht yerftehen , und iic]| 
diir&ber au Grunde ricliten. Da nun ein folcher einenr 

Ij^n^gatß leifihi fo groXceB Sd^den aufägen kano, daff 
(eip ganze« VermÖgep nicht zureicht ^ ihn zu erfetzeui 

und es überhaupt unangenehm ift , die Güter auf dicfe 
. WeiTe deteflorirt znrüok lu erhaltbti; To darf die Ma« 

Kipie» Geh um die GetIchickUchkeit der Piiphter ^u k^r 

kfimmern , Picht ah üherüüffig verworfen warden^ 

^BPI. 9« In den preuftifchen Staatep i^ den Regierui^V 
g^i depen da« Gefchäft der Domainenverpachtuu'^ 
^unllohl^ ohltegt^ ausdrücklich vorgefchrieb^n , dafi 
fle keine andern Subjecte zu den* Domaincnpächtea 
^ulaflen follen, als bemittelte, morahTch • gute und 
mit Gefch&ftskenntnirs verfehene Leute, Deshalb wird 
-, liekannten Oekonbmen, befonder« Iqloken^ die Ichom 
pomainengü^er zur Zufriedeph^it der Regierung ker 
wirthfchaftet haben, bey neuen Pachtungcp immer der 
Vcnrzug gegeben , vnd bey Erneuerung der Paclitcon* 
^ra<^|^ l^^t der alte Pachter « we^u er fich gut l;ietragep 
)iat, das Vorrecht, die Pachtung ^u behalten» Vena 
er die Bedingungen , w^lohe die Regienmj; niiachti 

. $• i6o. 
S. Es könnte foheinen, als ob üb Regtomng 
(ich das ganse'weitiäDfige GercbäFt der Veranfchhb» 
^QDg ihrer Domalnengater erfpareo könnte, wenn 
fie diefelben durch öffentMohe Ltcitation an deli 
Meiftbietendra v^rpaohteta, weit iodann die Bte* 
t^nden &ch fehoo von felbft richtige Begriffe von 
dein Ertrage der PachtftQcta# zu verfehäffei/fuchen»" 
«ueb in einem'Lande, wo es an Goncurrenten eu 
dergleichen Pachtungen nicht fehlte diefe ' fich 
^%«e^bis. XU dem JiäQb&inöglichen Pachtgelds im 



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Von der Staatsein^ahme. io$ 

!■ ■ I ■ I m I I - I ■! ■ ■ ■ ■ I ii I III 

itte Höhe treiben wOrden. Alleiu da die Erfah* 
rung gelehrt hat, dafs auf diefe Wvifa Pachtunged 
öfters in die Hände unbefonnener Speouiantejp ge- 
rathen ßnd» die ficb feibft und die Goter ruinirt 
tiaben; fo rerfährt die Regierung weifer und liebe« 
rer, Wno fie ficb durch richtige Aofcbläge be^ 
ftimmte und deutliche Begriffe von dem^ Ertrage 
der Domainen vetfchafft, hierauf zwar eine Lief* 
tation veranftaltet, ficb jedoch unter den Licitan* 
ten die Wsfhl vorbehält, und ein -den Anfcblag feh( 
w^it aberiteigendes Gebot nicht annimmt,. aufset 
wenn der Licitan't %i9 der Befehaffenheit des Gu* 
tes beweifet, dafs d#von der Regierung gefertigte 
Anfcblag au niedrig fey, und der höhere Ertrag 
naeb richtigen und fiebern Wirtbfobaftsprinoipiea 
lierausgebraobt werden könne. 

Anm. Dlef« Gnmtotie gelten auch in den preuffifchem 
Regierungen, Et ift ausdrücklich Tetordnett düt$ 

^ Mehrge|i«te der Paohtlu(ti|en tu den Domaiiien , vel* 
die nioht aus den KrSften des Guts gründlich darga* 
than f ' Condem nur auf vortd^lioke lAduftrie «nd Sp»* 
eillaiie» begründet werd^ können 4 gar nicta anfe- 

' . nopmieii werden (ollen* 

f 161, 
Wenn aber.rfen alten Piehtern* die Pachtim« 
igen naeh ihrer geendeten Pacbtzeit ohne Licita.» 
tiont blois Bach einem neu gefertigten Anfchlage 
•ftberlaffen werden ; (b ift dabey doeb gar 2u l^cht 
mögiiclit daCs die Einktnfte der Regierung vor« 
Kotzt wftdexi« und der Pachter rermitt^lft B«^ 



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10 ( , Erftes ^uch. 



ftechungen dei" Regienui|(8beaDiten einen Qbermi* 
fotgen ätmnn erringt« 

$. 163. 

, 3. Was die Paebtzeit betrifft, fb ift fo vie) 
gewifsy daCs je Jioger 6e beftiimnt wird« deftq 
ficherer wird der Pachter geftellt. Denn wenn e( 
auf die Nutzung eine lange Reibe von Jahren r^cb'» 
aen kann; (b gleichen ficb die vorkommendem 
fcblechten Jahre mit den. guten eher aus, und er 
wagt daher bey einer )£ogern Pacht viel wenigfTf 
als bey einer kurzen« Eben deshalb wird er «uch 
geneigt feyn, mehr Pachtgeld zu geben, wem» 
ihm das Gut eine längere Zeit aberiaffen wird, alf 
wenn der Pacht nur wenige Jahre ficher ift« Die 
Ungere Pacbtzeit hat aber auch fOr den Grundherro 
Vortheile« Denn 1) kann er dadurch mehrPac^it« 
geld erhalten J 2) vermeidet er das Unangenehme 
des öFtern Wechfels und A\p Mühe des Verpaeh« 
tungsgefchSCtes; 3>kann er eher erwarten, dafsder 
Pachter Geld auf Verbefferungen Verwende, die erft 
nach mehreren Jahren Gewinn bringen, und doch 
dem Gute verbleiben, wenn die Pachtzeit zu £nde 
ift. Dagegen kann der Gutskerr allerdings bey 
iangen Pachtungen auch viel verlieren , wenn die 
Frucbtpreife während diefer Zeit in einem fort 
fieigen. Denn folcheä Steigen kommt fodann al> 
lein dem Pachter zu Gute« 



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Von der Staätseinnahme. 107 

Die kürzefte Pachtperiode wird durch die 
auf den Gütern herrfchende FeldereintheiluDg be« ^ 
ftimmt. Denn ein mahl mufs der Pachter den Nu^ 
tzen von allen Theilen der Flur ziehen können. . 
Sie wird alfo bey der Dreyfeldervdrthfchaft d r e y, 
bey fieben- oder neunfcblägiger Wirthfchaft (le- 
ben öder neun Jahre feyn muffen, und die län- 
gern Pachtperioden inQffen jfo beftimmt werdep» 
dafs fie fioh durch die Zahl der ablieben R(>tation 
tbeilen laffen. 

.$. i64- 
Das Billigfte fcheint wohl zu feyn» dafs man 
die Pachtzeit wenigftens auf zwey Rotationen oder 
£0 beftimmt» dafs der Pachter jede Feldart zwey- 
mahl nutzen kann, weil dadurch fowohl der Pach* 
ter gegen ungOnftige Zufälle gedeckt iil, als auch 
der Grundherr ein befferes Pachtgeld erhalteii 
kann» 

Anm. Biefe Reg«l lierrfohte fonft in den preufiiTcIien 
Staaten allgemein. Denn da faft auf allen Domainin 
das DreyfelderCyftem üMich ift ; fo worden die Pacht- 
termine auf IcoIm Jahte gel ettt ^ und dabey beftimmt, 
daff bey der neuen Vei^pachtung der alte Pachter jeder* 
zeit den Vorzug haben Xollte, wenn ei^ den neues 
PachtanDchlag erföUen wollte. Ueber fechi Jahr^ 
durfte vorfohriftsmäl^ig der Pachttermin nicht feyn» 
In den neuern Zeiten, hat man jedbch diefen Grundfatz 
geändert, und lungere Pachttermine, Von ^, ta und 
18 Jahren bewilligt. 



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N 

/' 



log .Erlies 'Buch. 

■■i ■ » ■ ■■ . I I 

f. i65. 

- Ob es vorth^ilbaft fey, die Pachttenniria 
#laDg oder kurz zu beftimmen, badgt hauptfäcblich 
TOB folgenden Uinftänden mit ab : ^ 

i) Ob die Wirtbrcbaftfchon einen fovoUkomin* 
nen Grad erreicht habe , dafs keine Verheb 
ferungen daq:iit vorgenonimeo werden kda* 
wen? 

9) Qb noch viele Zweige der Wirtbfchaftt be* 
fdnders die Felder, Wiefen u. L w. Verbeffe-, 
rungen erfodern , wozu Capitale nöthig ^fiod> 
und deren Benutzung eine lj|ng^ Zeit Ter* 
langt? 

5) Ob das Out noch ganz öde (ej, und alfo ei- 
ner Tollkommen neuen Einrichtung bedürfe? 

Pie erftere Gattung von Gatern fcheiat am vor- 
theilhafteftem auf die Zeit von zwey -Rotationen 
verpachtet zu werden; bey der zw^yten mufs dtr 
jPacbttermin auf fo lange Zeit befiimmt werden, 
dafs der Pachter gewifs feyn kann, feine auf did 
Verbefferung gewandten Capitale zurOckzuzi^en, 
pnd den nöthigen Gewitin von feinen Capitalen 
und feiner Induftrie zu erbalten; die Pachtzeit der 
dritten muCs nach denfelben Grundfätzen, vne bey 
der zweyten Art Güter berechnet werden« 

$. 166. 
■ Pet Vortheil der Regierung yrOrde vielleicht 
bey der Verpachtung am heften beforgt, wenn 



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Von der Süaatseixmahme. 109 

— — — — ' . . — ^ ^.^ i. 

man die Licitation erft au^f eine einfaqhe, xJann 
auf eioe doppelte I dfitin auf eine dreifache» u;id 
'endlich auf eine vierfache Rotation anllellte, und 
dann dasjenige Befultat auswählte > welches det 
Regierung das befie fohiene* 

J. 167* 
4* Was die ßedingungen des Pachtcontracts 
betrifft: fo verlieht es fich von fejbft, dafs fich 
.der Staat eben fowohl als der Oekonomiepachter 
allen Lahd^Sgefetzen unterwerfen mufs» welche 
Ober Pachtungen Oberhaupt gegeben fij\d| daCs 
Jkeine Partey während der Pachtzeit die im Pacht* 
contracte ausgedrfickten fpecieUen. Bedingungen 
ändern dflrfe^u» f. w. Diefe brauchen eigentlich 
in dem Paehtcontracte gar nicht insbe(bndere aus« 
geUrQckt zu werden, da fie aus den Gefetzen.fiie- 
üsen, und wo fie dennoch erwähnt werden, itl es ' 
Qberflorrjg« 

Anm. In den preüTsifcHen Staaten ftebet «war dnrclt 
'allgemeine Verordnungen feft, dafs ffir Pachtcontract« 

' mit den DomainenpKchter die allgemei^nen Oefet«« 
des Landrechts gelten. Und {diefe enthalten %U0 Ba- 
Aimmuogen über die wirthfchaftliche Benutzung der 
l?achtliücke un^ber die damit 'Torztinchmenden Ver- 
änderungen« IndeKen pflegt man doch in den Pacht* 
contraoten viele diefer fieftimmungeu noch inshefon* 
dere auszudrücken, z* B. dafs der Pachter keine Haupt« 
oder fönli Wefentlicke Veränderung in allgemeine^ 
wirthfchaftliehen Einrichtungen an Gebäuden u. f. w.^ 
der^n Folgen über die Pachtzeit hinausgetien , oder 
die nicht ohne Schwierigkeit wieder aufzuheben find^ 
ehne Einwilligung ^er Regiermig vomehMaü Xolla« 



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iia ' ' Erftes Bndu 



$. 168. 
Dagegen mOffen alle Becfingaagen beftimmt 
ausgedrückt werden» die fich nicht ?on felbft yer*' 
ftehen , oder durch die pofitiyen Gefetze fchon all- 
gemein beftimmt find. Und ^die Regierung thut 
^ohl, folche bey ihren Verpachtungen zu machen, 
welche, ohne dem Pachter zu fchaden, ihr nfltzlich 
find ; oder die dem Pachter Verbindlichkeiten des 
Onrndherra auflegen, deren Errollung fQr die Regie* 
rang befcfawerlicher and koftbarer feyn wflrde, als 
lär den Pachter« B^lngungen' erfterer Art find: ' 

1) dafs der Pachter eine genaue und richtige 
Rechnung Aber die Wirthfchaft führe, die 
der Regierung fiets offen ftehen mufs ; 

2) dafs es fich die Regierung vorbehält, ein« 
zelne Pachtfiücke zu irgend e^ner nützlichen 
Dispofition, auch während des Laufes der 
Pacht, gegen anfchlagsmäfsigen Erlafs der 
Pacht und Erfatz der mit Einwilligung der 
Regierung angewandten Melioration skoften, 
jederzeit zurücknehmen zu können; 

3) dafs der Pachter kleine oder mittelmäfsige Un* 
glücksfälle ohne Vergütung zu ertragen habe, 
da ihm auch die Glücksfälle^zu Gute kommen ; 

4) d^^ ^^ ^^^ Erhaltung und Decorirung feiner 
Wohnzimmer nichts verlangen düffe, und 
überhaupt für Inftanderhaltung der Dächer, 
der GebSude, Fenfter und anderer Kl^inig« 
keiten zu forgen babe^ auch kleine Repara« 



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v 



Von def Stattseinnatlime. 1 1 1 • 

turen^ Unterhaltung der Gehege, Graben, 

•Feldwege n. f . w. ihm znr Laft fallen ; 
5) dafs der Pachter eine genOg^cfe Cautionlei» 

fteo mOlTe > u. f. w. 

$. 169. 

Bedingungen der zweyten Art find : Einziehung 
gen der herrfchaftliche^ haaren Gefälle, Auszahlung 
des dem Oute odilegenden Zinsgetreides u. f. w.» 
und wo die Domainenämter Unterthanen haben, 
denen die Grundherrfchaft in Nothfällen tinter«' 
ftützung zu leiften verpflichtet ift, da^ift dem 
Pa<5hter auch die Verbindlidhkeit aufzulegen , fich 
der Unterthanen in folchen Fällen anzunehmen, 
und die nöthigen VorfchfifTe zu machen« - ^ 
$. 170. 
'. Ob dem Pachter auch Ökonomifche Bedin* 
gungen zu machen, fcheint zweifelhaft zu feyn, 
da es'fchon fein eigner VoriheiJ fodert, das Gut 
aufs Hefte zu bewirthfchaften« Macht ihm aber 
die Regierung folche Bedingungen, die er nicht 
erfüllen kann, ohne dafs es ihm mehr koftet, als 
es ihm einbringt ; fo wird er Geh natarlicher Weife 
an dem Pachtgelde zu ^erholen fuchen, und die 
ihm zugemutheten Aufopferungen bey' feinein Ge* 
böte in Abzug bringen. Es wird daher dabey 
wohl zu berechnen feyn, ob der Nutzen, welcher 
daraus fOr das Gut oder das ganze Land entfpringt, 
gröfser fey, als der Schaden, den die Regierung 
durch Verringerung des Pachtgeldes erleidet. 



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ijÄ Erilea» Budbi* 

Bedjogungen diefer Art find: 

i).ailerley Futterkräuter und fonft noch nicht 

bekannte mögliche Gewächfe anzubauen; 
2) eine TerbaitnirsmäDrige Anzahl Obftbäume 
, anzupflanzen und zu erhalten ; 
. 3} lebendige Zäune und Hecken zu fetzen, Maul^ 
** , beerbäume zu pflanzen u» f» w. } . 

4) fleh die Verbefferung der Viehzucht angele- 
gen feyn zu laffen «— feine Schaafzucht ein- 
zuführen und eine beftimmte Zahl feineret 
Vieh anzukaufen, Befchäl^r zu unterhalten9 
Geftcite, Bienenftöcke u. f. w. anzufchaffeni 
Seidenbau zu betreiben u. f. w.{ 

5) fchlechtes Land mit Kiehnfaamen zu be'fäen; 

6) natzliche Gewerbsleute, als : Colunitten, WoU* 
fpinner zu etabllren, u. f. w. 

Anm. In Helen Coütractsn der preafsifchen Regierung 
findea'Iich diefe und noch viel mehr Bfedingungen, 
fo daft gewöhnlich '^en Gontraoten ein eigenes, meh- 
rere Blä|ter durchlaufendes V^rzeichnils angehän^^t 
iit. Wenn man dallelbe durchgeht, lo läfst (ich niqbt 
läugnen, dafi viele dorunter lind » die fiberflüHig tu 
Xeyn Icheineu , weil Hen Beamtan der eigne Vortheil 
antreibt, das zu thun , was die Kegierung federt; 
tifele, die dem Beamten fadchft läftig fallen, und dem 
Lande weniger zn nützen loheiaen, als fie dem Beaot* 
ton Ichadeu ; aber auch Wele, die unter den jetzigea 
tlmdander^ wirklich fehr nützlich find , und de^ea 
Aufführung es wohl wtrth ift.^ dals die Regierung 
atwas weniger Pachtgeld erhält* 

B^y aufserordentlichen grofsen Unglücksfall 
ieoi ungewöhnlichen allgemeinen, meblrere Jahrö 

hin- 



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Von der Staatsemnahme. 113 

, — ^^"^ ■* . 

bii^ter einander eintretenden Ueberfchwemmun- 
gen, Viehfeuchen, BrandfchSden, KriegsverwOßun. 
gen u. f. w. ift oh*ne Zweifel der Grundherr fcbuK 
dig, den Hauptfehaden zu tragen, oder dem Fach* 
ter Entfchädigung zu leiften. 

Anm« Im Prearrifchen wird in den Pacliteo&tracfbii 
ausdrücklich ßipulirt, dafs der Pachtes keine Remiriion 
für irgetid einen Schaden, welcher es auohley, von 
Rechts wegen verlangen könne , londem dafs jede Re^ 
milSon nur als Gnadenlacl|e zu betrachten £efi Mali 
hat diefes Princip ohne Zweifel deshalb angenommen^ 
um den ProceJIen w^gen Schad^nerfäii'i die alleihahl 
höchft weitläufig find , aus deni W»ge tu ^eh^ä. Die 
Regierung iHt aber lehr bereit ^ die PäöBter wegen 
aurserordenthcher Unglücksfälle iü entfchädigen. Ge^ 
Ichie^t es nicht immer rolJftiindjg niit'haarem Gelde; 
fo g.efchieht es doch diirüh l^acht Verlängerungen , beP 
fere Bedingungen bey künftiger Facht u; L w. 

-5. Was dasVerhältriifs der Üoitiäihehpichter 
gegen die übrigen Staat^genoffeh betrifft (§. ioSO» 
fo mufs daffelbe fö eihgerichtet werden ^ dafs er iit 
Anfehung dei- Gewerbe^ Welche er als Pachter 
treibt j derifelben ßediftgtingfen unlerworfcflT ift^ 
als alle übrigen Bürgen welchö diefelben Oewerbel 
treiben. Geniefst er Fröyheit voü Abgaben oder 
andel'e VöviAgt^ *fo gewinnt er dadurch das Ver- 
mögen^ diö dbrigeri Öewerbsgenoffeh zu Hinterdrü- 
cken ^ und ßch das Monopol in dergJeicberi Ge- 
werben zuiueigtien. £r darf daher 

V, Jah^b Staatsfindnzwiff. H 



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114 Erfles Buch. 



l) das Getreide nicht anders zu Markte brin- 
gen» als fo, wie es, jedem andern Oekono* 
men verfiattet ift. 

3} Wird von den Brauereyen» Ziegeleyenu»f.w. 
eine Gewerbfteuer bezahlt ; fo mufs der Do« 
inainenbeamte diefelbe nach eben den Grund*- 
fät7en entrichten , als alle übrigen. 

3) Er mufs^ an den Communallaften napk den- 
felben Principien Tbeil nehmen, als die 
übrigen Glieder der Gemeinde, und mufs 
daher ein Glied derjenigen Gemeinde werden. 
In deren Bezirke das Domainengut liegt. Da 
der Domainenpachter die Vortbeile der Ge* 
meinde geniefst, fich Ifarör Wege bedient, 
die Kräfte der darin befindlichen Arbeiter be* 
nutzt, ,die Kirche befucht u. f. w»; fo ift 
es billig und gerecht, dal^ er nach dem Um» 
fange feines Vermögens oder feines Erwerbes 
auch die Laften derfelben mit tragen helfe, 
weil er fonft diefe Vortbeile auf anderer Ko* 
ften geniefsen würde. 

Anm. Gewöhnlich werden die Oekonomiebeamten als 
Evimirte betrachtet , die nicht mit xur Gemeinde 
gehören, und daher auch nicht an deren Lallen 
Theil nehmen. Diefcs ift aber offenbar unrecht, d« 
et evident ift, dafs fie aiTdeh Vorthcilen der Ge- 
meinde Theil nehmen. Das Gut mufs in doppelter 
Beiiehung zu den Gemeindelaften gezogen werden : 
1) alt GutBeigenthümer, in wie fem alle andere 
Eigenthümor, die su diefer Commune gehören , be* 
lallet find. Dieler Theil föUf auf die Rente, und 



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Von der Staatseinnalinie. (15 

mu^f von dem Grundherrn getragen wevden; e) aU 
Bewirthlchafter oder GeWerbsgenoIIe. Diefer Theü 
liUlt allein dem Paohter su. Wenn daa Gut vefpacli« 
tet ift. Sagt man , dalt lodann der Staat ein gerin« 
geret Pachtgeld erhalte | und alXo den Unterthanea 
doch das aur Laft fallen würde» was das Gut cu den 
Gemeindekpfteu hergäbe ; fo ili hierauf ku erwiedemt 
i) dafs es ein grolscr Unterfchicd ill, ob diele Lad 
auf die bey dem Gute wohnende Gemeinde allein 
fällt^ oder ob lie auf alle Staatsbürger rertheilt wird« 
Letsteres ift der Fall, wenn die verringerte Pacht 
durch allgemeine Abgaben aufgebracht Werden muTs* 
t) Ift es falfch > dafs derjenige Theil der CommunaU 
laft , der von dem Pachter als Gewerbsmann gelodert 
iRf ird y dem Grundherrn sugewältt werden kann» und 
alfo die Rente vermindern würde. Denn wenn auch 
die Pächter Gemeindeabgaben entrichten mülstenl 
fo würde ihr Gewinn dennoch fo grofs bleiben» dafi 
Ge in keinem andern Geweirbe einen gröfsern Ge* 
winn erlangen könnten» da fie, wenn die Einrioh« 
tung allgemein ift » der Verpflichtung sur Commu« 
nalfteuer nirgends aus dem Wege gehen können» und 
* fie folglich nur von ihrem Gewinnfte» fobald dielet 
etwas Entbehrliches enthält, verlieren können; wi<i 
unten bey der Lehre von den Abgaben vollftandig 
hewie£Ai werden wird. 

Will man das reine Einkommen berechnen^ 
welches die Regierung von ihren Domainen durch 
die ZeitverpacbtUng zieht ; fo mufs man von det 
Summe der in deii Pachtcontracten ausgemitteJtca 
Pachtgelder noch vieles in Abzug bringen» um da$ 
wahre undi reine Einkommen des Staats ^u erfor* 
fchen* Es mufs nämlich davon abgezogen werden : 
1) Alles» was die Befoldung des Beamtenper* 
fonals» das allein zur Oberaufficht^ Begu« 

H d 



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ii6 ;- Eriles Buchu 



f ' / 



lirung des Verpachtungsgefchäfts, InfpectioD» 
zum Bauwefen uod Metiorationsanftalten ge- 
faaken wird , koftet 

2) Die Grundabgaben an Contributlon und Schoff 
allerley Art, Ritterpferden, Erbzins u* f. w? 

3) Die Befoldung der Pächter, wegen der ihnen 
übertragenen Beamtengefchäfte, Einhebung 
der baaren Gefälie, Verwaltung der Polizey, 
und die Gelder» die zur Haltung des Gerichts- 
frohns» Nachtwächters, zur Vergütung von 
Schreibmaterialien j Poftgcld, Reifekoßen^ 
Diäten» Botenlohn, Haltung des Intelligenz* 
blattes u. f. W. bewilligt werdet)* 

4). Beytrag zur Juftizbeamtenbefoldung» wo das 
Amt eigne Geticbtsbarkeit bat« 

5) Zehend und dergleichen Abgaben an Kirchen, 
Geiftliche » Schulen, Armeninftitüte u. f. w. 

6) G«halt und Deputat der Forft- und Teichbe« 
dienten« 

7) FeueraCTecurdn^g^den 

8) Alierley andere Bedarf niffe» als Sprit^enu^« 
terhaltung» Ubr^nftellen^ Beyträge zur Un* 
terhaltung det Deiche oder Dämme. 

9) Diö Bau- und Reparatufkoften: Unterhal- 
tung der Graben^ Canäle^ Röhrenftrecken 

to) KemifGonskoften. 

ji) Die Verluftebey Palli fTejfnen ts der Pachten 



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J 



Von der Staatseinnahmen 117 



ja) Das Brennmaterial und Nutzbolz, welches 
gemeiniglich den Domaiaen|;atern aus den lan- 
desherrlichen Forfteb geliefert wird, oder wo« 
» für man eine Entfchädigung in Gelde giebt« 

f 3) Die Meljorationskoften. 
Erft die Summe, welcbe nach allen diefen Abza« 
gen übrig bleibt, ift der reine Ertrag der Domai- 
nen iüt deq Staat, 

§. 174. 

ErwSgt man alCo, dgfs die Pacbtrente der Do- 
' ' mainen durch alle diefe Ausgaben beträchtlich ge« 
fchmälertwird, und dafs das jährlich bald hier bald 
da vorkommende Verpachtungsgefchäft, fo wie die 
ilete Aiif&cht und Gontrojle der Domainenämter, 
den Staat in viele uncL weitläufige Gefchäfte ver* 
wickelt, welphelf r felbft upmdgUch alle Qberfehen 
oder forgfältig prüfen kann; fo müITen Vorfcblä'ge, 
wie diefen Unbequemlichkeit^a iibzuhelfen , dem 
Staate fehr willkommeii feyn^ 

$* 475«. 
Verlängerte PachtterminQ 9uf 18, 24 Jahre, 
und noch längere Zeit, helfep wpbl etwas, indem 
fie wenigftena das Verpachtungs* und Veranfchla- 
gungsgefchäft vermindern } allein der Staat kann ^ 
auf der andern Seite dadurch leicht an (einem Ein- 
kommen verlieren, und die Pachter ohne ihr Ver<- 
di^nft bereichern t wobey offenbar die übrigea 



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xi8 Erlies Buch. 



Staatsgenoffen zu kui-z kommen, indem das die 
Pächter allein verrcblucken , was zur Beftreitung 
des öffentlichen Aufwandes bStte angewandt wer- 
den follen. Diefem Uebei helfen lebenslang« 
liebe Pachte noch weniger ab, als lange Zeit* 
fachte, da die Lebenslänge des Menfchen unbe- 
ftimnit ift, und die Pamih*e des Vitalpachters Ver- 
luft erleiden wflrde, wenn erCapitale und Verbef* 
ferungen verwandt hüte, und der unvermuthet 
Erfolgte Tod deffelben feine Erben um die bezweck« 
ten Vortbeile brächte, 

$. 176- 

Ein Mittel, die Gefchäfte und Ausgaben der 
Regierung in Anfehung der Domainen fehr zu ver» 
mindern, find ohne Zweifel die Erbpacht e. 
Die Vererbpachtung befteht nämlich darin, 
dafs dem Pachter das voUftfindige Nutzungsrecht 
gegen einen Zins, Erbcanon genannt, erb« 
lieh aberlaffen wird. Der Erbpachter OberninfHnt 
alle Laften und Unterhaltungskoftea des Gutes > 
ihm kommen dagegen alle Hechte und* Vortbeile, 
-die dem Gute anhängen, zu; alle Verbefferun« 
gen, die er damit yornimmt, kommen ihm, fei- 
nen Erben 31 oder dem^ an wen er es veräufsert, 
allein zu Statten , ohae dafs je der Ganon erböliet 
werden kann« 



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Von der Staatseinnahme, ii^ ^ 

$• 177. 

Die Erbpacht bringt den Pachter, dem Ver^ 
hältnifTe des Privateigenthums nifher, indem Re 
ihm alle Vortheile fiebert, die aus den Verbefre« 
rangen, die er mit dem Gute rornimmt, entfprin- 
gen. Diefes thut fie jedoch nu^ in fo fern in einem 
ToIIkommnen Grade, wenn der Erbpachtscontraofc 
auf ewige Zeiten gefchlofTen , und dem Erbpachter 
zugleich das Recht zufteht, fein Erbrecht an andere 
zu verkaufen. Denn wenn der Erbpacht, wie das hier 
und da gefchieht, nur auf einige Generationen, oder 
auch nur auf die DeTcendenten des Erbpachters ge* 
fchlofTen ift; fo wird darin fchon ein Motiv fOr 
ihn enthalten feyn, fich auf folche Verbeflerungen 
nicht einzulaffen, deren Nutzung nur die Zinfeit 
der angewandten Koften verfpricht , oder die nur 
zur Bequemlichkeit und Wohlbefinden der Familie 
dienen, aber doch viel Geld koften: z.B. Erbauung 
neuer und fchöoer Wohngebäude, Anlage von 
Luftgärten u% f. w.} es mQfste denn voUftändigtt 
Vergatuog aller Meliorationen bedungen feya« 

|. 178* 

Der Erbpacliter ift jedoch nur auf die freye 
IKspofition der Nutzungsrechte eingefchränkt» 
über die Subftaoz des Gutes darf er nicht verfo* 
gen, daher auch das Erbgut nicht zerftOcken» 
«ofser mit EinwiUigui^ des Erbverpachters» Aach 

4^ 



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120 Erlies Buch. 



wird der Erbverpachter zur bicherung, feines Ca- 
nons wohlthun, wenn er Geh vorbehält: 

]} dafs ohne feine Einwilligung keine hypothe* 
karifcbe Schulden auf das Erbpachtgut ge* 
macht werden dQrfen; 
2) dafs er fich auf den Fall, dafs das Erbpachts- 
gut verkauft wird, das Vorkaufsrecht vorbe« 
hält. 

Werden in den Erbpachtscontract noch an«^ 
dere Bedingungen zur Sicherung des Verpächters 
aufgenommen, als: dafs der Canon periodifcb er* ^ 
höhet werden« dafs eine periodifche HeviSon des 
Guts angeftellt und der Canon nach einem bey 
(blc'ier Gelegenheit verfertigten neuen Anfchlage 
für die folgende Periode reguiirt werden foUe u. f. w. ; 
fo fchräqken diefe Bedingungen offenbar den Fach« 
ter in feinen Verhefferungs* und Nutzungsplänea 
ein 9 und geben zu yielen Streitigkeiten AnlaCs. 

$• 1 80. 

Der Erb Verpachtung ähnlich, jedoch von ihr 
verfcbieden, ift die Erbzi n s vef lei hung der/ 
DomainengOter« Sie befteht in einer ücberlaf* 
fung des ypHkommoen erblicheii Eigenthums des 
Nutzungsrechts eine^ Grundftacks oder einer Ge^ 
rechtigkeit geg^n aine zu entrichtende gleic^för^ 
ipiffe jährliche i\bgabe (ErbzinsJ. Der Grundherr 
bebaltxlsis Q^f ^eigeiiithani^recb^ upd diefei;. 



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Von der Staatseinnahme. s,2% 



fchiieist in ficb, dafs das Gut nicht ohne leine bin« 
willigung getheiit oder wefentüch verändert wer- 
den darf. Zur Anerkennung jenes Rechts di^nt 
nicht blofs der jahrlich zu entrichtende Erbzins, 
fondern es wird auch gemeiniglich noch ftipuiirt, 
dafs bey jedem Veränderungsfalle des Befitzers 
dem Obereigenthumsherrn noch eine befondere 
Abgabe (Laudemium) entrichtet werden mQlfe. 

Man fieht leicht, dafs fich der Grundherr 
durch die Erbziosverleihung von feinem Eigenthu* 
me. noch mehr entfernt, als durch die Erbverpach« 
tung. Beyde gewähren dem Staate offenbar den 
Vortheil, dafs er dadurch von aller Aufßcht und 
von allen Oefcbaften , weiche fonft die Domainen- 
Verwaltung fodert, befr^yet wird« Dagegen ent* 
fiehen die FrageOt'. 

1} Ob nicht der Staat dadurch überhaupt an , 

Macht und EinBufs verliere? 
2) Ob er fich nicht dadurch der Gefahr aus«, 
fetze , dafs der Reälwerth des a^ ewige Zei« 
ten feftgefetzen Canons und Erbzinfes. mit der 
Zeit fo ^nken, dafs er gegen ihren jetzigen 
)iealw)erth viel kleiner wird, der Staat alfp 
dadurcb ifv^(einen reellen Einkauften einr 
büfsc? 
^) Ob er nicht dadurch yerliere , dafs ihm all^ 
£inJK(iof(e, d|e avi« dea Vf r&efferupgen fei(ief 



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122 Erfles Buch« 



Domain engQter entftehen können » entzogen 

werden ? 

4) Ob nicht mit der Vererbpachtung und Erb* 

^ zinsrerleihung andere Nachtheile verbunden 

find, welche es rathfam machen, dafs der 

Staat diefe Güter nicht aus den fänden gebe? 

und ob nicht jeder einzelne diefer Nacbtheile» 

und b^fonders fie alle zufammengenoauneiS 

den Vortheil « dafs er dadurch von den Koften 

derDomainenverwaltung befreyet witd» weit 

. Oberwiegen ? 

§. 182. 
Sobald man den Regenten zugleich als einen . 
Privatmann betrachtet^ und die ^rt feiner C£in« 
kflnfte fo unterfcbeidet^ dafs das, was er aus fei* 
aen Domainen zieht, ihm mehr als Privateinkoh)^ 
men gehört, und Domainen überhaupt fein Pri« 
vatvermögen ausmachen, dagegen das Einkorn* 
jmen , was er durch Contributionen oder Abgaben 
zieht, mehr von dem Volke abhänge, und nicht 
ihm, fondern der Gefellfchaft gehöre; fo ift nicht 
zu läugnen^.da£s es die Regentenklugheit erfodern 
möchte, ficli fo wenig als möglich von feinen Do* 
mainen zu trennen, und fich jede Art deßEinfluffes 
auf fie und auf freye Dispofition Ober diefelben zu 
. verwahren« Nach diefer Vorftellungsart mufs der 
Regent jeden Rath verwerfen, der ihm die Oewak 
überfeine Domainen aus den Händen reifsen, oder 
(eine«wiUkührliche Verfügung auf irgend eine Art 



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Von der Staatseinnabme« ' 125 

befohräokea will. Nur in die Zeitverpachtung 
kann ein folcher willigen, da er dabey vollkomm- 
2ler Eigenthum«herr bleibt, und die volle freye 
VeifQgung nach jeder Beendigung des Pachtter- 
mins wieder zu ihm curQckkehrt. Verrpräche der 
Erbpacht auch grdfsere Revenflen , er würde feia 
freyes V^rfügungsrecht dafür doch nicht aufopfern. 
Denn er verlöre dadurch ohne Zweifel an Macht 
und Einflufo« 

$• i83. 

Betrachtet fich aber der Regent als SouTerain 

des Staats, der über das ganze Einkommen des 

Reichs TerfOgen kann, es entfprin'ge aus einer 

Quelle, aus welcher es wolle; werden die Domai- 

nen blofs als eine der Quellen des btaatseinkom* 

mens betrachtet, woran der Regent keine Priyat* 

rechte hat, ^ (onJern nur Öffentliche, die voa 

keiner andern Natur find, als die, vermöge wel« 

eher er berechtigt ift, Abgaben von feinen Unter- 

thanen zur Befriedigung der StaatsbedQrfniffe zu 

fodern: fo kann er dadurch, dafs er das Eigen« 

thumsrecht auf die Domaine entweder gänzlich 

aufgiebt, oder daffelbe befchranken läfst, an fei* 

i^er iMacht und feinem Anfeben nicht verlieren. 

Axiin. Dic^enigeti, welche für BeybeHaltang aller Keehte 
derDomainen ftimmen» uod insbefondere die Veräufse- 
ynng derfeU»eii widerrathen, betraohten den Reg eoten 
•ui dem erften Gefichttpunoie , aämlioh als eiaen Pri«< 
vateigenthümcr der Domaint?» , an deren Befiti logar 
f«iu &e(caUBreebt getaiidta ift| wie Hr« «» MmlU^ 



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124 Erftes Buph, 



in feiner Reftauratioo« der StaatowiHenfcliaften« Sein 
Eifer, die Domainen, fo wie fie fiod, tu bebalten , Ut 
mit diefem Princip vollkommen oonfe^uent« 

$• l84- 

Sieht man die Domainen aus dem letzten Ge* 
ßchtspuncte an; fo fragt Gch*s nuf noch: unter 
welchen Verhjfltniffen fie am vortheilbafteften fQr 
die ganze Nation oder den Staat verwaltet wer- 
den ? ^-* Liefse fich alfo erweifen , dafs die Na- 
tion durch gänzliche Ver&'ufserung, dder durch 
Vererbpachtung, oder durch Erbzinsverleihung 
der Domainen reicher werde, als durch Admini« 
ftration, oder Zeitverpachtung, oder Oberhaupt 
durch die bisherige Bei^utzung derfelben, fo dafs 
der Staat durch ihre verhinderte Benutzungsart 
eben diefelben oder gar grdfsere RevenOen erhal« 
fen, und dem Volke ein grösserer Vortheil daran 
verfchafft werden könnte, als nach den beliehen* 
den Verhältniffen ; fo würde es der Staatsklug« 
heit gemäfs feyn, die beffere Benutzungsweife vor* 
zuziehen, wenn auch gleich die Regierung da« 
durch das Eigepthum an den Domainen ganz oder 
2ua\ Theil verldre. Da wir den Regenten ah 
3oMreram betrachten, der mit Staat mnd Volk fo 
itiajfft verbunden ift, dafs er mit demfelben ein 
Ganges ausmacht, und der, als Privatperfon be« 
trachtet, keine Rechte auf dasjenige haben kann,. 
y^^s, alleiii zum Nutzeii des| Ganzem beftiipmjt^ifi; 



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Von der Staatseiunahme. 125 

- — — ' ■- ■ ■ ■ ^ 

fo können wir die Domalnen nur aus dem letzten 
Oeficbtspuncte beurtheilen. 

$. 185. 

Nun leidet e's keinen Zweifel, dafs fowoM 
dem EigenthCmer, als der Bewirthfchaftung der 
DomainengQter> fo wie lie bisher in den meiften 
Staaten Kegel, gewefen ift> inehrere antinational- 
ökonomiftifche Eigenfchaften anhaften, wie fchon 
oben (f. 55-^740 ^^^ Theil gezeigt ift. 

§. 186. 

Das Eigentbamsrecht der DomainengOter zeigt 
fich nämlich hauptfachlich darin antinationalöko* 
nomiftifcb, dafs es Rechte auf Zwangsdienfte, Pri* 
TÜegien und Monopole in fich fafst, welche den 
Domainen einen Nutzen verfchaffen, der fowohl 
denen , welche ihnen dlefen Nutzen unmittelbar 
gewähren, als der ganzen Nation einen gröfsem. 
Verluß verurfacht, als der Werth jenes Nutzens 
beträgt. Die Bewirthfchaftungsart ift antinational« 
ökonomiftifch, in wie fern die VerbfltnifTe 4es 
Wirths fich v»n dem Privateigenthume mehr oder 
weniger entfernen. Die allerunvortheilhaftefte ift 
deshalb die Adminiftration der Domainen, weil 
der Adminiftrator das geringfte Privatintereffa da- 
bey hat, .die Wirthfchaft gut zu führen, und Ober* 
diefs die Abh^bgigkait, in welcher er fich ron der 
{(egierung befindet, felbft den heften Willen, es zu 



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1^6 ^ftes Buch. 

thun, Ijihmt. Die Verpachtung lälst zwar eine voll« 
kommnere BewJrtbfcbaftungsart zu» aber doch 
wird fie derjenigen nicht gleichkommen» die einem 
guten Wirthe möglich ift, wenn er das Gut eigen* 
tjiOmlich oder fo gut als" eigenthümlich befitzt, fo 
difs er damit vornehmen kann,, was ihm gut dflnkt» 
und hoffen kann, die Wirkungen aller feiner Ver» 
befferungen allein zu genie£sen. . 

$. .87. 

Di efer letztere Vort heil kann nun zwar durch 
Einfohrung der Vererbpachtiing oder der Erbzins- 
Verleihung der DomainengOter erreicht werden; 
allein es liehen ibr auf der andern Seite Nach* 
theile entgegen , die erft befeitigt .werden mQilen» 
ehe dazu geratben werden kann. 

$. i88. 

Werden jiämlich i) die DomainengClter mit 
allen den Privilegien und Monopolen, die ihnen 
ankleben, vererbpachtet oder verliehen; fo wer- 
den alle drefe antinationalökonomiftifcben Privat* 
vortheile in Privatrechte verwandelt, und tia det 
Staat diefe nicht ohne grofse Schwierigkeiten wie* 
der abändern kann, fo ift der hieraus entfpringenda 
Nachtheil unberechenbar, indem man dadurch dia 
aus den barbarifchen Zeiten entftandenen Verhält* 
niffe, deren Nacbtheile mit der zunehmenden 
CulturderOefellfchaft immc^ mehrgel'Qhlt werdeut 



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Von der Staatseinnahme. 117 

■ II i , ' " ' ' ' ' ' ' 

verewigt, und fich die Mittel nlnirmt) fie aiif den 
Domaineo abzuCphaffen. 

Werden 2) die Domainen in Gelde vererb- 
pachtet, lo läuft der Staat Gefahr, mit dem 
finkenden Wertbe des Geldes den realen Werth 
feiner Einkünfte aus feinen Domainengütern zu 
verlieren, welches ein verftindiger Staatswirth 
unmöglich gut heifsen kann, da diefer Verluft zum 
Nachtheil des ganzen Volks ausfallen mQfste, und 
die Erbpachterfamilie dadurch allein auf Eoften 
deffelben gewönne. Denn durch wen anders könnte 
•das Peficit, das dadurch in der Staatseinnahmo 
eutft^nden, gedeckt werden, als durch die Ver- 
mehrten Auflagen auf das Volk ? 

§. 190. 

Ueberhaupt genommen i& es der Staatsweis* 
heit gänzlich entgegen, fich der dem Staate eigen* 
thOmlichen Quellen des öffentlichei[i Einkommens 
zu entäufsern, wo es nicht die dringendfte Noth 
erfodert, und wo nicht durch die Entäufserung 
eine andere Quelle begründet werden kann, die 
nicht nur dem Staate eben fo viel einbringt, als 
die erftere, fondern die auch zugleich der Na- 
tion mehr giebt, und das, was der Staat daraus 
erhält, ihm eben fo leicht zufliefst, als aus der 
erftern. 



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«Ar«. 



11$ . Erftes Buch. 



■ ■>■ d 



Denn immer ift es ein grofser Vortheil, fo* 
wohl für die Regierung als für das Volk, wenn die 
öffentlichen^ Einkünfte aus einer Quelle fliefsen, 
die von dem Privatverinögen gan2 gefchieden ift 
und ci|em Staate ausfchliefslich angehört, weil es 
dadurch «eher möglich wird, das Privatvermogen 
zu fchonen, und dem Volke den Vortheil der 
Staatseinrichtung defio fichtbarer zu machen. 

Diefe Betrachtungen werden uns zu den rieh» 
tigen Orundfärzen führen, welche die Staatskunft 
Oberhaupt und die Finanzwiffenfchaft insbefondere 
in Anfehung der Domainengüter zu beobachten 
hat. Es find folgende: 

l) Der Staat foll keine Domainengüter oder 

andere ihm Einkommen gewährende Gerech* 

tigkeiten abfolut Teräufsern ; 

a) tie nicht verkaufen , aufser in wie fern er 
für das daraus gelöfete Geld fich eine eben 
fo Schere und reiche Quelle des Einkom- 
mens begründen kann; 

b) fie noch weniger (aufser wo es allgemeine 
Staatsgründe verltattcn) verfchenken, .weil 
er diefes nur auf Kotten anderer thun kann, 
indem dadurch ^ dafs er einzelnen Vortheilö 
gewährt j Jerti Ganzen, diefen Vortheilen 
gleiche^ Nachtheile :^ugewäl^^ werdet. 

^ 2) Der 



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Von der Staatseinnahme. 129 

' » ' " - 

j 2) Der Staat foli von. den DomainengOtern alle 
Vortheile trennen, welche den Individuen, 
welche fie leifien, mehr koften, als fie «lern 
Staate gewähren,, und fie gegen Entfchädi* 
gung fOr da$ Einkommen, das ihnen von 
dergleichen Rechten zufiiefst, gänzlich auf- 
heben» 
3) Der Staat foli eine folche Nutzung der Do* 
mainen einfahren, welche ihm zwar die bis* 
herigen Einkünfte derfelben auf immer (ichert» 
aber ihn von aller Sorge und Einmifchung in 
ihre Bewirthfchaftung befreyet, der Privat- 
induftrie abet volle Freyheit und die ftärkfte 
Aufmunterung giebt, ihre Benutzung eben fo 
hoch zu treiben, als obfie vollkommen freyes 
Privateigenthum wären« 

$. 193. . 

Das'^ letztere gefchieht nun offenbar durch 
eine zweckmäfsige Vererbpachtung oder Erbzins* 
Verleihung. Durch beyde wird das Intereffe, ein 
Gut aufs vollkommenfte einzurichten ijnd zu be- 
wirthfchaften , fo ftark erregt, als durch das voll- 
fi^ndige Privateigenthum, und es leidet ^Ifo keinen 
Zweifel, dafs die Gflter dadurch in folche Ver- 
hältniffe zu ihren Wirthen gefetzt werden, welche 
dem höchft möglichen Ertrage derfelben am aller- 
ganfbgften find. 

V« Jakoh Staatsfinanzwiffl I 



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I30 - Elftes Buch. 



$. 194- 

Damit aber durch die Vererbpachtung keine 
fiadhtheiligen Verhältniffe vereyvigt werden , oaer 
damit der Staat es immer'in (einer Gewalt bebalte, 
folche Verhältniffe auf den Doniainengatern zu än^ 
dern , welche entweder jetzt fchon für das Ganze 
der Gefellfchaft näcbtheilig find, oder Einzelnen zu 
läftig fallen, oder dieses doch bey veränderten 
Umftänden werden können; fo mufs er alles, was 
Ton diefer Art den Domainen anhängt, von der 
Erbpacht trennen, und nichts als die reino^freye 
ökonomifche Nutzung vererbpachten/ Es mufs 
daher 

j) der Staat die Gerichtsbarkeit, fo wie das 
jus patronatus und andere Ehrenrechte 
diefer Art, welche auf die Benutzung der 
Grundftücke keinen Einflufs haben , ^u feiner 
eigenen Dispofition behalten. 
2^) Die Zwangsdienfte muffen von der Erbpacht 
ausgefchloffen und folglich kein Gut eher 
▼ererbpachtet werden, bevor diefer Punct zu- 
gleich in die gehörige Ordnung gebracht ift. 
5) Es mQffen deshalb die DomainengOter bey 
der Vererbpachtung fo getheilt und in folchen 
Stücken in Erbpacht gegeben werden, dafs 
der Wirth fie durch freye Arbeit auf dis voU- 
kommenfte bewirthfchaften kann. 
4) Alle Nutzungen muffen gegen billige Entfchfi- 
digung abgeCphaff^ werden, dieden#n, wel* 



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I 



Von der Staatseinnahme. 131 

«L. 

che fie leiften, mehr koftea, als fie denen 
Vortheil bringen, welche fie en^pfangen, als 
• Hütungsrechte u. f. w« 

5) Alle Inftitute, welche nui^ dadurch ein grö« 
fseres Einkommen gewähren , dafs fie Ober 
einen gewiffen Kreis von Einwohnern ein 
Zwangsmonopol ausQben^ als: monopolifti* 

' lebe Braüereyen , Branntweinbrennereyen , 
/ Ziegeleyen, Mahlen u* f. w.» alle diefe müt^ 
hn ihre Monopolrechte verlieren» beror fia 
in Erbpacht gegeben werden. 

6) Wie grofs die Stücke feyn follen, die in Erb- 
pacht zu geben find, mufs nach den Umftän- 
den verfobiedentlich beftimmt werden. Es 
mufs dabey allein die Regel der grörstmögli- 
chen Benutzung leiten« Das Princip, dieGü« 
ter in Ihrer jetzigen Geftalt' beyfdmmen zu 
laffen, mufs aufgegeben, und bey der Erb- 
pacht jede Art von Dismembration zu- 
gelaCfcn werden , welche znr Gewinnung ei- 
nes gröfsem Totalertrags und zur beffern Ver- 

. theilung des .allgemeinen Wohlftandes führt» 

Daher mufs es Regel feyn : • 

a) nie gröfsere Grundftücke in Erbpacht zu 
geben, als von folchem Umfange, dafs Ein 
Wirth fie felbft Qberfehen und ihre Bewirth- 
fchaftüng unmittelbar regieren kann. Wo 
• daher die alten Oekonomiegebäude liehen, 
da kann ein grOfseres Erbpacht sgut diefeif 

I 2 



I 



I 



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132 .Elftes Buch. 



Art bleiben , und möglichft vortheilbaf t ein- 
gerichtet werden. , 

b) Aecker, Wiefen und andere nutzbare Lafc- 
dereyen, die an einer Stadt liegen,' werden 
am vortheilhaftefien vereinzelt, wobey jedoch 
dahin 'Zu feben, dafs die StQcke nicht allzu 
kleiQ werden , damit ^er Staat es nicht mit 
allzu vielen kleinen Leuten zu thun bar. 

c) Wo die Grundftö.'ke den Dörfera vnd Baper- 
äckern nahe liegen, da können fie am.be- 
quemften den Bauern in Erbpacht gegeben 
werden, 

4) Von Städten und Dörfern entfernte oder 
noch uncultivirte wfllle Stellen können in 
einem bevölkerten Staate, wo Land emfig 
gefucht wird, an Iblche vererbpacbtet wer- 
den, welche fich verbindlich machen,^ die 
nöthigen Gebäude zurBewirthfchaftung anzu- 
legen, und eigene Wirthlchaftshöfe darauf 
einzurichten. 

§. 195. 

Die fogenannten Pertinenzien der Domainen* 
guter, als : Mühlen, Glashütten, Steinbrüche u. f, w., 
können entweder einzeln, jedoch ohne Privilegien 
und Monopolrechte vererbpachtet oder in Erbzins- 
güter verwandelt, oder wenn fie gar zu unbedeu- 
tend und das darauf gegründete Gewerbe zu unge- 
wilüs fcheinen, gänzlich verkauft Averden. 



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Von der Staatseinnahme. 133 



$• ^96. 
Die Vortheile einer folchen Benutzungsart der 
Domainengater für das Land find: 

1) Der Ertrag der Grundftücke kann auf dlefe 
Weife am höchften getrieben werden. 

2) Sic kommen in die Hände der heften Befitzer, 
nämlich folcher, die fie mit eigener Hand he- 
wirthfchaften, und deren höchftes Intereffe 
die Vermehrung ihres Ertrags ift, weil da«i 
was fie über den bisherigen Ertrag gewinnen, 
ihnen allein gebahrt. 

3) Eine Menge Perfonen von mittelmärsigem 
Vermögen, die gerade zur Induftrie am auf« 
gelegteften und gefchickteften find, erhalten 

' dadurph Gelegenheit, zu Landeigenthum zu 
gelangen. 
. 4) Die dauern und mit ihnen die Nation gewin* 
nen eine Menge Arbeitskräfte, die bisher 
durch die Zwangsdienfte gefchwächt wurden, 
und der Abbau oder die Dismembration der 
Domainen eröffnet den müfsig gewordenen 
HSnden ein reiches Feld ihrer Befchäftigung, 
5) Die Bevölkerung und der Wohlftand der Na- 
tion wird dadurch erweitert. Insbefondere 
wird der uater den MittelclafTen fich ausbrei« 
tende Wohlftand des Landmannes auch den 
Landesmanufacturen neue und bleibende Be* 
fchäftigung fchaffen, da der Landmann haupt* 
fachlich folcbe Producte verbraucht , die aijis 



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134 Elftes Buch. 



feinen eigenen Erzeugnjffen verfertigt werden. 
Ein folahes Verhältnifs wird alfo auch dis 
'Finanzquellen auf allen Seiten vermehren* 

$• ^97- 
Die Eitiwetidungen, welche' man insbefon« 
dere gegen den Abbau der Domainen oder die 
Vertheilung 'einzelner Stücke an einzelne Leute 
gemacht hat, find fämmtlich unbedeutend, und 
laffen fich leicht heben,' Dergleichen find: 

j} dafs dadurch die Schaf ereyen oder andere 

Nutzungen zu viel leiden würden ; 
a) dafs, wenn die grofsen Domainengüter zer» 
fiückelt würden , dann grofse Verfuche nicht 
mehr ^efchehen und die Verbefferungen der 
Gultur zurückbleiben S^ürdeni 
3} dafs es den Städten an ländlichen ProducteB 
fehlen würde. 

§. 198. 
Denn was Nr. 1. betrifft, fo mögen immer 
fich die^Schäf ereyen minidem., wenn nur die Pro» 
duction der ländlichen Früchte vergröfsert wird. 
Was kann aber auf den Ländereyen gewonnen 
werden , worauf jetzt privilegirte Schaafe Geh ihr 
ermfeliges Futter fuchen, wenn fie der freyen In* 
duftrie übergeben werden ? -^ Um wie viel wird 
ihr Product den kleinen Werth der darauf erzeug- 
ten Wolle übertreffen ? — Ein Staatsmänqi wird 



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1 

Von der Staatseinnahme. 135 

wohl nicht fragen : wo dann Wolle hernehmen ? — 
Und überdiefs folgt nicht einmahl die Verminde- 
rung der Schaafe aus der Dismembration. -«- 

Was den aten Einwurf anlangt ; fo kann ja 
a) wennMer Staat die Landwirthfcbaft auf feine 
Koften befördern will, er immer einige Experi- 
mentalfcbulen belieben laffen ; b) die Vervollkomm* 
nung» welche die Landwirthfcbaft durch die Do- 
mainenpächter erhalten foU, ift gewifs nicht 'fehr 
grofs. Diefe ift weit eher von Eigenthümern , alt 
▼on Pächtern zu hoffen. — Auch ift ja der Sinn 
des Vorfcblags der Dismembration nicht der, dafs 
alle grofse Güter zerftört werden follen. Es blei* 
benimmer noch eine Menge beträchtlicher Guts- 
befitzer, ja iie werden fogar nach unferm Syfteme 
Termehrt,, und insbefondere wächft ihr Intereffe 
an der Vervollkomitinung der Landwirthfcbaft. — - 
Wo trifft man aber die vollkommenfte Landwirth* 
(chaft an ? — ia Ländern, wo es ungeheure Land- 
gOte;* und Domalnen giebt, in Rufsland, Liefland,^ 
Polen -^ oder in folchen , wo das Lc^ndeigenthum 
in kleinere Stücke Tertheilt ift, in den.Niederlan; 
den, am Rhein, in Schwaben? — Sind es die 
Domainen , auf ^eichen in England der Landbau 
feine jetzige Stufe der Vollkommenheit erlangt 
hat? — Allgemein beftätigt vielmehr die Erfah- 
rung, dafs< die Cultur der' kleinern Wirthe allent- 
halben voUkommner ift, als die der grofsen» 



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136 Erftes Buch. 



$• »99- 
Was endlich den 3ten Einwand (§."1 97.) betrifft ; 
fo widerfpricht ihm die bewährte Erfahrung durch- 
gängig. Der Abbau der Domainen beabflchtigt 
nicht, Co kleine Landwirthe ^u bilden, dafs diefc 
nichts* mehr als ihre eigne Vferzchrung gewannen 
können; zu einem folchen Landbau werden (ich 
überdies die Landleute nicht Terftehen, da in ei« 
nem wohleingerichteten Lande felbft der Tage*, 
löhner mehr verdient, als das, was er in Land- 
producten nöthig hat, und alfo mit dem Capital, 
das dem Werthe eines fo kleinen Stockes Land 
gleich ift, das mit alfer Arbeit der Familie nicht 
mehr als ihr Brot erzeugt, gewifs ein Gewerbe 
betrieben werden wird, das mehr einbringt, als 
diefes. Aifo Ueberfchaffe fQr die Städte wird der 
Landbau immer geben , und dafs. die kleinerle CuU 
tur derfelben mehr giebt, alsx die grofse,. wird 
durch die Erfahrung allenthalben beftätigt. Man 
darf nur hierüber die Facta nachlefen, welche in 
mehrern Schriften gefammelt find« 

Befonders : Oekonomifolie und i^Mti wirtHfchafüiclie Brie- 
fe übci; das Nieder- Oderbruch und den Abban und die 
Veriheilung der königlichen Aemter und Vorwerke int 
koHenOderbrucHe u. T. w. ;' von F. A. Nöldechen, Kön. 
Pr. KammeiTalli. Berlin, b. F. Nicolai , igoo* wofelblt 
klar bewiefen wird , dafs nach dem Abbaue , von den 
kleinen Leuten viel mehr Producte auf die ßädtifchen 
M&rkte geliefert wurden, alt voa den grolsen Vorwer- 
ken Torher. ' 



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^ 



Von der Staatseinnahme. 137 

— — — — — M I H I I , . I III— ^i— » I 

§. 200. . , 

Aber auch fCr den Staat ift dnefolche Benu- 
tzung dieallervortheilhaftefte, und durchaus kein 
einziger Nachtheil fQr ihn > damit verbunden. 
Denn 

1} wird er dadurch alle AMfficht und Qefchäfte, 
welche fonft die Domainen erfodern, los^ ge- 
winnt alfo auch alle Koften , welche die da^u 
nöthigen Beamten und Gefchäfte, Veranfchla« 
gung, Bauwefen, Auf ficht u. f. w. nöthig 
machen*. 

2) Er behSlt alle Revenflen aus denfelben, ,in* 
dem er ficb die Rente der DomainenftOcka 
durch den Ej-bcanon fiebert; ja er erhält ge- 
wöhnlich noch ein bedeutendes Erbftandsca« 
pital, womit er öffentliche Schulden bezah« 
len oder fonft gemeinnützige Zwecke aus* 
fahren kann« 

3) Er fchafft fich eine wohlhabende Bevölke- 
rung, wodurch nicht nur feine Stärke ver« 
gröfsert wird, fondern, wodurch auch feine 
Einnahmen aus den Confumtions- und Ein* 
komnienfteuern wachfen, ohne 'dafs er die 
Steuerfätze zu erhöhen nöthig hat. 

4) Er findet darin ein Mittel, alle läftigen und 
antinationalökonomiftifchen VerhSltnifre auf 
eineilfi groCsen Thfeile der privilegirten Güter 
abzufchaffen ; und kann fich von dönen eine 



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ijg ,Erllc5 Buch. 



Vergeltung bedingen» weiche von diefer Ab- 
fchaffuDg profitiren. 

5), Er befreyet (ich dadurch von allem Privat- 
' ' Jntereffe an der Erhaltung aUgemein fchädli* 
eher Priyilegien, Vorrechte und Eigenthums» 
verhältniffe, und wird nun mit defto gröfserm 
Eifer an einer gefetzlicben Abfchaffung der-' 
falben auf Privatgütern arbeiten können. 

6) Er behält fein Eigenthüm , in fö fern es ihm 
putzen bringt, unjrerfehrt. Denn es verfteht 

'fch, dafs die Domainenftacke ftets vom Pri- 
vateigenthum abgefondert erhalten und mit 
befondern Merkmalen verfehen, auch genaue 
Regifter darüber gehalten , und. fonft Einricfa- 

. tungen getrqffen werden, welche die Dom ai« 
nenftQcke ftets als Staatseigentfaum auszeich- 
nen. 

Anm« zn Nr. 4. Nur folche lifftige VerhKltnille > die 
blofs an der Perfon haften , als : perfönliches Leib* 
eigenthum, und die Verpflichtung zu unbeftimmten 
perfönlichen Dienften, welche auf keinem Gute zu dul- 
' den lind, mülten nmfonf^ aufgehoben werden, weil de- 
ren Erw^bung Geh auf ein ungerechtes Princip grün^ 

• det. Alle Zwangsleiftungen aber , die an dem Belitze 

eines Gutes haften, können nur gegen Aequivalente 
erlaffeu werden. Denn R.e gründen fich auf Rechts- 

^ principien, nnd derätaat würde durch die unentgeld- 
liehe ErlaHung derfelben den Eigenthümern folcher 
Güter etwas fcheuken , was ihm die übrigen erfetzen 
müfsten, er ^ürde folglich jene auf Koften anderer be* 
Tcicherm Jene Eigenthümer aber' gewinnen genug da- 
durch I dafs fie dem Staate mehr nicht verguten , als 
den Nutzen , den er ron ihren Zwangsdienften: hatte; 



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Von der Staatseinnahme. 139 

Be dagegen mit ihrer freyenZeit viel mehr gewinnen 
können/ als die Vergütung des Staats beträgt. — 
Auch für die Aufhebung der Monopoli^echte feiner 
ländlichen Gewerbe kann der Staat nicht mehr ver- 
langen, als er durch Aufhebung des Monopols ein- ' 
büfst. Wenn alfo z. B. für eine Mühle mit dem 
Monopolrechte 500, ohne Monopolrecht nur 450 Kthl* 
Erbpacht geboten wird; fo ift der Staat mit einem 
jährlichen Canon von 5oRthl. von allen Einwohnern, 
die vom Monopol befreyet werden, xufammengenom- 
men für den VerluA des Monopolrechts entfchädigt. 
Ja der Staat kann diefe Monopolrechte noch wohl- 
feiler, und da, wo die Entfchädigung Schwierigkeit 
macht , leiobt umfonft weggeben , weil die Gewerb- 
ireyheit die Production vermehrt und den Wohlftand 
▼erbreitet, und er dadurch mit der Zeit auf andern 
Wegen ein viel gröfseres Einkommen gewinnt, alt 
•r durch den Yerluft defl^n | was ihm aus dem Mo« 
* jiopol entfpringty einbüfst. 

$• aoi. 

Die Bedenklichkeit,. welche Einige gegen die 
Verkleinerung der Domajnen deshalb erregt ha- 
ben» dafs der Staat dadurch die reichen Pachter 
verliere 9 deren er zu Kriegszeiten bedürfe, um 
grofse VorfcbOffe auf Einem Brette von ihnen zu 
erbalten, kann blofs bey Kurzfichtigen einiges Ge* 
wicht haben. Denn i) möchte ich wohl wiffen^ 
wie grofs die Summe gewefen, die z. B. Preufsen 
im letzten Kriege von feineii Domainenpachtern 
erhalten hat. So viel man gehört , hat fich wenig 
Patriotismus unter ihnen gezeigt. Mir wenigftens 
find einige derReichftc^n bekannt, die 20,000 Rthl. 
und mehr Pachtgeld bezahlen , und von denen di^ 



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140 Erftes Buch. 



Regierang nur mit'Mobe einige taufend Thaler 
herauspreffen konnte. 2) Ift es auch nicht einmahl 
gut, wenn zu grofse Capitale aus wenigen Händen 
plötzlich genommen werden. Denn diefeCapkale 
befchäftigen dieMenfchen auf einem kleineii Flecke, 
tmd diefer wird ganz nahrungslos, wenn ihm viele 
Capitale plötzlich entrückt werden, d) Ift es falfcb, 
dafs bey wenigen Reichen mehr entbehrliche Capi- 
tale zu finden find» als bey vielen Wohlhabenden» die 
gleiche Gütermaffe mit jenen befitzen. Es ift zu 
wetten, dafs Ein Amtmann, der 1000 Hufen in 
Pacht hat, nicht fo viel Geld Qbrig hat, als hun« 
dert Gutsbefitzer, deren jeder zehn Hufen inne 
Ijat. Hundert Bördebauern züfammen haben ge- 
wifs mehr Geld in Caffe, und können durch ihren 
Credit mehr zufammenfchaffen, als der reichfte 
Domainenpachter, der allein eine eben fo grofse 
Fläche in Pacht hat, als jene Bauern alle ztrfajn- 
mengenommen. Endlich 4)W'a$ kann es wohlTot 
eine Summe feyn, die alle Domainenpachter zufam*. 
men dem Staate vorfchiefsen können ? Der Pacht- 
ertrag aller Domainen im preufsifchen Starke be* 
läuft fich ungefähr a|if fechs Millionen Thaler. Die 
Hälfte der Pächter find gar nicht im Stande, Vor* 
(chaffezu leiften. Soll die andere Hälfte i bis 2 Mil- 
lionen in kurzer Zeit aufbringen ; fo würde diefes 
das Höcbfte feyn, was man Ton ihnen erwarten 
könnte. Und was ift das fflr einen Staat, der 
5p Millionen Tbaler Einkünfte hat? — Gewiss 



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Von der Staatseinnahme. 14 1 

würden die kleinen Erbpäcbter viel eher zur Zeit 
der Noth einen doppelten Erbcanon erfchwingcn 
können ^ als die ^eltpächter eine doppelte Facht. 

$. 202. 
Gegen den Verluft, der aus dem finkenden 
Werthe des Geldes entftehen könnte, fiebert fich 
der Staat dadurch vollkom'men, dafs er den Ca- 
non in den Producten feft fetzt, welche die in 
Erbpacht gegebenen Grundftücke liefern; und um 
fich nicht/mit d^ Erhebung der Producte felbft 
zu befaffen, beftimmt er ihn in Oelde von einer 
Periode zur andern nach dem Durchfchnittspreife 
diefer Producte , welches diefelben Wirkungen 
hat, als ob er fie in den Producten felbft erhielte, 
ohne die Nachtheile zu haben, welche die Bezah* 
long in natura hat. 
Erläuterung, i. Wehn der Pachter die Heute nacH 
dem Durchrcfanittspreife der Producte bezahlt , fa be- 
fahlt er die ganze Summe , welche die Producte in der 
Periode, für weldhe der Durchfchnittspreis berechnet 
ift, gegolten haben, nur dafs er einen auf GleichfÖr- 
»igkeit reducirten Preis für alle Jahre der Periode 
bezahlt. Wenn z. B. die Preife eines Scheffel Roggens 
binnen dem Verlaufe Ton lo Jahren alXö Itehen: 
iRthl. 12 Gr. 

9 — — 

1 — 16 -. 

5 — — 

2 — la — 

1 -T 8 — 

i — ft -^ 

9 — . — • 

1 — 16 — 

i — 8 — 



iSiVibl. aGr. 



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14« Erftes Buch. 



£o ift dev DurckTclmittspreis i Rth L 4I G r. Wenn diefo 
Summe 10 Jahre hinter eidauderl^iahlt wird, fo ift die 
Summe aller Preife jeuer zehn Jahre, nämlich 18 K^hL 
s Gr., bezahlt worden, — Von einer je langem Periode 
nun der Durcl\fchmtt genommen wird, delto unmerkli» 
eher vertheileh fich die allzu hohen und allzu niedrigen 
Preife. Man nimmt deshalb gern den Durchfchnitt von 
einer langem Periode, z.B. 20 oder 50 Jahren, und lillst 
denfelben für die folgenden ao oder 50 Jahre gelten« Hier- 
aus kann nun freylich der Nachtheil fliefsen , dafs in den 
feigenden so ^der 50 Jahren« wo der Durchfchnittspreie 
wirklich gezahlt werden mufs, die fodann eilitreten- 
den wirklichen Preife allzuf ehr rontdem Durchfchnitts- 
preife der vorhergehenden Jahre abweichen, welches 
bald für den Geber, bald ffir den Empfänger befch werlich 
feyn kann, je nachdiem die Durchfchnittspreife''tief J 
unter die wirklichen Preife fallen , oder hoch über die- 
felben Iteigen* — Im Ganzen wird -dadurch nun zwar 
keinem Theile gefchadet , da dem Geber die niedrigen 
und dem Empfänger die hohem Preife bey der nächft* 
folgenden Periode zu^ Gute kommen. Allein um den 
Dmck , der aus dergleichen Ungleichheiten wenigftens 
für die Zeit der Zahlung od^r des Empfanges entfteht, 
SU vermeiden, darf man nur den drey fsig jährigen Ovirch* 
fchnittspreis auf die nächften 10 Jahre gelten laHen, 
an deren Ende den Durchfchhittspreis der vorherge- 
henden 50 Jahre berechnen, und diefen fo ausgemittel- 
ten Preis wieder für die nächftfolgenden io Jahre gelten 
laffen , und immer fo fort. 

' Bey diefer Methode wird das Läßige der vom Durch- 
'fchnittsprcife abweichenden wirklichen Preife nie fehr 
lange empfunden, da jener aller zehn Jahre fo ipodi- 
ficirt wird , dafs er den, Gew{pn oder Verluft der ver- 
gangenen Jahre nach kurzer Zeit ausgleicht. 

2. Es giebt fehr verfchiedene Methoden den Miltcl- 
preis lu bcrechnens, welche in Beziehung auf die B^- 
lUmmung der Reute oder des Canons von wichtigem 
EinfloHe find« Es fragt fich nämlich dabey : a) Welche 
Preife Collen bey Berechnung des Mittelpreifes zum 
Grunde gelegt werden? — DaXs es die Preife der nach- * 



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7 



/ 






Von der Staatseinnahme. X45 

üen Marktftadt feyn follen , verfteht fich. Gewel^nlicli 
nimmt man die Martfni-P reife beym Getreide für di« 
Preir« des gunien Jähret an. Allein es können allerley 
Zufälle den Preis gerade um diefe Zeit aufser ordentlich 
hoch in die Höhe treiben oder herunterbringen. Ja 
wenn diefe Prcife die allgemeine Kegel för die Beftim-* 
mung des Canons einer groCsen Menge Grundftöck« 
worden ; fo wäre ibgar zu fürchten | dafs alle Erbpäch- 
ter fich beeifem würden , die Getreidepreife um diefe 
. Zeit bernnterzubringen , indem iie den Markt mit Ge- 
treide überführten. Auch kann ein Preis kaum für 
einen Marktpreis gelten, für welchen wenig oder nicl)ta 
Terkauft ift. Will man daher die richtigen Jahrespreifa. 
erhalten ; fo mufs man i^ für jeden Monat den Durch- 
fchnittspreisuns allen Hauptmarkttagen beltimmeni und 
nur folche Preife' datu aufnehmen , tu welchen be- 
deutende Quantitäten gekauft find« Aus ijen Durch« 
fchuitts-Monatspreifen mufs födann der Preis fürt 
.ganze Jahr gefncht, und diefe Preife muffen dann bey 
Berechhung der zwanzig -oder dreyfsigjährigenDurch- 
lohnittspreife zum Grunde gelegt werden. Hieraus er- 
giebt fich, b) dafs die Einführung/ einer gründlichen 
Erbpachtsmethode vielerley polizeyücde Vorbereitun- 
gen crfodert« Sie einzeln y bey Vererbpachtnng klei- 
ner Grunditücke, und gar bey folchen, die kein Getreide 
liefern I einführen zu wollen, rerräth grofson Un ver- 
band« 

5. Will man die Be^mmung des Canons nach dem 
Getreidewerthe auch bey folchen Grnndi^ücken einfüh- 
ren y auf welchen gar kein Getreide erbauet wird ; fo 
wird die Sache fehr problematifch. Es würde dabey 
Torausgefetzt werden muffen, dafs die Prcife aller übri- 
gen Dinge ftets in gleichem VerhältniCTe zu den Getrei- 
depreifen lUnden. Diefes aber ift noch nicht erwiefen 
und läfst fich fchwer erweifen. Die Preife von Gras, 
Heu, Obft, Holz, Steinkohlen u. f. w. folgen ganz an- 
dern Regeln, als die des Getreides. — Wollte man 
'alfo dem Princip getreu bleiben, fo müfste man den 
Canon Jedes folcher GrundftOcke nach dem Durch- ^ 
fchnitttpreife derfelben Art Ton Producten beftinunen^ 



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144 Erftes Buch. 



, die ihm abgewonnen werden. Dabey aber äu£iem fich. 
grofse Scliwien'gkeiten I da dian theüs, wenigftens 
bisher y keine genauen Preisliften diefer Prodncte hat, 
tbeils die Production diefer Art fbwohl in der Quan- 
titSt alt Qualität , und felbft der Gattung nach , lieh £o 
oft ändert« Die Anwendung diefer Methode auf andere 
Grundftficke und Nutzungen , als auf Acker > oder Wie- 
fenland) oder auf folches , das Wenigftcns jederzeit in 
Acsker verwandelt werden kann, erfodert dahe^ viel 
Ueberlegung und Vorfionti und wo man feiner Sache 
nicht ganz gewifs ift, i£t es belTer, entweder es bey Be- 
ßinunung des C^ons in Gelde bewenden zu laffen und 
ihn fo niedrig zu bellimmeni daCs dabey nie zu fürchten 
ift, dafs ihn das Grundftück nicht tragen könne, und 
dagegen ein defto Itärkeres Capit%l bey der erftcn Ver« 
erbpachtung zu erheben, oder dergleichen Pettinenzien 
lieber gänzlich zu.verkaufen, und das Geld zur Vermeh- 
rung gleichartiger Domainen anzuwenden, wenn keine 
zweckmäfsigere Anwendung gefunden werden kann« 

4. Endlich kommt auch viel auf die Art des Getrei- 
des an , defTen Preis bey Berechnung des Durch fchnitts« 
preifes berechnet werden foU. Da dasjenige Getreide, 
welches am häufigiten gebraucht wird / den Preis der 
übrigen Gattungen ziemlich genau bellimmt ; fo quali- 
ficirt Rqh diefes unlireitig am heften zur Balis für die 
lieftimmung des Canons. Diefes wird alfo für Deutfeh* 
land der Koggen feyn, 

Ueber die Methode denDurchfchnitlspreis zu berech^ 
nen fehe man die oben ({. 126.) angeführte ISchrift von 
C. F. Kraus. Erfter Theil. S. 26j, 

§. 2o3. 

Einige haben die Vererbpachtung oder Erb- 
zinsverleihung deshalb verivorfen, weil der Staat 
dadurch alle Einkanfte verliere, die aus den Ver- 
befferu'ngen der Güter hervorgehen« Allein es ift 
zu erwägen , daEs VerbeHerungea nur diurch Fleifs 

und 



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Von der Staatseitmahme. 145 



und Capitale bewirkt werden köoi^eo» üad dafs es 
wenig Fälle giebt,' wo die Anlegung eines Capitals 
ttf ein Landgut einen fo grofsen Gewinn trfgt, 
dafs davon 9 auch in einer längern Zeit Capital, 
Zinfen und Gewjnnft erftattet werden kann. Ge- 
meiniglich ift man febt* zufrieden, wenn der durchs 
Capital verbefferte Ackerbau auf ewige Zeiten die 
Zinfen des angewandten Capitak trifft, Derglei«, 
eben Verbefferungen wird aber kein Domaineo« 
pacfater aus feinem Vermögen vornehmen; denn 
er wQrde am £nde feiner Pachta^eit das ins Gut ge« 
fteckte Capital vertieren. Will alfo der Suat 
feine Domainen verbeCTern , jCo mufs er es mit eig* 
nem Capital thun. . Dazu fehlt es aber Atm Staate 
fowohl an Geld als an Geljbhick, und es ift <ja- 
her nicht fehr zu hoffen, dafs die Domainen in 
den Hinden des Staats grofse Verbefferuiagen er- 
fahren,, und fein Einkommen daraus dadurch ge« 
hoben werden wird» 

Der Staat verliert alfo dabey nichts, wepn 
die Erbpachtsftücke durch die Erbpdchter verbef» 
fert werden. Denn es gefchieht diefes durch deren 
Capital und Fleifs, wovon ihnen das Einkommen 
mit Recht allein gebahrt, und welches ohne das, 
neue Verhältnifs gär nicht entftanden feyn würde. 
Der Staat gewinnt aber durch (blche Verbeffernn* 
gen voxf mehreren Seiten. Denn 

l) wird dadurch fein Erbcanon defto mehrte* 

fiebert ; 
V. Jak9b Smaufinanzwiff* K 



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f46 Erftes BucB. 

s} werden dadurch feine Unterthanen wohlha- 
bender — - das l^and kann eine gröfsere Be<- 
tdlkerung erxfahnKi-i ;iMä dem Staate ^e 
gröbere Suiam^kin Abgaben bezablen.r 

$4 204* / ' ) 

Unft di^ VoUkomntonheit des Syftems der Ver«» 
erbpachlung vollkommen zu begründen^ mQfTeii 
die Erbpaehtsgflter beweglich gemacht werden* 
DieKes gefcbiebt dnrch das Recht der Erbpächter,. 
fie ztt feräufsem» tind durch Befeitigung aller 
'^Sehwieiägkettefn bey folchen VerSufserungen. Mag 
die Regierung das Recht behalten , (die ZulalTung 
etiles Käufers zu verweigern » i;ler ihr kein fieberet 
Zthler zu feyn fcheint ; aber diefes fcheint auch 
die einzige vielleicht nöthige Befchränkung. Diefe 
Beweglichkeit hat folgende Vprtheile : 

i) Kommt dadurch das Out am leiqhteften und 
ficherften in die Hände des jedesmahligen he- 
ften Wirths. Denn wer entweder kein^Luft 
und Oefchicklichkeit bat, ein Gut zu bewirth* 
fchaften; oder wer nicht die dazu erföderli* 
eben Capltale befitzt, wird in einem dnrch 
Xnduftrie belebten Staate feine KrälPte und 
feine in dem Gute fleckenden Gapitale alle» 
mahl in einem andern, ihm mehr zufagendeh 
,y': Zweige der Induftrie vortheilbafter anlegen 
können, nnd daher wird die baldige VedLufse- 
mag des Guts das Zntrtgliehfke feyn, was 



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.Von der Staatseinnahme. 14)7 L ' r / 

lör fein Indiviclamn eben fo gut als if Qr das / 
allgemeine B^fte zu wünfchen ift« / f 

a) Der freye ümfatz der Güter ift ab^auclv \ 

für die Einnahme des Staats vortheilhaft» * 
da mit jedem Umfatz eine Einnahme fflr ihn 

, verknflpft jlft. Kommt daher eine fo grofs^ l 

bisher fefte Ma£fe vcm Gütern, als die Do« ^ 
naalnen in grofsen Staaten b,etragen , in Um« 

J^nf ; fo gewinnt der Staat aoch von djefer 1 
Seite etwas Beträchtliches in feiner Einnahme. 

f. 2o5. . '* 

Dagegei^ ift anzuratheil , die DomainengOter ' 

gleich orfpranglich bey der erften Vererbpachtung 
in unveränderKche untbeilbare Stücke zu theilen» 
weil neue Tbeilungen das Oefchäft zu vdr wickelt 
xiache^ würden, unxt der Sta^t dahin zu fehen 
hat, dafs er feine ganze 'Verwaltung fo einfach ald 
i&öglich einrichte. Eben deshalb foU er die Do- 
mainen nicht in allzu kleine Parcellen zerftückeln^ ^ V 

damit er es« nicht mit allzu vielen Individuen, und 
am wenigften mit zu viel kleinen Leuten zu thun 
habe. Bey Baftimmung der Grdfse mufs ihn blofs 
der Umftand leiten, dafs er die Domainenftücke 
nicht.Jnfolchem Umfange beftehen laffe ,, dafs da- 
durch der beftmöglichften Bewirthfcbaftungsart 
ein iUndernif^ entgegengefetzt wird. Und wenn 
•r fiidi |a^ der Folge noch zur Theilung eines * 
fchon vererbpachteten Grundftflcks entfchiiefst; r 

K a 



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148 Etiles Buch. 



fo 'kann €8 blofs aus clijefem ^ben angefahrten 
Grunde gefchehen« 

$• 206. 

Um fich des Erbcanons aufo feftefte zu ver* 
fiebern, mofs es fich der Staat zur Maxime machen: 
I. Dai/s der Erbpacbter ein gröfseres 
Vermögen fn liegenden Gründen 
befitzen mfiffe» als die Rente» 
welche als t^anon gezahlt wird^ 
werth ift. Diefes wird durch folgende 
MaaCsregeln erreicht: 

1} Dafs der EAcanon fo beitimmt werde» däfs 
aufser demfelben noch ein Erbftandsgeld 
f tr das Domainengut bezahlt werden kann« 
Diefes wird befoaders bey fokbea &b» 
pacfatsftflcken beobachtet werden mAffen, 
welche keine Verbeffening zulaffen^ fon» 
-dern fchon den hftchften Grad ihrer Cuhur 
'erreicht haben» 
e) Will man aber Ueber fQr dergleichen Grund- 
ftocke einen hdhern Canon erlangen» Co 
dafs wenig oder nichts an Erbftaadsgelde 
dafür bezahlt wdrden kann; fo dürfen fie 
nur an fokhe Individuen abgeJalTea werden» 
die ein anderes GrandftOck» deflen Rente 
wenigftens der Hälfte des Canons gleich 
kommt, hypothekarifcKzu^ Sicherheit des 
.Canons verpfänden können. 



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Von der Staatseinnahme. 149 

3) W«r aber nachweifet» dafs er auf derglei« 

eben Gruadftack folche MeliorationM an« 

gebracht hat» durch Gebäude » Ackenrer- 

befTeruDgen oder andere ökonomifcbe Ein* 

richtujQgen» dafs die Rente des GnindflOcks 

dadurch wenigftens um die Hälfte £0 hoch 

als der Canon geftiegen , braucht derglei« 

eben Sicherheit nicht au leifteo^i oder kann 

davon entbunden werden. 

II. Dafs er keinen grdfsern Canon auf die Do- 

mainenftQoke legt, als einen folchen» der 

dem Pachter noch eine proportlonirlicbe Ein* 

nabme fflr feinen Fleib und för fein dafOr 

l>ezaUtea Capital abrig Ufat. 

$• ao7- 
Aus den fchon oben ($$• 190. igi-) angeffihr« 
ten Grfinden ift es niemahls rathfam, dafs der Staat 
£ch der ihm eigenthOmlichen Quellen feines Ein* 
kommens entSufsere» fobald fich die Beybehaltung 
derfelben nur mit dem allgemeinen Wohle ver« 
trägt. -Da wir nun bisher gezeigt haben, dafs die« 
fes durch eine gefchickte Methode der Vererb- 
pachtnng der Domainengüter fehr wohl möglich 
ift, und dafs fogar dadurch Nationalvortheile er- 
reicht 'werden, welche bey einem vollftändigen 
Eigenthum diefer Güter kaum erreicht werden 
können ; fo ift deren Veräufserung fo wenig anzu- 
rathen» dafs vielmehr der Staat auf deren Ver« 



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,l5o Erlies Budi. 



{ 3 nutzt. 



irnehrung Bedacht nehmen mufo. E$ ift daher 

rathram; ^ 

t) dafs der Staat' alle diejenigen Capitale, wel- 
che er aus den Erbftaüdsgeldern Idfet^ zum 
JVnkauf neuer Domain enftücke anwendet^ 
wenn ihn nicht wichtigere Zwecke nöthigen^ 
fie anders zu verbrauchen ; ^ 
2) daCs der Staat alle die G(Uer, welche ihm 
durch Erbfäliejoder LehnsvcSrhtltniiTe zufal* 
}en, gleichfalls ia Domainei^üter verwan* 
delt und fie auf die vorbefckriebene Weife be« 



^. 208, 
Was die den Domainengfitern anhangenden 
Gerechtigkeiten betrifft; fo wird in finanzieller Hin- 
ficht unterfucht werden muffen: 

1) ob fie dem Staate wirklich ein reelles Ein* 
kommen gewähren ; 

2) ob dkfes Einkommen 4em Staate nicht we* 
niger werth fey, ah es demjenigen koftett 
der es liefern muis« 

•■^ J 

$• 2og. 

Die Grundherren haben fich hidfig bey Eta« 
bÜrung der Bauern auf ihren Gründen Rechte vor- 
behalten f oder nach und nach bey Gelegenheit 
angemaafst , welche vielleicht zu der Zeit , als fie 
eingeführt wurden » far die Herren nfttzlich und 
fftr die Bauern ,wenig nachtheib'g waren^. d«ren 






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Von der Staatseinnahme. 151 

Nutzen ab^t^ fQr die Herren mit der Zeit v&c* 
fcbwunden^ und deren Nacbtbeil für^e Untertha» 
iien gews^bfen ift.^^Wo dergleichen aucb auf die 
pomainen übergegangen find^ da wird der Staat 
ihnen Mobne alle Entfcbädigung ^ntfageo. Denn, 
wo ihm die ^efcbwerde .des Unterbanen nichts 
nutzt» und" wo er ihm fefne Zeit umfooft raubt, da 
gewioBtt^der Staat fchon dadurch ^ dafs er dem 
fiauer durch Auhiebung der Befchwerdp freye Ar« 
^[.bpjt^zeit fcbaf ft, 

. E r 1 ä iri^e rang. Drey Meilen von Leiptig befindet G^ 
ein Aittergut, welches das Recht hat, jeden Tag einen 
ton den Bauern nach Leiptig zu f chicken. Um dieXee 
Kecht nicht realeren gehen xn laden , l&Tst Geh der 
Herr die Semmeln auf Leipiig, die er de» Ahendt wv 
TpeiTen will, durch leine Bauern holen. Diefe bieten 
ihm, umfonß ffir jede Semmel , die iwey Pfennige in 
Leipzig holtet, zwey Grofchen in geben; das Recht 
toU erhalten werden, and deshalb mufs der arme Bauer 
laufen. Hr. Stockar von Neuforn (Handbuch der Finanz« 
wilTenfchafti 1. S. 137*X erzählt, dafs er ein Dorf kenne, 
in welchem fich ditf Bewohner nach der Ernte jeden 
Morgen in dem Schlofshofe mit Stöcken einfinden miiT* 
fen, nm durch heftiges Pochen gegen das Pflafter und 
durch erregtes Getdfe die Mäufa ron dem -SchloiXe zu 
vertreiben« 

$• 210. 

^ Gewähreii fie aber dem Staate eip reelles Ein* 
Icommen^ welches jedoch den Gebern roebr koftet» 
als es dem Staate einbringt ; fo ift es der Staats- 
Weisheit gemäfs^ -dafs er feinen AntprOchen gegen 
eine EntfchäcUgungt die dem» was letztere ihm in 



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I5t Erftes Bu(& 



^.{cv4/ji ^'"X *d#r Wirklichkeit einbringen » werth gnd, en tfa^t> 

/ Von diefer Art find: 

l) die Dienftmonopole , Zwangsbrauereyen» 
Zwangsbrenner^yen , die Zwangsziegeleyen» 
ZvrangsmQblen u. f« w« ; 
S) der Zehen d, den er von andern GnindAttcken 
zu federn hat. 

%. 211. 

Wie fich der Staat in Anfehung der erftem 
Art der Vorrechte zu verhalten, ift fchon pben 
($• 200« Anm.) erklärt worden. Was aber den 
Zehenden betrifft, fo verdient diefer noch eine 
befondere Betrachtung^ 

%. 212. 

Es ift nämlich der Zehend eine für den Staat 
beschwerliche Einnahme, wenn er in natura gelie- 
fert wird ; und fQr den Untertbanen eine eben fo 
befchwerliche Abgabe, die zugleich fQr beyde 
Theile, ja für die ganze Nation, höchft nachtheilig 
ift. Denn l) ift far den Staat jede Naturalein« 
nähme und fflr den Unterthan jede Naturalab* 
gäbe aus leicht zu findenden Urfachen ISftig; und 
s) wirkt fic;, wie fchon oben ($. 70.) bemerkt ift, der 
Verbefferung und Erweiterung der Cuitur entgegen. 
Denn fie ift eine Abgabe, die nach dem rohen Er^ 
trage gemeffen wird. Nun koftet aber die Ver« 
mehrupg des rohen Ertrags Arbeit und Gapitalet 



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Von der Staatseinnahme. 15$ 

'■ ■ • / ■'" " ■' . 

und derZehend verfchJingt oft den ganzen Gewinn 
des C|ipitai^and die ganzen Früchte des Fleifses. 
Folglicji werden ^a, wo Zebend Statt findet, und - 
wo nur irgend zo beforgen ift, dafs der Gewinn 
iius den Verbcfferungen nicbt fo grofs iftl^dafs 
davon der bebend beßritten werden kann , ohne 
den Vortheil zu vermindern , . den der Landwirth 
von der Anwendung feines Fleifses ynd feiner 
Capitale ficb verfpricht,r und deren er ficher feyn,. 
niufS) wenn er die Verbefferungen vornehmen foU» 
letztere gar nicbt erfolgen. Unurbare Strecken 
werden aus di'efen Urfachen oft ewig ohne Cultur 
liegen bleiben. Daher mufs der Staat den Ze» 
hendy weichen er von andern Orundftücken zu 
empfangen hat, in einer beftimmten Körnerzahl 
nach einen! Durchfchnitt mehrerer Jahre fixiren» 
vnd ihn fodann nach Art der Grundrente {% 202.) 
nach einem Durchfchnittspreife in baarem Gelde 
beftimmen und erheben. Diefe Art von Abgaben 
gehören aber zu den Domalneneinkflnften, und 
&Qd von den eigentlichen Abgaben jederzeit forg^ 
fältig zn nnterfcbeiden. 

H. 

Von den ^tmettwalduiigeB. 

J. 2l3. 

Die Staatfwaldnngen können BeftandtbeHa 
van Landgütern feyn, fia können aber auch befon« 



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•154 ErAes Buch. 



;^J 



^'jC^/^vL ^'^^ ^^^ '^^^ beftehende Domainenüacke ausma« 

/ chfini Auf jeden Fall kommeD , ' wenn Ql^r ihre^ 

Benutzungsart geurtbeilt werden (oll, Betpacbtun* 

»gen vor, welcbe von denen , die fich auf xlie Be- 
nut^ing der Dpmainent die den Ackerbau baupt* 
fficblich zum Gegenftande habön^ blieben , ver- 

ifcbieden find, und desbalb widmen wir den Staats« 
Waldungen einen eigenen Ab£cbnitt, diefe ntögen 
nun AxibSngfel anderer DomainengQter, oder fflr 
fich boüebende Qrundftacke feyn« 

§. 214. 

Die FiAaiizwiffönfcbtft betrachtet die Staats-^ 
Waldungen blofs als Quelle der Einnahme f Q^ .di^ 
Kegierung; die. Frage: ob der Staat etwas tbun» 
und was er thun mOffe, um die Nation mit Brenn« 
und Bauholz zu verforgen? ift der FinanzwitTea- 
.fchaft fremd, und gehört der Pol|zey oder d^ 
: iallgenieinen Fflrforge für das Gemeinwohl an« * 

Anni. Sehr fcKdno BetrachtuDgen über dio öffeMtiicIie 
B«nut«uiif«a^ der Wälder befiaden fich in Hm. St^ckar 
V. Neuforn^s Handbuch der FinanzwiiTenf chaft , |* 
S. 280. 36^» y aber fie gehören nicht in diefe Wiffen- 
fcJiaft. 

Die Katur hat von (elbft grofse Waldungen 

hervc^gebracbt, ehe die Menfchen daran dachten, 

' fie kfinfUich Zu erhalten, oder fie zu erzeugen. Da- 

> hetT haben die Wilder da, wo fie fich in groCser 

JVl4»flge Von felhft erzeugt haben» wie alles, was 



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\ 



Von der Staatseinnahme. 155 

-' / ^^^T^— Z ' ^— 

t / V die Natur imUeberflufs freywMÜg liefert, und def- 
fen Erzeugung keiue Arbeit Icoftet, keinen Taufch* 
' werth 9 fa noth wendige BedArfnifsmittel fie den 

r' Menfch^ auch* gewählten. Jeder ging felbft in 

I .den Wald^' £cb feinen Holzbedarf zu holen; oder 

bezahlte dem» der es für ihn holte, nicht mehr 
dafflr, als was die daran gewandte Mflhe und Ar- 
beit werth war. Man betrachtete jene grofsen 
Wälder nicht als Privateigenthum , fondern als 
Gemeingut d€r ganzen Gefeilfchaft. 

$. 216. 

Wollen fich Menfchen in folchen Waldgegen- 
den niederlafEen ; fo wird fogar die Ausrottung und 
I ^ VerniclStttng der BSume mehr werth, als die fich 

\ auf folchen Stellen befindlichen Bäume, weil die 
£rbaunng derNahrungshiittel freyesLand erfodert« 
> So lange daher die Bevölkerung in folchen Gegen- 
den fparfäm ift, bleibt das I^olz werthlos , und es 
bekümmert fich niemand lehr darum, ^wem der 
Waldboden gehört. 

$.^ 217. 
I So?wit aber die Bevölkerung wächft, 'und 

insbefondere an Stellen zunimmt , wo keine WSl^ 
der mehr in der Nihe find; fo fingt das Holz, 
welches Colchen Oertern am nächften liegt, an, 
Werth zu «rhaUen. Man fieht nämlich fodann 
bald ein» dafS) W6r fiel; in den eigenthümlichen 



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^ 



i 



IS6 Erlies Buch. 



Befitz de$, den bevölkerten Strichen zunäcbft lie- 
genden» Waldes fetzen kann, dadurch die Macht 
bekommt», mehr fflr fein Holz. zu verlangen» als 
was die blofse Arbeit» es zu fällen und an die 
Stelle des Bedarfs zu bringen, koftet. Denn wenn 
er ihnen fein Holz verweigert; fo mQlTen fie in 
entferntere Wälder gehen« Diefes aber erfodert 
mehr Transportkoften » um es an die «Stelle zu 
fohaffen» wo es nötbig ift» als das feinige« Man 
wird ihm alfo gern etwas mehr bezahlen» als die 
Arbeits • und Transportkoften feines Holzes, wenn 
das» was er fodert» nur nicht die Transportkoften 
dies entferntem Holzes» das man noch auf der Stelle 
umfonft haben kann» fiberfteigt. Auf diefe Weife 
entfpringt alfo fflr den Eigentbamer eines Colchen 
Waldes eine Rente ganz umfonft» blofs durch das 
ihm zukommende Eigenthumsrecht und das Be« 
dflrfnib feines Holzes fflr andere. 

f 218. 

Sobald ficil nun die Möglichkeit zeigt» von 
dem Waldboden eTne Rente zu erhalten , wird na- 
tarlicher Weife auch die Begierde wach, denfelben 
eigenthamlicb zu befitzen. Mit dem Grund und 
Boden wurden nun auch Waldftrecken in Befitz 
genommen » und fobald der Staat eine beftimmte 
Form erlaogte , wurde das als Staatseigenthum in 
Befchlag genommen, was nicht in ein beftimmtes 
Privateigenthum abergegangen war« So wurden 



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Von der Staatsdimnahme. 157 

in allen Reichen bey ihrer erften Eatftehung grofse 
Strecken Wald • und Steppenland Staatseigen« 

tllURI«. ' ^ 

i. 219. 
Die Gewohnheit, dafs die anwohnenden jLent^ 
fich ihren Holzbedarf aus den anliegenden Wäi* 
dem umfonft holten, wurde von denen,« die fich 
das Privateigenthum aber die WSlder zueigneten» 
geduldet^ und es erfcheint fpf terhin diefe Oevirohn* 
helt als Rechtsanfpruch , der von den Eigenfha* 
mern der Waldungen lange unbeftritten blieb. So^ 
bald indefTen.das Holz nur einigen Werth erhielt 
wurden fehrbald die Schranken befUmmt, unter 
^-welchen die Anwohner ^hren Holzbedarf, aas de» 
Wildern beziehen durften ; ja ihr Recht darauf 
wurde immer zweifelhafter gemacht, und zuletzt 
nur !al5 BegQnftigung oder Gnade von Seiten des 
EigenthOmers des Waldes betrachtet. 

jf. 220. 

Wie C}c\i nun aber auch das Eigenthumsrecht 
an den Wäldern gebildet haben mag} fo bleibt 
doch fo viel gewifs, dafs das Eigenthum aller fol* 
chen Wälder, welche die blofse Natur erzeugt bat» 
auch noch jetztaufmancherley Weife )>erchränkt 
erfcheint, indem viele Anfprüche der Gemeinden, 
welche ihnen nahe wohnen,, auf diefelben jei^es 
Recht einfchränken , als das Recht der Gemeinde»' 
ihren Brenn* und Bauholzbedarf entweder umfonft^r 



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&5S Erftes Budm 



/.^4, 



oder doch gegen eiDen geringea Preis, aus dea 
berrfcbaftUcben Wäldern zu bolen, ihr Vieh hin* 
einzutreiben, den Abfall von Laub und Nadein z« 
Streuung zu brauchen, u. f • w. 

$• 221. 

AuC^er dielem befchrinkten Eigenthnme njk 
4€tn Waldttogen giebt ee aber anch unbefchränktee 
Etgentbum an denfelboi; es fey, de£s dieBefitz-^ 
nebmoiig zu einer Zeit und an Orten gefchehen^ 
wo noch Niemand einen Aafpruch daran fich er* 
worben hatte, oder dats dergleichen Anfprüche 
nach und nach verloren gegangen und aufgegeben 
find , oder dafs ein folcher deshalb nicht exiftiren 
konnte, weil die Waldung durch eignen Fleifs auf 
eignem Boden entftanden und kCUiftlieh hervorge* 
bxacht worden ift. • 

§. 222. 

Der Staat mag nun ein befchräoktes oder ein 
unbefchränktes Recht auf das Eigentbum an feinen 
Waldungen haben; fo entfteht die Frage für die 
Finanzwiffenfchaft : wie er fie am heften benutzen, 
oder das g^stmöglichfie Einkommen daraus zie* 
fien könne? 

. i. 2a3. 
Einige Staatslehrer find, durch die Betrach« 
timg, dafs die Erfahrung lehre» wie die Staatsw^I- 
düngen einen £ehr geringen Nutzen in den Hinde» 



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Von der Staatseiimahme. 159 

des Staats geben, {|uf di^MeiiruDg geftthrt worden» 
chfs der St9at fich vdn dem Befitze aller Waldungen 
losmachen nnd {olehe inPrivatbände geben m0^fe{^ ' 
es fey, dafser fie ihnen ganzumfonft eigenthUmliclt 
fiberläfst, öder dafs^er fie ihnen verkauft« Sie glatt* 
ben, ddfs die Waldgründe durch die Privatinduftrie 
bald einen folchea £rt4rag geben würden, dus wel«- 
chenT dem Staate i:^eit mehr durch Abgaben und. 
afndere Canäle zufliefsen würde, als er je als Eigen» 
thamerder Waldungen durch öffentliche Benutzung 
detfeiben Erhalten würde« 

' A n m. Der eifrigfte Vertlieidiger der gänzlichen Ver*^ 
* äixtitiung der Suatswaldung ift der iMiyerföhe Landet^ 
djrectionsratli üaMi« ' S« de^Xen fichte Anfichtea der. 
Waldungen und Förftey 1— >III. München 1805. Gegen 
diele Schrift ift gerichtet : Einige Anfichten von dem 
Fori^welen in Bayern | mit fiedierknngen fiber dia' 
ächten Anfichten u« L w» des Landesdireptioniraft 
Haiti f Yon Ggorf Orünhergerf Landesdirectionsrath» 

Es fprechen aber im Allgemeinen diefelHen 
Orflüde^ welche für die Erhaltung des Stdatseigen-» ' 
thums der Domainen fprechen^ auch für dieErhal« 
tung desEigeothums der Waldungen und des Wald^ 
bedens. Was aber die Benutzung deffelbea anbe* 
tiifh; fo kann in finanzieller Hinficht kein ande«^ 
res Princip ron dem Starate angenommen werdell^\ 
tSs: nfich ^^o hdchftmöglichen Ertrag 'derfelben^ 
2u fiebern» fo fem er nur zugleich auf eijtie dauer- 
hafte Weife bdgrtedet werden kann/* 



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t6o 



ErEbes Buch. 




$. 235. 

Der Verkauf der Suatswaldungen (cheint in 
jeder Hinficht eia noch fchlechteres Mittel zu diefem 
Zwecke zu feyn» als der Verkauf der Ackerländer 
reyeo. Denn letztere können doch wenigftens 
fchon diejenige Stufe der Cultur erreicht haben« 
dafs ihr Werth ohne Anwendung von Kapitalien 
nicht leipht erhöhet werden kann. Der ätaat ift 
In folcbem Falle wenigftens ficher, den höchftmög*. 
liehen Werth für feine GrundfiUcke erhalten zii 
haben; und wenn er das dafür erhaltene Capital 
zweckmäfstg zum allgemeinen Bellen verwendet» 
fo kann der Verkauf der öffentUchen Ländereyen 
unter manchen Umftinden wohl gebilligt werden» 
Diefes ift aber faft nie bey Staatswaldungen der 
Fall, und um fo weniger, je weiter der Staat an 
Cultur und Bevölkerung noch zorQck ift« Denn 
die Walduogen geben, ohne alle Anwendung von 
Arbeit und Capital , blpfs mit dem Laufe der Zeit 
immer höhere und höhere Renten , wenn nur die 
Bevölkerun^desLandea imnier fortfcbreitet. Diefe 
vermehrten Renten würde alfo der Staat ganz um* 
fcMft veriCeren, fo wie fie die Erwerber umfonft 
gewinnen würden. Hierdurch aber würde der übri- 
gen Gefejlfcliaft offenbar Schaden zugefügt^ weil 
fie nur daa, was die vermehrten Renten der Wal* 
düngen geben. würden, durch Abgaben zufammen« 
bringen, oder das, was dadurch für das öffentliche 
Wohl gefcbeben könnte , einbülst. 

§. 226. 



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Von der Staatseinnahme. i6i* 

$. 2a6. 
Diefe EigenfclNift der Waldungen , nach wel* 
eher fich ihre Rente durch den blofsen Lauf der 
Zeit und mit dem Wachsthume der Bevölkerung ,^ 
und des Nadonalwohlftandes ohne alle weitere 
Koftenverinebrt, ma£s daher dem Staate bey je- 
der Art der Benntzung, welche er wählen mag« 
Torfchweben, und feine Maafsregeln beftimmea 
helfen. 

$. 227; 
Das Einkommen^ welches ajfs den Waldungeil 
gezogen werden kann » wird durch die Preife der 
Producte des Waldbodens , vorzOglich des Holzes^ 
das daiyn erzeugt wird, beftimmt. Diefer Preis 
ift aber bald aus mehr, bald aus weniger der fol^ 
genden Beftandtheile zufaitnneti^efetzt : 

1) aus der Reifte 9 Welche der £igenthilmef def 
Waides dem , welcher deS Hohes benöthigt 
ift, dafOr abnöthigen kand; 

2) aus dem Arbeitslohne, welchetf 6$ köftet^ 
das Holz zu fiUleii und in verkäuflichen ZvL* 
ftand zu fetzen i 

.3) aus den Soften, welche tum Ti'ansjiort 6t§ 
Holzes bis M Ort und Stelle nötfaig find; 

4) aus dem Lohne ^ welcher zur Pflege^ Bewä^ 
chung üdd zur netleif AflpfiädZudg des Molzed 
gehdrefi^ 

5) aus den ZiüCeüi Ca{>ital< udd Üntefnehmef- 
. gewindfte^ welche di« VorfehfifTe tidd die 

Iß» Jdk4fk StaaUßndntWijft L 



,v 



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i62 Erftes Blidu 



zur ganzen Bewirthfchaftung des Waldes nö« 
tbige loduftne rerUngen« 

J. 228» 

Die Rente jft derjenige Beftandtheil des Prei^ 
fes, der blofis deshalb gezahlt werden mufs, wei) 
der Eigenthamer «s in feiner Gewalt bat» den Ber 
dürftigen den Gebrauch feines Bodens und feiner 
Producte zu rerweigern. Sie wird für' das Hol» 
nicht eher bezahlt» als bis dller Waldboden Eigen* 
thum geworden ift» welcher denen, die des Holzes 
bedarf en, nahe liegt. Denn wären auch entfernte 
Wälder noch herrenlos, aber derTran^port des darin 
wachfenden Holzes kofiete z« B. nocheinmahl fo vie}> 
als der Transport des Holzes vom nahe liegenden 
Walde; fo würden die Holzbedflrftigen dem Eigen- 
thamer des nahen Waldes lieber eine Rente bezahl 
len, die dem Mehrbetrag der gröfsern Transport- 
kofien nahe kommt, als das Holz aus weiterer Ferne 
ho^en« Sobald daher diefes Verhältnifs eintritt, 
wird der Herr des Waldes eine Rente far fein Holz 
erhalten. Sind alle Waldungen Eigenthum gewor- 
den, und befinden fich in der Nähe derfelben allent- 
halben holzbedOrftige Einwohner,} fo werden es 
alle Waldeigenthümer in ihre Gewalt bekommen, 
fich far ihr Holz auf dem Stamme mehr bezahlen 
zu laffen , als die Erzeugungskoften de/Telben be- 
tragen > und diefes machte ihre Rente aus* 



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Von der Staafseinnahine. t^^ 



$. ^29. 
Die Rente ift keiü nothwendiger Beftand«- 
thell desHoI;^preife$« Dei^i fie wird nicht befahlt 
werden» 1) wenn berrenlofer Waldboden, rorhan* 
flen ift, der dem Bedfirftlgen eben fo bequem liegt, 
und aus welchem jeder das Holz umfonft holen 
kann; 3) wenn der vom Holz befreyete Boden 
gröfsern Nutzen verrpricht, als der mit Holz be- 
wachfene, und die Nachfrage nach dem Holze, das 
die beffere Benutzung hindert, fehlt. Im letztern 
Falle wird der Waldherr das Holz gern umfonft 
weggeben , auch wohl noch delfen Ausrottung be* 
zahlen« 

i. a3oi 
' Die Nr. 2. und 3. (j. 227.) benannten Beftand« 
tlieile find nothwendige BeftandtheiledesHolx* 
preiCes , fbbald man deffelben bedürftig wird J 
denn nian kann es ohne deren Vergütung nicht 
erhalten. Nr. 4. Ift eine Folge der entftehenden 
und fteigenden Rente. Denn fobald der Eigen« 
thOmer des Waldes bemerkt, dafs ihm fein Holz 
eine Rente gewährt, und dafs diefe gefchmälert 
werden würde, wenn fein Holz verwüßet wördo 
oder fonft in Abnahme geriethe, denkt er darauf, 
es bewachen, und daffelbe da, wo es ausgeht, 
künftlich wiederherfeellen zu laffen. Was diefes 
koftet, geht natürlicher Weife von der Rente ab. 
Denn wer dergleichen Sorgfalt nicht anwendete, 
oder fo viel Ueberflufs an Holz hätte, dafs er fie^ 



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i6j, [ ' Erlieft Buch. 



aozuweuden nicht nötbig finde, würde doch unter 
gleichen Umftänden denfelben Preis fpr (ein Holz 
erhalten,, und folglich das# was jene Bewachung 
und die neuen Anpflanzungen I{:often, als Rente 
ziehen. IndefTen ficht man wohl ein , dafs- eine 
fortdauernde Holzlieferung bey ftarkem zuneh* 
menden Abfatze nicht möglich ift, ohne daCs jene 
Halfsniittel» das vorhandene Holz zu erhalten 
und die Abgänge zu erfetzen, ai^ewan()t wer- 
den. Daher werden jene BeftandtheUe nach und 
nach nothw^ndige BeftandtheUe des Holzpreifes. 
DafTe^be gilt von dem Elemente Nr.^ 5« Sobald 
nämlich die Vorbereitung auf den Verkauf des 
Holzes ein förmliches Gefchfft wird, gehören 
befondere Gefchicklichkeiten zur Betreibung der 
Holzvlrirthrchaft und Capitale zur'Leißuug der 
nöthigen Vorfchüffe dazu. Beyde muffen bezahlt 
werden, wenn lie Statt finden follen, und fie finden 
fich auch von fcilbftein, fobald der Preis des Holzes 
(b hoch ftelgt^ dafs fie davon bezahlt werden kön- 
nen. Man kann alfo fagen : i ) Ohne Arbeitslohn 
fQr die Mähe» das Holz in brauchbaren Zuftan<( 
zu fetzen , und ohne die Soften des Trans]iorts bis 
an den Ort, wo es gebradübt Werden foU, ift 
durchaus gar kein Holz zu haben; %) ohne den 
Lohn der HolzwirthCchaft, ohne dieZinfenund den 
Gewinn für die zu Führung diefer Wirthfchaft nö- 
thigen Capitale ^ Co wie ohne den Lohn fQr die Oe^^ ' 
fchickUehkeit der Führung diefer Wirtbfchaft i ift 



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Von der Staatsjäihnahme. ii$ 

.— .: f—:^ — : i; 'V M ' 

kein fortdauernder und regelroätsiger Hohbandel 

tu treiben* - - » 

. ' S.a3v 

Es entfteht nun liie Frage; was kann aus dem 
IJolzprsfife oder aus dem Werthe des Waldes Ober- 
haupt dem EigeiitbQmer deffelbeo für ein Einkorn« 
men entfteben? -— Mah wird bey einiger Ueber« 
legnng finden , dafs dem Eigentbämer als folöhem 
kidr dasjenige daraus zufallen kann, was als R e n t e, 
es fey für den Orund und Boden oder für das Holz, 
bezaUt witd« Denn den Arbeitslohn erlialteii die 
Arbeiter, dieZinr^ii die CapitaÜften , den Capi« 
talgevrfndftrund den LoVn tüt die OefcbickUcbkeit 
der HolzWirthrchaftsdirecfion der Unternehmer. 
Fflr den Grundherrn bleibt alfo nichts ahrig» als 
die Rente. 

Willdier <Snindberr mehr aus feinen Wäldern 
einnehmen , als die Renf e ; fo mufs er entweder 
fäfaft zugleich Arbeiter, oder Unternehmer» oder 
1>e^de(s zägleSch werdeta. Denn in diefem talle 
^^t el^'den ganzen Preis des Holzes allefin. Da 
^ Ar Staat Müht Arbeiter werden kann; fo bleibt 
ihm nur- Wifg, felbft Unternehmer zu werden, 
tmr fein ' Einkommen aus (einen WfLldern aufs 
lldchfte zu treiben. Da er aber doch nicht felbft 
die UnternebnYOng beCorgen kann, fondern diefes 
dareh andere thnn laffen mufs; fo kann ihm von 
äer ünteiröebmung nichts Obrig bleiben, als die 



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l^j ^ ^rftea Bucji. 



^infen uaci der Gewinoft von deojeoigeo CapiU* 
Uß9 die er auf die Unteraehmimg verwiiulet«. 

J. a33. ' y 

Es ift daher fflr den Staat eine doppelte B«*» 
nutzyngsart feiner Waldungen mdgliob: l) er he'*^ 
gnügt ficb mit der Rente^ und überlebt die Unter* 
nehynung derWaldbenutzungPrivatperlönw; oder 
$) er fwcht auch zugleich die Vortbeil* der Unter- 
nebmung, indem er felbft die Capitale berfphie£it» 
welche zur Bearbeitung des Uqhes» zur Bewachung 
und Okonomifchen Bewirthfcbaftung der Wilder 
nötbig find» um die 2Unfen und Oewinxifte der auf 
die Waldwirtbfcbiift verwandten Capitale felbft zu 
iiebeut . . ^ 

$• 234. 

Wenn nun die Erfahrung allgemein lehrt» 
dafs $t9aten in der Regel nie (q gute Wirtho find« 
als Privatperfanen» und dafs insbefpudere ai^eh di0 
Forftökonomie dem.Staate einep fo geringen NuCzea 
aus feinen Wäldern bringt^ daf^ niphi fu bezifei^ 
fein ift, eine wphleipgeriQhtpte Frivatökonpfuif 
würde die Wgldpr beffer b?i^ntzen und das £in^omr 
men daraus febr vermehren ; fo k^on.die Finimxp 
wiffenfchaft nicht ander$ ratben» als dais (ler S^Wt 
die Forftökon^ie Privatleuten überl^tlfe» un4 
ficb blofs die reine .I\epte vQrbe^alfe, .{nsbttcmr 
dere wenn ficb zeigen fpllte» daf$ dieff Aentifda; 
durch leiqb^. eben Iq hoch Aeigen kaim.i Mi d^f 



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Von der Staatseinnahme. 1 6^ 



ganze Gevuinny den er jetzt aus den Forften zieht, 
|a dafs fie fogar leiobl»'vlel höher getrieben werden 
kann, alsdtr letitere ift. 

' iSitbt der Staat die eigne Bewirthfohaftung 

derForften auf; fo bat er noch aufserder vermehr« 

ten Einnahme den Vortbeil, dafa dadurch feine 

Wirthfcbaft viel einfacher wird, indem er die 

ganze technifcbe Partbie der Waldwirthfchaft loa 

wird» 

] , §. 2Z6. 

Die Sta^tswirthe find ziemlich allgemein 
darin einrerftanden, dafs der Nutzen', den der 
iStaat aus der Selbftbewirthfchaftung der Wälder 
zieht, nicht fehr grofs ift, und dafs Privatleute 
aiis den Waldungen allerdings ein grdfseres Ein» 
kommen gewinnen wQrden ; aliein fie rathen zur 
Selbff bewirthfchaftuDg : 1) weil fie glauben,^ dafs 
die Prlvatwirthfcbaft die Wälder leicht zum Nach« 
thefl des Ganzen ruiniren, im Anfange die Ein« 
kUdfte daraus zu ihrem Vortheil rermehren , aber 
ibdaftn den Wald in einem Zufiande. zurOckliefera 
<v«1irde, worin er die bisherige Rente ferner zu 
^ben 4iitbt mehr im Stande fey; 2) weil der 
Staat eiiie Vcrpflicbti^ng habe, far die Erhaltung 
der Helzbeftiode zu forgen, Privatleute aber diefe 
leicht zumNaobtheÜ der Nachkommen vermijidem 
könnten, da ihnen nicht das Wohl dlefer, fondem 



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}69 V -Erftfcs Budt. 

iDlofs ibr eigner Vpirtbeil am-Herzea liegl^ 3)«retl 
die Privatwirthe daduroh das Moaop^ <les Holzaf 
in ihre Gewalt bekoipmen und dieHolipnäfe.übtr^ 
mäfsig fieigerQ» ja wobl gar durch Exportation der 
Hölzer einen ginzlichen Mangel daran veruHaohefi 
wurden ; endlich 4) weil die PriVattenta die gnto 
Bewiütbfcbaftung der Waldongen wesiger TerfUL« 
heii^ als die daau mi% befonderer Soi^£ilt unter» 
^richteten Fprftbeaintfp, 

Könnten daher 4'^t Staatswaldungen Privat« 
}eaten auf eine folche Weife in* die Hände gegeben 
werden , dafs keiner diefer ^achtheile zu bel^CLrch» 
fen wäre ;*^ oder liefst fich zeigen, dafs einige die« 
fer Nacht}iei)e unci Beforgniffe nur eingebildete 
find: fp wQrde kejp Grund mehr vorhai^^en. feyn» 
weshalb die Staatswaldungep picht der ökonpmir 
fchen Benutzung der Privatperfonen lieber anver-' 
trauet werden, als dafs der'ßtaat fich dertelbep 
pnterziehen fpllte, 

^un lifst ^ßk »her zeigten : |) dafs die Staats» 
WAldupgen {ehr wob} unter fol<^« Bedipguiifeii 
Priy^th#ndep %m Bewirthfphaftmig anr^rtraut 
.jinrerdisp H^nep > dafsjedem Ruin pjid jeder nach- 
f heiligen Benutziuig dei: Wilder dadureh Vprg«beogt 
. iirird^ a) dafi^, ;wenn wirkfich eise Verpflichtung 
lies ßtaals yorhgnd^ ift, für £«Mti|i^g des Hah- 



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Von der S^nttüifiahme; ' ^6$ 

Jtit4atfs to .folgen i er «BeCe ebe» fo f ut erfollen 
Mnee» weab er^4itr eigeea Be«irirtiifolttiltung fei^ 
Mr Wilder' etttCiigt, tlaier ilei^ffri|«ti79ifthen die 
Bedingungen darnach macben kann; ^ dafs die 
BeferguDg wegmi dines Moi^opols tt0gegran((el ift» 
oder ween fie gegMntfet wire, die ebermäCsige 
Oevrinnlnioht leiebt durch «ine. Taxe befchrinkt 
wiaf den .kann ; 4)d^t$ die ]!ef<9ignifst*ee möchten 
fich iiicte genng Foi^kandige^ uaüee dt»PriYatun* 
ternehmern finden» :gruinUoe4ft;Hia die Eröffnung 
der Staet8waldün|en für dleConc^renz der^Pri« 
iratnnten&ehmer die nötbigen fieontniffe- dazu fehr 
bald verbreiten wOcde. 

1 «39. 

f, .-, DlefFiJttagzwffenfcfaaft kani^ daber-io^Anfe- 
liung der, StaatswaldgrQnde. nur raüien : . ..:;;..', 
1} fich die Rente unbedingt lu- q^b^itep» rfoJ^ 
lieh die Waldgründe nie nm yeräufeem { «1 
, 2) die Bawijrthinhaftung der YiSM^ JMv^l#> 
den zu Abedaffen^ (ledoch'lps 4^ü folgead^ 
Bedingungen ftetr j^eQ}>achtet .wer4.eii^ 
a) Da(^der Staatdie ^eigeiMlAiletitef in wieferai 
- , XUf Si^elgei^ Wofev^ 4mr NtMir^Md nk» 

V. i(b^9s£tt nie.v^i^i€tfeq4(ann«. 'Wenn.dagl^ 

gen das Steigen .det Rent« «nuKofteft W- 
wirkt wird, welche der Privatwirth auf 
dear WeUboden , auf Canile , Wege u. f. w. 



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%^0 ; :r:i;^ffiilhl»iBu<^ 



verwendet ;- £o kommt • dar jeoige 'Thtdl » 

iMlcbar denl MgpwanitoB'Oftpitale aag«« 

: nmOm iäg '^Mt lUclit ^MiPriftttwirtlM 

b) Dtfo der Wald naeh forftanK^gen Ofimdi 

filtaea ödar tontb oaA ^ den ^adtngangsa 

. . bewirtlifobafM: werden^mufo, dff der Staat- 

vorfobrelbt> undrdia fbiimtHeh auFEcbul- 

, tomg'^dmc Veimafaritiig-' dw'SiiifcoiniDeiia 

— . . darnttf jibaiidaB mfllfao. : ^' 

. .^ Dab €i«r Piiratwiith aU»v9dfelirittkiinj;«a 
fM %: unlevworl^a.^jrd» welcbedas aUgtanein« 
Wohl des Staats erfodeau * < . 

$p a4d« 

Wle'nun Aer die triratwIiptKfchaft in den 
Waldungen b^graiidet weMen folle? ift eineFirafg^ 
Mf weldbe eine allgemefne Antwort dui^haas vn- 
nögiii^b ift» Sa mufo diefes aUeiii nach den Um*' 
ftinden heortheih: * werden. Biefe Ayer find fo 
^ireJltfcbieddn > dafi» nnendlicHe MetMödcfn dadurch 
angerathcm werden, die alle gleich gut nnd gleich 
^^komirteA fayn können. Dl« ZweckifiSFsigkeit 
läHar aber wird im^ernadfa dten bisher entwickele 
Iren äHgenieiBeii Piriboipleb beofAeil t. Wir wollen 
ifto Anwendung d^Mbeii tiiefr mtr tmt^ einigen 
Hai^mlUndi^ii erwigen; 



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...J 



Ton de^ «Süaüs^niiahme. t^t 

■ - . .L. l 1 ^ 1 » I I L I M II II IIB I I !!■ 

\ / fis 24%. . ■ '■ 

. Will der SttM feine WaktttngM giitorig^ b6* 
mnt%eai h omCs feiiu» erfte Sorge iey»: - 

2^ fich eine genaue tmd richtige iLeniitnifs von 
deiifelb^o.xtt^TeiTohdfifen; • ^ i 

e) fich eih Perfoael. eu bilden ,^ weMbee das gaat 
. ze Forftwefen» die Erseugung und Benutzung 
der WAlder grfindlich verlieht; 
. 3} *al}p Stefld&wiUer mögKcbft sn puiiflcirent 
dt' b. alle Ireiüden Aaiprftctoe aof «ftefelbeli^ 
woni^bt gilitlisb von denblben zu trennen» 
doch in eine Cokbe Otdnnng zn bringen, dafi 
.: . : fie befiledigl #erdeii kdoilen,^ ohne dafs da^ 
durch der Staat in der freyen Benntznng foi* 
ner Wilder gehindert wird, 

;,. . , • •• .. i »4^ ■ r. ^ ^ 

IT^rmeffoQgen, richtige Charten' und Eiotb^ 
langen der. Wälder» Wege, die weofgftmt^ebie 
3ereifttng derfeifaen möglich maehen, belCen-*«!! 
4ßm .erften . Zwecke ; ForBtohsjümk • bef (tfderB^dea 
S9veyteB(/und waa die Piiatöoatioii betäifty Ib 
:wifd fieum fo leicbterrwerden» je «ehr alle lUahtiei 
jiarbältaÜXe derTbeiliiehiiwr aa^tler Ifotnmg "dM 
Wälder noch zn.nimn^dtU dnrebd&iCatee.baftfMM» 
werden» im die Waldungen und allf Producta der« 
telben noch einen geriiJ^n*Wdrth haben« Haben 
Schaber» die beAnf üglkhfte Bebutfcitag ändernde» 
A«9l|t»Tarh«l«p|^Co diirdi:die <i«wbhAheit fe%%» 



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%yi 1 Elfte* BücK. 



fetzt und find fie in den Zaftand der cultivirtea 
OefeHfehaft abeFgegangeir; ^to:^$f^dtw fie doch fo 
bald als mdglicby obgleitrb nach dem Prineip deir 
Entfcbidigiilig». aufgebobea werden mflfTen, wenn 
der daraus entfpringehde ' Nacbtfaeil niebt noek 
gröber wercha und fiob varewigea folL 

. (• 243. 

I^e Koften far eine folobe Oberaufficbt und 
Regierung der Wflldwirtfafobaft werden dl^dings 
yoo der Rente abgeben, aber döcb in keinen Ver« 
gleich kommeit mit dem Nutxen, der daratis fflr 
die Vermehrung der OrOCse dteÜer Hfente und fOr 
lue Dauer* derfelben entCpringt. 

$• «44. 

Die Verfebiedenbelt der Berölkerung und 
Cttitur tlto den Waldungen nahe liegenden L&nder, 
4ie;Lage derfelben an fchiffbaren StrOitien oder 
Meeren 9 oder in der Nscbbarfebaft anderer wald* 
«eichen Oegendeh» das Vorbandeofeyn atidl»^ 
'Veutfrungsmatenalien »i ^e mit dim Breiinbölze 
conourriren, and mehrere andere Ümftinde^ wer» 
din vorzOgUob dto Art, wie die -Waldui^en M^ 
iMlst werde« kOnAen, b*ft|mmed. 

( ' ' Ltee^ ein Wald von bevölkerten Gegenden fo 
eqgtont^^la&dlefe mit Hohe su wcAilf«Ie#ii ?MXta 



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Von der Stuatsontiahme. 171 

roa andero Orten her icerfeben werden können^ 
«la Arbeiulobn und Transport fflr difcHAhmr jenes 
)Valde$ koftet t fo hat das Hoks ^eVA gar keines . 
Taufcbwerth, nnd ein foloher Wald wird daher 
gar k#ine Rente tragen. 

§. 246. 

In diefem Falle wird der Staat nichts zn thtin 
haben, i^ls auf Mittel zu £nnen» wi%in dem Walde 
felbft oder in deffen Nachbarfchalt eine Bevölke- 
rung zu begrOnden , und dadurch dem Holze und 
abrigen Prpdwt^n des Waldüs irgend ein Werth 
zu verfchaffen. (ey* Oemeiniglich kann dieCes bloCsi 
durch die Vertilgung eioes Theiles diaÜM Wal« 
des gefchehen. . 

$• «47- 
Dici Produc^e Xoloher Waldungen bekommen 
nämlich nach und nach einen Werth. « 

1) Wenn der Staat die Anüedeiungen darin he» 
gfloftigt) indem er Anbauern beftimmteTheile 
fon WaldgrQnden unter einladenden Bedia* 
gungen überla&t. Dergleichen find: a)Zins* 
und Abgabenfreyheit auf mehrere Jahren un« 
ter der Bedingung» dafs fie die Bänme a«s? 
roden» floh daraus Häufer bauen und das 
Land urbar machen; b) Recht, das Orund« 
ftOck mit den ihm anhangenden Bedingungen 
des Staats an jedermann wieder zu verkau« 
fen} c) vollkommen Breye Benutzung. alles 



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174 : JErftes Blich* 



defTeot was er auf feinem Oninde 1>aaeU 
Auch kann ein folcher Wald dem Vi^be der 
Anfiedler Preis gegeben, und die Freyheit 
der Jagd darin geftatiet werden. Vermeh«* 
ren fich dergleiclien Anfi^delungen , fo tlab 
anch Hand werker,* Kflnftler und andere Dienft« 
leute nöthig werden ; fo werden fchon durch 
diefa fowohl die lindHcben Producte der An- 
fiedler als das Holz einen Taufchwerth er- 
halten, und auf diefe Art wird der Waldbo« 
den bald eine Rente tragen. Es werden fo- 
dann die neu 2u verleihenden Waldgrflnde 
fcbon gegen einen Grundzins angebracht wer- 
den, und die ältereii angefiedelten Gründe 
werden nach abgelaufenen Freyjahren gleich- 
falls einen folchen entrichten können. Das 
Maafs f flr den Zins der letztem wird derj e- 
nigeZfns fe^n, zu welchem die neuen Stocke 

I unterzubringen find. Denn um fd Fiel ift der 
Landwerth durch die blofse Natur und die 
Uinftlnde ohne Koften erhöhet worden, und 
folglich gebahrt derfelbe mit Recht. deni 
Grondhecm. 

e) Wenn der Staat Communicationsmittel der 
Waldungen mit bevölkerten Gegenden oder 
mit dem Meere eröffnet. Dadurch erreicht 
entweder das Holz felbft fchon einen fojcben 
Werth, dafs es eine Rente abwirft, öderes' 
kftnnea ^us dem Holze Producte fabricist 



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Von der Stftatsfintiahme. 17^ 

" I '■ ^ ■ .1 ■■ ■ ■ 

werden y die diefen Wertb iiervocbriogeii; 
* als^: Bratter^ Holz)cob{0n, P^b und Tbeer» 
Pottafcbe u. f. w. Dergleicben Fabriken an 
beftimmten Oertern anzulegen» wird der Staat 
Priyatlenten gegen eine beftimmteRenti ver->« 
Satten, und ihnen dazu abgeoieflene Diftrietei 
und beftimmte 2>iträume anweifen. Dabey 
ift nur dabin zu fehen,' dafs eine folcbe Be- 
nutzung der Wälder nicbt mit VerwUftungea 
folcber Bäume verbunden wjrd, die jetst.oder 
. binnen einiger Zeit einen hdbern Wertb ver* 
. fprecben, als die daraus gezogenen Neben-* 
nutzungen, wie: die Fabrioation von Baft* 
decken , Birkenlaf t u. L w. von folcbea Bau« 
roen , die nicht zum Ausroden oder zum un« 
mittelbaren Vwbranch bei^mmt find* 

f 248- 

Ift eine fo grofse Strecke Land mit Waldun- 
gen bewacbfen , dals diefelbe weder mit dem be« 
völkerten feften Lande, noch mit der See in eine 
iblche Verbindung gebracht werden kenn, dab 
ihre Producte de;i*hol2bedörftigen Lindern wobl* 
feiler an Ort und Stelle gefohafft werden kMnen, 
als diefe fie auf eignem Grund uud Boden kflaftllch 
feihft zu erbauen im Stande find; fo muCs der Staat 
insbefondere auf Bevölkerung folcber Waldgegen- 
den felbft denken« %|Diefes^er ift nicbt anders 
möglich, als durch Ausroi^l^g ti^ehfefer Wald^ 



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ITi . Ir£ril06 Btick 



ftceck^B kl dem Jamnii oder aa den Grenzen des 
Wtldes-eof die eben (§. 147«) ang^Ohrte Weife. 

i 249- 
Die Waldcolonieen find aber an foloben Stel- 
len anzulegen» wo fowobl die Wald- als Acker« 
producta den kiobteften Abiatz finden. Daber 
find 

1) die erften Colonieen und Fabriken diefer Art 
entweder an ^em Saume des Waldes, wo er 
zunScbft an volkreiche Gegenden grenzt, oder 
an fcbiffbaren Waffern anzulegen. Denn von 
hieraus werden dieCe fowobl fOr ibre Acker- 
product^ als für die Waldproducte am leich- 
teften Abnehmer finden . ui\d dadurch fo viel 
gewinqeoi dafs fie eine Rente zahlen können. 

2) Wird der Wald an folchen Oertern nach und 
nach dadnci fq dafs dafelbft das Holz felbft 
tchotk einen grdfsern Werth erhSlt; fo wird 

. man mit der Colonifation und Fabrikanlagen 
tiefer in den Waid hineingehen können, je* 
doch wird eS immer am vortheilhaftefien 
feyn» fie an folchen Stellen und in folchen 
llichtungen anzulegen, wo die Communica«-' 
tion mit den fchon bevölkerten Waldgegen- 
den am leichteften ift< Alfo miifs man den 
Flalfen oder guten Landwegen nachgehen. 
Das Holz witd 'Jodann fchon in jenen Wald* 
fegendon einei^pheren Werth erbaltent und 

die 



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Von, der Staatseinhahxne. 177 



die Obdgen Waldprodacte werden durch jene 
Oerter den ihrer bedQrftjgen Gegenden mit 
Bequemlichkeit zugeführt werden. ^Durchdas 
Steigen der Waldproducte. wird aber auch 
die Rente des Waldbodens fich immer wei* 
ter ausbreiten, und fowohl höher fteigen, als 
- auf entferntere und gröfsere Strecken ober» 
gehen. Und fo mufs die Waldrente dem 
Staate ein immer gröfser und gröfser werden« 
^des Einkommen gewahren, indem. er derPri« 
Vftindttftrle Gelegenheit fchafft, aus feines 
Wäldern' Nutzen zu ziehen, und fie dabeT 
doch in folphen Schranken hält, dafe fie wew 
der die Wälder unnützer Weife vernichten, 
noch ihm die Theilnahme an den kOnftigea 
gröfsern Vortheilen der Wälder, wejche auSv 
dep zunehmenden Bevölkerung und Cultur 
des Landes entftehen m offen, entziehen kann» 

Bey derColonifation der Waldlinder wird der. 
Staat insbefondere darauf zu fehen haben, dafr 
die neuea Coionieen das Waldland durchkreuzen, 
und die Waldung nicht in einem Conti nuo flehen 
bleibt» während an einem andern Orte fich die 
Colonieefi neben einander anfiedeln* Denn wenn 
eine folche Ordnung der Dinge gleich manche 
Vortheile fOr die Goloniften hat ; fo wird doch dsL^ 
durch die Abficht , allen. Tbeiien des Waldes nach 
V* Jahob Stmaufinünzwiff» .M 



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178 Erftes Bucbu 



und nach einen Werth zu geben, wo nicht ganz 
vereitelt, doch deren Erreichung weiter hinaus* 
gefchobeni und fällt zuletzt der fich an einer Ecke 
des Waldes zu fehf anhäufenden Bevölkerung felbft 
zur Laft. Deshalb ift es beffer, den Colonieen 
die Pütze zu ihrer Anfiedelung fo anzuweil^n, dafs 
Wälder zwifchen ihnen ftehen bleuten, und dlefe 
durch das Fortfcbreiten der AnSedelungen immer 
kleiner und kleiner werden , bis die fernere Ab* 
nähme das Bedflrfnifs der entfiandenen Bevölke« 
rung verbietet , und die Erhaltung der Wälder fo 
grofsen Nutzen gewährt, als die veränderte Cultur 
de$ Waldgriindes. 

§. 25k 
Je weiter die Bevölkerung eines Landes fort- 
tchreitet, defto mehr nimmt das Uolz^ welches 
die Natur uinConft liefert, ab, und defto höher 
fteigt daffelbe im Werthe, defto gröfser wird da* 
her auch die Rente des Wald bodens, der fich in 
der Nähe bevölkerter Gegenden befindet, oder 
deffen Producte dergleichen Länder mit geringen 
Transportkoften erreichen können. 

§. a52. 
So lange das Holz, welches die Natur um- 
fonft hervorbringt, nicht blofs zureicht, um dio 
Bedarfniffe des Volks zu einem niedrigem Preife 
zu befriedigen , als es fich das Volk durch künft« 
liehe Cultur verfchaffen kann, fondern auch fb- 



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Von der Staatseinn^hme. 179^ 

- -' ' I _' 

viel Ueberflufs vorbanden ift, dafs es nötbig }R^ 
dfffTelbe auszurotten und einer Bevölkerung Luft ^ 
zu machen, die das Qbrige nAtzen kann; fo Iang6 
Ift der Regierung nicht anzamutheo, grofse Koften 
ain dlti Erhaltung ader gar an die Vermehrung des 
Holzes zu wenden. Si^ bat unter folchen Umftän* 
den nur darauf zu fehen : 

I) dafs fie keine zwecklofe Vergeudung des ihr 
gehörigen Holzes dulde, and daher die Nutzung 
des Waldes, wenn fie auch folche noch anifoaft 
geftattety doch nxir nach folchen Regeln ge- 
währet, dafs dadurch der künftigen Benutzung 
l^ein Einfl-ag gefchieht, fondern vielmehr die 
beßere Nutzung dadurch vorbereitet werde; 
a) alle Nutzungen, die fie gegen eine Rente 
geftattet, ebenfalls fo einzurichten, daß wedtet ^ 
der Wald dadurch verwüftet, noch der Benu- 
tzung der übrigen Waldang Schwierigkeiten 
, daraus erwachfen. 

Erläuterung. In der erftem Hinficbt wird fi# ^die 
Untertfaanen , denen l^e freyet Holt giebt , nur auf 
Stranchwerk, Windf^ll, Abgang lu £. w. belchrätt* < 
ken, und das nöthige Bauhols da anweifen, wo et 
nützlioK ift, die Bäume sa Terdfinnea, um dem 
WaohBfchume der übrigen mehr Raum sn verfcba^ 
fes« — In dar andern Hinficbt wird ü% t. B. nicbt 
dulden, dafs bey Fällung der Bäume, die Zweige 
oder unbrauchbaren Stücke liegen blaibafiy und da- 
durch die Wege verßopft und endlich die innem Theüa 
aaa Wald«! naingäBglich wairdau a.f,w. 



M a 



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igo Erftes Buch. 



§. 253. 

Hat das Holz in folcheq Waldungen unter 
den angeführten Umftänden^ einen beftimmten Preis 
erhalten, der jedoch noch nicht daran dei^ken: 
lafst, diefe Waldungen auf eine kOnAlicbe Art za. 
erhalten oder wiederherzuftellen } fo wird der Staat 
am heften fahren, wenn er mitPrivatintelrefrentei^ 
fibereinkommt: i) beftimihte Stellen, aber. die 
^ fich mit ihnen vereinigt, abzutreiben gegen 
eine Oeldfumme, die entweder naclr dem Platze 
oder nach der Quantität . des abgetriebenen und 
zum Verkaufe tauglichen Holzes abgemeffen , und 
durch die Concurrenz der Bietenden 'beftimmt 
wird; oder 2) beftimmte Theile des Waldes zur 
Fabrickung von Holzkohlen, Pottafcfae, Theer* 
fchweelen u« C w. zu nutzen , ebenfalls gegen eine 
beftimmte Summe, die ihm als Rente, es fey auf 
einmahl oder auf beftimmte Zeit, alljährlich ent- 
richtet wird. 

§. 254. 

Wollte der Staat diefe Nutzung felbft veran* 
ftalten, das Holz felbft fchlagen, tran.sportiren 
und felbft rerkaufen laffen, die Fabrication der 
Pottafche, des Theers, der Kohlftn u. f. w. auf . 
eigene Koften betreiben lafTen; fo wQrde der Profit 
durch die Zwifchenhände oft gänzlich rerlorenv 
gehen , und gewifs niemahls fo viel abwerfen , als 
Frivatperfonen ihm geben können, wenn er es ih- 
rer Induftrie überlSfst, dergleichen Gefchäfte nach 



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Von der Staatsmnhahnjie. igi 

Ihrer Art zu verwaltea ; nicht zu gedenken , dafs 
ihn d^gleicbeo Gefchäfte ^in vielfache Rephnun* 
gen und Auffioblen vervvftkeln, die allemahl zn 
Mitteilt diendn könidea» ihn zu betragen und fei» 
nen Profit zu fcbmUjsrki, ' 

f. a55. 

Dient ein Colcher Wald zur Verforgung einer 
Uevptftadt oder eines andern bevölkerten und von 
Waldungen entbldfeten TheiU des 'Landes, und 
beforgt man 9 dafs das Holz durch eine folche Art 
der Benutzung leicht in zu' wenig Hände gerathe» 
•und dadurch es xniglicb wOrde , die Unterthanen 
au ttberthenem; fo laffen fich leicht Vorkebrungea 
dagegen treffen, da es dem Staate frey fteht, ad 
4nehr«ren Orten Hölzer abzuladen ^ und fobald be»» 
^erkt wüi^de, dafs der Holzlieferant hohe Profite 
machte, fich ühr bald mehrere finden würden^ 
die dem Staate die Holznutzung unter denfelben 
oder beffern Bedingungen abkauften, und dadurch 
eine Ocuicarret» bildeten , welche^ das Holz bald 
m feinem nktftrlichen Preife^ herunterdröcken 
^^Mlrde. Eine folche Beforgnifs ift daher bey gt^ 
Aiigiattien HolBwrrüben und bey freyem Zugange' 
Ztt denfelben ungegründet. 



r nachmnd 
i^aliitte^ des -rpn der tJatur freywillig' gelleferteA 



Entftebt aber nachnind nach eine folche Ab^ 



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tt% Erftes Budt 



Holzes, dafe zu fürchten ift, ee ^KFerde bald der 
Fall eifltreten » wo- die Walduagen niii^bt Tnehr ge- 
nug Ijefero ktonen» um die Holzbedflrfniffe za 
befriedigen ; fo wird es Zeil, daCs der Staat darauf 
Bedacht nehme» diejenigen Waldungen, welche 
eine fo vortheilbafte Lage haben, dafs Ge eine be* 
fiiCndige Quelle werden können, um eine rolkrei* 
che Gegend mit Holz zu einem wohlfeiiern Preife 
Bu verfehen , als diefe fich d^ Holz felbft baniea 
oder anderswoher verfchafEen kann, kOnftlichi t» 
erhalten. 

$• 257. 
Diefas kann, nun bloC^ durch eine, kumft^ 
snäfse Forftwlrtbfchaft geCcbehen« . Eine folchis Ift 
fakoftbak-, dafs fie nicht eher Statt 6nden kaon, 
als bis dasi Holz .einen foicfaen Preis erreicht hat, 
der die Ausgaben, fflr eine fiorfhnäfsige Verwaltung 
der Wälder tragt;. Der Statat nduft feine Waldung 
gen als eine Quelle betracbtnn^ dna welcher et eine 
|)eftandige Rente ziehen wHL In diefer Hinfich^ 
wird er feine W^ddung^n mit feines übc^^JDoi• 
mainenländ^reyen tn vergleichen haben. Trägt 
ihm nun ein Morgen Waid , nach Abzug der Ecr 
haltungskoften jdeffelben , . mkuk oben £0 grofsepder 
wohl gar eine gröfsere Rente, als ihm decfelbe 
Morgen tragen würde, wenn er ihn in Ackerland 
verwandeln ISfst, oder ficht er wenigftens ein, dab 
eine (blcbe Veränderung der Ding^ bald ^äjtreten 
matte i fo deutet ihm dief es an» 4lafc es.ZMTtfey, 



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Von dfit StiBiatseinhahine. ig) 

den Wald durcb'eine forftniäfsige BewiHhfcbäftuDg 
zu erbalten. Ein Xolcbes Verfahren wird fowobi 
in natloDalökonomiftircher und ftaatswirthfcbaft* 
lieber, als in finanxieller Hinficbt gebilligt werden 
aa allen. 

f. a58. 
Die kUnftliche Erhaltung nacli dar Forftwirtfa* 
fchaft erfodert nimlicfa , . dafs die Waldbflume all* 
JibrKcb ntor tbeilweiCa nach und naeh in einer fol* 
eben Ordnung gefchlagen y und an der ron Hols 
end>lal^dn Stelle >;deder angebaüet werden « daGs^ 
wenn der letzte Theil an die fiotzung koramt^ dc!r 
züerft genutzte wieder fo weit angewachfen iff^ 
dafs'cMe Bfitäne zur neuen Benutzung r^f find. ^ 
Der^Turnua der Nutzttfng gebt alfo bey einer fol* 
oben Wirtbfcbaft auf ewige Zeiten herum. 

Brl^utel'qng. Die vortheilhaftelle Art , die Waldnn- 
gan auf diele Weile .f\i bemitxen, erfodert Xod«tia eine 
eigene ziemlich weitläufige WirTenfchaft, welche lehrt; 
i) die gründliche Kenntnirt aller 'WalHliäume , ihres 
Nutxens, die vorthcilhaftello Anpflanzungsart einer 
jeden Art, welcher B^en und Clima jeder Gattung 
am angen^eXTenften find , wie viel Zeit ihr Wachsthunt 
tur Reife nöthig hat u. f. w.; 2) wie die Waldungen 
richtig 2U ▼iermeffeh , in Schläge ku thcilen u. f. w. ; 
Q> «de idi« ScUif« foltt U0k%6 gereinl^, Hbdrodam 
wieder. iuni>«ften.' und in der fnöglichft kfir«eften ^it 
wieder mit Holze verfehen vrerden ? — ob es durch 
Sikmett, dder freyc^ Airftihg', od^r durch Anpfflatotung 
fl|i» Baum^hule» g«rc]|eh4 ti« £. w. ; 4) welqhe N^hen- 
nuttungen in den Wäldern Stattfinden, und. wie der 
gröfttc Vortheil daron xu liehen, ohne der Haupt« 
autMUBg tu Miadaa u. i» «r«* - 



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i84 Erftes Buclu 



' Auf diefe Weife erh&lt der Staat eigne Wald^ 

^ guter, die eioä ganz andere Bewirthfchaftungsart 
yerlangen , als die Ackerbaadomainen. Die letz- 
tern find von foleher Natur , daCs fie ihren Ertrag 
nur alljährlich liefern, nnd gut cultiiirt werden 
BiOffen, wenn fie denfelben Ertrag das folgend« 
Jahr wieder geben föUen« Daher können fie Picfa- 
tern anvertraut werden , ohne dafa der Staat fich 
um die Wirtbfohaft der letztern febr bekfimmert» 
da ihr eigpea Interefle fie zwingt, fAr Erhaltung 
des guten ZnfUndes der Lindereyen zu forgen. 
Die Wälder aber könnte der Pachter während der 
, Pachtzeit fo benutzen, dafs fie dadurch fflif die 
Zukunft ihrer Ertragbarkeit verändert würde» 
Auch ein Erbpachter würde leicht in kurzer Zeit 
ein Capital aus dem Walde ziehen können, das 
die künftige Rente vernichtete, und alfo den 
Grundherrn um Xein Stammvermögen brächte«. 

j. 260. 

Um dahec die Waldrente ftitig zu erhalten, wird 
' der Staat entweder die Walduagea Mbft bewirtb* 
fchafteny oder doch die Bewirtfafchaftnng derlei* 
bau Privatperfonen nur unter (blchen Bedingungen 
anvertrauen muffen , daft feine Rente dabe j nicht 
gefährdet wird. Diefes letztere aber (cheint nicht 
anders ausfahrbar» alsdnrch di^Ocgtoifiition einer 



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Von der Staatsemnahme. . t85 

genauen Anflicht auf die Erfüllung der gedachten 
Bedingungen. 

$• 261. 
Was'die Selbftbewirthfchaftung der 
Waldungen anbelangt} fo mufs diefelbe» wenn fie 
Statt finden foli» in zwey Zweige getheilt werden : 
l) in die Pflege der Forften , ihre Erhaltung und 
Benutzung bia zur Ablieferung des Holzes zumVer* 
kauf} a) die Beforgong des Vorkaofs des Holzes. 

%. 262. 
Das erftereOefchSft'mufs durch Perfonen Ter- 
richtet werden, welche die ForftwifTenfchaft grOnd- 
llch erlernt haben. Weitläufige Waldungen erfo- 
dern fodann eine förmliche Organifation diefes 
Perfonals. Eine Forft-Centralbehörde^ die auS 
gelehrten und erfahrnen Forftkundigen znfammto- 
gefetzt ift» wird eine genaue Eenntnifs aller Wäl- 
der des Landes in fich concentriren , richtige Vef« 
' meffuogen und Eintheilungen der Wälder beforgen, 
die nötbigen Communicationsmittel eröffnen, die 
Wirthfchaft und Benutznngsart der Wälder beftim- 
men, oder die Vorfchlige der untern fieilörden 
jprafen^v genehmifenu. f. w. Ueber die verfehle- 
dienen Waldctiftriote werden Provinz^aibehörden 
und Oberfor^ftmeifter gefetzt» und die kleinem* 
TbeUe mit Ober- und Unterförftem verfehen wer* 
den^ welob0 die. Befehle der hohern Beb^de^ 
ausführen, und die dkonomifche Bewirthfchaftung 



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sB6 Erftes Badb. 

der tidlzer bis auf den Punct betreiben, wo fiein 
verkiuflicfaea Zuftand gefetzt find« 

A n m. D« diefer Theil der ForftrtrwaUung gant tech« 
nilch ift $ To ge^9rt die Auif flhniDg deXTelhen nicht ia 
die Finanswirrenfchaft. Die Forltcollegia aber müCTen 
unter der Finanzbehördö fteben, da lie derfelben ein 
Bbikommeii vtrlokeftni reU«n , und die Fitieiitbd]|4tedte 

I mufs KenntnilXe in (ich. rohliefsen i welche das Verfah- 
ren der Forftbedmteii richtig zu beurtheilen im Stande 
* .'lind. 

Dafs denfelben Perfonen, welchen die Wald« 
wirthrchaft anvertraut wird, auch der Verkauf 
der Waldproducte anvertraut werde , ift nicht 
anzurathen , weil dabey Unterfchleif gar zu leicht 
jnögl^ich ift, und der Eigennutz zu viel Gelegenheit 
findet), das Einkommen der Krone zu vermindern. 
Es .ift daher beffer^ die Forftbeamten von aller 
Einmifobung ' in den Verkauf der Waldproducte 
gänelich auszufchliefsen , und felbige blofs auf die 
Erzeugung , Stellung und Ablieferung de,s Holzes 
zu befchränken. 

Dfer Verkauf des Bolzes kann gefchehen: 
3) auf dem Stammt; i) naelidem es gebauen, ein» 
gerichtet, geklaftert ift, iladh Einern beftimmte» 
Maafse, im Walde j 3) an Oertern, wo es znr 
Befriedigung der Bedorftiiffe dient, ^om Sdi^, 
Kahne oder Fuhrwag^n ab, oder aus Magazinen. * 



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* Von der Staatseiimahmf« 187 

§• 265. 
Man fieht leicht, daEs das Verkaufsgafcbift 
mit jeder diefer drey Arten zufammengefetztcr 
wird. Die einfacbfte Art ift der Verkauf auf dem 
Stamme. Ihm ßeht eine Schätzuog dea Cubik> 
iahahs oder des Qewichts der eu Terkaufeadea 
Bäume vorher. -^ Uebernimmt der Staat die 
Falluog des Holzea« fo muls ei^ .Arbeitslohn fdr 
Fillen, Setzen u. f. w. vorfchiefseo» und dadwrefa 
wird natOrllch fein Gefcbäft zufeoimen^eletzter 
und weitläufiger; fSbrt er es gar felbft auf den 
Markt und verkauft es aus Magazinen, fo kom* 
mpv^, noch die Koften der j^r^cht» der UnterhaU 
tung und Adminiftration <fer Bewaehung *der Ma- 
gazine, und die Befoldung der Beamten, welche 
den Verkauf u* L w. belorgeiiy hinsuv 

f 266. 

Da nun die Erfahrung allgemein lehrt, da(s 
In der Regel alle Oefchäfte und Arbeiten dem* 
' jStaate höher zu ilehen kommen, als Priratperfo« 
nen»^ wenn er folche frey betreibt, welches auch 
ganz narärlich ift, da er immer duri^h' Mittels- 
männer ^handeln mufa ; fo wird man fich nicht ir- 
ren, wenn man annimmt, däfi das Holz durch 
^1?civatuiiternebmer wohlfeiler geflllft, wohlfeiler 
geUafeert , wohlfeiler auf den Markt gercbafft, 
wobiCeiler in den M«kgazinen adminiftrirt werden 
Juno n«. £• «• -*-* ObU folglioh das Holz defto 



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i^8 • Er|les Buch. 



wobIFeiler an das Publicum gelangen kann^ je mehr 
die Oefchäfte, welche zur Ablieferung defTelbeii 
In die Hände der HolzbedQrftigen ndthig find» 
den Priratleuten überlafTen werden, ohne dafyder 
Staat deshalb ein geringeres reines Einkommen 
▼on (einem Hohrerkaufe erhält* Aus Öiefen Orüti- 
tJen fcheintderVerkauf desHolzes^auf dem Stamme» 
fowofal in nationalökonomiftifchrer als finanzieller 
Hinficht, Torthfeilhafter, als der Verkauf in abge- 
iöften Stämmen oder in Klaftern; der Verkauf inei 
Wulde Tort heilhafter, als in Magazinen u«f. w. 

Aum* 1. Frey lieh wird, wenn die Wahrheit diefer Be- 
merkungen höh bewähren Toll, voraacgefetxt, dafs deir 
Holzhandel* nicht plötilich geändert i (ondern die neue 
Einrichtung allmähli^ bewirkt wir4r Wollte ein Staat, 
i^r bisher fein HoU in Magazinen verkaufte, pldtalich 
feine Methode ändelAi und den V«Vkauf iaa Walde -ein* 
führen ; fo würde er wahrfcheinlich das erfte Mahl und 
vielleioht noch einige folgende Mahle einen ^empfind- 
lichen Verluft dabey erleiden. Denn ee find kei- 
' ne Gapitale bereit , tim mit cinetii Mahle eine fol- 
» che HolzmafTe zn kaufen und in den Privathandel 19 
bringen. Der Verkauf würde aifo reu einigen weni« 
gen Heiehen gefchehen, die, das Monopol in Händen 
habend, ,fich ihre Vortheile xn Nutse mac^ei^ und 
fb wenig als möglich bieten würden. Würden aber 
andere Unternehmer den Profit bey folchem Handel 
gewahr , und gewönnen Zeit,* ihre Gapitale von ändert . 

1 . itaindervoriheilhfftenUnterhehmangeniQHlicktusi^llMn; 
fo würde für das Holz bald durch die Concurrenz der 
natürliche -Preis bezahlt werden. Die Regierung würdb 
dann e^nen foldhen Preis für ihr Holz im Walde erlnL- 
t^n , der demienigen vollkommen gleioh wäre ^ der 
ihr nach Abzug ihfer VorfchüITe übrig blieb, als'fie et 

' im Magazine vtokiitifte; der Prlratunteni^imer irfUlde 



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Von der Staatseinmahme. xg^ 

durch feine fparliunere Gefchäittführung leinen GepiUU 
und Untemehmergewinn tiehen, und doch noch das Holz 
wohlfeiler an das Publicum ablafTen können , als di^ 
Regierung , und •• aucli wi^Jklich wehlleiler ablallen» 
wenn nur fonft die Concurrenx des Holzhandels ganz 
frey bliebe. 
Anm. »• Selten wird der Preis des Holzes» den es der 
der Regierung felbft zu ftehen kommt» getiau burech. 
net ; am wenigßen berechnet man die Zinfen des im 
unverkauften Holze deckenden Capitals und die nöthi- 
gen Pr^U davon. Es geht aber doch diefes alles f&r 
den Staat verloren , und was er hier verliert oder gjH 
winnt, mufs er natürlich dem Volke auf einem andern 
Wege abnehmen, 

i. 267. 
Ob es nötbig^fey» dafs die Regierung den 
Holzhandel felbft bis ins Detail wegen des allge* 
meinen Wohlfeyns, felbft wenn er dabey verlöre, 
in Händto behalte, will von PrIvatbolzbSndlern 
monopoliftifche Pfeife erzwungen werden könnten»^ 
ift eine Frage, die der FinanzwilTenfchaft fremd 
ift, und in die WifTenfchaft der innern Staatsver« 
waltung oder der Polizey gehört. Mit 'diefer wird 
die Fioanzbehörde . folches auszumachen haben. 
In der FinanzwilTenfchaft unterfuchen wir blofs, 
wie fich der Staat fein gröfstmöglichftes Einkommen 
auf die einfachfte und woblfetifte Weife fiebere. 

Anm. Die FinaniwilTenXiBhaft darf allerdings keiifo an- 
dern Methoden \ die Staatseinnahme zu bewirken ^ zu. 
lafTen , als Xolchc 9 die nationaldkonomillifch find , fo 
lange es nur möglich ift. Sie wird alfo die Discuffion 
mit der Behörde des allgemeinen StaaUhanshalts nicht 
Yermeiden können , fobald diefe eine ^^inanzmaafsregel 
lOx antinationalöhovomilÜIcli «nagitbl. Allein at wird 



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I90 'Erftes Buch. 



ikr »iolit fohwer wer4ea , zu beweifen . dftfs et viele 
Mittel giebt, der monopoliftifchen Tendenz der Holz- 
hlndler entgegenzuwirken ^ ohne daff der Staat de« i 



HolshaiuM Xelbft fühlru 



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i 



§. 268. 

Es fahrt vielmehr derHolthandelJn den Hin* ^ 

den des Staats leicht zo den Nachtheilen , die man | 

vermeiden will. Denn fo gut es die Regierung 
auch anfönglieh bey Uebernehmung des Jlofzhaa* 
dels meint, und den Unterthanen dadurch das 
Holz zu billigen Preifen fiebern will; fo will fie 
doch natCIrlicber Weife auch ihren Handel nicht 
umfonft treiben , fondern vielmehr Vörtheil davoa 
haben. Bemerkt fie nun 

j) dafs fie diefen Handel allein fahrt und den * 

Preis in ihrer Gewalt hat; fo werdeii Noth« 
^ fälle und GeldbedQrfniffe f>e gar lefcht ver» \ 

leiten, fich durch erhöhet^ Hohpreife zu hei» 
fen, alCo das Monopol zu nutzen, dem fie 
entgegenwirken wollte. 
9) Treibt die Concurrenz des Privalholzhan* 
dels, wie diefes häufig gefchieht, die Holz» ' 
preife fo tief herunter, dafs^ dadurch der Ge- 
winn der Regierung an ihrem Holzhandel 
gefcbmälert oder wohl gar vernichtet wird; 
{o will fie doch diefe Quelle ihres £inkoni« 
mens nicht ganz einbüfsen, und wird dana % 
leicht verleitet, dem Privatholzhandel Schwie« 
cigkeiten entgegenaufotseiiy ihm mit Abgeben 



Von der Staateeinnahme. 191 

ZU belafteovod auf allerleyAit einzufchränken : 

lauter Maaüsregeln , die ihr Vortheile oder das 

Monopol des Holzhandels v^rfcbaffen* All#^ 

diefe BemerkuDgen gründen fich auf wirklich»^ 

Fäüe. ^ '■ 

Annu Wfirea audi die obetXten BehSrden Ton foleheii 
eigenTüchtigen AnEchteh £rey, Xo lind ef docb die ubm. 
tern WirthTchaftsbehörden niemalih. Denn ihr Ebr* 
geiz befteht darin , den obern Behörden Torznfpie- 
' geln» dafs ihre WirtbfcbafUbran'che dem Staate eine» 
grofcen reinen Giewipn abwirft. Diefen aber erzwin« 
gen fie am ficherlten durch Aarken Dcbit zuMonapol- 
fureifen. Daher fle denn alle möglichen Wege verfa- 
chen» ißdt Preife ihrer Frodnote zu erhöhen » und ih« 
nen einen erweiterten Abfatz zu verfchaffen. Wird 
ihnen gar gedrohet , ihren bisherigen Abfatz zu 
Aihniälem ; fo wird alles , auch das Ungerechtelle, in 
Bewegung gefetzt, um diefes zu hindern« Eine 
Menge Mittel daza finden iie in jedem Staate, wa 
die Kegierung Privatwirthfchaft treibt und fich in- 
diefelbe mifcht« Geletzt, ein Privatmann habe ein» 
Salzwerk, deCTen Froduct von der Kegierung bishef 
gekauft worden« (tiefes Werk nehme bisher Holz 
und Kohlen von der Kegierung «^ aber Privatleute 
bieten ihm die Feueruitgsmittel wohlfeiler an« Wollt* 
der Privatmann diefes Anerbieten annehmen ; fogleioh, 
wttrde das Bergbauamt dahin arbeiten , ihm den lan- . 
deeherrlichen Salzdebit zu f ehmfilern , odtit ihm fenft 
Schwierigkeiten in den Weg legen , woran es einer 
Behörde, die das Recht hat, fich in die Privatwirth- 
f chaft zu mifchen , nie fehlen kann , um die Salin« 
zu zwingen, die hevrfdiafüielien Ftuerungimittel zu 
höherm Preife zu kaufen« ^ 

$. 269« 
Es fcheiiit daher in derXbat viel beffer, wenn 
fich der Stau: von jedM Art des eignen Handele 



• 



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i9a Erfles vBuch* 



» I 



— r— — ^ ~ ' ■ — ' 

mit dem Holze fosniacben and fQr den Wald|[rund 
dic^ reioe Rente ziehen kann. Es wird dieCes um 
fo. leichter andrehen» je mehr fich der Volksreich» 
^nm Tergrörsert, und fich Capitele in d.en Händen 
der Privatleute fammeln, welche eine vortheilhafte 
Anwendung (uchen. In diefem Falle werden fich 
immer Unternehmer in Menge finden, die das. 
Holz mit der Wurzel oder wenigftens in Stämmen 
vnd Klaftern kaufen , und es den Bedarf tigen auf 
eigene Koften zufahren. 

i. 270. 

Noch vortheilfaafter fcheint es zu fejrn , wenn 
4fit Staat fich auch diefes Theils der Adminiftra- 
tion oder ' Wirthfchaft der Wälder entfchlagen, und 
PrivatperfOnen denfelben nach forftwirthfchaft- 
liehen Regeln flberlaffen kann. Der Staatsbe- 
hörde wird fodann nichts weiter flbrig bleiben, 
als. Oberauf ficht» dafs die Bedingungen bey der 
Benutzung genau gehalten worden. Auf diefe 
Weife könnten entweder 

2) die fch|agbaren Flecke an PriTatleute, Ter- 
kauft« und deren Abbringung in einer be* 
ftimmten Zeit, nach beftimmten Vorfchriften 
ihnen flberlaffen werden ; oder 

3) man könnte auch in ächiäge abgethellte 
Waldgfiter grQnden, uHd diefe in Erbpacht 
geben, unter der Bedingung, dafs der Wald 
voip dem Erbj^acbter ftets in fqrft^irth(chafks«i 

mäfsi« ' 



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Von der Staatseinnahme« 193 

.1 * ... 

mäfsigem Zultande von ihm erbaiteo, und 
ob diefes gefchühe, jährJicbe Revifion gebal* 
teo würde* ^ 

3) Selbit eine Zeitpacht läfst 6ch bey Forften 
anordoen, wenn die Sehfige beftimmt wer* 
dei^ die |fihriieh abgetrieben werden können, 
nnd fowobl die Arten derBenntzung, als auch 
die Wiederbefetzungder ausgehauen'en Stellen 
- nach i'orftwirthfchafrliehen Regeln beftimmt 
und darüber Revifion gehalten wird. 
Es fcheint jedoch auch hier die £rbpacht den Vor- 
cug zu verdienen, da dem Erbpacht er daran gele- 
gen feya naufs, den Wald in gutem Stande zu er^ 
hdlten, weil er nur dadurch die Quelle feines Ein* 
kommena auf ininiei^ fiebert, und' auch den Capi* 
talwerth des Waides erhält. 

$• «7'- 
Jeiocfa dOrfen Erbverpaphtungen Ton Wal- 
dern nicht ehei" vorgenommen werden, als bis 
einerfeits die Wälder felbft in eine forftgereehte^ 
Ordnung gebracht, und andererfeits die Holzprieife 
eise foiche Höhe erreicht haben, dafs ein beträcbt« 
lieh höheres Steigen derfelben nicht febr wa^r« 
fcbeinlich ift. Diefes Wird der Fall feyn, wenn 
fich die Rente des Holzbodens der Rente der Wie« 
fen and At;clfer iiihert Diefes iSb deshalb nöthig, 
^ weil fonft l) der Preis des Holzes, den der Erh- 
pachter als Gewinn uDd"" als Lohn fOr feine Ver^ 
V. Jakok Stßtttifinantwijf. '* N 



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^94 Erftes Budi. 



waltung zieht, qpd 2) insbefondere das Erbftand^* 
^eld, welches er far den Verkauf feines Erbpacbts- 
gates in ein zu Tortbeilhaftes Verbältnifs far ibn» 
und in ein zu nacbtbeiliges VerhiltnKs fflr dea 
Staat 'gerathen, und diefer das Prodnct der Zeit 
und der Umftände gänzlich verlieren wflcde, wel* 
cbes ihm doch mit Recht gebührt. 
J. 272. 

Dafs diefes beym Erbftandsgelde gefchehen 
mflfste, läfst fich leicht zeigen. - Denn man fetze, 
es werde zu einer gewiflen Zeit, wo das Holz 
noch fehr wohlfeil ift, und die Klafter im Walde 
etwa mit I Rthl. 1 2 Gr. bezahlt wird , bey Ueber- 
nehniung der Erbpacht ein Erbftandsgeld von 
10000 Rthl. bezahlt; fo ift diefes Geld, angenom- 
men , dafs das Arbeitslohn 1 2 Gn fär die Kkftjer 
betrage, 1000 Klaftern im Stamme gleich. "—• Nup 
fetze man, der Holzpreis fteige binnen too Jah* 
ren , blofs wegen gröfserer Bevölkerung und Abr 
nähme der Wälder, bis auf 4 Rthl. 12 Gr. die 
Klafter im Walde ; fo wird der Erbpachter beym 
Verkauf feines Erbpacbtsgutes , wenn der Befiand 
gleich nicht um' eine Klafter vermehrt ift, wenig* 
ftens 40000 Rthl. erhalten, die, wenn der Staat dea 
Wald behalten hätte, ihm zu Gute kommen wflrden. 

Aber es gilt diefes auch 'felbft vom Erbcanon. 
Denn wenn gleich diefer Canon in Waldproducten^ 
nämlich in einer beftimmten Quantität von Hblz, 
und diefe nach einem Durchfcbnittsprelfe mehre- 



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Voii der Staatseinnahmen 195. 

: — , — , ^ > — ^ 

rer vorhergehenden Jahre zu Gelde gefchlagen» 
und diefe als Canon für mehrere folgende Jahre 
beftimmt würde; fo würde dadurch zwar dem 
Staate der fteigende Holzpreis im erhöheten Geld- 
canon zu Gute kommen. Allein da der Pachter' 
beym Antritte der Erbpacht fowohl feinen eignen 
Capital- und Unternehmergewinn, als auch die 
Füüiiiagskoften und a,ndere VorCchOlTe nach den 
Holzpreifen berechnet hat; fo mufs er natürlicher 
Weife vielmehr, als feine Rechnung damahls be- 
trug, erhaHeny wenn das Holz im Preife fieigt, 
weil er jene Oewinnfte und Auslagen in bdarem 
Gelde beftreitet, der Arbeitslohn und die Qbrigen 
Kofien aber bey weitem nicht in der Proportion 
der fteigenden Holzpreife in die Höhe gehen. 

Erlftaternng« Man fetze t. B. , dat im Texte erwähnte 
Waldgnt gebe forftmäikig jShrÜok sooo Klaftern Btenn- 
holz» welehe xnr Zeit de« Anfang« der Erbpacht i Athl. 
IS Gr. die Klafter im Walde gelten, wo«K>n ias Arbeits- 
lohn la Gr. ausmachen mag ; der £rbcanon fey auf den 
Werth von 500 Klaftern in Gelde, alf o 450 Rthl. für die 
erßen go Jahre feftgeftellt ; £0 licht die jährliche Kech* 
nung des Erbpachters für diefe Epoche f o : 
£ i n n a h m e fftr aooo Klaftern Hell 

lu 1 Rthl, 1% Gr. . • • 5000 RthL 

Ausgabe: , 

a) 2Unfen f&r 10000-Rthl. Erb« 

lUndacapital ii 5 Proc 50oRtiil«. 

ft) Arbeitslohn für aooo Kl. 

Hole & la Gr. • 1000 — 

5)£rbftins50oKl.kiRth. laGr. 456 — 
4) Anderer Wirthfchaftsauf. 

wand . . . 450 >— agoo Rthl. 

PolfUch reines Einkommen d. Erbpachters 700 Rthl. 

Na 



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196 Eriles Buch, 



Nun (Teile man» dalsiür eine der folgenden Epochen 
Der Holzpreif 4 Rthl. la Gr« die Klafter ley) lo würde 
' die Rechnung lo ßehen : , -- 

Einnahme für aooo Klaftern HoU 

ii 4 Rthl. IS Or. • ' * ^ 90€»RthU 

Ai\sgabe: 
' i) Zinfcnför loooo Rthl. Erb- • 

ßancbgeld • . 500 RthL ^ 

8) Arbeitslohn für 2000 Kl. 
HolZy 55f Procent höher 
geg^n das vorige • i5eo — 

5) Erbzins^sooKL &4|RthL 1550 — 
4) Andere Wirthfchaftskoften 
ebenfalls 55! Proc höher, 

ab in voriger Epoche 560 «^ 5950 RtM. 

Allo reiner Gewinn des Pa^i^hters 5670 RthL 

>VilI man den Preis auf dem Stamme bey BeiUmmung 
des Canons zur Grundlage fiehmen; lo. würde diefet 
die Rechnung doch immer nur wenig znm Vortheila 
des Staats Kndern, weil 1) bey den url^rflnglich ' ge« 
ringen Preifen des Holzes dem Erbpachter immer eine 
proportionirlich große Maiüe tum Wirthfohaftsbetrieb 
und zu feinem Gewinn überlalfen werden mufs, die 
feinen Gewinn hey Zeigenden Uolzpreifen unproportip- 
nirlich ▼ermehrt; und 9) weil das Holz, was dem Pach- 
ter für das Erbftandfgeld gelalTen werden mufs, bey 
neigenden Preifen ihm den ganzen Ueberfchufs des 
Preifes für die Quantität diefes Holze» zuführt. So 
wird der hier in . Rede Hebende Erbpachter nicht 
10000 Rthl. Erbltandsgeld gegeben haben, wenn er 
nicht wenigltens zu der Zeit, als^ er den Erbpacht 
fchlofs, 400 Klafter« jfihrh'cfo dalür rechnen kpunte^ 
die ihm, nach Abzug des Arbeitslohns, damahls 400 Rthl« 
jährlich werth waren. Nach 50 Jahren aber, wenn 
das Holz auf 4 Rthl. 12 Gr. gelliegen ift, find iie ihm 
1600 Rthl. werth, und davon erhält der Staat nichts. 
Eben fo rechnete er auf Arbeitslohn und Wrrthfchafts- 
holten domahla 5 — 600 Klaftern , und fo viel hefteten 
ihm beyde Artikel auch .wirklich. Nachdem aber der 



• 



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Von der Staatseinnahme. 197 

HoUpreit auf 4 Rth}. is Gr. g^ftief«» , l>eftr«itet er 
beyde Artikel vielleicht mit dem Wertlie von 300 Klaf- 
tern , und Äie tibr%en fallen rein in feine Tafche. ' 

» Um alfo dieTen Verluft zu vermeuleii, darf 
der Staat 6cb nicht eher zur Vererbpachtung der 
Waldgflter entfcbllefsen , ^Is bis die Holzpreife 
obige Hdhe ($. ayi.) erreicht haben. Und auch 
dann eifodeit es die Verficht, dafs^das Erbftands« 
^Id geringe, der Canon derHolzwirthe aber hoch 
bedungen werde. — Wendet der Unternehmer 
Gapitale an itie Verbefferung des Waldes, fo kom* 
men ihm diefe immer zu Gute, da hierdurch der 
Capital wertb feines Gutes erbdhet wird, ohne dafs 
fein Canon fteigt. — Ja der Staat jTvird wohl thun, 
wenn er dergleichen Verbeffierungen dem Erbpach- 
ter zur Bedingung macht, und dann lieber gar 
kein Erbftandsgeld fbdert, fondern alles auf den 
Cdnon fchiägt Der Erbpachter behält fodann 
das Capital zur VerbeHerung des Waldgrundes in 
den Händen, und die Anwendung fdavon fiebert 
der Regierung ihren Ganon eben fo gut, als wenn 
er ein Erbftandsquantuip gezahlt hätte. Der Wertb 
aber, den der Pachter dem Walde durch fein Ca» 
pital giebt| gebahrt ihm mit Recht« 

f «74. 
Bis diefer Zuftand dei^ Dinge eingetreten ift» 
wird ein nach Grundfitzen d6r Forftwirthfchaft 



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#* 



I9SI Erftes Buch. 



bedingter Zeitpacht der VnUder dem InterefTe des 
Staats doch immer beffer zufageo, als eigne Be- 
wirthfcbaftung. 

$• 275. 
* Sollen Wälder ganz abgetHeben werden ; fe 
}ft es in den meiften Filien ebenfalls am vürtbeil* 
)iafteften, das darin befindliche Holz an Privat* 
Jeute zu verkaifen, und ihnen deffen Abtreibung 
in beftimmten vortbeilhaften Frlften, fo me die 
Ausrodung der "Wurzeln und gänzliche Reinigung 
des Bodens zur Bedingung zu machen. Ein fo ge- 
reibigter Boden wird fich fodann deito leichter als 
Domainengut fflr andere Zwecke benutzen lafTen. 

An in. Et kann viele Falle geben ^ wo die Abtreibung 
der Wälder felbft in Xolchen Gegenden , die fich nicht 
in den f. 316 u.' f. angeführten Umft&nden befinden, 
rathfam ift. Iß Holz in Ueberflaf» aus fernen waldrei- 
chen Gegenden zur See oder auf FlOiren zu bekommen $ 
bietet die £rde Steinkehlen oder fonitige Pei^erung»- 
materialien in Menge an : £0 wäre es th^richt , Wal- 
dungen liehen zu lallen, die, wenn Re in Wiefen oder 
Aeoker verwandelt werden, 10 ja 100 Mahl fo vielRenie 
geben 9 und «ine viel gröltere Volktmenge erhalte« 
können« 

f. 276. 

Macht fich der Staat auf diefe Weife von al« 
1er Waldwirthfchaft frey; fo hat er in Anfehung 
der Forft^ nichts mehr nötbig, als: 

1) eine Behörde, die auf ErfdUung der Bedjn* 

gungen der Contracte mit den Privatleuten 



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Von der Staatsemnahme. 199 ft^ 

. : — •. ^ , ^ 

fiebt, und Auffeher, welche die £rbpacbtec ^ 

^ in ihrer VVirthfchaft controlliren $ • , 

. 3) die Berechnung der Durchfchpittspreife des 

Hoke$ zur neuen Beftimmiing der Rente Aach 

den verflofTenen Termmen; * 

3} die JEionabnie der Renten. Diefe wird fo« 

dann zur reinen Fioanzeinnabme^ 

■ Ven den Staattbergwerktv* 

S. 277. ^ ^ 

Die Bergwerke g^ören zu den Domainen^ 
in wiefern fie der Staat als Oruadberr, gerade ua- 
t^r demfelbeo. Titel, wie ^eder Privatmann beätzt^ 
als: weil fie>auf dem Grund undBodep (einer Land^ 
gater, Waldungen u, f. w- liegen^ oder weil er fie 
geerbt^ gekauft oder auf eine andere gefietzliohe 
W^fei erworben hat. Wir unt^cheiden daher 
die Domainenbergwerke von denen, auf welche 
er aus dem allgemeinen Regierungsrechte als Re- 
galien Anfprneh bat. Uierift Uofo von der er* 
fien Art der Bergwerke die Rede; von den Berg- 
werken als Regialien bandelt der folgende Ab* 
fcbaitt. 

f 278. 

Wenn das Domainengebiet nfltzliche Mine« 
nlien in fich fchliefst;' fo mttfs dem Staate nalOr- 
licKy [o wie jedem Privateigeotbam^r» daran gelegen 



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ftoo Erftes Buch. 



ttjn 9 diefelben zu Tage zu föcdero. Und da die 
Förderung der MioeraUea aus der Erde vermittelft 
des Bergbaues gefcbiebt; fo wird die ^egiemog 
auch wauCbhen mflffen» dtfs auf ihren Gfitern der 
Bergbau getrieben werde« wa er ei(i* Mittel ift> 
das «Einkommen derfelben zu vermehren» Dena 
in finanzieller Hinficht kann er diefes nur in fo 
weit wQnfcben, als daraus ein reines Einkommen 
fa^4^n entfpringt« ' 

Ob aber der S(aat feine Bergwerke auch folle 
bearbeiten laffen, wenn fie ihm kein reines Ein^ 
kommen gewahren , blofs weil das Land dadurch 
doch mit Mineralien verfeben , oder weit dadurch 
Arbeiter ernihrt werden» ift eine Unterfuchungt 
welche in die Nationelökonomie und Landespolizey« 
^T^ffeiircbaft gebdrt. EKj» FinanzwifGittfehaft kann 
an den Bergwerken nur fo weit ein InterefCe neh- 
tnen'; als fie eioen reinen Gewinn bringen ; ;fonft 
mub fie dierelben als eine Urfache tler Staatsaus- 
gabe betrachten. 

$• ^79- 

Da die Beurtheilung, ob dife Eröffnung einef 
Bergwerks Gewinn bringen wird, von vielerley 
eigentbümlichen Kenntniffen und Erfahrungen ab- 
hängt; fo bedarf ein FinanzcoUegium» dasBerg^ 
, werke zu Einnahmequellen hat, bergbauverffKndige 
Leute» um von ihnen die GrQnde der Wahrfchein« 
lichkeitoderGewifsheit zu vernehmen, dab esvor» 
theilhafi fey, an irgend eaner Stelle auf dem Doipi* 



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Von der Staatseinnahme. aoi 

nialgnuMa ein Bergwerk zu eröffflea* I>etlniU> mrd 
in eioeui Lande, deflTeQ'Regieroog^iele Bergwerke 
beBtzt, ein befosderes Perfooal nötbig-, das aus 
tbeoretifcben und praktifbheD Bergwerkskundigen 
znfammeDgefetzt ift, und welcbes als MUtelsperfon 
znr Belebrung dea FtnanzcoUegiama erfidraint. 

§• 280. 

Wenn derfiergbm nur dadoueh ein reines 
Einkommen bewirken könnte, dab 

1) der Bergbau felbft monopolifiifcb gehand* 
habt werden mflfste, indem das Aufkommen 
der Pri 7a tberg werke gebindert oder liiit Ab« 
gaben beläftigt würde; oder 

2) dafs die Producte des Bergbaues monopoli- 
ftifcb verkauft werden mOfsten, indem ihnen 
durch Verbot der Einfuhr diefer Producte 
oder durch andere kflnftliche Wege ein höhe- 
rer Preis TerTchafft^Qrde, als fie fonft haben 
könnten : fo'^kaniri eine gefunde Finauzpolitik 
dergleichen Bergwerke nicht als die Quelle 
eines reinen Einkommens betrachten. Denn 
der Gewinn rabrt in diefem Falle blofs ton 
dem erkQnfielten hoben Preife hör. Die Ein- 
nahme diefes Gewinnes könnte &ch der Staat 
auf eine for die Nation viel vortheilhaftere 
Weife dadurch verfchaffen » dafs er ihn von 
den Producten, die er jetzt monopotiftifch 
fördert und monopoliftifch verkauft , als Ab- 



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i 



202 Erftes Buch« 



gabesKÖge« und ifag^eii die C<mciirr«nzder 
InUoder und Auslinder frey liefst; Dadorch 
wOrde ^ ' . 

I« die Indttftrie der Priratperfotten geweoktt 
jund jene min^ralifcfaen Producte zu einem 
wohlfeilem Prei£a, geordert ; lind wenii 
diefe fie nicht wohlfeil genug tiefern könn- 
ten, wQrde 
* t» dlefes-die Goncurrenz der Auslinder thun; 

fo dafs a) felbft mit der Abgabe, die zum Crfatz 
des erkönflelten reinen Einkommens aus den 
Staatsbergwerken aufgelegt wäre, doch die Pro- 
ducte wohlfeiler verkauft werden vVflrden , als es . 
vorher der Staat thun konnte. Gefetzt aber aucl^, 
b) die Preife blieben wegen der Abgabe diefelbeh ; 
(o würden doch die Capitale und die Induftrie, 
welch^ auf die kflnftlich erhaltenen Bergwerke 
verwandt wurden, auf eine vortheilhaftere Art 
angelegt werden, als der Staat fie im Bergbaue 
befchäftigt, und folglich mehr gewinnen, als in 
jener erkflnftelten Befchäftigung, Dadurch aber 
würden auch Mittel gefchafft werden, um die Berg- 
werksproducte und in ihnen die Abgabe zu bezah- 
len. Jene Mittel aber entzieht der Staat den Un- 
tertbanen durch die Betreibung eines fo mifsver- 
fiandenen Bergbaues. 

Anm. Der Einwand , daCi die CapiUle tur Betrei- 
bung*, def Bergbaues doch eintnahl in den Händen des 
SXMMt» ,, uttd die^ Bergleute moht tu andern Oefchäf- 



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Von der Staatsemnahme. aöj 

•' ■ 

nicht nin« Denn, unfere Behauptung geht dahin , ^[$ 
*der Staat dergleichen fehlerhaften ^erghau gar nicht 
anfangvn foUe. In divfem Fn^e wird er i) die Gapi- 
tale «um Bfvrghau nicht Xanunolii , üe werden in* d«n. 
Händen der Privatleute hleihen und durch fie nützlich 
angewandt werdeti ; »y es werden keine faherflüffigen 
BergUttte«)ltft«h«a, und die Laute | welche der Staai 
durch leine hünMichen Opfrationen sum Bergwef^ 
xiehty werden fich, wenn jene unterbleiben, andern 
nüttlichen BeTchiftigangaii tddmen, wcxu Capitäle, 
diefonlt d«r Bai^au Terfdifalctoi.wIMep, hlnUttgi^* 
che Gelegenheit gehen. — Ift aber der Fehler einmahX 
begangen, und ein monopoli^fchefBergwefen in Gang 
gebracht ;' fo möften freylich vorfichtige Maaff - 
zegeln xur Verbederung des erßem und Wiedarahfchaf « 
fung des letztern getroffen werclen« Hier wollen wir 
nur bdweifen', dals'eine monopoliftifche Betreibung det 
Bergbanet eine antinationaH>koneimftifehe u«d al/o 
fchlechte Fin^xmaaTsregel iß. 

$. 281. 

Oewöhnlich 6iid es die Bergwerksbeliördeii, 
welche dergleichen verkehrte und antinational* 
ökonomiftifcbe Nutzungen der Bergwerke anrathen. 
Nur auf die Betreibung des ihnen anvertrauten 
Gewerbes und auf die Erweiterung ihres Wirkungs^ 
kreifes bedacht, bilden fie ficb ein, ^as Staats« 
einkommen zu vermehren'» wei^n ft die Preife 
der mineralifchen Producte durch alle Mittel, wel* 
che die Staatsgewalt anwenden kann, in die Höhe 
treiben, und find deshalb mit fteten Anträgen be» 
reit, die Privatinduftrie in Anrehung des Berg« 
baues zu befehrinken , die Einftibr fremder Mine- 



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;ao4 Ej'ftcs Buch. 



rriicn zvL Terbieten, deDDefai)t ihrer Producte dnrch 
allerley ZwangSmaafsregela zu befördern u« f. w. 
Ein FiqanzminifUr mvfs höhere und allgemeinere 
jA.nfiehten* haben, als dergleichen 'befchränkteOffi- 
€'ianten, und bey allen von ihnen herkommenden 
1/orfchtägien nar den einfilgen Oeftchispunct im 
jfVuge behalten, ob der Gewinn , den fie verfpre* 
eben, auch'^ wir kUcb allein durch die Bergbau- 
itüduftrie bewirkt werde. £r mnfsr ihnen alle Ne* 
b enhalfe durch Monopole, niedrige Preife der Feue- 
rungsmaterialie^, Privilegien ihrer Arbeiter u. f. w», 
durchaus verfagen, und darf nie dulden, ,dafs fie 
wA^usgaben, welche nur durch den Betrieb der Berg* 
iverke verurfacht werden,* auf andere Etats brin» 
{ven, die Zinfen far die auf Gebäude und erfte An* 
lagen noch nicht wieder herausgezogene Capita- 
li«en aus der Koftenrechnung laffen u. f. w. Denn 
dergleichen Kunftgriffe, um mehr Gewinn vorzu- 
fpiegeln, ^den ficb faft in allen B^rgwerksrecb* 
Bungen der Bergwerksfoebörden. — Werden Berg- 
werke mit Verluft und durch ZufchOfle unterhal* 
ten; fo mufs der Finanzminifter wenigftens klar 
fehen, wie viel bey dergleichen Werken der Staat 
aufopfert. 

§. 282, 

Ifk der Regent in Abficht der Mi^el feines 

Einkommens durch Vorrechte priviiegirter Stände 

befchränkt; hat er nicht die Gewalt od er de nMutb, 

ein Einanzfyftem elnzofohren , welches auf reinen 



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Von der Staatseii^ahme. 305 

ftaatswirtbtcbaftliebcn ttnd oationalökooomifti*« 
leben Anficbten nibet; fo wird er freylieb genö«* 
tbigt feyn, fich vorzOglich aa ieise Domainen undl 
Regalien zu bälten,* und dann wird er ancb laicht im«» 
mer Tqrmeidbn können, folcbe Mittel zurViermeh-« 
rung faines Eiakommens zu gebraucdien, die denn 
Volke mebr fobaden als iHItzen. £(er Reglsnt i{[ 
fbdana Tom Staate getrennt und «bat fein eigene s 
PrivalintereCb, das von dem des Staats und cMs 
Volks oft varfcbieden ift* Die Benutzung dttc 
Domainen und Regalien auf ICoften des Voiii» 
>nrd zu ftinem"^ Privatintereffo geboren , das dem 
öffentlicbeD widerrpricbt, das ec aber docb zu 
befördern um h mebr geneigt feyn wird , je grQi» 
{jB^ feine Gewalt dazu ift-, und je^mebr Xcin«e 
* Macbt in anderer Hinficht auf eine folebe Weifid 
befchränkt ift, dafs er feine Finanzmittel nicht 
allein nach der Zuträglichkeit des allgemeinen 
Wohls, fondern zugleich natb dem Willen einigex 
Stände abmeffen mufs, die ein grofses intereff« 
dabcy finden , folgbe Privilegien zo erhalten, wel** 
che der Einfübnuig eines blofs auf natllrliohe Ge- 
rechtigkeit undGleichbeitgebaueten Finanzfyftems 
widerrprechen. Um folcbe Hfndemiffe bekam« 
. mert fich die FinanewÜtenfcbaft nicht. Ste sieigt^ 
was an fich und rein wiffenfcbaftlich das Befte 
' fey* Die Wegfchaffung der HiAdemifle, ein fo 
vollkommenes Syftem auszufahren, oder die noth* 
wendigen BefchrSnkungen der AusfObrung deffel" 



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2o4 l^ftes Buch. 

ben unter d^, ficb eDtgegefifetsencieQ UmfUnden» 
flberlibt fie der. R^geotenweiskeit und dem Ein« 
fluffe aufgeklarter Begriffe. 

i. 283. 

Ift es entCcbieden , dafs der reine Qtvnmn eir 
nes Bergwerly gewiCs oder wenigftens wahrfcbein* 
lieb ift, fo entfteht die Frage: wie kann der Staat 
das gröfstmögfiebfte reine Einkommen aus demfel- 
Wi erlangen? Die üblichen und faft allein mdgU* 
eben Metboden» das Einkommen aus den Berg- 
werken zu ziehen, reduciren (ich auf folgende drey: 
i) Selbftrerwaltung; a) Verpachtung; ^3) Verlei; 
bung. Wir wollen die Natur jeder diefer Be« 
autsungsarten zergliedern, um die obige Frage 
darnach grflndlich zu beantworten. 

$• 284« 

Dl^ Selbftverwaltung befteht darin, dais der 
Landesherr die Dominialbergwerke auf eigne Rech» 
nung bauet. Ift der. Staat grqfs, und find die 
Bergwerke des Staats manniofafaltig und bedeutend ; 
fo muts die Behörde, welche dfefen Bau reran* 
ftalten und dirigiren foU, aus Mitgliedern hefte* 
ben, welche die roUkommenfte Einficht in alle 
Theile d^s Bergbaues befitzen ; und der Finanzmi« 
üifter, welcher beurtheilen foll, ob die Eröffnung 
und Fortfetzung der Betreibung eines Bergwerkt 
rathfam fey» mvSs felbft wenigftens fb viel aUge« 






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Von der Staatseinnahme. ^07 

meine Kenntnifs davoa iane haben , als zur Benr- 
theiluog der Anträge des B«rgc«Uegii darfiber^ 
noihwendig ift. . 

§. m. 

Die BergooUegia find immer geneigt 9 viel zu 
wagen , und auf öffentliche Koften zur Verfolgung 
ihrer Muthmalsungen Verfuche au machen, wobey 
h'äufig viel Geld verloren geht* Wer. daher. füte 
die Finanzen gehöHg forgen wUl, mnfs inabefon* 
dere zu verbaten fnchen, daff dergleichen Vor* 
{cbläge nicht vor der allfeitigfteii, ailerreif ften PrCk 
fung zur Ausfahrung kommen. Denn der Staat 
Toll noeh weniger die öffentlichen Gelder aufii 
Spiel fetzen , als der Privatmann. — Er wird ea 
aber nie ganz bmgehen können > Ibbald er fich in , 
fo gewagte Gefchfifte, als der Bergbau ift^ ein- 
läfst. Wollte er die Bergbeamten fOr dm glttck* 
liehen Erfolg ihrer VorfchlSge verantwortlich ma* 
eben, und beym Feblfchlagen derfelbeo Schaden* 
erCatz fodern ; fo würden diefe lieber gar nichts 
vorfchlagen, als fich einer ibkheü Vef antwortlioh- 
keit ausfetzen. Und da dennoch ein Beamter fei* 
ten fo behntfam und vorfichtig mit de^ öffentlichen 
Geldern, als mit feinen eigenen wirtbfchaftet-; (o 
giebt es gar keine Mittel für den Staat, zu verbo- 
ten ,' dafs er nicht dann und wann durch leichtfin* 
nige toftbare Verfuche bey dem Bergbau in Scha^ 
den komme. 



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ioB Erftea Buch. 



IndefTen werden doch wefiigftetos die jD^^thi»' 
gen Vorfichtigkeitsmaafsregeln gegen dergleichen 
mögliche Verlufte ingeordnet werden muffen« 
Dahin gehört: die Verordnung, dafs die untern 
Bergbedienten nichts ohne Vorbewufst ihrer obern 
Behörden nnternehmen dQrfen, daft fie von ailens 
was Geld koftet, einen Bericht, Anfchlag der Ko- 
ften an das CM>erbergcoUegium fchicken m Offen. 
Falls aber diefes nicht die Verantwortlichkeit fOr 
die unfehlbare Nützlichkeit und Nothwendigkeit 
des Unternehmens abernehmen k^nn, mufs der 
weitere Bericht an das Oberbergfinanzcoilegium 
gehen, und von diefem Entfoheidung eingeholt 
werden. ; 

$. «87. 

Da in der Regel die Sachen immer theerer 
zu fteben kommen > wenn ein CoUegium die Ge* 
(chäfte zur Bewirkung derfelben felbft im Deuii 
kusfahten lifst; fo erfodert die Oekonomie der 
Berghauverwaltuog, daCs man fich bjey allen Qe- 
fchäften, fowohl bey den Berg* als den Hütten- 
werken, wo es nur irgend möglich ift, der Entre* 
preneurs oder der Gedingarbeit bediene. 

§. 288. 

BeCond^rs mnfs auch ein- genayes Rechniings* 
wefen aber den Bergbaii, eine befondere Rechnung 
über die Bergwerke, eine befondere über die 

Hut. 



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Von der Staatseinnalmie« 209 



Hütten- und Scbinclzwcfrkc , eine befoodcre ober 
den Verkauf der Bergwerkyproducte eingerichtet 
werden« Diefe Rechnungen moffen ron den Berg- 
fimtern controUirt» unter einander verglichen und 
dann den Oberbergämtem vorgelegt, und endlich 
von der oberften Finanzrechnungsbehörde durch- 
gerehea» monirt und approbirt werden* 

i; 289. 
Schon aus diefe^ allgemeinen Ueberficht er- 
giebt Geh, dafs die Verwaltung des Bergbau- und 
Hüttenwefens ein fehr zufammengcfetztes Gcfchfift 
/und für de^ Staat insbefondere viel weitIluBger 
ift, äl« für einen einzelnen Privatmann, der fein 
eigenes Bergwerk felbft mit Verftand und Einßcht 
betreibt. Ein folcher bedarf weder Ober- noch 
Vnterbehdrde, weder Rechnungsführer noch Rech- 
pungscontrollcur. Er überlegt felbft, und fafst 
ieinea Bntfcblufe felbft. Nützliche Unternehmun- 
gen, vortheilhafte Bauten u. U w., welche die 
öffentlichen Verwalter pft unteriaffen, we|l die 
obe^n Behörden fich mit ihnen nicht einigen kdn^ 
n^n, und Ge kein Intereffe dabey haben, die Sache 
mit Eifer zu betreiben, führt der Privatmann 
ichneU aus, fobald er die Nützlichkeit davon ein- 
Seht. Und wie viel mehr Vortheile genieist der* 
felbe voUeiic(s bey dem Verkauf der Producte, da 
hier alles von Benutzung der Zeit und ümftändtf, 
von fcboellen und kurzen Entfdilüffen abhÄngt^ 

V. JahQh Stmmufinmnxwijf. O 



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^10 ErAcs Bück 



die bey den wiederholten Anfragen, lange ausblei* 
benden Antworten und ewigen aus dem nothwen« 
djgen FormeQwefen fliefseoden Ueberlegungen der 
öffentlichen Behörden nicht möglich find. * Es 
fchpint alfo durchaus unzweifelhaft zu feyn, dafs' 
ein Privatmann ein Bergwerk, das er wie fein 
Eigenthum betrachtet, viel fpäriamer und vortheil- 
hafter bewirthrchaften, und alfo auch ein viel grö- 
beres reines Einkommen daraus gewinnen wird, 
als der Staat durch feine ßewirthfchaftung def* 
felben. 

Ob diefes der Fall auch mit der Bergwerks* 
. wirthfchaft von Privatgefellfchaf ten dev 
Tall fey, wenn insbefondere di^ Mitglieder derfel« 
ben keine Bergbauverftandige find, und die Ad* 
miniftration ihren Beamten fiberiafTen , ift fehl" zu 
bezweifeln^ Denn, eine folche Gefellfchaft treffen^ 
alle Nachtheüe-nnd keiner von den Vortheilen des 
Staats, da diefer doch weit mehr Mittel befitzt, 
feine Beamten in Ordnung zu erhalten, und das 
Intereffe, die Bergwerke gut zu benutzen, bey 
ihm doch viel ftarker ift, als bey den Oliedera 
einer Gefellfchaft, deren jedes nur. ein unbedeu» 
tendes Einkommen aus feinen Kux • An tbeilen. hat, 
und es daher nicht der Mähe werth achtet, viel 
Zeit und Koften an die Prüfung der Aufficht und 
Verwaltung zu wenden« Wir möchten daher doch « 
die Verwaltung der Bergwerke lieber in den Hän« 



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Von der Staatseinnahme. 211 

. . - t • ^ 

den des Staats, als fojcher Privatgefellfchaftea 
fefaen. — Der Fall wird jedoch verlndert, wenn 
ein oder einige HauptinterefTenten an der Spitza 
einer folchen Oefellfchaft ftehen, die (ich der Ver- 
waltung eben fo, als ob das Ganze ihr Eigenthum 
wäre, wegen ihrer ftarken Anthcile anzunehmen 
'ein InterefTe finden. 

£r]Ioternng. „Man katm in tllen Ländem^ wo Pri- 
vatwerke mit Öffenthcbeu ooncurriren^ finden » däU 
letxteris die Concurrenz mit jenen, nicht anihalten kön- 
nen. Man muff jenen Zehend und andere Abgaben 
aufbürden , fie der Bergordnun^^ und Controlle äer 
Bej^beamfan unterworfen , um fie ^o lange zu belallen 
und abzomatten, dals Iie die Sacbe äberdrüfCg werden, 
•'^ oder^die Pnxjucte auch nicht wohlfei 1er verkaufen kön- 
men « a2# ihre privilegirten und abgahenfreyen NebeU'» 
buhlar* Geben von den BergHmtern Anträge ein, die 
Privatbergwerke mit Zehend zu belegen; begehrt man, 
fie unter die Controlle def Bergamtii tu fetzen, danut fie 
nicht auf Raub bauen u. dgl. : fo mnfs die Regierung 
•Uemlüil Verdacht fchöpfen, dafs die Verzweifluhg, 
die Concurrenz mit den Privatbergwerken auszuhalten« 

- jene Berjgbebdrden anUreibt^ Geh auf diefe Weife den 
Vorlb^n gegeit die Privatwerke tu verCchaffen. Die 
Vorfpiegelung > dafs . PHvatleute d|izch den Raubbau 

' dem gemeinen Beßen fchaden , ift in den meiüen Fäl- 
len ohne Gtund und gemainie^h bloCi ein Weg , auf 
welchem das Bergdepartement feine Herrfohaft zu er- 
weitem fucht. Denn Privatleute bauen nicht auf Raub^ 

> fobald eine andere Methode ihnen mehr und fieherem 
¥orth0il verfpricbt. Wo aber dat Product der Koften, 
die ein förmlicher fiergbau erfodett , nicht werth lA, 
da ift es heller ^ fioh fo viel wie möglich davon auf die 
wohlfeilAe Weife zu verfchaffen , wenn auch ein Theil 
der Mineralien dabey zu Grunde geht. Die Meinung, 
dafs jedes Stück Eifen, Gold, Kupfer, Kohle u. f. w. ' 

. rtln u^d methodicfch, wie es in der BergbauwifTenlchaft 

. O 2 



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t 



^12 Erftes Buch« 



ftehty aus der £rd« gefchafft werden müHey «ad wsIcIm 
jede gemeine Art verwirft « welche die Producte mit | 
Koften gewinnt, aberchibey einen l'heil in der Erde lÜst, 
der noch ^ der Kofted der methodifohen Fördenmg be- 
trägt 9 beruhet auf Kunft?onirth^Uen und UnwÜIenheit * 
der achten SUatskunft.** Diefes iH daa Urtheil eines Man« 
' ' nes y der viel mit BergwerksbehSrden tu |than gehabt 
und dft ihr Verfahren gegen PriTatbergwerke su benr* 
theilen hatte; der lelbft BergbauverftHodigery aberfrey 
von dem Intereüe der gewöhnlichen Bergbeamten , w» 
gleich die Angelegenheiten aus dem hohem ftaattwittsa* 
fohaftlichen Standpuacta tu beartheUea im Stande ift. 

i. 291. 
Die Betrachtung, dafs die Selbftverw^ltang 
der Bergwerke den Staat in zU viel Oefchäfte Ter» 
wickelt, und, dafs Privatperfonen die Verwaltno^ 
derfelben viel fparfamer und zweckmifsiger betrei- 
ben , folglich einen fo grofsen Gewinn daraus zle* 
hen können , dafs fie dem Staate fein bisheriges 
reines Einkommen dairaus fiöhern und doch äpch 
fOr fich felbft gewinnen können, mufs auf dieFr^ge 
fahren; ob es nicht vortheilhafter fey, die ganze 
Jkdmiüiftration der Berg • , Hütten - und Salzwerke 
in ein Privatgefchift zu verwandeln, und das reine 
Staatseinkommen aus diefen Weiicen auf folche 
Weife zu erreichen? — Diefe Methode bietet 
dem Staate offenbar folgende Vortheile dar: 

1) Wird er dadurch eine äufserft koftbare ve'r* 
wickelte Adminiftration und Berechnung los« 

2) Kann er dabey feine Beamten um eine grofse 
Schaar vermindern, und dadurch dieproducti*!' 
ven BOrgerclaffen vermehren. 



K 



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Von der Staatseiimahme.^ 21 j 

3) £r gewinnt das Betriebscapital» welches für die 
Bergwirtbfcbaft beftiBimt ift» nnd kann daT* 

. falbe XU' anderweitigen allgemeinen Zwecken 
, verwenden, öffentliche Schulden tilgen uXw^ 

4) yfird dadurch fein giaesesBegienmgsgefciifift» 
^ ^ f iosbefofidefe fein Fiof nzwelen vereinfacht. 

um diefes auszufahren , .xei|^ &ok erftlJcfa^ 
der Weg der Verpachtung. * Sobald der Wohl» 
ftand in eiaein Lande zuniiiimt» und'fich Capitale 
In den Händen der Privatleute anhäufen, finden 
alle A^en nfltzlicher Unternehmungen bald ihre 
Kenner «md ihre Liebhaber. ;IsdeCren ift der Berg- 
bau e|n folches Gewerbe^ zu deflen Unternehmung 
üch ein vorfichtiger und b^utfamer Privatmann 
Dicht fb. leicht verfteht, weil der Gewinn daraus un- ' 
gewifs ift, und die erßen Koften auf die Eröffnung 
der Werke immer fehr gewagt find. Jedoch finden 
lieh unter einem Volke, das viele reiche Leute 
unter fich^hlt, beton ders wenn diefe ihre Reich-, 
tbibner durdh ihre Induftrie gewonnen haben, fol- 
che, die kleinere oder gröfsere Summen an unge- 
wifTe Speculationen wagen, und daher wird der 
Staat auch (elbft zu Anlagen neuer Bergwerke 
Bauluftige finden, wenn er ihnen nur fonft billige 
Bedingungen macht. Dennoch liffst fich an eine 
Verpachtung folcher unficbern Speculationen nicht 
wohl denken. 



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ti4 Erftes Budb. 



ScdleQ Oater auf eine tdtidt Art rerptcbtet 
werSen ; fo mub fich der reine Ertrag derfelbea 
sack Wahrfi^beinlichktft berechnen laflen. Die- 
(ez ift bey neu zn eröffnenden Bergwerken dnreb- 
aas mcbt d«r FaU« Es Üfst fidi die Verpachtung 
alfo nur auf folche Bergwerke anwenden, deren 
reinen Ertrag man aus bisherigen .Erfahrungen 
kennt. Dalün gehteen: 

i) fchon längft eröffnete Bergwerkf» deren rpi» 
ner Ertrag fflr eine beftirnjinte ^.eit fioh ziem- 
. l^ch genau berechnen lafst; 

2) ^itf^erondere Tehon in Galig gebrachte Sali- 
nen , die gewöhnHch ebenfalls rn den Berg- 
werken geretchnet werden« 

Es giebt nicht viele Bergwerke, deren Ertrag 
fich auf eine lange Dauer berechnen lieCse* Stein*, 
kohlen-, Braunkohlen werke und TorfgriberejFen 
find am öfterften von einer folchen Natur ^ nndiii. 
Anfehung derfelben laut f^ch.alfo wohl an eine 
Verpachtung denken. Wf^niger ift diefts der Fall 
mit Eifen-, Kupfer* und BIeywei;kjtn, am ,aller- 
wenigften mit Gold- und Silber« oder Dtiamant- 
gruben u« f. w» 



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Von der Staäjtsemnahme. 215^ 

' . - ^— I . 

Soll ein Bergwerk verpachtet werden ^ Ib Ifr 
dazu eine Veranfchlagnog deffelben nöthig« Daw . 
gehört : 

]) eine vi^lftfiodige bergroinnifeheBefehreibiuig 
, des: Sergwerks, der dazn gehiteigen Gebäodet' 
Mafohinen , Gänge mit ihren Ersen nnd In« 
halte, Klftfte u« t w. ; 
3) eine voUfttndige Koftenbereehnung des -Be- 
triebes} 

3) eine Bet^chnimg des rohen Productes unci 
des rdnen Gewinnftes ; 

4) eine' Werhrfeheinllühkeltsberechnfing der 
Dauer des Bergwerke- und des 'Ertrags deffd- 
ben far die Paehtjahre, 

Das Pachtgeld kann nur durch den erweislich bis* 
herlgeu reinen Gewinn befUmmt werden. 

Da fiejh dar Ertrag eine« Bergwerkt nlemahltf 
anf ewige Zeiten vj^raasCagen lädt; (0 mnfo alle' 
¥eirpfchtimg ,n|ir Ze^panlit und der Tertni^ aaob: 
der Wahrfobeinlichkeit berechnet fejio, binnen 
weldiervderfelhe reine Ertrag als unverändcfrt an» 
jitunehn]an'ift«v.„£i9l4 VpraMlagen noth^ähdAg, um 
den Ertrag zu erhalten i>d^ zu vermehren f iof 
muh der Pachttermin auf (o ta^oge beftimmt wer» 
den, bis diefe Vorauslagen mit deaihnen gebQh- 



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ii6 Elftes Bock. 



rendea Zinfeo und Gewioo wabrfeheinlicber W^eife 
wieder eingegaiigea find. 

§• 297. 
Das Pachtgeld wird in der. Regel beffer in 
BergwerlisproducteD' als in Celdebe^mmt, ob ei 
gleicb in Gelde bezablt werden, kann» DieCe Me- ^ 
tbode ift deshalb vorzuziehen, weil der Preis der 
Bargwerksprodttcte durch die Eröffnung anderer 
Bergwerke oft {o plötzliche Erniedrigungen erfah- 
ren kabp, daCs dann der Pachter .unmöglich das 
Pachtgeld zu bezahlen vermag. Soll ea daher ja 
in Gelde beftimmt werden, (o mwb niaa doch auf 
dlefen Umftand I^ckficht nehmen» 

$. 298. 

Wo der Ertrag ganz ungewifsifl, wo deCfen 
Dauer auf keine Weife mit Wahrfcheinlicbkeit be- 
ftimmt werden kann , wo g^ofse Vorauslagen zu, 
machen, und Gebäude, Mafchinerieen u. f« w* oft 
reriindert werden maüm, ohne dafs it^r^eichen 
Fälle in einen fiebern Anfchlag gebradit werden- 
können, da fchleken fich die Bergwerke gar tüebf 
zur Verpachtung» 

$. 299. N 

Am leiehteften find die 8d«werkte su einer 
Verpachtung geeignet, da ' ' 

1) deren Ertrag ziemlich gewiC^ riirförmig und 
lange dauernd ift; ' ^ 



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Von der StaatSÄinnahme. dif 

* ' ' 

%y die Pfddoetiön fovMhl als auch deren Koftett 
bey den meiften Sftlzwerken leicbt gefcbätzt 
und gemeffen werden -können. 
Tht Verpachtung der Salzwerke und der Sal2fa- 
brication wh^ daher immer Vic^rtheilhafter für das 
FinanzwefeB eineä Staats feyn, als die Selbftad«^ 
mlAiftratkin der Salinen. 

$• 3oo. 

Sali ein Usber tt>m Staate adminiftrirtes Salz*'' 
werk Terpacbtet werden» fo m'Offen bey deflbn 
Veranfcblagung 

i) die wahk^ msd reinen Fabrfcatlonsk'often 

des Salzes ausgemittelt werden ; 

a) das Salz mufs zu demjtnigen^ Preife ange- 

fcblagen werdei^, den ihm di« freye Handels- 

' coneurretiz' giebt^ «renn dem Pachter nicht 

, zt^leiokder monopoliftlfcbe Verkauf ge6chert 

wird. " \ ' ' 

.«0* / IKe Wr{Ni€fb^ng d^s Stizwtorks ift doppelter 
Art* Entwerter der Pachter fibeniimmt blofs die 
FUnriccäoOi und flberltTst dem Staate den Debit, 
erder er fibemimmt Fabrication und Deblt zugleich* 
Im erftenTaUe fibemimmt er, dem Staate das SUt 
iBr einen bcftifimten ftbricationspreis . zu liefetn. 
Wenn diefet Preis 16 hoch b^ihmf wird, als er 
dem Staate ^n-ftehen^kanr; f6befteht derVortheil 
dieCar Verpachtttikg denn: i) dafs der Staat von 



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%h^ Erftes BueL 



' dfiin gfnten Admirnftratiposgefcbaft befreyet w^'d» 
uod s) dafs der PacbljNr Mcb eineo. Gewinn da«^ 
dnrch erhält, den er durcb feine Sparfamkeit und 
TpUkoinmnere Adminißration faerForbringU Dii^ 
£er Gewinn giqg .miDlU blqüi fOr den Staat, foii* 
dei^fOrdie gapee N4)tion Ferioren, al^ der Staat, 
die Fabrication mit grofeern unnfttfscip iKi^fta^: b^* 
trieb* Liefert aber der Pachter das Salz dem 
Staate gar zu einem geringern Prelfe,, al& es ihm 
felbft bey eigner V^rw^tu^igim ^fte^b« kain;'fo ift 
der, Gewinn des St^a^ noch g/c^b^» , . . ^ 

; Verpachtet ..der. Staat dwi J^bter ..znglisich 
den Salzdebit; fo niufsjibm derfelbe ein Pachtgeld 
eis Rente zahlen, und der Staat wirft dabey fobon. 
xrohi fahren, wenn diefe Rente felb# nicl|t gröber 
ift, MSfder reinß.Opw|na» welchen pr bey eigner 
Adminifixation Tpn dem Salzwerke zog» weil y 
dadurch wenigfi;ei]is die Befcb werde der Admini* 
firation verliert, und in den Händen des Pachte^ 
dasSfilzwerk ufftreitig produotiveri^yii , und \hB\ 
einen, gröfjpern Gewinn abwerfen wjird,. als es iin- 
ter der ßtaatsadmii«fA^at^on abwarC^jf— . Hat da& 
3flz einen mopopoli^cben Preis; io mufsj fi^y 
lieb dem Pachter zum (iefetfi gem^^kt wfc-de^ 
d^fs. er ihn nicht erhöhe» .— » Wird fij^er d«r Sßlz* 
pjfeis durch freye Geip»^iupc!ei|z ff^^tfimr: Saizvift^kfk 
nnf^.bejen auswSrtigfn Hao4ei b»f|imii^t} fo.^ifi; 
^^'folcb.e Re(pf)r|i|I(nn|^ unn^b^^.td^^ ^ dem 



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\ 



Von der StaatseinHähme. 219: 



\ . 



Mtl. 



Intereffe des Pachters .^enidCs fejn wird» feinen. 
Stizdebit durch billige Prei£e su erweitern« 

§. 002^ , ; . 

Die SaIiiie»peobt kenn auf liogere Termine 
geftellf werden, als der Pacht der flbrigen Berg- 
werke » obgleich eine Vererbpachtuog derfetben 
nioht aoauratben üjn durfte, de-^ne Salitie bey 
weitem doch nicht die fiebere Dauer hat, aU Lin« 
dereyen. Auch ift dabiey der Gründe welcher bey 
Lä'ndereyendiefelbeanrathet, nicht zu finden, da 
Salinen, wenn fie einmabl eingerichtet find, kei^^ 
ner Verbefferungen fähig find,« welche nicht ein, 
Zeitpachter ebenfalls zu unterndhinen Interelte 
finden foUte, befonders wenn er auf Erfbittung, 
nützlicher Meliorationen und des Inventarii bey 
Niederlegung der Pacht re<$hnen kann. Ift aber 
kein Vortheil forden Staat bey der Erbpacht, fa 
darJFer fich auch nicht darauf einlaffen; denn, er 
würde fich ohne Grund in feinem Eigenthume 
mehr einbhsinken > al^ es nöthig und nützlich !&• 

.:•,.. • U 3o3, 

IDle V^ifftchtung 4ttr Seelalalzgruben mmfr. 
aaeh d#n QuaeethfleA . cb# aw^gebraohten Salzes, 
gefobebeo, und <^o Aber die Produotion «lae 
Qooirotte geffllitft iwmtdfm^ Denn fbnft ktoate 
der Pachter die {Förderung des Salze» weit übe» 
dieQuantitStlttaaustretbeo« <&• ^^ Staat geför- 



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a»ö Erftes Btich.* 



/ 



dert bat» uiid dadurch fekien Gewinn über allen 
AnfcMag ^rbdbeä. 



4 Anm. Von den übrigen Nntsongen» welche der Staat 

Xonft aus feinem ihm elgenthüm]ichen Grund und 3o* 
4eit aiehwi kiuatf aiei Diamantfmban , BemfteiiiU»* 
,§er u. r. w,, braucht hier nicht belondert geredet tu 
wenien, da dergleichen leiten Torkommen» und lieh 
# diefelben Grmidflltxe leicht darauf anwenden laCTen, 
di« wir bej G^affnhpii der Haupfimfeuuigea ümtDö^ 
minjalgriinde tntwickelt haben* 

In gewiffen Fällen, wo die TTerpachtung dei^ 
Bergwerke weder thunlich zu feyn fchelnt, noch 
, fonft Nutzen verfpricbtp kann der Staat auch feine 

Bergwerke verleihen. Es befteht nSmlich die 
Verleihung in einem Vertrage, wornach man 
einem andern fein Eigenthum zur Nutzung über« 
lifst, unter der Bedingung, dafs ihan fich das 
Obereigenthums(reofat daran,' jfo wie alle Bedin* 
* gungen , welche bey der Verleihung gemacht wer- 

den, Forbehält« ^ 

$. 3o5. 

Die Verleihuftg fi6liickt fich in mai^dien Fit 
' * lenbeffer, als die VerpaehtiHig, Weil beyterfterer 

die Bedingungen ehet der Nator d«r Saobe ange* 
meCTen eingeriohtet werden kteaen» rDena^die 
Verleihung verftatttt denfdii^en ^te gröfito Man* 
iriebfaMgfceit. 



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Von der Staatseimiahme. aa i 

Die Bedingungen, unter #eldi6ii der Suu 
feitie Bergwerke vortheilbaft verleihen kann , 
fihd: 

- i) dafo die Bergwerke nieht andere, ala nach 
, bergmännlfchen Gmndfätzen und untjerObef* 

aofficht landesherrlicher Beamten» vielleicht 
. gar durch ditfelben bearb^tet werden ÜE^ilen; 
a) dafs von dem jährlichen Producte ein pro« 

portionirlicher T^Jieil an die Regierung als 

Tribut abgeliefert werden foll. 
Bey diefen Bedingungen kann fowohl der Staat, 
als der Beliehene befiehen ; dahingegen -mehrere 
andere den Beliehenen leicht allzu laftig fallen 
können, als: wenn ihm zur Bedingung gemacht 
wird, alleProducte allein an den Staat zu einem 
beftimmten Preife zu verkaufen u. C w. 

$. 307. 

Die Verleihung ifi: insbefondere bey folchen 
Werken zu empfi^blen, die erft neu eröffnet Wer^ 
den foUen , und aber deren £rfolg fich gar keine 
zuverlifßge Berechnung anftellen iäCst« Wo viele 
reiche Privatleute entliehen , und die flbrigen G6» 
werbe mit |iherfl<lffigen Capitaien (chon angefolh 
find, da findan fich leicht Liebhaber z^ gewagten 
Unternebmungen, und da werden fich dem Staate 
auch Gelegenheiten zu folchen Verleihungen er- 
«offnen. Sie paffen insbefondere zur Bemutzung 



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222 Erftes Buch« 



d«r Bergregalien; daher «rir dort wiedei; darauf 
zurückkommen werden. 

§. 3o8. 

Unfere Abficht ift gewefto > zu zeigen, dab 
es Mittel giebt, wie der Staat feinem Eigenthume 
denfelben Nutzen oder dafTelbe reine Einkommen 
abgewinnen kann, als t^n PriYatmann, und wie 
ficb mit der Gewinnung diefes reinen Einkommens 
das allgemeine Staats - und Nationalwobl derge- 
ftält vereinigen llfst, dafs fär die Nation und das 
.Staatsganze alle Vortheile aus den Staatsdomainen 
entfkehen , welche entftehen wfltden , wienn Pri«- , 
vatp^rfonen fie befäfsen ,^ indem diefeibe Quantität 
der Prodncte, und diefe ihnen mit derfelben Spar« 
iamkeit und Qekonomie abgewonnen werden , als 
es gefchehen wfirde, wenn iie Privatperfonen ei* 
genthümlich gehörten , und ohne daCs dadurch die 
PrlFatinduftrie auf irgend eine Art mehr eingeengt 
<)der bedntrfichtigt wQrde, als wenn die Domai* 
nen iPrivateigenthum wSren. Aus diefen HefuU 
taten aber wurde gefolgert, dafs unter diefen Um« 
ftenden kein hinreichender Grund aus der Natio* 
nalökonomie genommen vorhanden ift, d^fs der 
Staat die Domainen veräufsere. Dafs hingegen 
<lie Betrachtung, dafs dadurch der Staat im Befitz 
einer ftarken Quelle des Öffentlichen Einkommens 
fey, wodurch er in den Stand gefetzt wird, das 
Privatvermögen zu fcbonenund das Abgabenfyftem 



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Von der^Staätseinnahme. . 225 

voUkommner einzuri^ten^ weil er weniger da* 
durch zu erbebea braucht > fehr wichtige Gr4lnde 
fOr die Erhaltung derfelbeo darbiete. 



Zweyte Abtbeilung« 

Von dem öffentlichen Einkommen ujü den 
Finanzregalien» 

ErfterAbfcbnitt. 
Von dtn Finanzrtgnlitn übtrhaupu 

$• 309. 

Finanzregalien nennt n^an diejenigen 
Rechte und Gerechtigkeiten des Staats» weiche 
er fich zueignet, um daraus ein öffentliches Ein- 
kommen zu ziehen« 

A n m. Der Begriff der Regalien hat ÜLch ^ hiftorilch 
genommen, wo)il xuerft aus dem Begriffe dor grund- 
herrlichen Rechte entwickelt. Die Grondherren waren 
die erften Herrfcher auf ihrem Grund und Boden« Sio 
liielten auf Recht und Ordnung unter denen , die fich 
auf ihrem Gebiete niederliefseh , und übten die Rechte 
einet Souverains auf demfelben aus. Wenn He Anfied- 
lem erlaubten, lieh auf ihrem Boden niedcrzulalTen» 
Xq fchrieben fie ihnen Bedingungen vor, unter welchen 
es' gefchehen durfte. Sie muTsten bey ihnen Recht 
nehmen, und fich ihren Polizeyanordnungen unter- 
werfen. Gaben fie ihnen Stücke Land zu benutzen, 
•der traten ihnen folche als Eigenthum ab ; lo behiel- 
^n fie fich doc^ine Menge Rechte ror, deren Ausübung 
entweder zu inrem Nutzen und Vergnügen diente, oder 
^e Macht anwigte, oder die fich för ihre Untertha* 



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224 Erfteft Buch« 



■ I ■■ ■ > ■ II ■ ■ ■ 

neu nicht to fohicken rchimetti wie folche» die dai 
Oemeinfame betrafen, nnd die der' kleine BefiUer nickt 
wokl Muflken konnte. Dahin gehdrte das Recht der 
Jagdy der Viehweide euf den ihren Unterthanen tur 
Nnttnng überlf ITenen Feldern n. f. w. Nach der Ana« 
logie diefer gruiidherrliohen Kechte wurden nun auch 
die Vorrechte der Ffirften.und Köni^ gebildet» alt ficb 
^e Staaten formirten« Denn diefe waren httnfig niohtt , 
alt auigedehntere Grundherrlichkeiten ; die Vorrechte 
det Königi wurden dann Kegelien» Königtrech« 
t e genannt* Obgleich der Gmndkerren SoQTerainitMt 
^naoh undjiacli xu Grunde ging; fo blieben ihnen doch 
niArere diefer Rechte , die dann den Titel der kleinen 
Regalien erhielten. Der FQrft oder Landesherr aber 
)>etraohtete fich alt folchen, ron welchem alles Recht 
über Grund und Boden erft entgeht; ui^d was jeder da- 
von erhielt, wurde nur alt fon ihm verliehen be* 
treohtet« Was noch nieht feft -int Privateigendium 
übergegangen war, das betrachtete der König als daa 
Seine , womit er nach Gutdünken fchalten und walten 
kennte. Dahin gehörte der gröfste Theü der Waldun* 
genl im den Zeiten , wo Holt noch allepthalben genug 
ftu haben war, und die Waldungen nur der Natur ibr 
Daleyn verdankten, was im WaHer und unter ^erBrde 
lag , alfo Fifcherejen und Bergwerke, ^ Ueber 4at 
gemeinCame Gut cu wachen , wurde gleiohfallt fOr »in 
Königtre^ht gehalten, als Fluffe, Wege u.r.w. Daran 
knüpften fich leicht auch die Anßalten für dieTelben« 
und überhaupt alles, wat öffentlich und gemeinlem ' 
war , und nicht beftimmt jemandem fchon ausfchliefs- 
lieh angehörte. 

Die Gründe, weshalb diefet auch recht gut und nütx* 
lioh wire, wurden erft Ipäter gefucht und gefundtoi, da 
denn auch frejlich manchet autgemerit wurde, wat 
f or dielen Gründen nicht beftand. 

Sobald man nämlich anfing, dat Recht det Königt, 
Fürften oder Souveralnt nicht mehr als Privatrecht tu 
betrachten, dat mit den Rechten det Privateigenthumt. 
oder anderer Privatrechte gleichen Grund hätte , fo- 
bald m«n fand, daTt du Recht des ICönigt oder der 

Sott« 



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Voii d^ Stftatsjeumahin^^i a& j 



— • — ! V . . ' , . , . I ■■ ■ ■ I II 

/- Sonverainität überhaupt mit dem Entfteken eine^ volki 

kothwebd^ «rwachCi^ und dkXt doitelbe Beftimmuiigeii 
ieatMlt^ welch« von ailn WiHJLftlir imd ron attem 7^^ 
fall y wodurch PriTatrechte entüehen » ttnähhängig find» 
da£i U Söui^eraiiiitätirtfchte giehk^ dib in dar J^attic 
lind in d»m Wefen dei Begrifft der 6ouTerainiUt ge^ 
grOndet Üd; fo muTste der Begti£F der Regalien auch 
eine ganz andere Richtung und eine viel heäimmtejre 
Bedeutung elrFAlten. Regalien konnte nun hichts 
pndt9$ hedeuten^ alt »»iblche Rechte und Gerechtif- 
heitea» di« dem König oder Sotiverain Torhehaltea 

~ werden , weil er ohne fie gÄr nicht oder doch nicht 
..fo guti und leicht feine Ffliohten aljp Regent, erftiüeu 
hönnte.*^ «- Nun veHb^windet der Betriff de« Könige 
kU Privatmann gänilich» und es hleiht hlofs der Belnif 
M« Sou verain« davon Öhrig-y und der Begriff dek* Rega- 
. ii^n nimmt deil Begriff der SouVerainitfttlrechte ai^ 
Bey deren Betrachtung eher ergieht lieh , deC^ einige 
Voii der Befchaffenhieit lind^ dafs fie fioh von der Natur 

V und dem Wofen der Souverainitfit gftr nicht trenilen 
}i^en, und die dethalB hotk wendige und wefent* 
iiche Souverainitätsrecht« hellseo ; aiidere^ber Rnd 

' :f olche y die erlt durch die ErkeniltHiA iM^ Zweckmfi* 
' -.1 i$Btf^^ mitanden find, Dkr Souver]iitt hemichtift 
fich ihrer ^ v|ena er erkennt, dafs iie Mittel lind, deik 
Zweck des Staats durch fie beXtek* zü'erfiniQa, als durcU 
andere. Hieraus folgt, Afs es feine JPflicht fey, ihneii 
zuentfagen, fobald ^erkennt, dafs fie ihre^ Z Weck 
gar nicht oder fchlecht erfilUeu, oder dals Re wichti* 
g:em Zwecken entgegenwirken. Öie FiAiöitregalleh finii 
t fämmtlich ton diefer Befchaffenheit. Sie find Mittel^ 

dem Staate ein Einkoihmcn su vei^/bhaffeii. ' Sobald er* 
kannt wird, dAß fie^d^ioi Volke tUehIr fchadeh «W ikOtien^ 
dafs befiere an deren Stelle gefetzt Weirdeh können^ 
ivird ei fQl> den SouverMtt Hlicht f^il^ ihntokt su bnt* 
lagen und die beffern Mittel zit ^Ir^ählen. i>ie Finahz- 
wiffenfciiaft tnufs die Kcnü^^cheii eUtwiokela> Uäch 
^ i^elchen ekitt folche^ Prüfung gefcheheu hitt(^; 



öi Jäheb StaaisfinßnxUiffm 



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826 Brftes Buch. 



$• 309. 
% Man' grflndet dfcfe Rechte 1 ) auf die Betrach- 
tung » daCs e$ im Staate gewilTe Gegenftände Und 
OereohtSgfctiten giebt, die Niemanden anvertraut 
oder zugeeignet werden könneii, der einen fflr das 
allgemeine Befte (o wohlthätigen öebraucb devon 
ta machen 5tei Stande ^wSre, als der Staat, oder 
die in den H§nden der Privatleute, lyohl gardem 
gemeinte Wisfen leicht ibbSdlich werden ködnen, 
und dafs es recht und billig fey, dafs der Staat 
lieh <lafar bezahlen laffe, oder den Gewlnnft ziehe, 
den dergleichen Gegenftände fonftmit fich bringen; 
2) auF die Betrachtung, daft der Staat dadurch, 
dafe -er die Betreibung gewiffer Gewerbe oder Ge* 
fchäfte föröch behält, ein beftimmtes Einkommen 
auf eine ficherjeare und leichtere, folglich dem Volke 
Tortbeilhaftere Art ziehen könne > als wenn er fie* 
Privatleuten überläfst. 

' §. 3io. 

Nun ift klar, dafs weder geg-en die Rechtmä* 
fsigkeit , noch gegen die ^weckmäfsigkeit folcher 
Regalien etwas eingewandt werden kann : 

a) wenn es gewiffe Gereehtigkeitea und Gegen- 
ftände im Staate giebt, auf welclie a) noch 
kein gegründetes Privatrecht vorbanden ift; 
b) welche, *wenn fie in den Händen des Staats 
bteiben , 4em Ganzen gröfere Vortheiie bria* 



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Von der Staatseinnahme. " 327 

. 

gen, als wenn tue unter die Privatleute ver' 
theilt oder diefen anvjertraut w.erdeQ; .^ r 
2) wsAia gewifOs Gewi^rbe voi^ Staate yortliei^- 
bafter betrieben, yverden können, al« ¥on Pfi- 
v^leuten, oder dof h der Vortheiltr, welcher 
. / dar^\i§ fßx das St?atsganze*flU(st, groC^er i^ 
ais wexin fie 40 den Händen 4er PriVfi^eute 
wiren, und wenn femer durch die Aneignung 
' der Betreibung iolthe^ Gewerbe durch den 
Staat, keines PrivatiAanflns wohlerworbene 
Rechte gefchmälert werden. Sobald aber 
das Cegenth^il davon Erkannt wird, fd wer- 
den fie auch darnach modificirt oder gfatüth 
abgefcbafft werden mfiffen. Diefes wird alfo 
der Geficbtspuoct fejii» aus welchem die Fi* 
nanzwilfenfchaf t die Regalien zu prCIfen hat. 

$. 3l2. 

Im Allgemeinen kann nur bey der Prüfung 
des Einkommens aus den Regalien folgende Regel 
leiten : VVenn der Staat einmahl in dem Bjefitze 
gewiffer Gerechtigkeiten und Gegenftändejft,^die 
'ihm vermittelfk der Regaiienrechte zukommch, 
ixnd erJlalst.fiöh von denen, welche von diefen 
Jlechten Nutzen ziehen» ^ine der Sache angemef* 
£ene Tax^ oder Rente beizablen, die ihm ein Ein- 
Jjtommen br^ng^, das. zur ^ftreitung des allgemÄ- 
neu Heften befiimmt ift; Co lafst ficb dagegen nichts 
«inwpndei^ (o^aderp fohtfiDt vielpiehr recht und 

P a 



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lag \ Etfteia Buch. 

- - - — : " 

billig. Denn xwllte der Suat diefe BenötzuDg, 
umfonft verftatten } fo würden twit diejenigen go 
Winnen, welche den GenuTs daVort bfittefij dage- 
gen aber mttfsten die «bri^eft «ut Irgahiong d«f 
Einkommens beytragen, wefö«*« der Sttat dadurch 
Terlöre. Es wördeö altt durch eine foleh« .Ver- 
^ichtlelftung nüf einiffi , iUf Soften ibrer,^tbar. 
ger , gewinnen. ' " ' • 

* ■■ •■■■'.>'■ 
\^enB jedoth der Staat fein EipUommen aus 

den R»ga«e». durch den.Selbftbetrieb gewiffer Ge- 
.werbe gfwinnt; fo entliehen dagegen. im AU ge-^ 
.«jei0eufoigeÄ4eBed««^l»<#*^«***°' k \ 

ES lehrt ttämllch di«' Erfthnlng faft gahz all- 
geinem, pnd es liegt auch In der Natur der Spche, 
dafs der Staat ein fchlechtef Oewerbsm^in ift, weil 
«r das Gewerbe doch nie felbf^, fondern nur durch 
viele Mittelsförfonen betreibt, die ef ni« genau 
beobachlen kaön. Daher di« Betreibung all*r Oe- 
Werbö itütth den Staat «ehr kofteti als wenn 6e 
der Privatmann auf elgenfeRechnung.betreibt. Da 
'nun eben deshalb der Staat immei' einen geringem 
Profit aus den Gewerben zieht* als d^ir Privat- 
mann i fö kann er mit lettterm die Concur^et« 
nicht aushalten, fondern mars denfelben Vört G«J- 
werbe ausrchliefsett i wenn et daran itwa* gewin- 
ueo will. Diefer Gewiftnft entfteht fo^Wt» ' bloft 
408 deft hohen Prelfen d^U Phjdtfrte, ^ilötih ihm 



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Von dßt StaateeSimaliine. 339 



das Monopol zu nehvien verfiatttet» aicbt aber aju9 
Iwitr roradgUclMA ioduftrie« 

Ooreh eine ^c^tp Ausabong des Monopol^ 
abet erhalt der Suuu. ein- dem dffentlicben Nutzen 
#ntgegeAA»fateDdes PrivatinterelTe« Denn das offenV 
liebe oder allgemeine lokerefTe» welches das Staats* 
Sotereffe xft» beftebt d^rin, dafs die Waaren fq 
wohlfeil als möglich verkauft werden; das beCoa* 
dere f rivatintereffe des Kaufmanns und Fabricaa« ' 
ten aber beftelit darin» feinn Waare (o theuer als. 
möglich au verkaufen« Nun nimmt der Staat da? 
durch» dafs er die Rolle des Kaufmanns. oder Fa« 
hrieanien dhernimmt» auch deffen lotereCTe an, 
und bekommt eine Neigung dalTelbe zu befördern» 
fo fem es (eine Handels " oder Fahrik^egenftäqde 
betrifft« 

* Dafa das latereffe des Privatbandelsmannea 
4iBd Priv«t£abri,caoteB-deis Gaozeii nicht fcbädlich 
werde» wird durch zwey Mittel bewirkt» nimlich: 
a) dwoh die ftreye Coocurrenz zu dem Gewerbe» 
^tenn hierdurch stwlngt einer den andern» in den 
Schranken der Billigkeit zu bleiben; 2) durch den 
Staat felbft» der durch Xuftiz und Polizoy wachen 
Ufst» dafs Niemand im Hanctel widergefetzlich het- 
^laodttlt werde. 

Ift aber der Staat felhft Gewerbsraann} f# 
"wird er durch das damit verknüpfte PrivatinterefCe 
Ificbt (eaQi|(t^ (aiM Mmht aiw Uatevftfttzuog deC« 



/ 






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§90 Earftes Buch. 



,. f^tben antowenden, uikl feina Pflichten;, die ihm 
; als Staat obliegen, hinten nach su Tetzem fir'haii* 
delt gegen diefe Pflicht i) dadurch« dafs-ir die 
Concurrenz rernicfatet, und ich das Monopol er* 
tbeilt; 2) dadurch » dafi er die Juftiz tCnd Polizey 
gegen bch felbft zu üben tinterliCst« wenn er den 
Publice {cblechte Waarep , falCchea Maa£s und Oe« 
wicht u. f. w. liefert. 

Wenn es nun gleich einige redliche Hegientn« 
gen geben niag, dSe nicht wollen, dafs dergleichea 
Unrecht gefchehe; fo haben fie es doch feiten in 
ihret Gewalt, ^a($ nicht d|e in ihren Gewerben 
gebrauchten Agenten fich derfelben mehr odeJT 
weniger erlauben. 

* . $• 3i5, 

Wenn aber der Staat alle Gewerbe der freyeii 
Concurrenz überläfst; fo wird 1) dadurch die Pro* 
duction vergrößert', weil diefe daffell>e mit weni* 
ger Eoften, wo nicht mehr henroihringen ; und 
\ ü) wird der Staat dadurch von allem Privaüfater« 

effe frey , und verliert eine falferbe Triebfeder^ 'di# 
freye Concurrenz der Gewerbe zu henrrmen ode^ 
Monopole zu begQnftigen. — * Wenn er fodanfc 
gleich von denfelbenGegenftindeB auf andern We* 
gen (durch Auflagen) fich daffelbe Einkommen ver« 
. fchafft, was er durch fein Monopol davon zog; fo 
werden diefe Dinge doch fOr das Publicum wohl* 
feiler > und diefes profitirt nooh gegen das,, vras ea 



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t 



[■ 



f Von dev StMtetfbnaahine. %^i 

f orber dafar b^ezahlea mufete^ wenn es glei^ dtn» 
Suate/daflelbe ^aokdaiineii bezahlt» 

$. 3i6. 

Aus die£8]i Gründe wird man alfo gegen alU 
fiinnabmeo aus monopolifiifcbeo Gewerben ile$ 
Staats eingenommen feynjnfiffen. Jedoch wollen 
wir fie deshalb noch nicht gan^ Verwerfen, fon^« 
dern jedes einzelne nur forgfältig prflfen, ob daffel« 
. be der hier erwähnte Nacbtheil trifft, oder nicht. 

$.. 317. 

Sollten fich einige Monopole finden > die um 
dfis gemeinen Nutzens Willen vom Staate Ober» ' 
nommen werden mfiffen; fo follten diefe wenig- 
ftens fo verwaltet werden, dafs te nicht als Finanz- 
qu^lle» fondern. als gemeinnützige Inftitute be« 
trachtet worden. Es würde fich aber fodann fehr 
l>ald zeigen, dafs Privatunternebmera die Betrei* 
bung deicfelben viel vortheilbafter überlaffen, und 
fodann vom Staate eine viel beffere und genauere 
, Anf&cbt über fie geführt werden kann* 

r 

§. 3i8. 

' Diqenigen Arten der Staatsgewerbe, welche 
'Mofs um ^es Gewinnftes willen vom Staa;te mono« 
poltftifch betrieben werden , find unter allen Um- 
bänden dem Nationalwohlftande fcbädiicb, folglich 
als antiutionaldkonomiftifch zu verwerfen : 1 ) \yeil 



^ 



\ 



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13 t Srfte» Budu 



/ 



fie den Unterthaneii bedeutende Erwer^sqoeUea 
f ntzieben ; 2) weil fie gern ein tgUch \dte |Vodttcl# 
Terfchlecbtern oder vertbeuern; 3) alle Copcur- 
renz zar Verbefferung und Vervollkomanoucig die- 
,fer .Gewerbe unterdrOcken. Deshalb koften die 
Einkflnfte, welche der Staat ans dergleichen Mop 
^opolen zieht» der NjitiO|i immer i;ii0bri^ fls ^f 
^Ifim Staate ^if briogeiL: 

Zweyter AhfcHttitt. 

*• 319. 

^ff^ betrachten hierTorzdglich diejenigen Re* 
tfaUeq , welche noch in den vorhandenen Staaten 
Qiebr oder weniger ausgefibt i^erden. Man leitet, 
wie (chon erwihnt worden ,1 das Recht und dea 
T^utzen davon thells aus ihren Gegenftänden, theilt 
aus dem Vortheile der'dadurch ^ erbebei^d^en Eia* 
VfinftV^ ab» 

f *20. 

t>ie erfte Art Atz Regalien bezieht ftch^ 
\ auf die Ausabung der Juftiz und Poliiey» wo^ 

ipjLn gewifle Juftiz- imd Adminiftrationshaii<K 

kingen zu befbndern QueUen der Staatseiar. 

nähme zu machen fich berechtigt häjtS; 
|I. auf die Waldungen und die Jagd; 
l^II; 9uf alles, was frch unter derOberflSclie'deir 

ly^de qde? toi. W»?« l?«5ft«!Mii VR<A vrwwl 



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f Von der StaatsMftnalixfte. #f|j 

aoch kein beftimmtes Pni^teigeatfaum Statt 
findet; -. 

IV* auf aUe gememfameBodeBgründeuodaiifal^ 
/ lea^ was zur gemeinfamen NutMwg b^Aiivmt 
. ift» fo wie auf.allea fonftjge berrealofe Gut 

Die zweyte Art der Regalien befteht 
V. in den Monopolen mit allen Oegenftändedi^ 
die der Staat bequem betreiben kann $, oder 
die ^ncb ah freye Gewerbe fOr ihn vortbeiK 
^aft ausfallen können, und fich dazu zu eig* 
sen fcbeinen y dem Staate eiß gutes £inkozü» 
inen zu verfcbaffen. 

Ven der Benut&ong der JuMz und Ppltzey ^ Fina^iSiiaett»« 

Dafe die Jkfognifat Recht und Gerechtigkeit 
4 im Staate zu ptegen , und allea zu thun, was dät 
allgemeine Wohl erbalten und bef4rdem kaoi^ 
\ dem Souverain zukommen ipOfle, kann keinen 

Zweifel leiden. Da die kkioen Gmnilhef ren die 
Juftiz und PoUzey tfuf ihrem Gebiete auezudbe]^ 
gewohnt war^ } ib aberliefsen ihnen die gröfsera 
llerrfciier bey der Einverleibung der kleinen Herr- 
ichaften in einen '^ofsen Staatsk^per» dicAiia- 
dbung dieCes Rechts unter ihrer allgemeinen Ober- 
^ufficbt} betiehen auch wohl neue G^undherreo, 



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9^ Si^e» Buch. 

b^zablttn. JDiefe nabmen dann ftlr die.#mzelDeok 
Gericbtshandlungan gleiolifalls eio^ Verg^upg von 
dbtiett, welcbe ibi^r bedurften, und die Fürften 
folgtea die£em Beyfpiele. E$ wu^de naph und 
Ii4ch )ede.O«richts- und Poiizeybaadluiig eine Ge- 
kgenbeiti fich dafür etwas bezahlen^ zu laffen» 
upd fie 10. eine Quelle der Staatseiaoabme zu v«r« 
^jjidelp. Es ^i|rde mit den RegleruDgsljiandlun-. 
gen eine Art von Handel getrieben, Aemter» 
^Vardeo» Titel, Privilegien' wurden verkauft» und 
das ile«ht dazu aus einem Regale hergeleitet^ 

$. 322. 

Dafs ein folcher Handel leicht, in das fohänd* 
Hchfte Gewerbe ausarten könne und deni Staats- 
zwecke gänzlich widerfpr^che, bedarf kaum eine^ 
. aüsfabrlichen Beweifes. In wiefern Regierungs* 
^handloögea fflc die Empfänger beCondeire Wohl* 
tbaten/Vi^erdeB, und ihaen GeiuQffe und Viortbeile^ 
l^ttwäbren, wofür ihnea eine Vergfltuhg nach deü 
Gedetzeo der Gerechtigkeit und Billigkeit ?ufg«* 
legt. werden, kapn , um ihrer Seits dazu beyzutra- '^ 
gen, dals <lie Kofien xler Joftiz* und PoHzeyver« 
waltung beftritten werden können^ wird in der 
liehxe von den Abgaben, betrachtet werden« Nie 
aber dürfen Regierungshandiungen als eine blofse 
f inanzguelle angefehen werden. Sie können wphl 
^ne Veranlagung feyn, dafs aus beftimmtea 
OrOaden» die von den Vortbeilea». die derEm- 



I 

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Ton äe^ Sfäatseiid&ahme. %^f^ 

pffnger dadurch gewinnt,- upd von feinem Vermö* 
gen, das er be&tzt, hergenommep find, etwas <Iii* 
för bezahlen, aber nie darf blofs um ihtetwiH^a ' 
eine Bezahlung gefodert, /oder gar die Gelegenheit 
benutzt wenden,: iim die Regierungsbandlungen {o 
theuejr wie tndglicb zu yerklufen, um Aur recht 
Tjel Vortheil daraus^ z^ ziehen. 

$, 323. > 

Sa fcbeiat daher eine fehr rcbleobte Elnricht 
tung %xx feyn , wenn kein Uolf^bedarftiger vor der 
Obrigkeit erfcheinen darf, otine dafs es ihm Geld 
koftet (Stempelbogen); wenn, felbft wenn er Be* 
(chwerden beyziibriiigen oder gar nOtzliche Vor« 
fchläge zu thun hat, der Bittfteller ohne'Kofteit 
nicht angehört wird. Nur da feilten Gerichts; 
fporteln und billige Taxen von Regierungshand* - 
luiigen Statt finden , wo fpecielle Vortheile far 
-den, der ihrer bedarf, entftehen; Und das Ein« 
kommen daraus feilte unmittelbar zur Unterhai« 
tung oder, VervoIlkoinYmnung folclier obrigkqit^' 
eben Anftalten, welche dergleichen Dienflleiften, 
angewandt werden , nie aber in die allgemeinem 
Ftnanzcaffen ^efsen. 



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%$§ Erftei Buch; ' 

j. a — : , 4 ^ ■ '■ 

)tetr«olu«u' 

* Wenn gleich viele Waldungen fOrPrIvateigeb« 
(bum anerkannt weriRn ; fo glaubt man docli, dafi 
ein foicbes Eigenthumsrecht kein unbefchrinkt^ 
* feyn könne. Qa nämliob Bau- und Urennhob zu 
den' unentbebrlicbfteh Bedilrfnirfen des menfchli* - 
eben Lebens gehören ; fo glaubte man aucK dem 
Staate das Recht einräumen au mOlTen , das Pri* 
vateigenthum au den Waldungen fp efnzufcbräa* 
ken, da(s aus deren Benutzung dem Staatsganzen 
kein Nacbtbeil erwacbfen könne* Man grQndeta 
hierauf das Reobt, Vorfcbriften Ober die Benutzung 
tfes Waldgrundes zu geben; als: dafs der Wald 
Yiicbt ausgerottet) oder nach rerderblioben Maafs* 
regeln bemrtbfcbaftet warde; dafs dabey die R^^ 
geln e^ner guten Forftwirtbfcbaft beobachtet iverdea 
mfifsten , und dem Staate die Aufficht Aber derw 
9«obacfatung zukoipme u«-X w^ 

Viele leiten auch allel IVivakeigenthom w 
den Waldungen von dem Staate ab;- Indem fie be* 
baupten». dafs nrfprüngUch alle Waldungen dem 
Staate gehören , mid di,efer fie nur an gewiffe Pri-t 
\atperfonen Terlieben und felbigen die' Nutzung 
4«raus wter ^ewiffep ginXchrtolittngea Terftattet» 



N 



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Voir Att Steatseumahme. m 

%M^ i ; : . L- r— — ' ": " ' , 

und ßch^dabey gewifTe Heehte, als: das Recht auf 
die hohe lagd, Auf die OberdofScbt aber dW Be- . 
iiutzuDg, auch wohl auf einigi^ Antheile^tnllö):^^» 
dderdttf beftiimnteHoltarten, z.'B.' auf ^bM Schiffe« 
bau taughche u. f. w». Vorbebaltiein babö. Insb^ 
pudere aber fcbreibt man' dem Staate ein Kechk 
auf alle nocb berrenlofe Wälder tk; itdcb welchem 
es ihm fodatin frey fleht, dief^lBeti entweder f^lbft 
)^u^b^uiHz^n, t^dor fie an P(-ii^at|Terronetk tu VerfM* 
^hen oder fdnft zu v^FiuTsero ; Und dkbey jede btf«> 
liebige Bedingung In mathen« 

In if^iefei*!! Uun WirkJfcb'das allg6m*^ine Wbift 
Befchränkungen der Benutzung des WAld^igeiif* 
thums verlangt, läfst ficb nicht zvifeiJfelri ; cläfs deir 
Staa dergleichen t\x ttCtLcYa^n befeehtl^ ^e^j '6^ 
Un<J wiefern^ diefcs Hoth^ntiig und tiQtlUiW f(Äjr^ 
'ift indeCfen eine Frage, welehe ih die Staatspolizei 
ge^idrt und die der FiDantwlITärifchäft firemd lindi' 

äat der Staat wirkliche Eigärithuiilsfectite 
an den Waldungen ads den! Gründe dts redUbheU 
Befitzei, ErbTcbäft, Kauf, S^h^nkürtg öder ändern 
|>riyatref<ihtl]cben TfAln \ fo geboten dlef^lbün üd« 
ter den Begriff der Domaib^n, übd WIö et* fodanh 
di^relben 2U benutzen , ift fti dem Vorhergciheiideh 
Abfebniite UDlerliicbt iT^ok^tfbi 



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m - ,^M^^.M^ 



»^ 'ir- 



For eip .B^^giüe Is^öiehu^ i;^r 4^ Recht fle$ 
Staats aber <iie W^Idtmgen nur ia fq \v(9|t,aDejkea- 
DM^, aUf ,§s aus der NaUur und denijijy^ejei}; c)er, Sov^ 
jreraipität und ans djerBetrachtung.fliefst^, d^fs d^ 
/illgemeine Woblein folcbes Recht e^odere C$«3'iO.). 
Dabin gebort nun unfire|tig .|) die Ausabung der 
i>berften Juft^z und.Polizey aber ^l\e WiH&Pi uod 
d^efes ift unftreitjg ein, Regale^. .^wojrpo aberc^ 
Eini^)iiinien, das daraus gezogen ^ werden kann^ 
nur ein höobft untergeordneter Zweck i(l j , und 
a) das Recht, über herrenlofe Wälder zum Belften 
des Ganzen zu disponiren/. Denn da herrenlofe 
Mräldv^fp. Mfia jedes* herrenlofe Ding überhaupt * 
einen^Herrn. verlangen,^ und im Staate die erfte 
Befitzergr^ifung kein zweckmafsiges A^ttel mehr 
Jfl, lieh ein Si^rc^pthum ,auf ^rgleichen Dinge zu 
^^f^fi^ff*' ^^'^k^\^^ es, allerdings: ejine.Regel zu ^ 
jeyo» ,üa, welche jedermann einftimmen mufs, di^fs' 
derfirleich^n GOfer durc^ d^en Staat in iblcheVer« 
häitniffe gebracht werden, in welchen von ihnefn 
der gröfste Vortbeil fOr äifr,Gefellfchaf t zu erwar* 
„tjen Jft.. • , . ' ' 

,\...:. ..j. 329. ' . . 

Wenn daher dem Staate vermöge feiner Natqr 
fin Di^ppG^ioiysrepbt über ^lerrenjpfd Sachen zu* 
kommt ^ fo heifst diefes nicht fo.yiel^^ dafs ihm 
einPrivateigentbumsrecht auf diefe Sachen zuftehe^ 
fondern nur, „dafs luan von ihm pp^tive Oeljetze 



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Von der Stafttseizmahme« 439 

erwarte, nach welchen dergleichen Dinge am be- 
Üfn in fölcbe^ VerhSltnilT^ abcirgebien-folien; dafs 
Von ihnen für* das Ganze der gröfstmoglichfte 
Nutzen zu hoffen ift.'* 

.$• 33o» • '■ , -j,^ 

Diefo Beftimmungen können iraik nach der 
Verfcfaiedenheit der Natut der Gegenftaäde und* 
der UmftlLnde fehr verfchieden feyn« < Uta hier 
blofs bey den Waldnngep |kehea zu bleiben; ^iEo 
kann es 

a) UmfUlorde geben ; unter welchen es ritbfani 
feyn kann, dafs der Staat dergleichen Wal- 
dungen zuiÄ Staatsgnfte IchSige, fie in Donnili» 
nengut Terwindle,^und fie' nach Art der Do- 
inintklgüter 'benutzet' - Diefe» wird der Fall 
feyn ,* weän fchon alle Uiiteithaneb hiAlKng* ^ 
lieh mit Land ?erfefaen find, utld in^ den HiUb- ^ 
' den derer, welche nochniehtB haben , 'kenie 
* Capitalien vorbanden fitfd, wodurch fie «bt« 
felben bewirtbfchaften könnten» £s kann 
aber '" : .. ,, ^ 

d) Umfl:Snde geben,' unter welchen es hOolift 
unrecht und unzweckmäfsig feyn wQ^de, ^eqlt 
der Staat dergleichen herrenlofes Land feinem 
Domainen eiuverldben oder fieb ein Privat- 
eigenthum darüber zueignen wollte. Diefes 
wurde z. B. der Fall feyn , wenn genug' Volk . 
und genug Capitale vorhanden find» wektfe 



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» ■ ^ — i ^ ' "' — ' /"' ' ', " ' ' ' 

.< <^ diefe^ Waldig als Pfiyateigentiium an üch 
|>riage{i uod benutzen können^ odeür w^na 

.;;.:. iwm.der Veitheiliiog derfelben uüter Privat« 
leute eine fchneliere Vermehrung der Macht 
und des Reichtbums des Staats zu erwartekl 
ift, und wenn ^ne Vermehrung der Staats- 

t einVftnfte.zur Verwaltung de$ ^ei^hs weder . 
' ' wfodiBrt wird» oqph tkducch bewirkt ii^erden 

K . Wae iiuji dem ßtaajt yermogt (bkhes tlfechti 
4nkt>inmt) das ft>ll er allerdings fp benutzen , dafs 
4;o V^rtfaeil.fQr das Ganze daraus erWachfti oder 
dafo die ganze Nation damn den gröfstmöglichften . 
.^ortHeil zieht, ^hen lüfo z.B. die herrenlofen 
Wald^iftgen ein^n y^etAp .und wird erkatint, dafs 
-die Vertheilimg deKeiben unter PriTatpeifonen 
der Weg ift^ fieani eintr|gUcbften ^ machen} fo 
'triirt jes unrecht i . wenp er fie yerfchenkeo oder 
umfooft weggehen wollte^ weil dadurch einige Pri- 
Tatper(oneti auf Koften der abriged begfinftigti 
/tkAeridas» was dem Ganzen gehört » einigen zuge- 
.fprochen wird. Er wird vielmeht von detien, di^ 
.daraus Nutzen ziehen können > fich eine Vefga« 
tu«g geben, l9(fw^ ^6 gegen eihen 2ehend oder 
andere Abgab^ verleiben u. f. w;^ tind diepe Wird 
^|ü0#n Theil desJ£inkommens bilden ^ das ^ur Be^ 
ftreitutig <ler ^taaUbedürfnirfe bedimmt ifu §6 

'Wird 



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Von def Staatsemnahme. 241 

wird alfo diefes Regal allerdings eine Quelle de$ 
Affentlichen EtokoiQinens. .4 

Das Recht des Staat;/B auf die Waldungen aus 
dem Regalrechte kann fich nie fo weit erftrecken» 
als das Redht deflelb^xi auf die Oomainen. Das 
letztj^e iÄ ttämlich fhcffe' auf diefelben Ti^el ge- 
grflndet, auf wefcben das Priratergenthtiim^cht 
ruheV; theils Hegt Ibfaon' die Hatrptbeftimtoung la 
ihnisn,' daCs fie eine Qudle des dfJFeiTtficben Ein« 
IcbmtnenS feyn follen. Das Regairecbt aber Aber 
die Waldungen Vird dem Staate blofs deshalb elii« , 
gerauint, dimit cf^ren hefte Benutzung fürs Volk 
möglich werde. * Dicfe aber befhsht nicht tittter 
allen UmHii'nden darin', dafs der Staat fie wie die 
i)oipa]nen betiutze'^ ^föndern oft wird * hierzu ^ia 
ganz anderj^f Gebrauch erfodert, und einen fei« 
c^en einzufahren ift fodann der Staat vermöge 
feines Regalrechts verpifiicTitet, weil elleili in die- 
fer Verpflichtung der Ürfprung diefes R^Sits liegt. 
Die Benutzung der Domainen hingt dagegen rieK 
)nelir von fcfner Willkühr ab. 

.f,333. . . i . .1 

Auf diefes Regelrecht alfö ein FiDanzeinkoni^ 
men aus Wildern» d}e Priyateigenthum find, ztt 
grfloden, wkterfpriobt allen Begriffen von Gerech- 
t^keit;^ Schon diß meifteo polizeylichetf Ee£ebrin- 

V. JmkQp Staa^finaniwiff. Q 



. ' ' 



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i4« ■ ■ ■ Erfteb Buch; ' ' V 



1i' 17 ■! Tfc 



kungen der fr^yen BentrtzuÄgefi^ d^r' Privatwttdtt 
beruhen auf fehr zweydeuH^cw tind -zlpreifellMiftMi 
Begriffen des allgemeinen Nutzens; fie aber gar 
als Finanzquellen zu gebrauchen, läfst fich auf 
keinen Fatf rechtfertigend* ^^ - ^ * ' r 

■ - ' ..•(•-. , :> ..,- :, 

• .- : ^ 3H ...y . 

In grofsen entlegenefi^ ^j^alduo^en beliebt, oft 

der einsige Nutzen., disr daraus g^ezogen lyerden 

kanui ia den fWeo joder dßm FJeifcbe der wilden 

Tbier^B y^lche darin gefang^. oder ec][egt wer- 

ilem Da$. EiJ^kommeni welches ^qf ^djefe Weife 

^us der Jagd gezogen wiJf^:! l^^Qn fogar febr bo* 

jdeufend werden, wie z« B^ a^^der Jagd ip Sibi* 

fle0 und Amerioa und in ät^ilic^en Ländern. Wenn 

daber gleich der Staat f^der^ der Herr des Walcfes 

die BenutfKung deffelben andern, aberliefs, und ficE 

um jdie.Aity wi« diefes gefchebe^ wenig bekOm- 

^ner^e, fo war doch das Recht auf die Jagd davpi^ 

aiisgefcb]4^i|* , Ja es wiurde auch die Benutzung 

der Qbnav Beüandtt^eiJe öa^ Waldes denen , wel- 

xKiyi.nian 0e aberlie)^, g^e.^ieiiugUcb nur uViter der 

Bedingung geftattet, dafs .fie die uöthige Hülfe bey 

der Jagd gewährten , oder eine beftimmte Zahl 

Felle jährlich von ibirer eignen Jagd ablieferten, 

j^er fonft ^^vnja^ leifteteu» . , «| , • . . , a 

^ ^ "S.'SoSp- ' '■ « ' - R nf --.t . 

Day Vei^gnügen f Vr^cbe« die GrundhenreA 
im Allgemeinen aa det i«gd nahmen, ^r '^ 



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Vo^i der Staatsemnahiite. ß^^ 



umejJLer Grund, wesbtib cfas ^echt zur Jagd ber 

^Iteii.Vicrirttfsftrubgenodei^^erleibuogen ihm Gruod 
und Bodens vorbebalien^ oad, gewÜTe Dienftlei&ia« 
gen dabey von den Anfiedlern y^pt}iiUßli /W|ir4eiu ' 



% 



i r • . .. .^ • /: • . , 



' 5. 33R 

Das Recht der Jagd fcheint cfaher im Allge- 
ineinen in den grundherrlichen Rechten feinen 
Ürfprung zu haben; in dem Wefen der SpuVerai- 
nitatsrechte findet (ich dazu durchaus kein örund» 
nndl^ann alfo aus dentelben nicht als ein Regale 
Abgeleitet werä^n, Ebeii fo wenig möchte €s fich 
hls eine bequeme und nützliche Quelle eines S^aats- 
einkommens dazu gualificiren, da die Natur der 
Sache fowohl ils dic^ Erfahrung lehrt : 

i) dafs, fobald dfe Wilder einigen Werth er* 
halten, did Pflege der Jagd eher zu ihrem 
' Schaden dis Nutzeh gereichen kann ; 

a) dafe die Mühe und Arbeit deV Jagd in culti- 

Tirten Ländetn feiten der Producte derfelben 

' w«rthifi, und der Gewinn acrs der Jagd den 

Aufvrandi welchen er erfodert, nic^ht deckt» 

... .n': ^ 

^ Man hat inddffen faft in «lleii^Staaten dae la^» 

desherrli^ihe Jagdrecht ftlr fein VorzftgUelies Regal 

^klirt» und damiiter gar rielerley^beg^r^Eiibi, als: 

a). das Recht, nicht nur cUe' Jagd ia den^iWIl'» 

^n4ß^ Staats» auch wenn fiean Priratleutt 



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^44 



^iJBcftes Stiotil 



' \ 



- : abgetreten 6ad, vorzug^weife a^i^zuübeiic uad 

alle.flbrige Nutzoirgen -des BefitzefS-stEcha^ch 

/,• ^ zubefchräohep^ ücmdcrn auch - . :K j 

•i)dl«rllöfeer iiiid Felder der UnteHhaxieÜ zum 
Behuf der Jagden ;ei^ benutzen , und die liazu 
nöthjgen Eimrichtungen zu treffen, ThiergJr* 
te'n und Einzäunungen von deren Holze zu 
macUen» iTagdfrohnden von den Uhtertbanen 
zu f Odern u. f. w«; 

^ 3) ^ch überhaupt alle Jagdep im Lande aozur 
maafsen, in wlefern.n^bt Genuindeo oder 
Privatperfonen feit undeiil^licben Zeiten itt^ 
,Beßtz derfelben, oder ausdracklich mit den- 
felben beliehen find: und auch diefe ab^elei? 
teten Ja^drechte fqhränkt das lanjplesberrlipbe 
Jagdregal gpwöholich ein, indem es auf die 
faobe Jagd au5fchliefs|ichen Anfpruch macht» 
% Vorjag^d oder IVlitj^igd mit einer beftimmtcn 
Zahl Flinten ausQbt u, f. vir« 

4) Eodlicb enthält, es. in. manchen Lande» eine 

MfiOge Mrillkiihrliober BeAimmungen,^ als; 

fich der Hunde der Unterthanen bey der Jagd 

zu bedienen,, die Hunde und Jagdbedienten 

., ^sAegedPten.jjEteniUnterthMen in; Fütterung "^ 

> z\x gehen^ ^die Hkrfchgeweibe , Häutn dcto 

Thitr^i welche apd»re Jagdbet'ecfatigte erl#f 

^gesl^ an den Landesherrn abzuüefern^alfiiw. 



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Von der Staats^jhnahme. 145 

Schwerlich Itfst fich- irgend ein vernönftiger 
Grund erGopen» weshalb irgend eines diefer Rechte 

* einem Regenten angehören mQfste; keines derfel* 
ben gehört -zum Wefen des Reglernngsj^ecbts» Eben 
fo wenig wird man erweifen, dafs die Jagd ein 
befferes Mittel fey, ein öffentliehes Einkommen 

^zn ei^heben 5 * als andere» welche die Staatsweisheit 
erfinden kann» Es ift vielmehr offenbar, dafs alle 
diefe Rechte nnr in fo weit einen Grund haben 
können ) als fie entweder vorbehaltene Rechte des 
Grundeigenthüme^s bey der frejwilligen.Veriufse* 
xung oder bey der Verleihung feines Grundeigen* 
tbums torbebalten find« Wo diefe5%ickt der Fall 
ift und fie denddch gehandhabt werden« da^nd fie 
aus blofserUfurpation und gewaltthätigtr Wlllkdhr 
entftanden. I^ie Jagdgerecbtigkeiten können da« 
her auf keine Weife unter den richtigen Begriff 
eines Regals gebracht werden^ aufser da», wo fie 
auf Domalnengrande oder auf herrenlofen Bodeii 
geQbt wird. 

$. 339. 

g Vf& fich nun dennoch dergleichen Rechte 

dbrch die Gewohnheit und feit nndenklichen Zeiten 
flRgefet^t haben , da wird der Staat vor allen an* 
dern- verpflichtet feyn , alle dadurch begrfindete, 
fOr die Nationalökonomie nachtheilige Verhältniffe 
aufzuheben-und in folche zu verwandeln , die fich 



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»4^ Erftes Buch.' 



mit einer gefunden Staatswirthfchaft reimen laffen. 
Er wird diefes da, wo die Ufarpation klar oder 
hdcbft wahrfcbeinliebift, unen^geldlich tbun ; wo 
aber RecbtsgrXInde fQr eine fcbädlicbe Praxis vor* 
banden find,, da kann er allerdings ein^ folohe 
Ebtfofaädjgung von dem Beläftigten fodern, welcbe 
ihm dea Vortbeil, den ihm die Beläftigung fcbuF, 
erfetzt, dagegen den' Beläfiigten von der Barde 
befreyt, fb dafs die Befreyung davon ibm mehr 
yortbeil bringen mufs , als ihm die Entfchädigung 
des Staats koftet* Diefe Entfchädigungsfummen 
werden fodann ein Einkommen des Staats ausma* 
chfBn, .das auf Gerechtigkeit gegründet und zu bil- 
ligen ift,. in wie weit die Abgaben, wodurch es ge* 
bildet wird, keine antinlitioDalökonomiftifche Fol* 
gen haben* 

§• 340* 

* Dagegen mufs der fogenannte Wildbann 
allerdings zu den Regalien gerechpet werden. Die- 
fer befteht nämlich in der hohen Gerichtsbarkelit 
und gefetzgebenden Macht in allen die Jagd betref- 
fenden Dingen. Vermöge diefes Rechts kommt 
dem Staate die Befugnifs zu, aUes dasjeoige zu 
beforgen, was das gemeinfchaftliche Wohl, die Si* 
cherheit und der ungeftörte Genufs des Eigene 
thums der Einwohner des Staats in Anfehung der 
wilden Thiere und der Jagden federt, als: 

1) Jagdgerichte anzuordnen ; 



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Von dßt Stjaatseinnahme. , 247 

u) die Ausrottung der wilden Tbiere zu befeh- 
len, wo Ge gefährlich werden; 
3) Jagdordnungen zu publiciren, worin Anfang 
und Ende der Jagdzeit» was zur hohen» mitt» 
\ lern und niedern Ja^d gehört u. f. Wo beftimmt 

wird, • 

Diefes Regal gehört zu den allgemeinen Hoheits* 
rechten , und kann nicht als eine befondere Quelle 
> des Einkommens betrachtet werden, obgleich von 
den Waidproducten , da die WSl<^er, wie jedes 
andere Eigenthum, unter dem Schutze des Staats 
ftehen, eben fo gut, wie Von jedem andern werth* 
vollen Dinge, das des Staates Schutz geniefst, 
eine Abgabe erhoben werden kann. Ob und wie 
diefes tbpnlich fey, wird bey der Lehre von den 
Abgaben unterfucht werden. Wo die Rechte des 
Regenten wie Privatrechte betrachtet werden, uipd 
diefem nicht das Recht eingeräumt wird, dje mög* 
lichft befte Art 4^s Staat^einkommens zu wählen ; 
wo Privatperfonen das Recht zugeftanden wird, 
die Hauptguellen des Einkommens dem Staate zu 
yerfchliefsen^ (da kann es freylich' oft räthlich feyo, 
dals der Regent auch unvoUkommne und für das 
Canse felbft fcbadlipbe Quellen des öffentlichen 
Einkommens nicht aus den Händen gebe. Diefes 
eber wird in einem Staa^te nicht nOthig feyn, der 
fo organifirt ift, daCs die Art und Weife, wie das 
Staatseinkommen zufammengebracht; werden foll, 
durch allgemeine Beratbung de): Nationaireprä- 



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248 Erftes Buch. 



fentanten, oder tonft auf eiue von dem Privatinter* 
^ effe unabhängige Weife beftimmt wird. 

$. 341. 

DalTelbegilt ungefähr auch von dem fogenanni 
ten Waffei^regal. Gewäffer, die nicht wohl ei- 
nes Privateig^nthums fthig find, fondern in vieler 
Hinficht Gemeingut bleiben mflffen, wie *das aa 
ein Land ftofsendeMeer, die Meerengen und Meer- 
bufen , welche von dem Territorio 4es Landes ein- 
gefchloffen find^ grofse Lai^dfeen, ;Str5me, BS* 
che u« f. w., muffen der Nation zu mancherley 
Zwecken gemeinfam bleiben. Dergleichen Ge* 
wäffer aber enthalten zugleich eine Menge nfltzli* 
eher Producte, wie: Fifche, Perlen, Ambra, Co* 
rallen, Goldftaub u. f. w. Die Gewinnung diefer 
Producte bildet mancherley Gewerbe, wodurch 
der Rßichthum des I^andes bald mehr bald weni- 
ger vermehrt werden kann. Da nun der Staat 
als Herr^des gemeinfamen Gbtes betrachtet wird; 
fo hält man dafar, dafs die Gewäffer und die in 
ihnen enthaltenen nützlichen Producte ihm gebö» 
ren, und er alfo die Gewerbe, um fie zu gewinnen» 
entweder felbft betreiben, oder den Privatperfo* 
nen wenigßens die Bedingungen vorfchreiben k6n* 
ne, unter welchen er ihnen die Benutzung ^er 
öffentlichen Ce wäffer verfiatteii wolle« 



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Von der Stäatseiniiahine. 9^49 

$. 342. 

Betrachtet man nun die Rechte des Staate 
wie Privatrechte, und befchrätikt ihn in Anfehung 
feines Einkommens auf die Benutzung derfelben; 
to wird er freylich auch diefes Reg^I Co gut als 
'möglich benutzen muffen. Um fein Einkommen ztt 
vermehren. Er' wircl .fodann die Benutzung feiner 
Gewäffer fo theuer wie ihöglich verkaufen ode^ 
verpachten , wird von den Fahrzeugen möglichft < 
hohe Wafferzölle nehmen , die Fifchereyen ad 
privilegirte Compagnieen möglichft hoch verpach- 
ten, oder fonft von jedem^, der ein. Gewerbe auf 
oder in feinen Gew2tffern treiben will, fOr die Er- 
laubnifs dazu fo viel Geld als möglich abzupreffen' 
fuchenr Diefes alles ift eine natürliche Folge von 
der Befchränkung des Staats (Regenten) auf die 
ihm befonders eing^äumten Rechte (Domainein 
und Regalien). 

f. 342^ 

, WircT aber der Staat aus dem wahren Oeficbts^ 
ptincte betracfbtet, und fein Wille als der gemein* 
fame' Wille All^r oder des Ganzen ange« 
feben, der nach d^ Ueberlegung deffen, was das 
hefce fflr das Ganze ift, die Mittel zur Erreichung' 
fein^ Zwecke wählt, der diefem allg^einen In* 
tereffe ein jedes PriVBtintereffe unterordnen foll 
und kann ; fo ergiebt fich eine ganz andere Anficht 
der Regalien. " 



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f |A Erftes Büdli* 



Immer bleibt dabey auch die Anficht» daCs 
dem Staate das |lecbt zuftehe» über das gemein- 
fameGut zu verfi\gen. Aber fein Blick wird dadn 
nicht darauP gerichtet feyn, ob daraus viel oder 
wenig in die Staatscafre fliefse; fondern v^dmehr 
darauf, welche Anordnungen für die Benutzung 
d,es gemeinfamea Guts zu treffen , damit dadurch 
der gröEstmöglichfte Nationalwoblfbnd ; befördert 
wei'de. Flöffe daraus unmittelbi^r auch nicht ^a 
Heiler in die RegierungscalTe, der Staat wird 
fich wenig darum bekümmern , da der vermehrte 
Nationalreichthum ihm Wege g^nug eröffnen wird, 
das , was er zu feinen Zwecken ben^thigt hätte, 
einzuziehen. , 

$. 343. 

Das Regalrecht über die öffentlichen Gewäf- 
fer befteht dann^noch immer in dem Rechte de$ 
Staats, öffentliche Anordnungen zu treffen, wie 
d^ffelbe benutzt werden foll, und Gefetze darüber 
'feftzufetzen. Nur wird eine folcke Regierung, 
die blofs das Oeffentliche bezweckt und ihr Finanz* 
weCsn diefem abfolut unterordnet, von ganz aofdera 
Grundfätzen bey BefÜmmung diefer Benut^ungsart 
geleitet werden, als eine folche, die in Anfehung 
ihrer Finanzen unfein ihr angewiefenes Eigen thum 
befchränkiVift» Ob Wafferzoll genommen, oder 
«ler Gebrauch der Gew£ffer ganz frey gegeben wer* 
den foUe; ob die wilde Fifcherey ^n octroirte 
Compagnieen zu Verpachten, oder jedem Ffhr<> 



V; 



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Yon def Staatseiiihahine. igl 

:_i p 

zeuge gegen fireftimmle Abgaben diia firlaubnSf^ zu 

£fchen u. f. w. zu verftatten,^ pderi)b das ganze Oe« 

werbe der wilden Fifcherey-' firey zu geb'en, und. 

welche Bedingungen und S&liranken dabey Statt 

finden follen? wird lediglich und allein von der 

Beantwortung der Frage abhangen: welche Ton 

diefen Methoden der Vermehrung der Productioa 

und der möglicbft heften Benutzungsart am heften 

znfage? «^^ ' Es wird diefes ein blofses Protfletn 

der allgemeinen Staatsbaushaltung feyn. «^ Die 

finanzielle Frage aber, wie viel aus dMrgleiohen 

Gewerben undAechtenin.^ieStaatscafTe zu leiten? 

vnrd aliein nach der allgemeinen Lehre von den 

Abgaben und Steuern, nach' denfelben Princlpien 

entfchieden werden maffen» wornach in eipem 

Staate, der durch nichts, als durch den Begriff 

des allgemeinen Beften eingefehränktlft; alle fibrige 

Abgaben vertheiit und geordnet werden. Die 

Frage wird nicht mehr feyn : ob der Staat berech* 

tigt fey, von dem gemeinfs^men Gute mehr zu 

heben, als vdn Privatgütern? fondern: ob es fOrs 

Allgemeine zuträglicher fey» von jenem mehr zu 

nehmen, als von diefen? 

Erlftuterting. Verpachtet t. B. der Staat dik H^inga- 
fiXfiherey; fo wird das Puhlicum dieXes Pachtgeld ia 
dem Preife der Häringe betahlen müCTeu. GefeUt 
alfo: i) die Häringe würden durcli die freye VerAat- 
tQBg der Hänikgtfifelierej So wohlfeil, d^iida^ Pold^ 
cum dahey mehr profitirte, alt jenes Pachtgeld beträgt; 
to wäre es offenbar belTer, die Fifcherey frey zu lafTeu, 
I und äu»j was das Pachtg^d daAr betrug, durch irgend 



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•gi EfftöS Buch. 



«IQ« «iKl«r« fchidütehe Abgtb«; tu )m^««» Man^XttM 
s) der auairäftige Debil der Häringe jrilrde diurcli di« 
Aufhebung del Pachtgeldes fo erweitert, daft noch 
einmaM fo viel HKrin^e afaf^etst wtrdatt könnteB, 
,«!• b«y den durch dM Pachtgeld erhöhetcvi PreiXan; ~Xa 
Vürde diefes ein anderer Grund tejn, rdas Fifcbcrge- 
werbe frey zu geben, un^ das nöthige Geld lieher 
rdnrch ««ae Sleuer «nf di# inllMdiföhe Coatetitioa d#t 
Häringp,, oder Tonil auf |rgfad eina £chickliohe WeiA 
%u erheben. — Ware aber ein privilegirter Stand im 
9Uate ^\ der das R«fcht hätte , Jeder Art von Befteue^ 
xungt, 4ia ihn trauen hi^yiAte » tu wifkrTprschen , mi4 
Cch an das dictum tu halten, dafs der Regent feia 
Einkommen allein auf Domainen und Kegalien begrün* 
.den kchma; £6 fiolii manleieht, dafs derleUie dadurck 
ijLch genöthigt Xehea könnte , £ein Regalrccht Mii einf 
iVeife zu benutzen , die* allen gefunden Principien der 
NationidBkonomie widerfp rieht. — Hier offenbart fich 
dev E^ftttien eines auf eine richtig« Natiooabnaprftfen« 
tation gegründeten Regierungsfyftems fehr deutlich» 
Es zeigt fich aber zugleich, dafs eine abfolute und 
imhriifchriiaikt monarcbifohe Verfalfung de^n letztem 
Yi«l näh«r kcimmt^ «It eiu/reprAC^irtatifes Syftcm, da» 
«uf Ständen beruht, die durch Steuer- oder andere 
fchädliche Exemtionen pri\rilegirt lind* 



in. 

Von den Bergwerks - und den damit zufammenhangendea 
Regalien« 

Als Grand und Boden in Prirateigelitfaum 
Oberffiog, dachte man wenig an die genaueren 
^B^ftinimuiigen des Elgetttfaumsrecljls an demCelben. 
Es erfödert fchon genug Arbeit und Capital , um 
nur die Oberfläcbrt.und was ficb darauf befs^od» 



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Von der Stäatoätniiahme. ^%$ 

f^k6j»giZ»bämtaen. Wbbm dabet hur dieieNut^ng 
«ogeftdrt bditb). war maa feboo TanStäeden^ iQib 
fich diefes Rtcht auch untaT die Oberfiieh^ xuul 
me liaf uotki: dtelalbe arftrisclie} dalcaa wurde, altf 
iinefBcJdi^daia^geZeil uaulllz (^b^inemJe Gad^ 
beley^i jwnig gadacht. , «^ • .. JUa^ maat jthra ;AMid( 
dUaituoterrder 0berfl§ahei,r»4ii einer' 'Citfe^Tf-rfü 
dhiPcliMIbit'Mtttcdea koniite» oUae:da£s.dieNoUia»g 
derObei^flAcbe*iladtaiikih\SafabaaW ütte,. «ildh^Aooli 
nmzlic<le^Producte verborgen, waren; dafa^dieff 
uaterüdifebeii"Gttter ficfa' JiK>GaQgen '«lid filöl^^ 
befinden > - die miter deir Lindereyen MielMrerrt 
fiigentfafiiiier wegibreidbeo»' uod da£i die Be&utzmg 
cUefiir Schatze von tinem eirinelnaD feiten bktt^ 
ben werden kann» ohne daft^er das Terrain aar 
derer Eigentbflmet' berOhrt ; da£5 ferner» wenn £5 
mit Nittsen herausgefordert werden foHeti^f daitd 
mehrere koftfpielige Baue und 'Anfialten erfodeM 
werden > die der einzelne felren nntemebmeft 
kann» und dafs der gan^ Bergbau wo nicUt ,i|n- 
mdglich» doch bdchft «febwierig werden w^rde» 
wenn man fich bey AbfÜhrtiilg der Waffer, bey 
dem Bau und der Verbindung der Gruben,. .Schächte 
und Stollffn nach den Ortozen des PfiTatefgea« 
tbuma auf der Oberfläche richten foilte; da fefnei 
die Poch • und Schmelz werke, worin die Minera- 
lien zubereitet und gut gemacht werden , - den Ge« • 
breudb'iMrfBäehe vnd fMU nöthwendig t»«chen, 
Aber #elche biufig nur^der fitaaf d^ f«*^y« VerAlN 



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ft|4 :' ^£Ifte*^Btlch. 



guDg^iliatj;. da dcrJBetcieb des B«q|hi»w gMfiM 
Oq>itaiieii i:Diid vitto . Vdrauskgen • erfodlMt , dim 
tesaig.^oiMtleiite befttztn ; und endlidh der 3erg- 
teu eia'fo unficberes UoternehmeD t^» dafo* et 
(^etnt>!*es könne nur derjenigq|^e$ ihit Hotfhon^ 
etvsäs dahejp zu gewlnDeii , . betreiben^ vmkchfft'dM 
Recht hffV fieh dexiielbemalleBthalbetf>zo2«eigttetf# 
«utsKtrrcdidiiroh. dia gydfisere Wahsfcb^itiliclikieit 
eayieUfi^ula{B.et foc^den Ver4«tft, den ar'bey 6iai^ 
göiii^Bef ^wecken erCährti' doreb dbo Au^u aflc» 
d(^r rfeibberer Werk« entfcfaädigt werde i'fbtVrur^ 
de cMe-Meinnung izittnücb dlgamein her rfeh em lj 
<ia£s der Bergbau fich fQr Privatleute nicht ^ohl 
febidcet fendern fla£i*es. {Ar das allgemeine WbU 
eiel beffer fey> wenn dem Staate auf die «ntet 
der Erde verborgenen; ßater das ausfcUiefsliofae 
Recht eingerännitrund deren Nutzung von ihm be« 
trieben werde. Und fo wurde cier Bfei;gbatt ift 
enehrieren Staaten als Regal betrachtet. . , 

- 'An in.' In den alten Staaten kannte man jedoch diefei jfle<^ 

, ' gaiiiioht. J^dem igfibivete, Xo wia nochjel^ in Eng^ 

landy fein Boden bif in den Mittelpunct der Erde. Iit 

' deutlchen Ländertf ili et aber lehr alt , und fchon der 

' • Saohfen *' «nd ^Schwabenfpiegel recbnen «a dtk Rihiiga 

Aecl^ten das P^cht. auf aUe«, was üqh ßjnM ^e tief 

un^r der Oberfläche befindet ^ wogegen Ge die Luft 

ü)E»er def Oberfläche bis zu den Wolken zum Pfftat* 

. rechter zfthlen. .« -i 

.... $.345. '..:.,• 

^. ., : Iß: den. Bergregalien r^oet m^n Mi^cadln 

witen^di^obi QflLtf j;^ tiUmi$ .fie mdgon eine ftfte 



I 



1 



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Van der jSfeiftte^irinahme, us§ 

<k(«i*^flffffi^ Q«ftalt haben^ Daher werden 'auch 
Vie tcrfteti Sälfllag^Vy die Salz>: luid MimralqueU 
len,. felbft irenn fie zu Tag«, ausfliebext» ;cbe'£ift> 
fondbrunneo vu L w. dazu gerechnet. . Vermöge 
derfelben (cbrtibt man detä ^t^ate das Recht zu» 
üüh Otter an. benutzen ».iWlArer tä gutifiiufet, alfo 
Ai»4^tweder ielbft zu f Lederol mtdtfia^ewerbtf 4fr 
mikf zu tra^üiy milder ;fie^aä andere zb ver]#Ui0t^ 
, WM I TerKuCkerm .und die 'BfdTnjsungrii / daoftbec - M 
'biftiiimieii. • - :ii . '^j^ \^ > . ,1. 2':i 

■*• "^ $. 54& ' »* *••• 1 

r ) I Weanr dehee avch^ gleich der Staat die Ber^ 
^vrisid^ verieillet} ^£0 glaubt er.doeb ficb vei;rcbiff> 
ideAe/ibm qot^lic^p Jlechte dabey yorbeljpl^e/i ^jj 
fpOften,^ als,: .^^9^.1^?^ das R^cht, €3nen.Aftt)j|i| 
^.deu ]?radi|L9teu9^ lyrelchePqvi^tleute au^ ^^rl]^ 
neu yerlieheoen Bergwerken erbalten, zu Täfihfjj^ 
fondern auch die Abilieferuxig diefer Producte an 
di^^ßgleruog 70 einem befti^ajinten Bfieife, zu ver- 
langen, oder w^C^cns flen Verkauf auszupbj^n^ 
|aSi^fond^Q.i& diefe$ Recht in Anlisbijnj;^ der edel^ 
lA^alle fle^fsig ausgeübt ^worden. , AucU wurde 
dasi M a n zr e g 4!^ od^r das Recht, ellej^n im Staate 
]yiü9z#ri auszuprägen, als. eiin Av^^i^ ^^^ß^fitl 
r^ais betracbtef;» • J^ben fo glaut)^jsn^vlele Suaten 
£$b5venigfiens den alleinigen Verlief ^es Sal^e; 
Wwbf lialt^ zu muffen* W^PA ^fiß^k^% V*oh 4i^ 
.Sia^ireiike wd ctie fabriCf»(^ 4^$. Satzes Privat« 



I 



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i 



tS4 EcOm Skkdau 



des Sal^egds das'Aecht zubefitzon»' lab^dtfif^ii^ 
daf» allM Toa £rivaiücaitto {ab|cicliit«r S«lz »£# 
«öm feriMrea DebÜ abgeiaffen' wrarde» mOf£e. , ;: 

•i^. ^, ^ • ^ .J- 347- , ...,-,:.: _: ,. • 
r^.\^ li(an ift 4gherige99v4i|)t,. «üftJUrKgr ««4 &^ 
tMrke, felbfrtivmin'lia jeUtiffir BuFatasfaatkiua 
gdten» doidi «ititwiadar liUs* abg^aiiM t^i» itMi 
B^rg^ und Satecagi^AO betfitohten*, So*4ä(a fi^oinr 
als Lehen der |^tgienuig anzufebeo » oder fi«; t«^ 
nigfiens den Befcbränkuagen des RegaU in £o iweit 
«tt tiAiePwerfeil, ^lafo der Staat «as alemCelban daa 
. Acfcht habe, dem Privateigenthflmsr üokfaer Werke 
Üie Ordnung Torzufcbreiben« vkt fie diefolbe« ite 
ke^iutzen haben , auch^ von ihnai ^2fu lodern , d^ 
fie ifire Froducte der Regiemilg ^uafcblief^efa vatti 
fcaufen. \ i uw c 

Dafs nun aus de^ Ansfibang folcher Vbrrddüe 
äin höchft biedeute^des Einkotiümen fQr den SHiat 
isntTprfngen'kÖnn^i und dafs dl^Ies um fo grdfeer 
feyn mäffer je me'hr fich Bergwerke und unterir- 
äitche Güter in einem Staate^ banden,- und je 
tilibefcfaränkter^iter Staat diefes HedM ausübt, ift 
leicfht zu ermefffen. Auch ift leicht zu begreifen^ 
dafs ein Regent,* disr in Arifehung der fonft^eia 
Qüeilen der St^ats^ihnahme beföfarinkt Hty'mö 
insberondete gan^e Stände , und zxirtf geradeste 
' r^iöhften, heb Mgftbenfidyhaiti'Wntngeti babee; 
j eine 



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Von der Staatseinilahme. 457 ' 

eine folche Quelle, als das Bergwerksregal ift^ 
nicht aus den Hinden geben wird» Wo aber der 
allgemeint Wille unbefcfaränkt Ober die Eröffnung^ 
der Einnahmequellen befbhliefsen kann, und allge* 
ineine Gerechtigkeit und die Gnindfatzel der Na« ^ 
tionalökonomie die einzigen Schranken finds wel- 
che der Staat bey Formirung feiner Einnlabme zu 
Rathe zu ziehen bat» da werden den Staatsfnana 
ganz andere Betrachtungeh Ober die Benutzung 
der Bergregalien leiten mOiTen. Da wir hier von 
der Idee einer vollkommnen Staatseinrichtung aus- 
gehen ; fo betrachten wir auch das Bergregal aus 
diefem Geficbtspuncte , es den Umftänden in der 
Wirklichkeit Oberlaffend, was davon in einzelnen 
Tfillen realifirt werden kann , ohne wichtigem 
Zwecken Abbrach zu thun« 

«• 349. 

Hier ift nun 
I) klar, dafs c^s Bergregal blo£s in fo weit in 
der Natur und dem Wefen cfes Staats gegrün* 
det ift, als es das Recht bedeutet, für die 
Benutzung tieffelben allgemeine Vörrchriften 
zu geben, welche das Eigenthutn und den 
Betrieb deffelben in den Schranken der allge- 
meinen Gerechtigkeit halten, und die Betrei«» 
^bung des Gewerbes dergeftalt möglich ma- 
chen 9 dafs derfelbe Weder durch den Eigen* . 
nutz oder den Eigentinn der einzelnen gebin* 
9^ JmkQh Staatsfinmntwiß, R 



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21^9 Elftes Bui^^»: 



dcrt, noch auch irgend Jemanden Schade^ 
oder Unrecht daraus erwacbfcn kann. .Die» 
fes ift die Aufgabe der pofitiven Gefetzgebung 
far den Bergbau, welche z}^ löfen dc^m Staate 
feiner Natur nach angehört. Aber diefc Ge- 
fetzgebung kann als keine befondere Finanz- 
quelle angefehen werden. 
9) Alle übrige Befl:ai\dtheile de; fogenannteo 
Bergregals beruhen lediglich und allein a) auf 
der Anerkennung ihrer Rechtmäfsigkeit>. und 
b) ihrer Z^eckniäCsigkeit. 

§. 35oi 
Als rechtmtfsig mQffen dicfeBeftandtheilc der 
Regalien gelt^, wenn fie wirklich mit keinen^ 
fchon vorhandenen und wohl begründeten Privat- 
rechte in Widerfpruch ftehen* Sobald daher : 
i) fchon Privatrechte auf Bergwerke, Sali* 
nen^ Gefundbrunnen u. L w. exiftiren und 
in der Praxis anerkannt find , ift es ,un- 
rccht, wenn der Staat dergleichen Rechte 
aus dem Grunde feines allgemeinen Regals, 
ohne dafs ein höheres Recht es nothwendig 
macht, befchränken, oder gar die Privat- 
rechte für nichtig erklären will. 
2) Wenn aber noch gar kein Privatrecht auf dia 
unterirdiCchen Schätze exiftirt; fo tritt aller- 
dings d^s Recht des Staats auf dicfe Gegen- 
ftände , nach dem allgemeinen Princip, ^ dafs 



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Von der Staatseinnahme. 



*59 

dtsdemOanpiADgehöre, was kein Eigeri- 
thütn des Einzelnen ift, ein. 
3) Wenn fchon ein poGtires Gefetz vorhanden 
ift, welches dem Staate die unter der Ober- 

• ^ fliehe des Privatgrnndeigeitthums befindlichen 

' Producte zufpricht, \,nd da« Privateigenthum 

nnr unter der ßefchränkung diefes Gefetzes 

erworben ifl;; (o mufs dem Staate allerding« 

dSis Recht darauf eingeräumt werden. 

f 35i. 

Wenn aber auch die Rechtm«fsigUeit der in 
einem Staate gültigen Bergregalien anerkannt und 
ausgemacht ift; fo folgt dofch nicht, dafs der Staat 
dieffelben beftehen laffen oder zu feinem eignen * 
Qewerbe machen folle. Denn da feine Pflicht er- 
fodert» aUes im Staate dergeftalt zu orgari'ifiren, 
dafs daraus der höchfle Grad des iallgemeinen 
Wohls entfpringen kann, und diefes darin befteht; 
l)dafs jeder fich fo fi^y bewegen und feine Thä^ 
tigkeit fo unbefchräokt als möglich äufsern könne, 
' ia dafs er nur des andern Recht und Freiheit dabey 
nicht Verletzt; a) dafs die gröfstraöglichfte Men- 
ge von Mitteln im Staate hervorgebracht werde, 
• um fo vielen Individuen, als nur möglich, ihre 
•Ekjftenzund Wohlfeyn zu fiebern; fo folgt hier.^ 
aus: dafs der Staat jedes Recht, &tis nicht zu fei. 
nem Wefen gehört, aufgeben oder nafeh diefen 
Zwecken modificirenmoffe, fobald er den ihA 

R a 



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^6o Erlies Budu 



darau« entfpringeDdea VorA^il entweder «ntbeh* 
ren, oder (falls er ihn nptbwendig bedarf) auf eine 
andere zweckmäfsigere Art erreichen kann. * 

Ob alfo die beftehenden Finanz^egalien 6ey* 
bebalten werden follen, oder nicht, wird TOn der 
Beantvirortung folgender Fragen abhangen : 

j) Wird dadurch die Freyheit der Privatperfo- 
nen fo beengt, dafs fie dadurch verhindert 
werden , ihre Thätigkeit gehörig zu äufsern, 
und mehr hervorzubringen» ah wenn jene 
Befchränkung nicht wäre? Leidet die Pri« 
vatinduftrie darunter? 
a) Warde die Production des Landes gröfser» 
der Wohlftand verbreiteter werden, wenn der 
Staat auf fein^ Regalien Verzicht leiftete^ 
oder fie anders modificirte? 
3) Kann der Staat das Einkommen , welches er 
aus der AusQbung der Regalien erhebt, fich 
auf eine andere gerechte Weife verfchaffen, 
ohne dafs daraus fo fckädliche Wirkungen 
far den Nationalreichthum oder die Been* 
gung der Freyheit hervorgehen , als wenn er 
diefes Einkommen aus den Regalien zieht ? 

$. 353, 

Sobald das Einkommen aus den Regalien kei* 
nen diefer Nachtheile hat, oder fobald es (b ein* 



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Von der Staiatee!yiaaTiTne> d6x 

gerichtet werden kann, daüs diefe Nachtheile ge« 
lioben weErden, wird es rathCtm feyn, das Ein« 
kommen aus denfelben beyzubehalten> ja diefei 
wird auch der FaU leyn« wenn die Nachtheile« 
welche mit der^Hebung des^Staatseinkommens auä 
«ädern QaeUen. verknöpft find, nicht geringer aus- 
fallen» als die 9 welche die Methode , fie vermit* 
telft der Bit galien zu erheben , hat. Denn ein* 
iehr (chätzenswerther Vortheil ift att mit vielea 
Einkünften aus Regalien verbunden , nimlich der» 
da£s fie das Privateigenlhum unberOhrt laffen und 
die perfdnlfche Freyheit nicht antaften. Sind aber 
«liefe Vortheile der AusQbulig der Regalien nibht 
eigen, wirddaduirb vielmehr das Privateigenthum 
und die perfdaliohe Freyheit beengt; fo mfkfhn 
euch diefe Nachtbeile mit den Nachtheilen der 
yndem Metboden verglichen werden, 
*. 354. 
: W^ nun zuerft den eigentlichen Bergbau be» 
Arifftl fa leidet es keinen Zweifel, dafs durch den« 
ielbeo fehr viele n{\tzliche BedÜrfoiCsoiittel ans 
Tageslicht gefördert werden, und dadurch ein- 
^i>D(ser Reicbthum entftefaen kann. Es wird' alCo 
auch «atfirlicber Weife dem Staate fehr viel daran 
gebgen feVn.m Offen» fowohl das Eigenthnm der 
Bergwerke» als die Betreibung derfelben aut eine 
folche Weife gefetzlich zu ordnen » daCs daraus d^ 
gröfstmögliehfte Nutzen für das Volk und das 
Staatsganze zu erwarten ift* 



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261 Erftei Buch. 



f 356. 
Beobachtet man oon'dett oatOriicheo Gang 
der Dinge , fo findet ficb » dafs der FleKs der Pri« 
Talleute» insbefondere fo lange noch nicbl gro(iie 
ReichtbUaaer in ihren Ulndes find, haupcfächlieh 
Solche Gegaoftinde aoffiicfat, waren ,fie fioh elaea 
fiebern und gewiflen Gewinn verrprecben. Der 
Anbau der gewöhnlichen Lebensmittel durcbXand« 
wirtbfchaft und die Verarbeitung der rohen Matav 
riallen zu allerley ndtbigen, nattlicben oder ange« 
nehmen BedArfniflen und der Handel mit denfel« 
ben, find die Gewerbe» Welche den Priratbutwa 
unter folchen UmfUnden am meiften zufegen. —* 
Die Förderung der unter der Erde rerborgenan 
Schätze iß gewöhnlich mit einem fo groCs^n'Auf* 
w^nde verbunden, erfodert fo viele befoodere 
Kenntoiffe und Gefcbicklicbkeiten, und der Erfolg 
^ ift fo nngewifs , dafs es lange dauert , ehe Privat- 
leute ernftlich daran denken. Geh mit diefem Ger 
werbe zu befaffen, Erft wenn die Capitaljen im 
ihren Hjnden fo zunehmen, dafS;fio in den ge* 
wohnlichen Gewerben nicht gewinnvoll angdegt 
werden können , und wenn' ficb die zum Bergbau 
erforderlichen KenntniCfe mehr ausbreiten, werdea 
c^e Privatleute, geneigt, ficb auch an c^efen Zvi^eig 
der Induftrie zu wagen und die imterirdücbea 
SchStze aufzufuoben« 



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Von deor Stadtseiimahme. 263 

§. 3S6. 
Diefear Gang der Dinge werdklkt Im Alt^mei- 
BttD «uch- voUkomiDiie BilUgung, Deno wer'^ooch 
sieht viel bat, darf auch nicht vieh wagen, ii\id 
tfaut'befCer, fich an Gewerbe zu halten» die» Wenn 
^letcb' einen mt&igen, doch'ficheni Oewttitf ver« 
iprechen. Wolhe eine Nation anf gewagte Ge* 
lefaäft^ ' alft) auch auf den Bergbau ^ viel rerwen- 
tfeti,' wo ihrem Tlerise noch eine Menge Gewerbe 
fiffen- ftehen , die im Ganzen einen vfhit 'gröfsem 
Bnd fioheVn Gewinn geben ) fo wOrde fie febr thö« 
ritte baliddiK ^^ Selbft der Ofund» daf^ fie doch 
Bergwerksproducte nöthig hat , wArde ihr Unter* 
nahmen nicht rechtfertigen ; foba)^ ihr ihre übri- 
gen Oewet^ Mittel rerMiaffen, Ae ihr ndthigen 
B^gwerkspTodücte ron andern Natipnen, die rei« 
€#rer find o#e^ »de« Bergbau beffer verfteben , zu 
kiaufen, und^fie Ihr dafelbft wohlfeiler zu fteheik 
librnmen, als fie fiob folohe dürofa eignen Bergl^u 
Im liMde terfohaffen könnte. 

T- i. 357^ ''. . ^ . ' • 

Unter -folohen Umftinde* kftit ei nun der 

Staat für «fotzlieb , dafa er fich des Bergbaues im 

Xiandeaniiähme und ihn auf Mtie Soften betriebe^ 

Die gewöhnlichen Grunde daflr find : 

' t) dab es döchStbiide v^lre, wenn Aefe Sohfitze 
•der Nation enteogeu bleiben feilten » da fie 
üoleheHn Sehoolae 4er Erde befttzt; 



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d64 Erftes Btich. 



2) dafs, da eimnabl Privatleute» unter den an* 
geoomaiaiieo Umftl^deB, den Bergbau ent- 
entweder gar nicht , oder doob ,niebt «vreok« 
miisig betreiben könnten , es dem Staate zu« 
Mommei fieb cßefes Gewerbes anwnefamen, 

, und üok den ganzen BergtMia zuzueignen^ weil 
nur dadurch ein wahrer Nutzen damiia g^ 
zogen, und aller Schade bey feblgefebbgie« 
neni Baue auagegtioben oder vielmehr dtiffck 
gröfsem Vbrtheil abertroffen werden köniae* 
Der Staat habe auch allein das V^tmögtit 
dazu» und kOnne geCcbickte Beamte dtit» 
bilden« 

3) Hierdurefa erhalte die Nation einen Reieli« 
tbum» den fie fooft nidht erhaltee würde. 
Von dan^felben köoneni^ht nur ein betrieht* 
liebes Einkommen fOr 4en &Mt gewönaei, 
ttnd um foyiel das Vermögen derUiMertbanen 
gefchont werden; foad^co es erbalte dadorek 
die Nation auch eine Menge oatzlieher Pro* 
ducte, die fie fonft vom Auslande kaufen und 
folglich einen Tbeil ihres Vermögens 'aus 
dem Lande fichiekeQTinffftte. Durch deirBiärg» 
bau de$ Staats werde diefes -Vermöge» im 
I^aqple erhalt«, mid diene zur £cn<bruag 
und Unterhaltung einer ^«geofsen M^ge von 
MenCchen, die aof diefo Welie die Kraft und 
St^ke de^ Staats veihtehreo hfllfen. Hier- 
durch, glaubt mftiii nun bewiefee 2u* haben. 



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Von der Staafcs^kmahme« 26$ 

dals es dia nOtzliehfte Einricbtuog fey, ^wenU 
der Bergbeu zam Regal , gemacbt uod ali 
Staatsgewerbe betrieben' werde. 

$. 358. 

Diefe Orftnde YerUereo aberbey niberer on^ 
parteyifofaeri^rttfttng derfelbeti einen grofsen Theil 
Ton ihrer Kraft ;. ehrige paf&n mir auf gewiffeZei« 
ten und Umftände, andere erfeheinen als^Yoll^ 
kommen nichtig« Demi 

Was das.ejrfte ArgnmefiC' (^ 35^7«) hetriffr) 
So kann es. wohl feyn, da£B> viele Scbitze Ungar 
unter der Er^e bleiben i^Orden, wenn der Staat 
keine Anftalten trAfe, fie hervorzuholen. Aber 
kiaraus folgt nicht, dafs fie ron den Unterthanen 
aiemahlif «rOrden bencorgeltioht werden. Wttm 
m aoeb nicht gefchiebt, fo ift'diefes nur ein Zei^ 
dMo, dafo das Volk noch nicht hhiretehendes 
Vermögen odfer noch nicht genug Sinfiobt dazu 
befitzt , odir dab es durch poSitifche Hinderniffe 
abgehalteii wird , beyde anf diefen Zweig der In» 
dnftrie :;bu verwenden. Wenn nun Gapitale und 
Indoftrie mit andern Gegedftfinden HOok hinrefr- 
^end und »fitdieh befokift^t find ; io ift^es kein 4 

Schade» wenn dieMinetalie» noch eine 2leitlang 
unter der Erd4e& hUiben» bis das Volk fehlen Vor- 
theil dabey ficht» fie hervor^uftode». Diefiii 
wird aber gewiCs gelcfteben«* Ibtaalcf fich nur die 
gehörigen fceiintniffe ni|dida» V\ w ili i geu dam findet» 



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»66 Erike« Buch« 



und der Staat der freyeo Bewegung der Indnftrie 
keine Uinderaide eatgegenfetxt. « ; ^ 

§. 359, . • ' 

I Dafs es aber ($. 357*) zweytens Yortheil« 
baft fey, dals cier Staat den Bergbau treibe, wenn 
die Privatleute entweder noch jdcht gefohiokt 
oder nicht wetm&^tid dazu find, ift keine npth« 
wendige Folge aus dem le^isten Satze. Benü 
daCs die Privatleute den Bergbau nicht: ergreif eii^ 
fjretin fie die Fireybeit tfazn haben, Ift «ben ein 
Zeichen, dafs fie ^/nCelben nicht vortheilh^ft 
hkdeUf und dafsfisihre Capitale und ihren Fleifs 
ia atidern Gewerben gewinn voller zu befchafttgea 
wiffenl Will nun der Staat den Bergbau^ treiben^ 
le muCs er die Capitale dazu doch aus den Prhrat* 
gewerben herausziehen. Denn er nimmt- das Geld > 
iiazu aus dej» öffentlichen Geldern , und da er däE» 
felbß nicht nöthig hätte, wenn er kein* Gewerbe 
triebe i fo wQrde es in den {landen der Dnterthanea 
•Ueiben. Hier aber wire es nicht mfifeig, fondera 
fl^e denen Gewerben zu, die^c den Privjitleuteii 
-den meiften Vortheil bringen. Zi^ge nun der Staat 
\ T^mlcdelienG^waiibep eine Abgabe, d#e der Renten 

-welche ihm die Bargwerke bringen , gleich wfre; 
4o wOrd» das Volk und mit ihm c^ Staat bey einer 
^ Solchen Art von Wirthfohaft eher gewinnen als 
'Vertieren, da im Ganzen c!fn Privatmann fiin Qm^ 
»waebe^arfamev taeibt^ ala der Staat) und folglich 






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Von der Staatä^innahme. kSf, 

, - - - = ;-^.^ — Ji *~ ' -1. 

damit gewffs mefat- gewinm^: als cfiefer, wenn ei^ 
diefelbe^ Quantität von Caprtalen -auf O^werbe 
wendet. • ^ * ^ a • , . * 

Erläuterung. Man fetce, der Staat wende jährlich 
1 MiUioti ThaUr auf den Bergbau , und xöge daraus an 
- tKeute. und' Profit (alle Veclufte und laux frail abge« 
rechnet) 40,000 Rlhl. -* weichet der OurchfchnitUge« 
winn bey Bergwerken ilt, womit man lehr zufrieden 
leyn muX^ — Nun fotia-BiaA iMt, dev SUa» Terfleht 
die£e MiUian an Priyatleijte^ oder iie l^lieb? fox^ft m 
deren Händen, und dicüe gewönnen damit durch Anlag» 
auf Aekeriiau', Manufacturen mid Handel 10 Procent 
* als den niediigOen $9^% v$^ diefeir Art r€n 0«wezbeni| 
fo worden die Unternehmer 1} dem Staate 40,900 Rthl» 
IZinTenVon ihrem Gewinne.bezahle^ können, und et Klie- 
^])en ihnen a) nöah 6a,oao Hthl. ühirig^ ir*lche« ain r«finelr 
Zuwachs fM dem NatiqnalvermögeA wäre. So wi^^nippi 
jetzt der Staat aus dem durch den Bergbau geförderten 
Gold unci Silber n. f. w. Geld föhlägt, um damit die Ar- 
beiter tu iravdiXen , damit £e Bah Brod^ J'MTch, I«bil- 
wand u. f. w, kaufen : Xo würden fodann die I^and^yi^^ 
the , Manufacturifton u. I. w. für dat gewonnene <je* 
treide , Vieh, Talg, Zeug u. f. w. Gold und Silber kau* 
fen, um dari^s dat ihnen nötjiige Geld prägen ^u laXTen, 
oder fie würden <g[I eich unmittelbar dat. nöthige Gold 
** «md Silber dahiit ehitaulchen. -i^ Der Staar würde 
aUodurchaa» duich, diefian Wechfel der Oawexke »iote 
verlieren, fondem vielo&ehr gewiniiexi*. * 1 ^ 

§. I60*. i -^ 

Solfte ea alfo zu billigen feyn , dafs der :Slaiit 
GapItaJe auf den Dergban. wendet, zu einer ZdH» 
mo Privatperfonen difafea zu «bon nocb nicht Ten- 
»nij^^} fo maffoto Tdrber erwiesen .Verden, dafe 
diefes Oapital ^in den ^ttedeh der Privatlonte auf 
'keine Weife ta bohm* Oeman bstogeth auch nielit 



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i 



«68 Ezftesc Böch. 



-r- 



#ben fo riel Meofcben »baEi ib gut nfthreA vtrerdcb* 
und dafs oicht: andere Staat^eijKricktiingen darao 
Schuld find 9 dafs diefes nicht gefchiebt, 

f* 36oK 

Ift aber gar <let Staat in einer folcfaen Lage» 
dafs genug Privat vermögen vorhanden ift, um den 
Bergbau zu betreiben^ und dafs diefes nur deshalb 
davon zurückgehalten wird, weil der Staat den 
Bergbau zu treiben den Privaten nicht erlaubt, 
oder ihnen zu harte Bedingungen macht } fo i& es 
offenbar un weife, dafs der Staat die Privatcapi* 
tale davon zurückdrängt und deh Bergbau felbft 
ttbern^mmt, da es die allgemeine Erfahrung lehrt^ 
dafs jedes Gewerbe von Privatleuten fparfaraer he* 
trieben werden kann, als vom Staate, wenn man 
bey beyden gleiche Mittel vorausfietzt. 

§, 36 1* f 

Sats drittens ($. 357«) Privatleute nicht 
4lt nötigen Kenntiiiiffe zur gefchickten Betreibung 
der Bergwerke befitzen foUten, fobald'die Mittel 
fle zu betreiben in ihren Händen find, ift nur dann 
ider Fall, wenn fie durch die Sfaatsgofttze von 
4enii Gewerbe abgehalten werden» (b dafs nur we- 
nige ihre Anfmdcklkmkeit darauf richten.. Steht 
aber der Zugang zu dem Bergbau den Privaten 
ganz freyi. f6 werden £ch bald Unternehmer die 
äwa Jidthigien KenntniüCa erwerben > .£obald ,dijB 



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Von dar SteaEteekiiaahme. A6f 

» 1 ^ ..ii « 

Vortheile davon erkaont werdan ; adev es werdea 
flDch dl« daoDit verbtmdeoen Voitbjbilft wdere Pm 
vatloute aalocken , fidb dei:glei«b«r KenDtoiCfe zu 
v^fchaffea» und denen, die Vermögen und Luft 
zum Bergbau liaben » ihre Di^nfte anzubieten« 

$. 362. 
Wie der Staat feine ihm eigenthümlich ange* 
hörigen Bergwerke benutzen foll, um aus ihnea 
ein Einkommen zu ziehen, haben wir oben bey 
der Lehre von^ den Dom'ainen gezeigt. Stehen 
ihm auf die Bergwerke anderer, vermöge d^r Re* 
gaben. Rechte zu j^ fo mflffen feine Principien in 
^fehung derfelbenfeyn: 

i) Alle Bergwerke» worauf ihm die Regalien 

ein Recht geftatten, der Privatnutzung tu 

aberlaffen, und fich dafür nichts, als ein^o 

Theil der Rente oder des reinen Gqwinnftea 

, zu bedingen. 

2) Wo beftimmte Regalien auf folche Bergwerke 
exiftiren , welche deren befter Benutzung 
Schwierigkeiten in den Weg legen, /diefe 
Regalrechte fo zu ermäfsigen und zu modifi- 
ciren y dafs jene Schwierigkeiten verfchwin- 
den, und der Privatfleifs aufgen^imtert wird, 
den Bergbau auf denfelben zu betreihen, 

f 363. . 
Der Bergbau ift allerdings e|n Gewerbe, dät 
von Seiten 4ts Staats mancherley Aufmunterung 



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t7* Erft^es, Buclu 



und Unterftatzung hedatf , 4ie es. Geh* bleüs felbft 
überlaCfea » nickt fo leicht erbaltea würde , und in 
wiefern er eine bedeutende Quelle des Staalsein« 
kpm mens, auch als Regal betraehtet, werden kann; 
fo verdient die hefte Benutzung diefes Regals auch 
in finanzieller Hinficht eine eigene Betrachtung. , 

f. 364. 

Angenommen , dafs der Staat vermöge feines 
Regalrechts ein ausfchliefsendes Recht auf alli 
noch ünentdeckte Gater unter der Erde hcfitze; 
fo würde es doch nicht rathfam feyn, fich auCh 
den ansfchliefsliehen Betrieb aller Bergwerke, 
wodurch dergleichen öütcr aus der Erde geför- 
dert werden können, Torzubehalten, oder ihn 
den Privatperfonen nur unter folchen Bedingungen 
zu geftatten, denen fich wenige zu unterwerfen 
Luft hätten. Denn das Reich der Mineralien in 
einem einigermafsen bedeutenden 'Staate ift ge« 
hieiniglich fo grofs, dafe die Regierung fich in 
unendliche Ausgaben und in eine höchft weitläufig^ 
Wirthrchaft verwickeln würde, wenn fie diefelben 
alle fejbft fördern wollte. Auch wQrde fie fich 
dadurch unüberwindliche Schwierigkeiten in denjf' 
Weg legen, indem die Pnvateigeothümer der Ober« 
flfiche Äicht nur nichts thun vjrürden, um zur Ent-w. ^ 
deckung der unt%r ihrem Boden verboi^genen Mi- 
neralien behOlflich zu feyn, fbndern vielmehr alle 
Mittel anwenden würden, um fie zu verhinderik. 



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Von de^r Slliaitolaii^ahine. «71 

da es Niemanden, angenebiD feyn kaiio, daf^.aiif 
feinem Grande Bergwerke angelest werden, wena 
er k|in^ Vortbeil da¥pa bat. 



5. 3G5. 

Die erfie Maxime des Staats mufs daber feyo^ 
den Bergbau zu einem freyen Gewerbe 2u macbeo» 
und jedem zu^ geitatlen> Bergwerke zu eröi&ienj wo 
noch kein beltimmtes Recht auf ein folcbes fchoo 
exiftirt ; alfo allenthalben darnach zu fcbflrfen und 
darauf zu bauen, fobaider nur die Bergrechte da* 
bey beobachtet. Dlefes Gewerbe mufs {owobl far 
Inländer als Ausländer offen flehen. Denn Aus* 
Under können dadurch nur dem Lande nützen, 
.wenn fie ihre Capitalien auf die Uervorbriogung 
tLützUcher Producte verwende^. 

Die zweyte Maxime der Regierung mufs feyn, 
Job des Selbft - oder Mitbaues der neu eröffiietea 
Bergwerke gänzlich zu enthalten. Wollte der Re- 
gent ähnliche Bergwerke^ als er den Privaten ^ber« 
läfst, felbft bauen ; fo könnten die Privaten nicht 
ficher feyn,. ob fie nicht dabey einbüfsen könn* 
ten« Denn da die Regierungen reicher find als 
Privatleute, und Verlufte nicht fo zu achten brau- 
chen, auch nicht fo genau rechnen, und die ^oth 
fie manchmahl zu ailerley unökonomifchen Mit* 
teln antreibt; fo verkaufen fie öfters ihre Berg* 



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17» Erftes Buch. 



Werksprodocte plötzlich , mit £iiiburse> pm nur 
foboell Geld zu roacben. Hierdurch aber wird dem 
^Privatmanoe derDebit verdorben, und er kann auf 
diefe Weife laicht gSnzlich ruinirt werden. Wenn 
aber der Staat auch nur am Baue Antheil nimmt; 
(o beengt er die Freybeit der mitbauenden Privat 
lente» und (bine Einmifchnngen, machen diefen fa 
. vielen Verdrufs, dafs wenige Luft haben werden» 
fioh aut^ dergleichen Unternehmen etnzulaffen. Mit 
Oewahigeq kann der Schwache nicht gut wirth* 
^haften. — - Es mufa vielmehr der Bergbau der 
Privatleute fo frey und unabhängig gemacht wer« 
den ) dafs ihnen duröhaus kein Hindemifs in der 
Betreibung deffeibeb, nach ihren heften Ein&chten» 
In den Weg gelegt wird, und fie von keiner Seite 
BeeintriLcbtigungen oder fiinmifchungeh zu fttrch» 
ten haben. 

A n m. BergSmter > welolie laadesherrliche Bergw^ke 
j felbft btfwirthfcliaften and cugleich die Aufiioht Ober 
die Friratbergwerke fUhreni haben einen grofsen Reits^ 
letatem Schwierigkeiten in den Weg tu legen , und 
dem Debit der ihrigen einen Vorzug tu verlchaffea. 
^ Der Schein , das allgemeine Belle zu befördern , dient 
ihnen zum Verwände ^ die bedrOckendüen EinTchrän- 
kunge^ und Belttftigungen für die Privatunternehmer 
der Bergwerke einzuführen. Einen Bele|^ zu dieler 
Bemerkung giebt ein noch nicht widerlegter Auffats 
in den SohleCiIchen F^o?iatialbliittaRi ^ Jahrgang 1817. 
Heft 8f u. f. w. 



367- 



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Von der>9l|a^0iotiahine. Si'TS 

% 567, 

** ' 'Die-iiHgcmeine Bergordnurfg mufs, wo fio 
ftMcrfiaft ift, revidlrt nnd verbfeffcrt, nvid^ber^ 
aiF fo- eibgcfiictttet wisrdeii/ dak eiaek^l^ der, 
Welcfi^r e^ ä^r^efrk'^MUen ^U, äs^ gehörige 
Tfett-äSri' -»^älty tthäi^imf ilter ändetki S*iW 'rfi6 
Äljgetttli(htt«r der Fader * Ar deti Sfehitleni dfeii 
«fe tluikrfr dSh Bef^btrtr etWidetiWgehBrig^entfdh«^^ 
ffigt WÄdeii; Dfe Earwcff üög einir -folcheti Siet^ 
ÄfdhÄkig tfarf ^^ie rfeö' Bergbtobehöfden ^Refh 
WMaflBH^iJcfifen J * därth diefe leitet 'gar^ zt^ bft* 
^^W^^'I^h '«ü'Vefthrfiokte Anfic^bt. " Sife' 
mufs aus dem allgemeingh StandpuDete der b^berft 
Staatswirtbfcbaft geprüft werdon. 

<^*£fi! 5 /■''■' 5;i .J '■;!' ^ SSS«'/-; ^- .'i...'.^ -Jr ^T 

/ ^ ' ' l^^i^n'l^i^^^ der fiergwferki m offen Trfmien, 
una. ciisn Anbaucrii*'f&r die erften Jabire Frey jähre 




rp geringen Theil davon zieht, dafs der Ünterneh* 
nier nocn* eipen'fo bedeutenden Gewinn übrig b(i- 
hält» welche^, hinreichend ift, ihn aufzumuntern» 
das Oevl^rbe fortzufetzen , und das Auffuchen und 
kröffnen neuer Gruben der Sj^ecutation' werth zu 
finden. , 

; - ' "*, . ) » ' ' ' ' t i ' ^ " ' ' . ' 

V, Jaft'oi StatkUfinanxwiJf. S 



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^714 fEvftefe' fiiidiJ 



Auph mag ^er Statt (elb$, nach &zen ^char» 
fen hfTea, ,wena er be9ierk,t„ cU^s die Bemüti«j:h> 
gen der Privatletite nicht eifrig genug üjid. y, Be- 
fcbr^ibung derfeU>en ijuKlgrüi^dVche:yi^e|lfiAber 
dep wabrfcheinliphQnEi^^]de$ Ektn^t^^ dw^f^ 
Ke wir-d dieKriv^tioduftrie darauf aufmer|ifMB^ n^a- 
oheii^ )Wo Ge nocj^garoiidit^^fg^tegt ift> wifif' 
auch der 3taat «wecJiMnajTsig^ handeln >/ ivenn er 
ieintFJgliche Bergwerke iq Gang bringt^ mft dmx 
fteten Vorhaben ^ deren Bai| Pnvttperiboev.ti/Qtw 
vortheilbaifte^ Bedingnn^efi m l^iß^l^f^^fo^t^ 
, fich JLiebhaber dazu finden« . .. :. ^r;. 

$. 370. 

Insbefondere aberift e$ die Sache des Staate 
in Lindern,,, wq ^s viele untenrdifche Schätze 
giebt, öffentliche Anftalten £ar die VervoUkoipm* 1 
nung der BergbauwifTenfchaft und der Hottenkun* 
de zu treffen, theils um fOr (ich felbfi gefchickte 
Bergbeamte zu bildejfi, welche d^n Mineralräch« 
thum des Landes'^erforfchen und bekannt machen» 
und auch fonft gefchickt find» der Regierung mit 
denen Kenntniffen beyzuftehen, welche fie zur 
vollkommnen Einrichtung diefes öewerbes'Von 
ihrer SejU; bedarf; tbeils Privatleuten Gelegenheit 
zu verfchaFfen, ficli diejenigen Kenntiuffe zu. er* 
werben , welche zum verftändigen Betrieb 'deftel« 
ben nöthig find* Wo Freyheit und Gelegenheit 



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Von der Staat^iimahme. 275 

ift, durch den üergbao viel zu gewifliien» da 
sverdfia BergbauverftSadige geflieht und binläog» 
lieb i>eza)ilt; da wird «f aUb auch nicht am Com- 
ptttentdD fehlen 9 welche dergleichen Anftaltea 
benuUeii«. 

Aobh die bftbem Staats - und Fina^beamtea 
vNLfien, ta Tiel Ton jdem. Bergbau verfteben ' lernen^ 
ffaiti fie zu beurtheüen.iiQ. Stande find, was zur 
Betfördenuig der Aufnahme- diebs Oewerbes dient» 
jve|6ben. liiitzen ^ deiit Staate gewährt» jrad weU 
che Methoden die heften find , um das öffentliche 
Einkommen aus dem Bergbau auf eine iblche Art 
«B bewirken , dafs- dadurch die nationaldkonomi* 
ftifchen Grundfätze nicht verletzt werden; fie muf- 
fen fo viel davon verfteben» dafs fie Gutachten der 
Techniker in ftaatswirthCcbaftlicjier und national* 
Akopomiftifcber Hinficht grOndlich^zu beurtheilen . 
im Stande find, weil fie fonft leicht zum blindea 
Werkzeuge jener Techniker werden. . . 

$.372. 

Das gewöhnliche Einkommen 9 welches die 
Regenten aus den Bergwerken auf den Grund ihres 
Regalrechts ziehen, ift der Zehend. Diefer be- 
fteht oimlich eigentlich in dem zehnten Theile 
des rohen Products der Bergwerke, alCo fowohl 
aller 'Metalle und HaJbmetalle, als auch aller abri« 
gen ^roh dw Bergbau geförderten FroductCt 

Sa 



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2j6 Bf&BS Biicii« 



Diefer Zeltend bildet in Staat;^,^ wo die Bergwerke 
reich und hflufig find , aBerding^ eia bedestendw 
EÜaktt^iMo;.: IndeOm pa£h der Zeteod aioht als 
ellgemeloe Hagel iQr alle Beiigwfir]^^ da ^ vom 
rohen Elnkomnien bezahlt wird, und nMB^flidd 
wifTen kann , ob die Kofte« einen, fo grofsen Oe- 
iRinn<ab>i|p läffen,- dab^detrzalinte Tbeilclesf rohen 
jicodtietS' -icbron - abgegab^n^ . werden kamii ».. ^öli«i 
den ^aaz^n-reinen Gewinn .za iVerfchlingeD» eddr 
ihn docit £o /SU FerkäaMsera, daIJs NienancLjBüt 
Betreibung. des Bergwerke L»ft haben kannii^^üMm 
fieht fich daher oft genöthlgt'; fich mit eio€JmZMaui> 
zigtheil 4iad noch weniger zu : begnügen , obgleich 
eine folchft Abgabe immer noch den Nainen •das 
ZebendenfOhru ; . . * ; ^ 

Es dOrfte daher wotü ^beffer feyn, die Abgabä 
an den Stafat-Üeber bejr jedem Bergwerke insbafoä^ 
dere, nkch deiii reinen Gewlnne^u baftimmeOf und 
dabey zwar die Regel geüten.' zullaflen^ dafe diefe^ 
Zins für das Regalrectit nie gröfser feyn foUe , als 
der lOte Theil des rohed Pi<Qducts, (wo diefe Re^ 
gel einthabl angenommen ift), aber wohl IxXeiner^ 
fobald fich zeigt, dafs das Bergwerk we^n dü 
Zehenden dem Anbauer keinen Vorth eil gewähren 
würde* Ja es wird in manchen t^äJIen ratbAiul 
feyn, ^aaf diefen Zehenden gänzlich Vergeht' zu 
thun, .wenn fich nämlich findet, dafs ihn desRerg* 
werk nicht fragen lumn, Jtber doeh foB&^2ur£r« 



/ 



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Von d^ Scaatseiimahme. ^^77: 

^^ i . 1 

Bährang mehrerer /«laefchen dient, welche ohne* 
dätfs kei na ntttzlM^he 'Arbeit fiadeii worden. 

^ Aum, Bal9'BeTgweitk4 umth sngabmuet werden Collen, 
. lelhft wenn üe^gar kmnea Gewinn bringen , und dafs 
in folckem Falle der Staat es thun müITe, weil dadurch 
docH Menfchen ernährt und nützliche Proäucte int 
X«attd gelchaffit werden , ift ein Rath, welcher lieh 
auf fchlechte Gründe AützU Denn die Capitale ^ wel- 
che auf dergleichen Bergwerke verwandt werden, kön- 
nen ja BeiTer folche Arbeit bezahlen , welche Producte 
hervorbringt y die Gewinn geben | wie fchon oben 
(f. 359.) gezeigt ift» Jene MaaJbregel kann nur dann 
gebilligt werden, wenn ein Bergwerk einmahl tm Gan- 
ge i!ky tmd man niolit weile , was man mit den Arbei- 
tern anfangen foU, weil andere. Gewei'be nicht vor- 
handen lind, zu welchen He fchnell übergehen könn- 
ten. In folchem Falle ift es ürejlich beder , daft der 
Statt ^twaa aafopfei'e , . wkil er fonft die Arbeiter ala 
AlmofengenoCTen ganz ernähren müfste, Diefes wird 
fodann eine Wohlthätigkefts-, aber keine Finanzope- 
ration leyn. Die Staatehanthaltung wird fodem , der- 
gleichen Arbeiter lo fchnell wie möglich zu yermin- 
dem , lie anderswo unterzubringen u. f. w. , bis man 
das Werk gänzlich eingehen lallen kann^ 

$• 374* 
'Um fich fowohl <ler Quelle der Abgabe (des 
gehenden}, als letzterer felbft zu ?er(ichem, wird > 
der Staet auf folche Bergwerke » welche Regalien 
findt eben fo» 9ls auf folche, die zu den Domain en 
geh^n f eine Oberai^f ficht fohiren mOffe^* Der 
Qiegenftand derfelben mufs feyn : 

1) dahin zu fehen» daf^ fich der Privatunter- 
nehmer keinen Raubbau erlaube , wodurch 
er auf eine kurze Zeit zwar einen hohen Ertrag 



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«78 Erfted Buch. 



wobUeil gewinnen kann, ^ aber für die Folge 
das Uergwerk unfmebtbtr macht« Er hat 
das Recht, zu verlangen, dafs die allgeraci* 
nen, durch Widenfchaft und Erfahrung be- 
wihrten Kegeln beym Bergbau beobachtet, 
oder die Nothwendigkeit und Natzlicbkeit 
der Ausnahme ihm bewiefen werde. Wenn 
der RauM^au auf eignen Werken nachtheilig 
ift;, fo wird er hier von felbft unterbleiben; 
auf fremden Werken aber kann er ffir den 
Unternehmer vortheilhaft und fdr den Eigen* 
thOmer fehr fchädlich feyn. 
2) zu beobachten , dafs der Staat in Anfehung 
der unter dem Namen des Zehenden begrif- 
fenen Abgabe nicht verkürzt werde. Hierzu 
* ift nothwendig die AufScht .eines landesherr« 
liehen Beamten erf oderlich, unter deffen 
ControUe der Ertrag des Bergwerks zu fetzen 
ift, wenn nämlich ein beftimmter AntheiL 
deffelben an den Landesherrn abgegeben wer* 
den mufs* — • Da aber befonders diefe letz- 
tere Gontrolle f Or den Unternehmer fiufserff 
läftig ift; fo ift es viel beffer, ein- fOr alle* 
mahl diefe Abgabe f eftzufetzen , *fo dafs ^h 
der Staat um die Ausbeute im Detail nieht zu 
bekOmmern braucht, fondem (ich nur voa 
Zeit zu Zeit Revifionen Torbebält« 

A&m. Da die Bergwerke moißens Ton Privatgefellfcliaf* 
tan J^audeben werden, und dar Gewinn nachKuz-Aii- 



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Von der StaatfiEeiimahme. .279 

theilen vertheilt wird; lo hält es yicht fchw«r, Heb in 
jeine I richtige Kenntnifs des reinen Ertrags der Berg- 
werk" tu verftticn , uiii«darnach von Zek %n Zeit die 
. KegaliemU^aUe zu controUiren* , Hieriiey^mufs aber 
allerdings dahin gefehen werden y dals ' nnr derjenige 
xeine Ertrag in Anfchlag gebracht werden darf, den 
iaa Bergwerk vtnnittelft foiner n« türlichen Frucht* 
]|iarkeit liefert ; die Zinfen nnd der landübliche Gewinn 
an den Ton den Unternehmern* darauf verwandten Ca- 
^pitaliett möCTen den Unternehmern frey bleiben , oder 
wenn fie eiu^ Steuer uaterworfen find) auf einam 
andern Wege getroffen werden. 

$. 575. , 

Wei^D der Staat ficb vorbehält, dafs die Pro- 
ducte d^r Bjergwerke an iba zu einem be&immten 
FreiXe verkauft werden m offen, welches in vielen 
Staaten befonders in Anfebung der edeln Metalle 
derFaU jfi;; Ibift dieCes nichts anders, ^ eine 
Auflage auf den Bergbau der Privatleute : denn es 
fcbliefst ein folcber Vorbehalt in ficb, dafs der 
Staat, diefe Metalle, von den Unternehmern zu ei« 
oem iiiedrigern Preife kaufen will, als der gewöhn« 
liehe Marktpreis derfelben ift. Eine folche Be* 
jchränkung macht aber eine fär die Unternehmer 
höchft läftige ControUe nothwendig, und ift; mit 
einer fteten Auf ficht und Bewachung der, Pro- 
duction verbunden» Ein. folches VerblUtnifs aber 
wird niemals zur Aufmunterung des Bergbaues 
dienen, fondern muCs vielmehr den Bau aller Werke 
vef hindern, die nicht fo^hohe Gewinne geben, 
dafs der Verdrufs aber dergleichen Befchränkun* 



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• ■ 

kungen dadurch vergfltet wird. Es ift daher vitl 
rathfanier, dafs (jer Staat da$^ was er von den 
Bergwerken, auf die er eis Regalreoht exercirt, 
heben kann, fich in einer beftimmten Geldfdmme» 
die nach dem reinen Ertrage :d*rf eU>en berechnet 
ift, bezahlen läfst, übrigens aber fich um Bewfrth* 
fchaftung derfelben to wenig als möglich beküm* 
mert , dem Debh der Bergwerk^producte aber die 
ToUkommenfte Freyheit verftattet,^ und fich fein 
Bedarfnifs davon auf freyem Markte kauft. Da 
eine folche" Freyheit not;bwendig den Bergbau, wo 
er nur irgend Gewinn bringt, erweitern und die. 
Prodoction vermehren mufs; fo ift der O^wlnn^ 
der dadurch dem Staate theih unmittelbar, theils 
mittelbar zuflieCst, viet gröfs^r, als derjenige, den 
er aus jenem engherzigen Monopol ziehen kann. 

$• 376.. 
Obgleich dals Recht auf das Salz unter der Erde 
ebenfalls zu den Regalien gerechnet wird; fof findet 
man doch viel mehr Salz- als Bergwerke anderer 
Art, welche freyes Privaieigenthum find; wahr* 
fcheinlich , weil viele Salzwerke , ' da fie ein noth* 
wendiges allgemeines Bedttrfnifs liefern, und ihr Be* 
trieb viel leichter ift und meiftentheils fieberern und 
dauerhaftem Gewinn verfpricht, als Metall Verke,- 
früher in das Privateigenthum übergegangen ' wa- 
rben, als die Regierungen daran dachten, ihre 
RegaUen zu beftimmen. Indeffen gilt doch in den 



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Von der Stäats^iiahme. ftgs 

■!■■■»■ II ' l 

xneiftea *Libddrn das Reoht^ daCs (ich der Staat 
derjenigen Salawerke ausCcbliefsUch bemächtigeo 
und dava^MT cHspooit^n d&rfe» die noch nicht ini 
Befitze von^Privatperfonen find, wenn fieh gleich 
die Salz<iuellen unter eiher Oberfläcbe befinden» 
welche Privateigeothum ift. 

i. 377. . ' ; 

Wo nun der Staat ein Recht auf dergleiebetf 
noch nicht ins Privateigenthum abergegangene 
Salzqnellen hat, da wird es allerdings rathfam 
feyn, daCs er fich ein Einkommen daraus zu ver» 
fchaffen Cache ^ in wiefern es auf eine national 
$koitomiftifche Weife gefch^hen kann. 

$* 378. 

So wie wir nun oben ($♦ 299 u. f. w.) gezeigt 
haben , dafs ^ihe öffentliche Bewirthfchaftung' der 
Dominial'SaUwerke nicht anzurathen fey, wo die- 
fes dbrcb Privatunternehmer gefchehen kann; fo 
gilt diefes, fo wie alles üebrige, was wir von Be- 
nutzung der Dominial- Salzwerke gefagt haben» 
auch von denen, auf welche dem Staate ein'Re« 
ga)recbt zukommt. 

§.879. 

Es wird daher der Staat auch in Anfehung 
folcher Salz werke am zweckmä^sigften verfahren,, 
wenn er ihre Benutzung Privatunternehmern Qber^ 
iSÜBt, und fich dabey 'eine (olcbe Rente bedingt, 



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lg« Erftefr Buch. 



welche ihm, vermöge des gewöbnliohen natücli- 
ch^ Salzpreires, das Salzwerk als Eigeathfinier 
gtwihttf und ihm die fohon daran gewandtes Ca* 
pitalien verztnfet oder, wo es ndthig Ift» erftattet«; 
K5iitnte aber das Salawerk unter dtefen Bedingua* 
, gen von keinem Privatunternebmer betrieben wer^ 
den; fo wQrde es beffer feyn, entweder deffen 
Betrieb noch ^uszufetzen, ^ wenn die Nothdurft 
^oft verfeben wirjd, oder auf die Rente fo lange 
Verzicht zu leiften, als fie nicht aus dem Betriebe 
des Werks gewonnen werden kann » und das Salz« 
werk an aie Privatunternehaier. auf eine gewifle 
Zeit ohne alle Regaiienabgabe zu aberlaCfen» 

Erläuterung. Eine Rente kann der Grund und Bo* 
den nicht eher geben , als his der Preis f<Hner Producte 
oder feiner Nutzung £o hoch fteigt, daXs dcrlelhe einen 
Ueberlchuf s über die Betriebskolten und den gewöhn« 
liehen Unternehniergewinn läfüt. Diefer Ueberfchufs 
bildet die Rente, und kommt mit R^oht dem Eigen« 
thümer des Grundes und Bodens su. Hat nun der Staat 
aus dem Regalrechte die Rechte des Eigen thümers auf 
ein Grundftüok , fo hat er aneh 4as Rech/t auf diefa 
Rente; und wenn er darauf vernichtete, würde fie der 
gewinnen, dem er das Grunditück überläfst. Wäre 
•' diefes ein Einzelner, fo gewönne diefer auf Koften der 
Ucdbrigen. -Denn was der Staat rermittelft folche« 
Renten nicht erhält , mtilTen die Unterthanei) auf an* 
dere Weife zufammenfchaffen. Der Staat katn daher 
• nichts yerfchenken , ohne dem Volke eine Anfiaga 
dadurch aufiubürden, oder ihm etwas» das er zum 
gemeinfamen Nutzen anzuwenden Yerpflichtet ift , zu 
entziehen, " . ' 



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Von der Staatscännalune. ^$ 

$♦' 38o# 
Uebor .Oedmdbruonen , -BerdfUinkiger iu L vr* 
ift nicht nötltig bi«r ausf Ohrliob zu reden , da di# 
bftidier entwickelt«! QrttAdC^tze Ober die Benatzung 
folcb^ Regalien ficb auf die Bei^utzung aller dieUr 
Vorrechte leicht anwenden lalEen. 

» 

IV. 
Von dea gemeinHunen Gütern und herrealolin dachen« - 

$. 38l. ^ , 

Unter gemeinfamem Oat wird > wenn tcmi el* 
nem Regalrechte darauf die Rede ift, dasjenige 
verftanden, welches zum Nutzen und zum Gebrauch 
der ganzen Oefellfchaft vomPriTateigenthnnie mM9^ 
gefchloffen ift, als: Landftrafsen , Canile, SiMn» 
Ströme u. f. w. 

f. 38n. 

Da simlich ein jedes Volk, fobald es fefte 
Wohnfitze gewonnen, ficb in Städte und Dörfer 
▼ertheilt , Und durch feinen Fleifs die^orrfttbe 
nOtzliehei' frodacte vermehrt, um fo fchnellero 
Fortfcfaritte zu feinem vA)blftande und zur Verroll* 
kommnfmg feiner Ausbildung macht; je leichter 
die Individuen mit einander zufammenkommeOy 
und fowobl mit ihren Gedanken als mit ihren Waa* 
ren Verkehr treiben können: fa find die Com- 
municationsmittel, wodurch ein Individuunfi 

/ und alle Einwohner der verfchiedenen Provinzen 

/ 



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S84 "' ' ^^^^* Buch. 



vdter einander, fo wi»das ganze Land mit andernr 
Uküdexn VerkiAir «reiben kann^ ton -dter aller* 
grftfsten Wiehtigktft ftr «iiie .borgoüelie GefeU- 
fioluft; Dar« aber di^Ce kein Pi-irateigentbiiin feyn; 
iettdern jedermann zu feinem^Gebraoolie «ffea.fte« 
hen mürfen, fliebt ans der Natur der Sache« ISai 
da das Reebt, aber alles' Gemeinfanie zu wachen 
«ad daffelbe in einen 2^weckmäfsigen ^Softand zu 
"^fe^eii, dem Staate zukommt; {aergiebtfiph hin- 
aus das Repht des Staats, die yorbandenen Com« 
numicationsmittel, wo fie natzlich find, za*erhai» 
tJlB» und da* wo das Land deren bedarf, aeu^ an» 
Buleg^n^ von feibft. Es fliefsl auch hieraus» dafs 
dn jedes Privatrecht auf Grund und Boden durch die* 
£in': allgemeinen GefelKchaftszweck eingefchränkt 
feym und. fich allb ein PrivateigenttMtoier es gefal* 
len laffea maffe, feinen Grund zum öffentlichen 
Gebrauch » gegen volle Entfchädigung f flr den 4a* 
dbuthzu erleidenden Verluft» herzugeben. 

$. 383. 

Es folgt weiter aus denfelben Begriffen , dafe 
der Staat die oberfte Gei4bhtsbarkeit und Polizey 
auf den öffentlichen Wegen, Landftrafsen u* f. w. 
auszuüben berecbtigt und verpflichtet fey, fo wie 
auch, ffir die Vervollkommnung diefer Anftalten 
alle nur mögliche Sorge zu tragen« 



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Vqn der SttioigftWinhme. aj^ 



Qaid« d4ft;V^iM^M«M:» d?^,w,ftiirdea(p^^m (t^b 
/bh«t?t» vnd Aach dem (T^e deQ.;Soh44fi^«i> .^Mm 
fi^ .die(eA,AfilMit^ d4tfAlK4«M0fii«^xaBcti ^ufftgM» 
4^ alwrai9.b4fi9aU^o Jjl(5t>i^44^ dm 2iir UNfeM; 

liJHhlg«i^>|(,$K4«^4»roa.b«&lttM:!¥e^ |fi4u»iieii;t 

sds weljpbes in Anfcdmog des JB^alct* jmd JBeügaMyiiü 
regals Statt findet. Denn der Jetztere hat dociv 
eine ftarke Analogie oiil^ «lern Privateigealhnms» 
jpfchfee ) da die Jl^gMäling ^&9h ei^en ausCpUifrEsea« 
4te(k B^ütTl ttiuL]Gi»brsiach a« leiten Gateni ^Wig,»«^ 
In* Afifeliing *der Surafsei^^ iCMMe. nnd'^iMNM 
/Commonieationsviittel hat» rii» Jtiftgifflrupg gfurj ket< 
Attsfchliebiidgsrecht «nderfjry.KÜandetn, ilure.'MM» 
(entliobe Betiamuttig befteht dArin^vdaCs fat|ed2ir 
gebrauchen dftrfe. ...Das Recht «der .Regierang ha* 
fteht blob iA.dem Rechte^ cBMiÜtteL zuiüErbakung 
und VervoUkommiung decfelbnn<i«anfindig zu maf 
eben» nnd grAodet fieh auf ikce Pflicht » faiohei 
oa tbuj)» ' a 

. . $. 385* • 
... Da inrtffl!fin die Nothwendigkeit und IiiXX2> 
lichkeit, diefe Anftaltea aaerhaUea» jedeuMiBa 



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i%€ Erftes BiicIk 



io die Augen fällt; (b iftdas Recht, Abgaben 
Cftr den QebrMeb derfelbeti zu TcMtovo «md' dtefe 
«irr Quelle der Koften fttr* deren Erb«ltmig mi'^arba^ 
k;Mi«-ro deutlich, dafsr eine Ueber«ftii4(£itift dsillb«^ 
ibff'd^efi^, cHa fotift «vt Binfalirttffg an'derer Ab«» 
gnhtB ibr^Stilnme g^^ititiuTiteifrv *ffbeirlt<Kfig föhMn; 
Man ^ordnete dü^rdftsBecht ißber di^ StrtfCMici 
tind Oewitffei^ v^^mgaliei^ bey ^ * Wtrr^d^ if er h^ 
cM^rr diefe aU leine Art ron ESgiMUtanri^beVraoh« 
t#tey und Mrd>trep*Qi%rauch ftHvdeJtefi, wdebe 
fi«^b#Mt2ien, eine' Ahgabe fbdäni koftirte^ Von 
4l#iieh Verwendung ^er' NieammMm' ilteh»nfeb«ft 
«l^gi9lmiJi6thig hätte.' •• 

• '' "Man fieht timr bey näberir-d^tradkung bald 
4fn'» 'Ms diefes ^nze Ralfonnemimt fich anPeida 
Mdtae Fiction grOndet,- und dafs da$ Reeht des 
Slaits, fOr den Oeti^aiieh der Strafsen Abgaben 
SU f Odern, auf keinem andern Omtide beruht, alk 
ita's Hecht, zur Ausführung jedes geinemfainen 
natzhehen Zwecks Abgaben zu ^verkuigeo, wenn/ 
Ihm keine andern 'Mittel- dazu angewiefen find» 
Wäre das Einkommeh au^ den StaetsgOtern ellein 
faibr^bend, alle Staateswecke zu erreichen, mit«, 
hin auch die Straben und andere Communications!» 
mittel in gutem Stande zu Erhalten; fo wäre es 
Unrecht, . noch beCendere Abgaben Iftr. Strafsen-^ 
npleffhaltimg u. £» w« enfeulegen. . 



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^ 



Von der 3taat9<ittiiahine. 1^97 

*'■ ' ■■■ ■ ■ ■ i> 

1 .'»..* . .. $• -387. • •• 
« p * Dec Om^d , «tos Sirafeta ^^ und W^aCferreMl 
als ei»« befoodM'a QueUa tdts fiiUccimlnra^ att 
'Verf€hi6<W»> v^m ^^iJAtigtniiMA hübt AbgiteÜ 
Mzi4!9bM>. Jag btofs'}!! dor befintteni; Axiidei* Ai«- 
MklHDg ; dar meiften . . ^urcipfifohen Staatao. «oIb 
d*iiCriJiMM».bcftrit%Qlmlkbid0r.Ra§eDt;.di^ dflentfi^ 
-ahao^AHagabexi.aiialdiiFegilD^aiBto^ und w>avtai 
jar ai|Mie»(0ttMB 209, daaum beUftdimarte fiehjMM*- 
iMmi,. j^Al^flüigeQ^ .wertBif*fifK:fa kelnk Pri^ati- 
«igeiitiduitfurechta exifl^ctasLi^ sabm ateh^iHBeinaafl 
liMidwdijcttaa Jnteraffa, und ^ab: »achte, ^eb. an^ 
-iuigSiBiobfcvial daraus» waon der'Ragent darglab^ 
<th6o für ficb*4n Befitz oahm oadi6iDa.Eiokfliiilli 
4aduif0b y#i^ltitbrtet Hiett er nun. Wacbaa -Ahr 
«^DlUcbia Sioharhait, Ugto VIFefe an u.X -w.» tt 
^ieflt«^.fludb jader iör rcHpiit uiid'^lHgy dafä <Ur 
fUifmderJtbr daran Qahra^ih; Qeleite:^ und Wt^^ 
<g^d g^. ^GtBn feibftPrifatMgentbflmem» wek 
lebe die/Kofifäi ttlarStcafaeneahailiiiig, des. Brocke» 
^fuuHiti. Ffibaaa».*/LeucbtthArniB4i« L w. unterbleltea^ 
l»^lftaiid aiadi gei;n eine Eotpchfidigung dafür 9if| 
denaa» dl#,ftah diafer Aaüatten bedienten» am«-«. 
Sobald, aber rder Regent zu addern Zwacken «A^ 
gaben und Be;ftrflga aus dato Prii^atrermögen rkis 
fiuigtar^* beddr&e er, nachdeutfeker IPerfaffung» 
dbe belondec^JEinwiUiguBg^ief Slinde dacu. . ^Ond 
, da diafer tstt , erhalten t Sekwterigkeften machtie; 
(b ift.eäkeinWJindar» «»eidi.dia:Jlegantefii aUeji^ 



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eM < i Snfteir.^udi/ 



nigen Quellen mehr- {bi.eiiutzten, ^reo Eröffnung 
bc^r Erweiterang -^fieCer Eif^iUlgung' ttibht he» 
durfte» Das Wtiien'flitui'^ebefi deo^ DemAhMn^ ins- 
jMbBdere^fllteilalgdUe0T*Ileclile> «erit deren NettM 
•ttncL WefendariUofat^* efn Eiakottimen. * daraus €« 
aiebea^>9«rbandeD feyn^^foLke.. ie ^niebf ^ilaber 
^Id^BaikivfoiiEe^^SttuiteD fiob' ^ni^alirses, titeft# 
Jveiter' ivurde deif^iBcj^iff^ibldber^IkegalhMk^iosgi»- 
4kltntv Die fGftleitis» wtä W^eg^U^^ ^Nlrdta 
.fNÜd^Viel' höher. getHobeni, als dii^gMütuB^ Air 
SicbaAfcit jnod ides: §tit«lt:2aftai»*c9^dWf6illraCi9eft 
«rlödeittef 9a . äicCtfr^ Zweck^wwiha ^>akf «gOazIioll 
Jieigefled|: juid Oeleka« und WegeabgibM im einet 
Ubfeenftnanzquaile getnacht, 4eren 1^<iduct (el>* 
iMr BeftiHMnung' gnr äicht mehr euflofei 'Ja mtm 
Ung tkih Zoll M^^fdM Aeeife chwän; nfid leitete 
tias Reöht; mir Aafleginig diefer Steuern ^^ehedfallfc 
«as! daztiCBl^ Ba|al «h» um nur ttleb«* landen Bil 
m kommao » die AMrÜBgiuig dBV Sktndk ndtteg 
«or haben. Hierbay.imirde mn dWaFHiiöi^v nlH^h 
jHtalohrai' Abgai>en aHeim^ailgeiegtiiMrtfab kiitiM^ 
giazK«h au]B den Augen gefetzt^r^tiivd lüefa 'Ar| 
^Fon Abgaben nahm deshhib einAivQUI«ammen*ait^ 
Mgelroäfsige Geftaltanv, . imd ,wurde'io£ki auf du 
aUerTerderblichfte Weifet eingeriohfffbd ■'"• 

. 'Wir können dah^r weder Wegab^^enc» nnoh 
I&ölle,.*noehM«>thgaiUlaHalslanaiagifieh.flnSt dem 
Einkommen ans deqi dar* HegiehoigxAbedafSenan 
fi^genthntnej odarjais: Begalfcen lUn^ gewöhnlichen 

Sinne 



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Von der Staatsemnalimie. 259 



/ Sinne betracbtM , fbndern recboep fie zu den Ab- 

.^ben von dem Privatvennögcb des Volles. Wir 

Werden (laber von den Regebi, wie fie zweckmi« 

fsig und gerecbt angelegt werdea köaaen» im fot 

g^enden Abfcbnitte jbandeln. 

Anm. WetiQ der Regent mcht fraye Hand bat,, nnd er 

.re^lliildevt wird,, die Alifaben nach dem Priucip der 

perechtigkeit und Gleichheit anzuordnen ;' fo «nüITen, 

'wenn die StaaUhediirfniiro immer dringender werden^ 

. Hothw^ndig dergleichenjEnormiUten zum Vorfcheim 
^ kommen ; da er gezwungen wird» die einzigen QueUeu^ 
die man ihm , übrig läfst, auf «ine übertriebene Art lä 
benutzen. 

i. 388. 

Eilte andere Bewandtnifs hat es mit dem Rechte 
apf herrenloTes Gut, wie: auf die noch wfl* 
Aeo XiaD4ftreoken, auf .die Pifche im Meer, in 
Seen oder FlOffen u* f. w. Die Benutzung diefto 
Gegeoftäade zu ordnen oder gewiffen Regeln zo 
unterwerfen , hat der Staat ein unfireitiges Recht« 
Ob ein völliges> Privateigenthumsrecht darflber^ 
, od^rrttne ^andere BenutZMngsart derfelben einge« 
führt werdi^n folle, wird d^rch die Natur der Sa* 
che und. die Umftände beftimmt werden mOffen, 
WüftesLand wird am heften benutzt werden, wenn 
' der Staat felbiges in Antheilen, welche den Kräf« 
ten, fie zu cultiviren, angemeffen find, s^n Privat* • 
leute, verleihet, und fich eine Rente vom. reinen 
Gewinne, den die Natur giebt, bedingt, fobald 
iie entfteht. -*-4 FQr angefcbi^f emmtes Land kaum 

i;. Jak oh Staaisßnanzwiff* \ X 



y. 



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^9* Erftes Buch. ' 

V 

er fich gleichfalls- eine angimefferie Rente Yon 
denen bezahlen lalTen, mit deren Boded 1;$ die 
Natur rerbindet, oder die es fonft zu ilutceii bi- 
gehren. Eben (o mag er von den Müfchel-, Aa« 
ftern - oder Fifchfang Ji'n fein'en^ Koften eine Renle 
ziehen» da alle diefe Nutzungen »zu d^m Qebfau- 
the berrenlofer Dinge gehören , die iDtt Recht der 

, Staat zur Einnabm^gue|le fhr^ allgemeine .b^e 
benutzt, und "das Recht darauf gebührt ,ibiiu fpe«- 

* ciell vermöge feiner Natur, und pafst' daher unter 
den Begriff des Regals ($. Sog.). ^ „ . 

$. 389. 

Dabin mag mah detm auch dM Strand» 
recht rechnen, in wiefern es rfas Recht auf ge* 
ftrdndete Sachen bedeutet, zn welchen fich licein 
rechtmäTsiger Eigenthümer findet. Dean eih Recht 
auf die Sachen durch Schiffbruch verunghfcktcr 
EigenthQmer fich anzumafsen', wie e^ das otrand* 
recht einiger Rechtsbücher, fich auf <Ii\s Praxis 
ftützend, erklären, ift eine abfurde und 6a?6än'* 
fche Graufamkeit; und ein Staat, der dergleichen 
Ideen Rechtsgültigkeit giebt, fanctiönirt da^, wils 
%]Ic Begriffe von Recht zerfiört« -; . - 



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Von der Staatseinnahine« 2^% 

■ ■■ ii n w !■■■■■ ■! I. ■■ I ■ ■'■ ■ m ■!■■■■ ^11 

V. 

. Von den monopoliftirchen SUaUgewerben« 

Zu d^n Regab'en wird auch «das Vorrecht des 
Staats gerechnet;* gewiffe Gewerbe eu$fehiie/slich 
KU betreiben, und fie zu einer befondern Quelt« 
des öffentlichen Einkommens zä ntaeh^n. Den 
Orund'dazu facht man 

i) darin, dafs gewiffc Gewerbe in den Händen 
^ der Privatleute leicht fchädlicb (dt das geitiei- 
ne Wohl werden können, und ieS daher beff^r 
fey, wenn der Staat dieTelben allein Aber« 
' faehme, und fie zugleich als Quelle des Öffent« 
liehen Einkommens benutze, fo weit nurdiefe 
Benützung den üff entlichen Zweck, weshalb 
der Staat das Gewerbe untei'hrmnTt/ nicht 
zerftört} " / 

•'„ a) dafia» .dafs .-d^r 3^?t fttwi.The^l feines 
Einkommens auf die leichte uj^d be(|u,^mfte 
Art dadurch beziehen könne« dafs ^.geyviiie 
befiimmte Gewerbe treibt, ui^d d^r^ Gewi;in 
zieht« Es eignen üch dazu, nach der Mei« 
ifuog einiger Staatslehrer I alle Gewerbe,, die 
. , a3 der Staat leicht und vortheilhaft ao^dben 
kann, und welche b) ausgebreitete ^dQrf« 
pifsmittel liefe;*n^ fo^ dafs felbft.ein niäfsiger< 
. « . Profit, den der Staat durch einen Monopolpreis 
erhebt, ein bedeutendes Eiakommen giebt. 

T a 



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^9» Erftes Bach. 



$.391- 

Beyde Arten von Staatsgewerben find wefent- 
lieh verrchieden. Die erftiB Gattung könnte vom 
Staate gettXe|>^n werden ^ wwb er aoph gar kei- 
nen Pr^t oder öffentliches Einkomnien davon 
hätte, bjofs weil es der allgeo^ein^ Nutzen v^Jangt; 
die letzte Art wird blof^ erwiblt , um eip öffent- 
liches Einkommen dadurch ^u begrOn^qp^ Xfifi 

.Waht der ,Gegenft$nde eines folcben Moi^apols 
wird daher dem Staate ganz frey ftehen,, indem 

^er dabey jnur darauf zu feben bat^ dafs 1} das Ge* 
werbe durch ihp leicht betrieben und das Mono{>ol 
durch ihn, am heften geübt werden kann, und 

.2) dafs es ihm ein Einkommen bringt, welches 
auf andern Wegeji nicht fa leicht und bci^uem zif 
trlangea wire«. ...... j j^ - 

Zu den erften Arten «^^Monopolien kann 
gerechnet wei'den: • ^'' • 

i) das MOnzmonopol, 
' a) das PoÄnÄonopol.' ^ 

Zu der zweyten Art gehören : 

3) alle Staaksmonopölien, oder auch die Üewer* 
be, die blbfs und allein wegen angeblicher 
Bequemlichkeit, ein öffentlichiss Einkommea 

. zilk erhalten , zu Staatsgewerben gemacht 
werden. Die Gegenftände werden wilikühr« 

_ beb gewählt, fp wie Iie zu diefeih Zwecke zu 



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Von der Staatselxmahme. ^93 

jpaffen feheinen. E$ find bald Manüfactüreii 
^. . mit dem damit verbunTdenen Handel > bald 
bloCser Handel mit befiimmten Dingen. Bey- 
fpiele |oo Staatsmanufacturen diefer Art find; 
die hprrfcbaftlicben Porcellainmanufacturfin. 
die Salpeter «und 3cbiefspulver-FabricatloQ 
in verfchiedenen Staaten, dieManufactur der 
Tapeten, der Gobelins, die landesberrlichea 
Tuchmanufacturen u. f. w. Das Handelsge- 
yrerbe des Staats hat in den Terfchiedenen 
Staaten vielerlejr Gegenftände erhalten, ins*^ 
befondere Salz, Taback, Getceide, Brannt« 
wein, Kaffee, Zucker, die edeln Metalle^ 
~ Kalender, Spielkarten und Würfel, auch wohl 
Edeigefteine, Perlen, felbft Schnee u^ f. w» 
'Bald .wird es durch eine Handelscompagnie, 
J>ald durch einzelne Kaufleute mittelbar, 
bald durch Staatsagenten unmittelbar 
^ betrieben« - 

1. Dafs das Geld im Staate einen befiimm« 
ten Werth habe» und jeder ohne weitere eigne. 
Prüfung fich feft darauf verlaffen könne, dafs es 
denjenigen inoern Gehalt unveränderlich und in 
allen einzelnen MQnzftac|cen befitze, den Name 
«od Ueberfchrift ausdrückt, ift in jedem Staate . 
von der höchften Wichtigkeit und von dem allge» 
meinften Intereff^, wie die Nationalökonomie die. 
fes attsführlicb lehrt. Dafs daher der Staat dar« 



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494 Erlies Buch. 



Mif hält| dafs diefes gefcheiie, dafs ihm die Ober* 
auf ficht, böchfte Juftiz undPolizey Gber dasMQnz« 
' wefen -im Lamde zukomme, und in fofern dat 
Münzrecht zu ^ den wefentlichen FOiftenrecbten 
gehöre, leidet durchaus keihen Zweifel* Es ift 
ferner klar, dafs, wenn 6ch eine fefte und be» 
fiimmte Ordnung in dem Geld* und Mtfnzwefes 
entweder gar nicht oder doch nur höchft fchwer 
erreichen iäfst, wenn nicht der Staat felbft das 
Gefchift der Ausmdnzung Obernimmt, es fodann 
allgemeiner Wille feyn möffe, dafs der Staat fellift 
die Münzen auspräge und das Publicum damit ver* 
fehe, und überhaupt fein Augenmerk darauf richte^ 
dafs keine Münzen im Lande curfiren, welche den 
Verkehr unficher und betrügerifcb machen und 
dadurch die Gewerbe erfchweren. 

i. 394. 

Aus dielen Betrachtungen erhellet aber aucb» 
wie ein Staat gegen alle Staatszwecke verfährt» 
wenn er das beilige Recht, zu^defTen Aufrechter- 
baltung er allein beftimmt ift, fo grob verletzt» 
dafs er felbft die Münzen verfchlechtert oder fie 
willköhrljch und Heimlich* verändert, fchlechtes 
Geld wie gutes in Umlauf fetzt; oder wenn erCre» 
ditgeld fchafFt» ohne für deffen volle Wertherhai* 
tung aufs'pünctlicbfie und ununterbrochenfte zu 
(orgen. 



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Von dqc.SiaatSQiniiahme. 295 

s- 395. 

, Wenn nun aber der Staat die Fabrication des 
Geldes ausfchliefslich Obernimmt, und jedem an- 
dern das G^dprägen uhterfagt: fo verurfacKt ihn^ 
djefes natQrlicher Weife Koften ; und wenn er fich^ 
d^efe Koften nebft einem (olchen Fabricationsge- 
winne, den auch Priyatfabricanten bey, freyer Con* 
curren2 nahmen würden, von den Geldbedürftigen 
bezahlen läfst: fo läfst fich gegen die Rephtmäfsig« 
kelt unct BiUligkeit eines folchen Verfahrens ni^ts 
•ijiwenden. De»n wenn der Staat für feine Koften 
nichts nähme, fondern das Geld den Geldbedürfti- 
gen umfonft lieferte ;. fo mafsten die Koften dazu 
aus andern Quellen gefchöpft werden. MQfsten 
Dun dazu auch fölche beytrag^n, die keines Geldes 
oder deffelben doch nicht in fojcher Proporti<>n be- 
durften, als fle zu den Prägekoften beytragen müCsr 
ten ; fo gefchtfhe diefen unrecht , und die G^ldbe« 
d&rftigeii genöffen eiAen Vj^rtbeil auf Koften der 
jBbr^gen. 

§* 096. 
Man nennt das , was dem Staate dafür gege- . 
.ben wird, dafs er das Pablicupri mit Münzen oder 
Metallgelde verforgt, dep Schlag fc hat z. Zieht 
.^alfq der Staat vermittelft diefes Schlagfchatzes 
Aicht mehr , als ihm die Ausprägung der Münzen 
koftiet nebft dem übrigen Fabricationsgewinn; fo 
bat er davon kein gröfseres Einkommen, als was 
ilaeCer Fabricationsgewina ausmacht, welches ia 



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i^6 Et&es Buch. 



jedem Falle keine bedeutende Summe feyn kann. 
Läfet er aber fOr die AosmQnzung 6ch eine grd- 
Csere Jamale bezahlen» als die Prägekoften mi( 
dem Fabricationsgewinnfte betraget; fo^kann er 
allerdings dadurch fein Einkommen aus dem Münz« 
rechte vergröfsern* Aber« es entfteht fodann die 
Frage: ob diefe Art des Einkommens auf einer 
gerechten und nationalökonomiftifchen Grundlage, 
beruhe? — Diefe Frage werden wir richtig be- 
antworten lernen, wenn wir die Art und Weife 
zergliedern , wie der Staat ficb ein folches Mehr- 
einkommen aus dem Mflnzrechte Terfchafll, und 
die jedesmahligen Wirkungen feiner Operationen 
dabey erwigea« 

«. 397. 
Der Staat kann £cb nur auf folgende Weife 
ein grdfseres Einkommen aus feinem Münzrechte 
Terfchaffen : 

1) Wenn er die Sto^e dazu, Gold, Silber und 
Kupfer, zu wohlfeilern Preifen einkauft, als 
• fie auf dem freyen Markte koften* Diefes ift 
a) in einem Lande möglich, das Gold*, Sil? 
ber* und Kupferbergwerke hat, wenn der 
Staat deren Eigenthflmer zwingt, die Aus- 
beute ihrer Bergwerke allein an die Regie* 
rung, und zwar zu einem .beftimmten wohl* 
feilern Preife zu verkaufen, als e;: fie anf 
freyem Markte erhalten kann; oder b)der 
Staat könnte eine reiche Claflie von Unter« 



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Von dÄr Staatsemnahme. 297 

.tbanen (etwa die Juden,- wie wohl hier und 
da gefcbeben) zmngen» ihm das z^ feinen 
Mnazen nötbige Metal], fflr einen wohlfeilem 
. Preis zu liefern , als* es fonft zu kaufen ift« 
d) Wenn er von jedem , der Geld benöthigt hat 
«ndres von ihm kaufen muCs, daffelbe zu ei« 
nem böhem Preife anfchlägt, als es ihm za 
fteben kommt ; alfo einen fo hohen Präge* 
fohatz fiteh dafflr bezahlen läfst» dafs derfelbe 
über die Koften ihm noch ein^n erklecklicheA 
Ueberfohub läfst. 

Im erften Fal^e ift es offenbar, dafs das grft« 
fsere Einkommen aus dem Mflnzreclite blofs aus 
einer Auflage enti^ngt, welche einigen Qaffen 
derElgenthamer aufgelegt ift, nämlich den Me- 
tallbefitzern, oder einigen reichen Leuten. Diefe 
Auflage ift aber offenbar ungerecht, da einige we* 
nige gezwungen werden, die Koften zu den öffent- 
lichen Staätsausgaben lA gröfserer Proportion her« 
zugeben , als ihnen gebohrt. Wenigftens liegt es 
gar nicht in der Maafsregel, dafs ihn^n eine ge« 
rechte Proportion der Abgabe zugemeffen werde. 
Denn warum foU gerade der Bergwerksherr und 
eine einzelne Clafte von Reichen etwas zur Aus* 
münzung geben,* wenn die Eigenthümer anderer 
Gründftücke, die eben fo einträglich find, als die 
Bergwerke und andere Reiche» die eben lö viel 



N 



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'29? - Erlies Buch. -^ ' • 

Vermögen haben, als dlefe, nic^/ts cUzu geben ?^ 
Sollte die Auflage fftr gerecht erkannt werdeb ; 
fb mflCste fich erweifeo laffen , dals .den .Berg* 
Werksherren ,das bey andern Auflagen zu Gute 
käme, was fie bey dem monöpolütifchen geringea 
Freife ihrer Metalle einbQfsten, und daEs^diejeniM 
gen Reichen , welche die Metalle zwangsweife der 
Mflaze liefern müEsten , ihren Verluft dabey durch 
Verfch9nung bey andern Auflagen gewönnen« Al- 
lein an dergleichen Compenfationen haben die 
Finanziers, welche das Monopol der MQuee zu 
der Staatscaffe Vortheil organifirt haben , nicht • 
gedacht. Auch ift ein folches Compenfations* 
(f&em unäusfQMrbar* wenn nicht der^ Staat dabey 
das wieder verlieren will^ was er gewinnt; und 
endlich ift ea^inni^thig, da fic|fdie'Ule]chheit der 
Bef^euerung viei.ficbarer auf andere Weife errei* 
cbea läfstt 

f 399. 
Allein eine folche Art das Möooppl zu Oben 
ift. nicht nur ungerecht, fie ift auch antinational* 
ökonomiftifch. Denn was 

1^ die Maafsregel betrifft, die Bergwerksb^fitzer 
zu zwingen , ihre Metalle zu einem wohlfei- 
len Preife der Krone zu überlaCfen ; fo ift klar» 
dafs dadurch der Privatgewinn aus den Berg* 
werken vermindert, folglich auch die Con- ' 
currenz der Bergbautreibenden gefcbwäclit 
wird. Könnte jeder den Verkai^f- feiner Me<» 



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Von der Staatseinnalune. 199 

talle zu dem theuerften Preife fuchen, Qud 
erhieh [eder auf dem freyen Markte wirkHcb 
foehr, als die Krone giebt; fo könnten auch 
folche Bergwerke angebauet werden, deren 
Bau ficb bey dem geringen Preife der Metalle» 
welche die Krone giebt, nicht beftreiten läfst« 
Der Zwang dei^ Krone vermindert alfo offen* 
bar das Gewerbe de;s Bergbaues, folglich die 
Production' des Landes, wirkt alfo auf Schwä* < 
chung der Quellen des Nationalreicbtbums, 
Man (age nicht, dafs jeAe Bergwerksherren 
doch auch mit Abgaben getroffen werden 
mOfTev, wenn die ReTenflen, die jetzt die 
Krone'aus ihrem ihnen läftigeo Monopol zieht9 
auf andere Weife zufammengebracht werdeii 
mflfsten. — • Sie würden freylich ge^offen^ 
aber in ganz anderer Proportion, wenn die 
Abgaben nach dem Pdncip der Gerechtigkeit 
und Gleichheit geordnet wflrden. Sie wür- 
den dann blofs nach Maafsgabe ihres reinen 
Gewinnes befteuert werden. Dadurch aber 
könnte keiner abgehalten werden, Bergwerkje 
zu bebauen , als nur folcfhe, die durchaus gar 
keinen r^nen Gewinn giben; ja auch folche » 
könnten bebauet werden, wenn fie nur die 
Koften und übrigen Profite trügen« Denn es 
könnte in diefem Falle die Grundrente (der 
»reine Bodengewinn) gar nicht belegt w* erden, 
^eil keiner Torhandep ift; Um folche Dinge 



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i 



^f>ot l^cftcs Buch. 



, bpkQmmert jioh aber ein Mopppol nichtj das 
.^Ue Metalle aus den Bergwerken w gleichen 
. Pfeifen verlangt. 

d) Zwipgt man aber einige Reiche» die MQnz- 
metalle zn einem . niedrigen Preife li^rbeyzu* 
fcfaaff^n i io wird diefea folgende Wirkungefh 
h^en ; 
4) Dergleichen Individuen werden ein.folches 
Land, wenn fie nur irgend können » ver« 
laden , folglich demfelben ihre Capitaliea 
und allen Nutzen-, der mit ihrer Wirkfam- 
keit ;rerbui\den war, entziehen« Wenii 
aber auch die einmahl anffifGgen Leute die*^ 
fer Art iip Lande bleiben, ^fo wird ein foU 
ches Gefetz doch auslSndifche reiche Leute» 
denen eine folche Verbindlichkeil; aufgelegt 
wird, hindern, in ein folches Land zu 
ziehen. Un4 es wird alfo dann wenigftens 
einen negativen Schaden leiden, indem 
ihm di(rVbrtheil(lucrum ^ef ffans) ent» 
gel[it, den ihm die eingehenden Oapitale 
und Induftrie verfchafft haben würden, 
b) Diejenigen aber, die -von ihnen im Lande 
bleiben , werden lieh auf alle mögliche Art 
far das Unrecht,, das man ihnen anthut, 
in entfchldigen fuchen, und es wird ihnen* 
dazu nicht an Gelegenheit fehlen« Da 
mehrere ihrer Brüder ihr Geld aus dem 
Lande gezogen, (o werden fie das ihrige 



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Von de^ ^a^Mfamahme. ^fOjt 



T r % 



iKHi ZU ^^o bdheren Zidffon benutzen kön- 
nen';' -fi^- werd^B -ibl*»D Reiohthufh aiits 
forgfäkigfte TerbergeH , ' und dadiHTch fo- 
wÖfal ibre Gold -und SÜberltefefuDgeor als 
ihre Beytrige zu' den Staatskoften vermin» 
diftm; Könneti £e Aicbk auf Ui^e Wtlife zu 
ibrem S^baden kommen; fo werdende fich 
b6fden OefcliSften, die fie mit dem^Staate 
oder aad^rn habend' erbolen« Alles diefes 
aber wird den fibngen- Bargem zur Laft 
fallen und auf ibreh Nabrungsfinmi nach» 
tbeHig wirken» — 
Aus dl^en Betracbtungen erh^et alfo deutiSob^ 
da(s die Methode 9^ dem Staate vfadnrcb ein'Eitt« 
' kommen iu Terfebeflf en ^ dafii er fich von f^n^Vi 
Unterthanen die edeln Metalle tu einem nledlf» 
gen PreSfe Verfcbidfft, um ds(s darane gepvJgteOekl 
mit defto gröfserm Vortbeile zu verkaufen, fow^bl 
den Pdncipied äet Gerechtigkeit als der NatiomaU 
Ökonomie 'widerftreitet, 'und daher als Finanz» 
maaCsregel tintredingt verworfen werden mtdb. 
($•40.). 

• §. 4^^* 

Sucht aber der Staat dar Bnkonmien mis dem 

^finzregal dorch den Schligfbbätz zu beziisheii; 

fo kann diefes nur auf folgei^de Art geTcbiriient > 

1) Er prägt das Öeld zwar auf feuie Kofteii aus» 

läfst 6cb aber von federn, dei^ feinet '^MOKite 

biedarf,^ um fo viel Protibnte iil feinem Süb^, 



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ijtjfa [: Elftes Buch. 



. mehr als die fib^rUfCeoe Müo^a eothält, be* 
tableo, iils.er Ejokomoieo.. da vqa. erheben 

a) Er prägt blots dag Go^ld and §il|)er»r welches 

, v^aa bey der Staais-vPrägeanitalt einbringt, 

]|^. Landesmfiqzeaus» giebt aber dafür um fo 

.. viel Procent weniger an feinem Silber in dbn 

. ansgemOn^teo Stücken e^ril^lj;»..al$ «r durch 

; . den PrägefebaU erheb^eii vfiil^ , ^ , 

Im Grundo iSuft t>eides auf ;eins .hina^is. Der 

Unterrphi^d i& blofs der, da($.xler Staat im erften 

«S^aiie (füe An^ba/fijing^des Goldes anjd Silbers Ober* 

.lüaupt, um ftf ts Mün^e in Vorrath zu baiteAi im 

leistti^n Falljs aber bekümmert er ^^h um diefe 

Anfchaffi^ig gar nicht, fbndern verrichtet» blofs 

;da$ Probir- und Präggefchaft an dem Metall, das 

ihm eingebracht wird« Bey.der erften bat der 

St9at rnehr Mähe, als bey der letzten. Bey jener 

ift ^ zugleich Kaufnuum, bey>diefejr bloCs MiUipC« 

präger, 

^ 4o«- '^ 

DeToCrund«. we«^lb di^ S.taatsmünee gefacht 
- Yfitd, liegt darin, data fie ein npth\ye|idiges fiedürf- 
nifs. des Volks i/L,.'Weil alle Zahlungen im L>ande 
, damit beftri^eo werden, und fie nirgends anders, 
. ais bey. der öffentlichen Münzfiatte, njach unfrer. 
-V^äusfetzuflg; zu h^b«n iß. Wtre^as Mtknzen 



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^ Ton der Stafttseiiinalime. 30$ 

*^itk freies Gewebe*; (o wQrdeK^JPnvatleutft bereit 
lefn^ gegen di^-nötiiigeti-FabricaticnskQfte«' jedeii> 

vfo viel fu4i^ern, als erbedQrfUi Weil» aber der 
Staat ^eiinoaopalifiifclr prägt; Tb kann Nftmand 
<tie LandesmUdzö erbaltin , "ffl^^ durch ihn:, oder 
durch fofob^, die- fie^Ton^ibfti erfaalteil babdns Des« 
lialb'Tiat es der StÄatin fe^eir Gewalt,. 4ifch für 
ittin« Mitnecritiehr als die ge^^ÖbhJichen Prigeko- 

'fi%n'^be2iabien 'ZU* laffenv 'Denn ^9 Publicum be* 

'dart einer ^ewiflen Quantität! Landesmdti^e -zu fei- 
nem Vetkebr» und wenn rach fcbon eine gewiffe 
Quanthtit ^f^MlHinden !^"W elclie in dem ctinen Jahre 
zur Be^^^ang diefes Verkehrs zureicht; fo find 
<toch fkft jec^ fö^gendeslabrZiifldiflffe nötbig, weil 

' enttufedter elnlgeit* von dem Torbandeiien' Geide aus 
dehi'iMntfe^gefat., fich verliert tuL w., oder weil 
fiefaidaßvVerkwbr erweitert. Wenn dalier gleicb 
derStastt oiehr als (ein Peagerlohn far feierMOnze 
fodert i fo mQffen ihm die MQnzbedQrftigen« diefen 

':erbdtiet4Mi /Preis doch beoablin, in wiefei;i^ die 

'^Manae tcmft -nirgends m haben ift. 

* '' • liftieffea' hat das Ehikommen,' welefies der 
Staat '4)U9 einem erhdkietef» Schlagfcbatze ziehen 
"Imrttarfehr etfgeOrenaeii; wenn'erdabey dieMonze 
'lyehtfeibftinÜnordnangkonmeniafieawillk: Denn 
' ' i)' fcedariF^^edes Volk nur eine gewiffe Quanti- 
ISLb'i^Bdesmüfize; der Staat kanodaher den 



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3t!>4 'EiftÄft'Bucfa. 



. etbdheteD Schtogfohate von /der ganzen Maffe, 
welche das Volk nöthig hat» nur einmahl 
. erheben. Ift des PuUj^um damit :gefl[nigt; 
fo kann faBrljeh. nuf fp viel aosgeprfigt wer- 
. den '9 als Zufcfanfsau 4er vorfaaqdenen Msita 
HMifodert wird.» DieferZufcbufs wird al^er nni 

/ 16 geringer feyn, je gröfs^r der von der M^n^ 
erhobene Scblagfchatz ift. denn da andere 
Nationen diergleidhen Monze niphtJ^öberan* 
nehmen 9 als ihr Jjr?p^rer FeiQgeh%lti.vfÄrt|i fft, 
imlem daöOepräge im AMslaflde:ke«iiMi.Wefth 

♦ hat 4 fo wird §ilfMt^if%e (olch«riAfUmLanrie 
bleiben^ oder) .wenn^fie fich ia darmeiontferpl:» 
- .^*^h fohneJl 'dahin, wwrückkehren. Fplglieh 
wiM nicht: iviel .neueMünzeiVon ttem Staate 
unter (blchmi Umftinden .veriangt. jveerden»^ 
und der jährliche Gewinn dftvoo .wird kaum 

.' ^nreichen» um.din Prigeanftalten zn unter- 

: halten. 

2) Sobald der Sta«t Von (einer Attsmttnzu^g 
einen fo hohen Seblagfebatznininzt^ defs i^t 
Gewinn über die nothwendigen Prägerkoften 
beträchtlich ifl ; fo wird es vortheilhaft , . das 

r-La'ndesgeld necbzupragen v nnd:-^.lfinden 
ficfa dann In- und Aosltoder« die 4as:La6d 
mit dergleiohen naohgeprägtenf|:,Gfllc}e.ftbqr- 

. fcbwemmen. In diefem Falle ^ehendi^Nacl^- 
itittnzer den Profit, den derStaajt zieJben ,wi)I. 
öder theilen ihn wenigftens mit] ik^t ¥9^ die 

Na- 



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Von der Staatseinnahmen ' 305 

Nation, welche ihnen die Münze zu fo hohem 

Preife abkauft,, bereichert 9lfo dergleichen 

Verfälfchen Üenn da das Landesgeld > we«> 

sigftens fo lange deffen Ueberflufs noch nicht 

nachtheilig empfunden wird, innerhalb de9 

Landes zu einem VVerthe umläuft, der feinen , 

^ Innern Werth um den Preis des Schlagfchatzes 

übertrifft; fo werden die Ausländer für das 

von ihnen nachgemOnzte Geld gerade fflr fo 

viel mehr Waare von dem Lande, worin die* 

fes Oeldfar voll gilt, erhalten, als der er* 

höhete Schlagfchatz' beträgt, und das Volk 

wird einen eben fo grofsen Verluft dabey er*^ 

' leiden. Häuft fich aber das Landesgeld da* 

^ ^ durch mehr an, als man daffelbe im Lande 

bedarf; fo wird es in den Händen derBefitzer 

wohlfeiler werden, und endlich fo tief im 

Wertfae finken, dafs es nirgends mehr höher 

angebracht werdea kann, als fein Feingehalt 

beträgt. 

In diefem Falle verliert die Nation den ganzen 

Schlagfchatz, den es dafür entrichtet hat, und 

das Geld ift wirklich fo viel entwerthet. Die Na* 

tion hat zwar dtefen Verluft nur nach und nach 

und oft unmerklich erlitten, aber er 4ft deshalb 

nichts weniger gewifs vorhanden. Indeffen wird 

nicht leicht das Landesgeld ganz fo tief herunter* 

fitfken , dafs es nicht noch etwas Über feinen blo* 

fsen MetaUwertb ftände>. da doch das Gepräge 

V. Jakob SfBUfinanzwiJfm , U 



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jo6 Erftes Bcich. 



immer einigen Werth bat, und die Nachprägungr 
mit der Vermindernng des Gewinnes davon immer 
mehr nachläfst. Aber dafs dabey die StaatsmOnz« 
filtte bald in Stillftand gerathen malTe, ift klar. Es 
entfteht fodann zugleich ein viel grpCserer Schade 
fflr die Regierung, als fie bisher aus dem Schlag* 
fchatze Nutzen gezogen hat. Denn da nun der 
Werth des Geldes gefunken ift; Co fteigen natOrli* 
eher Weife darnach alle BedQrfni&mitteU und die 
Geldfummen, welche die Regierung einnimmt» 
werden um fo viel weniger werth, als das Geld 
durch feine AnhSufung verliert. Es wird daher 
die Staatseinnahme geringer. Den Profit, den Ge 
aus dem Schlagfchatze erhielt, zog fie nur ein« 
mahl, nämlich bey cler Ausprägung der ausge* 
gebenen MOnze; der Verlud aber, den fie bey 
der Einnahme des verfchlechterten Geldes leidet, 
kehrt bey jeder Einaahme wieder. Wenn de von 
loo Rthl. 8 Procent gewonnen hat, fo können ihr 
in einem einzigen Jahre mit diefen GeldßOcken 
v^pU loooRthl. bezahlt werden. WenA nun das 
Geld nur 6 Procent gefunken ift; fo bofst fie in 
einem Jahre durch diefe hundert. ThalerftQcke 
60 Rthl; ein, woran fie überhaupt 8 Rthl. gewann. 
Die Maafsregel, durch den Schlagfchatz ein 
gröfseres Einkommen ziehen zu wollen, al$ der 
gewöhnliche Profit der Prägungsfabrication geben 
kann, ift daher zugleich thöricbt, weil fie den 
Zweck ginzlichverfehlt» wozu fie erfonnen ift. Sie 



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/ 



' Von der Staatseinnahme. 307 

' ■ ■ . ■' < 

ift aotinationalökonomiftircb, weil fie das Volk ia 

weit gröfsern Verluft flfirzt , als fie -der Regierung >^ 

Vortbeil bcingt» und zuletzt auch f Qr diefe Verderb« ; 

lieh ausfcblagen muß; fie in aber auch uage^ 

recht » weil keine Proportion in der Vertheilung 

derrelben ift. Die Vertheilurig davon gefchieht ' 

vielmehr blind , ohne alles Princip; fie beruht 

^lofs auf dem Umftande, dafs ein BedOrfnirs vor« 

banden ift, das der Staat zu feinem £inKommea 

benutzen kannt 

i 4o4* ' . 

Tfle Sache wird noch fchlimmer^ wenn dar - 
Staat das Einkommen aus feinem MAnzreohte noch / 

mehr erw^eitern will» und um feinen Maozftittea 
eine anhaltende vortheilhafte Befcfalftigung zu ge« 
ben, fcbiecbte A^Qnze neben dtr beffern ausprägen 
läfst, die mit der beffern für voll umlaufen foU, ,^ 

die aber um viele Proceute fchlecbter ift» als die 
gute CMrfirend^ Landesmünze* Auf diefe Weif0 * 

kann zwar die Hegierpng mehrere Jahre fiinttr 
einander jährlich ein bedeutendes ankommen aus 
ihre^n Münzrecht^ ziehen» aber die daraus ent* 
ftebenden Nationalverlufte werden von Jahr za Jahr ' ^ 
gröfser» und übertreffen zuletzt den Vortbeil, den 
der Staat daraus gezogen» unendlich* 

$. 4o5# 
^ '. 80 wie nämlich eine fcbiecbte (gewöhnlich 
Scheide-) Manze neben einer guten ausgelaffen 

üa 



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K 398 ^. Erlies Buch» 



wird 9 die mit der letztera zu gleichem Werthft 
curfiren foll, find folgende Wirkupgen • ganz un- 
vermeidlicli : , v 

I. Es weicjit die' gute MOoze au$ dem Lande, . j 
und die fchlecbte \Kertritt ihre Stelle. Denn eia 
Land bedarf zu fernem Verki^br nur eine gewifff| 
Quantität haaren Geldes«^ Kommt nun, es fej 
durch Veranftaltung der Regierung oder fonft wo-' 
durch, mehr ba^ares'Geld ins Land, als der innere * j 
Verkehr erfodert; fo fucht ein Tbeil davon ein« 
^ andere Befilmmung. Es wird entweder einge- 
fchmolzen und zu Gerathfchaften gebraucht , oder 
es wandert ins Ausland, um damit au^ländifche 
Schulden zu bezahlen, fremde Waaren zu kau- v | 
fen u. f. w. Tritt nun fchleehtes Geld neben das 
gute und macht einen Tfaeil des vorhandenen 
Geldes überflatfig; fo wird natOrlich nur dasjenige 
aus der Circulation weichen , was zu Indem Zwe- 
cken brauchbar ift. ßie fcbiechte Münze aber 
taugt weder fttr die Ooldfchmiede, noch zur Be- 
zahlung des Au^ndes. Folglich weicht die gute 
MCLnze aus der Circulation, und die fchlecbte bleibt/ , 
Hieran würde nun in der That nicht viel gelegen 
feyn (weil doch ihr Werih dafür hereinkommt), 
wenn es nur möglich wäre, der fchlechten Münze 
eben die Kraft und Galligkeit zu erhalten, als 
der guten, und nicht fonft andere Nachtheile dar* 
aus entftänjil^n. Denn es konnte far das Volk 
ziemlich gleichgültig feyn, ob es gute oder fchlecbte 



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Von der Staaftseinnahme/ 309- 

OeldftQcke betäke^ w6nn nur mit den einen fo viel 
211 Icaufen wäre, als mit den andern« Eine Zeit- 
hing hat es wirklich den Anfehein, als ob diefes 
det Fall wäre* Denn da da^ grobe beffere Geld 
bey cierErfcbeir^ng der kieiiiern fchlecbten Scheir 
demanze in'derfelben Proportion aus derCircula« 
9on tritt, als diefe hineinkommt, und die Regie* 
ilingdie letztere eben fohoch als die beCfer e MOnze 
nimmt, auc\i das allmähljge Erfcheiiien ihr denfel» 
b'en Credit beym Publico latige Zeit erhält; fo lauft 
die fohlechte Mttbze rieben der belfern zu glei* 
^em Werthe mit letzterer um, und der Staat 
fcheint daher feinen Gewinn daraus ohne Schaden 
zu ziehen. Allein bald tritt nun 

2. die zweyte Wirkung ein: Nachmanzer* 
prägen die fchtecbte Münze nach, und verfehen 
das Land in, grofsen Quantitäten damit. In den 
. preufsUchen Staaten waren in dem Zeiträume vpn 
i^65 bis iäo6 43MillionenThaler in Sechfern und 
Grofehen gemünzt, wovon der Staat circa 27 Millio- 
jien,' aJfo jedes Jahr fftr 1 Million Thäler geprägte 
ScheidemOnze, etwa 600,000 gewonnen hatte« Das 
Nachmünzen geschah anfangs langfann nahm aber 
Ton Jahr zu Jahr mehr zu, fo dafs man in der letz- 
ten Zeit preursifche Grofchen, beffer geprägt als 
(Be Beriiner, in England, als Pabrikwaare kaufen 
konnte. Das Eihfchleppen fotcher falfchen Gro» 
Ifchen gefchah fafsweife, und übertraf zuleUt al* 
Ihn Glauben. Die preufsifchen Thaler gingen zti 



^ 



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$10 Erftes Buclu 



14 Rthl. Für die feine Mark Silber heraus, .därai|i| 
wurde in Birmingham 25^ Rthl. in Grofchen ge« 
prSgt; for diefe kaufte man 23| oder wenigften» 
^3 Rthl« grobes preüfisifches Cöuraot in dem preu- 
fsifohon Staate/ die if|Matk fein Silber enlhiel- 
teit. Hieraus wurden wieder 3*:^ Thaler in Gro» 
(phen geprägt» und von neuem eben fo viel m 
Courant herausgezogen« die 2^ Mark fein ent- 
hielten u. f. w. Zog man fflr das fchlechte Geld 
kein Gold oder Silber^ fo zog^man andere Waarea 
von gleichem Werth dafür heraus, wobey der Vaf*. 
lufl gleich grofs ift. Man hat berechnet, ^dafs aa 
21 Millionen nachgeprSgte Grofchen nach und 
nach theils durch. InKnderi theils durch Auslä'nder 
in die Circulation gekommen 1 wodurch alfo die 
NachmOnzer über 12 Millionen gewannen, und 
der preufsifche St^at um eben fo Tiel betrogep 
worden ift, -* Zuletzt bCufte fich die Scheide* 
münze fo fehr an, dafs man die gröfsten Summea 
in keinem andern Gelde bezahlen konnte. Theils 
\wegen ihrer Unbequemlichkeit, theils wegen ihres 
Uebcrfluffes, fing fie nun auch an^ zwey, drey, 
vier, fünf Procent gegen das grobe Courant im 
Umlaufe zu verlieren , und im franzöfifchen Kriege 
1 806, wo der Staat feinen künftlicbea Einflufs auf 
die Erhaltung ihres Werthes verlor» figrzte ihr 
Werth mit eins bis auf ihren Metallwertb, ja felbft 
noch tiefer herunter, und die Nation verlor durch 
diefen einzigen Schia|; nicht nur alljß die Millionca 



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, Von dei^ Stäatseiimahme. g 1 1^ 

in eini^gen Monaten wieder, die der Siaat binnea 
43,Jahren auf diefe Weife bezogen hatte; fonderm 
e^ entftaoden auch dadurch alle die Verlegenheiten 
UB<i ZerrQttungen im Verkehr und alles das Cn* 
gklcli^ was die plötzliche Vernichtung eines Cre&itf 
itop to fielen MiUioneji, dem man die Geftalt von 
Geld zu geben gewuTst hatte, hervorbringen mufs- 
t,e« — ^ letzt circolirt nur diefe Sechfer« und Gro* 
fehenmOnze in einiget! Provinzen noch alsScheide- 
mQnze zu ihrem v^ahren innern Werth, und bringt^ 
daher keinen weitem Schaden mehr hervor, als 
die Unbequemlichkeit der Berechnung; es wird 
aber doch deren Annahme in allen denen Provin* 
^en verfchmähty wo man die Uebjcl, weiche ihre 
Herabfetzung hervorbrachte, am ftärkften empfun- 
den bat; und da man die Soften ^iner allgemeinen 
Umprägung fcheuet, fo ift man mit diefem Tbeile 
d^r Münze immer noch nicht ia die gehörige Ord* 
nung gekommen. Rufsland erfuhr mit feiner Ku« 
pferknflnze unter Peter i. und den folgenden Regie* 
rungen beynahe daflelbe Schickfal , wie man aus 
^^Schtöser's Münz- , Geld- und Bergwerksgefchichte 
des ruffifchen Kaiferthums** lernen kann«, 

d. Es Wird durch die Einführung einer fchlech* 
ten Münze neben der guten die Einheit des Münz« 
wiBfens zerftört«.. Denn da der Reiz^ fchlechte 
Münze üuszugebeö» grofs ift ; fo prSgt man leicht 
zu viel aus, wenn auch die Nachmünzer niclit das 
ihrige dazu beitragen. Sodann at»er verliert die 



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jia . Elftes Budi. . 



fcblechte Münze gegen die gute/es entftebt ein Agio ^ 
fQr letztere -— und die Waaren erbalten doppelte 
Pfeife, undda man diefe wenigftens beym Detailhln*» 
dei iminer.nachfchlecbter Münze berechnet: fo )ef« 
dendie^welcbe fie in Courant bezahiei!, Verluft da* 
hey. -— Rechnet 4nan nun alle Schäden und Ver* 
lüfte, welche die Nation durcji eine folcbe fehlech«^' 
te Münze erleidet, zufammen ; fo ift der NWcbtbeit»' 
welchen die Nation davon bat, von allen Seiten viel* 
gröTser, als der Vortbeil, weichen der Staatsfcbata 
davon zieht, und die Nation würde alfo wei| befler 
daran feyn, wenn fie das , wai der Staat durch ein 
folcbe^-fchleobtes Müozfyftem zieht, ihm auf eine 
andere Weife erfetzte. 

4* Auch der Regierung felbft kann eine folcbe 
MOnzoperatiön kein Heil bringen. Ihr Schatz hat 
freylich bey der erften Ausgabe folcher fcblechtefti^ 
Münze Vortbeil, da fie folcbe für voll ausgibt. Al- 
lein fie kehrtauch wieder in ihte Einnahme zum voi* 
len VVerthe zurück« und wenn^dann ihr Werth nach 
und nach im Umlaufe verliert, fo büfst die Regierung 
bey, der Ausgabe .derfelbeu aucb* wieder fo viel ein» 
als die Münze im Lande weniger gilt« Noch gröfser 
• aber ift der Schade, den der Staat dadurch leidet»; 
dafs dergleichen Münze das Vermögen der Nation 
fch wacht, dafs die Nation dadurtfa dieVerlulce leidelt^ 
di,e-wir eben angeführt haben. JQenn ^de Verm5« 
gensverminderung der Nation ift zugleich ein eVer* 
roinderung der Quelle der öffentlicbea Einnahme. 



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Von der Staatseinnahme. 315 
$. 406/ 

Haiben ' fcbtm d i e f-e Mflnzope^ationeti fo 
fohlechte Folgen ; fo mfiffen fieirochfchlechterfeyn^v 
wenn der Staat alle feine 'Monzeo yerfcblechtert» 
wenn er gutel^önzen einwechfelt and geringere da« 
für Wieder zu demfelben Werthe ausgiebt: wovon 
die franzdfifcheGefchichte insbefondere eine Menge 
Btoyfpiele auffiellt« Dadurch hat zwar: 

2) die Regierung den Vortheil,* dafs fie ihre 
MOnze ober Ihrto innern Werth anbringt» 
odei^ dafs fie f» dem Ge!de, das &e dafOr ein» 
zieht, mehrOold und Silber erhih, als fie 
ausgiebt. Aber da diefes attf eine nieder« 
trächtige, betrOgerifche oder gewaitfome Weife 
gefchieht; fo widerfpricht ein folcher Gewinn 
der WOrde des Staats, Er foll Gerechtigkeit 
fchQtzea und keine Diebeeftreidfa«^ fpiel^n. 
Aliein: ^ ^ 
^ 2) Ein folcheir^trag ift felbft ein dummer Be« 
trug ;-^w*il , fqbald dif Verfchlechterung der 
Münzen wahrgenommen #ird, fi^ in ihrem 
Werthe fo tief aucK im Umlaufe 6nkt, als ihr 
Feingehalt ihn beftlmmt. Da non fodann bal^ 
für altet Dinge mehr Stöcke ron der neuen 
MOrtze gezahlt werden mOffeh» als von der 
alten, und defi Staats Ausgaben natürlich 
dadurch höher wejtxlen ; fo kann er mit der* 
feH>en' Nominalfumme feiner Efnirahme nielit 
mehr fo viel fiedOrfniffe beftreiten, als er 



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314 Erftes Bock 



, mit derfelbea Summe in befferm Gelde be« 
&ritt«^ Daher gerith er iffiFjfianzootbs und 
wird' dadmrch genötbigt, jene fcblechlen Ope* 
rati9neD zu w^derbolen , oder die Abgaben 
zu erhöhen« Dergleichen Erhöhungen^ fallen 
. aber den Unterthanen, eben weil fie durch 
dfe fchlechten Münzoperationen in Verfall 
gerathen find, febr zur Laft> und die ndtbi^ 
gen Summen können nicht andere » als mit 

. Härte eingetrieben werden. 3 9 weiter ifaher « 
ein {b abTurdes MOnzfyftem getrieben wird« 
defto gröfseres Elend wird daltlurcb bewirkt« 
iind jemebr leidet der Staat dadurch. 

i 407. 
Endlich ruhet auch die Erhebunjf eines Ein- 
kommensbus der MOnze durchaus auf keinem deut« 
lieben und richtigen Finanzprincip. Eine gefunda 
Finanzpolitik erfodert nämlich, dafs, wenn das 
Staatseinkommen von den, Unterthanen, $s fey 
direct oder indirect, erhoben wird, es auf eine 
folobeW^iCe gefcbehe, jdafs jeder nach demMaatse 
feines Einkommens oder nach dem Maafse des Ge* 
nuffes dazu beitrage, der ihm unter dem Schutze 
des Staats zu Tbeil wird.^ Nun aber trifft der 
Staat nicht alles Einkommea, wenn . cir aus der 
M&oze Vortbeil zieht: dena es haben, viele ein 
gtofsw Einkommen , ob fie diefes gleich nicht in 
baarebi Qelde eiehen; und wenn auch alle jOeld 



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Von der Staatsnr^ahme; ^15 

Wdürfeo^ fo tteht doch die Quantität» welche fie 
jyjfbrlicb bedllrfeo , gar nich): mit ihrem jährUctieiS 
Einkommen in gleichem VexhältnilTe* Per SVaat 
erhält daher fein JEinkommen ^us der MQnze nicht 
yan jedem in der Prpportipn, in welcher jederr 
mann nach den Principien der Oerechtigkeit und 
Gleichheit dazu beytragc^n foU. Und obgleich 
jeder durch die MQnzverfchlechterung mehr oder 
weniger leidet i fo kommt doch das» waa jeder da- 
durch verliert» deni Staate nicht zu Gute. Der 
Staat fchadet alfo allen durch fein fchlechtesMOnz« 
fjftem» ohne dafs er dadurch von allen Vortbjbil 
zieht. Man mag daher diefe Einnahmequelle aus 
einem Gefichtspuncte betrachten» aus welchem 
man will» fo erscheint fie immer als unzweqkmih 
Isig» und i& daher in jeder Hinficl|t verwerflich* 

f 4oÄ- ^ 
Ein^ gefunde Politik kann in Anfehung des' 
Münzregals dem Staate nichts nrehr geftatten , als 
dafs er, wenn er ohnedies das Oeldwefen nicht in 
guter Ordnung erhalten kann, das Geld auf eigene 
Koften ausprägt, aber für diefes Gefchäft fich kei* 
nen gröfsern Gewinn bezahlen läfst, als ihn jeder 
andere Gewerbsmann bey freyer Concurrenz von 
dergleichen Gefchäften ziehen würde« 

i 4p9?. 
Betrachtet man aberdi^fen.Oegenftand n$her| 
fo findet fich» dafs puch auf die Maozfabriffatiou 



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316 Erlies Buch. 



die fchoD an mehrern Stellen gemachte allgemeine 
Bemerkung pafst» dafs nämlich jedes Gewerbe in 
den Händen des Staats viel mehr koftet, als wenh^ 
es von gefchickten Privatperfonen betriebert wird, 
Dafs diefes der Fall auch mit dem Mflnzgefchäfte 
fcy, erhellet fchon aus der Vergleichung der Art, 
wie doffelbe vom Staate und wie 6S von Privat- 
perfonen betrieben werden kann. Nämlich': 

!♦ Der Staat mufs grofse befondere Gebäude 
und eigne Mafchinerieen für das Münzgefchäft er- 
richten» und beyde find blofs und allein zur Mflnze 
beftinimt. Rechnet man die Zidfen, das Capital und 
die Koften der Unterhaltung fo grofser Anftaltep» 
vnd vertheilt 'fie auf das durch dlefelbe gemünzte 
Geld; fo beträgt der darin fleckende Aufwand ge- 
meiniglich allein mehi^ Procent, als einer Privatfa- 
brik die ganze Ausmönzuog koftet. — Eine fbI6he 
verrichtet das Münzen in ihren gewöhnlichen Fa« 
Vikftuben ; fie richtet ihre Gebäude und Mafchi* 
sen genau nacb.deif Oefcbäften ein , welche darin 
betrieben "werdeii follen^ und legt es nicAt mif 
Pracht und Qlanz, fondem auf den Zweck nnd'den 
Gewinn an. , Giebt es nichts zu münzen für fie, fo 
füllt fie die Zeit mit andern gewihnvollen Fabrik« 
arbeiten aus, und fo fchwinden die Koften der Ge- 
bäude und Mafchinen, welche auf. die durch fie 
fabricirten Münzen fallen, in einen' höchft unbe* 
deuteifiden Aufwand zoftm'men. 



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Von Aer St^atiemnahme* 9x7 

2. Noch wejt gröEser ift der Aufwand f Or d^ 
Perfonal einer Kronsmün^ftätte in Vergleich mit 
einer PrivatroanzanfUilt. Wenn dort Ober-, Un^ 
ter-und Vice-^Mo^zdirectoren nöthig find; wenn 
für den Einkanf, Empfang, Probirung, Zure^ht* 
machimg, Ablieferung, Controllining, Wieder* 
empfangnchmnngi kurz für jedes Gefchäft befondere ^ 
-Chefs, ^nterbeamte, Secretaife, Con^oUeurs, 
fämm^lich mit Gehalt angeftel]t find, die ihre Fa- 
milien das ganze Jahr und auf Lebenszeit ernähren 
maffen ; wenn durch Penfionen für die Ausgedien- 
ten, Wittwen und Kinder der Manzbeamten und 
* Münzarbeitej geforgt werden mufs; wenn man be« 
defl[kt, dafs alle diefe im Durcbfehnitt kaum drey 
bis vier Monate des Jahres befchäftigt And, und die 
ObrigeZeit inMarsiggang oder mit überflaffiger Ar- 
beit zubringen; wenn man erwägt, dafs dieKrons- 
manzarbetter, CafieUane, Hausauffeber, Wäcb-i 
ter V. (j w. gleichfalls Jahr aus Jahr ein bezahlt 
werden mOffen , wenn gleich die Münze nur einjp 
kur^e Zeit arbeitet •—; und weon man dagegen 
bedenkt, dafs ein Mann, wie etwa Bolton in 
Birmingham, dd9 alles allein verficht, wozu im 
KronsmOnzhgfe wenigftens zehn Grofsbeamte att* 
geftellt find, dafs er mit einem wenigftens vierfach 
kleinern Perfonalfo viel verrichtet, als was die Mün* 
ze tbut, und dafs alle, wenn fie nlctits zu münzen 
haben , Metallarbeiten anderer Art verfertigen : fo 
wird es leicht i^egreiflich , da(s das Münzen in 



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^18 Erftcs Biiclj. 



PriYätfabrikeki Ti^l wohlfeiler zü fteben kommen 
mnts f als in den Mflnzh^fen der Regierung. 

Erläuterung. Man liat mich verGcherty dali Bol- 
tön in Birmingham fich gegen eine grofte deutfoh« 
Regierung erboten hat, ihr alle grobe SilbermOntd 
fdr § Procent und «Ue kleine für i Procent ausaumto» 
sen. In Preulscn» wo die Münsfabrication noch aufs 
Ökonomifchfte eingerichtet ift , fchlägt man die Fabri- 
cationskoften des groben Couranta su mehr ala 5} un^ 
der ScheidemÜnie tu 5 Procent an. Ob aber bey die» 
fem Anfohlage auch die Zinfen und die allmählige Ver* 
fchwindnng den in den Müntgehäuden fteokenden Ca» 
pital« und aUe Generaladminiftrationtkoftenfri die Rech— 
nung gebracht fiud, muXi ich betweifeln, da ich weif«, ' 
daff fie in den Rechnungen der SUatsfabriken anderer 
Art fehiett. 

f. 4^0, 

Wenn es nun ausgemacht ift, dafs das Man* 
zen von Privatleuten viel wohlfeiler betriebet wer- 
den kann» als vom Staate; fo wOrdendie Staaten 
beffer tbun, ihre MOnzftätten ganzlich eingehen 
zu laffen, und das Ausprägen der Landevnflnzen 
Rrivatfabriken zu abertragen. Sie könnten die 
MQnae gegen den reinen Gewinn , denahnen die 
Mflnzfabrication bisher trug, verpachten, und 
dabey wOrde die Münze dem Publicum immer noch 
.wohlfeiler zu ftehen kommen, als wenn fie der 
Staat fabricirU 

Erlftuterung. Gefchickte Goldarbeiter haben mich 

. Terdohert» daXf eine Fabrik in Oeutfohland , die fic)i 

immer einigermaalsen beträchtliche Afbeit rerfpre* 

chen könnte, das grobe Courant zwar nicht, wie B o 1 - 

to» lieh erbieten (oü, %u l Procent, aber doch fOr 



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Von der Stfiatseinnahme. 319 

if Proo«nt mit Gewinn faluiciren könnt«, (dU Bc* 
Ichickung des Metallei mit eingerchlorien), 

$.411. 

DfrElnwaad» clafs dann der Staat dem Pu* 
bllcum nicht die gehörige Sicherheit, dafs es ^e*^ 
fetzmäfsige Münzen erhalten würde , gewahren 
konnte, ift ohne Grund. Denn der Staat fagt ja 
fich dadurch, dals er Privatleuten das Münzen 
überträgt, nicht von der Aufficht und Prüfung die* 
fer Münzen ips« Vielmehr würde die ControIIe 
des Staats über die Münzen der Privatfabricanten 
viel genauer und wirkfamer feyn können, da fich 
jetzt faft Niemand um die Genauigkeit der Münzen 
l>ekümh3ert, als die ^lünzbeamten felbft; diefe 
aber ein grofses Intereffe dabej haben, nicht ailzvk 
gepau in .Prüfung der Münzftücke zu feyn, und 

, Befchwerden gegen angefehene Münzbeamte viel 
fchwerern Eingang finden^ als gegen Privatmün* 
zer. Man weifs, was für Mif^brauch mit dem 

' Remedium getrieben wird. 

f 4ia. 

Ja man könnte vielleicht ntfch mehrere ah* 
dere Methoden einfchlagen, um dem Publico Sehe* 
res und doch zugleich wohlfeiles Geld durch Pri* 
va\fabncanten zu verfqhaffen. Man könnte z. B, 
das Münzen eben fo, wie die Gold* und Silber* 
arbeit, ganz frey geben , jedoch fo» dafs keiner 



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320 Erfles Buchu 



v 



JVlanse der Umlatif geftattet würde» wenn nicht 
l) die Münze nach dem gefetzlicben Münzfuls 
ausgeprägt, diefes 2) doroh den auf dft Münze/ 
geprägten Namen des Fabricanten angedeutet, 
und 3) durch den obrigkeitlioben Stempel des 
Fabrikorts beftätigt, und Fabricant und Obrigkeit 
für die Richtigkeit der Anzeigen verantwortlich 
gemacht würden. Die Stempelung würde dann 
das Mittel feyn^ einen kleinen Schlagrchatz» der 
dem tfonftigen reinen Fabricationsgewinne gleich* 
kirne., zu heben. Der Staat aber .wäre auf diefe 
Art ron dem ganzen MOnzungsgefchäfte frey, das 
Pubh'cum würde auf eine wohlfeilere und felbft 
noch Gcherere Art als vorher mit gefetzmäfsigen 
Münzen verfehen, und der Staat zöge diefelbe rei- 
ne Einnahme von der Münze » als vorher. 

c 

§. 4i3. 

Allein es ift eine noch nicht ganz entfchiederie 
Frage, ob der Staat nicht noch weifer h^die, 
wenn er auf die Einnahme aus der Mflnzung ganz* 
]ich. Verzicht thut, ja wenn er wohl gar lieber 
felbft die Prägungskoften aus der allgemeinen 
Staatscaffe beftreitet. Es würde ein ijplcbes Ver* 
fahren der Staatsweisheit vollkommen würdig . er-* 
kannt werden, fobald fich erweifen liefse, dafs 
der Vortheil, der dadurch dem Publicum zuwÜchCe^ 
gröfser fey^ als derVerluft, den die Staatscaffe . 
durch Einbufse des Gewinnes von c^er Münzfal>ri* 

cation 



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Von der SNfaatd^iiinahme. 501 

1 1 V i ir -^ T - 1 r ' I - ■ 1- i ^ ifc 

cttioa und durch die Aufgabe f Qr tfi» Mtlnzkoften 
«tleidet; >= . / 

V • ' f. 414. 

Die Oiitede ,^ weiche ffir diefe Meiimng fpre* 
«hen^ find folgende: i t^ ^ " 

i^i^lh titad ganz ficher, d^fs^, wenn der Staat 

gar k^nea* Vottbeii von dem GeklitfOnzea 

' hat »^ )a*irenii et l^aii' di4 MflozkeftM be- 

• ^ -sahkn ^ttfs, ibdai«a*-keiii Reiz Vcn^onden 

' . i ift, dasPabltoumaiitaüiricSefn Oe}de, befon- 

det« onitr folchem zu Oberfchwemmea^ das 

4eMMfihtYiofe gpOberti <}ewitfD giebt^z. B!1\ 
.\. . der ScbetdemfiAa«); -^^ 
* «i9t)'^ilrkdit^e MQoa^riladtaiiüh ihien gaxyz^^htea 
' ' «ttd^reioei» Werth^i'indeitV'iiuü jedasiManz» 
1 '^ ftoeli^gevide fo^vM ^rtU ift,-^ airdtf» feine 
' iMeutt^C^asdarauf abgedtete« wird. ;Sgl(aQa 

iMaiM'd^r Wetth jeder Mjitfze iisLch4(tm bJo- 
. '- flBtt^ ^üwidht b^i^n^ir '^Werden ^ w<iUn die 

V :l giftAidtaipg 4ille9^^iiirAM»9» ge^ft-flgiiti Me- 

3) Eine folche Münze wird in der ganzen Han« 

delswelt beliebt/ tttld'*aUenthalben gern und 

:x>hii]9 Abti^ .wie r^tifü^^cgi^fteinj^elliäl und 

y ebf(Ar«btrt6t IMcfr^tiAd^ifitlbe^ nn^i^nönlnieih 

' vr«rdeii;'^ '' '"" ' '• *' nt-j.v'Tuc i ^j ... --i-^ 

4>De9i!fetioDaU»ndei vd«d.d^ch 1^^^^ volfw 

- f kämduMi Oeld un^eni^iil ^ eiitichtegrt, nüä 

fremde Nationen werden dadurch an^iMg^ 

o* Jak^h Staaufinantwiff* X 



- • A^ 



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3*2 ; JätÄ«» Buch. 

mit eiaem Xolcbeo VoUce vorzOeUcb in Vor* 

bindung zu tffo. Deoo das Geld eio^ fol? 

eben Nation ift fürjedto andere febr^rortbeU- 

. Blaft. Hat 619 an dieCelb« Zabluo^ znleiften, 

fo kann fie diefelbe mit reinem Gpl^e und 

: Silber be^abku, und diefea wird» der I^ai^des* 

.. ^:.j«(^anze gleich,., an^^ommen, ,4e. nicbtnur 

.' .jkcEin 8ohiagfcbatz..dafetbft e^äßkft^: Sondern 

difi Regierung das. eiogereicbte ■G ol dt.aod Sil- 

., , :ber ohne Keiften .in huadevaSu^tfdiMnriftmdeit. 

, . ^ffodrdnrch werdertixiie Waacen einecfolcben 

. . iNation £ftr aUe^vemd« Lander jreip^liv#Mrobl- 

feil, und der ausgedebote Dcbity der Jbr da- 

' . .: duFfih.Ver{ebaffr«tsrd)^bitibi;fiilia|>iae^inn 

. , . zu,, der, wMiiuidißiilndiiftde. fiob^^varvoU- 

- . kommnet,;.die Aus^ßke for dÜft^AAndioftea 

i r Weit. ttberwiegtk -.^ Aiik::diefeiavCfi«dwi<:kann 

<f ü^daiin dieRflyerungdie.ManatofKiia>i(arf dpa 

. nProfit^nden der ßcblagfcball^ /.äi9 gMMbren 

-. yi iWf|rde^«doppfiii/>iiiiLdrry£acbki^ei0iii2obne 

der Nation dadurch weh^'j^Uil^iiA« n«;«! 

1 Die Etttvcenduagcäi fitelcl^*3nAi g^i^en die 
JPolitiK» alle ^iidteiMlQ^<l.]itf «ffeotl^i^often 
zu prägen, und auf jeden^Scblag&hatzsu. verzieh, 
t^n t herTorbringl , bCoheinen nur anfr ^ner^rfiir* 
ten Anficht der Ebogeiiervorzugelwi* . ^ie find 



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Von der ^taatseinnahme. 323 



ir Man fagt, dafs auf diefe Weife die Lan- 
de«mflnzen dem ungepragrtn Golde und Silber 
gleich Ueheiiy und folglich, wenn es etwa an un- 
geprägten Metallen diefer Art fehlt, leicht in den 
Sc^el^tiegel der Oold- und Silberjari>ejter» od^r 
auch Ins Ausland gehen und dort eingefchniolzeii 
werden, wo de^n der Nutzen des Gepräges ganz 
verloren geht^ und di^ Regierung neue Koften an- 
wenden n^ufs, um andere ^önzen zu prägen* 
sarerden dagegen diePragekoften yergütet; fo kann 
dlefes n>it Vortheij^^iüitjht wohl gefcheheu, weil 
das ungemflnzte Metall fodann irpmer .um fo viel 
woUf^er zu h^b^en ift, als der ßftrag der Präge» 
kfl^en ausmacht. Allein ich bemerke, dagegen : 
a) Die Münze wird in einem (plcl^eo Laiide im- 
mer etwas theurer feyn, als d|e nngep/ägten 
. . jÄetaUe vM^.glej^^ Fftine ^nd gleichem Ge- 
-, ;; wicht ; denn ,fie dient zum Verke^ir ^nd wird 
; alfp Tiel haufijer. gefucbt. W.^r.Barrcp hat, 
mofs diefelben erft ummanecj^.aageq, wenn 
, 4nr fiefftiun Verkehr f fhrauc^^wji^^ Darüber 
• vergebe^j2[e^t, jiqiti^ hat Zjn{enverli|ft Folg- 
' lieh behaupten in der Regel f[|e |VIelaIIe ia 
.j J^OazfejFm^^^jp«» .?tw^shöhiffifl^^§jrth,. ajs die^ 
i\ i^^SjWÄt^MwB^ep. ünt^f^c|^e4iltJmit«ndeÄ 
j I i^rd.aIfoNiei5j;id leicht J[ii|fln,2ftii pnfcbmel* 
.^ . ^zep, fondern l^ber Harren dafür jcaufen.. 
^.^b) ,fiben deshalb' wird man .auch Üeber barren 
ins Ausland fanden» als Münze, 'wenn man 

Xa •" ■ 



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324 * Erfles Bucli. 



ev ein; denn die ausg^YandteMQnzekehxt 
ick. Oefetzt aber aiicTi, Be blie/be^dtihfl 



dort Gold und Silber zu' zahlen bat, fbbald 
' das Ausland dieMönze nicht höher a^nefhhien 
• will, als die Barreö. Nimmt es aböV dife 
Münze höher an, Ao kann es keine andere 
'. , Abficht haben,* als diefelble wieder 'zurück ati 
(endeii , um fie im Lande zur Zahlung- anzub- 
iegen. Denn nur im Lande kann dasGeprfge 
ihr einen dauernden Vorzug vor den Barrel 
yerfchaffen« E^nii bofst aber das Land nichts 
dabe\ 
' zurück. 

' und würde in fremden Ländern als Mütn^ 
beliebt'; 'fö würde diefes ein ZeichettTeyit^ 
dafs VLtitkt Verkehr mit folchem Lande'^ Wdl: 
mittlem, wo fie zuletzt bliebe, fehr'grofs 
wäre. Dent) ünfereMhnze'kaün dur dadurch 
1>eliebt werdefa, dafs dle'^alÜ^iielneri 'ausge- 
dehnten Hafndel mit tihs''bStiretbt,' ' iTfid fo* 
dann würde der Vortheil'äus dieffen^'Öandel 
viel'^ÖfsBi' feyn , ils' der Näcfitlieil , Welcher 
aus A^i Aufopferung der Mün:^1kofteÄ fbr die 
Quantität der dort rdulii-endWMünifo un- 
f^rJ Landes enkßeht:' ' ' ^ " • >J J 
2) £s* würden auf diefe 'W'^ife der Reg^rung 
illle Koft'eÄ^aer'kiifcKifFuri^ ä'^^^dclri*'^ für 

"diejferiigefl ,*yie dergjelcfiferi bSdtfrfen, afufgi?Bürdet 
werden, '^iiddi^'fe' feoften'^''örinten oft fellr b^- 
öeutencF feyil,' uifd''(iife Pi^guii«skofleii' fehr 'weit 
Übertrafen. - - ^ ^ • . ..^u.r '-uu<^/ ,n\ 



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^ ^■ 



Von der Staatseiona^e« 325 

. — *-^-, — . ^ J , 1^ — — 

Ich antworte, hierauf A dafs di.efes in ^iaent 
Staate, *iro die Circulatipn durch baares Geld ,b^.o 
ftvitten wird, oirbt der Fi|U feyn kanp^. Penn 
in einem folGben wird die Regierung* <lie Einrieb* 
tung treffen, daOs ihrManzhof nur diei)ir ein^e« 
deichten edelo Metalle zu Münze prSg^ ; wer^ alfo 
M&nze von fhr verlangt, mufs ihr die dazu nötbi* 
gen Metalle liefern, und fie braucht fich mit Her* 
bejfchaffung der Metalle gar nicht abzugeben. 
Wollte man aber fagen, dafs die Einbringer der 
Metalle' wenigftens den Vortheil hätten, dafs fie 
lür diefelben auf eine beftimmte Feine verarbeite^ 
\t% Gold und Silber zurQck erhielten : fo ift zu er-^ 
trägen , dab der Münzhof kein, anderes Gold oder 
Silber annehmen kann , als das denfelben Feinge- 
halt hat, als feine Manze; und daßl, wenn das 
eingebrachte Metall diefe Feine nicht hat, der 
Eiobringer natürlich die Raffinirungskoften tragen 
mufs, die nöthigUnd, um feinen Metallen die ge* 
fetzmSfsige Feine zu geben. Es ift alfo durchaus 
kein Orand vorhanden, weshalb die Münffce zu an* 
dern Zwecken als blofs zur Beftreitupg des Ver- 
kehrs mit baarem Gelde gefodert werden foUte« 
Üeb^rdies kommt einem jeden, der Münze für 
Metall verlangt, erftere fchon dadurch etwas höhör 
^A ftehea, als letzteres, da er das Interufurium 
«oA der Sumnie yerliert, die er ausmünzen läfst, 
während der Zeit, wo er fein Metall einliefert, l\is 
j^ ihm ausgemünzt ziirfickgltg^ben wird, welches 



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3 aß Erftes Buch. 



itnmer 2 -*^ 3 Wochen dauert. Diefes aber beträgt 
(b yiel, dafs er nie einen Reiz haben kadd* MOnze 
gegen Metdll zu federn. Wenn er ^rftere nicht 
zum Verkehr in ihrer Geftalt ndthig htit. 

3) Eli^ dritter Einwand ift, jjafs ein Landj^ 
welches keinen Schlagfcbatz hat^ gegen ein anderes* 
das dergleichen hat» im Curfe verliere. Handelt 
z. B.Fraiüireich, das einen SchUg(ch|tz h^t» ^it 
Efi|;lünd» das keinen hat} fo kann Frankfjeieh 
ipit. 1.00 Unzen feinei^ Goldes 100 Unzen. Oold ^ 
eogUfcber Münze von derfelben Fjüne^ in England 
bezahlen. Wenn aber Englai^d an, Irankreich; 
j^oo Unzen ^old in franzö&fcher Mflnze fteckend« 
in Frankx^ichfchuldig ift; £0 mufs es (den. Schlag* 
Cchatz in Frankreich zu 5 Procent aogenqmmen) 
9u den Guineeo, welche 100 Unzen wiegen, noch 
5 Unzen Gold hinzufügen» um jene Guineen in 
franzö&fche Mflnze verwandola zu laffen. > Es 
kommt aiCo, fagt man, England gßgen Frankreich 
bey gegenfeitigen Baarzahlungen offenbar zu kurz. 

Ich erwiedere hierauf: dafs England in fei«^ 
nen Zahlungen an Frankreicir nichts gewinnen 
würde, wenn es «einen Schlagfchatz nähme, ulk 
das, dafs es Frankreich nicht n^ehr in feinen Oul* 
neen, fondem lieber in Barren bezahlen würden 
Penn da$ Oold in Guineen würde diArch dbn'Sohlag* 
fchaftz th eurer werden , M in Barren , ' und da ditt 
GDiiieen vor den Barren in Frankreich krinetfVor» 



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Von d^r StaatseimiBlime. , 327 

■'■ f — ■ ■■ ■ ■ ■ ■ " ■ ■■ ' ■ I — ' 

9ug genlefse^, weil dafiJbft cl*#eoglifeW Gepräge 
nichts gilt, wohl aber in fingland } fo würde jutaii 
Bienuihlftftatt der Barren Giiineen fchickea» aber 
immer wfirde mafn fflr diie frans^^fche MiUixe den 
Scb]ag£ehatz mit bezahlen muffen* . Nähmen die 
Englioder gleiohfalU einen Schlagfcbafz; fo maft^ 
ten die Fraiizofen denfelben gleichfalls bezahlen, 
wenn fie englifche Waaren für baares Geld in ^ng** 
Und kaufen wollten* Macht jetzt der Schlag« 
lebatz in Frankreich die franzölifchen Waaren für ^ 
die Engländer thearer, dann würden dje engüfchen 
Waaren auch fflr die Franzofen etwas thenrer wer« 
den..«— • Aber die .Frage ift: ob es einet weifen 
Politik gbmäfsift, die inländifchen Waaren durch 
den Scblagfchatz zu vertheuern? -^ Wenn ein 
Land fisine Waaren vertbeuert ; fo vennindeirt ee 
die Zahl der Käufer und fchreckt insbefonderi 
Sie Ausländer vom Eanfea ab. Der Scblagfchatz 
aber rertheuert alle Waaren am den Betrag der 
Proc^nte der auf :de( Münze i-uhenden Abgabe^ 
und bringt dagegen hur eine geringe Summe in 
dte ^taatsoaffe, weil er nur einmahl von dem ge* 
prägten .Gelde erhoben wird,» diefes aber feigen 
durcli den Scblagfchatz erhübeteii Werth fo iangc( 
.faelMlllf^ .als es \x\ Apt Circulatioii bleibt. Um- die 
aneUbwUfcben Käuferin bebalten,, mülüen nun die 
Einwohner eine3 fblobeo Landes, deffen Geld mit 
einem Schlagfchatze belegt ift, wieder mit ihren 
Preisen herantergebeii» und wenn dann die Aus^^ 



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jag ' Erftes Buch* 



linder gleich io eüxem bdberD Curie deo Schlag- 
ichatz zu beitahlen f^helnen , £o find er dqch im 
Graode die ioläncUfditii VerkinCer«' die ihn zu* 
letzt tragen. Denn es kann z. B. dem Engländer 
gleich gelten , wenn er f^lr eine Waare in Frank* 
reich i^5 Unzen Oold bezahlt, die man ihm dort 
nur zu rpo Unzen in franzdfifcher Münze berecH* 
sel^y weil man 5 Procenft für ScblagCcbatz abzieht» 
wenn er, wenn kein» Scbfagfcbatz Statt fände, fOr 
diefelbe Waare auch ik5 Unzen Gold bezahlen 
ipüfste, die man ihm aber fodann auch mit tad Un* 
zen in franzö&fcherMänze in Rechnung brächte«—* 
Wenn aber eine Regierung das allgemeiüe Taufcb^ 
abittel nicbt vertheuert, fondem gar die \Prä^trtigS( 
koften felbft übernimmt; fo erleichtert fie dadurch 
den Verkehr mit dend Auslände, indem die An* 
fchaffung deffelben Niemanden erföhwert Wird, 
ja ein jeder jede Art Geld und felbft ungepräg* 
tes Oold und Silber,, fobalä es nur die gehörige 
Feine bat, eben Ib ▼ortfaeilhaft anbringen kann, 
als die Landesmanze«. -^ Durch diefen lebhaftea 
und erweiterten Verkehr wird aber <ler National* 
reichthum fo vermehrt, dafs der St^t fieh für 'die 
geringen Prägungskoften leicht vielfach dturc^ an- 
dere zweckmäfsige Auflagen auf jene ReichtbQmer 
entfchädigen kann. So können z« B« in eintim Jahr» 
mit 10,000 Stück Ottiiieen wohl ftlr 100,000 Gui* 
Been franzöfifche Waaren gekauft werden. Nähme 
England einen Schlagfchatz von 5 Procent 9 Ib 



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Von der Staatseiimaliine. 92$ 

— ^^^ " ' ' ■- "■■■'■!■> I . I ■ ■ - II. U l l i 11 II l lg » »— 1P— ^ 

wflrde e» 5oe St. Guineeo ergeben; erhübe es^ber 
nur I Proceot von den dafür gekauften Waario» 
&> betxöge diefes 1000 Guineern 

Erlint^rung. fiekanntlicH Kerrfclit in England cKe 
Politik y dim Müaxen auf KoAen der iR^gierung pHno 
alleii Schlag/ahati a^tsuprägen; und Eiigliuid bcfiniat 
£ch bej dieCer Politik fo woKl , dala die Grande ,i ;wel- 
che man dagegen Torgebracht hat , die Regierung nia 
ßt ^al^tt bewegen k6nncto,die|e Praxis lu verlaH^n. Wenn 
man dofJ die Aujiohleppung der Guineen alt ein yebel 
betrachtet und fie deshalb verboten hat; fo hat dielea 
darin feineik Gn^id, dals England, ein Papiergeld hat» 
wobey dieiea Verbot der Ausfuhr der Müm« allerdings 
nothwendig wird. — Da nämlich die Bank (wenigftens 
▼or 1797) die Verbindlichkeit hatte, ihr^ Noten | als 
das allgemein carfirende Geld , mit GeldnfQn^en nach 
dem Nominalwerthe der Noten ,xu realifirwiL ; £o mufste 
die Bank auch felbft alles G^Id anlchaffen^ was tuv 
.AnsmünzuBg der Guineen gebraucht wnrd«. ^Trat nun 
der Fall ein, dals äas handelnde Poblicum Gfld n^tl^g 
hatte f fo foderte es , fo viel es bedurfte , Ton der Bank 
gegA Banknoten ; und da dite Bank folches «immer tu 
einem beftimmten Preife in Papier (für ai Schillingo 
1 Guiuee) lief ern mufste ^ fo konnte jeder' eind belie* 
bige Menge von ihr xu diefem Preife' immer erhalten^ 
Flofs dann kein Geld dem Lande durch den Handel alt 
Bezahlung xu; fo wurden natürlich die AnlbhafiFbligs- 
kofton grofs und fielen ganx der Bank xur LaE^ Dib^ 
ie$ m niste ihr befonders fehr drückend werden | wcny 
der Krieg viel Ge|fl verlangte. Denn auch deften An- 
fchaffungtfkoften wurden der Bank zugewälxt, fo lahgi 
Be die Verbindlichkeit i>ehielt y^ alle ihre Netekt/Uiit 
baarem Gelde xu löfen. Da nun aber die Geldbedürf- 
tigen das Geld nur in der Form der Guineen von der 
Bank erpreften, und fie nicht immer das Geld in die£e^ 
Form gebrauchen konnten ; fo wurden | die Gi^Mieeii^ 
fo wie fie aus der Münxe kamen , häufig umgefchmol- 
Mtt — oder wann man Geld fürs Ausland bedurfte. 



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930 Erfte* Buch. 



aiu d«Qi Lunde g«Xebxckt; «wey Operationen, die der 
Bank lekr grolse Verlufle verurfachen konnten» Da 
nun die Bank in dieler Auswechfelang und Aufrechter- 
haltunf dt§ Werthi ihrer Noten eih Regiertuiffg«» 
fchäft verrichtete; romuTste die Regierung üe freylich 
^^ gegen den daraus entgehenden Schaden tu fchütsen 
fachen, ^azn war dat Verbot der £infchmelinng und 
Auffuhr der JGuint en ein Mittel , daa f edoeh ni* da» - 
U^belgani heben konnte* Wenn alfo in England dai 
Sjiiemj die Münzen ohne Schlagfchats zu prSgen , ei- 
nigen Schaden hervorgebracht liat; fo rtihrt diefet 
nur daher , da^s dort das Syft«m nicht rein und in fei- 
ner ganzen Vollkommenheit angenommen ift. — Ge-'' 
münztes GeldVird, wenn nicht politifoh fehlerhaft« 
Einrichtungen dazn tratan , fchoik dashaU» ninht leicht 
«ingefchmolzen werden, weil es anoh dann noch zn 
feinem vollen Werthe umläuft, Wenn es durch die Cir» 
cnlation bedeutend abgerieben ift und aa Gewicht ver« 
loren hat , jeder alfo bey d^ßeh Einfchmelznng weni- 
ger Metall hat ^ als er für di^ Münsftücke in Barren 
kaufen kann , gefetzt , er bazahlte fie nnjch etwas über 
den Münzprais. ^ ' 

Aus diefeo Betrachtungen wird ficb al(b erg^- 
ben» dafs das Münzregal, alsFinanz^uelle betrach* 
tet, fich durchaus nicht empfiehlt; dafs, wenn 
man ja Gewinn da vom ziehen will, diefer nur 
Irdcbft mffsig feyn darf, und dafs diefer am beftea 
als blofse Abgabe gezogen und den Privatperfonen 
das Fabrikgefchif t ynter der Oberaufficht des Staats 
Hberlarfen» aber vielleicht noch beffer auf allea 
Oewinn aus demi Manzregal Verzicht geleiftet 
'Wird. 



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Von der Stfldtseiimahme. 5 ji 

mmmm0m0mmt ■ i i. ■ ' ■ ■ .i « >i ■ ■ i , 

. ' §• 417- 

sr. Wie wichtig tme gote Organifaftiön der 
Pofteo far ein Land fey, zeigt die Staatspoil^ 
tBj oder innere Verwaltungstheorie (f; meine 
Grandfätze derPoIizeygefetzgebnng, 1809. S.SaS 
v. firm)«' Dafi? eine to gemeinnützige Anftalt vbni 
Staate befördert und unterhalten werden folle, 'wo 
FrAratkräfte noek riioht gefcbickt daao fiid, und 
.dafa fiebeyjedenrVerhältnifTe unter feinem' Schutze 
ftehen rnOfre, leidet ebenfaüs keinen iSweifel. In 
der Finanzwiffcnfcbaft find ab^r haoptfioMioh fol# 
sende Fragen zti beantworten : 

ist es gerecht, dafs der Staat die Poftanftalt 

ztt einer Quelle feines finanziellen Einkorn^ 

mens mache? 

2) Ifb ein folches Einkommen nationalökono* 
miftifch ? 

3) Ift eSi um diefJ^ Einkommen zu bewirken^ * 
nothig und vortheilhaft, dafs der Staat, die 
Adminiftration der Poft übernehme und das 
Poftgewerbe felbft treibe, oder kann er daf- ' 
felbe vortheilbafter Privatleuten überladen ?<— » 
und wie kann diefes fo gefchehen, dafs a)det 
Zweck der Poften dabey aufs hefte erfüllt 
wird; b) die beabfichtigtto Einkünfte nicht 

( verloren gehen ? 

f 4i8^ "^ ^• 

Wo ein Land fehr bevölkert und 'reich ift, 

da werden Poftanftalten durch mäfsige Bezahluikg 



\ 



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331 Erftes Bück. 



rferer, die (ich ihrer bedientn, febr leicht unter'»' 
iMiteo werden kdoueo, und es ift in folchen.Fäl« 
leb kaUm nötiiig » dafs der Staat dergleichen An« 
fialten umnittolbar einrichtet* Er darf nur die 
Regeln beftimrpen» nach wekheo diefes gefcheben 
fell^ und es werden fich bald Pnyatperfpnen finatep, 
welche diefe Einrichtungen fQr den mögllchft wohl* 
Mlften Preia treffen« Der Staat hat fodapn mßK 
attf die Beobachtung der Ordnung und der Beding 
gungen zu fehen, welche die Poftbalter gegen dae 
Soblieum eingegangen find« 

$. 4i9- 
Indisffen ift es auch wünfchenswertb und von 
grofsem Intereffe, dab felbft in wenig bevölkerten 
Ländern 'und weniger bevölkerten Gegenden re* 
gelmafsigeCJornmunicationsmittel unterhalten wer- 
den. Die Einrichtung und ynterhaltung derfelben 
In folcben Gegenden wird aber fo koftbar, dafs 
fie durch die Beytri'ge der ihrer benöthigten t'rivat« 
perfonen nicht zu Stande kommen; und wenn da* 
her der Staat will^ dafs dafelbft Poftanftalten exifti- 
ren follen, fo mufs er ftarke ZufcbüfTe zur Unter- 
haltung derfelben geben. 

§^ 420. 

Manche Staatsmänner rathen daher» die Poft* 

anftalten fQr das ganze Land einzurichten, und 

ton denen» die fich derf^ben bedienen, (b viel 

»1 er)ieben> dafs die ganze Anfielt davon unter* 



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Von der Staatseinnahme. 933 

^<— »— ^— ^— ^— ^ I II > I ■ II I ■ I i ii I I i i iM^Aa—***» 

faatoen werden kau»; fo dafs 4lie UeberfcbiDfl^ 
welche in einigen Provinzen fiber lit^ Unterbalr 
tungskoften der da&gen Anfkalten verbl^ib^n » ^zur 
Unterhaltung tiefer angewandt w^erden, welche 
toobh nifcht die Kofken tragen. Eint fcdehe Politik 
xnula auch geblUigt werden, ' fobatd jene Üebcr- 
fobaffe auf eine fdche Art entfpriegen, dats die 
BezakhiBg fOr den> Gebrauch Üer Poften ie den 
Arequentera» Gegenden nicht gr&feeiriftv ^ wae 
dam bezahlen mUffte,^ weffd^idiefePlKledft' durch 
freye Ooncnrrenz d^rriPriTatleute ^I«Ift«t iffOrde. 
Mofsten aber die Pofi^elder dtöb^tb* Tofehr erhöhet 
werden, dafs' der Gebrauch di^ Pofien auch in 
den fir^quenten Provinzen fehr er FchV^ert würde, 
und die Koften, • Wofür dafelbft Privatleute' diefe 
DienfteQbernehmeA würden,' übertrifft; fo würde 
dieAds ein Zeichen ftyn, dafs ein faklies Land fich 
noch nicht zu einer« Wgemeinen/Pofiieinrichtung 
durch das ganaeXand qualifrcire^ 

•,-'.. '' . ■•■; .$. 42-1. ..;, .,... 

< Ift indeffen die Gefellfchaft fo Weit gedfehen, 
lEafs jede Provinz die Koften der Poftanft alten fehr 
leicht zuCammenbringt, und jede^fditieil' Vbttheil 
duh^y findet; ^fe TierPoftgeid*:iü^bezableli,C^ls 
mt' Upfetheftüng der Poften holhWeüdlg'itf ; fo 
Mtft^hC löicM'der Gedanke , die PbRanftaff dazu 
ik benutzen, um vermittelft derfelbeir^h befon- 
deres Stjfatsein'kommen zu erheben« Ein folchea 



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3^6 Erftes Buch. 



Confumtioosauflage inQfste ein Mittel feyn, Yoa 
alieillohae Ausnahoie eine gleiche Sumnie za er* 
beben, weil man in gewtffem Betracht vonjlMletki 
eine beftfmmte gleiche ' Summe bewheO' wilL 
Diefes kann aber dwpak erfaöb€(|ea Paftgeld sie 
Hefcbeben» weil ficb nicht alle der Pofianfialtei^ 
bedienen, : und alfo die dabey frey ausgehen oMr 
fehc wtaiflg geben , welehe der Pofi gar nicht oder 
ktehft Xelten bedarfe«. Die Auflage jr^nottteift 
des erhdbettii Poftgeldea ftimsit alfo dwohauc 
nicht mit dism zutamnven, waa man von dur^Oe^ 
Mchtigfceit einer Auflaga ?ei^langt; ««ie-fibh noch 
Keffer Ve]^ darLehrd von ^ea'Auflageii' wird «eigen 

kffiifa. -' -" ' ' . .^■'^' ^ 

a) Si»lft dett'Prjncipieo der NatienalOfconar 
mie ehtgegen^ D^nn die EifafaruDg Idtttt^^ diA 
did V'oi^dimte dea WoUftadd^s; flie y}96Cse der 
Prodnetiün nnd ' die^ Lebhaftigkeit dea HancMi 
kauptfIcUich Ton dtx LdohMgkeit iittd W<lblfeit^ 
heit der ' QmnmonicatloMtiiitteL > abhiorgt^ tMun 
aber ^ werden die Mittheilnngen^ der Gadukeit^ 
^iei Verfendimg der'Waaren, die Bgi9§gu$% «kr 
Perfoilen von -eintm Orta^ ^^nitl andintt-^diirch Er» 
Mbnng äei^Poftgddes ungemein erfcb^l.'z-i^Ig«. 
Hch *Wird durch diefe^ Auflage der Verkekf {^ 
hemmt i und dadurch AatBarordjHitlielii vielfiiOfMk 
raliorien ünterdrOckt, welij^ie, 2nr Ver^täbrutaig 
dea Natioaalreicbtfatfiua und VervoUkontmnübg tki 
ZkftaAdes der Gelellfdhaft 4iatten diona» kdUMn; 

Eine 



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Von der Staatseinnahme. 337 

Eine folcbe Auflage auf das Poftgeld ift alfo dea 
Grundfätzen der Nationalökonomie gäntlich ent« 
gegen. Aber 

3) Sie ftimmt auch nicht mit einer weifen 
Finanzpolitik Qberein. Denn eine folcbe mufa 
Torzflglicb dabin fehen, dafs fie durch ihre Maafs- 
regeln» lieh eine Einnahme zu verfcbalFen, nicht 
andere Quellen verftopfl, aus welchen der Staats- 
caffie weit mehr zugefloffen feyn wflrde, wenn Bm 
Solche nioht blTtte aufkommen lafTen. Nun ge» 
fchiebt eben diefes offenbar durch zu ftarke Poft* 
gelder* Viele Briefe Werden nicht gefchriebeh» 
weil das Porto zu tbeuer ift -^— dadurch aber kön« 
nen riela nQtzIicbe und gewinnvolle Unt«rneh- 
siuJEigen unterbleiben» die fonft der Nation gro- 
ben Oewian, und folglich der Staatscaffe auch eiü% 
Einnahme gebracht haben würden. Viele Waarea 
werden' nicht verfendet, blofs weil das Poftgeld 
zu thsuer ift/— Hierdurch aber bleibt mancher 
Zweig der Induftrie unangebauet» und was dadurch 
gewonnen werden könnte « entgeht dem Staate; 
folglich werden dadurch Quellen der Einnahme 
verftopft, die der StaatscafTe einen viel gröfsern 
Ertrag bitten geben können, als jene Erhöhung 
der Poftgelder. Femer» \)renn esgewifsift, dafs 
hohes Poftgeld den Verkehr vermittelft der Poft 
hindert; fo ift es auch gewifs, dafs der Gebrauch 
der Poften dadurch verhindert wird, dafs daher 
die dadurch bezweckte hohe Einnahm«. ein Mittel 
w» Jakoh Staat^finanzUfiJT» x ' Y 



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338 Elftes Bucb. 

ift, gerade das Gegentfaeil, nämUcb eioe geria« 
gere Eintiabine, zu bewirken. Denn theils unter- 
bleiben deshalb viele Gefchfffte, tbeUs fbchr mva^ 
den Oebrwch der Poft ztr utngekea. Daher mufs 
denn der Slaat zu- aUerley unedeln und kleinlicbea 
Mitteln greifen y um die Untertbanen za zwinge»« 
ich, auch da der ^Pofi zu liedietien , wo fie 4bnea* 
kieinen Naiven bringt und fie den Dienft dsrCei* 
hea nicht verlangen ^. Ift dagegen das Po%eW 
fo wohlfeil, als keine andere Gelegenheit» beträgt 
das Porto eh;» Kleinigkeit; fo denkt Niemand 
daran ^ficfa einer andern Gelegenheit zu bedieMfli» 
als der Poft« Taufend Briefe werden gefchriebenb 
die Ccinft unterblieben waren^ und dij viiM klei** 
nen Scininien ; welche die Poft einnimmt, kte«ei^ 
CnJclann leicht eben fc/viel, als die wenigen grdEsern 
betragen, , ^ 

*) Knrtk. Bejfpiele der Art und: Verbo^i PaciLeie unter 
40 Pfund mit andern 6«legrenkeitcn » aU i^it d«r Poft 
«u fohicken — Terfchlpll^ne ßriefe bey Cch an fClhren,' 
oder durch Boten und Reifende zu beforgen — durch 
andere 'Puhrgelegenheit weiter »u i^abren, wenn man 
^ mit Exirapoft gekommett ^ .uad nicht eia oder mahrerei 
Tage dazwifcben TerfloITen iind — gar nicht mit an* 
dem Gelegenheiten^ tu fahren an Tagen , wo PoftQa 
f«lieB.«. f. w. 

$. 4a3. . 

Ift aber das Poftgeld fo wohlfeil, dafa keine 

aiidbre Gdqi^heit dem Publr4;o diefelben Dienfte 

ftf dwfc$ Geld leiftet» und dafs dadurch der Ver- 

liQlb£idurabaua kein Hincternifs findet; fo wid^- 



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Von der Sta^atseinnahme. jg^ 



fpricbt es weder der Gerechtigkeit, noch der Na* 
tionalökdfebmie, noch der Fiijanzpojitik, wenn 
der. Staat von dem Ueberfchuffe, den dergleichen 
niedriges Poftgeld über die Koften der. Unterhai* 
'tung liefort, einen Theil id feine Caffe zu bringen 
fuebt/t^Denn es fliefst diefer üeberfchufs auf ein« 
ungezwungene Weife \aus einer Staatseiqrichtung, 
und da' nach der Vori^usfetzung Niemand durcb 
den Preis des Poftgeides fiob gehindert fühlt, die«* 
Mbe zu gebraueben , auch Niemand anders den« 
leiben Dienft .wohlfeiler verrichten kann , als di« 
Toft; to tcheint es, dafs der^UeberfchuCs des Ertrag«- 
4» Poftgelder über die Erhaltung der Anftalt füg- 
)ic)i zu andern gemeiofamen Zwecken angewandt 
werden könne« 

Der Staat kann fodann diefes Einkommen 
auf eine zwiefache Weife ziehen: l) entweder durch 
Selbftadminiftratlon , oder 2) durch Verpachtung 
der Soften an Privatperfonen. 

. Dafs die Selbßadminlftration der Poften dem 
Staate höher zu ftehen komme, als den Privatper* 
fönen, bat man allgemein eingefehen* Daher 
fucht man fie wenigftens fo viel als mögb'ch zu ver* 
einfachen , und hat das Fuhrwefen und das Pferde- 
balten faft allenthalben an Privatperfonen verdun* 
got, wo man nicht die barbarifcbe Gewohnheit 

Y 2 



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340 Elftes Buch;. 



beybehalten bat, die tlpterthanen zn zwingeti» 
dalis fie die Poften fOr eiö Geringes ode^gar um-' 
fonft fahren und die Pferd« dazu an Ort und Stell« 
bereit halten mflfTen. Aber die Obfige Adniiui* 
ftration det Poft, als Einfehreibung und Ixpedi«^ 
rung der Perfonen, Briefe» Gelder und Sachffli. f.w., 
wird iD den meiften Staaten durch öffentliche Poft* 
officianten beforgt. Offenbar ift es aber, difs 
auf diefe Weife die Poftwirthfchaft nicht nur^tl 
theurer zu ftehen kommt, als wenn man die Be- 
treibung derfelben Privatperfonen flberliefse; fon* 
•'dem dafs auch manche Unbequemlichkeiten fflr 
das Publicum daraus erwachfen , die bey der Prl» 
vatadminiftration derfelben nicht entfteben wftr* 
den. Denn 

i) unterhSlt der Staat eine Menge Poftbeamten, 
als: Poftminifter,Poftdirectoren, Poftinfpecto* 
ren, Poftmeifter, Vielehe,, obgleich zu der Ver* 
waltung derfelben nur'gewöbnliche Gefcbäfts* 
kenntniffe gehören , dodb wie die allerwich* 
tigften Staatsbeamten bezahlt werden. Privat- 
leute würden das für eben fo viele Hunderte 
thun, als jetzt mancher Poftdirector Taufende 
empfängt. Es würden alfo bey der Privatad- 
miniftration der Poften gewifs viele Taufende 
erfpart werden. 
2) Die öffentlichen Poftbeamten finden gar kein 
Intereffe dabey, das Publicum gut zu bedie* 
nen. Da fie ihren Gehalt ziehen , es mögen 



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VoA d«r Staatseümahme. 341 

fo Tiel PafTagisre oder i'o viel Briefe zur Poft 
Jkomoien» als mgiPwill; fo treibt fie nichts 
an^ das Pobljcum durch Höflichkeit und an- 
gebotene Bequemlichkeiten zum Gebrauche 
fler Poft anzulocken. Das Verdriefsliche und 
JPeixificbe ihres Gefchäfts macht vielmehr man- 
che barC^b und grob gegen die Privatleutf» 
'Welche fich d^ Poft bedienen » fo dafs, die 
Grobheit der Pofibedienten zum Sprichvfprte 
. geworden ift. 

$• 426. 
£$ fcfaeint daher, dafs die Poft Verwaltung ib* 
wohi i^ Hinficht auf die' Sparfamkeit' als auf dje 
Bequemlichkeit desPi^blicumsfebr gewinnen mufs, 
wenn fie Privatperfonen , jedoch, wie fich von: 
itelbft verfteht, unter obrigkeitlicher Aufficht und 
Gontrolle gelafCen wird. Es kann diefes fowdfaf 
in Anfehung der fahrenden als reitenden 
Poften leicht ausge fahrt werden. 

i 427- : ' 

Wenn nItmUch jedermann verftattet wird, fah» 
ren Je Poften zuhalten; fo ift von Seiten des Staats 
nichts weiter nöthig, als dafs er mit folchen Per* 
fönen eine UebereinkMuft treffe, an welchen Ta* 
gen und zu welcher Stunde ihre Poften gehen mQC- 
fea, und dafs beftimmle Preife fieftgefetzt werden» 
die nie aberfbhritten werden dorfen. Er erhebt 
fodami far jede folche Erlaubnifs eine brftimmt« 
Aligabe^ und die gewöhnliche Ortsobriükeit wird 



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94^ ErfteS'Budi. 









angevi^iefen, pOnctllth ^uf die vorgeföhriebene 
Poftordnung und auf den^ontract zo halten* Da 
Jeder 2ugelaffen wird, Püften io etabliren ; (owird 
die* CjSoncurrent es bald dahin bringen^ dafs die 
^Poften fo wdrifeJl und to bequem eis mdgllch fOr's 
Publicum eingerichtet werden ; tein Zwtoki wel- 
ehen zu befördern die Kronsbeamteu bey weitem 
kein fo ftarkes InterefTe habeti, als der Stj^nnutz 
tretteiferqder Pfiretpofthalter» wie des Beyfpiel 
der LITnder, wo die Polten dergleichen Etorich* 
tung haben, klärlich beweifet, wenn man die fah- 
renden Poften etwa io England und* Frankreich 
mit denen in einigen andern -Staaten Terglelcnt« 

Auch die Beforgung der reitenden oder Brief» 
poften kann wohlfeiler und eben fo gut und ficher- 
durch Privatadminiftration verwaltet werden, wenn 
nur den Privatunternehmern zur Bedingung gemacht 
wird: i) dafs fie die in ihren Contracten^ darüber 
beftimmten Zeiten und Stunden halten, und 2) dem 
Publicum die gehörige Garantie für die Sicherheit 
der ihnen anvertrauten Briefe und Gelder leiften. 

$; 429. • ' , 
Gewölmlioh hSlt man deshalb die öffentliche 
Adminiftration der Poften durch Staatsbediente 
für noth wendig, weil PHvatperfonen nicht deb 
Orad der Sicherheit fOr die verfairdten Gelder and 
Gfiter gewähren kbnnten. i^ilein ich frage: , 



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Von der Stiatselim^lime. $4$ 

■ j ' ■ ■ I I ■ ■ ■ 

. i) W^^nkb wobl.cUr Pdt Xo grofse Wertbe an- 
reürantf als Se^dl^eii «pd Frtl^htfafarleu* 
teo, und find die GM«r hier v<renig«r ficber» 
als auf der Poft?-«- Hat nvan nicht Mitt^^ 
gefunden, fie dcn^ch Privatanftalten eben Co 
fßt zu terf^ebecto, als es darcb die Poftatirtalt* 
. je gerDb#hen kiniV? . Worden fiob' riy:i)t febf 
baldPTiiratyer6cherttngsan{fcalteii*fiadei)y wet» 
cbedie üacantia fQr die der Polt an vertrau teil 
Geidex'übieroa&nsen?^-^ In ^nem indüftrid^ 
fea Lande entftebl'dlefes>Alles von (elbft und 
.. febr Jeicht, wenn pnan nur Freyheit Jäfst. / 
2) W^a^ hindert idie ßtMteir, die .fioßgOleii )i4 
< befördern Sehetz' au n^nnen^p ifatd fiiloidlfr 
i tungea zu treffen > .dfiC» aUe RtRn ii gw Mn^iti 
Privatpoften vtnd Privatpofthalter eb^n fo.it^fc 
o^fficfo uuterfueRt w^den mOlTen, als jetzt 
'::dlef Vergefaungeni 4er Poflioflictant'en? • 
'.3) 'dttänibhe Pottf^evel t vrilrden auf Privatpöftta 
' geMk vielfeHeeer vecfalllen/ als aef c»en öfr 
fentliciien Potteiul .;:f^anientlich wirde dfai 
HeimJicbe Brieferbrecben'lvü^ -täeHnSctiiVie- 
•' » rigkeiten finden. AuoH wQrde • i* ••(' i . 
4)* gfegen VernaohliCTigiin^en dir> Pf'>vat|>ofteii 
t '^ ti^fel!leiobter»ReGhticu'H'haltee feyn,^^egeii 
die Fehler dir ö£feAUieben Fofb», . weil es 
viel'Ieicbter ift, einen PrfMlpolUiatter an 
'«' ^ irerklagen und ihn tem eordnutigaikiifsigen Qe* 
' l '^regeo zu zwingen,. als gegen einen offentU- 



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944 Erftes Buch. 



cbeo, oft in hohem Range fleh«ndeo PoCt- 
bcamten» deffen Obhgkait mn ia derRefi* 
dtmz auffachon muCs* 

f 43o. 

Ift es nun ansgemaoht, dafa die Privatadmini- 
ftration der Poften fOr das Publicum bequemer und 
aigleich wohlfeiler ift, als die öffentliche Verwal- 
tung; fo wird es anch'eben fo deutlich feyn, dafs 
wenn der Staat ein Eidkommen von den Poften 
Ziehen will, er ein grdfseres reines Einkommea 
Ton Privatpoften^ als von dfftntlicben ziehen könne» 
weil das, was die MfeBtUche Adminiftratfon mehr 
koltst,- fodann* nac4i'>eioen Fonds eröffnet, aus 
welchem der' Staat ehi Mehceinkommen aiehen 
kann» ' 

f 43k .1 

Indeffen bleibt immee noch die Unterfitcbung 
ftbrig, ob es nicht nationalökonomlAifehe Und 
ftaatswiHbfcbaftliche Grande giebt, welche anrf- 
then , das öffentliche Einkommen aui de» Poften 
felbft tu befchrSnkeD, wo es fcheiitt, dafs die 
Contribuenten 'dafTelbe bewirken köonen» ' ohne 
dafs fie deshalb mehr bezahlen, als ^ebezahlea 
mQfsten, wenn fie (ich anderer Gelegenheiten be- 
dienen könnten und wollten. Denn fo viti, bleibt 
doch immer gewlfs, dafe die Erbebung d^r. Staats- 
einnahme darchs Poftgeld, • wenigftene fo «wie fol* 
che bisher angeordnet' war» auf keinem richtigen 



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Von der Staats^ininahme. 345 

^'— ^— — — ■ I ■ ■ * «1 ■ ■ ■—^»■^i^i^ 

Veitbeilui>|[ipriiHn{»i iter AbglKben beraht. t Wir 
werden fie dahcfr, als Auflage betrachtet , untea 
bey der TBeorie der Auflagen genauer unter* 
fachen. : Ble dahin mdgen folgende Bemerkungen 
cur Torläufige« 'fieurthdlinig düefes Oegenftandes 
dienen* 

Es ift gewifs^ dafs, wenn der Staat von dem 
Ücberfcllüffe, den das Poftgehl über die Körten 
der Verwaltung trigt, nichts erhöbe, fo mülste 
diefer üeberrctjufs folgende Wirkungen haben : 

j) Entweder das Poftgeld mafste noch mehr 
fial|;pn . und. folglich, d^i; l^^uoidesr^TJi^thr noch 
meiirf rlei^tert wtrj^Ji^. Ift,esiiup|johtig» 
4af$ die Erleichtepipg .df s V^rl^thi^. d^eOe?; 
werbe, yi^rgröfscrt , vepi^f^i^ht, und. vf rvoll- 
TgtQxr^n^n^fX^ fo wOr^li^ .bey der PpfttiufUige zu 
ber^^hn^en^eyn, ob .mcbt durch c|as vergrö^ 
f$erte Gewerbe» das.^^ps der VerlUeioerung 
des Poftgeldes eptftpn.cie, der N^tionalreioh- 
thi^na fo febr Tergröfsert würde » dafs.^daroo 
eben fo viel oder noch mehr an den.3taat ab« 
.. ge|(ej)en ^^M^a ^köpi^ft» als die Piifjtr^yeua« 
bejtrJgl ? r- . Wijp^^^ief^r Calftiü . fcb wie rif 
uuf) es vielleicht ujf V[ö^cjb Ift, ein auch nup 
wahrjcbeinliches Ref&jUat , herausjzubringea; 
fo fclti^pt es ^och^ .b))lig> da^ d^r Staat d4$ 
ainmabi f<}r iiphti| J{^iur)v|i^nte Princip rer 



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fpectire; nimliofa d«r$^ aUe»»' wto den V«r* 

kthtfotim^tewtf auch die Prodaction foefftr^ 

■ . 'dent« Mod daCs <er deshalb keSneXiTlageo ein«* 

, fahren foll, fon weiehen ofitnMit ift» daft 

fe dem Varliehr Biwiktaiißt an den Wegia^ 

gen unct ihn vermindern« 

s) Oder die Poftanftalten iK^arden ToUkommner 

und bequemer fors PubJicum werden« . tiat fich 

der Staat einmahl an eine Einnahme aus* der 

iPolianfialt gewöhnt; fo letzt uch in ihmleicht 

der Hang, fie nicht nur zu efhaften, (ondern 

auch fie zu vermehren , feft* ^ Die Einnahme 

Wird dann die Hau^tfiehe. VTo diele Ifeideo 

* '" käntfte; dä'^W^i'd^n 'liebei^^ie'Pdihiiriblten 

▼emacÜfirföU, ''virftrUlechtert, litH* nur die 

' 'Brfnafimb' zuerhMüA, Verinehiren fiih die 

• ' ^^rbftiinkb hf tk*; ' tö legi der RÄttzmitiifter fo- 

'* '^ g?6ich die Hand darauf, uiidtfie tletiatnatSo- 

"" '^ iien lim VcrbeCfeViinjg' der WageA, Wege, um 

"Sorge för ßequtmlichkeit defPaffa^/^i'eli. f. w. 

v^erden niöht gehört, ' oder es wii'd dö^h nur 

-Wue KkinSgUbit von der ÜVJehreilifiiitt^^ dazu 

'•* 1)fewilligt. ' '' ' 

WdrdÄ aber tfer Oisdanke,' d^e Poff'als dn^beTon-' 

«Sei'^ ihninzquelie zu befra^iiiten, gädzfiöll aufge- 

ge1)eni Tö Vvürde matr Äe PoBanftalteh (icB'%it der 

Termelil-ung der Bevölkerung und 'c)es/.ll^ftd¥itbums 

zufehends vervöllkcrtnmiien'fehen,' Uftd^der Staat 

hätte gar kein läSkütth ^ab^y, ^dfefes atif Wgend 



1 



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Von dar Sftaatsibiiinalune. 947 

afaie WstTtt tu hlodera» Es wtMe fedamizwar "tiÜn 
ItiiMäwli ^umAbgtkbt «iif*4ttil'Softg«braiicb, ab#^ 
^ gani(, andlTrer Proportion und oaob ganz inidern 
Principien fallen , als Mche das Regal anordnet* 
Diebs wircf $ph .unten bey d^ Theorie der Ap£> 
lagen ergeben« 

Aus den bisherigen Betracbtangen folgt, dafs 
£ch dasPoftr^al von keiner Seite auf folche Weife 
Mr4*iaavft^eik empfiehlt, dds man ifie naoh rieh- 
Sigen finanzieUen^uBd fiaatswirtbfchafUicheW PriDr» 
;oipien billigen könnte; Vielmehr fcheint es, dafe 
ISS rathfaoMNr fey , giaxlich darauf Versiebt zu iev* 
Aan und-aflesfiAkoBRnien durch die Poft blofsttff 
^e VenroUkoominoog d|e(er Anftal^ra «u 't«nfwsn«> 
d^ny £obald 6oh andere eben fö fiel»re, abet mit 
den nationalökonomiftifclien Principten Obtfrein« 
Aimmeade Quellen derStaatseinnahme offenbareii, 
-welohe jenes 'fitokomineo etfetsen kdnnen. 

§. 433. , > 

3. Die bis hierher betrachteten Monopole^ 
hatten foMM^Ge^ftände, in denen lÜhSt obgleich 
mit ein Cicnnd enjtb^Iten i(l> weshalb fie den« Mone^ 
|i^ uiil^rworfenVerden» niroMch «reil vermeinjdkli 
40r Zweck» d4a der Staat mitd#»UbeD an emi- 
»h^ gedenkt, ihirch das S^atsmonopol ^beffdr 
befördert wirdi. Allein . bey der andern ßattung 
($..3ao.)^ zu deren Betraobtung wk* nun konrnied, 
findet diefer Zweck gar nicht Statt» ibnderji fie MbJL 



Digi^zedby Google 



94lt £rftA Büdv ' 

'\ ' , 

^1 bloft dechdb gewiUt , weil man fia ffir gelchidBt 



- • - vr; 

^on den monopoblHrclieii nnd ändei^ ^tattsgeweiBen mit 

$. 434- , ' 
Wenn ek» Stkat ein Oi^w^rb'e iiiiternimint» 
tind dabej Aadern freyeConcitrreiis: IStst; fio kaoa 
er fchwerlioh die Abfickt dabey haben» etwas da* 
dwoh XU gewinnen , oder eut folches Oewerbe z» 
Mm^t Finanzquelle zu machen. Denn ans dtfn MOt 
^Iftrwwtig angeführten Gründen: kftnn er die Coa* 
5Ciirr?nz nie mit PrivatperfowMt aushalten ». we^A 
er fioh denf^lben RegeJn unterwirft« welc)ien dj# 
Piiratgewerb^leute folgen mQden. Mao kan« 
daher aJlgeinAip .iinf\ehn»en^ d^^^i^lreyes S^aat^ 
gewerbe niemahls zu einer Finanzquelle taugUch 
fey. 

J. 435. . 
Wenn Regierungen dergleioben umernommefi 
iKiben, fo gercbabe es nicht fowofal, dabey etwas 
%ttgewifiiten, als Vieln^br, um andere Zvireek« 
«dtadorob mi erreitdien; als: den Hof mit betondtAt 
jKoftbarkeiten za verfehen, Beyrpiele zo geben; 
da{s ficb ein Gewerbe im Staate betreiben kf fe^ um 
Priratunternebmern die Möglichkeit zu zeiget 
und 4e f ur Nacbabmnng zu bewegen ; oder zu b^ 



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Von der Staatseinnahme. $49 

' wdfeii * dafs man etwas im Ltfodk raaefaen k^noe» 
waa bisher blofo das Aoslaod li«ferte; oder ein 
sothweodiges Stai^tsbedOrfoifs nicht den^ Zufalle 
2u OberlaCfen > fondem ea in feiner Gewalt zn be» 
halten u. {. w. Ob dergleichen Untemehm angelt 
zweckmäfsig feyen, wird in andern Theilen der 
Politik nnterfucbt. Die Finanzwiffenfobaft ver- 
wirft fie unbedingt als Mittel, dem Staate eiA' 
Einkommen zaVerfohaffen« 

$•436. 

Ändert ift es, wenn der Staat ein Gewerbe 
monopoliftifcb betreibt. Denn wenn die Unterr«^ 
ihanen das Jnroduct eines folcheo Gewerbes bedOr- 
fen; to zwingt fie der Staat, daiTelbe ihm aus'» 
fehliefslich abzukaufen , , und indem er es Ihnen 
nun' zu einem fo hohen Preife ablSfst, der nicht 
nur die hohen Koften des Staatsgewerbes, fondern 
auch einen grofsen Gewinn abwirft; fo kann er 
allerdings vermittelft dergleichen Monopole ein 
bedeutendes Einkommen beziehen« 

$.437- 
Wir reden hier blofs von folcben ntonopolifti* 
fohen Staatsgewerben , die aus keiner andern Ab* 
ficht angefangen werden, als weil fie ein beque« 
mes Mittel zu ieyn fcheinen, ein ficheres Staats« 
•inkomn^en darauf zu grOnden ; nicht von folcheo, 
deren Betreibung der Staat deshalb unternimmt» 



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> 



i 



350 ErAes Buch. ' ^ 

— ' — — ' _■--,.- -,-. — _ ■- — . — . — ^ — 

I weil tr urtheilt, di|(s fie um des allgemeinen WoUs 

Rillen von Niemand anders^betdeben werden dar« 

■ fen, al9 vom« Staate. Von der letztern Art der 

$taat8gewerba war in der vorigen Nommer dia 

Rede« 

5. 438. 

Bey den hierher gehörigen Gewerben ift alfo 

hltots die Frage: i) ob von dem Oegenftande, den 

" : fie betreffen , ein erkleckliches* Staatseiokom«« 

men zn erheben fey? und 2) ob das Monopol des 

Staats mit diefem Gegenftande das leicbtefte und 

be^uemfte Mittel fey , diefes Einkommen zu der 

> erwünfchten Höhe" zu treiben. 

N 

$• 439. 

^ Die gewöholichften Monopole, die man za 

diefem Zwecke am gefchicktefien befunden > find 
die Monopole ^ 

I^ mit Salz, aucb wolil Salpeter und Schieb« 
puIver, 

2) mit Colonialwaaren, / 

3) mit Tabak, ' 

4) mit Branntwein, 
^ 5) mit Getreide. 

Aufser diefen hat man aber noch viele anidere Ge- 
genwände dazu gewählt, deren &eurtheilung jedoch 
auf keinen andern Gründen beruht, als welche 
wir zur Beurthetlung der genannten anTabrea 
werden. 



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Von der SttiaftsiÜflaxiahme. .$51 

$. 440. 

Dl^ Grande, w«Iche die Staatea aiWiXJnter* 
Qefamuag yoo dergleichen MoaopoleA beftimiDexit 
$]3g| folgende: Die Ststatsau^^bqa» (ageA üe^ xna* 
€beii es notbwendig, da($ die OegenßäiiGle^ die 
man dem Monopol unterwerfen wi|l, t^Aeuert 
werden. Wenn es mia kej«»e Meihod,e giob^l wo« 
diureli*die Verbraucher deErfelhen die Steimr {0 ge- 
wify und. in fo richtiger Kroportion zu gebep ge« 
mw9iaige»V«erden können, als wen» 4er Staaf den 
mooqfioliftifcben. Handel damit feibft abecajUnmtt 
oder ihn unter feiner Auf ficht tokren Ufst; fo wird 
dadurch ein folcfaes Monopol gerechtfertigt^ und 
der £inwurf, dafs dem Staate die Betreibung des 
Monopols koftbarer zu fteben komme, als wea^n ein 
ftolcher Handel als Privalgefcbift getrieben y^Orde^ 
ift keift fo wichtiger £inwurf, dafs er den Staat 
davon ai}halten könnte, wenn nur fonftgewifs ift: 
]])dafs die Eijinahme durch das.Monoj^ol gvöfser 
ift, als wenn die Abgabe auf andere Weife von 
dem Gegenftande eriiobeo werden müfste; und 
d)^daf8-die Erhebungskoften durchs Monopol nicht 
bedeutender ßi^d, als fie fich bey einer andern 
Methode belaufen wArdes* 

«• 44i- 
. Dtefe Betrachtungen haben die Staaten be- 
fiimmt: 

«) Handelscompagnieen zu errichten, die unter 
•. der ControUe des Stvats ausfchJiefslicb mit 



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)5S Erftes Bndu 



folchen fremdem Producten Handel treiben 
foitten^ von welchen der Staat eine ftark^ 
Steuer beben wollte t z. B. aoslindKcbes Saiz^ 
Kaffee, Zncker u. f. w. Geben nätnlicb alle, 
fremde Prodaote dieferArt durcb den Handel 
einer folcbenCompagnie, fo lifst fieb derUnw 
fang derfelben nicbt verbeblen, da tbeilt 
Staatfbeamte mit der Compagnie in Verbin- 
dung fteheuy die alle ibre Unternehmimgen 
beobacbten und Ibrgfältig controUiren» tfaeila 
Merbaupt eine ganze Oefellfcbaft nicht 'Co 
leicht Schleichhandel treiben kann» als ein- 
zelne Perfonen; tbeils die Oerter, Ober wei- 
che der Staat Aufficht zu führen bat» dadurch 
auf eine kleine Zahl gebracht werden, wobej 
die Beobachtung allemahl ftrenger und genauer 
üeyn kann. «^ Hier ^ird fodann entweder 
die Abgabe gleich von der ganzen Maffe der 
eingeffibrten Waare bezahlt, oder fie wird 
von den Detailbindiern, die fie von der Com- 

V pagnie empfangen , entrichtet. Kurz, der 
Staat bringt dadurch die Waaren» von wel* 
eben er Abgaben erheben will , unter die ge- 
nauefte Ueberficbt und Controlle, und kann 
durchaus nicht darum betrogen werden. 

l) den Handel im Innern mit denjenigen Pro- 
ducten, von denen er Abgaben erheben will» 
durch feine Agenten oder durch befonders 
dazu privilegirte Privatleute treiben zu JafTen» 

und 



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Von der Staatseinnahmen 353 

und die zu erbebende Abgabe auf den Preis ' 
folcher Producte zu fchlageo. Er zwingt da- 
her alle Producenten, die Producte, welche 
er dem Monopol unterwerfen will, an Nie* 
I manden anders, als an den Staat zu verkau- 
fen, und fcbreibt gewöhnlich die Preife, zu 
^ wichen diefes gefcbeb^n foli, vor. Die Pro- 
ducenteh mOffen daher ihr Salz, ihren Tabak, 
Salpeter, Oebl, Getreide u^f.w« in dieKrons« 
magazioe abliefern, und erapfangea dafelbft 
die Bezahlung dafCkr, oder deren Verficherung 
in Scheinen; und von hieraus werden die 
privilegirten Detailhändler oder auch wohl 
die Coofumenten unmittelbar mit denWaären 
zu monopc^iftiichen Preifen verXehen, und 
dadurch die Abgabe eingezogen« - 

3) Zuweilen wird auch wohl die Confumtion für 
jeden beftimmt, und er durch e/n Gefetz ge* 
zwubgen, feine |hm zugetheilte Quantität aus 
den Kronsmagazinen gegen baare Zahlung des 
Monopolpreifes zu beftimmteo Terminen ab« 
zuholeiiw 

4) Hatte der Staat eine Fabrik errichtet, welfhe 
eben keine nothwendige Waare fabricirt, aber . 
doch darauf angelegt war, eine Finanzquelle 
zu werden ; fo zwang man auch wohl gewiffe 
Stände oder Handelsieute, eine beftimmte 
Quantität bey befti/nmten Gelegenheiten für 
dfin Monopolpreis zu kaufen, und knüpfte 

V. Jakob Staaußnanzwijf* Z 



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354 * Erlies Buch. 



die Erlaubnifs fich zu etabliren » fich za ver* 
heurathen u. t w. daran, : 

Anni. Unter der Regiemng Friedriclu II. mufste jedes 
' * Jude 9 bey feiner Verheuratlmng , der königl. Par- 

cellainmana£«etiir in Berlin für 500 &thL Porcellain 
^ abkaufen. 

*. 442- 

Das Staatsmonöpol bleibt » die Regierung 
mag ddflelbe durch ihre Agenten unmittelbar ex-* 
erciren lafTen, oder fie mag daflelbe an Compa- 
gnieen oder Privatleute verpachten/ oder diefe 
fonft auf irgend eine Weife dazu autoriGren« Die 
Verpachtung kani\ vielleicht ein Mittel feyo» die 
Adminiftrationskoften zn vermindern, aber das 
Monopol wird dadurch nicht aufgehoben» 

§. 443. 

In vielen Fällen werden die Regienjngen zur 
Ergreifung folcher Monopole dadurch h^ftimmt, 
dafs die Qbrigen Methoden , das nöthige Einkom- 
men des Staats zu bewirken , ihnen verfchloffen 

* »■ 

find, weil fie die Einwilligupg der Stände dazu 
ni^ht erlangen können, oder fich fonft fcbeuea 
muffen , andere Beftenprungsarten einzufahren» 
Das Recht,' jene Monopole einzuführen, wird in 
vielen Staaten zu den Regalien gerechnet, zu deren 
Ausübung fie der Bewilligung der Stände nicht 
bedürfen. Und aus diefem Grunde wird diefer Me- 
thode häufig der Vorzug ertheilt. 



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Von der Staatseinnahme. 355 

§. 443^ 
Wir bekOmmern uns aber in cfer Finanzwif- 
(eofchaft um dergleichen NebengrOnde nicht, fon- 
vdern unterfucb^n clieZv?ecknitfsigkeity das Staats-^ 
einkommen durch Monopole zu heben, nach den 
reinen und ächten Principien der Wirfenfchaft, es 
^ der praktifchen Klugheit und den befondern Um* 
fländen QberlafTend, wieviel davon in der Wirk- 
lichkeit angewandt werden kann, und wie die 
Hinderniffe, welche der Anwendung der Sehten 
Finanzwiffenfchaft im Wege ftehen, zu befeitigen. 

Betrachtet man die Methode, durch Staats- 
monopole ein öffentliches Einkommen zu heben, 
im Allgemeinen; fo ergiebt fich (bwohl aus der 
Natur der Sache, als aus der Erfahrung: 

j) Dafs, wenn dergleichen Gewerbe der Staat 
ffibft betreibt, a) die Koften des Betriebes 
wegen der eben angeführten Umflände viel 
höher auflaufen , als wenn es von Privatun* 
ternehmern betrieben wQrde; b)dafs dieWaa* 
ren , welche die Staatsagenten dem Pubiicum 
monopoliUirch verkaufen, gewöhnlich viel 
/ fchlechter find; und c) die Staatsmonopoli* 
fien ihre Gewalt mifsbraucben , den Confu* 
menten (ielbft verdorbene Waaren zu den hoch« 
fien iPreifen aufzudringen. Das Volk bezählt 
alfo nicht "blofs die Auflage in dem hohen 

Z 3 



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356 Erlies Büclu 



Preife folcber Waarcn , es bezahlt auch die 
. höhern Koften, die auf dalTelbe ebenTo wie 
die Auflagea drücken, ob lie gleich iiichts 
in die Staatscaffe bringen, und überdies er- 
hält es die theuern Waaren in fchlecbter 
Qualität. 

2) Läfst der Staat die Verfertigung pder den 
Händel jener Waaren durch Privatuntertbanen 
betreiben ; fo mögen zwar diefe das GefchäEt 
ökonomifch genug einrichten^ aber er giebt 
ihnen dadurch» dafs er fie zum Monopol pri« 
vilegirt, viele Mittel in die Hand, das Publi- 
cum zu bedrücken,, indem fie durch hohe 
Preife oder fchlechte Waaren ihren Profit fo zu 
erhöhen wiffen , dafs das PiibUcum viel mehr 
bezahlen mufs, als in die Staatscaffe kommt, 
ui\jd diefes Mehr gewöhnlicher Weife die Er- 
liebungskoften anderer Arten der Abgaben 
weit übertrifft. 

3) Verpachtet der Staat ein folches Monopol ' 
gänzlich an Privatleute ; fo fiebert er fich zwar 
in dem Pacbtgelde ein gewiffes und beftimm- 
tes Einkommen, und wird von allen Admi- 
niftratlonsgefchäften befreyct. Allein die 
Lafl des Volks wird dadurch gemeSniglich 
aufs höchfte getrieben» Denn a) da bej^der- 
gleichen Pachtungen nur wenige concurriren 
können, wegen der dazu nöthigen grofsen 
Summen; foentftehen leicht C^llufionen unter 



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Von der Staatsemnahine. 55*^ 



dr- 



eien Gon Gurren ten 9 wo einer den andern be- 
friedigt, und fie fich unter einander vereini* 
gen, wieviel man dem Staate geben will. Der 
Staat erhält, daher wenig, das Volk aber mufs 
zugleich alles bezahlen, was jene Abmachun- 
gen koflen; b) damit diePollzey-und andere 
Staatsbeamten die Pächter in ihrer Strenge 
unterftützen, und ihte Mifsbräüche, wodurch 
fie ihren Gewinn erhöhed, duld€n, müf* 
fen Beftechungen angewandt werden, wozu 
natOrlich das Publicum gleiclifalls die Mittel 
^ liergeben mufs. Dabey werden die Unter- 
thanen in die Gewalt der Pächter gegeben, 
und können von denfelben auf taufenderley 
^ Weife bedrückt werden. 
4) Damit das Monopol nicht beeinträchtigt wer^ 
de, mufs der Staat oder deffen Pächter eine 
Menge Aufpaffer halten, welche abermahls viel 
koften, ohne dafs die Staatscaffe etwas davon 
erhält. Und dennoch hilft alles Auf paffen ge- 
gen den Schleic^hhandel um £0 weniger, je 
höher die monopoliftifchen Preife gegen die 
gewöhnlichen find. Je mehr daher der Staat 
durch Erhöhung der Monopolpreife gewinnen 
wiir, deftö mehr verJiert er auf der andern 
Seite, durch Contrebanfde. -— Das Gewerbe 
des Schleichhandels aber nährt die Unmorali* 
tat, und fetzt den Staat und die Unterthanea 
in einen ewigen innerxi Krieg mit einander. 



f 

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^58 Etiles Buch/ 



y 



5) AllemabI unterdrückt das Staatsmonopol den 
Gewerbfleifs, und thut den Pri^tgewerban 
Abbruch. Denn wenn auch der Staat das 
Monopol durch Privatleute betreiben iifst, fo 
wird doch fchon durch den hohen Preis die 
Confumtion folcher Oegenftände vtrrmindert» 
und alfo das Gewerbe» das fich damit befchäf* 
tigt, Terkleiaert. Diefes erbellet noch deut» 
lieber, wenn man die einzelnen Monopole 
näher betrachtete * 



$. 445. 

Betritt das Monopol ansländifcbe Waareo« 
. ' und wird diefes > wie es gewöhnlich^ gefohiebt» 
durch eine Handelscbmpagnie geQbt; 'fo wird 
durch diefelbe gemeiniglich der ganze auswärtige 
Handel der Privatleute gelähmt, und es geht ihnen 
nicht blofs der Zweig des Handels mit dem mono« 
poliftifchen Gegenftande, fondei^n mit ihm auch 
viele Von den abrigen Handelszweigen verloren» 
Eine folche Compagnie fcbafft fich [gemeiniglich 
-^ ihre eignen Scliiffe an, und da fie folche nicht mit 

der blofsen Monopolwaare f dUen jJRann , fo »reifst 
fie dadurch auch die Fracht und felbft den Handel 
mit den Übrigen Waaren an fich. Der Handel 
xiurch fremde Schiffe und durch fremde Kaufleuta 
wird dadurch zerftört. Denn da ihnen der Haupt- 
zweig entzogen wird, fo tragen die Nebenzweige 
Bicht mehr die Koften. Diele fallen fodann alle 



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Von der Staatseinnahmen ^^^ 

in die Hände der Compagnie» uod fie bekommt es 
nacli und nach in ihre Gewalt^ nicht, blpfs die 
Waare, zu deren Handel fie privilegirt ift, fondsrn 
^ auch die übrige: zu Mbnopolpreifen zu verkaufen. 
Ein folcber Handel giebt fodann dem ganzea aus- 
JSndifchen Verkehr eine fchiefe und nachtheilige 
Richt^ng• Er . treibt die ausländifchen CapitaliB 
aus dem Handel > und indem er fie durch inländi« 
Cohe ergänzt, entzieht er dlefelben ihfen bisheri- 
gen vortheilhaftep Befchäftigungen. Die Unter- 
tbanen mOffen in den hoheo Preifen cjer Monopol- 
waaren die Prämien bezahlen, wodurch die inlän« 
difchen Capitale dem innern Verkehr entzogen 
und dem ausländifchen Handel zugewandt wejrdeß» 

. Erläaternag« Siehe Kraus iibev die Seehandlttiift« 
campagnie. ^ 

$• 446- 
Hat da^ Monopol inländifcbe Waaren ^m 
Gegeqftande; fo muffen es> wenn der Ertrag er- 
klecklich werden foli, folche feyn, die von aus- 
^gedehntem Gebrauche find^ Die gewöhnliche und 
,anch faft einzig zweckmafsige Methocje ifi isfdjkf^n^ 
dem Producenten derfelbqn den^ebit zu verbieten 
.und fie zu verp&chten^ alle ihreter^ielten Producte, 
die man dem Monopol unterwerfen ypilU ^n die 
Krone» deren BjBgmten od^r Pächter zu verkaufeui 
io'dafs diefe allein den. Verkauf diefer Producte, an 
d?e Con(|uipenten zu^domMonopolpreife beforgen* 



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360 Erlies Bück. 

■ ;i — '^ — — ^""^ — :; — '■ ■ 

$' 447- 
Diefe Methode hat folgende «nverhieidiiche 

K$chtbeile: 

1) Sie fehränkt die Prorfucenten ungcmeia 
ein ond lähnit gerade die ausgedehntcfteh Gewerbe» 
i)a es, fodann die Krone in ihrer Gewalt hat ,'dfle 
Preife folclier Waare eben fowohl für dre Prbdii- 
centen dis für die Confümenten zu BeftiTmmen; 
fö wird fie folche für jene fö niedrig und für diefc 
(6 hoch als möglich einrichten. Öie wird blofi 
dahin ftreben, zu bewirken, dafs nur nicht weni- 
ger erzeugt werde > als fie zu ihrem Debit bedarf, 
und in diefen Schranken wiird ße die Preife für die 
Producehten haften. Da nun wegen der hohen 
Frelfe; ' Äie ficden Confumenteh macht, die Con- 
(umtion fo geringe als möglich feyn'wird; indem 
)eder die feinige deshalb möglichft einfchränkt; So 
Yfitd die Production durch das Monopol unterdrückt 
werden. Auch' wenden fidh die Unternehmer fchoti 
deshalb von dergleichen GeWerbe zurückziebetiy 
weil es die Regierung untrir ihre Gontrolle nimntt 
und e» ftets 'bewacht, damit die Producenten an 
Privatperfönen nichts * verkaufet. — Es leidet 
alfo offenbar die Production' der Wahren, die der 
Staat mortojiolirirt, tlüt-ch das Monopol felbfl. 
Machen Be ein nothwendiges Biedürfnifs aus, wie 
etwa Getreide; fo entlteht' di/durch leicht bey 
Mifsernten det fürchteHichße Mängel y da ift Töl- 
chem Falle Niemand mehr erzielen will, als ihm 



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Von der Staatseirniahme. ^6i 

die Reglertkng abnimmt, und Mi&ernten {ödann 
eine ftlrcfht^rliche Noth ii*ach fiöh tiehen. '' Was 
das Volk' daduteh yerliert» könnte das Eidk^mtnen, 
was der Staaft atiis dem Monopol zieht, leickt auf . 
"mehrere JüHre^erfetzen. 

* 2) 'Durch die' Vertheuertiiig der nothwfendig- 

fteü BedtnrfhifTe, welche eific! tmrermeldlicbe Folge 

des Monopols iftf werden gffeicbfalh' alle Gewerbe 

gelähmt und in ihrem Wacbsthonie gehindert. Ein 

Monopolpreis des Getreides ftMgert den Preis aller 

'Arbeitslöhne und aller inkndirfchcn Waaren fib# 

'baupt, erfchWert daher liothwendig aHe Gewerbe, 

•und gi'eihalleOlrföiheÄ derVermichrung des ReicB- 

'thu'mS in ihren erften Quellen an. Betriff! d^ 

Mobopol aber dt^<^h nur fölebö Attlkel, welche 2\ir 

Hülfe vieler Gew.erbe dienen, 2% d; Salz; fo er- 

fchwertxl'effeirTrheururig flid Hätftftiittel anderer 

'bewerbe: z.J3»die Theurung dj^s Salzes erfchwert 

dic^ Viehzucht, die ganze Landwirthfchaft Ober« 

haupt, und vcrtheuertviei^ Fabrikwaaren, wozu 

ein fölch^s Mäteri^ gebraucht wird. Es gehen 

'diaher auch dadtiirch forden Staat eine Menge Reich- 

ihümer verloi^n, oder es ^Vlrd deren Entftehung 

verhindert. 

" ' 3) "Trifft aber das Monopol auch nur entbehr» 
liehe Dinge, wie Branntwein, Tabak u. f. w.$ ' fo 
leidet doch- auch derfen Production, und legt dem 
ff eyeft Betriebe desT^ändbauesund der Anx^endung 
feiner'PrddÄcte/tlele Hinderniffe in den Weg, fo 



DigitiztedbydOOglC 



^ dafis ficb 'bey geoauer Befechoung in^mer da^ R#* 

foltBt ergiebtf ^in^freyes Gewecbe wArde^ yon die- 
Ifo Pfo^ucten, fo viel, iipebr hervorgebracfai btben» 
dafs es Dicht blofs an das Publicum in weit groCs^ 
' rer Menge za niedrigen Pfeifen Ob^rg^g^ngenwäreji 
londero ¥on dlefenv Pfeife audi noch jeine Abgabe« 
' hatte können entrichtet werden, die ^ben fq viel, 
ja nielir einbringen wArde, als die Abgfibe in mo* 
liopoliftifcher Form jn die Staatscaff^ ,^^gt« 

4) Unterwirft m^a Oberfloffige Dinge, LiuroK^ 
artikel dem.Moopppl} fo ift der Erfolg faft alle^i 
UiUm'drackung diefes .^weiges ^t' Idduflne ia. 
«fem Landen und der Debit, fo wie der Gewinnt 
glebt nur ein armfeliges Refultai. Daher man 
dann, um^dooh etwas ^iAzonehmen« den Debit 
Cf'zwingefi mafs» 
EjUuteruogUL JNr. 4. D«ii Scbiirpea- , EoAuletten- , 
f Or4«!nsze^chcti-, Ordentbandfabnken tf. f. ww kann auf 

letztere Weife ein Debit yerfcluifft werden. «^^ ' 

%. 448. 

Aus diefer allgemeinen Qetracbtting ergiebit 

' .f|ch deutlicfa, dafs atle Monopolgewerbe des Staats, 

die darauf angelegt find, fie zu einer Quelle di^ 

öffentlichen Einnahme zu machen, antinational* 

« ^koaomiftifcb find, w^i die Einnahme, die der 

.Staat daraus zieht, dem Volke ejn weit greiserer 

YerhifL entfteht, als der Staat dabej gewinnt, und 

weiU wenn jene Gewerbe frey blifbeo, dadurch 

ipriel ?om Volke gewonnen werden «¥Qrde„ dufs 



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Von det Staat^dinnahme. 363 

mmmmßmimmammmmm i . i i i i. . n n ii _ ■■ i, , ^ _ i 

es'vdn diefem GewJonft oft dem Staate dieAbgabe^ 
die ihm das Mosopo] bripgt, entriohteo; und doch 
noch e^jfas Qbrig bebalten w{lrde ; wo aber aueb 
das Meniopol den Preis {o erböbt hat» dafs der 
Artikel bey frisyer Concurrenz nicbt £0 ,yiel geben 
könnte^ .fo' worden doch, wenn das Monopol nicht 

' yrlre, '-aiKiere Quellen defto reiohlieher fliefoeo» 
odei; wenigft^iS) wenn andere Gegenftände» wel-^ 

'ehe eiBe Abgabe gnt yertragen können» mgCsjg 
befouertr und iiadnrch die Snmme erheben wücde» 
die das Monopol bringt; fo wflrden die Gewerbe^ 
welche der^leic^if Dinge verfertigen, nicht leiden, 
aber das durch Uas Monopol unterdrückte Gewerbe 
würde aufblohen, und das Volk alfo In jedem Falle 
durch Abfchaffong des Monopols gewinnen. '^ 

Aneib die Staatsmonopole diefer Aft find 
nicht nur der Nationalökonomie entgegen^ fie 
ftrejten auch mit dem Begriffe einer gerechten ond 
gleichen 'yertfaeiluHg der Staatslaften. Denn es 
ift darin dttcehans keine Aückficht darauf «^encto« 
snen, data jeder nach, dem Ma^fs^ feines Eipkom« 
meqs oder des durch fein Einkommen zu beftrei* 
tendeo Geonffes zum Sta^tsaufwantte beylragen 
folle» -fondern <las Monopol wird blpfs gev^blt: 
1) weil es unter einen Begciff (der Regalien) pafst, 
bey deffea Anwendung der Regent keine Schwie- 
rigkeiten oder Waderftand too Seiten der:Stiiule 



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^64 ' Erftes Buch. 

Ißrcktet; 2) weil der Oegenftand fo befehaffen ifi» 
i^ man ihn leicht moDopolifiren kann ; 3) weil 
mri ficb ein erkleckiftbes EiokommeD davon ver- 
i][>richt. Es herrfcht daher io dergleichen mono* 
pollftiCcben Auflagen durchaus kein ricbtigea £nan* 
«ielles l^rincip, fondern fie God durch die blofse 
WillkfihruB«! den Zufall oder durqh lauter Betrach- 
liingeii erwihlt, welche Nebenfaefaen betreffen» 
aber nicht durch Hechts * und Billiglceitsbegriffe 
oder durch Ticbtige Finanzprincipieu gerecbtfer* 
lügt werden. 

Erläuterung. Praktifclier Bewei« diefet Ralfonne- 
menü durch Zerf^liedenutg einiger fokther StaAUmouok« 
pole: Kaffee- und TabftluniOBopole }\ntet Friediicli 11«^ 
ii| Frankreich -^ Branntweinmonopol in Rufsland -— 
Of treidemonopol der pSpftlichen .Kammer n. f. w. 

f 45o. 

Ob. die Gegenftände, welche man bisher zum 
Staalsmonopöl erwählt hat, fGr eine Auflage paf* 
fend, und wie ftark diefelbe feyn könne, ift eine 
Unterfuchung, welche Jn das CapHel von den Auf- 
lagen gehört. Eben fo die Frage : ob es ^thunlich 
fey, dergleichen Auflage durch ein Monopol oder 
auf eitle andere Weife zu erheben ? Denn wir wol* 
len' hier keinesweges diefe Frage weder mit Ja 
noch mit Nein entfcheiden. Nur fo viel glauben 
wir erwiefen zu habeo^ dafs das Recht, eine fol- 
ehe Auflage nach Belleben zu ordnen, nicht jn 
befondem Kegalreofatto gefucht werden könne» 



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Von äßt Staatseintiahme. 565 

foDcIern dai$ ein folches Recht in dem allgemeuiea 
Rechte der oberften Gewalt, deo Staatsaufwand 
durch Auflagen zu decken , Oberhaupt gegründet 
fey; dafs al^r fodann auch die Principien, welAe 
bey den Auflagen Oberhaupt befolgt werden ifittf« 
fen, und ohne weiche keine Aufl^tge gut geheiCsen 
werden kann, dabey zu beobachten find. — • Wir 
kommen daher auf diefen Oegenftandin der nächft« 
folgenden Abtheilung. zurück. 



Dritte Abtheilung. 
^ Von dem Staatseinkommen aus Abgaben. 

ErlterAbfchnitt. 

Von dem Staatseinkommen auf Abgaben im Allgemeinen^ 
•1 

I. 
Von dem Rechte des Staatt , Abgaben tn f Odern. 

, ^ $• 45i. . . 

Wenn der Staat eine zuj: Erreichung der we- 
fentlichen Zwecke der Menfchen nothwendige An- 
ftait und folglich deffen Realifirung ifi; fo mufs es 
•auch Pflicht leyn, zu wollen > dafs der Staat fich 
in den Befitz aller derjenigen Mittel fetze, ohne 
welche er feine Zwecke nicht erfüllen kann. 

*. 452. . 
Nun mufs der Staat durchaus ein gewiffesEin* 
kommen haben » oder über ein befiimmtes Ver* 



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j 366 Erftes Buch* 

j . ^ — 

. mögen gebieten können, wenn ef die Pflichten, 
die ihm obliegen, erfoljen föU. Alfo muCs es auch 
ailgemeiner Wille der Staatsbehörden feyn, daCs 
ihm dieCes Vermögen oder ein fo grofses Einkorn* 
, ' . men , als zur Erfaliung feiner Pflichten nöthig ift» 
gefi6hert werde. 

$. 453. 
So wie daher eine Staatsmacht gefchaffen und 
in dfefer das Recht und die Pflicht gegi^ndet ift, 
die Staats^wecke zu realiGren j fo^ift auch in ihr 
das Recht und die Pfljcht begründet, Geh die mit- 
tel zu v^rfchaffen, welche zu diefer Realifirung 
nothwendig find. • 

§. 451 
Wenn nun 
l) idas Einkommen aus den ihm ge&cherten Do* 
* mainen oder CapitaUen, 
3) das Einkommen aus den Regalien 
entweder nicht mehr zureichend ift und auf keine 
gerechte Art erweitert werden kann, oder wenn 
es unzweckmäfsig befunden wird, und «die natio*» 
nalökonomiftifchen Principicn es fodern, dats man 
jene Mittel aufgebe oder das Einkommen daraus 
befchränke, weil auf folche Weife ein gröfse* 
ree Einkommen fOr die Nationalglieder erzeugt 
werden kann; fo Ififst fich keine gerechter^ und 
^wekmäfslgere Methode erfinnen, das Einkommen 
des Staats zu vergröfsern oder zu begründen , als 
das Nötbige durch angemefTene Bejtrige aus dem 



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Von der Staatseirmähme. • 367 

Vermögen' oder ^Eii^kommen derEinzelo.eq zu fam* 
mein, c(. i. das fehlende und nöthige Staatsein- 
kommen durch Abgaben vom Privatvermögen zu- 
fammen zu bringen. 

.$• 455- 

^taatsabgaben find alfo nichts anders, 
als Antheile des Privatvermögens, die der Staat 
zur AuSfQhrung feiner Zwecke yerhngt; und das 
Recht des Staats, dergleichen da zu fodern, wo es 
zur AnsfQhrung der StaatszWecke nöthig ift, folgt 
aus dem Wefen der Staatsmacht felt>ft. 
$. 456. 

Wie aber und durch wen in einzelnen^ Fällen 
das Urtheil : dafs 1 ) Abgaben aufzulegen nöthig, 
z) welche Arten von Auflagen, 3) in yrelcbem 
Maafse fie aufzulegen, und 4) wie fie von jedem 
EiniMilnen zu fodern fejen, entfchieden werden 
folle,v ift fre]fdich nicht unbedingt beftimmt. Denn 
obgleieh im Allgemeinen unbeftritten ift, dafs der 
So u verain das Recht habe, alles diefes zu t)iun ; 
So ift doch diefer Souverain nur ein Abfiractum» 
welches auf\ verfchiedene Weife in die Wirklich- 
keit Qbergebt« 

$. 457. 
Ift nSmlich. eine phyGfche oder moralifcfao 
Perfon mit der uneingefchränkten fouverai* 
nen Gewalt verfehen; fo wird auch diefe phyfifche 
cKler mqmU&he Perfon das alleinige Recht haben, 
feinen Willen Aber jene vier Puncte auszufprecben« 



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368 • Erlies JRnck. 



Wird aber der fouveraiae Wille erft durch Zuftim- 
iDttng der Stände, weriigfteas in diefem Puncte, zu 
Stande gebracht; fo wird deren Einwilligung zu 
jenen Beftimmungen erfodert werden u* L w« 

Dafs das ]et;ctere in vielen Staaten in Apfe- 
hung der Abgaben der Fall war, in Anfehung der 
Regalien aber den Regenten ein abfolutegr Wille 
zugeftanden zu werden fchien, war, wie «wir ge- 
zeigt haben (f. 34^09 die.Haüpturrachet weshalb 
die Regenten fo häufig, vermeiden, zu den Abgaben 
.zu fcbreiten, und lieber fich an die Regalien zu 
bolteii , felbft wenn letztere weniger zweckmälsig 
zu feyn fcheinen« •* 

$.459- 
Wa^ es aber auch fey, und welche Form auch 
erfodert werden möge, um es als Staat^wilie gOl« 
tig auszufprechen , dafs Abgaben entncfatel: wer* 
den /ollen; fo bleiben doch die Principien» nach 
welchen die Gerechtigkeit und ZWeckoiflfsigkeit 
der Abgaben beurtheilt werden mafs, einerley, 
und letztere können nur gebilligt werden > wenn 
und fofern fie denfelben gemafs find; fie mögen 
nun von einem tsnumfchränktea Herrn, oder von 
einem Willen, der zugleich durch Stände oder 
Repräfentanten befchränkt ift, angeordnet feyn, 
Diefe allgemeinen Grundfätze darzufteiten, l& das 
Gefcbäft der Finanzwiffenfchaft» 

IL 



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Von der Staatseinnahme. 369 
u. , 

Von den allgemeinften GrundXätzen £Qr die Anordnung 
der Abgaben.* 
\ 
§. 460. 

Die Gnindfätze fOr die Anordnung der Abga- 
ben wtrden theils durch die Gerechtigkeit» 
theils durch die Nationalökonomie, theils 
durch das Intereffe der Finanzwiffeafchaft 
unmittelbar, beftiramt. 

f 461. 
Die Gerechtigkeit verlangt : 

1) 'die Unentbehrliohkeit der Aufla- 
gen t oder dafs wirkliche reelle StaatsbedQrf« 
niffe ohne diefelben nicht befriedigt werden 
konntn; 

a) die Natzlichkeit derfelben für die» 
denen fie aulgelegt werdet» oder dafs Nieman- 
den eine Abgabe aufgelegt werden welche 
zur Realifirang eines Zwecks beftiinmt iftt 
wovon derfelbe w^der auf directe noch indi« 
recte Weife einen Nutzen haben kann ; 

5^ Gleichheit oder Ebenmaafs in derVer- 
theilung, oder jeder mufs möglichft nach dem 
Maafse mit Abgaben belegt werden, als er 
an dem Gemein woUe, das der Staat dadurch 
hervorbringt» Theil nimmt, d.i. nach dem 
Maafse feiner KrSfte und feiner Güter, wel^ 
che den Schutz und die wohltätigen Einrich* 
tungen des Suats geniefsen ; 
v^ Jakob StaatiJinunzwiJJ', A a 



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J70 Erlle» Buch* 



4) dafs Niemand durch Entrichtuog der Abgabe 
eia wichtigeres uad nothwendigeres Out ver* 
liert, ajs der Staaf ihm verroittelft derfelben 
gewähren will. 

f. 46?. 
Die Nationalökonomie verlangt: 
i) dafs weder die ganze Summe der zu fodern- 
den Abgaben das Stamm- oder werbende 
Vermögen der Nation, noch die jedem 
Einzelnen aufgelegte Abgabe deffen Stamm « 
und ' werbendes Vermöge« antafte, fondern 
dafs fie von dem reinen Einkommen 
befahlt werden können; 

2) dafs fie nicht die Urfaohen der Erzeugung 
und Vermehrung des Nationalreiohtbums in 
ihren Wirkungen hemmen, fchwäeben oder 
gar vernichten ; 

3) dafs fie dem Geber fo wenig als möglich 
mehr abnehmen , als fie der.StaatscafTe ein- 
bringen , dafs alfo die Erhebung leicht, wohl« 
feil und möglichll ohne Umweg gefchehe; 

4) daC^ die perfönliche Freyheit dabey fo wenig 
als möglich befchwert wdrde; 

5) dafs die zur Abgabe befiimmten Gelder nicht 
jLn fo groCsen Summen erhoben werden , dafs 
die Gebenden lange daran fammela mOffen, 
und die eiogezogemen Abgeben fo fchnell wie 
möglich wieder ihrer Be&immuDg zufliefseo» 



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Von äex Staatseianahme. 371. 

alfocpicht laoge weder in dpn Privat- noch 
StaatscafTen ruhep, zu keinen grofsfin Sum- 
** men daTelbft apfchwdllen, foadern fchnell in ' 
die^Circuiation zurOckkebrIm 

,' S. 463. 

Die Regeln, welche aus dem IntereiTe der 
Finanzwifrenrchaft unmittelbar hervorgehen, find: 

1) dafs folcbe Abgaben gewählt werden, deren 
Ertrag und Zelt des Einganges fich mit Be- 

' ftimmtbeit und Gewifsheit voraus berechnen 
läfst. Daher (i'nd ihr fotche Auflagen am an- 
genehmften, die a^gewifs und fowohl an 
Quantität als QualitSt- Tq beftimmt find, 
dak keine Zweydeutigkeit dabey Statt findet; 
b) die nicht leicht Refie lafren, keine häufi- 
gen Executionsmittel erfodern ; c) deren He- 
hungstermlne beftinjmt und zu folchen Zei* < 
ten angefetzt find, wo die Zahlung den Be- 
fteuerten leicht und bequem fällt; 

2) dafs weder Gelegenheit noch Reiz vorhanden 
fey, fich der Abgaben zu entziehen, oder 
Unterfchleif zu machen ; 

3) dafs die Erhebung mit den kleinfimdglichftea 
Koften und durch das kleinftmöglichfte Per« 
fonal gefchehe. 

Oie GrundfSize der Gereohtigkeitf cterNatio-' 
nalökonomie und der Finaiizwifl'eofchait($.56i — 

Aa 2 



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37X ^ Erfted Böch. */^ 



■ I - - 1 * 



463.) find in vollkommncr Harmonie, und unter- 
ftotzen und helfen einander* . 

in. 

Von den Quellen, aus welchen alle Abgaben ^tricbUl 
werden mülbn. 

$. 465. ^ 

Wir nennen den Inbegriff aller nützlicbea 
Dinge, welche ein Menfch eigenthOralich befitzt, 
fein Vermögen. Diefes befteht theils aus den 
geiftigen uod körperlich\sn Fähigkeiten,, Kräf- 
ten und Gefchickücbkeiten des Menfcben, und 
kann dann (Jas innere oder perfön liebe Ver- 
mögen heiben ; theils aus den nützlichen Sachen, 
die jemand eigentbUmliob befitzt, oder worflber 
er disponiren kann, und diefes ift fein äufseres 
^oder fachliches Vermögen. In der Finanz« 
wiffenfchaft ift hauptfachlich von dem letztem, 
und von dem erftern nnr in fo weit die Rede,, als 
es ein Mittel ift, zu Iet;sterm zu gelangen. 

$. 466. • 

Das Vermögen nennen wir Stammvermö* 
gen, wenn es zum Mittel beftimmt ift, anderes 
Vermögen zu erzeugen oder zu gewinnen; was 
aber durch das Stammvermögen erzeugt oder ge- 
wonnen wird, heifst £rtrag. 



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Von der 3taatseiiuialu|ie, 373 
§. 467. 

' Das aufstöre Stamre vermögen beftebt: i)aua 
dem tragbaren Grund und Boden oderlnsmobUien; 
di) aus den vorhandenen Vorräthen nützlicher be* 
weglicber Sachen» die zu Mitteln dienen foUen» 
aridere cOtzliebe Dinge erzeugeu zu helfen, d. L 
^us den Capitalen^ das innere Stammvermögen, 
' fo weit es in der Finanzwiffcnfcbaft in Betrachtutig 
kommt, ift der Arbeits- oder Oewerbfleifs, 
oder die Indnftrie. 

• ' i 468. 

Grund und Boden bringt feinen Ertrag ün* 
Inittelbar hervor, aber einen erweiterten und voll* 
kommnen Ertrag doch nicht anders, als dafs, ficb 
der Arbeitffleifs daran thfitig be weifet, und Capi* 
tale darauf verwandt werden« .Der Ertrag des 
Grundes und Bodens kann daher nur wachfen und 
üch\ vervolikommnen durch die Vereinigung aller 
Arten des Stammvermögeos. 

■ $. 469. 

Der Arbeitsfleifs oder die Jnduftrie' bringt 
ihren Ertrag 

1) unmittelbar hervor, indem fia a) den 
GruBdftilcken einen hohem Grad der Frucht-* 
barkeit verleihet und fie in den Stand fetzt, 
mehr und beffere Producte zu liefern ,, als fie 
.ohne Arbeit und Fleifs geben würden; b)den 



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)74 Erftes Buch. 



rohea Producteo allerley nOtzlicbe' Geftaltea 

nod Eigenfcbaften verleibet , ^ und c) die 

brauchbaren Dinge dahin fchafft , wo fie 

I nOtzlicb oder nötfaig, und fie da wegfflbrt» 

wo fie überflafßg find ; 
2} mittelbar» indem fie famatzIicheDienfte 
Ton Andern Vermögenstbeile eintaufcht« 

' f . 470. • 

Die Capital« bringen ihren Ertrag immer nur 
mittelbar hervor. Indem fie nämlich dazu ver- 
wandt werden, die Induftrie zu bezahlen, Mit- 
*^ fchlnen'und andere Mittel der Production herbey- 

' zufchaff^n und zu unterhalten , werden fie dasMH* 

tel einer vergröfserten Production. - 

$. 471- 
Die Erhaltung und Vermehrung des Capitals 
hSngt blofs vom Ertrage irgend einer Art des 
Stammvermögens ab. Denn die Beftandtlieile, 
woraus das Capitsrl befteht, wt|^n bald fchnelier,. 
bald langfamer verzehrt, und es wird daher nur 
dadurch erhalten, djfs diefelben aus dem Ertrage 
wieder erfetzt werden. Grund und Boden wird 
. ebenfalls nur vom Ertrage in feinem tragbaren Zu- 
fiande erhalten. Denn wenn auch Capitale dazu 
verwandt werden ; fo mfiffen diere doch wieder aus 
dem Ertrage erfetzt werden , wenn es fortdauernd 
geCcbeben foll. Diefes ift emilieb auch der Fall 



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Von der Staatseinnalime* 573 

in Anfehung des ErwerbAeÜses öd«r der Iiiduftrie. 
Denn die Fortfetzung delTelben ift nar möglich, 
wenn die Individuen , : welche arbeiten und Indü« 
firie beweifen follen^tortdauernd mit BedOrfnifs« 
mittein verfehen werden» Diefe aber mOfTea im« 
met entweder vom Ertrage unmittelbar, oder von^ 
Capital genommen j di^fes aber durch den Ertrag 
erfetzt werden« Alle Beftandtbeile des Stamm* 
Vermögens werden aUo nur durch den Ertrag in 
ihrem Zuftande erhalte« oder i^ervoUkommnet« 1 

5. 472. 

Umgekehrt aber hängt vnederum der Ertrag 
ifon dem Stamm vermögen ab»- Denn erfterer ift das 
Product d«s letztern, und )e mehr daher das 
Stamm vermögen in alle» feinen Befi^ndtheäen er- 
weitert, vervollkommnet und in das gehörige Vor- 
baltnifs gebracht wird, defto gröfser mufs der Et*- 
trag deffdben werden* ^ Das gehörige Verhältnifs 
der Stammvermögen aber befteht darin, daCs das 
Capital grofs genug ift, um alle Induftrjekrifte 
uocTMittel zu erhalten und herbeyzufchaffen, wel- 
che nöthig find, um eVaea Ertrag hervorzubrin« 
gen, welcher hinreicht, nicht nur das vorhan- 
dene Stamm vermögen zu erhalten und, wo e^ 
verfchwindet, zu erfetzen, fondern auch daffelbe 
in immer zunehmender Proportion möglicfaft zu 
Termehreo und zu vervollkommnen. 



r 



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376 Srlles Buch. , ^ 

§. 473. 
SoU ein Statnmvermögen fioh durch feine 
cägnen Wirkung^d erhalten: fo mufs deflen Ertrag 
fo gfofs feyo, dafs alle Koben davon beftritten 
werden kdooen, welche nöthig find, um daffelbe 
wieder in denjenigen Zuftand zu'verfetzen oder es 
darin zu erbalten, in welchem es im Stande ift> 
dlefelbe Wirkung wiederholt hervombrlirgen. 
Es mnCs daher za diefem Zwecke: 

1} der Ertrag des Grund und Bodens fo grob 
feyn, dals davoo alle Koften und Auslagen 
beftritten werden können, welche n6thig 
find, den Boden wieder in denfclben tragba* 
baren Zuftand zu verfetzen, in welchem er 
jenen Ertrag hervorzubringen fähig war, und 
alle Arbeiten und Auslagen x« be^üüen, wel- 
che nöthig find , um ihnen daffelbe Product 
wieder von neuem abzugewinnen« 
2) Der Ertrag des Gapitals mufs fo gtofs feyn, 
dafs das zur Productioa angewandte Capital 
Tollkommen wieder erfetzt werden kann. 
Z) Endlich mufs aus dem Ertrage der Indpftrie, 
der Induftriearbelter bey feinen Kräften und 
bey feiner Arbeitsluft erhalten werden kön- 
nen, wenn die Induftrie fortdauernd durch 
ihr Product beftehen folL 

$• 474* * I 

Der ganze Ertrag eines Stammtermögens ' 
heilst fein roher oder gemifchter Ertrag, 



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Von der Staaiteeiiinahme. 577 

-: 7 — ' ' — 

Zieht maa davon dasjenige ab, was zur Erhaltung^ 

diefes Stamm vei-mdgens Bdthig ift; £0 heifst das 

Ueberbleibeade fein reiner Ertrag. 

§. 475. . . 

Der reine Ertrag Iqinn i^ur angewandt 
werden: 

1) entweder^ das St^rnniTermdgen zu Termeh* 
ren und Zu veri:o)Ikoinninen» iDiefes ge* 
fchieht» wenn er angewandt wird, um die 
Coltur des Bodens zu verbefrern , die Capitale 
ZU vermehren » mehr Arbeiter herbeyzu- 
fobaffen oder die Indufiriekflnfte zu vervoll- 
kommnen; 
ü) die L'ebensgenaHe zn erweitern und zu ver- 
vollkommnen. 

$.476. 
Da Abgaben nichts anders als Vermögensan* 
thaile find , welche an den Staat abgeliefert wer« 
den mSlTen (§• 4^5.} 9 fo werden fie fSiprotlich 
Botbwendig entweder voni Stammvermögea 
oder vocn Ertrage bezahlt werden. Da 
abeir Abgaben ihrer Natur nach bewegliche Dinge 
find; fo können fie, wenn fie vom Stamm vermöp» 
gen bezahlt werden follen, nur von derjenigea 
Art deffelben , welche Capital heifst, bezahlt wer* 
den. Gefchiebt aber diefes , fo wird entweder die - 
Production i>der der Ertrag vermindert werden» 



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\ . 



378 Erftea Buch. 



oder ed muts der Tbeil, weicher vom Capital zur 
Abgabe verwaodt ift, von dem Ertrage erfetzt 
Mrerrlen, damit diefelbe Urfachie der Prociuctioa 
fortbeftebe. Hieraus fliefst airo» dafs alle Äbgabea 
zuletzt vom Ertrage bezahlt werden mQlTen, wenn 
die Urfachen des Ertrags nicht g^chw^icht werde« 
follen. Denn wenn aus dem Ertrage die vom Ca« 
pitale bezahlten Auflagen erfetzt werden, {b dafi^ 
das, was zum Erfatze dient,« wieder als Capital 
wirkt 9 fo ift die Abg|be zuletzt immer vom Er* 
trage bezahlt. 

$• 477* 
Werden die Abgaben vom Ertrage bezahlt, 

fo können fie entweder von demjenigen Theile des 
Ertrags genommen werden, welcher zum Brfatze 
der Capitale und zur Erhaltung des Stammvermö- 
gens in feinem producJrendefi Zuftande beftimmt 
ift, oder von demjenigen Theile, der zur Erwet» 
terung und Vervollkooimnung des GenufTes and 
zur Vermehrung des Stammvermög^ns beftimmt 
ift* Gefcbiebt erfteres, fo würde dadurch offen* 
Dar die Production vermindert, wenn das dadurch 
abgehende nicht durch die letztern Theile des Er* 
tirags erfetzt würde. Hieraas ift alfo klar, daCs 
das Nationalvermögen nur dann in feinem bisberi« 
genZuftande erbalten werden kann, wenn die Ab* 
gaben nicht von den zur Erhaltung des Sta^mver^ 
roögens nothwendigen, fondern vonxfen zu diefen& 
Zwecke nidit nöthigen Theiien des Ertrags, d. fa» 



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Von der Staatseiim^mne. 57$ 

TOD d«nn reinen Ertrage des Stamm vermö*> 
gtüs (J. 4740 » bezahlt werden. 

i 478. 
Aus dieren Betrachtungen e!thellet dentfieb, 
daf$ der Staat niv ficher feyn kann, fein )ShrIicbes 
Einkommen ) das er durch Abgaben liehen will, 
anf eine fortdauernde Weife zd erbalten, wenn er 
gewtfs if^ dafs daffelbe aus dem reinen Ertrage 
des Stammvermögens bezahlt wird« t>enn in die- ' 
fem Palle^weifs er, dafs das Stamm vermögen we- 
nigftens unverändert bleibt, und, da diefes die Ur- 
fache des Ertrags ift^ es in den folgenden ^ahrea 
einen ungefähr eben fo grofsen Reinertrag gebe» 
und er ron demfelben ungeffibr eine gleiche Ab« 
gafce werde erheben können , ohne der Production 
von einem gleichen Umfange Abbruch zu thun, 
und fo fflr alle folgende Zeiten, 

f 479* 
Betragen die Abgaben blofis' einen Theil des 
reinen Ertrags; fo haben :ie blofs die Wirkung, 
j) dafs' nicht fo viel auf entbehrliche Bedflrfniffei 
unid a) nicht fo viel zur Vermehrung und Vervoll- 
kommnung des Stammvermögens, davon angewandt 
W^denkann, als hätte gefchehen können, wenn 
gar keine Abgaben davon erhoben worden wären. 
Jedermann ii^ht aber auch ein, dafs, je gröfser 
der reine Ertrag des Nationalvermögens ift» und 



V* ' 



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380 Erlies Buclu 



Qiii je kleinerer A^itbei] diTon als Abgabe genom* 
men wird, defto m^r kann die Nation ^den ent- 
behrlichen GenOden widmen» uqd defto mehr 
kann fie alljährlich ihr Nationalftammvermögen 

1 ennebren und ver?^Ikommnen. 

/ 

$. 48o, ^ \ 

Eine Nation wflrde hdchft, unglAcklich feyn» 
wenn die Abgaben das Ganze oder doch den gröüs^ 
ten Theil ihres reinen Ertrags verCcblängen, 
Denn da bey jeder Nation c|ie Zengnngskraft auf 
' Vermehrung der Bevölkerung wirkt ; £b bi^darf 
auch jede Nation In jedem folgenden Jahre einen 
gröfsern £rtrag, als in dem vorhergehenden« 
Wflrde nun der Ertrag mit der wachi'enden Bevöl* 
kerung nicht vergröfsert; famofste dieMehrs^hl 
entweder umkommen oder auswandern t oder die , 
übrigen mafsten 6cb mit den hinzukommende^ 
neugebornen in die bisherige Quantitit des Ertrage 
theilen, und folglich' mit geringem Portionen vor«« 
lieb nehmen« In jedem diefer Fälle mOfste ein Theil 
der Nation in grofses Elend gerathen. •.— Eine Na* 
tion kann deshalb nur alsdann in feinem hisherigea 
Wohlftande bleiben, oder zu einem gröfsern gelan^ 
gen , wenn ihr jährlicher i^^iner Ertrag fo grofs ift^ 
da(s fie, nach Bezahlung der Abgaben davon, noch 
einen fo grofsen Theil zur Vermehrung des Stamm- 
vermögens anwenden kann , wodurch to viel neuer 
Ertrag gefcbaffen wird^ dafs die hinzukommende 



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Von det Staate^inliahine. 381* 

I ■ - ■ . " .1 _i_i _^ 

oder felbft nock eine gröbere Bevölkerung» wenige 
fiens ebea Sagat als die bisherige » beftehen kann« 

i. 481. 
Die eine Gattung des StanimverinögtiiSc 
näEolicb die Menfchen, bringt nun zwar die Zeu;- 
gung von felbft leicht henror. Allein deren £aö* 
fieaz, WoUftand und fchaffendf Kraft bangt ia 
^ bobem Grade von den beyden übrigen Cattungea 
des Stammvermögens ab. Denn zur Erhaltung 
und Entwrickking menicblicfaer JCrIfte» fo wie zur 
AnfohaffuDg der Oegenftfinde , woran fich Arbeits- 
kraft und'Induftr>e tbätig'beweifen können , ge- . 
hört am fo ^ebr fruchtbarer Boden uncl Capital» 
je mehr die Zahl der IVfenfcben zunimmt losbe^ 
foodere aber ift es die Vermehrung der Capitale» 
welche noth wendig «ift, um eine gröCsere Men* 
fchenroaffe zu ernihren. Denn wo fich die Capi« 
tale häufen und fonft kein Uindernifs vorhanden 
i^, da folgt auch die Erweiterung und Vervoll« 
kommnung des Anbaues der Erde und die Ver* 
mehrnng der Lebensmittel leicht nach, es fey, da& 
letztere im Lande felbft erbaut oder aus fremden 
Ländern herbeygelockt werden. 

$. 482. 
Das allgemeine Staats- und NatlonalinterefTe 
verlangt aUb,;dafs die Abgaben nur einen möglicbft 
geringen aliquoten Tbeil des reinen Ertrags des 



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3 gl ErAes Bück 



Stamm vercnögeos der Nation ausmachen, und dafs 
ein anderer TbeU jibrlich zur Vermehrung d«s Na« 
tionalreichthums 'Qbrig bleibe. Eben diefesIntereOe 
hat abefr auch die Finanzpolitik* Denn vermeh- 
ren fioh dieMenfchen im Staate alljährlich» und fin- 
det deren Induftrie in den Vermehrten Capitaleo 
Mittel neuer Befchd£t3gnng ; fa vkrird dadurch auch 
der reine Ertrag der Nation jihrlidb Termehrt» 
uhd es erweitern imd verftärken fich alfo auch die 
\ Qoellen mit jedem Jahre, am welchen der Staat 

mehr Abgaben ziehen kann, ohne der Naticfn da« 
durch wehe zu thua. 
« 

$. 483. 

•Wenn nun gleich hierdurch feftftehtj dafa 
eine Nation zu Grunde gehen maEste , 'wen» 
fie gezwungen würde, ihr Stamm vermögen, oder 
was zur Ergänzung und Erhaltung d^ffelben be- 
ftimmt ift, zu Bezahlung der Abgaben zu verwen- 
den; fo folgt doch tiicbt, dafs die TotalfummfT 
des Nationatftammvermögens vermindert werde» 
wenn einzelne di6 Abgaben aus ihrem Stammw^ 
mögen entrichten« Etenn wenn andere das ihrige 
um eben fo viel vermehren oder gar In ^noch grö.« 
fserer Proportion; fo bleibt die Totalfnmme des 
Stammvermögens diefelbe oder wächft'gar, wenn 
gleich das Stammvermögen einiger zu Grunde 
geht. 



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Von dcpr Staatseinnahme. 383 

f. 484 

Es würde jedoch einer weifen Finanzpolitik 
gänzlich entgegen feyn, wenn fie bey Auflegung 
ond Vertheiluflg der Abgaben fich -oioht darum he« 
kAmmern woJlte» ob die Verpflichteten fie am. 
dem j:einen Ertrage bezahlen könnten » oder ob «fie 
deshalb ihr Stammvermdgen angreifen mOfstenv 
in dem blinden Vertrauen» dafs das» wa» dabey 
einige an ihrem Stamm vermögen verlören^ andere 
fcbon wieder erfetzen wQrden. Eine folche Mjixi* 
'me würde j) aller Gerechtigl^eit zuwider feyn, 
weil dadurch die Gleichheit verletzt würde ($• 4^ 1 .)» 
und 2) den Grundfätzen d^r Nationalökonomie 
widerfprecben 9 weil ^e die producirenden Krtfte 
unberflckBchtigt läfst ($.4^2«}, und fich auf jet- 
was beruft» wovon., fie keine deurliche Kenntnifs 
haben kann i alfo bey der VertSieUung blind ver« 
fährt. I . 

i. 435. 

Es kann das Stamm vermögen des einen zUm Er^ 
Irag des Stamm Vermögens des andern werden» und 
timgekehrt» der Ertrag desStammvermögensdesei* 
"neß kann zum Stamn»vermögen des andern werden» 
Das erftere gefchiebt» wenn der eine fein Stamm ver* 
mögen für dieProducte des Grundes und Bodens für 
die Ver2infung desCapitalsdes andern, oder für die 
Dienfte, welche ihm dfiKea Gefehicklichkeit und 
Fleifs Jeiftet» hingiebt; d^s zweyte» wenn der» 
welcher von dem andern den Ertrag feines Stamm- 



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384 Erftes Buch, 



Termögens erhilt» dallelbe zu feinem Capitale 
(chlagt* 

S. 486.^ 
Iiulef(en kann Cob die Finanzwiffenfchaft um 
diefe weitem Ableitungen und xnancherley Ver- 
mifchuogen des Stammvermögens und des Ejrtrags 
nicht bekümmern, weil es unmögUcb ift> zu wif« 
feo > woraus ein Stammvermogen oder ein Ertrag 

^ zuletzt entfprungen. Sie gebietet bloCSf die Ab- 
gabjen von dem n£chften reinen Ertrage des Stamm- 
vermögens zu Riehen, unbekOHimert, woher daf* 
felbe feinem entferntem Urfprunge nach gefloffen 
£eya mag. Reiner Ertrag ift aber immer der, wel« 
eher Obrig bleibt» nMhdem die Erhaltung des 
StammTermögens, das ihn hervorbrachte, in Tei« 
nem bi^erigen Zoftande aus demfelben ficher ge- 
ftellt ift. So ift der reine Ertrag der Arbeit der- 
jenige, welcher flbrig bleibt, nachdem von dem 
Froducte oder' dem Verdienfte derfelben das abgezo- 
gen iftf was zur fortdaurenden Erhaltung der arbei- 

* teaden Kraft in demfelben Znftaode, in welchem £0 
bisher gewefen , nöthig befunden wird ; der reine 
Ertrag des Capitals das, was Qörig bleibt, nachdem: 
das, was vom Capital um derProduction willen ver«i 
zehrt ift, vom Producte des CapilaU erftattet ift; 
der reine Ertrag des Grundes und Bodens das, was 
übrig bleibt, nachdem d^fif was zur Erzeugung 
feiner Producte und aor Wiederherftellung. deffel- 
ben in den Zufiand, der zur Erzeugung derfelben 

Quan- 



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Van der Staatseinnahme. 3 g5 

Quamität Pröducte fähig ift^ ndthjg war» atilgezo* 
gen m>rden u. U vi:». •,- .i - 

;; - ■ -^ $.487.. •. , „>..! 

Mit dem B«(griff des Ertrags hangt cbc Be* 
-griff des Einkommens genau luramm^n,^und 
derfelbe rerclient ddher hier einer Erörterpqgt da 
das Einkommen gleichfalls theils als Quelle» 
theils als Maafsftab dei* Abgaben betrachtet 
wird*, ^^ ^.„ . - y 

, ^, Einl^Qmmen entfteht aämlipli» Wenn Sufsere 
nAtzliche Sachen i|i jemandem. Eigßntbum ol^ergf^ 
hw9 ^^d wBr)dergleici»eo «fgmtiMkiilich empfängt^ 
hateiin Einkommen» Wa^j'enmnii dasjabr 
Aber erbilt^ itiaebt fein jährlich ^e ÄiAkomr 
mV n. aus» i , > i 

- S. 480. / 

' Das Einkommen' kann beftefaen i) au^ dem 
Ertrage' feines ' Eigenen Stammrernhögens ; tz) aus 
dem Ertrage ÄSStammvermögens anderer ; 3) ätiis 
dem 'itifsern Stamnirermdgen anderer» ibre^ 
OrundROchen 'oder Capitalen.' 

Anm. 1. Wenn gleicli jemand fQr fein Capital oder für 
feine Induftrie aus dem Ertrage fremder Stammvermö- 
gen oder aus fremdem Stao^Termögeu felbft bexahlt 
wird ;, f o kann man, doch nicht lagen , dafs fein Ein- 
" kommen* aut firemdem VevmÖg^n bellfehey denn er 
. • ta«fp1|tl 4itfes teit feinen Fr^dvEcten ein, uq^ w«s er 
einnimmt , iH alfo als von ihm oder durch fein Giit her- 
vorgebracht anzufeh^ NiiJF Wäx' nichts iärgtttet, 
9. Jakob StaatsfiHanzwiff. Bb 



^- *'*w ^, 



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^%6 Ej'ftes Quck 



^ nicht« giebty und doch tob andem eippfüngt^ toh^ 
l^Iori'Ton fremdem Gut 
Anm. 8. Mein eignet Suunmvermt^lfi/h Mann niebt meiii 
Einkommen werden» Denn das befitteich fchon eifen- 
V, thümlioh und kann es alfo nicht erft empfangen, Welr 
"'tl fluirar fein StammTermögen wtrt^JMf It^t tou feinem 
t|^^^^ Cajpijtal und ni^lit von feinem £in^omn^ei|. ^ |>enn ui^ 
Aine GmndilOcke.iu Yersehreui muff er fia tnerft \a 
' Oapitale rar wandeln. ^ "** * 

. ' ' < I ,^ 

f 4go. > 

Das EinkoiDinen ift nur ficher und kanif cott*- 
tinuirlich wiederholt weMen, wenn es auf einem 
iicbiern und regelm&fsigen £rti^^ b^fübt, es fej 
des eignen oder eines fremden Stammrermögeot;» 
Auf eignem Stawi'miremidgtn berafat das Einkorn^ 
Inen, wenn «e auf dem Producte des eignA flei<- 
üies, eignen Oipitals o4er eigner O^uedftacke «ie^ 
ruht; auf fremdem, wenn das Eialeommea von 
• dem Ertrage fremden Stamitiverroögens ohne Aus- 
laufe^ eigner Goter oder Oienft;^ f ?»>gen , wird. 
Von der letztern ßefcbaffexihelt iftz, B. das £in«. 
kommen der Kinder,, welches fie-Ton Ihren Elteifa ' 
empfangen, dasElnkommen df^rPenGoonaire^der 
AlmofengenofTen , der Bettler » dejr Spieler » der 
Betrüger 9 Diebe u. f • v^* 

5- 49«- 
Man lieht hieraus , dafs der Begriff des Ein- 
kommens mit dem Begriffe des* Ertrags ia 
genauer Verbiofiiipg ficht, in manchen Fällen 



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Von Att Staätdöinnaiiitie« tM 

^' — ■'^ ' ■ . .. >^. ■ — .. ■ .^ — --. ■ ^. .... ^ ^-. ^■■.. ..^.^ -, 

tnit ihm fynonytn» aber io lüancben doch yof^ 
Ihm verfchifden Ift«, Das Eiokotnmen wird wi6 
der Ertrag In dat getnifcKte Qtid rein 6 
eingetheilt werden können* Gemifcht odet 
roh ift das Einkommen in fo ferq^ als Ihm noch 
Beftandtheile des Ertrags beygemifcht find» did 
fcur Erhaltung des Stammvermögens , welches dea 
Ertrag, der das Einkommen bildet, hervorgo* 
bracht bat, noth wendig find} r^in heiCst daf* 
felbe, wenn keine folche Beßandtheile in ihm ent* 
halten find* Das reine Einkommen ift fo wie dds 
gemifchte mit dem Begriffe des reinen odef 
gemifchten Ertrages gleichbedeutendi fo lang6 
es Product des Stamm rermögens ift. Sobald 
aber das Einkommen ans fremdem Eigenthume 
ohne Austatrfch gegen Producte des eignen Stamm« 
Vermögens fliefst: fo ift es nicht mehr Ertrag 

' des Stamm Vermögens des Empfängers ^ fondem 
die Wirkung des Ertrags eines fremden Stammver» 
mögens* In diefem Falle ift das Einkommen fflr 
den, welcher es empfängt i lauter reines Einkorn« 
men* Denn da ein folcher nicht das Produöt fei« 
nes Stammvermögens darin erhält; fo hat er auch 
nichts von diefem Einkommen abzugeben, um die** 
fes Stammverinögen tM erhalten^ fondern es ift 
die Sorge derer» welche ihm fein Einkommen ge« 
ben , die Quelle^ woraos fie die Gabe ziehen , im 
Stande zu erhalten. PenGonfiaire, Bettler, ht* 

' ' trdger U4 f* w« beziehen daher in dem, was fie er« 

Bb^ 



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3gß EriUs Bncii. 



baltep, ^iQ ganz reines .^inkommeo. Nicht einr 
inabl das 9. was voo folcb^ip Einkommen zur £rhal* 
iung ihres Lebens gehört, kann als /gemifcht aoge* 
fehe^n werden. Denn aHe diefe mögen leben oder 
pichty, daSf was ihr Einkommen bildet^ wird da* 
durch nicht vermindert, da ihre Perron gar nichts 
zur H^rvorbringung des Ertrags» der ihr Einkommen 
ausmacht, bey trSgt. . ».«-> Jeder Ertrag ift fOr den». 
welchem er gebührt, und der ihn empfängt, eia 
Einkommen, aber nicht jedes Einkommen ift ein 
Ertrag des Stammvermögens deffen, der es em« 
pfängt, ob es gleich immer entweder auS/dem Er- 
trage irgend eines Stammvermögens, oder aus dem 
Capital eines andern herrühren mufs* 

Da da$ reipe Einkommen derer, welche daf* 
{elbe von fremdem Vermögen zieheir» ohne dafür 
ein Aequiv^lent zu geben, picht ihrProduct ift; fo 
kann daffelbe bey Berechnung des Nationaleinkom* 
mens ganz aus cfer Rechnung bleiben. Denn es ift 
allemahl in dem Einkommen der übrigen enthalten ; 
und was jene empfangen y nLüfTen diefe oothwen* 
^ig verlieren. ~ Ob gber von einem folchen Ein- 
kommen Abgaben erhoben werden follen, wird 
blofs darauf ankommen : ob die Abgaben auf daf- 
felbe eine Urfache werden, dafs diejenigen, wel* 
che jenen Perfonen diefes Einkommen aus ihrem 
Vermögen gewähren , auch noch den Betrag der 
Abgabe zufchiefsen muffen oder nicht. Im arften 



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Vonder Staatteiimalune. f^gf 

Falle wOrde man nicht das Einkommen jener, fon«' 
dem das Einkommen dieMr Perronen bele^^en, im 
letaten Falle liegt id (^m Umftande, dub ft\s ihr 
Einkommen Ton fremdem Out empfan)|en , kein* 
binrtidrender Onuid» daffelbe zu Terfcbonen» 

Nichts lachtet aber ihehr hervor, aU dafs 
dasjenige reine Eiültommien, welches eine Wir- 
kung des StammrermAgens ill und aus reinem Er- 
trage beftebt^, ein^ Abgabe veftrsTgen könl^s und* 
dafs dief^ i^ine Emkommen ein zweckmäfstger 
Maafsftab der Abgaben hj. ' Dean da der reine 
Ertrag vorausfetzt , dafs fclfon alles in Ahzvrg ge- 
bracht ift» waS/Zur Erhaltung des Stammvermö- 
gens gehört; fo wird lietztefes fnie angegriffen» 
wenn die Abgabe blpfs ero Theil des reinen Er- 
trags und des daraus gebildeten reinen Einkom- 
mens ift* Da eis aber auch Beftimmuog des reinen 
' Ertrags ift, dafs aus delnfelben fowohl die Lebens- 
gen Affe erweitert 5 als das Stammvermögen ver- 
mehrt werden foU; fo folgt» dJfs die unverletz- 
lichen Orundmaximen einer jefden guten Finanz- 
Ordnung feyn monen: 

i) alle Abgaben fo anzulegen und zu Verthei- 
, len^ dafsr^fie ein jeder von feinem reinen Ein- 
kommen bezahlen könne; 
ü) dafs fie nur den roöglichft kleinften Theil' des 
reineA Einkommens eines jeden betragen. , ^ 



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390 Erftes Buch. 

§.494- 
i C^i^t Sip jeder fchafft durch feki Ejokonmeii wie« 

' der andern eia Eiakoaiinen» «ad des Bink^mmea* 
i^n einen luoo für dea aDdem bald reines t bald 
gemilchtes» und des reine Cinkommeoides einen 
bald gemifchtess bald wiederam retnes £in)unn* 
men flUr den andern werden« wie ficb ane. folgen-, 
der DefftcUmig ergiebt 

O Derjenige t w^her flin QnkomiBen aus 
iieiaem Boden zieht, kann dafblbe nnr dadurch 
bewirken, di|fs er Capitale qnd Indpftrie anwen« 
det, um dem Boden alljährlich die Prodncte, wel<» 
"^ che feinen Ertrag ausmechen • in gehöriger Menge 

abwgewinnen« Er mnfs daher denen t welche die 
Cfipitale dezu hergeben und Arbeit und Qewerb« 
f^foü darauf Ter wenden, um die Bodenproducte m 
lArdern, einen Tbeit Ton dem» was er ¥om»Bo* 
den einniinnit, abgeben, um fie zu beftimmenB 
ihr C^ipitali ihre Arbeit und ihren </ewerbfleifs 
vxt IQertroi^ringung feines Einkommens enzuwen* 
deut "^ Das Einkommisn, welches 6e. dadurch 
gewinnen, ift zw^rProduct eines fremden Stsnim** 
TfrmögeQS (des OrundftQckes eines andern}, aber 
ihr Stamm vermdgen (Capital, Arbeit und Gewerb« 
fleifs} war doch auch unentbehrlich «ir Henrpr* 
bringung ^tt Producta jenes. Dsher wird mit 
Recht das Einkommen , welches fie de^on ziehen, 
als dis (mittelbare) Product ihres eignen $tainnr- 
Ytfrmi^^M betrafibtet« Sit ziehen diis Einkorn« 



\* 



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Von der Staatsemnahnie. 391 

men ffir die DarMbung der Inftrumente der Pro* 
dilction^ uml' fedevi es daher mit Recht als das 
Werk ihres deammrentidgetis an* Der Orund« 
eigenthOmer fchafft alfp de« CapitalifteD , Arbei« 
tht und Unternehitier der Bewirthfchaftuog feines 
Bodens ein Einkommen gegen ein Einkommen» 
welchißs diefe ihm vertchafFen* Das gemifchte 
Einkommen des Gnindeigenthflmers'' wird zom 
Einkommen ifes Capitaliften , indem ein Theü da- 
von als Zinfen an ihn übergeht ; zum Einkommen 
des Arbeifers, indem ein Tbeil davon dem Arbei« 
ter als Lohn zufällt. 

2) Der EigenthOmer dest^apitals gewinnt da* 
darch fein EtnÜtommen, dafs er felt^ oder durch ' 
andere fein Capital dazu anwendet >^ dafs er dafür 
föfchen Qewl^rbSeifs iJtnd folche Arbelt bezahlt, 
welche Producte erzeugen, die das Einkommen 
def Oewerbfleifsigen und der Arbeiter bilden, wo» 
vbtt fie fowohl ficn felbft erhalten , als ihm ib viel 
davon abgeben, dafs a) fein Capital dadurch er- 
halten wiM, und b) er auch noch ein'demWerthe 
feines Capitals angenieffenes Einkommen dafbr 
zieht. , Der Capitalift bewirkt alfo durch fein 
Stamm vermdg%n (das Capital) andern ein Einkom- 
men, und bebfilt dafdr einen Theil von demjeni- 
gen Einkommen , das er andern durch fein Capi- 
tal erzeugen hflfk* Es fcbaffen fich alfo der Capi- 
laRft und die, welche es anwenden, gegenfeltig 
ihr Einkommen. Wird aber das Capital nicht zur 



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399- Erftes Bpdv. 



TTTT^ 



HecvorbringuDg eiaes Ertrags angewandt , fondern 
¥pn dem 9 der es borgt, verzehrt} fo mufs leUte« 
rer den Zins aus andern Quellen JEQr die Pienft« 
bezahlen , welche ihm das Capital leiftet« 

3^ Eben fo ift es mit der dritten Gattong des 
Stammyermögens^ nimlich der Induftrie. Ohne 
Unternehmungsklugheit und Arbeit ift d^ Grund«» 
hen;n feip GrundfiOck und dem C^pit/üiften fein 
Cjipital unfruchtbar, und ohne letztere l^yde.kana 
fich die Induftrie nicht iufsern« X)aher find aUe 
drey die gemeinfchaftliche Urfache des Einkorn* 
mens, welches aus der Vereinigung ihrer Kräfte 
entfpri^gt, und wer daher das Einkommen daraus 
einnimmt, mufs es unter die Perfonen^ welche ent* 
weder f^l.bft Urfache davon find oder fie dazu her- 
geben, yertheilen. So ift alfo ein jeder ala dieUr* 
fache und QueUe, feines Einkommens i^nzufehen« 

4) ^iob diejenigen, welche ihr Einkomqitn 
von andern ganz umfonft eij^altf n» fiQ4 nicht Ur* 
fache def£elben^ fond^ern leben blqfs auf and^r^r 
Koften, oder erhalten ihr Einkommen^ umfonft* 
von dem Einkoipmen oder • Capitate anderer. 
\y^enn jedoch gleich jemand unmitti^lbar kein 
n(lt3;lic^e^ Product hervorbringt, er .^hfilt aber^ 
SüT die iiQtzlichen Qienfte« welche ec and^n In- 
dividuen oder der GeCellfchi^ft l^if^et, von ihrem' 
Einkommen einep Theil ; fo mufß ei* als die Ur- 
fache feines Einkommens und dieses als die Wir- 
kung feines Verdienftes angefeh^ vfetdtvu Auch 



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^ Von der StaaUffgiyiaTime/ ^93 

\ii^e:fchaffeii durcb ihr Einfa^c^oui^en bäu^g aadera 
a[^l. ^lß}fomxI^n^ iodero fi^ribnen theüs Cfiter 
fifberp, ohne welche keipfrCapitde und keine 
Indvltjpe aufkommen und Obeaphaupt jke|n''Stfmm* 
itermögen feine« wirkende Kjraft geboftg entfalten 
ilfinnte« ' .,. . 

f 495. ; / 

So wie wir das Einkommen in f. 494« ^^* 
traohtet faabdn, erfclieint ek als gemifchtes Ein- 
kommen« Wollen wir uns den. 'Begriff von. dem 
reinen Einkommen ganz klar machen ; fo mflffen 
wir erwigen: 1) wie das reine Einkommen der 
ganzen Nation, und 2) wie das reine Einkommen 
jedes Einzelnefk entftefat« 

§. 496. 
Das jährliche reine Nationaleinkovbmen 
bleibt flbrig, wenn man von dem ^emifchten Ein* 
koijnmen der ganzen Nation abgez^en hat : 

3^ Alles, was zur Erhaltung des Grundes und^ 
- Bodens \n demjenigen Zuftande nöthig ift, in. 
welchem es fich im vorigen Jahre befand ; 
a) Alles, was nöthjg.ift*, um diefelbe Summe 
r. . dar Otif»*afi^ utecltr he?^tift|01eB oder m er- 
.. liaiten, welch« i«» Jßtigpß lalire vorhaAden. 
war; » 
3) Alles, was nök\^g ift, um jeden 3^ap4 nnd. 
jede Claffe der Einwohner, die der Gefeil-, 
fchaft nOtzt oder genützt lut^ eul fplclie, 



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$94 Softes Buch. 

Weife 2u uoterhalten , dafe die Fortdade^ 
diefer Cltffen iii gleicher Zahl dadorcfa gcP 
6cbeft ift. Wasiiifch Abzug alter diefer Attf^ 
gaben Ton den^ gemKchten Nationaleiakom^ 
Biea dAlg bleibt» tnacfat da» reioe'Natio* 
naleipkommen aus., Die Abgaben foHeti^ 
nur ein proportionirlicher Theil diefes reinen 
• EinkomoEiens feyn (j. 4930» u°^ ^^^ N** 
tion wird um (o ftSrker an BevAlkernng»^ 
Reiehthvm und Macht fortCcbreifen» je grö^ 
faer derjenige Theil des reinen Nationaiein«- 
kommena ift, den die Abgaben abrig la£Een« 

§• 497* 
Da alber die Abgaben nicht Tom Ganzen des 
reinen Natiopalernkoniniens gehoben werden kön* 
nen, fondern auf das reine Einkommen der Einzel* 
nen in gerechte^Proportlon vertheilt werden mOf« 
fen; foift vor allen Dingen zu wiffen nöthig, wie 
fich das reine Einkommen bey jedem Einzdnen 
bUdet 

f498- 
Daa reine Kinkommen des lUfterinett wird 
üimlieh erkannt, wenn man von feinem gemifch* 
ten abzieht : was zur Unterhaltung des Stammver« 
mögenSf welches die Urfache der Hervorbringung 
deffen ift, was das gemKchte Einkommen aus* 
macht » ftbtig bleibt. Es befteht alfo: 



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Von der Staatseiimabme. 395 

4 ' ^ ' ■■ ' ■■ ' : = — ' 

, 1) das reine Eiokommen aus dem Grimdeigeti« 
thume, in derienigen Samme, welche übrig 
bleibt, nachde^ Unterhaltuogs- und Wirth* 
fcbaf tskoften 9 die in dem ndthigeo Arbeits- 
löhne und GewiiHifte des zur Bewirthfcbaf* 
tung nötbigenCapitalsliegen^ abgezogen find ; 
a) das reine Eokommen der Capitale in dem* 
' jenigen Theile det durch das Capital borvbrr 
gebrachten gemiCohteoEankomn^ns, welchej^^ 
Obrig bleibt, naicbfleoi das Capital hergoftellt 
oder gefiebert ift, und ^lle ](often, vrelcb^ 
die Anwendnng daffelben zurHe^vorbringung. 
feines Products noth wendig machten, yergiu 
tet find; oder auch in dem,., was far.die li^n* 
ftigen Dienfte des Capitals gezahlt wird ^ 

3) das reine Einkommen der Indu^e in d^m. 
Theile dts Gewinnes oder in der Belohnung, 
welcher übrig bleibt, nachdem man das, was- 
zur Unterhaltung der Girttung von Induftrie^ 
oder Ain>eitskrif ten ndthwendjg erforderlich 
ift, von dem gemifchten Einkommeq dedEel-» 
ben abgezogen hat ; 

4) das reine Einkommen derer, welche weder 
etwas Notzhcbea htrvorbriiife/ift aooh fonft 
der Gefellfchaft Nutzen gewihcM» in daiDt 

' 'wus fie von andern erhalten, 
i- 4B9** 
Ans di^r fintwickeiung ift nna klar; dab 
dasi was d^m^Sioea gemifchtefi JÜpkommea i&p 



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/ 



39^^ Erftes Buch. 



far den Andern ein ' reines Einkommen werde« 
kann , nnd was für den Einen reines Einkommen 
ift» kann fttr den Anderni welefier es von Ihm em- 
pfingt, ein gemifebtes werden 9 woTon wiederum 
»nr ein Ü'beü fein reinea Einkommen auamaclit» 

§. 5oo. 

Mit dem Unterfcbiede des reinen nnd ^e* 
mifchten Einieommens darf nicht verweckfelt wer- 
den der Unterfchied des nrfprfkngliclien und 
abgeleiteten. UHprOngÜch beifst nimlich 
dasjenige Einkommen » welches der erfte Frodu* 
Cent der werthroUen Dinge » ans weichen daffetbe 
befteht, erhfilt; abgeleitet clasjenige,. welches 
jemand ron den erften Producenten erhilt. Auf 
diefe Weife ift klar: 

i) dafs derjenige 9 welcher das Einkommen 
ans dem Orund .und Boden zieht, ein «rfprirngli« 
ches Einkommen habe. Ift es der Grundherr, 
feibft, welcher das Gut bewlrtiifchaftet» (b nimmt 
diefer alle Producta feines Gutes ein und disiponirt 
darflber. Sodann zieht er ftdbft^dus urfprttngliche 
Einkommen, und das Einkommen, welches die* 
jenigen dadurch - erhaken-, dtrfs er fie mit feinen 
ISndlicben Prod^cten oder dereln Werthe benahlt, 
haben ffimmtlich ein von diefem m^fprOnglicbeci ab* 
geleitetes Einkommen. Ift es der Pachter, wel- 
cher das Gut bewirthfohaftet; (0 zieht diefer alles- 
usfprMgliche Einkommen det Gnts,, und wisis er 



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Von der Staatseiiinahme. ^97 

mmi^i^ H l I ■■■■■■ I ■■ \ I i Mn I I IM a 

4tm Qataherrn uod aUen übrigen davon bezahk, 
Jft VO0 dem feinigen abgeleitet ^ - weiin man nicbl» 
, Heber 4en Crividlieryn ajs d^jenigen betracbtexi 
iwill, dem ftets das urfprOngliche Einkominen, ge» 
l>übrt> und der nur den Pachter gegen einen be^ 
fiimmteb Tbeil davon berechtigt, daOelbe ftatt 
friner einzunehmen« •— Das* Einkommen alleiv 
welche voa dieCtm uHprflogUcbeii Einkommen ia^ 
,was «mpfangen 9 es «fey *ntm des Onmdberr« , dot 
Pachters oder der Qbrigen , die dsTmi etwas bezo» 
gen haben, ift dann abgeleitet in nichftem odir 
enifernterm Orade^ 

d) Das Einkoäinien des CapitaUlUn bleibt Ca 
lange nrfprOnglich, als das, was er tüv d^n Dienft 
feines Capitais erhält, ein Product o^flielben ift;- 
as'wird aber abgeleitet, wenn fein Capital vemiobf 
tat ift^ und das Einkommen, welches er fttr dai 
Ausleihen fiHaas Cupitala erhält, ans andern Qual« 
len bezalidte wenieti mufia. 

3} Das urfptöBgiiohe Einkdnunan der Manu* 
factoriftan und Haadwaaker befteht in dem Wertba 
deffen , was fie durch ihre Arbeit oder Kunft hin» 
rorgebmcbt haben* Da diefes ifdirt nicht darjge* 
ifellt werdan kann, fondarn immer an l^rdAonas 
h|iftet{ (b fteekt ia je^m BeAandthaiie der Ma»»t 
factur« und KnnAprodncte auch etwas, das mchä 
au ihrem rnfprOnghchen Einkommen gehört-^ und 
wann ts daher einen Baftaadtheil ihres Einkorn« 
mens bildet» fo*iß er ein Tbail dsa ahgeletiatjeQ» 



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99S Erftes Buch« 

dar aber fehr w6hl dtirch einen Tbeil ihres nr- 
fpangliehen Siakomin«ns eiagetaureht feyn kann« 

4) ^^^ urfprougllche Einkommen der Kanf* 
4eiite beftsbt in dem Werthe» dfen das EadFmanns*' 
«gefcbift den Dingen giebt^ weleke durch den Ifait* 
xlei gehen» Was diefe Dinge wegen der In ihnen 
«Dthftltenen rohen Stoffe ihkI gemeiner oder Kanft* 
«rlieit wertb find, gehört nicht tu dem urfpröng« 
liehen Einkommen der Kaufleute, fondem ift» 
wenn es eki Beftandtheil ihres Blnkomroens wird» 
abgeieitet. -j 

5} Das 'urfprüngliehe Einkommen all^rder^» 
welche andern oder der Oefellfehaft nützliche und- 
werthvoUe Dienfte liefern, befteht in dAn Wertb6 i 

diefer Dienfte. Da aber diefe nlehts körperliches 
find, und erft als Einkommen erfcheinen, w6nfi 
fie fttr materielle BedOrfnifemittel ausgetaufcht 
werden ; Cb erfebeint deren Einkommen ftmmtlich 
als abgeleitet, ift es aber im Oronde nidht, da die 
Dienfte, welche fie anflem für dergleichen Dinge 
geben , einen wirklichen reellen Werth f Or andefii 
€ider for die OefeUfchaf t haben. 

6) Ein blofs abgeleitetes Einkommen haben 
itor diejenigen in der Oefellfühaft, welche weder 
ein Eigenthnm befitzen, das nüttKche Producta 
hervorbringt, i|ooh Ibnft fOr dl« Gefellfehaft et«^ t 
was erfpriefslicbee thnn $ fondern ihr Einlcommen 
Iren andern erhalten, ohne etwas dafflr von ihren, 
firzeugciiflen xoraekculidFem« 



( 



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Von de): Staatddälnahme. 99p 

' -lu' fitSptüShghoheB fiiiücomsiea U«lbt aI£o: alle^ 
MAS aus dei^ eigneo Pr^ia:liio.^er Peidba odar /ter 
ßMbe» deffen beftebt^ der dM £iiikommea %\^^ 
ß,$ jrecBert UeCftidas Aiife}»i» d«8 usfprAofliobeit 
SiDi^otoiKi«ii9^1wttiin di^.'fradwte erft- ning^* 
|99(i^t.wf(rdlfif n^ffep» um JotSMbeii ,i^«rwaiHl«U 
uad fichtbar zu weMUd^ und wt%p«fie von foJUiti#r 
^If^h^fmk^ßH^ find»* da£sf fiiejiOKnUtdb^r djei ße» 
dOrfuiUe befriedigen», pbne in |tfip Uabfi^gange 
dazjoifils ana^rielle werfchvoUe öüter zu erfcbefi^o. 
Pepo in jei^eoi falle erfch^mtc^s wirkliebe Ein« 
}^pnimen aUea^it^^ abgeleitet» und w{u d^r an- 
dere dafär erhält, geht», phae ein betCon4ere9 ,Einr 
{(poimev zu bilden» unKtittel-b^r ind^iflea Qenafe 
ttber.-^; . k . • l 

4 • ,' ..;■..■ j. ^ 5obi*« . / * 

^ '. . Des pb^Qooratifch« Sjftem h^npteirtt ^^^9 
alle» Sinkoniatep iifind alier reelle.;Reicbtl|i^ zn« 
Ifitn gai(z alle^a^a«»^dem.j)cui|d uad Bodent ent- 
i(pc|Qgt» iittd-4*^*'<^ber dU^ ftt^rife^ J^nwvbner 
de« Staate ihr Einkmmnen esft von dm Eige^a» 
mesn dae BpdMa erhalten malTen* OjnmA und 
BodeD-llefertiaHsla ^'n urlprOogUchea E^i^M^inien 
oder einen Ertrag, alles andere \h abgelötet. Sie 
z|eb^,hl)^ratta die Folge» daf& a^iab alle AbgelMn 
Aur a^n von clieffm EinkommeD oder Ertragie ba* 
zaUt. werden können» upd d^fis aHb die Erdpro« 
ducte die, einzige Qhueile aller* jAyti^enX^yeB. 



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^ 5q2K 
Di#r€fi SjAeM mit üiMB OrftadM «ii4 Fol- 
gM Ift iB der.N#ti4MMkonoiiiiaf 419« aikl ^'ift 
«Mtorn St«ltott atii#fitaderge(«l2t dod beurtliBtlt 
Word«, iiittls aber ancbio der nsMa^rfflnfchaft, 
da eioe befoedere Tbeorie dar Ahgaban daraltf 
gebaoet IIb, ari^Ffibot werdea. fia bertibt daffalM 
auWotg aa de a Vamrasfetzuiigen: •• ' 1 ^ ' 

i) daCi nur die Erat ailritt et»e h er r orb r i o g^u dA 

Kraft habe; 

d) daCs nnr allein die A^rbeit» welche anf^Gc^ 

wiontiog der rahen Prodvcte Ter^vtaddtwiirdi 

-einen reinen Ertrag (j>rocfc«> ^ef ), d* hi 

einen UebeHchuCd Ober dlenHenrdk'bringtitigt^ 

* koften gebe, ndd d4s alle ftWige« AvbeiteOf 

die nicht auf Oewinnung der rohen P/hdoctd 

verwandt werden, den Werth di^es reinen 

firtrags nfe' ttbettt^t^a kdnllen ;' 4%Ü A(o die 

jifarifbhe lEInnlhine aller Glieder <ter OefelU 

lehaft nur dem ^rtbeüMr »rahen Pl>cidtfbto 

de'^ Jahres xiirammengenoiMito gleich ley^ 

und die Stitiime der ObnihAid alfef nieh)^ 

' ickerbaoendenGlaffen ili«grM»ei*feyKi k(kme^ 

' als die Sinnme des die Prbdttetieiisküfteft ■4t§ 

* "' Landbaties aberfehiefsenden Ertrags. '^ 

'9) Der'Antfaett; welchen jedet^haMti Ibll, wird 

hänptdeblich Ton ' dem OrtmdMgenthQmer 

nach den ITmftsbden beftimni^. ^ Dlefa Aber» 

laflTett von deor Frodncte ihres Boden« - 

a) dem 



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Von der Stbatseinnahme. , 401 

a) dem Pachter oder den Bearbeitern ihrer 
Qrundfiacke fo viel, als die IVIühQ, Sorgfalt 

' und Arbeit der Landbauarbeit werth ift; 

b) bezahlen davon die Manufactiir- und Hand« 
Werksarbeiten 9 welche fie nffthig haben oder 
begehren $ 

•) alleBedienftete im Staate ui^d den Staat felbft} 
d) /üle, dieihnan fonft angenehme oder nQtz* 
lichrDienfte leiften; 
• e) alle, die nichts haben und nichts thun» 

Die Orundbeßtzer verfchaffen alfo allen abrigen 
Staatsgliedern ihr Einkommen, und diefes ift ff mmt* 
lieh von dem Gewinn abgeleitet, wenn man diefem 
Sjftem glaubt» 

^0 $. 502^ 

Aus diefen Sätzen wird fodann gefolgert, dafs 
die hefte und Wohlfeilfte Art , die Abgaben aufzu* 
kgen und zu erheben, feyn^ werde, wenn fie der 
Staat ganz allein auf die £igenthamer des Grün« 
des und Bodens vertheilt. Denn wenn es wahr 
ift, dats aus dem rohen Einkommen diefer doch 
4a8 Einkommen aller übrigen Einwohner gebildet 
wird; fo ift es kUr, dafs ein jeder Andere, der 
dem Staate Abgaben bezahlt, erft das Einkommen 
dazo von den Girundbefitzern limpfangen mflffe* 
Nun macht es unftreitig mehr Mähe und Koften» 
wenn der Staat feine Abgaben ron einer grofsen 
Menge erheben mufs, als wenn er diefelbon von 
nf. Jak0h Stuatsfinantwijf* C a 



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/ 



40t Erftes Buch. , 

einigen wenigen eiozieheo] könnte* Und diefe 
Koften muffen doch zoleut die Qrundbefitzer von 
ihrem Einkommen, nach der Vorausfetznng der 
Pbyfiocraten, bezahlen. Es würde daher beiler 
fbwohl für die Grundbefitzer» als für den Staat 
und alle übrige Claff^n der Einwohner feyn» wenn 
der Staat nur in einer einzigen Abgabe, nämlich 
Ton den Land- und Erdproducttn, feine nöthi^en 
Bedflrfniffe zöge. Denn in diefem Falle würden 
l^ die Grundherren allen denen , welche für fie 
arbeiten und welchen fie dafür ein Einkom- 
men geben , um fo viel weniger zu bezahlen 
brauchen^ als das beträgt, was fie jetzt als 
Abgabe bezahlen muffen. Denn fie mülTea 
ihnen fo viel geben , dafs fie mit ihren Fami- 
lien leben und ihren Stand erbaltefi Hönnen, 
uo^ dafür finden fie immer Perfonen, welche 
ihnen die erfoderlichen Dienfte leiden. Fiele 
nun die Ausgabe der Abgabe bey denfelben 
weg, und entrichtete der Grundherr diefißlbe 
allein; fo würden jene Dienftieute fich nicht 
fchlechter befinden, wenn fie um fo viel we^ 
niger erhielten, als^ihre jetzige Abgabe be* 
trägt. Der Grundherr aber würde dabey 
profitiren, weil er nur das als Abgabe zu 
bezahlen brauchte, was davon wirklich in die 
Staatscaffe eingeht; die vielen Erhebungs- 
koften aber, die jetzt durch die Weitläufig- 
keit des Abgabewefens und die Umwege ver-. 



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Von der Staatseinnahme. ' 403 



urfacht werden, worden ihm zuGutekom-^ 
men. Hierdurch wQrden nun 
2) auch Alle gewinnen, die keine Gründherren 
find. Denn a) gewönne der Grundlierr da-^ 
dörob eiQ gröfteres reiiles Einkommen, könnte 
äVo mehr andere nOtzliche Arbeiter befchäf- 
tigen nnd ihnen Nahrung und Unterhalt geben ; 
b) wflrde'das Volk alle mit dem jetzigen Sy- 
ftdm der Abgaben verbundene Beläftigungen 
los — die Gewerbe und der Handel wQrden 
ganz'frey, und es kehrten c) eine Menga 
Perfonen, die jetzt mit dem Abgabenwerea 
befchSftigt find, zu der Claffe der producti- 
ven Arbeiter zurück, und hülfen die Maffe 
dei^Producte vermehren, welche dazu dienen, 
raenfcfaen zu unterhalten. 

4 §. 5o3. 

Diefes Finanzfyftem hat viele glänzende und 
fchöne Seiten ; aber es ift nur zu bedauern , dafs 
«s auf falfchen Vorausfetzungen beruhet, pnd des* 
halb nicht wahr ift. £s ift nämlich 

l) eine falfche Vorausfetzung, dafs die Erde 
eine hervorbringende oder fchaffende Kraft 
habe, die dem Wefen nach von der hervor- 
bringenden Kraft der Menfchen verfchiedto 
wäre. Die Erde hat nämlich fo wenig als 
die Menfchen eine Kraft , Subftanzen 
oder Materie zu fc^iiffem Heifst es aber 

Cc 2 



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I 

404 Erftes Buch. 



fo viel, als: die Erde bat ^ioe Kraft, dia 
vorhandenen materieUeo Stoffe fo zu vermi* 
fchenj zu verändern uhd zu formen, dafs fia 
dadurch zur Befriedigung der meofchlichen 
BedOrfniffe gefchickt werden; fo bat der 
Menfch fo gut eine folcha benrorbringeada 
Kraft, als die Erde» Denn^^Ue Kunftarbeiter 
find befohäftigt, die Naturprodiicte fo zu mi« 
fchen und zu formen , ilafs fie dadurch ga« 
fchickt werden, die menfchlicben BadürhiUIa 
zu befriedigen; und dahar ift alle menfcfa« 
liehe Arbeit an den Natnrprodiacteo nur ala 
eine Fortf^tznng der Arbeit der Ni^or anzu* 
feben« 
2) Es ift falfch, dafe nur die auf 06\7lnnuBgr 
roher Producte verwandte Arbeit einen IJebar* 
fchufs Ober deren noth wendige OeVrinnungs« 
koften, d. !• einen reinen Ertrag oder ein 
reines Einkommen gebe. — - Es gfebt viel- 
mehr jede Art' von nützlicher Arbeit ein fol*- 
ches , und ihr Prodnct Obertrifit dan Werth 
der nothwendigen Koften deffelban bald mehr 
bald wenigen 

$. 5a4 
Die Wahrheit diefer letzten Behauptung wird 
durch folgende Betrachtungen evident werden: 

1) Selbft der Lohn des gemeinften Land- 
arbeiters ift gröber, als die Quantität der rohen 
Producte, welche er zu Befriedigung feiner noth- 



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Von der Staatseinnahme. ' 40 f 

wendigen Bedaifnifle gebraucht. Er b^hfiit von 
dem 'Antheile der Landprodticte» welche er fttr 
feine Arbeit erbat, noch fo viel übrig, dafs er 
damit mehrere Knnftarbeiten und Dlenfte bezahlen 
inid fich togtit ein kleine^ Capital fammeln kann^ 
Seine AH»eit, welche zU deti -gemeinften gerecht 
aet wird » ift alfo mehr werth , als was er zu fei- 
nem und feiner Familie allernothwendigften Un^ 
f erbalt bedarf« Mit einem T h e i 1 e feiner Arbeits- 
zeit verdient er fcbon feine nothdQrf tiglsn INahrungs* 
Aiittel» den abrigen Theil yerweindet er zur Be« 
Inedigung von BedOrfniffen der Beqoemliohkett 
und'dee Luxus. Nun aber wird die Arbeit der 
ftädtifchen Arbeiter, und insbefondere der H^d^* 
werker,r Mannfacturiftea und vollkbmmAeirn Koaft« 
1er, triel höher gefchStzt, ais die der. gemeinen* 
Landarbeiter« Dtefe taufohen daher mit einenr 
baki gra&ern, bald kleinern T heile ihrer kOüft^ 
liehen Producte die ganze Quantität der. ihnea. 
BMhigen rohen Predutte ein; diejenigen Waaren« « 
wetohe fie in der Übrigen Arbeitszeit Ober deiv 
Werth der ihnen ndthigen Lebensmittel und roheqT 
Materie verfertigen, bleiben ihnen födanni fibrig»' 
um von ihren Oewerbsgenoffen/diceben fo wie fi# 
einen Theil ihrer Zeit auf Verfertigung folcber Waa-> 
reu verwenden, welche^iie nicht zum fiintaufch der 
ihnen nöthigca.Lebtnsmittel und rohen Producta* 
bedOrfen, dergleichen. Prodocte. einzuUufchen» 
oder davon .eine^ Vorrath fbr andere Zwecke zu 



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4o6 ErJdes Buch« 



faimnelii« Hier zeigt lieh alfo gaaz deutlich, wie 
neben demtn Producteo , welcb.e der Boden liefert^ 
noch Beftaodtheile des Reichthoms (BedQrfinifs^ 
uiittel) entftehen, welche von jenen ganz nnab^ 
bingig find, und welqbe zn bezahlen die Producta 
dM Bodens nimmermehr zureichen würden» Der 
ganze Ueberfohiifs der Bodenproducte ül^et da% 
was die Landleute felbft davon verbraucheo, wird 
allerdings von den übrigen Claiflen des Volks theita 
ab verdient» theils fonft belogen, und die LeiuU 
leqte erhalten daffirManufacturwaaren oodDieaft» 
verfchiedener Art zucOck. Allein die ProdwtM^ 
welche jene Ciaffen dafar liefern , . bringen fie ior 
einem Th eile, ihrer ArbeitsMit hervor* Ei« 
anjdierer Theil der Arb«it9ZMt bleibt ihnen» nach«r 
dem fie alle f xodlict^ fchon damit befahlt haben» 
jsoch fibrig. Pie Waaren», welche £e jndfefeir 
Zeit verfertigen, kann kein firdproduct meh« 
]ura£en, diefe find fehon fiimmtlich ausgegeben»; 
' Nur dadurch erhält das in foloher^flbrigen Zeit her«^ 
vorgebrachte üjuiit» und Manufacturprodnct eiili^n 
Werth, dab andere Manufasetunften , Handwecw 
kfr u« i wMn derjenigen Arbeitszeit, die ihnen» 
nach Bezahlung* der ihnen ndtliigen LebensmitteL 
und rohen Materien übrig bHeb^ ebenfalls werth^ 
volle Producte verfertigen,'.. die fie gegen }ene& 
anistaufchen und fich . dadurch . den Werdi ihrer 
gegenCeitigen Arbeit vergOtea kSnoep» 



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Von der Staalseinnahine. 407 



3) Mao ikaon den Satz, dafs die Producte der 
Maoufacturiften einen Beft^ndtheil de^Reicbthumß 
ausmachen ^ der von. den robeo Producten ganz 
.una|>M!Qgig ift, auqhauf folgende .Weife deutUcIi 
jBachea: .Man fetze, es w^rde.eia fleifsigos Volk 
auf; jene.glilcklicben Ii\feln verfetzt» wo ein Brot« 
bäum eiqe g^nze , Familie ernährt,, und wo die 
Arbeit von ^s ^^^ Tages hipreicht» um alle ^(a* 
ftejriaUen zu gewinqeo, die eine Familie gehraucbU 
Nun fetze man, die eine diefer Familien nmcht ia 
ibrer mA&igen Zeit eine Art von GerKthüpbaftem 
welche zur Bequemlichkeit 4es Lebens dienen» als 
^ etwa Matratzen oder Decken, die^gf^n. die S(i^ 
che der Infecten fchützen ü. L w. — da , nach 
unferer Vorausfetzung, dort felbft jeder genug Le* 
ben^nrittel und Li^nclesproducte kßf,;. fo wird Nie* 
«land feine in mOfsigen Stunden .verfertigten, Di ngd 
{ar.LebßnsmIftJe} oder rqhe Producte» dergl^chea 
er Xelbft. voUauf befitzt ,(. ablasen wollv.. Aber 
man fetze«, der Eine legt ficfa darauf, in feinen 
iqf^igea Stunden Kleiduogsftacke, der Andere 
Hausgeräthe , der Dritte andere Mittel des befue» 
men oder anaenebmen Lebeos zu verfertigen, uni 
M{ wii;4 fogleioh eia Taufch ihrer mannicbfaltigeA 
JiVM^n unter einander entfteben. Ja diefe wec^ 
^4ei^ ^:^<>gfr allein feyn, welche auf diefer Infei^ 
^npD Taufch wertb erhalten und den Reichtbi^n 
^iACS folcben Volks ausmachen, indem für Lebens- 
[xqit^l .UAfl rohe Ftoducte , da fie jedem in Menge» 



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4o8 Erftes Bndi. 



wie wir aogeBotDmeii haben » amfooft zowacfafeo» 
gar nicht m den Beftandtbeilea des Retchthums 
gerechnet werden, weil Nienand dalbr etwa« 
geben mag« In diereni Bejfpiele zeigt ficfa noch 
deatlicher, wie wertbtoUe Gftter ganz unabhängig 
Ton dem Werthe der Lebensmittel und rohen Pro» 
docte entfteheo können, und dadurch wird dio 
FaKcbheit der Behanptting, als ob alle Manitfaetois- 
waaren nur einen -fo grofeen Werth. bitten, alsdio 
Lebensmittel und 'die rohen Prodocte, w^he 
wibrend ihrer Prodnction tob ihrte Vetffertigem 
Terzehrt wenden, oder die zo ihrer Verzeimng 
btftimmt waren, ToUkommen klar. ^ 

j. 5o5* 

Eben fo dentlich Iflfst floh anch die Fktfeh» 
beit des phySocratifchen Satzes darthun, dafs 
nur allein die Landarbeit eined UeberfcfanCs Ober 
cfie Productionskoften , d. h. iinen' reinen Ertrag 
gebe«, Was die Pbyfiocraten zur Unt^rftOttung 
diefes Satzes fagen , beHiht auf lauter IrrthOmeht 
und £alfchen Voransfetzungen. Sie wollen nSm* 
lieh diefes daraus beweifen, dafs bey den Manu«» 
factur* und Kuuftprodacten lauter Menfcbenkrirfth 
thitig wären, die bezahlt werden mOfsten. Daher 
Tertheile Cch der ganze Werth des Manufaeinr* 
producta unter^die Producenten deflelben als ffanen 
gebflhrender Lohti« Bey den Erdproducten aber 
wirke die Natur mitt luid erzeuge etneii Theii 



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Von der Stattoeinnahme. 409 

*^— — ^>iM— ü^^^b^ III ■■IIB aHlll.ll llll^^— fcart— — ■!■ ■!■ lllihMMMiMfc» IUI 

davon ganz allein» Auf diefon könne daher keitt 
Arbeiter Anfpruck' machen» fondem er gebfihre 
dem, welchem die Natur angehöre, und diefea 
siehe er ohne alle Arbeit, alfo ganz umfenft. Ein6 
geringe Aufn^rkfamkeit wird zeigen, dafe derfelbi 
F»U bey den Manufacturproducten Statt findet« 

Das Waffer, der Wind, die Dlrop^e, welehd 
die Mafdhinen in Bewegung fetzen, wodurch Ma* 
nüfacttir^aaren gemacht werden > gehören eben 
Towohl z\ir Natur, ale der Erdboden« Wer fick 
^itfer^tftjirkräfle bemeiftert und fie liionopoliftifek 
zu handhaben verfteht, ift Herr und Eigentblimer 
^iefer.sfltürlicheB Krifte, oed wird ftck deaXbril, 
deh fie h^Hrorbringen , eben fo gut zueigneti, als 
ider Herr eines Grundftcick$ da$» was die. natflr- 
Üohe Frochtbarkeit.ifeines Bedens allein, heivor- 
bringt. Dort eötfpringt alfo gerade auf diefell^e 
Weife ein. reiner Ertrag, als tner; ja gewöhalich 
Ift der Ertrag, den 6ch der Erfinder einer Mafchiner 
far den künftlichen Gebrauch der Naturkr^e» 
für fein, eignes Genie, iaine Erfindungricraft (lan* 
ter Natur) zuzueignen weifs, noch viel gröCser, 
als was der blofse Bodien feinem Eigenthflmer 
värlohafft. 

Vyias.der Handwerker fflr feine befondere Oe» 
lehickliafakeit, derUnnrnebaaer für die kOaftlicha 
Directfpü und Leitung der Arbeiter» fftr feine 
finnreicfaen Abkürzungen und VertheilMngen in 
der Arbeit zieht» das ift eben h gut* reiner frtrag 



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410 



Elftes Badu 



feines Geni#*5» feines bfindangsgeifies, foufit 
siatorücbeo Qod kOnftUch erworbeoen Kräfte inid 
Talente, ab die Rente des Bodens ein mnec Eir 
4rag fOr den Grundherrn ift« So wie jener zur 
Vermehrung feines reinen Einkommens erft 4jJlt 
Caj^Ule auf die Aushiidnng feines natOrllchen 
Ctoies reffenden mufs; fo mufs der Grundherr 
«leh wft Capital^ an fein GrundEOck wende«, noi 
4ie natflriiche Fruchtbarkeit deffelben zp verheb 
lern* Pie &h4hung des reinen Ertoigs .wif d hii^ 
fe, wie dort, eift durch Anf^nuid und Koftea 
•bewirkt.. ^ 

Amow X>MGi«nd*, mit wOekm lam- du pk3««et«ti> 
XcIm Syftem wid«rl«gt ift, fiad ron mir felMtf 4a mei- 
net Nationalökonoipie angedeutet, nndia'dea Zutitxvt. 
«a mefaer ttebterTeiitog von Säj- .wgefelirt.' Al«r 
fc fchei-e. towoM dÄ. A.M,^,„4irt;„g,<^^ ly^^ 
•1» den ubngen Beurtheilem defletten gSiuMch entga«. 

TL «'ST' ^'**"' ^' ^ '*'"' »•"«™ Scltrift«. „ickt 

berftekfi«&tigt Emi. Oh diafe OrtW. 4I...Fri«cip 

d* FfcjGooratüaiii« gwad^u «agreifffa oad duGegw. 

theil deffelben factifch darthunj fo wird die Uoft« 

Wiederholung ihrer Satze nicht« helfen, wean fie 

sieht tti«Ieieli:<die Nkhttgkeit derliür «atwidwte« 

Principien dartlq», i|i,d iph,wqnfche daher, dal« «eja* 

erfinde von Denierii geprüft und gewürdigt werden- ' 

Eine ander« Widerle^ng de« phyfiocratiiMwfa 8^ 

ftanu hat der Major Torrnu »erfncht. Sie ^-'^■U t 

.fich in reinem Effay on the Inilaence olThe 

• xteraar Corn-Trade. ate Auflage. S.»Si>n f w 

lud in der Da»fe«ltoig rfeUan^t« dieloc UTerk^in W 

Jooiaal Harm«?«. St. IV. igao. Seta Arjumei^'l». 

Aeht darin, daf«, wenn der Sali der Phyfiocrate« 

richtig wäre, ein gleiche. Cipital auf den Landbaa 

Ufewaadt, einen g^üttwu Oewia^Ari^g^» oliUt«, mU 



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Von der StaateMnUfidime. 411 



auf Mauufacturea , da bey erfterm die Natur das JPrp? 
duct ?ermehra, bey letzterm nicht. JDiefcs körnig 
aber nicht der Fall feyn , weil die Capitale fonß die 

^ Mani^oturen Terlalfen i^id da» Landban «i^römtn 
würden. Allein Torrens irtt fich. Denn man erhält 
den Boden (die Natur) nicht umfonft, Xondern er muft. 
aucb nut ejuem <)apital beiabll werden. Es wird da<^ 

. ^ heüc^ lim dan Ertrag von looq Rthl. einem Landgujt* 
abzugewinnen, ein eben fo grofse« Capital erfoderi, 
als d^nfelben Ertrag durch eine Manufactur bervorzu- 
bxingaa. Dann der, welcbar die Natur (das Landgnty 
^ . ^ ,eigaathün|lich befitzt , läfst iiob ihr ii^ey williges Pro- 
duct bezahlen, £o wie der, welcher eine WalTermülila 

•«* beCtit, de« Beyftandy welchen ihm di^fe xn-feliiem 
.Va^xi^t leiftet» yerlangt» dl^t derfiA)»« ihm dttüoii 
eine Heute ?ergütet werde, und blofs um diefer Renta 
willen bat feiiie MOhlJ eine^ Wertli. "'Gerade To er- 

. * lattgt aber aneb der eigaatbfittlioba Boden fekiaii 
W^rtk'imd i^ina^ante, und )Yßx da&Feld benutzen will^ 
moTs diefe bezahlen. Rechnet man das Capital , wcl- 

* ' * cbes im Boden ftedtt , binzn ; fo ' ift' tfas Capital , ' Wej^ 

cbes %\um Landbau erlodert wird« ebai| Tf ifr^Ta^ <|M 

dasjenige, welches zu ei;ier Mfinufactur nöthig ii^ dia 

ungefähr gleichen Ertrag liefert, ' , * 

.. . ,. . •' i ' 1 

\ 

Wenn alfo die Mamtfactariften, ' Hattd^v^ricisQ .. 
Bmtfltute o. f. w. iben fo got einsn reinen Ertrag 
dbtch ibte6i9#crfae benrorbringen,^ als dieErbauev 
der Lebensmittel uäd Producenten; fo würdet. ef 
eHfeufcar die grd&te Ungerechtigkeit * Ceyn ^ ite&n 
die Abgaben allei» auf zulegen* ' : /. . : - . u 

■•» ' " ' ' .'■ * ;i •' [" '.'^ y' .; 

§. 507. 

Aber es ift enc|lich. auch ein faifcher SatZp 
yrenn die Fbyfipcraten beh^^pteni dffs» wenij 



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4i* Erfte» Buch. 



dlejeaigen, welche andern ihrl^nkommen ans dem 
ihrigen bezahlen, jenen um fo weniger zu geben 
ndthig haben wQrden , als die Abgaben betragen» 
die man denfelben auflegt, wenn fie deren Aaf-> 
lagen ftatt ihrer bezahlten« Es wfrde diefea aar 
iil einigen Fällen $tatt finden, in vielen aber wlir^ 
de ihnen dieles durchaus nicht za Oute kommen» 
Denni 

i) find niehl alle, die von ibnlsn^ihr Einkom* 
man, ganz oder zum Theil erhalten» ihre Lohtt- 
leute, welchen fie die Bedingungen machen kön- 
nen , wie ifiäl fie ihnen zahlen wollen, oder nicht» 
Pia ganze Cla((e der Staatsdieoec. und des MUitaire 
bezieht feine Befoldnng vom Staate; * Nun^ wird 
pwar di^fe nech den Bedarf niffen dief^ Stände 
bereebnetv und man könnte alfo glauben, daCa 
die fieibrdungen um fo viei kleiner ausfallen kdnii* 
ten, wenn die von ihnen zu bezahlenden Auf* 
la|;en nicht mit in ^ den Ueberfchlag ihrer Aus« 
.gaben gebracht zu werden brauchen. AIt#in es 
wQtfde dteCas dosh nicht dilrobgi^gig der Fall fiej^ 
de a) wenn die Au£Iiq;e nur einen kleinen Theil 
ihres Lohnes auamaoht, und oft in kleinen Theilea« 
monatlich oder wöchentlich t>ezahit wird^ kleine ^ 
Brflche in Abzug kommen mOfsten, welche^ doch 
nicht gefohehee warde. b) Weil das reine £in* 
kommen der Perfonen, die einerley Lohn empfan- 
gen, doch fahr verfchieden Ift^ da fie verfchiedene 
nothwtodig^ Unterhaltungsmittel bedarfen, (in- 



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Von der Staatsdimalune. 4t} 

j ■ ■ . ■ ■ * 

dem nur das das rekie Elakpxnmmi eines jeden 
ausmacht» was ihm nach Abzug des Nothweiid%^ 
fiein Ql>rig blei^O« Qey eineiQ ToUkoamDeo Ab« 
glibeBfyftem mttffea alle diefe eine rerfchiedene 
Summe von Abgaben bey gieiobemn^n Einkorn« 
men entrichten. * Nach dem Syftem der Phyfio* 
praten aber würden Alle gleiche Abzflge treffen» 
und dadurch ^tweder eine drückende Ungleich* 
heit te ihre Befteneruifg gebracht, oder die Lohn« \ 
herren mOfsten das Lohn aller fo erhöhen, wia 
ea bisher fOr diejenigen ^wefen ift» welcffce die 
gröCste Ausgabe ffir die Noihwendigkeit des Le« 
bens hatten. Im erftta Falle wfirden die Lohn« 
leitte , im letztem die Herren /leiden. 

%) In Anfehung Vieler, deren Hinkommen 
abgeleitet ift, würde der Umftand» dafs ihnen alle 
Abgaben abgenommen würden, durchaus keinen 
Einflufslauf den Lohn ihrer Arbeiter habem Eine 
Catalani wird nicht weniger Etitreegeld für Sfara 
Ooncerte nehmen, wenn fie 2 Gr.^ weniger für jede 
Bottteille Wein, 6 Or. geringere Miethe, einigst 
Tbal^ weniger an die Polizey für die Erianbnifa 
effentlich aufzutreten u. f. w. zu bezahlen bat; 
Eben fo wenig würde man in London dem Arzt» 
dem man jetzt eine Oninee für jeden Befuch be« 
zahlt, twey Schillinge abziehen können, wenn 
ibnt fb viel an Abgaben abgenommen und auf die 
l4indeigenthflmer geworfen wäre. Schaarpieler» 
Mahler, Bildhauer tt.I.Wr werden ihre JPreife nuv^^ 



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414 Erftes Buch. 



ffsiir wenig nflcfa dem in einem Lande herrfcbeo- 
den Steuerfyftem regnliren. Ein Gleiches wird 
der Fall mit den PfrOndnem, Domherren» Pen- 
ionoairen u. L w« feyn. Die Beftenmng wirkt 
mcfat wie eine nothwendige nnd allgemeine Ur« 
Ciehe auf den Preis der' Arbeit, fondem es wird 
derfeibe durch fo viel andere Urfachen beftimmt, 
die mit der Abnahme der Steuer fteigen oder mit 
deren Erhöhung fallen, und welche umgekehrt 
bey der bleibenden Steuer wiederum ihre Wirk- 
Camkilt verlieren 9 dafs jene Regel, dars der Ar« 
beitspreis fich notbwendig verSndem mQlTe, wenn 
man <lem Arbeiter die Abgabe abnimmt, aulser* 
ordentlich viele Einfchrankungen erleidet. Und 
diefes ift derfeibe Fall bey viden andern Arten 
von Einkommen. * 

$• 5o8. 
. Wenn daher aoch gleidi ausget^acbt ift,, dafs 
vi^ Perfonen im Staate nur ein abgeleitetes Ein- 
^ kommen von dem urfpranglichen Einkommen an- 
derer beziehen ; fo wQi^de es doch ^ne ganz ver« 
fehlte Maafsregel feyn , . wenn man alle Abgaben 
blpfs auf das urfprßnglicbe Einkommen legen woll« 
te» in der Meinung, dafs deshalb diejenigen, wel* 
che das urfprangliche Einkommen beziehen, denep, 
die ein abgeleitetes Einkommen von ihnen erhal« 
ten, um fo weniger zu geben brauchten, als fie 
fionft an Abgaben entrichten müfsten. Denn es 
haben diejenigen, welche ein abgeleitetes Einkorn» 



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Von der StaatseiAnahmö. 415 

-■ - - ■ ■ .. » . - _ 

nen ziehen, febr viele Mittel in ihrer Gewalt» daf« 
felbe bald mehr batd weniger zu erhöhen , und die 
Abgabe darin macht gegen die Obrigen Befiandtheil# 
gemeiniglich eine fo geringe Summe aus, dafs la 
der Praxis kaum Rflckficht darauf genommen wird; 
ob-fie vorhanden ift oder nicht. 

Da die Preife der Waaren fowohl als auch 
d^s Arbeits* und Indnftrielohns auf fo vielen ver« 
vHokelten Umftänden beruhen, dafs es ganz un- 
möglich ift, fie anders als blofs im Allgemeinen 
dazugeben 9 die allgemeinen Grundfötze darüber 
aber in jedem einzelnen Falle von den befondera 
Umftänden fo fehr modificirt werden , dafs jede 
Regel, darnach die Abgaben zu ordnen, oder 
jede Bemflhung, den Einflufs der Abgaben auf die 
Einnahme des andern allgemein uqd mit einiger^ 
Genauigkeit zu beftimmen, vergebens ift; fo wOr« 
de man fich taufenderlc^yUngewifsheiten apsfetzen> 
und die gröfsten Ungleichheiten in der Befteuruog 
verurfachen , wenn man die Abgaben blofs auf das 
urfprüngliche Einkommen legen und es nach dem«' 
falben ordnen wollte, in der Vdirausfetzung, dafs 
diejenigen, welche daraus andern ein abgdeitetes 
Einkommen zi^iefsen liefsen, fich an ihnen, er* 
holen und ihnen einen Theil davon in Abzug brin« 
gen würden. 

$• Sog. , 

Ein Finanzfyftem wird vielmehr nur dadurch 
voUkommne Klarheit und Cewifsheit. erhalten und 



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4i6 ., Erftes Buch. 



/ 



"^fiob dem Princip der Gerechtigkeit und Gleichheit 
am meii^eii nähern, wenn es von dem Gnind£atz« 
ausgeht, einen jeden nach dem MaaCse feines rei« 
nen Einkommens ($• 4S2O zu befteuern, und wena 
es nicht andern aberläfst, ihm die Steuer in An* 
fatz oder Abzug zu bringen, fondern wenn es die 
Abgaben alfo ordnet, daCs es fiöber feyn kann, ein 
jeder mfiCTe unmittelbar felbft nach der ]?r<^ortioa 
feiöes reinen Einkommens dazu bey tragen* Dabey 
aber mufs freylich das, was wir uoiter jShrl^bem 
reinem Einkommen vergehen ($• 498.) 9 feft und 
nnTerr&ckt im Auge bebalten yfetden. 

$. 5io. 

Fallen die Abgaben allein auf das reme Ein- 

hornmeh in dem $• 498* beftimmten Sinne; fo 

bleiben alle Quellen und Urfachen« der Erzeugung 

des Nationalreichthums unan^etafteL Nichts, was 

2ur Erhaltung des Ackerbaues,, der Gewerbe; der 

ArbeitsclafTen nothwendig ift, wird durch folche 

Abgaben berührt, kein Capital wird vermindert, 

keine Exiftenz nützlicher Arbeiter erfchwert. Nur 

nach dem Entbehrlichen eines jeden werden die 

Abgaben abgemelTen. Das Syftem überläfst nicht 

die Abrechnung mit ihm andern, fondern rechnet 

mit ihm allein unmittelbar« 

Anm. Hieraus folgt nicht , dab ich das Syftem der in« 
^ireoteti Sttutr rerverfe. Denn Xobald man nur wei^, 
durch wen diii indirecte Steuer befahlt wird^ und fia 
fonft Vortheile rerrpricht, kann fia fahr wohl in dag 
f yftam paiTta« 



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Von der Staatseinnahmen ^ 417 

S- 5i]. 
Unfer Finaozf^ftem hOtet (ich aofs forgfäl* / 

tigfte, die Urracbeo der Erzeugung des National« ^ 

reicfathums zu berahfen. Ift aber einmahl felbft 
eine Quelle des Nationalreichtbums , z* B. ein Ca« 
piUl, zur Einnabtne genoacht und Teinem Zwecke 
entwendet; fo bat dbsSyftem keine Verpiicbtung 
nebr, ein feiner Beftimmung entwandtes Capital 
%u fcbonen: denn es hat aufgehört tinmittelbare 
Urfache des Nationalrielchtbums zufeyn, und ift 
aum Einkommen befiimmt* Was daher ?on die* 
fem zum r^nen Einkommen der PerCon wird, die 
es verzehrt, wird auch der Abgabe unterliegen* 

§. 5ia« 

U^berbac^t bekflmmert fich das Syftem nur 
znnachft um den, welcher das Einkommen bezieht» 
und hat es mit ihm allein zii thuo» Kann derfelbe 
uachweifea, dafs er fein. Einkommen aus einer 
ihm angebdrigeit Urfache bezieht, zu deren Erhal* 
tuog ein Theil dcts Einkommens, welches diefe 
Urfache IjerTprbringtt noth wendig 41; fo bleibt 
diefes mit der Abgabe irerfchont Ift aber in feinem- 
Eigenthuip keine folche Quelle feines Einkommens 
nachzuweilfen ; fo mufs fein Einkommen als eine 
Wirkung feiner perfönlichen Induftrie i>etrachtet 
werden^ und es kann davon nichts fteuerfrey biet* 
ben , als was zur Unterhaltung feiner Familie^ 
nothwendig ift« 

tf« Jakob Staaufinantwijf^ D d 



\ 



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\ 
I 



4fg Erftes Buch, 



Die Abgabe Wird nach diefem Syftem frej- 
lich oft ein folches Einkonimea angreifen , was 
aus einer Ur/ache des Nationalreicbthams gebildet 
ift. Allein , dafs diefe ihre fieftimmting irerloren» 
ift nicht Schuld des Staats oder des Finantfyftems» 
fondern Schuld deffen , xier das Capital ftinei: Be* 
ftimmung entriCs und es zur Verzefarung befti^mte. 
Eben fo wird das Einkommen der Staatsren tenirer 
befteaert werden mftffen» obgleich die Quelle ihres 
. Einkommenl^ nämlich ihrCapital, vernichtet feyn 
mag* Deiiii wer es vernichtet hat , ift verpflich- 
tet, e^' wieder anzufehaffen« oder es aus andern 
Quellen zu erfetzen. Es beruht daher das Eid« 
kommen des Rentenirers immer noch auf einem 
Capiral , mir nicht auf dem , was ^r Verlieh , fofi* 
dern auf einem Fonds^ den der, weichem er es 
heb, verbürgt. Endlich kann auch das Einkom- 
men derier,' welche fich daffelbe durch unerlaubte, 
ungerechte oder fonft verwerfliche Mittel ver- 
fchaffen, nicht mit der Abgabe verfchont bleiben. 
Denn was fQr eine Art von Induftrie jemand an- 
wende, um fich fein Einkommen zu verfcfaaffen, 
darum bekflmmert fich das l^inanzfyftem nicht, , 
fondern blofs darum,« ob jemandem ein reines 
Einkommen verbleibe. Diefes befteuert es allent- 
halben, es mag einen Urfprung haben, welchen 
man will. 



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Von der . Staatseinnalime/ 419 

. ^ :- ^ . 

£iatHtiIuii|[ der Aki^gab««« 

$. 5i4. 
Man kaoo die Abgaben oder Steuern ein« 
.tlrailen: 

I« nach der Materie» worin fie geleiftet wer« 
den foUen; darnach find es eiitweder Natu* 
ral- oder Oeldabgaben« 

II« ilach der Vertbeilting, in Perfonal« 
und Realabgaben, )e nac^lem nian^fie 
Bacb den perftolieben ^Eigenlcbaften oder 
nach dem iarsern Sigenthume der Contri* 
buenten vertheilt. Beyrpiele , der PerConalab« 
gaben find: die Kopf ftevern, Perfooen* 
fteuerh^ R a n g ft e u e r n u. f. w. Die 
Realfteuern find entweder nach dem ei- 
genthamlicben Befitze, d« i, Verm^<» 
gen im engern Sinne, oder naek dem 
Einkommen, oder nach, der Ausgabe 
geordnet. Daher Vermdgensfteuern» 
Einkommenüeuern» Ausgabe fteu* 
e r n* Die V^ermdgenafteu^rn riebten fiob ent- 
weder nach dem unbeweglii^hen oder nagh dem 
beweglichen Vermögen« Jene find Orund- 
Qeuern , diefe Capitalfteuern. Die 
Einkommenfteuern können entweder m^ch 
dem gemifchten oder nach dem reinen 
EinkoiQnaea eaf|nle|t oder vertheilt werde«« 



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420 Erftes Budi, 



Jene kann man die rohe, diefe die reine 
^ Einkommenfteuer neoLDeo* Die Ausga* 
befteoer trifft gewöbiilicb folcbe Ausgaben, 
far die man .irgend etwas einnimmt, oder die 
dem, welcber die Aofgabe macbt, einen Ge- 
nn(s oder Vortbeil Terfeh^en. Daher wer» 
.'den fie Confumtions- oder Verzeb* 
-rungsfteoera genannt, and erhalten an» 
^ ' endliche Namen nach den Objecten» von 
welchen fie erhoben werden. 
lU. nach /ier Art, wie fie den Beaahler trifft» 
eine direct« (anmittelbard), o4fr in- 
directe (mittelbare), je nacfadtm fie 
luimittelbar dem aufgelegt ift, weksber fie 
zahlen, oder einem Coicben, der fie blofs vor* < 
febiefsen und von andern wieder einziehen 
foU. FOr den Einen ift alfo das eine directe 
Steuer, was fflr den Andern eine indirecte 
fejn kann« So ift die Weinftener eine directe 
Steuer, wenn fie anmittelbar ?oi| dem Coo« 
fomenten erhoben wird; for den Wein hind- 
ier eine indirecte, wenn er fie im Welnpreife 
von den Confumenten des vecfteuerten Wei* 
nes wieder einzieht. 
Alle diefe verfchiedenen Arten von Abgaben kdn* 
Den tbeils ordentliche und gewöhnlidbe, . theils 
aufsarordantliche und nngewöhnlicha feyn. 
Wir haQrfeln zunficbft von den ordentliohen und 
dknn von de& nab«rordeatUcbea Ahfiben. . 



I)it£er Viextalbof ea wir4 hi OetarWiter terrohaittea 

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Von der Staatseinnahme. 42 1 

Z#ejt«ir Abfchnitt. 

iToift 4tn' V0r/chied€n0ii Arten dir ordentlichen Abgaben 

imh^ondere'* 



Von ctei Zwaüftdiciiftcn^ Natural- und Geldabga^en. . 

$. Si5. 
Wenn es gleich richtig ift, dafs der Staat 
Dienfte und Producte 2ur ErfQllüng feiDer Zvirecke 
bedarf; fo kann er doch beyde nicht nadh dem 
Maafs der Gerechtigkeit und Gleichheit unter die 
Glieder des Staats vertheilen und jedem gleiche' 
Dienfte, oder gleiche Producte anwelfei^, die er zu 
leiften oder zu liefern hat. Die gleiche Verthei- 
lung wird nur dadurch möglich > dafs die Mittel 
fiber die deni Staate ndthigen I^nfte und Producte» 
in Gelde beftimmt, von den Einzelnen nach den 
Principien der Gerechtigkeit und Gleichheit ein- 
gezogen» und dann dafBr die dem Staate nöthigea 
Dienfte und Producte von den einzelnen nach 
freyff Concurrenz wieder eingekauft werden» 
Dars nnrGeldabgaben gefchickt find, dieLäfteuun« 
ter die Staatsef nwbhner gehörig zu vertbeilen , ift 
' fchoninderNationalÖconomie ^.'607. 965 «-^ 967.) 
ausführlich erwiefen« 

^or da, wo die Dieafte duroliaua für Geld 
nfoht tu kaafeii und doeh zuEnreiohung der Staate» 
«wecke oiwiiib^Nrlioli find, luuia delc Staat Dienfte 



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42» •• Erftes Buch. 



auflegen. So lange aber der Staat Frcywillige zu 
den ihm nöthlgen Dienften für Ge\d beftimmen 
kann, wird es immer beffer feyn, diefen Weg ein* 
zurchlagen , als dergleichen Dienfte zu erzwingen. 

$. 5 17. 
Die üblichften Arten der Dienfte, die man 
in vielen Ländern noch von den Unterthanen zu^ 
fordern pflegt, find: 1) Strafsen- und Wegefroh- 
nen; 2) Vorfpann; 3) Stellung yon Poftpferden; 
4) Militairdienfte. 

f 5i8. 
Erftere werden damit entfchuldigt , data 
Bauern und gemeine Arbeiter doch viel mflfsige 
Zeit haben, und dafs fie daher Wege- und Stra- 
iTseobefferungeo in foicfaen mOfsigen Stunden Qber- 
nebmen könnten, in wdcheo fie doch nichts ver* 
dienen würden » welches daher vortheilhafter fey, . 
als wenn man, ihnen Geldbeyträge da^u abfordern 
wollte. Allein die Stradsen- und Wegefrohne ift 
fchon deshalb fehlerhaft , weil man fie nur einigen 
Glaffen, nämlich dem gemeinen Landmanne, auf- 
legt. — Sollte Gleichheit dabey beobachtet wer- 
den; fo mOfsten die zur Wegeunterhaltung uj!id 
- VerbefTerung nöthigen Arbeitstage unter alle ver* 
tbeilt werden , die an dem Gebrauche *der Wege^ 
direct oder indirect Theil nehmen» und wi9 follte 
diefes gefchehen ? Fände aber ja> in einem Lande 
der Fall Statte .dafs einige es für bequemer hiel- 



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Von der Staatseinnahme. ^ ' 4^3 

t€n y die auf ße fallenden Arbeitstage io naturfli 
zuleiften; fo mOfsto es weqigftens inein^s jeden 
Willkühr geßellt werden, die auf ihn fallende Ar- 
beit entweder in natura, oder den Werth davon 
in Gelde zu entrictiten. 

5. 5 19. 

Wo aber die VolIkomnienhe>t der Gefellfchaft 

nur einigermalsen vorgerQckt ift, da wird gewib 

. ein jeder feine Zeit theurer verkaufen können , als 

die Arbeit wertb ift, welche er dem Staate unmit» 

teibar in folcberZeit leiftet. Und daher wird in 

foloh^n Saaten auch • Strafsen • und Wegefrohne 

am heften in Geldabgabeo verwandelt wierden» 

•Wie aber diefe Art von Abgabe am ricbtigfteii vei^ , 

•theilt,> von wem und in wekher Proportioii fie #iA- 

'gezogeil vrerdt» itaüffe, davon weiter itoten« 

Vorfpann wird in vielen Undem von dem 
^Landmann oder Fuhrleuten zu den Staatsfuhren 
gefordert. Da aber die Staatsfuhren, wenn fie 
noth wendig find,^ entweder fflr das allgemeine 
Befte , oder f Qr den Nutzen einiger gefchehen ; fo 
fordert die Gereöhtigkeiti dafs entweder die ganze 
(Gefellfchaft oder diejenigen insbefondere^ tu de- 
ren Nutzen fie gefchehen, dieKoften davon tragen» 
Es ift alfo ungerecht, diefelben von Einer Claffe 
der ünterthaaen , und gerade von denen zu för- 



• ^ 



4 

s 



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414 Erlieft' Buch. 



dero , welche Pferdt befitzen oder Fuhrwefen b«- 
.treiben. Der Zwang, dafs die Pfercfebefiu^ ibre 
Pferde zu den Staatsfubren hergeben mOffen, kann 
nur da entfchuldigt werden , wo entweder die nö- 
^thigen Pferde fOr Geld gar nicht herbeyzufcbaffen, 
oder wegen der groben Menge der eintretenden 
Staatsfuhren nicht zu dem marktoblichen Preife 
zu erhalten find. Nur in diefem Falle kann der 
Staat verlangen, dab^ die Pferdebefitzer ihre oder 
«ndere taugliche Pf 6rde, jedoch zo den faftchften 
marktabUchen Freifen» ftellen« ^ 

• $• 521« . 

DtOfllbe gilt von den Gbanflee * Banf nhren ud 
. -Ghauneearbeiten. Leute, welche in der Nachbar« 
fiebaft der Cbaufleen woboea, zn zwingen, die zu 
deren fian^^er Erhaltung nöthigen Arlieiten um- 
ibn^ oder fOr geringen Lohn zu Qbernefamen, helfst 
einzelne zwingen, fich fflr andere, welche Vor* 
ibeile davon haben, aufzuopfern; hei£st,\da8, was 
eine Wohlthat des Landes feyn Ibll, fat fie in eine 
Flaoksrey rerwandeln« 

' «• San. • 

Da die PoRanftalten fAr gemeionatsliohe 

Anftilt^n geken; fo hat man geglaubt, da, wo 

' Ihr Einkommen die Koften noch nicht trigt^ ^ 

[ lelbft a«f Koften der Pferdebefitzer nnterbalten zu 

»offen« In vielen fokben Lindem werden daher 



^ 
.• 



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Von der Staatseinhahme« 415 

■'■■■ ' » > ■ r-= 

die Bauern gezwungen $ Poftpf erde auf die Statio* 
»en zu ftellen , und dafelbft den Poften auf «ine 
be|Haiinte Zeit zu dienen» Es ift evident, dafa 
man dafelbft den Bauern eine Laft aufbttrdet, wel- 
cbe entweder nur eine aUgemeine Staatslaft feyn ' 
kann, oder nur von denen bezahlt werden mufs, 
liie den Vortheil davon ziehen. Ift jenes der Fall, 
fo mfllTen die Mehrkoften , welche die Unterhal- 
tung der Poften aber das, was fie einbringen, er» 
fodem, aus der allgemeinen StaatsoafTe beftrit* 
ten werden, usd.esJft böohft ungerecht, die Laft 
. davon einer einzelnen QaCTe von Einwohnern auf- 
subflrden; ift aber letzterea der Fall, fo mufs das 
Inftitttt der Poften io Ifoge in dem Staate aufge* 
üdbobpn werden, bis die^nigen, welche derfelben 
bedarf ea, fie UnreiclMad bezahlen» «— Es Ift 
daher nicht genug, den Baiiera etwas fOr den 
^Poftdienft zu bezahlen» Nur dano» wenn di^Poft* 
fuhren durch freywüiiJieContraete verdungen wer* 
den , fingt die Öerecli^keit in dielem Piinete an» 
zu walten. 

f 523, 
Wenn nun aber der Fall eintritt, da(s die Poft 
in aufserordentlichen Fillen mit ihren disponiblea 
' und fonft hinMichnnden Pferden nicht ausreicht: 
ibllen nicht dana die Plerdabefitter gezwungen 
werden darfej(i> ihre Pferde zn de« Poftdienfte far 
die gew^Üuilichen Prei£e henufeben? «-<- Die 
)UtifWtiftfoJismde; Da Öffentlicher Dieaft dem 



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4^€ Erft6p«Buclu 

Privatdienfte in Ndthfäliw vorgeht ; fo können 
•allerdings diejenigen, ^vlfikbbe ihre Pferde zum 
Dienfte förPrivatperfoneit halten, angehalten wer- 
den, ihre Pferde für denPofkdicnft, jedoch nur 
zu dcmfelben Preife, den fie ?on Privatperfonem 
für ihre Dienfte erhalten , herzugeben, ßey fol- 
chen Bedingungen wird der Zwang bdchft feiten 
oder nie ndthig feyn* 

5* 524* - T-' 
For einen allgemein notlnntodigen Zwangs» 
dienft pflegt aber der Soldatendienft gehabtem 
zu werden, und der Zwang dazu findet daher in 
vielen Staaten ^Sta^t. 

Ob nun gleich zugegeben werden mnfe, dafs 
die Verpflichtung, den Staat im Nothfalleaa rer* 
theidigen, fOr alle gilt, welche Kräfte und Ge- 
fchicklichkelt dazu befitzen; und dafs daher der 
Staat mit Recht verlangen kami , dafs ein jedep, 
• der CS vermag, fich folche Fertigkeiten erwerbe, 
die ihn in den Stand fetzen, diefe Vertbeidigung 
zu abernehmen, fobald es der Nothfall verlangt} fo 
ifl doch auf der andern Seite auch klar: 

]) Dafs aber diefen Vorbereitungen zum Kriege 

> V der Zweck des Staats felhft nicht verloren ge* 

' han darfe. Wenn daher dnrch dergleichen 

Vorbereitungen fo viel Zeit und National- 

krafte verloren gehen , dafs dadurch die Mit« 

1' tel, eine ftarke^und woiittiabende Beväka« 



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Von der 'Staatseinhahme. 447, 



o. 



rung zu grüAifefi, felbA ^efchwäcbt, und alfo < 
die Nation für einlnr 'künftigen möglichen an« 
haltenden Krijg durch die Zubereitung dazu 
untauglich gen)acbt wird; fo können derglei- 
chen Einrichtungen unmögliefa fftr zwekmä- 
fsig erkannt werden. Wenn man Mo die 
Einrichtung treffen will, daCs die ganaeJug^d 
mehrere Jahre der Erlernung des Kriegshand« 
Werks ausfchliefslich widmen mufs ; fo ift da* 
bey wohl zu berechnen , was ein folcher Zeit* 
verluft dAr Nation koftet, was er der Pro- 
; duction auch dadurch für NaChtheil bringt» 
dals die ganze Jugend von ihren fchon angefan« 
genen Gewerben abgezogen,. oder auch fflr die 
Zukunft, wenn fie den MiÜtairdieiift.verläfst,. 
ejne Zeitlang, unbrauchbar gemacht wind. * 
2) Dafs esdenrvl'rincip der Gleichheit in Verthei- 
läng der Staatslaften widerftreitet, wenn die- 
jenigen, welche ihre Söhne dazu hergeben, 
dafe 'fie fich zum' Kciegsdienft bereiten , auch ' 
noch obenein dieKoften ganz oder zum.Theü 
^. tragen maffen. Denn wenn man auch verlan« 
gen kann , dafs diejenigen ihre Kräfte zum 
Kriegsdienft hergeben, welche dergleichen 
befitzen ; fo ift doch durehaos kein -Grund 
vorbanden, dafs fie noch obenein auohihreUn« 
• terhaltungskoften während der Vorbereitung?^ 
zeit allein tragen. -^ Da dergleichen Zuberei- 
tungen offenbar fflr das^Oemeinwofalgetrof- 



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4tt Erftes Bodi. 



i mmb mMk die guam 

f 525. • 

dab« och ia «iB«n Staate alle Waf- 
faafkUge zihd Kriege zubereitet wer^ ; Co wird 
4ibey doch insbeftiedeie die Maxime berzfchen 
müShm: 

1} mr fblcbe 2kibereitiingefi so wihleo, die io 
der möglicbft kftrzefien Züt und alfo erlernt 
werden können» dalt das Hanptge werbe der 
Einznflbenden aocb während der Uebongszeit 
ununterbrochen fortgetrieben werden kann ; 
a) alle pberiflfligen und unnOtzen» blob zur 
Parade Putz and Mode dienenden Handgriffe 
und Bewegungen von dergleichen VorQbnn« 
gen zu trennen. 

f 526. 

' Diefet wird am erften ansgefflhrt wetdeni 
können» wenn man 

ly alle diejenigen militairifchen Gefcliickliöh* 
keiten und Finrtigkeiten» wozu lange l]ebung 
vnd Tiel Zeit erfodert wird» in der ftebendea 
^ Armee coneertrirt» und 
S> diefe mit der Landwehr oder flbrigen wehr- 
beflen Maaolehaft auf eine folche Weife ver- 
Uadet» dab jene im Stande ift» da^ wo ee 
I kommt» die Torllufig rmrbereitete 



^ 



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Von der Staatsemiiahme. 4^^ 



mdm 



Manofchaft mit fielt zu fereitiigen, und cll# 
hinzugtskommeoefi Haofea io tnOgKclift kur- 
vtet Zeit fa zugorgaoifir^D, dafe fie die Bewe* . 
gungen und Manöver der vollkommen tns- 
gebildet'en Theile der Armee leieht nachah« 
men kann« 

$. 527. 
Die Sehende Armee wird abfer auch nur dana 
auf eine^ den Grundfä'tzen einer vollkommnen PoIU 
tik gemSfse, Weife organifirt werden können, wenn 
der Staat Mittel genug bat, um den Soldatenftand 
fo zu begründen, dafs er ein von Vielen freywillig 
gefuchtes Gewerbe wird. Denn fodann werden 
l) nur folche bey ihm angenommen werden, die 
Gefchick und Luft dazu habei]^ Diefe i^erden dag 
Kriegsgewerbe am leichteften und am vollkommen* 
.ften erlernen , und die «neifte Gefchicklicbkeit be« 
fitzen, andere, die neu hinzutreten, zweckmifsig 
zu leiten ; und >) wird jede Art von Ungerecbtig> 
keit oder Unbilligkeit, die von der ^ezwuogenen 
Vertheilung der Kriegsdienfte unabwendlicb find» 

vermieden werden. 

»"^^ 

i. 6a8. 
Die Veztheilung der Mitftairdienfte, fo wie 
der FrobniBn aller Art, wird zwar gewöhnlich 
nicht als ein Gegeofiand des Ffnaozwefens ange» 
feben, fondera gemeiniglieh von der Militair'» 
^er PdizeybehArde verfagt. Indeffits tft es offen* ^ 



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430 Erftes Buch. 



bar, dafs dergleichen Dienfte und Laften auch 
aus dem Vermögen der Untertbianen bezahlt wer- 
den. Soll aber die Finanzwiffeufchift eine gerechte 
Vertbeilmi^ der Abgaben und Staat^Iaften be^ir* 
ken, oder (oll G^ dasStaatseinkommeD nach Prin* 
cipien der Gerechtigkeit und Gleichheit von den 
Einzelnen erheben ; fo mufs ihr bekannt feyn, was 
ein jeder Einzelne fchon fonft far Staatslaften zu 
tragen habe, die nicht in dem Finanzbudget ftehen, 
damit auch diefe bey der Vertheilung der Abgabea 
gehörig berückfichtigt werden können. Und des» 
halb wird deren ErwSgung hier nothwendig. 

Anm. Vollends folclie Dienfte zn ▼ertKeilen und von 
, jedem zu fodem , die für die Marktpreise Aets in be* 
liebiger JMgaS^' zu haben find, und fodaan es jedem. 
; Individuum freyfte^en, dafs es ftatt feiner Perfon einen 
andern Arbeiter ßellen könne, wie einige neuere 
Schriftfteller wieder vorgefchlagen haben, kann nie- 
mahls mit den Grundfätzen einer gefunden Finanzpoli- 
tik übereinftimlnen^ da, wenn der Staat über dieGeM- 
fiunme zu gebieten hat, für welche die Arbeit beliebig 
angefchafft werden kann , ihm es viel^ weniger Sorge 
im4 Mühe macht , die Arbeiter anzunehmen und gehö- 
rig zu vertheilen » als es den einzelnen Privatperfonen 
verurfachen würde, wenn jede fich felbft ßellen, oder 
ihre Stellvertreter dangen und für deren Erfcheinun^ 
und Arbeit forgen XolUe, 

< * ' $. Sag* 

DalTelbige gilt auch von allen Abgaben in 

natnta oder, in Produkten ^ desgleichen von den 

fögenanoten Reallaften, die nichts anders als eine 

"^ Art voa Natnralbefteurung ündK Wo es daher nur 



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Von der Staatseinftahme. 4^1, 

irgend mdglich ift,' fie in Geldabgaben^zu verwaa« 
delS} da mufs diefesgefchehen« Nur wo die gröfs- 
^ te Notb die Produc|e far den Gebrauch des Staats 
verlangt und dieCe nicht far*GeId 2U haben -find, 
oder auch i wo die Staatsgeooilen nichts als Pfo^ ' 
ducte haben» und es an aller Gelegenheit , fie zu 
Gelde zu inaehen, fehlt, kann es entfchuldigt wer- 
den, wenn der Staat Producte fiatt des Geldes 
lodert. 

§. 53o. 
DiQ ^ewdhnlichften Arten der Naturdlabga« 
ben und Naturallaften , welche in vielen Staaten 
noch gefunden werden, find: der Zehen d, 
ZlnSgetreide, die Fouragelief erungen 
und die Einquartierung. Diefe verdienen 
alfo hier eine befondere Betrachtung« 

f. 53i. 

Der Zehend ift die Abgabe eines befiimm* 

ten (gewöhnlich des ceVoten) Theils der rohen 

Froducte odef des gemifchten Einkommens aus 

den Grundftücken, bfefonders vom Lande, Bei^* 

werken u* f. w. Die Fehler diefer Auflage werden 

wir in der Folge genauer kennen lernen. Hier 

bemerken wir nur diejenigen, welche fie, als Na« 

turalauflag^e betrachtet, hat» Da ift nämlich klar: 

j) dafsfohon die Eintheilung des rohen Products 

nicht ohne Schwierigkeit ift, da nicht alle 

Xhfile deffelbra von gleicher Ooteund Gehalt 



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431 ErftesT Buch« 



fiod, und fchoD dabey bald der ZebendgeberB 
bald der ZebendempfSsger verkflrzt wird; 

a) dafs Ober die Zeit, wo der Zehendnebmer 
feinen Antbeil abführen foll, mancherley Strei- 
tigkeiten entfteben können» und da» wo der 
Staat den Zehend zieht ^ gewöhnlich . alle 

^ Nachtheile davon auf den Zehendgeber fallen» 
Dlefer wird daher in feiner Erntearbeit, ia 
feiner Einfuhr , in feiner Art die Froducte 
abzutheilen befchränkt, und ift einer fiets 
läftigen Auf ficht und ControUe unterworfen.—^ 
Wo man daher in einer gefunden Staatswirth^ 
fchaft nur einigermafsen fortgefchritten ift» 
da hat man wenigftens den Zehend nach ei» 
,oem mehrjährigen Durchfchnitt in eine Oeld* 
abgäbe verwandelt« ; 

\. 53a. 

Wenn gleich der Zehend als Staatsabgabe in 
aoehrern Staaten aufgehoben ift» Xo ift er doch ia 
vielen liändern und Einzelnen Orten als Abgabe 
an die Elircben , Oeiftlichen oder andere einzelne 
Privatleute geblieben; und da auch die Art und 
Weife, wie die Abgaben an Gemeinden » Geiftliche 
und Privatperfonen geleiftct werden» dem Staate 
nicht gleichgültig ift» indem darauf der Werth der 
GruadftOcke und die Beurtheilifng des reinen £in* 
kommens eines jeden; beruht, hievon aber die 
Beftimmvog der Staatsabgaben jn der FinanzwK- 

fen- 



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Von der Staatseinhahme. 43 j 

fenfchaft wieder abhängt: fo kann der Zehend ia 
derfelben nicht übergangen werden. 

$. 533. . 

Das Zinsgetreide befteht tbeils in den 
Zehenden felbft, tbeils in gewKTen beftimmtea 
Quantitäten Getreide, welche einzelne GrundftQcke 
t>der Landgüter an den Staat, an Communen oder 
an Privatperfonen jährlich abgeben mOffen. 

Dergleichen Zinsgetreide gehört in der Regel 
feiten zu den eigentlichen Landesabgaben, viel* 
mehr beruht die Verpflichtung es abzuliefern auf 
gewiffen Privatverhältniffen, wornach der Guts- 
beCteer die Verbindlichkeit abernommen hat, all* 
jährlich eine beftimmte Quantität Getreide an den, 
welcher ihm fein Gut verliehen, oder au'folche^ 
die ihm gewiffe Dienfte geleiftet, Vorlbeile znge* 
Aanden n. f. w«, abzuliefern« In folchen Fällen 
werden nun zwar dergleichen Verbindlichkeiten 
und Rechte blofs nach dem Privatrechte über Con» 
tracte beurtheilt, und die abgemachten, durch 
VertrlTge feftftehenden Puncte blofs nach den Grund- 
fitzen des Privatrechts geändert werden können. 
Wo indelTen der Staat dergleichen Zinsgietreide 
lieht, da wird er doch wohl thun, Jiron feiner 
Seite dem Verpflichteten mit allen- denjenigen 
Erleichterungen entgegen zn kommen, welche die 
Nationalökonomie und ein« ächte Finanzpolitik 

Terlangen. 

V, Jahfh Stmatsßnanzwiff. E e 



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y 



♦, ' 434 Erftes Badh. 



§. 534. 
Folgende Betrachtungen werden daber den 
Staat immer befiiromen mafTen, dergleichen Ab- 
gaben in Getreide, in beftimmte Geldabgaben zu 
verwandeln, wo es milr irgend mit dem Cönfens 
der andern Partey gefchehen kann. NäroBch: 
a)' ift die Ablieferung des Zinsgetreides für die 
Landgutsbefitzer läftig» und die Laft wird ge* 
wohnlich durch die Einnehmer noch ver» 
mehrt* — - Man läfst die Bauero warten, 
wenn fie mit den Fuhren ankommen , fchica* 
oirt fie wegen Qualität und Gernäüs, fa da& 
fie viel Zeit dabey Terlieren und doch wohl 
noch Gefchenke anwenden mOflen, um hur 
loszukommen. Weder die verlorne Zeit, 
noch die Gefcbinke kommen dem Staate zu 
Gjite, und gehen doch dem Zinsgebehden 
verloren. Dabey verliert aber offenbar der 
Nationalreichthum. 
a) Der Staat empfängt Im Zinsgetreide feiten 
oder nie das, was er eigentlich empfahgea 
folL Das Zinsgetreid^ ift a)faft aUeathaiben 
far fchlechtes Getreide zum Sprichwort 
geworden^ Die Beamten^ nehmen nämlich 
fchlechtes Getreide an , es fey aus Mitleiden» 
oder weil fie ein Gefchenk erhalten; b) das 
gelagerte Getreide verdirbt leicbt^leldet durch 
Eintrocknen, Mäufefrafs, AuswachTen u. f. w», 
fo dafs kein Jahr vergebt» wo nicht xler SU9/t 



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] 



Von der Staatseinnähme. 435 

am Zinsgetreide grofsen Schaden leidet ; c) die 
Einnahme 9 das. Mag^zinwefen ^ die Auf* 
ficht u» f. w. xerurfachen bedeutende Rollen; 
£rwägt der Staat alle diefe Umftande und geht von 
dem Grundfatze ider Billigkeit aus, von den Zins- 
gebenden niclit' mehr in Gel de zu verlangen, als 
ihm das, was er rein empfängt, wirklich werth 
ift ; (o werden die Zinsgeber allenthalben, wo das 
Getreide eine verkiufiiche Waare ift, die Ver* 
Wandlung der Getreidezinfen in beftimrate Geld- 
abgaben als eine Woblthat gern annehmen, und 
der Staat nutzt dadurch dem National woblfiande, 
ohne fein Einkommen zu vermindern. 

§. 535. 

Da das Zinsgetreide fchlechter, als das ge- 
wöhnliche marktgängige Getreide ift; da es fetr- 
ner für den Staat einen geringern Werth hat, als 
felbft ein fo niedriger Preis anzeigt, weil Verluft und 
' Koften dabey in Anfchlag zu bringen find ; fo kann 
der Preis des^ Zinsgetreides wohl ^ unter dem 
Preife des marktgängigen Getreides angenommen, 
und nach diefem Fufse der Durchfchnittspreis von 
etwa 20 bis 3o Jahren gefucht, upd darnach der 
Geldzins für die nächften 20, oder 3o Jahre nach 
den fcbon dben ($• 202 fg.) angegebenen Principien 
beftimmt werden. Es wird dann immer die bis- 
herige Quantität des Zinsgetreides (nur in Gelde 
keftimmt> geliefert und empfangen. 

£ e s 



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436 ^ Elftes Buch. 



$. 536. 
Die Fouragelieferungen fOr die Armee bat 
man gewöhnlich dem gemeinen Lfandmanne aus* 
fchliefslicb aufgebürdet; in manchen Ländern roufs 
auch GrieS) Mehl und Pleifch für die Unterhaltung 
der Armee in natura geliefert werden, Diefe Lie- 
ferungen find ungerecht, wenn fie die gemeinen 
Landleute allein treffen, da offenbar der Zweck, 
wozu fie verwandt werden, ein allgemeiner Staats- 
zweck ift, und daher die Auflage, die dazuerfodert 
wird, auf alle Glieder des Staats gleich vertheilt 
werden roufs. Sie hat aber auch insbefondere als 
Natpralauflage alles das LSftige und Unbequeme, 
welches oben ($. 534.) an der, Abgabe des Zins- 
getreides gerOgt ift, und wird daher beffer ia 
Geldabgaben verwandelt 

§. 537. 

Der Einwand, dafs in manchen Ländern das 
Getreide nicht abzufetzen, und daher Geldabgabea 
nicht herbeygefchafft werdet^ könnten , ift in dea 
meiften Fällen ein nichtiger Vorwand, oder grün- 
det fich auf Unwiffenheit« Denn wenn das einge« 
Jieferte Getreide, Heu u. f. w. verzehrt wird; fo 
muffen diejenigen, welche es verzehren , daffelbe 
kaufen, wenn fie es nicht geliefert erhalten. Zah* 
len nun die Bauern Geld dafdr, und die, welche 
bisher das Getreide erhielten, bekommen fiatt 
deffen Geld; fo haben fie auch die Mittel, den 



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Von der Staatseinnahme. 437 

.Bauern ihr Getreide abzukaufen, und.mQffea es 
thun, w^I ffp fonft nichts zu effen habep. 

. Anm. Um die erden Schwierigkeiten in einem Lande, 
wo der Geldrerkehr noch allzu weit zurQck und die 
Natutallieferun^ allgemein üblich geweTen ilt, su über- 
winden , kömiten vielerley Anhalten getroffen werc^en, 
um die Einführung der Geldabgaben tu erleichtern^ 
alt: Man könnte bey den bisherigen Staatsmagazi- 
nen Gctreidedepoüta errichten , wo jeder eine Quit* 
tnng über dat depönii^e Getreide erhielte , die in den 
Gaffen zu dem Durchfchnittspreife Xo vieler Scheffel, 
als abgeliefert worden wären, angenommen werden 
müfsten , und die der EigenthÜmer des Depofitums bey 
Heraus^iehung deffelben mit baarem Gejdc auslölen, 
oder die er beym Verkauf feines Getreides ßatt haaren 
Geldes annehmen möfste; oder es fanden Geh Perfo- 
nen , welche baares Geld für die Depofita gegen mäfsi» 
gen Oiscont verfchaffen. Hierzu könnten Banken ein« 
gerichtet und begünftigt werden u. f. w. — ErnAlicher 
Wille und kräftige Einficht roUbringt vieles , was un* 
wüTende und bornirte Kopfe für alliu Ichwierig oder 
«umöglich , halten« ' 

$. 538. 

Epdlicb ift eine der gröfsten upd drOckend- 
flen Reallaften die E i n q u a r t i e r u n g. In robeil 
und dOnnbeirölkerten Ländern herrfcht noch im- 
mer nicht nur die Einquartierung des Nlilitairs, 
fpndern auch aller ficb irgendwo als Fremde auf- 
haltenden Civilhearnten, Ja aller Reifenden von 
einigem Anfehen und Range. Jeder quartiert fich 
hier ein» wo er Luft hat» oder läfst fich von der 
Polizey ein Quartier anweifen, wofür er feiten 
etwas» und faft nie mehr bezahlt, als er felbft 



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438 Erfles Buch. 



will. Gewöbolich entfchuldigt man diefe Art dei^ 
Einquartierung tnit dem Mangel an WIrtbsbaaferff 
oder Gelegenheiten , ein Unterkomaieii und Koft 
zu finden. Allein gute Bezahlung wird allepthal« 
ben Leute geneigt machen , Fremde zu bewirthen, 
und die Polizey* wird leicht Perfonen finden » die 
fich freywillig dazu TCrfteben , und an die. fie die 
Reifenden Terweifen kann. Jedoch, wir wollen 
lins hier um jene barbarifcbe Sitte in rohen Läo;* 
dera nicht bekammern> fondern nur bey der mi« 
litairifchen Einguartiernng verweileo. 

$. 539. 

Man mufs zweyerley Art von Einquartiarong 
ynterfcheiden : x) die der ftehenden . gamifoniren* 
den , 3) der fich bewegenden Truppen. So viel 
ift Ton beyden klar» dals das Unterbringen der 
Armee, ihre Wohnung und Koft ein allgemeines 
Staatsbedarf oiCs fey, und dafs alfo alle Staatsge* 
poffen nach Proportion ihres rVermögens zur Be* 
frie/ligung deffelben beytragen mOlTeo, 

§. 54b. 

Dafs nun den in.Garnifonen ftehenden Tnip* 
pen leicht auf gemeinfame Stvatskoften Quartier 
verfchafft werden könne: esXey, dafs för fie be^ 
fohdere Cafernen eingerichtet, oder dafs fie'Woh* 
nungsgeld erhalten» damit fie fich nach eignem 
Gefallen contractmSfsig elnmiethenj ift eine leicht 



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.Von der Staatseinnahme. 439 

begreifliebe Sache. Wen» man nun dennoch in 
vielen Ländern und Orted no)ch die alte Gewöhn» 
beit beybebält» den Soldaten bey den Einwohnern 
Quartier aozvweifen und diefe zo^verpflichtea» die 
Einquartierten mit Bette^ Feuer und Licht zu<Tei^ 
ieben; fo ift diefes.eine Ungefriechtigkeit für die 
Hansb^i^tBer, welche üc\l durchaus mit nichts» ala 
mit der bisherigen Gewohnheit entfcbuldigen läfst; 
eine aus' der Barbarey herrabreode Gewohnheit» 
welche jede gerechte Regieruni^ auf das fchleunigfte 
abfchaffen foUte» 

. f 541. 

Diefe Ungerechtigkeit wird auch dadurch 
sieht gehoben» dafs man diis Eioquartieningslatft 
auch auf die Miether yertheilt, odet den Gemdn* 
den es 4iufb{krdet , fOr die Quartiere ihrer .Garni- 
ion auf Gemeindekoften zu forgen. Denp es ift 
eine allgemeine Landeslaft» wozu alfo alle 
^acb Proportion ihires Vermögens beytragen mOf* 
ien. Es wird eine noch grdfsere Ungerechtigkeit, 
wenn man ^ine fplobe Laift einer Claffe» welche es 
fey» allein zuwalzt^ und die andern damit vec** 
fchont» 

i. 542. 

Ganz «ngereirot ift die Meinung,, dafs die 
Einquartierungslaft, an fich eine Reailaft fey und 
daher blofs dje HauseigeathUmer treffen könnte 
Diefe Meinung hat durchaus gaf keinen vemanf« - 
tigen Grund» und ftdtzt fich blofs auf die Bebauji'» 



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44^ Erftes Buch. 



tung einiger ftumpffionigen Juriften» die keinen 
andern Recbtsgrund kennen , als die- durch viel^ 
jährige Gewohnheit beftätigtl» Praxis, die fie fQr 
Recht erkifireo, follte fie auch den natfirlichea 
Begriffen von Recht und Billigkeit von allen Seitjen 
widerftreiten. Jede Realla^ lifst fich durch Geld 
ausgleichen, und fobald diefes gefchehen kann, 
läfst fie fich auch unter Alle nach Principien der 
Gleichheit vertheilen. 

f 543. 

Auch das ift kein Grund, dieEinquartierungs- 
laft blofs den Hausbefitzern. für immer auftubOr- 
den, weil fie dodh, da fie auf alter Gewohnheit 
beruht, bey dem Werthe aller Hfiufer in Aofchlag 
gebracht werde, und daher Niemand eia Haus 
theurer bezahle, als was es werth ift, nachdem 
dieEinguartierungslaft in Abzug gebracht ift. Eine 
Befreyung derfelben von diefer Laft werde daher 
ein reines Gefchenk fOr dieHauswirthe feyn. Denn 

1) foll das, was an fich Unrecht ift., durch* 
aus nicht bleiben; und wenn .durch dieAuQiebung 
des Unrechts Einige Vortheil haben , fo ift diefes 
als einige Entfchädigung fflr lange erlittenes Un* 
recht anzufehen. Wer ein Haus bauet oder kaufte 
hat das ganze Recht, welches mit dem Befitze 
. deffelben verbunden ift, und was ihm davon ent* 
zogen wird , foll ihm wieder werden , es mag dar« 
ausfolgen, was da will. Nur durch voUkommne 



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Von der Staatseinnahme. 441 



HerÄelhmg des RcJhts erfüllt der Staat feine 
Paicht. 

2) Es läfst ficb die Einqaartierongslaft kaum 
genau nach Gelde fchätzen, da faft jeder den Orad 
der damit verknüpften Unannehmlichkeit nach 
einem andern Maafsfiabe mifst, und gerade diefe 
fOr viele Hausbefitzer dielfauptlaft ausmacht* Dar 
her iift auch der Satz falfch» dafs die Einquartie* 
rungslaft ^ach beftimmten Sätzen in Abzug bey 
Schätzung desWei'thes eines Haufes gebracht wer- 
den tcönne. 

3} Wenn die Aufhebung der Einquartierungs- 
.laft den Hauseinwobnem Vortheile gewährt;! fo 
gewinnen zugleich auch alle Miether» und es iJt 
fchwerza befUnimen, wer mehr dabey gewinnen 
wird. Denn a) werden dadurch mehr vermieth* 
bare Riume disponibel, indem die Soldatenftuben, 
StIUe n. f. w* , die fonft vielleicht nur wenig Mo- 
nate im jabre bequ&rtiert wurden» aber doch ftets 
in Bereitfchaft für die Einquartierung gehalten 
werden mofsten» nun das ganze Jahr hindurch 
▼ermiethet werden» und die Soldaten felbft'in 
viel weniger 2immer untergebracht werden kön- 
nen. Das Angebot der zu vermiethenUen Zimmer 
vdrd alCo gröfser, folglich mufs der Miethpreis der 
Stuben fallen ; b) die Einquartieruogslaft fchreckt 
viele vom Anbau und Ankauf eigner Häufer ab. 
Fällt diefe drückende Befchwerde #eg, fo werden 
vielmehr neue Häufer gebauet, viel mehr eigne 



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44* Erftcs Buch. 



Wohohäufer gefucht, und mehr auf ihre Erweite* 
rnng/ und Verfchönerung verwandt.'- Diefes aber 
wird den Miethern in vielen Fällen zu Statten 
kommen. 

5. 544. 

Was die Eingbartierung der beweglichen Trup- 
pen betrifft;, fo können diere freylich nicht allent- 
halben cafernirt, oder in Gebäude untergebracht 
werden, die keine Privatgebäude find. Und da 
die Einlagerung nofhwendig, und oft nicht ahders 
als in Privathäufern möglich ift; fo mOflen diefe 
allerdings in folohen Nothfällen die Ti^uppen auf* 
nehmen* Aber ungerecht bleibt es doch immer» 
den Hausbefitzern die ganze Laft folcher Ein- 
quartierungen aufzubQrden* Da vielmehr offenbar 
ift^dafs das Ganze diefe Laft tragen mufs; fo muf- 
fen auch diejenigen, welche Iie in Nothfällen Ober« 
nehmen, volIftSndig fOr die ihnen dadurch 
venirfaohten Auslagen ur^d Kefchwerden entichä* 
digt werden ; und dafs der dazu nöthige Raum mit 
Gewalt gefodert werde , kann nur da Entfchuldi* 
guiflg verdienen, wo derfelbe, der angebotenen 
YoUen Entfchädfgung ungeachtet, nicht auf andere 
Weife gefunden werden kann. 



$. 545. 

So lange es^ daher möglich ift, Freywillige zu 
finden, welche die durchmarfehirenden Soldaten 
gegen EnlfcbSdigung ins Quartier nehmen, fo 



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Votx der Staatseinnahme. 449 

lange ift diefe Art, einer Zwangsvertheilung vorzu* • 
Ziehen, und fie wir-dh fo oft möglich feyn, dafs 
ein Zwaäg nur in äufserft feltenen Fällen und viel« 
leicht nie nöthig feyn wird, da fchon jede Gemeinde 
felb dafür fofgt, dafs fie diejenigen vorher aus« 
findig m^cht^ welche zur frey willigen Aufnahme . 
der durchmarfcbirenden Soldaten bereit find, und 
auch gewifs dergleichen findet, wenn nur fOr Auf- 
rechterhaltung der Ordnung^und gute Mannszucbt 
unter dei^ Truppen jf^eforgt wird i und ordentliche 
Bezahlung dafür prompt erfolgt. * 

s- 546. . 

Das Schllmmfte ift, wenn' mit der Einquar- 
tierung zugleich Beköftigung von dem Wirthe v^* ^ 
langt wird. Dann können wenige Wochen folcher, 
p.inquartierung ganze Familien ruiniren, wenn keine 
gehörige Entfphädigung dafür ertheilt wird, und die ^ 
Ungleichheit und Ungerechtigkeit in der Verthei» 
lung diefer Staatslaft wird dann nirgends fchreyen* 
der , als bey folchef Art der Einquartierung. 

§• 547. 

Die wahre Theorie desEinquanrtierungs^fefilnf ^ 
beruht alfo auf folgenden Sätzen : 

]) Alle und jede Einquartierung, welche voa 
der Regierung verprdnet oder durch fie nothwen* ' 
dig vrird, ift allgen>eine Landeslaft, und daher 
von allen Staat3genofien mit verci^oten Kräften zu 
tragen. 



/ 



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444 Erfles Buch. 



• 2) Die Einquartierung. in PriTatbaofer kann 
nicht eher eintreten, als wenn keine Quar« 
tiere far den im Orte öblichen Mietbpreis zu 
finden, wenn keine öffentlichen leeren Gebäude 
dazu vorhanden find, und die Commune .keine 
^ andern Mittel zur Unterbringung der Truppen an« 
zugehen weifs. 

3^ So lange die durchmarfchirenden Truppen 
in Gafthäufern und bey gewöhnliefaen Quartierge* 
ber.0 unterzubringen find, darf kein anderer Pri> 
vatmann, der Geh nicht mit Aufnahme von Frem* 
den abgiebt, genöthigt werden, Soldaten ing 
Quartier zu nehmen« Denn wer ein Gewerbe mit 
einer Sache treibt, mufs dlefes da, wo es nöthig 
ift , zunächft f Op den Staat treiben , vorausgefetzt, 
dafs diefer ihn eb^n fo gut als Privatleute bezahlt. 
Daher liegt die nächfte Verbindlichkeit, Soldaten 
gegen die gehörige Bezahlung ins Quartier zu neh* 
men » den Gaftwirthen ob. 

4) Wo die Einquartierung in Privatbäufer 
uothwendig wird > da vertheilt fie die Ortsobrig* 
keit nach dem Maafse der entbehrlichen Wohn» 
räume, jedoch es jedem OberlafTend, die auf ihn 
fallende Mannfchaft anderswo unterzubringen, 
%enn er nur dafar forgt, dafs die taxitmät^gea 
QuartierbedQrfnlffe priftirt werden. 

5) Jeder, der freywillig Einquartierung übet- 
nimmt', oder fie gefetzmifsig in Notbfällen Aber- 
nehmen mufs, wird daf Qr vom Staate, nach einem 



i 

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Von der Staatseinnahme. , 445 

^ 1 — ' — '■ « 

folchen Tarife , wofür die Soldaten bey gewöhn- 
lifchen Zeiten von Preywilligen gern ins Quartier 
genommen werden, und worüber die Regierung 
mit den Communen fich vereinigt» vollßäudig 
entfcludigt. ' 

, §. 548. * 

Die Entfcbädigung für die Einquartierung hat 
drey Beftandtheile : 

1) Für den von dem Wirthe hergegebenen 
Raum. Gewöhnlich betrachtet ma^ diefes als eine 
blofse Unbequemlichkeit, die jeder umfonft zum 
Beften des Ganzen übernehmen muffe. ,Wie kön* 
oen aber Millionen, die unterdeffen ihre Bequem- 
lichkeit pflegen, verlangen, dafs einige oder einer 
die feinige für fie nmfonfl aufopfere? — Selbfl: 
wenn jemand auch den Soldaten blofs in l*eine 
Stube aufnimmt und des Nachts beherbergt, ift 
das nicht etwas fehr Läftiges? — ^ Warum foll der 
Einzelne diefe Unbequemlichkeit umfonft über* 
nehmen., da das Ganze Mittel genug bat, ihn da- 
für zu entfchädigen ? Wenn ja jemanden hierbey 
zugemuthet werden kann, dafs er zu viel fflr's 
Ganze tbue; ift es nicht gerechter und billiger, 
dafs fich diefes Zuviel unter Millionen vertheile, 
als dafs Einer oder Einige es für die unendlich^ 
Menge übernehmen? — - Alfo felbft die Unbe* 
quemlicfakeit des Logirens der Soldaten muK ver- 
gütet werden« 



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44^ ^ Erftes Buch. 



2) ^twöhaüch wird reriangt, cia£s derQoar* 
tiergeber den EioqaarticrteB Lagerfiatle» Holz 
uod Liebt reiche. Da diefes imo ohne baare -An»» 
läge nicht gelcbafft werden kann» £0 nutb anck 
dafür Erfatz geleilLet werden. Eodiich' 

5} wird in rielen Fallen auch Beköfiigong der 
Einquartierten gefodert. In Anfebung diefer, aber 
auch in Anfehnng diefer fait ganz allein » hat maa 
ziemlich allgemein die Notbweadigkeit der Ent« 
fchidigungy wenigfiens in Friedenszeiten, einge» 
räumt. -^- Aber faE in keinem Lande reicht das 
EntCcbädigungsquantum hin» um den Wirthen das 
zu erfetzea » was ihnen die Einquartierung koftet, 
und ohne welches fie in der Regel nicht unterhai- 
ten werden kann« 

«. 549.. 
Soll das Priocip der EntfchSdigung nach 
Gmndfatzen der Gerechtigkeit ausgeführt werden; 
fo 'mnfs fie für alle drey Puocte vollftlndig 
feyn. Freylich kann fie nicht nach dem gtmeffeii 
werden» was fie dem einzelnen Individuum nach 
feinem belbndern Grade der Furchtfamkelt oder 
Freygebigkeit koftet* Aber es giebt ein ganz un- 
trügliches Mittel, das Entfchädigungsquantum ge- 
recht zu beftimmen. Diefes ift der Preis» für 
welchen die Einquartierung, wenn fie nicht allzu 
flberhäuft ift, bey freywiliigen Quartiergebern 
laicht untergebracht werden kann. 



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l V 



Von der Staatseinnahme; 447 

^ §. 55p. 

Dafs ein folches Entfch^diguagsrjßem aus- 
führbar fey, befoiulers. in Friedenszeiteo , d^ran 
läfst (ich nicht zweifeln. In Friedenszeiten würde 
die Laft, aufs Allgemeine vertheilt^ fehr unmerk^ 
lieh werden. Was im Kriege zu thun fey, um 
den aus ^er Einquartierungslaft entftehenden Druck 
einzelner Gemeinheiten und Individuen zu erleich» 
lern, davon in der Folge bey der Lehre von den 
' aufserordentliohen Abgaben* 

, $. 55l. 

Die glücklichen Folgen des bisher zerglieder- 
ten Syßems des Einquartierungswefens find äugen- 
fcheinlich. Denn ^ •* 

]) der Staat würde dadurch einen recht 
deutlichen Begriff von den Unkolten erhalten« wel- 
che das Hin- und Hermarfchiren der Truppen dem 
Lande verurfacht. Diefes würde ein Motiv wer- 
den» möhrPekoBomie in 'dergleichen Bewegungen 
zu bringen. Unnütze und blofs zum Luxus die* 
nende Truppenverfammlungen würden eher unter*» 
bleibeni wenn ihnen immer die ganzen Koften dafür 
aurSeite gingen > fo wie die Abfchaffung des Vor- 
fpannes zu Dienftfubren, das Hfb* und Herfahren 
jder Beamten vermindert, und macht, dafa die 
ndtbigen Fuhren mit viel geringern Koften beftrit- 
ten werden* •— Auch würde die Oekonomie gar 



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^8 Erftes Buch. 



manches zu ändern rathen , was jetzt» ohne Noth, 
die Eibguartierungen häuft. 

2) Man wQrde bald Mittel finden, die Trup- 
pen wohlfeiler unterzubringen und ihre BedQrf* 
niffe wohlfeiler zu befireiten, als för die notbweil- 
, dige Enifchädigungsfumme* Denn: a) Einzelne 
reifende Militairperfonen werden es immer vorzie* 
ben, ficb lelbft Quartier za fucben, fobaid man 
ihnen die Entfcbädigungs^fumme in baarem Gelde 
reicht. Sorgen Ge fOr fich aus eignem Beutel, fo' 
leben fie fparfamer, um noch etwas von der Ent* 
fcbädigungsfumme zu erObrigen. b) Kommt äne 
gröfsere Anzahl von Truppen, fo kann von den 
Communen leicht die Einrichtung getroffen wer- 
den, dafs gemeinfchaftliche Speifehliufer fOr fie 
eingerichtet werden, wo fie ihre gefetzliche Kofi: 
unter obrigkeitlicher Aufficht gegen tarifmäfsige 
Zahlung erhalten. Dann bat fler Quattierwirth 
gar nichts mehr mit der Beköftigung zu thun ; es 
können keine Klagen mehr entftehen, dafs die 
^uartiergeber den Soldaten zu wenig geben, oder 
diefe jenen bedrücken« Auch ift keine Gefahr 
mehr, dafs der eine Soldat bey einem armen oder 
geitzigen Wirthe hungert, während der andere - 
bey einem reichen oder freygebigen im ÜeberfluCTe 
Cchwelgt» — - Seibit fOr die Logirung kann leicht 
gefoi^gt werden, ohne dafs die Privatleute davon 
Belältigung haben, fobaid nur die durclunarfchi- 
rende Truppenzabl nicht allzugrofe ift. Ift nur 

fttr 



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Von der Staatseinnahme. 449 

' — ' : : — ^ ^ 

für die Beköftigung geforgt; fo kann eine einiger* 

mäfsen ftarke Commune leicht für die Auffiahme 
von einigen hundert Mann iiiden Wirthshäufern, in 
öffentlichen Gebinden^ in Baracken, bey freymlli- 
gen Quartiergebern u. f. w* Aoftalt tretfen»-mid die 
QuartierbedOrfniffe dafelbft fOr die Entfcbfid}gungs- 
koften bereit halten. Wo GafernAn find, da laffen 
fich Fielleicht die dutchmarfchirenden Truppen am 
bequemften bey den cafernirenden Soldaten ein- 
•quartieren, und dieje werden fie. gegen einige Ent- 
fchädigung gern bey fich aufnehmen« •— Eben fo. 
könnte auch die WäCche der Soldaten, wo fie Ru- 
hetag halten , durcb^ aljgemeine Wftfchabftalten 
wohlfeiler und beffer beforgt werden, als es jetzt 
von den einzelnen Quartiergebern zu deren grofser 
Laft gefchieht. Vielleicht fände ich auth 
' 3) dafs es wohlfeiler ift im Sommer, nach 

der alten Weife nfit Zelten zu marfchiren und^ in 
Lagern Quartier zu halten, den Soldaten befon- 
dere Diäten zu bewilligen, dafOr zu forgen, dafs 
fie ihre Bedfirfniffe fflr baares Geld in dem Lager 
haben könnten. Am fparfamüen lebt der Soldat 
in der Regel Ton eignem Gelde. 

i. 552. 

ürttet' folchen Vorficbtigkeitsmaafsregeln wör- 
de die Nothwendi^keit der Naturalzwangseinguar- 
tierung höchft feiten eintreten. — Für diefe we- 
nigen Fälle mOfftc man dann frejMch befondere 

V. Jfihoi Stamtffinkntwijf. Ff 



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459 Erlies Buclu 

l^nricbtuogea treffen, um eioe folche Einquartie- 

niog oach richtigen Regeln zu ordnen* Denn um 

einen Marfch gehörig zu ordnen» dazu gehört: 

i^ dafs der Marfcbcommiffarius genau wiffe, 

wie viel Mannfchaft» Pferde u. f. w, er in den 

Etappenorten! unterbringen könne, damit er 

die Zahl der zugleich nrarfchSrenden Trup* 

pen darnach regulire, und berechne 9 wie er 

die* zugleich marfchirenden Truppen auf die 

benachbarten Orte fo vertheile , dafs keiner 

mit Mannfchaft allzufehr überhäuft werde; 

2) daff folche Vorbereitungen getroffen werden, 

dafa die Quartiere und die dazu nöthigen Be* 

darfniffe in Bereitfchaft gefunden werden. 

Insbefondere mufs Geh 

- 3^ die Einqnartierungscommiffion eine genaue 

Kenntnifs von dem bewohnbaren Räume ib* 

res Ortes verfcbaffen. Dadurch kann fie zur 

regelmäßigen Vertheilung ' der einzuquartje« 

renden Truppen am heften wirken« 

$. 553. 

Wer den bewohnbaren Raum ione hat, mufs 
ihn in folchen Fällen zur Einquartierung hergeben, 
er fey Hauseigenthamer oder Miether, denn er 
wird dafOr entfchädigt; und dafs er den Raum 
dazu hergeben mQffe, erfodert nach' der Voraus- 
fetzung die Notb^ Kurz, er hat aber den beyvoha^ 
baren Raum zu verfügen , und^das ift ein vollköm- 



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1 



Von^der Staatseinnahme. .451 

Dien hioreichencfer Gruad» dafs ihn der Stait in 
Notbfällen fodem könne; o^ er aus dem Rechte 
des Eigenthums oder der Miethe darüber flispo 
niren könne» ift zu diefem Behuf ffir den Staal^ 
gleichgQltig* 

Erläaterang. Gefeilt > •• wfirde gefunden , dafs der 
bewohnbare Kaum für Menfohen in einer Stadt 900,000 
Qtiadratfüfs betrüge, und die Stadt bfttte 20,000 Ein- 
wohner; fo ergäbe (ich, dalt auf jeden Einwohner im 
Durchfchnitt 100 Quadratfufs Raum kommen« Man 
m&fste nun berechnen , wie viel MannXchaft in diefeit 
Kaum noch neben die Ein wahner ohne grofte Unbe* 
quemlichkeit ein^artiert werden könnte» und diefe 
Zahl wäre »U das Simplum einer möglichen Bequar- 
tierung des Ortes anzufehen. Wir wollen feixen , dat 
RefulUt der Rechnung gäbe, daXi 2000 Mann anf 
einmahl bequem untergebracht werden könnten; fo 
fiele auf jede 1000 Quadratfufs bewohnbaren Rauma 
Ein Mann ; fo dals wer 4000 Quadratfufs inne hättOi 
Tier Mann , wer 1000 inne hätte. Einen Mann erhielte* 
Auf die geringern Zahlen fielen Bröche, fo dafs fie nur 
bcy.dem zweyten, dritten Turnus u. f* w. Einen Mann 
bekämen« 

$. 554. 
Nach diefer Theorie ift alfo die Frage, ob die 
Einquartierungsiaft eine Perfonal* oder eine Real« 
laft fey? als eine unnfltze Subtilität gänzlich zu 
verwerfen« Sie ift eine allgem^eine Laft, wel« 
che aber die'Oerter, wo die Truppen übernachten 
und auf keine andere Weife untergebracht werden 
Icönnen, einftweilen abemehmen mOffen, und 
hier mufs es jeder thun, wer entbehrlichen Wohn- 
raum hat} aber er erhält dafarvom Staate voll« 

.Ff n 



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45^. Elftes Buch. 



ftändige Entfchädigung» fo weit fie nur irgend 
möglich ift, «nach: dem marktgiilglgea Preife» 
welcher far dergleichen Befcbwerden und Koilea 
bezahlt wird, :' . \ 

Anm. Weitläufiger und insbefondere auf unfern Staat 
angewandt , «fitidet man diefe Materie abgehandelt iu 
meiner Schrift: Vor Ich läge «ur Terbefferung 
der Gefctzgebung über das Einquartie- 
rungswefen in den preufsifchen Staaten 
u* f. w. Halle ) bey Hemmerde u. SchwetTchke. 1019. 

. $. 555. 

Die Einquartierungslaft kommt feiten in den 
Finan'Zrechnungen vor, und wird weder als Aus- 
gabe noch Einnahme aufgeführt. Offenbar aber 
gehdrt es vor die Finanzwiffenfchaft, richtige 
Prinoipien darOber zu* entwickeln und zu erfor» 
fchen, wheviel den Quartierträgern von ihrem Ver* 
mögen abgenommen werde. Denn fie Oberneh* 
men dadurch in der^That eine Ausgabe, die 
dem Staätsganzen obliegt, und deshalb ift die 
L^hre davon hier ausfohrlich abgehandelt worden. 

$. 556. 

Auch von ihr erhält man erft eine richtige 
Vorftellung, wenn man d^s, was fie koftet, auf 
baaresOeld j-educirt; und fo möffen mdglichft alle 
Arten von Abgaben und Staatslaften auf Geld re- 
ducirt und in Oelde geleiftet werden, fqwohl lim 
fich deutliche Begriffe davon zu machen« dls vm 



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^ Von der Staatseirinahme, 453 

der andern in demi Vorhergehenden fattfam ange« 
deuteten Vortbeile willen. 

$. 557. 

Nach unfrer T|ieorie von der Einquartierung 
wird fie gar nicht als eine befondere Abgabe der 
Einzelnen mehr er(cheinen , fondern in den allge- 
meinen Geldabgaben flecken » welche jeder zu Be- 
fireltung der allgemeinen Staatsbedürfniffe zn ent* 
richten \rstX. Nur die Befriedigung des Bedürfnif* 
fes der Einquartierung felblt wird zuweilen den 
Einzelnen zur Lad fallen* Diefes aber ift nicht 
mehr Sache des^inanzwefens, fondern^ Sache de«* 
rer, welche dte BinquartieruDg far das von dem 
Staate dazu bewilligte Geld auszufahren haben. 

Anm, Die neuern Verordnungen, welche in dem preu- 
fsÜclien Staate über da»'Ehiquartierangswefen erfchie- 
nen find, deuten fnmtntliqli das ernftliche Beftrebep 
an, die Einquartierungslaft durch Ein tfchädigun gen zu 
erleicKtern , und wenigftens den grÖfstcn Theil davon 
in eina allgemeine Landetlaft tu Ter wandeln. Das 
Miethgeld für die Officiere bezahlt der Staat ?ollftäa* 
dig ; für die Gemeinen follen Cafemen auf des Staats 
' Kelten gebauet werden. Bis dabin wird Mietbgeld be- 
zahlt; ^ber freylich nicht genu^, um den Soldatati 
ihre Quartierbedürfuiile ganz dafür zu fchaffen^ Das 
Fehlende müfTen die Gemeinden der belegten Städte 
aufbringen : eine Maafsregel, die doch im Widerfpruch 
mit dem angenommenen richtigen Grundfatza ftehu 
▲her es läfst fich erwarten , dafs eine £o weife und g7 
rechte Regierung y als die unfrige il^, auch diefe Ab* 
weichung, fobald es die Umftäude erlauben,- iu die* 
rechte Ordnung bringen wirdt 



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454 Erlies Budu 



$• 558. 
Der Umftand , dafs alle Arten voi| Abgaben 
und Staatslaften auf Geld redupirt und in Geld et^ 
hoben werden » fahrt aber auf eine Betrachtung» 
die nicht Oberfehen werdep darf.- Da nämlich das 
Geld, welches durch die Abgaben erhoben wird, 
dazu dienen foU , um Dienfte und Producte dafür 
zu kaufen : fo mufs freylich die. Summe der Abga* 
ben jederzeit der Summe der Dienße und Pro* 
ducte» welche der Staat bedarf, gleich feyn} und 
wenn daher das VerhSltnifs des Geldes zu den 
Dienften und Producten , d. h. der Sachwerth des 
Geldes fich ändert, fo muffen auch die Geldquanta 
geändert werden, welche der btaat als Abgaben 
erhebt, , 

$• 559. 
Da nun der Geldwerth gegen Dienfte und 
Sachen fich von Zeit zu Zeit ändert; fo ift es auch 
nicht möglich, die Geldabgaben in unveränderlichen 
Summen zu beftimmen, fondern es ntufs dabey 
auf den Sachwerth des Geldes ROckficht genom« 
inen , uad die Geldabgaben nach dem veränderten 
Sachwerthe des Geldes bald erhöht, bald emie* 
drigt werden. 

$. 56o. 

Ob daher die Geldabgaben durch Veränderung 

ihrer Nominalfummen re^aliter erhöht oder ernie« 

drigt worden find, wird nur daraus erkannt wer« 

deUf wenn man unterfucbt, ob fdr diefelbe Geld* 



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Von der Staatsemnanme. 455 

fumme mehr oder weniger Sachen und Dienfte zu 
erkaufen, oder mehr oder weniger gleiche Bedarf« 
niffe beftritten werden können« 



II. 

V^n den Perf onall^euern 

oder 

den perlBnlichcn Abgabe a. 

f. S6u 

Unter perfönlichen Abgaben oder Steuern 
verßehen wir folche, welche nach perfonlichea 
Eigenfchaften geordnet find. Man hat fie bald 
blofs nach der Zahl der Köpfe» gleich für alle, regu- 
lirt. Diefes find die eigentlichen Kopffteuern; 
bald hatman fie nach Familien» Hang,* Stand, 
Warde, Alter, Gefchleoht, oder andern 
perfönlichen Eigenfchaften modificirt» bald nach 
andern zufälligen Beftimmungen, wie bey der 
Chriften-, Juden«, Hageftolzen*, Ca- 
ftraten-, Ketzer«, Bartfiöuer u. f. w. 

§. 562» 

Alle diefe Steuern beruhen in ihrer Anlage 
durchaus auf keinem wiffebfchaftlichen Finanz- 
princip, da i) die perfönlichen Eigenfchaften 
durchaus keine hinreichenden Kennzeichen eines 
beflimmten Vern^ögens oder Einkommens find, 
(welches doch das einzige richtige Maafs der Be« 



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456 Elftes Buch. 



fteuerung feyn kann,) uod alfo das Princip der 
Gleicbbeit oder des Ebenmaafses gCnzlicb fehlt; 
2) da diefe perfönlichen Eigeofchaften auch gar 
nicht den Grad anzeigen; in welchem den Perfo» 
nen, welche fie befitzen, die Staatsanftalt nützen» 
und wofür fie Vergtttung federn kann. Will man 
daher diefe Art der Abgaben beurtheilen, fo mufs 
man zufehen, in wieweit Ge der Zufall oder das 
allmählige Nachdenken den ächten Principien, 
wornacb die Abgaben zu ordnen find, mehr oder 
weniger nahegebracht hat. 

§. 563. 

Bey der Kopffteuer wird vorausgefetzt» 
dafs jeder Menfch ein gewiffes Einkoromen habe» 
uixi zu leben ; und dafs er dem Staate etwas abge- 
ben muffe, um den Schutz für feine Exiftenz zu 
bezahlen. Wenn nun die Kopffteuer in folchea' 
Schranken gehalten wird» dafs fie jeder von den 
z\x feinem Lebensunterhalt üblichen gemeinen Le*' 
bensmitteln fich abziehen kann, ohne dadurch in 
Noth zu^erathen; fo würde fie eine allgemeine di* 
recte Confumtions* oder Verzehrungs- 
fteuer, nur unter einem fchlecht gewählten Na* 
men, feyn. Aber auch a>^ folche wird fie doch 
keine Empfehlung verdienen. Denn i) muffen 
die Hausväter diefelbe für ihre Frauen und Kinder 
entrichten, und da diefer eine Aärkere, der An« 
dere eine fcbwächere,. der Dritte gar keine Familie 



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Von der Staatseinnahme. 457 

hat; fo erfcheint fie.aucb unter diefem Gefichts« 
puncte fils eine böchft ungleiche Abgabe. 1^) Die 
ärmften Claffen werden dadurch zu febr gedrückt, 
fobald (ie nur einigermaarsen bedeutend ift. Ware 
fie die einzige Steuer; fo würden die VVoblbaben- 
den auf Koften der Aermeren Über alle Gebühr be> 
gOnftigt. 3) Sie Würde, wenn fie hoch ift, auch bald 
ihre Natur Terä^dern, obgleich unter grofserNoth 
der k'ritiern GlafTen. Denn es würde dadurch die 
Anfchaffung der notbwendigen Lebensmittel für 
die ärmern Claffen fo erfchwert, dafs diefes bald 
auf die Verminderung der arbeitenden Claffe^citien 
grofsen Einflufs haben müfste. Dadurch aber 
würde das Arbeitslohn fieigen , und dann würden 
im Grunde die Reichen die Kopffleuer der Armen 
in dem hohem Arbeitslohne bezahlen muffen« 
Hierdurch aber wArde die Steuer ihre Natur ver* 
lieren, und aus einer directen Steuer für alle Köpfe 
in eine indirecte für ^ie Wohlhabenden verwandelt 
werden^ Aber auch als folche\ taugt fie nichts; 
theils weil diefe indirecte Einziehung gar nicht ia 
der Abficht der Steuer liegt, theils weil es immer 
ein fchlechtes Princip bleibt, wenn der Arme für 
den Reichen die Steuer, auslegen und fie von letz* 
term wieder einziehen foll, da der Reiche den 
Armen länger entbehren Icann, als diefer jenen, 
und daher häofige FfiUe vorkommen, wo der Rei- 
che den Armen um den Erfatz bringt. 



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45? Erlies Buch, 



Erläaterang. Was die Regictung en rchlecht gemaidit 
liabeoy das haben dieUnterthanen oft anter fidi, durch 
Erfahrnng nnd f efiinde Vernunft belehrt , Terbeilert« 
I In Rnliland t. B. ift feit alten Zeiten eine allgemeine 
' Kopffteaer auf die Bauern und auf die gemeine Bür- 
gerclafte gelegt , die Ton allen männlichen Seelen 
ohne Unterfchied erhoben wird. Die meiften Gemein- 
den aber Tertheilen die Summe , welche Ge nachi der 
Zahl ihrer männlichen Kopfe trifft, anter ihre Mit- 
glieder na<A dem Maalse des Vermögens oder Einkorn- 
»ens eines jeden, und Terwandeln die Kopffteuer dadurch 
in eine Vermögens - 'oder Einkommenfteuer, und die 
Regierung begünftigt eine folche Vertheilnng, indem 
.lle die Summe von den Gemeinden und nicht Ton dei|^ 
cinxelnen Indiriduen fodert. Indellen überlllst fie es 
degs Gutdünken der Gemeinden, wie fie die Summe. 
suXammenbringen wollen. Viele fodem daher amch 
▼on jedem Kopfe das Gleiche » und xwingen jeden xur 
' Zahlung^ fo weit fie können $ nur was nicht tu erpref* 
len ift, bringen fie dann ron den Reichem. lufammcit« 
Immer xeigt die Abgabe, djds fie in den Zeiten der 
Unwiftenheit und Finantbarbarey entl^mngen ift; denn 
»uch bey einer belTem Vertheilung der Summe , die 
jede Gemeinde trifft« unter ihre Glieder, kann doch 
nicht angenommen werden, dafi alle Gemeinden von 
gleicher Kopfzahl auch gleiches Vermögen haben« 
Man hat xwar auch in diefer Hinficht in RuJsland ei- 
nen Unterfchied gemacht, und fgdert von ärmeren 
GouTemements ein geringeres JCop^eld, als ron fol- 
eben, die man als wohlhabender Torausfetst; aber et 
bleibt doch die ganxe Auflage noch roh. Denn es kann' 
in einem armen GouTernement reichere und in dem 
reichen GouTemement ärmere geben , und warum f oll 
der Arme, w^ü «r in einem raichen Öonremement 
wohnt , ftärker beftenert werden , als der Reiclie, weil 
er in einem armen Gouvernement wohnt? — Wo 
die Kopffteuer hoch und gani gleich ift, und tou jedem 
ohne Unterfchied beygetrieben wird , wie die Ghriften- 
f^ener in der Türkey, da ift fie natürlich noch barbari- 
foher und drüokender. Indeifen^ helfen fich auch dort 



I 



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Von der Staat^eiimahme* 459, 



die Steuereinnehmer damit , da£f das, wai von den 
Armen nicht herausgepeinigt werdcin kann , die Rei- 
chen ergänzen müfTon« — Wie es auch fey, die Rc« 
f ierung geht hey der Kopffteuer immer gans blind tm 
^ Werke, £ohal(iIie die Steuerfumme blorsnach der Kopf- 
zahl gleich beftimmt und darnach einzuziehen 'gebie- 
tet. — * Ordnet man die Ropfiteuer als allgemeine \li« 
recte Confumtionslieuer auf die allgemeinüen Lebeni- 
nitt^ly s. B. Brot; fo nimmt Ee eine andere Natur an, 
und führt dann nur einen unrichtigen Namen.. Waa 
Yon einer lolchen zn halten « werften wir weiter unten 
lehen. Wo die Statiftik des Landet noch in der Kisd- 
heit ift, da ift es überhaupt Ich wer , ein richtigea 
Princip der Befteurung zu finden ; und wenn dann der 
Suat doch Geld nöthig hat» lo mufs er (ich an die be* 
kannteften Methoden halten, die dann aber auch oft 
Schlecht genug geratheil« Da man in Rulslaiid ein« 
.mahl gewohnt ift , die Hau|»tabga^# uaoh der |Copfzahr 
SU ordnen; fo wendete man fie im J« i^io auch auf die 
deutfchen Handwerker in St. Petersburg und Moskau 
an, fo daff jeder Meifter loo. Jeder Gefelle 4i> un4 
jeder Lehrburfche so R. jährlich geben , und die In- 
nungen die Summe davon nach dem Umfange der Ge- 
werbe Ti^rtheilen feilten. Dafs aber diefe Summet ohne 
richtige Kienntnifs des Vermögen i der Gewerbsgenof- 
. fen beftimmt waren^ zeigte 0ch bey der Ausführung 
fehr fchnell , fo dafs man die Steuer bald wieder auf- 
beben mnfste« wenn die Verwaltungen und Schäden 
nicht noch gröfser werden foUten , weiche die Art der 
Auflage fohon in den erften zwey Jahren angerichtet 
hatte. Pie vor kurzem aufgehobene Perfonenfteuer in 
den preufaifchen Staaten war zwar , dem Namen nach, 
eine perfönliche Steuer , ihr Maafi aber und ihre Ver- 
theilung deutete fattfam an , da£i fie eine Ergänzung 
der Abgabe auf die gemeinen Lebentmittel leyn foUte, 

. f 564- 
Die Standes - imd WOrdeDfteuer ift ebenfalls 
nach einem Princip geordnet , welches den Unter« 



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4^0 Erftes Buch. 



fchied des VermögeDs und Einkommens nur Itöchft 
unvollkommen andeutet. Die Vorausfetzung, wor- 
auf fie beruht) dafs nimlich ein jeder^ der zu einem 
gewjfTen Range oder Stande gehört, auch ein diefem 
Range oder Stände «ngenrefTenes Vermögen oder 
Einkommen befitzc, und dafs diefes bey gleichem 
Range oder Stande fo ziemlich gleich fey, ift ganz 
faifch. Diefe Steuer wird daher äMfserfi drückend 
fdr viele, fobald fie hoch ift. Man kann ihr das 
Drückende blofs dadurch benehn^en, dafs fie fo 
niedrig geftellt wird, dafs fie auch der Niedrigile 
des Standes, für welchen fie beßimmt ift 9 ohne 
Befchwerde bezahlen kann. Dann ift fie aber für 
den Reichern ^u leicht, und bleibt in jedem Fall6 
immer höchft ungleich. Sie ift eine nach einem 
fchlecfaften Prineip eingerichtete Einkommenftvuer. 

Anm. Glaffenfteueru !Gnd nur dann perCönliche 
Steuern, wenn iie nach Rang* oder StandesdafiTeB," 
oder fonft nach blofs per£onlichen Eigenfchaftea einge- 
richtet find > gehören ^b er zu den Rei^lfteuern , .wenn 
die ClaHen nach den Graden det Vermögens oder Ein- 
kommens abgetheilt «find. 

Erläuterung, Von letzterer Art fit die im Oellerrei- 
chifohen eingeführte GUdenfteuer« Die Perfonenfteuer 
im Königreiche Saohfen ift eine Rang(teuer und fSr 
▼ieli fehr drückend« Die neue Claffenfteaer inPreuTsen 
(1890} ift eine directe Conrumtionsftea^r« 

$. 565. 
Abgaben^ welche um gewifTer fpeciellen per- 
i^nlichen Eigenfchaften vviilen aufgelegt und dar« 
pach geordnet find, haben gar keinFinanzprincip^ 



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Von der Staatseinnahmeu 461 

nad find mehr als Strafen oder Polizey mittel anzu- 
flehen, um irgend einem vi^irklichen oder vermeint- 
lichen Schaden entgegenzuwirken. 

Erläuterung. Jiidenxoll — ChriilenAeuer -^ BarU 
münze Petert I»— Uuren^u^ji u. f. w. ' 



III. 
Von den Kealabgaben; 

Von den Abgaben ^ die naob dem eigentbQmliohen Beiitze 
odec Vermögen regulirt find. 

§. 566... 

Obgleich der Umftand, dafs jemand etwas 
eige^nt hamlich befitzt, oder Vermögen 
ha^) hinreichend zeigt, dafs er etwas geben kann ; 
fo deutet der blofse BeGtz doch nicht ^n: i)ob 
das, was er befil^zt, ihm jährlich etwas einbringe^ 
und wieviel? a) ob Dinge, wenn fie auch von glei* 
cljer Quantität und Qualität find, gleichviel ein* 
bringen ? — Der ßefitz oder das Vermögen allei» 
ift daher ein fchlechtes Princip für die Regulirung 
der Abgaben^ weil dabcy fiele Gefahr ift: i).die 
Gleichheit zu verletzen, indem der Eine fie von 
dem Einkommen feines Vermögens bezahlen kann, 
der Andere aber genötbigt ift, fie aus feinem 
Stammvermögen zu bezahlen, und daffelbe da* 
chirch zu verkleinem ; 2) gegen dieGrundfätze der 
Nationalökonomie zu fehlen, da man-dabey mobt* 



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461 Erftes Buch. 



weifs» ob nicht das Stammvermögen > das Capital 
und andere Erwerbsmittel dadurch vermindertt 
und alfo die Quellen des, National aeichtbyms ange- 
griffen werden, 

ETläuterang. Die in England eingeführte Vernio- 
gensfteuer (propertytax) hatte nur^ einen faifchen 
Namen; fie war eigen tliclf eine Einkommenftener (in- 
^omo tay). 

$. 567. 
Das Vermögen befteht in den eigenthamli- 
chen äufsern Gütern, welche ein Menfch befi^t. 
Diefe können in unbewegliche und beweg- 
liche eingetheilt werden. Daher bewegliches 
und unbewegliches Vermögen. 

$. 568. 
Zu dem unbeweglichen Vermögen wird ge» 
rechnet: 1) Ori^nd und Boden; 2) was darauf un- 
beweglich befeftigt ift, als Wobnhäuferund aller- 
ley Gebäude ; 3) was die Gefetze fonft den unbe* 
weglichen Dingen gleich gemacht haben. Die be* 
weglicben GQter find nebft dem Gelde dieProductc? 
des Bodens und der Kunft, fofern fie von einäm 
Orte zum andern gefchafft werden können. 

§. 569. 

Der Befitz von Grund und Boden wird nach 

dam Flächen- und Cubikmaafse beftimmt. Wollte 

man die Abgaben auf Grund und Boden nach die* 

fem Maafsftabe reguliren» und z. B. die Eigenthd- 



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Von der Stätaseinnahiüe. 46 j 



wu 



mer von Läodereyen blofs nach der Morgenzahl 
ihrer tragbaren Aecker, Wiefen oder Wälder» 
Bergwerkseigenthümer nach den Cubiklachtern 
ihrer Gänge, Hausbefitzer nach den Cubikfädea 
ihrer Gebäude u. f. w. beftimmen ; fo wflrde daraus 
nicht fichtbar werden: 1) ob die Abgabe aus dem 
Einkommen diefer Güter bezahlt werden könnte, 
oder^ob fie von dem Stamm und Werthe der(elbea 
entrichtet werden mOfste; 2) ob ein jedes, nach 
dem Maafse feiqer Production mit Abgaben belegt 
wäre, oder nicht. Es wQrden alfo einer folchea 
Auflage die Kennzeichen einer gerechten und 
zweckm&fsigen Auflage (,§. 461.) gänzlich fehlen, 
und wenn fie zufälliger Weife mit ihnen zufammen* 
fiimmte, fo läge diefes doch gar nicht in dem 
Frincip der Auflage, fonderii es gefchKbe blind- 
lings. Es ift auch unmöglich, dafs eine folcha 
Einftimmung durchgängig Statt finde, da der £r* 
trag der verfchiedenen Grundftücke von einerley 
Maafs fo fehr verfchieden ift. 

,i. 570. 

•♦1* , " j 

Grundabgabcn^c^ie blofs nach d^rMprg^zahl 
der tragbaren Felder, ohne ROckficht auf di^ Ver« 
fchieden^eit ihres Ertrags geordnet £ad, fipd Ab* 
gaben diefer Art. 

. Die Wirkung derfelben muEs folgi^nde feyn : 
. . ]) Können einige diefer GrundftQcke die Ab- 
gabe von ihrem reinen Ertrage jjicht bezah* 



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464 Erftes Buch. \ 

len , und bringen die .Qbrigen dennoch genug 
Prodocte fOr die Nachfrage zu den bisherigen 
Pfeifen hervor; fo wird der fie6tz jener 
Grundftacke gänzlich aufgegeben werden 
maffen, denn fie werden dadurch gänzlich, 
werthlos. ' Die Abg.dbe wird alfo das jEigen* 
tbutn folcher Grundbefitzer vernichten, und 
machen, dafs der Getreidebau darauf gänzlich 
aufhört; folgh'ch a) das Recht der Eigen- 
thOmer verletzen, alfo ungerecht feyn, und 
b) die Nation ^um das Produet diefes Grund- 
ftüpks 'bringen, folglich den Grundfäizen der 
NatiQnalökonomie widerfprechen. 
2) Bedarf die Nation der Producte dieferGrund- 
ftOcke zu eigner Confiimtion; fo wird entwe- 
der der Preis derfelben um den WertK der 
Abgabe fteigen, fo dafs "diefe GrundftOcke 
auch nach der Abgabe bebauet werden kön* 
nen, und in diefem Falle fällt nicht blofs die 
Abgabe folcher fchlechten ^ fondern auch aN 
1er übrigen, und aufsei^dem noch der gröfsere 
Profit der beffern GruirdftQcke, der aus dem 
erhöhctfcn Greife entfprtngt,' auf die Confu* 
menten. Denn wenn der <3^etreidepreisftfeifit, 
fo fteigt nicht Wofs der Preis desjenigfeh Ge* 
treides, das auf den Feldern derer wächft, weU 
che mit Abgäben fo belä^Rigt wurden , diafs fie 
zu dem alten Pr^ife keih Getreide meM bauen 
konntduV tondetn ^s Steigt zugleiöli*d er Preis 

des 



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Von der Staatseinnahme. 465 

■p— **^ ' ' ■ I ■' I i—i ■ ■ 11 ■ ■ 11 

des Getreideis aller flbrigeo Felder. Letztere 
aber gewinnen durch ein folches Steigen weit 
' mehr, als ihre Abgabe beträgt. Diefer Mehr» 
gewinn fällt anfängheb dem Pachter als Profit, 
. am Ende der Pachtzeit aber dem EigenthQmer 
des Feldes als Rente zu. Die Abgabe kofiet 
alfo den Confumenten fehr viel mehr, als fie 
der Staatscaffe einbringt, und ift der $. 463. 
gegebenen Regel zuwider. 

ErlSuternng. Man fetze ^ ein Morgen fchlec^en 
Landes gebe 4 Schelf el Roggen jährlich, und derfelhe 
könne nicht mehr bebauet werden , wenn ai^f jeden 
Morgen 12 Gr. als Grundabgabe gelegt wurden; fo 
mufs der Preis eines Scheffels um $ Gr. Zeigen, wenn 
diefem Morgen ferner feine 4 Scheffel abgewonnen 
werden feilen. Wenn nun ein hellerer Morgen Land 
12 Scheffel jährlich gieht, fo wird diefer wegen der 
gelUegenon Preife 1 Rthl« 13 Gr. mehr als bisher 
einbringen. Hiervon aber wird er nur la Gr. als Ab* 
gäbe be2ahlen ; 1 Rthl. wird in die Hand des Pach- 
ters tmd fpäter des EigenthQmers lallen. Die Confu* 
meiiten al^r werden das Ganze bezahlen mfilTen. 

Aber auch angenommen, dafs die Abgabe fo mafsig 
wäre , dafs alle Aecker ße von ihrem reinen Ertrage 
bezahlen könnten} fo würde allerdings um diefer 
Abgabe willen nicht weniger Getreide gebanet wer* 
den, alfo auch deffen Preis nicht Zeigen: aber immer 
wäre es doch eine Abgabe ohne alles Ebenmaafs , da 
fie von dem kleinen reinen Einkommen foylel bezöge, 
als von dem gröfsern ; fie wäre alfo dem Princip der 
Gleichheit entgegen (). 465.}. 

$• 571. 
Diefelben Grundlatze finden auch Anwendung 
auf diejenigen Abgaben, welche auf die übrigen 

V. Jakob Staatsfinanzw\ff, Gg 



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466 Erßes Buch. 

,^ ' ■ " *' ■" ' ' ' \ 

Arten der Grundftacke blofs nach dem Maafse ih- 
rer Oröfse aufgelegt fiod , wo nicht etwa der reine 
Ertrag fich nach diefer GröCse richtet. Letzteres, 
findet einigermafsen bey Häufern oder RlTumeot 
welche vermiethet werden. Statt, jedoch nur in 
höchft unvollkommnem Grade, da fehr viel auf 
die Lage und fonftige Befchaffenbeit der vermieth- 
baren Räume 'ankommt; mehr noch bey Schiffen» 
die man ebenfalls künfilicher Weife zu den linmo- 
bilien rechnet, und deren reiner Ertrag fich noch 
mehr als bey Häufern nach ihrem Cnbikinhalt rieh* 
tet, jedoch wieder aus andern Gründen noch mehr 
tla bey Uaufern ab- und zunimmt. 

$. 572. 

Es folgt alfo aus diefen Betracdtungen, dab 
eine Vertheilung der Abgaben, nach dem blofseo 
Maafse des Befitzes und der GrdCse unbeweglicher 
Güter, auf gar keinem yemanftigenPrincipberuht» 
da diefer Befitz und die GröCse durchaus nicht an* 
deutet, ob ein^folches Gut überall etwas, und 
wieviel es eintrage. 

$. 573. 

Daffelbe Urtbeil gilt von den Auflagen auf 
den Befitz beweglicher Güter, die blofs n^ch derea 
Gröfse oder Umfang abgemeffen werden. Denn 
dabey findet keine Berückfichtigung der Umftinde 
Sutt: 1) ob der Befitzer die Producte zur eignea 
Confumlion , oder zum Verkauf, oder zur Herror« 



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Von der Staatseinnahme. 467 

bringung beftimmt habe; 2) ob die Hervorbrin« 
gung der GOter, welche fein Vermögen ausmachen. 
Ihm Tiel oder wenig gekoftet; ob er, um die Ab- 
gabe zu bezahlen, das Capital angreifen mafTe, 
oder fie von den Producten des Capitals bezahlen 
könne, n. f. w* 

i. 574. 

Abgaben diefer Art find 1) alle Mobiliarver- 
mögetisfteuern, die nach dem blofsen Umfange des 
Befitzes beweglicher Dinge gemeffen werden, ohne 
RflckGcfat, ob derfelbe aus unfruchtbaren Beftand« 
theilen beftehe, oder nicht, ob er^^^apital oder 
Einkommen, Stamm vermögen oder Ertrag fey u.f.w.; 
2) alle Steuern, die bey dem Uebergange der Ca* 
pitale aus einer Hand in die andere wegen Kauf 
und Verkauf von Immobilien, bey Erbfchaften u.f.w« 
erhoben werden« Denn auch hier nimnvt der 
Staat blofs, weil er bewegliches Vermögen (Capi- 
tal) wahrnimmt, und mifst die Abgabe davon blofs 
nach der Gröfse des abergenenden Capitals ab. 
Bey folcher Art der Befteurung kann er nie wif- 
fen, ob er dadurch das Capital und Stammvermö- 
gen vermindere; ja fein Princip gebt auf Vermin- 
derung deffelben, und wenn das, was die Einen 
vom Capital bezahlen, durch Andere aus ihrem 
Einkommen wieder gefammelt oder erfetzt wird, 
und fo das Natlonalcapital im Ganzen nicht ab- 
nimmt: fo ift diefes doch blofs Zufall und keine 
Folge der Anordnung des Staats. Es ift alfo diefe 

Og a 



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• 

468 Elftes Buch. 



ikrt Her Auflage i) der Nationalökonomie und 
9) der Gerechtigkeit zuwider, da fie einige nö* 
thigt, ihr Capital anzugreifen, wibreod ander« 
das, was gefodert wird, aus ihren Einkünften be» 
zahlen können , oder gar nichts bezahlen. 

Erläuterung. Ift t. B. ein Verrnftchtnirt von 10000 Rthl. 
xiit 1000 Rthl. Abgabe belegt; To betrachtet der Erbe 
et £0 , als ob er nur 9000 Rthl. geerbt hätte , und daa 
Landescapital ift offenbar vermindert. Denn der Staat 
wendet die 1000 Rthl. , welche ^ als Abgabe erhält| 
nicht als Capital an, fondem beftimmt Jie xur Ausgabe« 
Man £etze aber , man hätte von' dem Erben a Procent 
von ;den Zinfen des ererbten Capitals jährlich gefodert; 
fo iwürde er wahcfcheinlich diefe von dem- Gewinnfte 
leinet geerbten Capitals bezahlt haben, und der Staat 
hätte 200 Rthl. jährlich fo lange gesogen, alt diefet 
Capital] dauerte , und dabey hätte dat Land noch all» 
die Producte gewonnen und alle die Perfonen' ernährt, 
welche mit 1000 Rthl. Capiul erzeugt und ernährt 
werden können, — Die Auflage auf firbfchaften hat 
nichts für Cch, als daft lie der, welcher ßo bezahlt, 
nämlich der Erbe , ohne Unbequemlichkeit bezahlt 
wenn er nicht fchon wegen feiner Subiiften« auf die 
Erbfehaft angewiefen ift (wie Frauen und Kinder), 
aber wegen det EinflufTes auf die Verminderung des 
r^ationalcapitalt bleibt es immer eine fehlechte Au5-> 
läge. Die, welche auf den Uebergang der Capitale 
beym Verkauf oder Verleihen gelegt ßnd, haben die- 
felbe fchlechte Eigenfchaft ; aber fie haben noch da« 
Ueble, dafs fie meiftcnt gerade auf folche Berfonen 
fallen , , welche eher der Unterftützung det Staatt be« 
dürfen , alt daft Re einer Bedrückung unterworfen 
werden. Denn beym Verkauf fällt die Abgabe in der' 
Regel auf den Verkäufer , und beym Verleihen auf den 
Borger, alfo gerade auf die, welche fchqn in Notb 
find , weil fie fonft weder verkaufen noch borgen wür- 
den. Denn die Fälle, daft jemand, nm tu gewijuitiu 



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Von der Staatseinnahme* '469 



Immobilien verkauft oder Capitale borgt, find viel Tel- 
tener, als die, wo es jemand ans Noth thut. Und 
wenn anch der erfte Fall öfters vorkommt; fo kann 
der Staat doch diefet nicht wilTen , nnd macht, in dar 
Beftenrnng der FdUe keinen Unterfchied. Hierzukommt» 
dals diele Art von Auflage noch verhindert» dafs die 
Grundftticke fo leicht in folche Hände übergehen kön- 
nen, welche ihnen die meiften Producte abgewinnen 
fvArdan» und dafs fich überhaupt die Capitale auf« 
vortheilhaftefte vertheilen. Sie find endlich im höck- 
ftea Grade ungleich , da das eine Grunddtick wohl in 
hundert Jahren nicht , und ein anderes in kurzer Zeit 
fo oft verkauft werden kann , dafs der Kauffchofs den , 
ganzen Werth des Grund^Üoks in Js— >io Jahren ver- 
ftahrt. — Sie find alfo von mehrern Seiten einer rich- 
tigen Finanzpolitik entgegen -«- werden aber doch 
heybehvlten » weil Be fich leicht erheben laHen , und 
man tu bequem oder zu unwiiTend iß» Re durch heilere 
^aaem »u eiXetzen« Man hat leider fogar B^yfpiele, 
dafs Be wieder eingeführt worden find, wo eine beHera 
Politik fie abgefchafft ha^e, 

f 575* 
Die Steuern auf GruDd und Boden , welche 
in allen Ländern anter verfchiedenen Namen exifli<> 
ren, find zvrar allerdings mit RQckGcbt auf das 
reine Einkommen ihrer Befitzer aus demfelben an* 
gelegt ; indeffen hat man i ) bey deren erfter An* 
Ordnung faft nie beftimmte und richtige Begriffe ' 
von diefem reinen Einkommen gehabt, und 2) bat 
fich das reine Einkommen der Orundftacke im 
Laufe der Zeit oft fo verjfodert, dafs felbft Steuern» 
die urfpranglich wohl nach einem richtigen Prin* 
cip angelegt feyn mochten, mit der Zeit unpaffend 
geworden find. 



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470 Erlies Buch. 



$. 576. 
In erfterer HinGcht ift das reine Einkommen, 
das jemand aus Grund und Boden zieht, oft mil 
dem reinen Ertrage deffeiben Oberhaupt verwech-- 
feit wordca. — Der reine Ertrag des Grun- 
des und Bodens beftebt nimlich in alle dem , was 
derfelbe Obrjg läfst» nachdem von deffen rohem 
oder Totalertrage abgezoj^n ift 1) der notb- 
wendige Unterhalt der nöthigen Arbeiter ; 2) der 
Dothwendige Unterhalt des Wirthfchaftsdiri- 
genten 9 wo ein folcher vonnötben ; 3) der Erfata 
' der zur Wirthfchaft nöthigen Auslagen und Vor« 
fchoffe^ 4) die Zinfen des in diefen Auslagen und 
Vorfcbftffen nötbl4;en Capitali. Den nach diefen 
Abzügen flbrig bleibenden reinen Ertrag erhält 
nicht der GrundeigenthQmer allein, fondern er 
vertheilt fich unter die verfchiedenen Theilnehmer 
der Froduction nach Verhähniffen, welche ^durch 
vielerley Umftände beftimmt werden. Einen klei« 
nen oder gröfsern Tbeil aber erhalten gewöhnlich 
alle, nämlich i) die Arbeiter, fobald ihr Loha 
mehr beträgt, als zu Erhaltung ihi;er Claffe noth- 
wendig ift; 2) der Wirthfchaftsführer oder Pach« 
ter, fobald fein Lohn und fein Profit gröfser Ift^ 
als die Nothwendigkeit ihn zu erhalten und dia 
Zinfen zu bezahlen verftatten ; 43 d^>* Capitalift dia 
Zinfen f&r das zur Führung der Wirthfchaft nötbiga 
Capital; 5) der Grundherr dafflr, dafs er fela 
Eigentbum zur Benutzung hergiebt. 



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' Von der Staatsemnabme« 471 

I I « I I ■ i m 1 II 

Erläuterung. W« di« arbeitende ClalTe« aus Sulaven 
oder Leibeignen befleht , da kann ihr am leichteftea 
der Anthcil an dem reinen Ertrage entzogen werden; 
Wo fie frey ift> da hängt der Anthoil, den fie ai^ dem 
reinen Ertrage nehmen folly von der Concurrenz der 
Nachfrage nach Arbeit ab. Wo et viel Stoff sur Land* 
arbeit and wenig arbeitende Hände giebt, da arhaltaii 
die Arbeiter leicht den 'gröftten Theil dei reinen^ Bo* 
denertragSy wie s. B. in Nordamerica ; aber auch der 
l/Virthfchufisfübrer und der Capitalift haben ei bey 
folchen Umljfcänden in ihrer Oewalt» Geh einen bedeu- 
tenden Antheil davon tuiueignen ; der Grundhin aber 

, erhält unter lolf^hen Umftänden oft weniger mehr, alt 
ihm fein Boden ohne alle Arbeit eintragen würde.. Je 
mehr aber die Zahl der Arbeitfuchenden und der An^ 
bieter von Capitalen wächft, einen defto geringem 
Theil erhalten Ge von dem reinen Ertrage , und defto 
mehr wftchft derjenige, den der Grundherr erhält/ 
VW man alXo den reinen Ertrag des Bodena belegen ; 
fo ift tuarft vor allen Ding^ xn erforfchen , wer ihn 
beiiehty und in welcher Proportion ihn jederiTheilneh- 
ner an derProduotion besieht. -— N^ch den hierduroh 
entdekten Verhältniffen der Vertheilung des reinen 
ETtragf wird die Abgabe unter die Theilnehmer tu 
▼evtheilatf feyn.— Gewöhnlich aber nennt mauGrund- 
ftauer nur die, welche dem Eigenthümer det Grund 
und Bodens aufgelegt wird; und dann kann lie lieh nur 
nach, dem reiuen Einkommen richten, das er als fol- 
cher davon sieht. In vielen Ländern zieht der Bauer 
aU Eigen tbOiner faft gar kein reines Einkommen, we-» 
nigftens kein fo grolsen, dafs er die ihm aufgelegte 
Grunditeuer davon bezahlen könnte. Indeüen bezieht 
er einen Theil von dem reiuen Ertrage feinea Grund« 
ftOcki a]f Landwirth » und davon befreitet er die 
Grundabgabe. FQr ihn iß daher die Steuer eigentlich 
keine Landeigenthumsfteuer, fondem eine Gewerb« 
Iteuer. Der Mangel ricjifciger Begriffe von dem, was, 
man eigentlich für eine Steuer hat auflegen wolleui 
hat daher, grofse Dunkelheit und Verwirrung in das 
Steuerwefeu gebracht, und erhält fie fortdauernd datiu. 



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47^ Erftes Bach« 



§. 577- ^ 
Wo aber auch ttrfprOnglich* die Gnindfteuer, 
es fey wegen richtiger Schätzung oder durch Zufall, 
in richtigem Verhaltnifte mit dem reinen Einkorn* 
men'des Grundherrn fieht, da kann fich doch 
diefes Verhältnifs durch mehrere Urfachen mit 
der Zeit verändern, nämlich : 

i) Wenn der Grundherr durch Anwendung Ton 
' Capitalen feinen GrundftQcken einen gröfsern 
Grad von Fruchtbarkeit verfchafft; (b ver« 
mehrt fich der reine Ertrag deffeiben , und es 
fällt ihm ein anfehnlicher Theil davon ztu 
Aendem nun die übrigen ihre BeCchaffenheit 
nicht, fo verliert die Abgabe diefer verfchie* 
denen Orundberren offenbar ihre Proportion* 

2) Wenn das Arbeitslohn , die Zinfen, der Un* 
ternehmergewinn fleigen oder fallen, und im 
Uebrigen das Grundfiack feine vorige Befchaf- 
fenheit behllt; fo verliert der Grundherr im 
erften^ und gewinnt im letztern Falle einen 
Theil von dem reinen Ertrage feiner Grund* 
ftOcke, erhält alfo ein kleineres oder gröfse« 
res reines Einkommen daraus. Werden nun 
dergleichen Veränderungen nicht beachtet; 
fo verliert die Grundfteuer gleichfalls . ihre 
Proportion, welche Ge fonft gegen das Grund« 
eiokommen des Eigenthflmers hatte/ 



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Von der Staatseinnahmen 47 § 

f 678. 
So lange daher die Grundfteuer nach fo ua* 
richtigen und fcbwankenden Begriffen aufgelegt 
und vertheilt wird, ift fie nicht vielbefTer ah eind 
folche, die man blofs nach dem Fiichenraume auf^ 
legt. Denn' bey letzterer wird allerdings anch 
rorausgefetzt, daCs fie aus dem Ertrage des Bodens 
bezahlt wecden könne. Es wird gewöhfanlich das 
Minimum des Ertrags dabey angenommen, und 
wenn die Abgabe fo gering ift, dafs far alle Eigen- 
thflmer, nach Entrichtung der Abgabe, etwas von 
dem Ertrage übrig bleibt ; fo wird fie wenigftenS 
den Anbau der LXndereyen nicht hindern, ob fi# 
gleich das Einkommen Eocbft ungleich befteuert. 

$. 579. 

Licht und Ordnung kann in die Abgaben nur 
gebracht werden, wenn man fie nach dem Eki* 
kommen ordnet. 



Ton den Abgaben, die nach dem rolien oder gtnuTclMe« 
Einkommen geordnet und, 

$. 58o. 

Wenn di^ Abgaben nach dem rohen oder 

gemifohten Einkommen geordnet oder darauf 

gelegt find; fo kann man niemahls wiffen, ob fie 

aus dem Stamm vermögen, oder aus dem rei^ 

nen Einkommen ($.49».) •^^2***^^ ^•'^^^'^* ^^"" 



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474 ErAes Buch. 



das Stammvermdgeo erfoheint in der Form des 
Gapitals gröfsteutbeiJs als Eiokömmeo. Da nun 
aus dem rohen oder Totalelnkomra^n Überhaupt 
nicht klar ift^ wieviel davon zur Erfetzung des 
Capitais und iur Erhaltung der Quellen des Ein* 
Icbmmens gehört ; fo kann man auch nicht wiffen, 
ob die Auflage, die nach dem rohen ELinHpmmen 
geordnet ift* äussern Stammvermögen» oder aus 
dem reinen Einkommen bezahlt wird. Da es nun 
ein Hauptprinclp ift, dafs alle Abgaben fo belchaf* 
'fen feyn feilen, dafs Ge das StammTermögen, in 
welchem die Urfachen der wiederholten Erzeu* 
gung des Einkommens enthalten find, nicht anta- 
fien ($. 5 10.); fo ift die Anordnung der Abgaben 
nach dem rohen Einkommen verwerflich. Sie 
ift blind angelegt, und kann bald vom reinen Ein* 
kommen bezahlt werden» bald das Stammrermö« 
gea angreifen« 

$•581« 

Die bekanntefte und <ltefte Auflage diefer 
Art ift der Zelrend, der in einer Abgabe eines 
beftimmten (gewöhnlich des zehnten) Theils des 
rohen Products, der Ländereyen, der Bergwerke* 
Fifcbereyen n. f. w. beftebt. 
i. 582. 

Was derZehend als Natnralaoflage fOr Fehler 
habe, ift fchon oben ($. 53 1 fg.) gezeigt. Hier 
wollen* wir ihn insbeCopdere als Auflage alif das 
rohe odeV gemifchte Einkommen betrachten. 



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/ . 



Von der Staatscinnfthme. 47 j 

§. 583. 
Dabey ift nur zu bemerken : 
3) dafs er eine bdchft ungleiche Abgabe fejm 
Denn ob fie gleich von allen einen gleichen 
Antheil der rohen Producte oder des rohen 
Eiilkommens aus dem Grund und Baden 
nimmt» und deshalb gleich zu feyn fcbeiot;. 
So ift ^6e doch, verglichen pit dem reinen 
Einkommen y höchft ungleich^ Denn um 
diefelbe Quantität Producte auf fchlechtem 
Boden hervorzubringen » koftet viel mehr, 
als fie auf gutem hervorzubringen, und es 
fieckt daher in dem gemifchten.£inkommea 
aus gutem Boden ein viel grdfserer Theil rei- 
nen Einkommens, als in dem gleichen ge« 
milchten Einkommen aus fchlechtem Boden. 
Wenn dahet* der Zehend des Ackers ^ ^ 
des reinen Einkommens deffelben ift, fokann , 
er von B ^ , von C-/^ u. f. w. betragen* Da 
nun der vi^ahrf» Maafsftab der Proportion der 
' Abgabe allein das reine Einkommen ift; fo 
mub der 2ehend eine höchft ungleiche Ab« 
gabefQr alle GrundftOcke feyn, die mit xm<* 
gleichen Koften gleiche Quantitäten von Pro* 
ducten hervorbringen. Ob der Grundherr 
oder der Pachter den Zehend bezahle, ift in 
Anfehung der Wirkung aof den Ertrag tind 
der Ungleichheit einerley. In Eoglai|d he« 
zahlt der Pachter den Zehend« {fat(lrlich 



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47^ ErÄcs BucK 



rechnet ihn * diefer zu den Kofien der Pro* 
dnction , and zieht ihn alfo vom Pacbtgelda 
(der Rente) ab. Es bezahlt alfo immer der 
Grundeigentfaümer den Zehend zuletzt, und 
die Ungleichheit in Aofehnng des reinen &• 
trags bleibt diefelbe, es mag ihn diefer oder 
jener Theiloehmer der Production bezahlen. 
Hieraus folgt aber 
2) dafs er die Production und die VenroUkomm« 
nung des Ackerbaues» fo wie aller Gewerbe 
Terhindert, welche die Förderung oder Ver- 
mehrung der rohen Producte zum Zweckt 
haben und dem Zehend unterworfen find. 

Ift der Zehend eine allgemeine Auflage; 
fo wird er machen , a) ^lafs alle diejenigen 
GrundftQcke unangebauet liegen bleiben, die 
nicht ^in fo grofses Prodnct yerfprechen, dafs 
der Zehend von dem reinen Ertrage deffelben 
bezahlt, werden kaon; b) dafs felbft viele ^ 
derjenigen ohne Cultur bleiben , deren Pro* 
duct erft nach kOrzerer oder längerer Zeit die 
Erftattungdes während diefer Zeit vdrgefchof* 
fenen Zehenden wabrfcheinlich machen. 

Wenn aber auch der Zehend fich nur auf 
einige Gnindftacke, und zwar auf folche, 
die fcbon cultivirt find, erftreckt; fo wird 
er doch die Vervollkommnung ihrer Cultur 
bindern. Denn .eine vollkommnere Cultur 
erfodert mehr Auslagen oder Koften* Da 



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Von dpr Staatseümalmie. 477 

finoi diefe ({Soften wieder durch die Producte 
fingezogeo werden mOffeo; fo mufs fich notb* 
wendig der rohe Ertrag dadurch vermehren« 
Je Qfiehr aber auf ein GrundftOck Koften ver- 
wanck werden, und je mehr dadurch der rohe 
Ertrag zunimmt, defto kleiner wir^ das Ver- 
bältqifs des reinen Ertrags zu fiem gemifch* 
ten. Da nun der Zebend von dem gemifchten 
Ertrage abgegeben werden mufs; fo nimmt 
er einen um fo gröfsern.Tbeil von dem weg, 
was .ZU19 Erfatz der Koften beftimmt ift, und 
es bleibt wenig oder niebts für den reinen 
Ertrag der neu angewandten Capitale Obrig. 
Folglich, wird keine Vervollkommnung der 
Cultur unternommen weirden, wo derZehend 
den Profit davon zu verfchliugen droht. Alfo 
ift der Zehend eine far die Vervollkommnung 
und Ausdehnung der Cultur höchft nachtbei* 
lige und deshalb verwerfliche Auflage. 
3) dafs er das Getreide vertbeuert, und dadurch 
die ganze Abgabe auf die Confumenten wälzt« 
Denn reicht das Getreide, wdches auf fol- 
eben Feldern gebauet wird, welche den Ze- 
hend von dem reinen Einkommen des Grund- 
herrn bezahlen können, nicht mehr hin; fo 
roOfTen diejenigen Fluren in Cultur gefetzt 
werden, deren Anbau bisher unterblieb, weil 
fie den Zebenden nicht erfchwingen konn- 
ten. — * Es kann abet der Anbau diefer Fei- 



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47« ErlleS Buch/ 

^ I II III in I ■■■II I I IB—l^—i^*— ^>i^ 

cUr aicht anders gefcbehen ) als wenn der 
Preis ihrer Producenten Co hoch fteigt» daEs 
von dem Werthe der nach Abzug des Zehen^ 
, den flbrigen Frflobte alle Culturkoften und 
Döthige Profite bezahlt werden können« Da 
nun das bisher erzeugte Getreide nach nnferer 
Vorausfetzung nicht mehr zureicht, die Con* 
fumtion zu beftrejten ; fo wird der Preis des 
Getreides fo hoch fteigen , dafs er zur Cultur 
folcher Felder aufmuntert« -— Da aber diefe 
Steigerung des Preifes (ich auf alles Getreide 
im Lande erftreckt; lo werden die Confu« 
menten nicht nur den Zehenden der neu cuN 
tivirten Ländereyen, fondern auch die ganze 
Summe bezahlen mUffen, welche die Erhöhung 
des Preifes des gefammten Getreides ausmacht, 
. . das fie verzehren. Diefe Summe wird in die 
Tafchen, anfangs der Pächter und zuletzt der 
Orundherren fliefsen. -^ Um alfo zu bewir- 
ken, dafs der, welcher den Zehend einnimmt, 
etwa zehntaufend Thaler mehr empfängt, 
werden die Confumenten vielleicht Millionen 
mehr bezahlen mClffen. Der Zehend nimmt al* 
foauoh die Abgabe ganz andern ab, als folchen, 
von denen fie zunächft gefedert wird, und 
nimmt ihnen unendlich mehr ab, als fie dem 
Empfänger einbringt* Sie ift alfo auch dem 
dritten Princip , welches die Nationalökono- 
mie fflr die Abgaben giebt ($*452.)> entgegen. 



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Von der Staatseinnahme. 479 

4) Können benachbarte Länder wohlfeileres Ge- 
treide in9 Land fchaffen, als was im Lande 
gebanet werden konnte, und deffen Anbau 
der Zehend verhindert} fo wirkt derZehend 
auch nachtheilig für die Orundbeßtzer , weil 
er fie bindert, ihre Länderey«n zu cultiviren, 
und dadurch ihr reines Einkommen zu ver* 
grdCsern. 

5) Wenn die Culturkoften , Arbeitslohn , Pro6t 
und Zinfen fieigen , ohne dafs die Production 

' in gleichem Maafse zunifnmt; fo wird das 

' Einkommen des Grundherrn Termin dert, und 

wenn dann diefer den Zehend bezahlen foll* 

fo wird derfelbe einen viel gröfsern Theil fei* 

nes reinen Einkommens ausmachen, als bis* 

her, folglich immer druckender ffir ihn 

werden. 

Aus dlefen Betrachtungen wird klar feyn, dafs 

der Zehend auch nicht eine .einzige Eigenfchaft 

einer guten Auflage habe. 

$. 584. 

Wo der Zehend wirklich bezahlt wird, da 
kann man annelunen , dafs der reine Ertrag grofs 
genug iit, um ihn zu beilreiten. Aber man kann 
nicht wiffen, c^ nicht viele Felder ohne Cultur 
oder in minder voUkoromneirCultur, um desZehen* 
den willen, Uegen bleiben« Wenn daher gewifi ifh 
dafs der Zehend, fo lange er feine eigne Natuif 



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48Q Erfte^ Buch« 



behält I der Nation unendlich (chadeti <^hae den 
Zehendeignern grofsen Vortheil zu bringen; fo 
bat der Staat die Verpflichtung, diefe Art von 
Abgabe allenthalben V wo fie noch Statt findet» 
9uch bey Privatverhältniffen zu «vernichten* Um 
aber auf der einen Seite die Rechte derer» welche 
darauf Anfpruch habed, nicht zu verletzen » auf 
der andern Seite aber auch kein offenbar fqhädli* 
ches Inftitut befteheq zu laffen, mufs 

i) der Zehend als ein beftimmter Theil des bis* 
lierigen reinen Ertrags angenommen und^nach 
dem Durchfchoitt mehrerer vergangenen Jahre 
ausgemittelt , und .V 
. 0) diefer Mittelertrag als eine fixe»' an dem ze« 
hendbaren GrundflQck h^ften^Je jährliche Ab- 
gabe zwar in den Frachten des Grundflficks, 
jedoch nach einem Mittelpreife im Gelde, 
\ nach der oben ($. 202.) angegebenen Methode 

beftimmt werden. 

3) Neue noch unangebauete» mit der Zehend- 

verpflichtung belaftete Grundftücke können 

nicht eher bezehddet werden, als nach einer 

, heftimmten Reihe von Jahren, in welchen fie 

cultrvirt find und ihr reiner Ertrag ausgemit* 

. telt ift 

Auf diefe Weife wird der Zehend ein beftimmter 
Theil des reinen Einkommens von Grund unit 
Boden feyn, und der Staat wird wohl thun, diefes 
Recht, wo er es hat, zu behalten» wenn es. in 

eine 



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Von der Staatseinnahme« 481 

.eine fo beftimmte OrdDUOg gebracht ift> weil er 
eine Art von Grundvermögen fflr ihn ausmachtt 
aus welchem er, ohne fremdes Vermögen zu be-* 
röhren» Einkommen zieht, und flesbalb um fp 
viel weniger an Abgaben ans Privatvermögen zu 
erheben braucht, 

$. 585. 
Eine allgemeine Productenauflage» wie fie 
der Hr. Graf Soden in feiner Nationalökonomie 
und^FinanzwifTenfchaft vorfchlägt^ wflrde in deir 
That nichts anders, als eine allgemeine Auflage 
auf den rohen Ertrag oder das rohe Einkommen 
feyn , und fich von dem Zehend nur dadurch un- 
terfcheiden : j ) dafs fie durch den Preis eines jeden 
Productes in Oelde beftimmt werden foll ; 2) dafs 
fie fich auf die Producte aller Art bezieht; 3) dafs 
fie von den verfchiedenen Gattungen der Producte 
verschiedene proportionale Theile ihres Preifes 
erhebt. 1 

Meine Bedenken dagegen find folgende : 

1. Der Profit, welchen verfchredene Produ« 
centen an Producten eioerley Art und von einer- 
ley Preifen haben, ift fehr verfchieden. Nun wQrde 
aber die Pröductenkuflage doch immer nur nacK 
den Preifen beftimmt, dagegen von diefem Profite 
bezahlt werden mflffen; folglich wQrde fie das 
reine Einkommen der verfchiedenen Producentei^ 
einer und derfelben Art von Sachen ungleich tref- 
ft« Jakob Stmattßnantwijf» H h 



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48a Er&es BucIl 

feö. Wollte man von dem rohen Producte das^ 
was zur- neuen Producdon gebraucht wird« in Ab* 
zng bringen: wie viel UmiUEnde wQrde das roa* 
eben ! Und wlb, wenn er nun das Ganze verkauft» 
und fich andere Saamen» andere Fruchtartea zu 
Saamen kauft? u. f. w. Wie will man diefes un« 
terCcbejdeuy und warum foll nicht der viel eiofa- 
cbere Weg gewählt werden , geradezu auf Erfor- 
Icbung des reineh Einkommens eines jeden ioszu* 
geben ? * ^ 

Man fetze z« B., zwey Aecker haben 'jeder 

i5 Centner Weitzen hervorgebracht, und der Preis 

des Centner Weitzen fey 5 RtbL — - das rohe Pro* 

dttct eines jeden ift alfo 75RthL werth — der ein« 

Acker A erfodest,5o Rtbl., der andere 6o> um 

ihm i5 Ctr« abzugewinnen. Nun fey dieProducten* 

abgäbe 8 Grofchen vom Ctr.» fo würde jeder die» 

fer Aecker 5 RtbL Productenfteuer zu bezahlen 

haben« Diefe aber würde Tar den einen Acker den 

fünften, für den andern aber den dritten Theil fei* 

nes reinen Ertrages ausmachen«—- Es würden alfo 

die Productenfteuer alle Mängel treffen , die wir 

oben beymZehend namhaft gemacht haben. Denn 

was yon den Ackerproducten gefagt ift, gilt von 

allen Productenarten mehr oder wenigen Mag 

immer jene Productenfteuer fo mäfsig eingerichtet 

werden , da£s fie allenthalben einen reinen Gewinn 

übrig läfst, (ob es gleich (bhwer feyn dürfte, die* 

fes in allen Fällen zu treffen, da kein Calcul.^ef^ 



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Von der Stäatseinnahme; 48} 



,Art angelegt werden foU); fo wird er doch nie* 
mahls in gleicher Proportion getroffen werden. 
Folglich wird die Productenfteuer die Eigenthümer 
der Producte immer ungleich treffen. 

a. Aber wie mQhfam wird die Erhebung für 
den Staat, und wie läftig würde fie für die-Ün- 
terthanen feyö. Dafs die Steuer unter Einem 
Namen und nach Einem Princip. aufgelegt und er- 
hoben wird, das giebt^ ihr keine Erleichterung, 
wenn fie doch von vielen Gegenftänden er- 
hoben wird. Nach der Sodenfchen Idee foll die 
Productenfteuer von allen und jeden Producten er- 
hoben werden, und von folchen, die ihre Beftim* 
mung oft verändern und vielmahl aus einer Hand 
in die andere gehen, wer.weifs wie vielmahl. 
Ein Landmann alfo wird nicht blofs Von feinem 
Getreide und von jeder Art dcffelben eine andere 
I^roductenfteuer zu bezahlen haben; der Steuer- 
einnehmer wird ihn in feinen Garten verfolgen, 
und von jedem Baum und Gefträuche, das er ge- 
pflanzt hat, fobald es nur verkäuflich geworden, 
▼on fedem Beete Kohl oder GemOfe^ von feinem 
Gras und Klee eine Steuer abfodefii. Sind die 
Früchte im Garten gereift, fo wird er von jedem 
Baume miternten wollen. ~ Er verfolgt ihn in deii 
Stall , und fodert vom Preife der Kälber und Fül- 
len, '^und find fie erwachfen, abennahls eint 
Steuer. — Kurz, nichts kann die Induftrie er- 
zeugen, wo nipht der Steuereinnehmer dahinter 

Hh a 



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484 Erftes Budi« 



ftflnde und ficb etwas davon ansbate. Welche Li* 
ften,' «reiche ControUen, welche Uoterfchlejfe, 
welche Strafen wfirden das Gefolge eines folcbea 
Steaerfyftems feyn ! — MOgen immer die Steuern 
auf jedes einzelne Object klein feyn — < der Steuer* 
entrichter würde bald merken » dafs viele Tropfea 
auch einen See bilden» und gerade der Um- 
ftand^ dafs tnan ihm fein Vermögen tropfen weife 
i^bnimmt und ihn unaufhörlich mit kleinen Nadel* 
füicheii zWickt^ würde ihn zur Vertweiflung brin* 
gen tnüffen« 

So fehr ich daher tnit dem Herrn Grafen in 
Anfehung vieler Principien, die er Ober das Steuer* 
wefen aufftellt> Cbereinftimm^, und mit fo Vielem 
VergnOgeü ich viele feinei" fcharffinnigen und be- 
lehrenden Gedanken darüber gelefeil habe; fo 
wenig kand ich mich doch Überzeugen» dafs ^ie 
Von ihm projectirte Productenfteuer tu dem fcbd- 
neii Ziele, das er zu erreichen beabfichtigt^ näm* 
heb zu einef einfachen, leichten und nach dem 
ireinen Einkommen abgemeffenen Befi^ttrniig fah* 
Iren könne« 

i 586. 

Die ilegulirung der Steuern nach dem rohen 
Einkommen hat frahei" oder fpfitet allemahl fol» 
geade unausbleibliche Wirkungen : 

i. Anfangs drückt fie diejenigen ^ deren tei* 
neu Einkommen zu fehr dadurch augegriffen ift^ 
aui dem Gewerbe ^ oder fiür2t Ü6 in folcben Jam* 



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inef, JaTs^lhr Gefcblecht durch Notb und £lend 
rermindert wird. Dadurch nimint ihre Arbtit ab» 
und die Producte» welche fie bervorbracbtea, ver- 
miodern Geb. Bleibt nun doch die Nachfrage 
darnach diefelbe^ fo fteigt ihr PreiSs bis wiederum 
inelir Arbeiter berbeygelockt werden^ um die ge- 
hörige <^uantität zu erzeugen. Sodann / imflfTeji 
die Confumenten fplcher_Producte die Auflage auf 
das rohe Einkommen der Producenteu, die vorher 
durch die Auflage litten, bezahlen, und fie wird 
l^acfurch eine indirectb Auflage \uf die Confvimen* 
t^ejp. -T Ift.das lapd.iim Zunehmen der Bevölke« 
roog QUd des Wohiftandes begi^fen ; fo wird die 
Peribde' des Elendes der J^ro/JucenteÄ gar nicht 
jeiAtceten» foodero ^n ,wArden.j6s£og)eioii^|n'ihre 
Oewalt foekoniteent die Preife ihrer Producte'und 
ihres Lohnes um den Betrag der Abgabe jem erhö- 
ben , und denn wird fie fogleieh den Confomdbtea 
zugf^fchjoben« 

'. . T iie* Sind die rohea Producte , welehe die Auf- 
lage trifft, insi)efoildere nothwendige Lebepsnüttri 
und* rohe i^aturproducte^ (o werden , wenn Dicht 
etwa das Land in Verarmnng begriffen ift, die 
Preife diefer Dinge nnd^ mit ihnen der Preis dee 
.ArbeÜflUuMe und aUeir Froducte, wovon das .Ar- 
beitslohn Miturfacbe und die rohen Materien Be« 
^ndtheile find, nach der Proportion, als dadurch 
ihre £r^eugung tbeurer wird I roitfteigen* Diefet 
aber wird wiederum auf die Confumtion des Inlaii- 



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4%6 ' Erftcs fiuch. 



des» fo wie auf den äufsera Debit einen vermin* 
dernden EinQüfs haben. 

3: Ueberhaiupt find die RückwirkuDgen der 
Auflagen tpf das rohe Einkommen fo mannichfäl» 
tig und fo zufammengefetzt» dafs Ge fich kaum 
alle voraudagen und noch weniger berechnen' laf* 
i^n. Und eben deshalb foUte ein Finanzier eine 
Mafohihe nicht gebrauchen » deren volle Wlrkun* 
gen er unmöglich Qberfehen kann. 

Anm. Kopfßeuern find im Qrnnde aucKni^U andan^ 
als Steuern aarSät rohe Einkommen, nus dalt man Eäk 
«bbey nfieht efnmalil die MUm nlmmty fle danntlt aln 
«nmeil^ In RnfiUnd betru|; Conft die Xp||{ftaciar,el« 
ven Kübel auf jede männliche Seele. Da die Bauern 
g^r^tentlieüf Landwirthe lind; fo fiel fie auf ^Bn roKen 
Ertrair üurerLindamjen» midda die AnfUfa'klte «mcv 
fo konnte fie jeder leicht. Tpn feinem, reinen £inhon^ 
men bezahlen. Sie war ungleich, aber ^ben nicht 
dhrttokend. lettt, wo die Auflage auf S Rubel tfnd n^ 
«r]ac)iffQ<^ li^her geftieffii ift^ (die wenigfteM 3 f^ 
eher Rubel ausmaohen, alt Einer der damahligen Zeit» 
mo dai Kopfgeld noch Einen Rubel betrag), ifr'diia 
Ihiglefidilieia viel fOhlbasrelr, tted #Orie wait meltar Rafte 
nachl4(Xen> alf.fie wirklich (choigK ^chUCit, wenn aichk 
die Bauern felblt eine Methode erfunden hätten^ die 
VngUichhdt %u miiiden« (Siehe f. 5(9. S. 491.) ' 

... . . ^ 

Yen dar RtfnHning dar Abgaben aaeh dam vainen Bin- 
ko^noten eiltet jeden« ,. 

§. 587. 
Nennt man jedes reine Einkommen Oberhaupt 
Rente; fo giebt es folgende Arten der Renten^ 



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Von der Staatseiiuiahme« 437 

^^—■——1 ii » — — — » *— — — — ^i^— «^pi— 

cHe nach d^m Stammverinögen bezeichnet und un« 
1 terfchieden find» welche fie geben: 

' A^ Grundrente, j 

B. Capitalzinsrente, / 

C. Induftrierente, nndzwar 
a} blofs perfOnliche» 
b) perfönlicb*fichliche, oder Cajpital * Indi^ 

ftrierente, 

' / A. 

> Von der Grundrente* 

f. 588. 
Die Grundrente beftebt in äftm^ was ja« 
' mand bloCs deshalb erhSlt, weil er EigantbOmer 
eines Grundes und Bodens ift, der Andern Nutzet 
gewähren *kann, oder weil er wenigftans 'rechtliche 
AnfprQche darauf hat. Sie l>efieht aus einer Quan* 
tltSt nfltzlicher Producta oder deren Werth, und 
wird entwedeiC von den Producten des Qrundftioks 
felbft, oder aus andern Quellen des Einkommens 
bezahlt. Wir wollen zuarft von denen Grund- 
ft&cken reden» wdcbe die Gmncbrente von ihren 
eignen Producten be:2ahlen9 und zweytens von 
denen» deren Rente ans einem andern Einkommen 
oder Ton den Producten eines andern Stammver* 
mögttn besahlt w^den nrafs. 

5. 589. 
Die Gmndftflcke» welche; die tlente von ih- 
ren eignen Producten entrichten, find alle dieje- 



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48 H Erftes Büclu 



nigen, welqhe nQtzlicbe Landesproducte bervor- 
briogen» wie die Aecker, Wiefen, Gärten, Wal« 
düngen, Fifcbteicbe, Bergwerke u. & w. — - Der 
Grund, weshalb diefe ibrem EigentbOmet eine 
Kente liefern , befteht darin » dafs die Producta 
derfelben fOi; die Menfcben nQtzlich und notfawen* 
dig find» und nicbt erbalten werden können, wenn 
er nicbt feine Einftimmung dazu giebt, d.i. aus fei* 
Qem Eigentbumsrecbt an einem oatzUcbeo GnincU 
ftOcke, 

ItfieCert ein Orundftaok eine beftimtnte Quan* 
titSt oOuUeber Producta ebne alle Mflbe und Kor 
ften; fo^^ebören diefe gan? dem Eigentbamer det* 
felbeo 9 und macbeo d^ Re^te ? OA (liefern Grund* 
ftacke aus« Dlefes kann man die natarliche 
Rente oaAnao, weil fie eine blobe Wirkung der 
Neturift. .; ^ ^ 

J# 591. : 

OemeioigUcb.'aber'geb4rt Arbeit, Mobe, Oe» 
fobiokHehkflit JhkI fieterlej Vorbereitung daxu, 
lim einem Boden entweder aberall, oder ihm doch 
▼iel mebr ProdiKste ab<ngewinnen, als er von Na* 
tnr, ohne BeybOife liefert Sodann ift oatOrlieb, 
dafs diefe Arbeit, MObe und VorfcboCfe Mifmand 
llbernebmen wird, der nicbt gevfifs ift, dafs er 
fi^r feine Arbeit und MQbe beaablt wird , ron dem 
nicbt zurückkehrenden Capital die Zinfen 'debt, 
und feine fonftigen Auslagea mit Gewinn ziirftek 



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Von der Staats^imahme. 4$^ 

•rbäk. Könoen ,ttiia durch ftergieich^ sMühc^ 
Arbeit und Au^Iagep d^m Bod«^ m^r Producu 
abgewonnen werden» ai^ n^hlg $oc|>' uia> i).4em 
EigentbQmer feine natOrlicbe Rente abzugeben; 
2} denen 9 welicbe Au6lageo gemacht haben , die* 
Celben mit ictein ablichen.Qemn<r?uu'erftfitt«09 und 
die Mohe «lod. Arbeit z^r Zufriedenheit derer» 
welche fie angeivandt^ ^.beza:bien: io w^rd.def 
Grnndeigenthtmer den Uabuerfcbiifs ebenfalls , der 
für erhalten* da(s er den C^^te||&en> Unteri»el^ 
nehme^il und Arbeiterin fei(i GrimditOck zur Beau^ 
tznng abetUeCi». iind diefer Tlieil der Rente wiF4 
eine kflnftliche Reo te;bp||;8eii mA(ir#l»» ;4el9 
«cft durch Euoft hervorgebracht MjCMTden %&* 

. ' 5- 592- . ; ,/;? 

Die Beote foloher OruodftOQlo jwrd.in. dear 
Regel immer ans den eignen Pr.o4M^MQ deiietben 
bezahlt. Möchten auch die Producte des einen 
Jahrs nicht hinreichen» um die Rente zu bezah- 
len;* foni0li[en^d4ph.idie fctlgend^ i^^P den Vor» 
fchttfg derfelben urfetzeO) weffa das G]ci|n4&9c^ 
fernei? behauet od#r. benutzt n^rd^ni und zugleich 
-die JLeote bezahtw iolU ^Deaa, Effect fetan» ;f(er 
WirthCchaftsonAeiJiebttier könnte fie nicht uß$ 49iß 
Prodttctea» *4ie er dem Bpden tbgwiinnt^ beflia^* 
len, weil fie (phon durch £rftatmng /(feiner Aufle- 
gen erfchdpft würden 9 und alC^ zur Rente irieht 
^nrei^t^ t fo wflrde er keinen Orund mehr babent 



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49e Elftes Buch. 



ilen Boden feroer zu bearbeitea, vrenn ihn nicht 
wenigftens die Hoffnung ^triebe, feinen Verlaft 
eos dem kfUif tigen^Mebrertrage zo gewinn^. 

, J. 593. 

Sobald dorcli die Kunft eine gröCwre Rente 
gewonnen werden kenn » eis die N^^ ohne Bey* 
bcilfe giebty wird der Eigenthamer des Bodens 
denfelben gern zur künftlichen Bearbeitung herge«* 
ben« Ee werden ficb aber auch in einem beröl* 
kerten Lande» wo es viele giebt, die kein Grund* 
elgentfaum befitzen und keine andere Quelle des 
Eintconaniens haben » als ihr Capital oder ihre In» 
duftrie, leicht Leute etnfinden, welche deffen Be* 
arbeitung abemebmen, fobald Hoffnung vorhanden 
ift , for ihre Arbeit und ihre Vorfchaffe belohnt 
tu werden» und keine andere Gelegenheit da ift» 
mehr zu gewinnen; 

{. 594. 

80 lanige die Abgabe bIo& eyiien aUqnotea 
Theil der natOrll^ben oder kOitfftlleben Rente aus* 
macht» wird fie die Prodnetion «licht ftören oder 
lilndern. Denn • es wird dadurch keine elazige 
derUrfachen angegriffen» wodurch die Prpdnctioii 
gefordert wird; Die Luft des EigenthQaiers» fei- 
-men Boden von andern benutzen zu laflen» wird 
dadurch nicht geftört; denn diefe Benutzung bleibt 
das einzige Mittel, ihm eine höhere Rekite, als 



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Von der Staatseihhahme. 4^* 

i die Natur frey willig gi^bt, zu verrchaffen. 'Unter* 

sehmer und Arbeiter verli^en tiichts dabe^V dafSl 
dem Grundherrn etViras von ftiner Rente abgenom» 

• men wird, ' T 

§. 595. 

' ' Auch wird der Omhdherr diefe Abgi^ ganz 

allein von feiner Rente be^lblen niOffefa , \Ma 'Ift 

hat es nicht in feiner Gewalt » weder fie fich too 

denen erftatten zu laffen > denen er feinen Bodea 

. zufr^eat^iiitunrüberläfit, 'noeh Kdtfere Pf€^e der 
Pt^düete'^fi^ätitfs Badens von' den^Cönfum^nten "attt 

~ erzwlngeb', bxk ^itduirch ftln^n Piachtef In dMi^Stind ^ 
zu fetzen^ fie 'bbhb eigtien VerluS zo hiüMM. 
Dtori 1) dJeBedfii^ttngen,' uätei*' Vielehen er-'dit 
Nutzung üitiks BöAths andern aberläfst, Werdett; 
Wi6 der Pi-iiraEQii^ -tHoge, durch das ¥c!iliSlttaifS 
^des Aö^ebott*WNachfrage beAiittmt.^ tWattäbfli 
Ökonomie $1 1^9.). Nun werden dadureh» d^ 
<)ie Gnindhirren eine Abgiibe von Ihrer Rent^'g^ 
'1)en ijiäflen, flieht weniger Aeicker zvtr Benützung 
ang^W^Ä» dk Niemand deshalb fefnen Acker ün^ 
bebauet liegefrHfaffeh *rird, wöl er nlcHt^mehrdne 
fo gfofte Rei[t6 ÜäVon ziehen' kainil/'ds VoHiiefK. 
Mehr PacfcäiBftfge, Acköratrbiiter ti. f. w. viiftnfeii 
aber'cfa'durdli a'itch ni&llt ^fzeu^t; -Atfo bleibt' dtt 
Verhtitnirs des Angebots und der NicfaArage daH 
fclie," folglich' auch' der^ Preis, *«tt'wekhem di* 
Grundherr feine tiänder^;^6ti «abringen kann. Dfe^ 
• felbe Bewandtnifs hat es 2) ihüf dem AeHb dÄ 



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49* r iEi!Q:e8 Budu 



Produkte feines Bodens. Da durjcb eine mäfsige 
Aii£laj;e aof feine Rente wcfder die Producte feiges 
Bodens rermiiKleit, itqch die Zahl der CSonfumen- 
ten vermehrt wird; fo ift keine Urfache in der 
Auflage auf die Rente vorhanden, die Preife der 
Pj^odußte fokiief'ijpä^derayea y die «ine Rente her- 
vi^rlMij^gena zu.ei^h/^tffiiv 

;;;;;■ ' ' ■'^"'\ ^596,::;;^;; r 

. , Wp^ta #bef 4sf ^Staat die gan^ Grtipc^eiite 
fU AAgaibie.;iijeJififltfo,,wOrdeii dff Grf^^cM^ 
<lie Gicoadl^erreB allen Werth verli/ereli, und fie 
>a^v:den gar keine Xri^b£eder me^r htben, &e be« 
^eften aui^aCbo^ oder von thnen irgend ein Pro- 
daat, zß ziahen: der Staat .würde alfo bald .gar 
9^^t^ ffi^r aij^s der. Grundrente er^aj^en» weil fif 
fp .g^ ydß verifichtet wäre. D^. pi^ii .jbei^. doeh 
^. y^lk der^ j^ckerprpduete bedöfft^».. uod ^die 
QriiqdJpieicren ef fnibcer, Gewalt Jifitte;ivibnt^ diit* 
ieiben 29 verw^igem^ fo wttrd4?tt ^ßch^dlj? Confo* 
men;(90 bald epifebliefaen pflCT^Ot jCp Tiel for die 
Producta zu bezafeil^p^ daf$ iiic^t.ipiir Arbeitslohn, 
Cafftal- iUid,yjptar9|9hfn«rg^vrinii^davoa erftattet, 
^(^rp a^cb nocb; «>vfa$ ^^8 Rante bf i^aMt werden 
k4;in(e. ^bald 4at|i^r 4^ Sta^t flie.Rjitnte zii 
1^ angreift^ od^jpßplflf durch, die Äjufliip^e gai^z 
jpiftq]iitM^y f#l|t d|ft^r.lMürkere Theil der Ab|;abe 
luif jdie ConCunoefM^fn^ ,imd mr4 flfO;^^ ^^ ?^^ 
Mimf^ Sie^^er^ , r , . * 



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Von der Staatsdänalime. ^^ 



$• 597* 
Wir htfben bisher die Grundrente bldfs in ih* 
rer Reinigkeit erwogen. Es miichen ficb aber 
unter gewiffen Umftänden Beftandtheile mit ibr» 
welche urfprOngUch nicht Grundrente find» abfec 
mit der Zeit ihre Natur und ihr* Wefen annehmeut 
dahingegen andere zwar auch unter ihrem Namen 
"begriffen werden, aber ibret Natur und Wefen 
nach immer gefchieden bleiben. Da die Unter- 
fcheidung diefer verfchiedenen Beftandtheile des 
Einkommens, das man unter dem Namen der 
Grundrente begreift, fOr die Finanzwifleofcbaft 
fehr wichtig ift{ fo wollen wir diefelben tttdem 
Begriffe eines Landguts, als dem voreflgllcbfba 
Tbeile derer Grundftacke, welche eineOfundrente 
tragen, zergliedern. 

$. 598. 

Soll nämlich einem folchen Inbegriffe vcm 

'Ländereyen, den man ein Landgut zu joennea 

pflegt, ein gröfserer Ertrag abgewonnen w^deiit 

^8 die Natur von felbft liefert } fb wird darzu ein 

Vorlag (oder Kapital) gefodert, woäurdi 

2) dem Gute ein höherer Grad von Fruchtbar- 
keit oder Ungere Dauer derfelben rerfchafft 
wird, als es von Natur hat. Der Boden mufs 
vom Holzt gereinigt, gepflügt, rajolt, vdn 
Waffer befreyt, eingezäui^t, mit Canälen ver* 
febea werden u,f.w. — Grnndverlag« . 



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a; Die WirthCcbaffc mufs eingerichtet werden. 

Wirtbfch»ftsgebäude, Scbeuren, Ställe, Vieb- 

ftand «üjr Arbeit und zum Dünger, Acker- 

.inftniniente u. f. w. werdea nötbig. — Be- 

ftaadverUg. 

3) Alle« diefes mufs im Stande erhalten, dia 
Arbeiter muffen bezahlt, das Vieh gefuttert, 
«rginzt werden, fo dafs immprfort der gröfst- 
möglichfte Ertrag aas dem Gute gezogen wer- 
den kann u. C. w. — Wirthfchafts Ver- 
lag» Jahresauslagep. 

$. 599. 
Jeder, der dielen Verlag macht, entfcbÜefst 
iicb niÖit anders dazu, als wenn er glaubt, mcht 
nur alle feine Auslagen, es fey auf ein mahl oder 
naöhund nach, wieder zurOckzuziehen , fondern 
auch die Zinfen des ausgelegten Capitals, den ge- 
bariiten Gewinn für die Unternehmung und die 
Mo^ der Direction des Oefchäfts zu erhalten, 
«der wenigftens eine immerwihrende Rente, die 
den Zinfen feines Capiuls gleich ift, durch dl« 
Anwendung feine» Capitals zu begrüqden. 

' ^, 6oo« 

Der Gnindverlag, bewirkt entweder eine fol- 
ebe Fruchtbarkeit an dem Boden, dafs diefelbe 
auf immer unveränderlich fortdauert, und wohl 
gar mit der Zeit noch vermehrt wird, oder «ine 



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Von der Staatsextmahme. 495^ 

« __ _ 

folche, die £e|i mit der Zeit wieder v^rmin^ 
dert und ficb' endlich^ wieder ganz verliert. Im 
erfien t*aUe wird der Untemefamer fchon zafrxcK 
den fe^D) wedo der dadurch bewirkte Mehrertrag 
ibm die laDdflbüchen, Zinfea des angewandten Ca« 
pitals auf ewige Zeiten alljährlich giebt ; im zwey« 
ten wird er verlangen, dafs er diefe Zinfen jähr* 
Jlch mit einem Theile des verlegten Capitals aus 
dem Producte des Verlags zurück erhält/ Diefer 
Theil mufs fo grofs feyn, daCs er ibm den ablieben 
Gewinn feiner Unternehmung giebt, fo hnge fie 
dauert , und daCs er ihm zugleich zur allmäfajigea 
Erftattung faines Capitals dient; oder dafs wenig- 
ilens von dem Theile des Capitals, der nicht *ztt* 
rflckkommt, der Ertrag zureicht , um für immer 
die üblichen Zinfen diefes zurQckbleibendenTbeUt 
des Capitals zu vergüten. 

5. 60 r. 
Dnreb^ die Anwendung des Grundverkga wird 
.das Capital mit dem Grundftücke vereint und iden* 
tificirt, das Capital wird gleicbfam in das Omnd* 
fiück umgefcbaffen , und der dadurch bewirkte 
Ertrag» wird zur künftlicben Grundrente,* der na* 
natOrUcber Weife dem Grundeigenthümer nur dann 
gebort 9 wenn er das Capital dazu bergegeben bat. 
Ift aber letzteres von einem andern hergefchoffen, 
'fo wird ^emfelben wenigftens ein fo grofser Theil 
an dem dadurch bewirkten Ertrage gebühren, als 
davon n&tbig ift, um ])die Zinfen des Capitals 



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49^ Erftes Buch. 



fQr immer, oder das Capital mit .den Zinfeo all- 
mihüg zurflck zu bezahleo* Im erften Falle wOrde • 
der Uateriiehmer fich ein Miteigeotbum ^o dem 
OruiidftOcke 9 wenigftens an dem Eini&ommen deC* 
felben erworben haben» bia es ihm 4er Gmndeigeif 
tbamer erftattet. 

§. 602. 
Gewöhnlich betrachtet man den Gmndeigen* 
tbamer als denjenigen» der die Beftandauslageo 
gemacht) erfetzt, oder zu erfetzen fchuldig iii» und 
begreift daher alles, was ihm aus der Verleihung 
eines folchen Guts zuflieEst» als Grundrente« Al- 
lein jeder wird einfeihen, dafs es mit einer Grund« 
rente» welche auf die eben befchriebene Art ent« 
Iprungen ift, eine andere Bewandtnifs hat, als mit 
i^iner Grundrente , die ganz ohne Hülfe des Capi* 
tals des Eigenthflmers entftanden ift. •— Sollen j 
nämlich Grundauflagen auf Grund und Boden ver* 
wandt werden; fo mufs die Finanzpolitik fich ha-» 
ten, denjenigenXheil 'der Rente zu berahren; wei- 
cher beftimmt ift, die Capitalrente (Zinfen» und 
wo es nöthig ift, Erfatz des Capitals) zu bezahlen« 
Denn lehrte die Erfahrung, dafs die Grundrenteot 
wie fie auch bewirkt feyn möchten, fo ftark be« 
iegt wurden , dafs Niemand fich Hoffnung machen 
könnte*, von feinen auf den Boden angelegten Ca* 
pitalen die üblichen Zinfen, üblichen Gewinn, 
und , wo diefe nur einige Zeit dauern , das Capital 
zurückzuziehen; fo würde Niemand Luft babei^ 

der* 



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Von der Staatseinnahme. 497 

dergleichen Unternehmungen zu machen , und die 
^LSndereyen wQrden aifo ohne vervollkommnete 
Cultur bleiben. 

Erlätitexung. Gefetit, ein Oekonom verwaiidelte 
einen Sumpf von 50 Aeckern in eine Wiefe, wovon die 
Kolten mit dem Ankauf 5000 Rthl. betragen Tollen: 
diefe Wiefe gebe in den eriten 10 Jahrenr jährlich 
65oKtbl. ; Xo wird diefer hohe Ertrag daxu dienen, ihm 
etwa f feinet Capitals zu erftatten. — Nachher aber 
fetze fich ihr regelmäfsiger reiner Ertrag auf 150 Rthl. 
jährlich ; fo wird der Unternehmer feine Unternehmung 
nicht bereuen, wenn ihm gleich der Staat | feines reinen 
Ertragt alt Abgabe abnimmt , da er doch noch die Zin- 
fen des darin fteckenäen Grundcapitals behält. Wollte 
aber die Regierung ihm die erften Jahre 150 Rthl. von 
feinem fünffach höhern Ertrage abnehmen;! fo würde 
fchwerlich die Urbarmachung des Sumpfes erfolgt feyn« 

J. 6o3. 

Die Beftandauslagen fcbiefst in vielen Fallen 
der Eigcnthümer ebenfalls lum Theil vor., ihm . 
gehören, wenn von eigentlichen für fich befte- 
henden Landgütern die Hede ift, die VVirthfchafts- 
geblude, auch wohl ein Inventarium, und felbft 
von den jährlichen Auslagen fällt folchenOrundhcr- - 
ren die Unterhaltung derWirthfchaftsge^äude und 
fonft noch Mehreres zu. — Daher darf das, was 
ein Jblcher Grundherr von dem Pachter Pacht er- 
hält, ^icht als lauter Grundrente betrachtet wer- 
den* Man mufs davon abziehen : 

1) die Zinfen für den Werth der Wirthfchafts- 
gebäude und des Inventariums; 
V. Jakob StaaUfinantwiff. 11' 



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498 Erftes Buch. 



2) was jährlich ,an Baukoften und aiKlern Aus- 
lagen ffir die Erhaltung der VVirthfchaft vor* 
iäUt; 
3} dieZinfen und den Gewinn für dos auf Nr. 9« 
verwandte Capital. 
DaS| was er dafar von dem Pachter erhält, ift 
zwar gemeiniglich mit unter dem Namen der Rente 
begriffen; es ift aber theils Capitalgewinn, tbeils 
Erftattung der Auslageci» die zur Erl^ltung der 
Betreibung der Wirthfchaft nothwendig find. Da* 
gegen darf das Capital, welches ^um Bau eines be- 
fondern Herrenhaufes (Schlofs), Einrichtung einee 
Parks und deren Erhaltung verwandt wird, nicht 
von der Rente in Abzug gebracht werden, wena 
es auf deren Befteurung ankommt. Denn eine 
folche Ausgabe ift nicht zur Erhaltung des Gutes 
oder deffen vollkommnererBewirthfchaftung notb« 
wendig, Jondern fie dient blofs zur Vermehrung 
der Oenüffe des Grundherrn, und ift al(o eine Con* 
fumtionsausgabe von der Rente. 

§. 6o4« 

In dir Praxis wird gewöhnlich das ganze 
Pachtgeld, was ein Out giebt oder geben kann, 
als Grundrente betrachtet und als folche befteuert'. 
Diefes kann auch ohne Nachtheil gefchehen, wenn 
zugleich alle Capitalrenten und Unternebmungs* 
profite nach gleichem MaaCsftabe befteuert werden, 
öefohiebt aber letzteres nicht, find die Capital* 



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Von ddr Staats^irihahme« 499 

^■^■aa*! m im ■ , ■■ r ■ ■ ■ i • n ■ i ti t r i i ■■ ii i iit 

renten und Unternehiiierg6winnfte entweder von, 
der Abgabe ganz frey,'oder fluch mk geringem 
Abgaben belegt; fo wird eine folcbe Vermifchung, 
fofgende Wirkungeli haben mOTfeD: 

1. Da der CapitalgeWianfi in jedet Att det , 
Oewetbe durch die Concurrenz fioh glaichftellt 
(Nat. Qekonomie |. 266*)$ fo werden^ wenn die 
Oewinnfte derCapitale^ die auf denLapdbauu.il w« 
verwandt werden 5 mit mehr Abgaben belegt wer* 
den 5 als die Oewinnfte der auf andere Gewerbe« 
ang^audten Capitale^ fieb anfangs die Capitale 
ton dem LandgeWerbe zurückziehen. Der Gruüd« 
herr wird nicht Luft haben, auf Wirthfchaftsge* 
bände und Oberhaupt auf die Erhaltung und Ver« 
belTerung feines Gutes viel zu vertvenden, wenn 
er bemerkt^ dafs der ihm daraus zukommende Ge- 
winn befteuert wird^ da er ebendaffelbe mit dem 
Capitale gewinnen kann^ wenn er es auf andere 
Unternehmungea wendet , wo fein Gewinnft ton 
Abgaben frey hlifihu Es wird ai£o eine folche 
.untorGchtige Art der Befteurung des auf die Land« 
trirthfchaft gewandten Capitals der Vervollkomm* 
jiung der Landwirthfchaft entgegenwirken. 

2< Indem nun aber hierdurch die Prodlictioil 
Vefmindtrt wird, wird der Preis der Jändlichen 
Producte fteigen, und dadurch werden die Profite 
des Lartdmanns, folglich auch derTheil des Pacht- 
geldes^ der aus Gapitalrente und Capltalgewinnft 
fliefst, und den der Grundherr* zieht ^ fo in die 

li 2 



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50o^ £rftes Buch« 



Höhe gehen, dafs davon dieGrundabgaben bezahlt 
werden können, ohne dafs der gewöhnliche Capi« 
talgewinnft dem Grundherrn gekürzt wird. ^: Die« 
fes macht aber blofs der höhere Preis der ländli- 
chen Plroducte möglich , und da diefer den Confu* 
meoten zurLkit füllt: fo ift es klar, dafs derTheil 
der Abgabe, welcher den Capitalgewinnft des 
Grundherrn unter dem Deckmantel einer Grund- 
fteuer angreift, zuletzt auf den Confumenten fällt. 
* 3. Dabey leidet demnach der Ackerbau im« 

mer. Denn der höhere Preis entfteht in diefem Falle 
nur dadurch, dafs weniger AckerfrQchte angeboten 
werden^ als bisher. Sobald daher mehr Gapitale dem 
Landbauc zuftrömen und mehr Ackerfrüchte her- 
vorbringen, mufs ihr Preis wieder finken (wenn 
nicht andereUmftände entgegenwirken)« Dann aber 
ziehen fich die Gapitale wiedier vom Landbaue zu- 
rück, die ihm geblieben feyn würden, wenn keine 
befondere Auflage iA der dortigen Anwendung fie 
ausfchliefslich drückte. Folglich wird unter fol- 
chen Umftänden das Land immer nur kärglich mit 
Ackerproducten verfehen werden, damit die ho* 
hen Preife bleiben, welche zur Bezahlung der 
hohen Abgaben nothwendig find.- 

$, 6o5. 

In den meiften Ländern find die Grundabga- 
ben auf die Landgüter gelegt, ohne alle Rück- 
ficht, ob fie von der Grundrente, oder von der 



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i 



Von der Stataseinnahfne. 501 

^Capitalrente, oc(er von derlnduftrierente desLand- 
wirths bezahlt werden. Allein es find die Wir- 
kungen einer folchen Abgabe darnach gar fehr 
verfchieden, ob fie aus der einen oder der andern 
diefer Quellen bezahlt werden maffen. Um uns 

, die Sache recht deutlfcb zu machen , muffen wir 
b^y dem Einkoitimen, welches der Boden giebt, . 

.1} ^^a Grundherrn, 2) den Unternehmer der 
Wirthfchaft oder den Pachter, 3^ den Landarbeiter 
gfihau unterfcbeiden. 

$• j6o6. 

Die reiiie Rente' de^ Grundherrn erfcbeint 
nur da in dem Pachte, wo diefer ein Grundftack 
iohne alle Gebäude und Inventar jemanden in Pacht 
^iebt, und der Pachter alle Kpften der Cultur auf 
l^pge Zeiten übernimmt. Penn wer z. B. ein Stock 
Feld zu Kartoff el- , Kümmel-, Cichorienbauu.f.w. 
Terpacbtef, zieht in der Pacht nicht reipe Grund- 
rente, fondern zugleich Capitalgewinn, da er fei- 
nen Dflager und einen Theii feiner Bearbeitung 
des F^eldes dazu . hergiebt. Verpa^chtet er zu* 
gleich GebSude und Inventarium, fo.ift der Grund* 
faerr Theilnehmer der WirthfchafiskoQen, un4 
zieht als folcber einen Capitalgewinn , der nicht 
2ur Grundrente gehört* Was der Pachter aus dem 
Graadftttcke zieht und fQr fich behält, n^ichdem er 
alte Wirtbfchaftsauslagen beftritten, erhält er als 
Capitalrente und als Induftriegewiun ; die Arbeiter 



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$0% Erlies Buch, 



erhalten das, was fi^ für ihre Arbeit bekomnieo, 
|üs Arbeitslohn, 

$. 607, 
Die Orundauflagen auf unfre RlttergOter^ 
Starltfelder, Weinberge und andere freye Onind- 
flficke find gemeiniglich in einer folchen Propor- 
tion aufgelegt, dafs fie von der reinen eigentHcbea 
Ilente diefer OrundftQcke bezahlt werden könnea» 
und mOlTen auch wirklich von den Orundherrca 
aus der Rennte bezahlt werdei^. Aber es ift fchon 
im Vorhergehenden ($. 591!.) gezeigt, und wird 
auch aus folgender Betrachtung erbellen, dafs alle 
Mähe dts Grundherrn, fich die Abgabe, fo lange 
{e nur eioenaliquotenTheil feiner Rente austnacht, 
von andern erftatten zu laffen, vergebens ift. Denn 
wollte er folche von feinem Pachter fodern, fo 
würde er dadurch feine Profitfärze vermindern« 
Piefer Umftand aber wOrde die Landwirtbfcbafts- 
iinternehmer von feiner Wirthfchaft entfernen, 'da 
fie anderswo ihre alten ProfitfStze ziehen können« 
Wollten alle Grundherren fioh in dergleichen An* 
muthung vereinen, und Mm ihre Abgaben einzn* 
ziehen, auf bdhere Pachtgelder dringen; fo wflr« 
den die Pächter zu andern Unternehmungen aber«» 
gehen, und die Grundhepren würden bald froh 
feyn muffen, um V^chter zu den alten Paobtpreifea 
tu finden. Wollten die Pächter fioh zu den Bedin- 
gungen eines hohem Pachtgeldes verfteben, und 
gedächten £• das erhohete Pachtgeld durch höhen 



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Von der Staatseiimahme. 503 

II ■ 1 . . .1 ■ ii.i ■ ■ 1 1 I h 

Pfeife der Producte oder durch Verkürzung de$ 
Arbeitslohnes zu gewinnen; fo würden fie bald 
gewahr werden, daTs es nicht in ihrer Macht fleht» 
weder das Eipe noch das Andere zu bewirken. 
Sie Produdtenpreife können fie nicht deshalb, dafs 
fie mehr Pacht geben muffen» erhöhen; denn fie 
dürfen deshalb nicht weniger Qetreide oder Früchte 
bauen« Das Angebot der Ack^rfrüchte bleibt 
alCo daffdbe, ja es wird eher dringender/ da die 
Noth wendigkeit, das höhere Pachtgeld zu bezah« 
len, noch mehr Getreide auf den Markt treibt. 
Die Zahl der KXufer wird aber dadurch auch nicht 
irermehrt) dafs Qe höhern Pacht zahlen müffeo^ 
Wie wollten fiö alfo einen hohem Preis für ihre 
Producte erzwingen ? — Den Arbeitslohn aber 
IcöDoen fie auch deshalb nicht vermindern. Denn 
£e würden dadurch die Landarbeiter beftimmen» 
ein anderes Unterkommen zu fuchen. Die Ver* 
niinderung der Li^idarbeiter würde es aber bald 
ndthig machen, durch erhöhetes Lohn andere 
anzulocken, oder die alten unter beffern Bedin- 
gungen wieder zurückzurufen» 

§. 608« 

Andere ift es mit den Grundauflagen auf die 
Bauergttter und andere fonft beladete Grundftacke. 
Diefe ninllich find häufig mit Zehenden, Zwangs« 
dienften für den Gutsherrn , Naturallieferun- 
gen vu L w. belchwcrt» und aulserdem ifk ihnen 



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504. Elftes Buch. 



noch eine Grundileuer» in manchen Ländern diefe 
fogar ausfchliefslich, aufgelegt. Berechnet man 
nun den Ertrag diefer LänSereyen , und vertheilt 
denfelben unter die Arbeiter , Wirthfchaftsun- 
ternehmer und Grundherren nach richtigen Prin- 
cipien; fo findet fich, dafs das, was dem Bauer 
als Gutseigenthamer zufällt, oft bey weitem nicht 
zureicht, um den Zehenden zu bezahlen und die 
Zwangsdienfte, Naturallieferiingen u. f. w. zu ver- 
güten, dafs daher auf fein Gut, nach Principien 
der Gerechtigkeit, gar keine Grundrentenabgabe 
fallen kann, weil er keine Rente zieht, fondern 
dafis diefe Abgabe von denen erhoben werden mflffe, 
welche die Rente des Bauergutes in den Zehenden, 
Dienften, Naturallieferungen u, f. w, in Empfang 
nehmen* Es ift klar, dafs der Bauer diefe Abga* 
be, welche auf die Grundrente, ihrer Beftimmuhg 
,nach, angelegt ift, nur von feiner Einnahme, die 
er als Wirthfchafter und Bearbeiter hat, bezahlen 
mufs« £s ift alfo im Grunde das, was Ihm als 
Grundfteuer abgefodert wird,^ eine Abgabe auf fei- 
nen Capitalgewinnft und auf feine tnduftrie, 

Erläuterupg« V7eim man Terfuohti ein b«laüetes 
Bauergut nach denfelben Gruiidr&Uen su Teranrchla- 
gen^ wie die Domainengütar int Prenüfitohen reran- 
fchlagt werden i fo wird man finden | dafs, lUtt dafs 
ein folches Gut Pacht geben follte, ihm noch ZufchüfTe 
SU feiner Bawirthfchnllang gegeben werden müfsten« 



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Von der Staatseinnahme. 505 

' - ■ > '■ ' ' < 

§. 609, 
Kann nun die Abgabe von der loduftrie- und 
Arbeitsrente b^ftrilten 'werden, - und find die an«* 
dem ClaJCTen der Induftrie- und Arbeitsrente in 
gleichem Maafse belegt ; vfo wird eide folcbe Ab- 
gabe keinen weitern Nacbtheil auf den Ländbaa 
haben, ' und auch wirklich aus der Induftrie- und 
Arbeitsrente bezahlt werden, wie weiter unten 
bewiefen werden wird. Wären aber die^ andern 
Induftrie * und Arbeitsgattungen mehr gefchont, 
'und träfen diefe kdne oder geringere Abgaben; 
fo würden folgende Wirkungen unvermeidlich ein» 
treten, wenn ihnen nicht durch andere Umftände 
entgegengewirkt ^arde; nämlich : 

I. Da in diefem Falle die Capitale im Land- 

wefen nicht fo vortheilhaft angewandt werden 

könnten,^ auch -die Unternehmung nicht fo gut 

Vrentirte, als in andern Gewerbszweigen; fo wür- 

'tlen viele Capitale und Landwirthe den Landbau 

▼erlaffen, wenn- eine folche Befteurungsart neu 

lihigefahrt würde, oder fich vom Landbaue zurück- 

"halien, wenn fiefchon lange beftflnde. Dadmrch 

Ijber würden die ländlichen Producte vermindert, 

feine nothwendige Folge der Verminderung des 

Zufluffes der Capitale und der Arbeit zum Land* 

baue,) folglich würde der Preis der Producte ftci- 

geä, bis er zureicht, um den übrig bleibenden 

Land wir then folcbe Profite von ihren CapHalen 

püd Unternehmungen zu fiebern , als ähnliche 



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5c6 Erlies Buch. 

Anwendungej und Uaternehmungen anderer Art 
geben. — £ine folche Auflage £iUlt zlto zuletzt 
den Copfornenten zur Laft» ob fie gleich zu glei- 
cher ^eit immerfort d^n Landmann mehr oder we- 
niger bedrückt t und eine Menge Felder unbe* 
bauet bleiben mOften, wtii fie nicht die gehörigeo 
Profite geben» um die Abgaben zu bezahlen, 

f. 6io» 

Eine folche fehlerhafte Grundauflage ift lun 
Co drücken c^er für dieConfumenten» da fie dadurch 
genöthigt werden» nicht nur den nänilichen hohen - 
Preis der 4^odenfrücbte denen zu bezahlen» welche 
denfelben bedürfen » um davon die Abgaben ent- 
richten zu können; fondern auch denen, welche 
SU diefem Zwecke gar keines hebern Preifes be* 
dürfen» die alfo entweder gar keine Abgaben be- 
zahlen» oder die fie bequem aus i|^rer Grundrente 
beftreiten können« Denn wenn d#r Preis der Pro* 
ducte um der G^undauflage willen fteigt» fo mufs dfr 
höhere Preis für alle Producte bezahlt werden, 
fie mögen zu noch fo geringen Koften gefördert fey^« 
Es gewinnen alfo alle» welche die Producte mit ^o* 
ringern Koften hervorbringen» auf Koften der Con« 
fumenten, und diefer Gewinnft fliefst zuletzt befop« 
ders den Eigenthümern der Grundftücke in einer 
böhern Rente zu. 

EvUuternnf. Wie betrScHllieli dar Terluft'der Cea* 
lonifnteh Uerbe/. .Xey« könne» wird ixarek folgende 



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Von der Staatseinnahme. 507 

BetrAehtttngeii klar werden« Et i^ ein ausf emachter 
SatZy dafe eine jede Waare na^ föl* ihren Koftenpreii 
mni die Dauer immer in gehöriger Menge zu haben if^, 
tind daf^ diefer Preis dnroh den noth wendigen Preia 
darjenigen 'Waare beiymmt wird, deren Ptoductioa 
am meii^en koftet, aher doch nicht entbehrt werdea 
kann» • 

- Ift «• B. ein Land nieht mit hinreichendem Getreide 
rerfehen; £o wird der Preis des Getreides fteigen» nnd 
diefer höhere Preis wird machen , dafs Ländereyen be-^ 
banet oder ökonomifehe Einrichtangeti zur Erhöhung 
der Cultur getroffen werden können , wovon die bishe- 
rigen Preife die Koften nicht trugen. J3}efe Aecker 
aber werden nur fo lange caltivirt werden können, 
als dey h^he l^reig die Koften ihrer Gultnr befahlt; 
nad wenn das Volk der Quantität Getreide, welche auf 
reichen Feldern erzeugt wird, nothwendig bedarf, fo 
wird es diefen Preis bezahlen mQlTen. Von diefem ho^ 
hea Preife aber profiti^ea alle Getreidebaner , auch 
die, welche folches zu viel geringem Koften bauea 
^^^ 610.). Uhd da Arbeitslohn und Capitalgewinn nicht 
mit dem Steigen des Getreidepreifes in gleicher Pro» 
portion, der letzte vieUeicht gar nicfht Iteigt ; fc fliefst 
der Mehrgewinn aus den\ hohem PreUe vorzQglicfi 
der Grundrente tu» 

Anflagen auf die Prcfitfätte und dea ▲rbeltalohn der 
Landarbeit erhöhen nothwendig die Rollen der Prä* 
duction, wenn Ge die gewöhnlichen Profite und den ge« 
wohnlichen Lohn vermindern. E$ kaiin fodann diefelbe 
Qnaatität v»n Capital und Arbeit nicht anders hey dem 
Landbau erhalten werden, als wenn der Preis der länd-* 
liehen Prodncte fo hoch fteigt, dafs die alten Profitfätze 
and der alte Arbeiulohn bezahlt werden kann, Piefea 
kann nur gefchehen » wf nn der Preis nm iTo viel ^eigt, 
dafs dftvon die Auslage neben den vorigen Profit* und 
ArbeitsfMtzen entrichtet werden kann« ^ erhellet 
alfo auch auf diefe Weife, dafs die Auflag a «uletKt von 
den Confumenten bezahlt werdep mülTe. -!* AUeia 
das> was die Gonfui[nenten in dem hohen Preife Jieiah* 
Uu^ ibdrigt wl m»br^ «at w«# d^ £rf«ti dfrjciUgea 



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508 Erlies Buch.' 



Auflag« fodtrt, die ohne j«ne Erhöhung det Preifet 
nicht besahlt werden könnte. Denn man fette, die 
Grundauflage für ^ derGrundMcke wärefoftark, dafi 
dief^en fie nicht von der Rente, £ondtm ron dem 
Untemehmergewinn und dem Arbeittlohne becahlen 
nüftten; fo wtttiden die Prodnctenpreife nicht fteigen, 
wenn dielet Zehntel von der Orundfteuer gän»Hch be- 
freyt bliebe ; dieConfümenten könnten aUo die Früchte . 
für den alten Prei« kaufen , wenn lie die Grunditeuer 
diefet Zehntels aut eignem Vermögen beaahlten. Mufs 
aber diefes Zehntel die Grnndfteuer aas dem Untemeh- 
mergewinne und Arbeitslohne bexahlen ; fo mufs ^efes 
uni den Betrag ihrer Abgabe ß eigen , wenn Unterneh- 
mer und Arbeiter diefes Zehntels bey ihrer Unterneh- 
mung und Arbeit bleiben »follen. Diefe« aber ift nicht 
anders möglich, als du»ch das Steigen der Preife der 
Prodnote um den Betrag der Abgabe. Es wird aber 
dadurch der Preis der Prodnote der Übrigen^ tugleich 
mitfteigen, und die Confnmenten werden alfo das ganse 
Bodenproduct unf^ fo viel theurer bezahlen mufTen. 
Wäre alfo i Million Thaler, von den Confumenten auf- 
gebracht y hinreichend gewefen , die Abgabe des Zehn« 
tels zu decken; fo werden die Confumenten, wenn die 
Abgabe von i Million dem gedachten Zehntel aufge- 
legt wird , 10 Millionen Thaler mehr an die Prodncen- 
ten in den eriiöheten Fruchtpreifen zu bezahlen haben, 
und den grölsten Theil davon werden diejenigen Grund- 
herren ziehen , die entweder gar keine, oder nur einen 
Theil ihrer bisherigen Rente als Abgabe bezahlt haben. 
Einen andern Theil werden die Pächter fo lange erhal- 
ten , als ihre Pachtzeit dauert ; denn der hohe Preis 
wird ihnen höhere Proiitfätze bringen. Ift )iber die 
Paohtzeit vorüber , fo wird die Concnrrent das Pacht- 
- geld in die Höhe treiben , • und der Gewinn wird dem 
Grundherrn als Rente zufallen. — Die Erlbheinnngen 
werden freylich in der Wirklichkeit weder fo fchnell 
noch fo grell Geh zeigen, als die Theorie fie hier vor- 
teilt; aber nur deshalb nicht, keil vielb entgegen- 
wirkende Urfachen eintreten, welche die Wirknoged 
jener Maafsregel modiiciren. ^ S# wetdeii rielleicht 



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Von der Staatseimiahme. 509 

-^iele von den ZehnUieilea ^ welche mit einem Mahle (fo 
hoch befteuert werden , daft ihr hfsherlger Vortheil 
dadurch TerfchliuigeD wird', fioh mehr anürengen^ 
durch VerTollkonimnunf der GuUnr, WechCel der Fruch- 
te u. f. w. mehr zu gewinnen, auch um ihrem Verlnfte 
einigermalsen beyiukommen ; und vielleicht treibt auch 
ein anderer CJmAand die Fruchtpreile in die Höhe u.f.w^ 
Viele fetten auch wo^ ihr anderweitiges Vermögen 
XU , und fetsen den Landbau mit Verluft fort. Lauter 
Urfachen, welche cU« Wirkungen der fchlechten Steuer 
tum Theil vernichten, sum Theil Terzögem. Aber 
unfre Theorie bleibt deshalb nicht minder richtig« 
Eine Feder bleibt immer fchwer , wenn Re auch Toa 
der Luft wie eine fileykugel zu fallen rerhindert wird.. 

$. 611^ 

Djefe Wirkungen werden allemahl mehr oder 
weniger eintreten, fobald eine einzelne ClafTe von 
GrundeigentbOmern vor den Qbrigen fo beft'euerf 
ift, dafs fie die Abgabe nicht von der Rente be* 
zahlen kann» und Ce werden fOr die Confumenten 
allemahl um fo drückender feyn : 1) je mehr Crund- 
befitzer j^on der Gnindfteuer gänzKeh befreyet 
find, auf eine je geringere Zahl der Grundbefitzer 
die Laft der Omndfteuer concentrirt ift, und 2) je 
weniger^ie Befieuerten im Stande find, die Ab- 
gabe von dem reinen Ertrage ihres Bodens zu be- 
zahlen, ^nd je mehr^ dadurch Caprtal- und Indu* 
ftriegewinn angegriffen wird, und endlich 3) je 
mehr die Producte der letztern Art der Grund- 
fiOcke nöthig find , um die nothwendigen BedQrf- 
niffe des Volks zu befriedigen« 



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5lö Erftcs Buch/ 

> '"••■' •' • ' • - • ■■ .- -^ , - , 

$. 612/ • 

Aus den bisherigen Betrachtungen ift klar« 
dafs die Orundauflage« wenn fle ohne nachtheili- 
gen Rinfluf^s auf die abrigen Einwohner des Staats 
bleiben foll, nur nach dem Maafse des reinen Er« 
trags deffelben geordnet feyn und nur einen ali- 
quoten Theil deffelben betragen mufs« Die .Ge» 
rechtigkeit einer folchen Auflage leuchtet in die 
Augen, da der reine Ertrag des Landes oder die 
Grundrente nur allein unter dem Schutze des Ei* 
genthumsrechts entfpringen und (ich erbalten 
kann, -^ Sie bleibt aber' auch nur fo lange ge-^ 
recht, als lie einen nicht grOfsern aliquoten Theil 
des feinen Ertrags des Landbaues ausmacht, als 
der reine Gewinn der übrigen Gewerbe und Pro* 
ductionsarten als Steuer abgeben niufs, oder als 
fie das reines Einkommen aus Grund und Boden ia 
keiner ftärkern Proportion trifft > als alle fibrigea 
Renten. 

$• 61 3. 

Die Kegeln £ar die Vertheilung der Abgaben 
auf die Grundrente, \^elche die Nationalökonomie - 
verlangt» find folgende: 

a) Die Abgabe auf die Grundrente darf nur ei* 
nen aliquoten Theil derfelben ausmachen) 
denn wenn fie diefelbe. ganz verfchlange, wQr«- 
de fie den Werth des Grundeigentbums ia 
nichts verwandeln« 



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Von det Staatseinnahme. 511 

^ - 

2) Der aliquote Theil derfelben darf niö fo 
grofs fcyn, dafs er den Theil angreift, wel- 
cher zur Deckung der landüblicheo Zinfea 
de^auf die Erzeugung der künftlichenQruod* 
rente gewandten Capitals (der Crundau&!agea 
$. 5980 nöthig ift. Denn fonft wflrde kein 
Motiv mehr vorhanden feyn, Capitale auf 
Orund und Boden zu wenden , um dadurch 
eine Bodenrente hervorzubringen. 

3) Wo der durch das angelegte Capital bewirkt» 
Ertrag nur eine Zeitlang dauert» da muCs dl« 
Abgabe nur einen fölchen aliquoten Theil c)e9 
teinen Ertrags ausmachen ^ dafs der übrige 
Theil das verlegte Oirundauslagecapital in 
der Zeit, wo' die bewirkte grdfsere Frucht- 
barkeit dauert , f^mmt den Zinfen und übli* 
chezn Gewinn wieder erftatten kann. 

$. 614. 

Bey jeder Anlage einer Omndfteuer mufs da* 
her immer zuerft unterfucht werden : 

i)«ob die Grundrente blofs eine natflrliche oder 

eine kQnftliche fey,? 
3) ob die kQnftliche auf einer fortdauerdden 
Eigeofcbaft beruhe» die auf ewige Zeiten 
einen gleichen Ertrag fiebert; oder ob der 
dadurch erb^hete Ertrag mit der Zeit wieder 
abnehmen ) auf einem gewKfen Puncte Aehen 
bleiben, oder endlich gar verichwinden wird ? 



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512 Erftes Buch. 



$. ti.i5. 

Die Stcuerquota auf die Datoriichen Rentea 

„ag fogrofsfeyn als fiewill, fie wird der Production 

nichts fchadeo. wenn fie diefelbe nur nicht ganz 

Terfchlingt. Die Steuerquota auf den Tbe.1 der 

Rente, weicher künftlich ift, darf die Zinfen tind 

Gewinnfke, welche das auf die Urbarmachung an- 

gewandte Capital »erfpricht, nicht mehr antallen, 

als die übrigen Capital- un,d fachlichen Induftrie- 

renten. Wo daher diefe mit Auflagen vertchont 

find, mufs es auch jene, fo weit fie nicht gröfser 

ift als diete. Von dem Ertrage folcher Anlagen 

aber, die einen Capitalertrag verlangen . darf nur 

derjenige Theil als Gegenftand der Grundfteuer 

angefehen werden, welcher übrig bleibt, nachdem 

entweder der Erfatz des Capitals gefiebert, oder 

welcher als bleibender reiner Ertrag betrachtet 

werden kann. 

§. 616. 
*0b jemand ein grofses oder kieines Grund- 
ftückhabe, kann keinen ünterfcbied it. der pro- 
portionirlichen Befteurung diefer Grundftücke ma- 
eben. Denn die Urfachen, dafs das Grundßück 
feinen Ertrag liefere, werden eben fo wenig durch 
Befteurung des kleinen., als des grofsen Grund- 
ftücks berührt. Ift ein Gut fo kle.n, da s deffen 
. Ertrag eine Familie nicht erhalten kann, fo deutet 
dlefes an, dafs eine folcbe Familie in einem andern 
Gewerbe mehr gewinnen könne. Sie mufa daher 
^^ * ihr 



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Von der Staatseinnahmc. 513 



ihr Orundftück verkaufen und das dafür erhaltene 
Capital in andern Gewerben vortheilhafter anle- 
gen, oder daffelbc verpachten, damit es mit gerin- 
- gern Koften bearbeitet werden könne. 

§. 617. 

Eben fo kann es keinen Unterfchied machen, 
ob der Eigenthümer des Grundftöcks reich oder 
arm fey. Denn die Grundk-entenfteuer triflFt die 
Grundrente, und bekümmert fich nicht um die 
übrigen Eigenfchaften der Perfon, welcher diefe 
Grundrente zukommt. Wäre ein Grundeigentha- 
mer fo arm, dafser durchaus nichts weiter hJttc, 
als eine kleine Grundrente, die aber nicht hin» 
reicht, ihn nothdflrftig zu ernähren; fo kann viel* 
leicht ein Grund für den Staat .vorhanden feyn, 
ihn zu unterftfltzen, und die Erlaffung der Grund«^ 
ßeuer dazu zu erwählen ; aber darin , dafs er nur 
ein kleines Grundftück befitzt, liegt kein Grund 
zur Erlaffung. Denn das Grundflück enthält im* 
mer die Mittel, die Abgabe zu entrichten, in glei* 
ehern Grade, es fey grofs oder klein, ,0b daher 
die Grundfteuer aus dem Grunde der Armuth det 
Eigenthümers erlalTen werden foll oder nicht, ift 
keine Frage, die vcfr das Forom der Finanzwiffen» 
fchaft gehört, fondern der allgemeinen Landes- 
regiferung. 

i. 618. 

Wenn aber ein Grundftöck, vermöge feiner Na* 
tur, durchaus keine Rente trägt; fomufs es mit aller 
t». Jakob Staat sfinanzwijf^ K k 



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eiA Erft6s Buch. 

uad jeder Oruodfteuer Terfehont werden. Denn 
eine fokhe Steuer würde auf die ProdoctefaUeo, d©- 
ren Preis erhöben, und aUe die Wirkungen haben, 
weiche oben ($. 6 1 o.) namhaft gemacht find. Da- 
her muffen neue Anbaoungen fo lange mit der Be- 
ftenruog verfchont werden , bis fich das Vorhan- 
denfeyn einer RenU in der Erfahrung mit GewiEs^ 
heit zeigt. 

f 619. 
■EineGrandfteuer, welche auf alle GmndftOcke 
ohne ünterfchied ausgedehnt ift, ift daher im- 
mer fehlerhaft; denn fie wird aUemahl Oruad- 
ftücke mit treffen, die gar keine Rente geben. 
Sind nun deren Produete doch nothwendig.fOr die 
Nation; to wird die Steuer die Preife der Prodncte 
erhöhen, und dadurch, wie oben (§. 6iO.) gezeigt 
worden, den Confumenten eine viel fchwerereLaft 
auflegen, als die Abgabe ift, welche wo derglei« 
chen Grandftflcken gezogm wird. Ja da eine 
folche Preiserhöhung der Produete die Anfchaf- 
fang der Coofumtionsmittel erfchwertj fo wirk* 
fie auch auf Verminderung der Prodnction und der 
Bevölkerung, und i^ folglich der .Nationalökono- 
mie in allen Stücken entgegen. 

§. 620. 

Falfche Namen haben oft grofce Irrthflmer 
und viele unglückliche Wirkungen hervorgebracht. 
DerNam«"Orandfteuer liefert ein Be^fpiel cU* 



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< Von der S^atseinnahme;. 



5'5 

▼OD. Neooet» man fie Orundrentenfteuer} 
fo i*Orde fcboo der Name andeuten, wo «ineSteuer 
. Solcher Art Statt finden dCUrfe oder nicht. ' 

$. 6ai. • 

Die Hauptfache bey einem Befteörnngsfyftem 
in Beziebuag auf die Orundrentenfteuer wird daher 
feyn, den reinen Ertrag oder die Rente eines jede^ 
Orundftflcksauszumitteln. Dlefeshat feine Schwie-. 
rigkeiten, die aber doch nicht unaberwindüch 
,fiod, wenn man nur dabey von dem prakflfchett 
Crtindfatze ausgeht, dafs es dabey nicht auf ma- 
tfaematilche Genauigkeit, fondem auf möglichfte 
Annihemog der Wahrheit ankommt, und dafs 
•in wohlausgedachtes Pinanzfyftem Mlttei haben 
»ufs, die Ungleichheiten, die es nicht vermeiden 
kann , auf andere Weife wieder auszugleichen. 

$« 6a3. 
Die pniktifche Methode felbft, den reinen 
Ertrag oder die Rente der Ornndftflcke zur Regu- 
lirung der Orundrentenfteuer zu fcbStsen und fi» 
gehörig zu vertheiien, wird in dem dritten Bn. 
ob« vorgetragen. 

Bisher ift von folcben OrutadftQcken die Red« 
gewefen, welche fowohl die Koften der Oewinnnn^ 
ihrer Prodncte, als die Rente, durch ihre eignen • 
«roduct* bezahlen. Absr «s giebt auch Orund. 

Kk a 



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51$ Efftes Buch* 



ftücke, di^- entweder ihren Eignern hlofs Geaüffe 
der Noih wendigkeit, Bequemlichkeit oder des 
Luxus gewähren y. oder die ibneii nur'dadurcli ein 
Eiokommen verfcfaaffen, dafs £e geftatten» daCs 
andere iicb ihrer Grnndftacke. diefer Art zur Be* 
friedigung folcher Genürfe bedienen. Von diefer 
Befcbaffenheit find: i) die Gebäude aller Ax^t, 
fie mög^n zur Wohnung, zur Wirthkhafty zu G^ 
werben oder zum Vergnügen und zur Pracht die* 
nen; 2) Luftgärten». Luftparks und alle Einrieb« 
tungen der Natur, welche nicht auf Ertrag, fon- 
dern nur auf unmittelbaren Genufs angelegt Gnd. 

Der Werth diefer Grundllücke entfpringt 
nicl^t aus ihrem eignen Ertrage von Producten» 
(ondern aus dem Umftande, dafs fie entweder zum 
Bewohnen, oder zur Betreibung gewilfer einträg« 
lieber Gewerbe, oder zur Bequemlichkeit und 
Vergnögen dienen , und dafs es Leute im Staate 
giebt, welche Vermögen und Luft haben, an der- 
gleichen Gegenftände Capitale zu wenden, oder 
die Benutzung derfelben regelmäfsig zu bezahlen« 

5. 624. 

Wer ein Haus bauen will» bedarf 1) eines 
Grundes, auf welchem er es bauen kann; 2) eines 
Capilals> welches 4as Haus zu erfoauea koftet. 
Sobald Grund und Boden Privateigentbum gewor* 
den iß^, wird auch der Boden , auf weichem das 
Haus gebauet wird, einen Werth babep, und nur« 



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Von der Staatseinnahme. . 517 

* ' ' ' ■ IU I ■ ■ ■ ^ ■ ■! ■ . 

gegen ein Capital zu haben feyn. Die Erhaltung 
eines Haufes bedarf aber, auch 3) jährlich eines 
gewiffen Aufwandes, der nach und nach eben fo 
viel oder gar mehr Capital verfchlingt, als der 
Bau des Kaufes gekoftet hat. Es mufs das auf den 
Hausbau verwandte Capital als ein verlorner Pondc 
angefehen Averden, der mit der Zeitganz zuGrunde ' 
geht. • Soll ^ch daher jemand entfchliefsen , fflr 
andere ein Haus zu bauen ^ fo mufs er ficher feyn, 
einen fo grofsen Miethzins fQr fein Haus zu erhal» 
ten, wovon er bezahlen kann: i) die üblichen 
Zinfen von dem Capital, welkes ihm der Ankauf 
des Bodens, worauf das Haus gebauet ift, koftet; 
a) die üblichen Zinfen von dem Capital, welches 
der Bau des Haufes gekoftet hat; 3) alles, was er 
nöthig hat, um die vorfallenden Reparaturen zu 
beftfelten, das Haus im baulichen Stande zu* er- 
halten, um in der Zeit, durch welche das Haus 
ganz zu Grunde geht, das Capital, wa9 deffen 
Aufbau gekoftet hat, allmählig zu erfetzen; und 
endlich 4) d^^ ^"^ ^^"^ Haufe ruhenden Staats- 
und Communallaften zu bezahlen. 

$. 625. 

Das Einkommen A welches auf diefe Weife 
aus dem Vermiethen des Haufes entfprlngt, ift ein 
gemifchtesT Einkommen, wovon die unter Nr. 3 
und 4« angeführten Theile die Koften enthalten, 
Velche zur Erhaltung der Quelle des Einkommens 



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518 Erlies Buch. 



tus dem Haufe nothwendig (ind. Das reine Ein*, 
kommen des HanseigentbQmers oder die Htus« 
Tente wird alfo aus Nr. t. u. 2* beftehen. 

Etlänternng. Man, fette , der Ankauf der BauftelX« / 

kefte5oo'lUhI.9 der Bau de« Hanfe« 5500 , die Unter» 
^ Baltiiog a»d^ übrigen Laften iihrÜQh 6e KOkL^ und daa 
Hau« könne auf diefe Art joo Jahre erhalten werden« < 
die fihlichen Zinlen aber ftfinden 5 Proc. nnd da« Haut 
trage }ahrlioh 4to Etbl. Bliethsint» fo Vüsde die Rech- 
nung fo Itehen: 

Von 42eIlthL 

gemifohten Einkommen« 
gehen ab : 
a} Unterhaltnngtkoften und 

Lallten • • 6oRthI. 

h) 1 Preoent ifthrlioh tum 
allmflhligen ErfaU d. Bau- 
koßen binen 100 Jahren 55—* 

laoRtiiL 



B« bleibt daher • 5o<yRthL 

all Hautrente, walohe 5 Procent f&r da« Bau* uail 
Grundoapital an«macht, welche beyde im Hanf e ftecken. 
A» Smith nennt denjenigen Antheil , welcher auf dea 
Boden kommt, die Bodenreaite, und denjenigoa 
Theil, welcher auf den Anbau und die Erhultong des 
Qebäudec kommt , .die Baurente. 

f 626. 
'Eine jede Gattung ron Oebiuden, die ibrem 
^EigeothOmer eine Miethe tragen, oder die ihm 
unmittelbar einen Vbrtbeii gewibreat welcher 
dem Werthe diefer Miethe glach ift, bringt feinem 
JligenthOmer ein reines Einkommen 9 wenn diefer 
Miethzins zureicht, ,am 1) alle Unterhaltungsko* 
iften » 2) alle Laften » die auf dem Gebinde haften^ 



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Von der Staatseinnahme. 519 

■■■■■■■ 1 1 ^ ' 1 > , II » ■ ' ■ 

zu tragen ; 3) das verfchmadende Capital ?u er* 
fetaen, und 4) i>och' die ablieben Zinfen des auf 
den Ankauf, Anbau oder auf die fonftige Einrich* 
ti^ng rerwandten, jedes Jahr zurückbleibenden Ca- 
pitals zu bezahlen. Diefer letzte Beftkndtheil ihaeht 
allein diefes reine Einkommen vom Hanfe oder die 
üausreute aus* 

f 627. 

Auf gleiche Weife werden Parks» Luftgärten, 
Springbrunnen u% U w. ihren Eigenthflmern eine 
Rente tragen» wenn der Miethzins, der dafOr ge- 
geben wird, ,fo viel beträgt, dafs i) die üblichen 
^nfen des auf diefe Anlagen gewandten Capitals, 
2) die Rente, die der Boden bey gewöhnlicher 
Nutzung gegeben ; 3} die darauf haftenden Laften, 
4) die Unterhaltungskoften oder der allmählige 
Erfatz des rerfchwindenden Oapitals binnen der 
Zeit, wo die Anlage dauert,, davon bezahlt wer« 
den können. Die erften beyden Beftandtbeile die« 
fer Einnahme zufammengenommen werden die 
Park*, Luftgarten-, Springbrunnen »Renten, f. w. 
bilden. 

i 628. 

Der Miethzins wird durcE die Goncurrenz 
derer, die dergleichen Oebiude oder Loftpartieea 
fuchen und fie bezahlen können,' beftinimt, und 
kann onter gewiCbnUrnftänden bald ein viel hohe« - 
rts, bald ein viel kleineres Einkommen geben, als 
*9ur Ausgleicbung cler ($• 627O befingtea Beftand^ 



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520 Erlies Budi. 



tbeile nötbig ift. Im erften Falle wird die Rente 
Erhöbet, im letztern erniedrigt inid.wobl gar ver- 
nichtet werden. 

§. Sag. ; 
Sobald nämlich die vorhandenen Wohnungen 
fOr die Suchenden nicht zureichen « und letztere 
insbefondere reiche und vornehme Leute find, oder 
folche» die der Gebäude zu ihren Gewerben tiotb- 
wendig hedarfen> fo überbieten die Suchenden ein* 
ander, und der Mietbpreis der Gebäude fteigt. «^ 
Fehlt es nun nicht an Bauplätzen und an Capitali* 
ften; fowird die ftfsigende Rente baldCapitale und 
Unternehmer anlocken» welche die Gebäude ver* 
mehren, und diefer Umftand wird die Miethpreife 
bald wieder fo tief herunter bringen, dafs durch die 
Anlage der Capitale auf Häuferbau u. f. w. nicht 
mehr zu gewinnen i&, als durch andere Unterneh* 
mungen ahnlicher Art. Die hohe Rente der Haus- 
eigenthQmer wird alfo in dem angenommenen Falle 
nur kurz und vorübergehend (eyn. 

$. 63o. 

Fehlt es aber an folchen Bauplätzen , wo die 
Concurrenten Gebäude zu haben wünfoben; fo 
werden die Inhaber folcher Plätze , welche fehr 
gefucht werden, ein Monopol haben, und den 
Miethpreis der darauf errichteten Gebäude in eine 
nnbeftimmbare Höbe treiben können, vda, wie 
hoch er fkeigen kann , blofo tbeils von dem Reich* 



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Von der Staatseiiitiahme. .521 

thume derer, welche fie fuchen, und von der Be* , \ 

ffierde dafelbft zu wohnen u. f. w.» tbeils von der 

Ausficht, durph (nnehabung folcher Plätze gro- 

fse Gewinnfte zu ziehen, beßimmt wird. In folcben 

Fällen wird die hohe Rente befonders von der Lage 

der Bauftelle, obgleich auch zugleich von der Qua» 

litfit des Gebäudes beftimmt werden. 

i 63i. 
Treten aber Umftände ein, welche machen, 
dafs Häufer, welche in blühenden Zeiten wegen \ 

des Reitzes des grofsen reinen Ei [>kommens, das 
fie fonft gewährten, in Menge erbauet worden ? 

find, nicht mehr gefucht werden; nehmen die * 

Einwohner eines Orts an der Zahl ab, oder verrin* 
gert fich ihre Einnahme: fo finkt der Miethzins, 
. und die Hausbefitzer verlieren ihr reines Einkorn* 
men ganz oder zum Theil. 

$. 632. * \ 

In dlefem Falle fiokt zuerft die Bodenritote, 
bald aber folgt auch das Sinken der Baurente , fo 
dafs in einer folchen Stadt gar kein neues Uaus 
mehr mit Vortheil gebauet werden kann« 'Die 
Yorhandeneo werden, da fie doch einmahl da 
findf zu einem Preife feil werden, welcher tief 
unter ihrem B^uwerthe fleht. Der Verluft der 
erften Befitzer ift hier unvermeidliob. Ob die t 

neuen Käufer eine Rente ziehen, wird von folgen* 
4er Berechanng abhängen: Es mufs nämlich der 



M 



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5aa ' Erlies Bnclu 



Mietlrzias fflr ein folches Haus (o vie) tragen, dafs 
davon i ) das Haus im baulichen Stande erhalten» 

2) die auf dem Haufe haftenden Laften vergOtetf 

3) das fch windende Capital erfetzt, und 4) di^ 
Qblichen Zinfen des Kauf«* und auf die tUeparaturea 
verwandten Capitals bezahlt werden können. Die» 
fer letzte Beftandtheil des Einkommens aus der 
Vermiethung macht die Hausrente in diefem Falle 
aus. 

i. 633. 
Dafs die Hausreote im Allgemeinen ein Ge- 
geaftand der Beffceurang werde, ftimmt voUkom- 
inen mit der Gerechtigkeit überein. Denn der 
Hauseigenthamer geniefst diefes Einkommen als 
ein Prodoct feines angewandten Capitals unter 
dem Schutze des Staats , trägt alfo billiger Weife 
auch einen proportionirlichen Thdl zu deffen Er- 
ludtung und zur Ausfabrung feiner Zwecke bey. 

§. 634. 
Es mufs auch der HauseigenthOmer diefe Ab- 
gabf allein tragen, und kann fie nicht auf den 
Mietber wSlzen, wenn nur fonft zugleich alle flbri- 
ge Renten, mit den Hausreoten gleieb befteuert 
find. Denn der Mietbpreis wird allein dmr^h das 
Verbiltnife der Coacnrrenz derer, die die Woh* 
nungen fucben, und durch die Concurrenz des 
Angebots der letztem beftimmt. Nun aber wird 
diefes Verbaltnifs durch die Befteurung der Rente 
des Hausbefitzcars durchaus nicht ferSndert^ ia 



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^ Von der Staatsemnahme. 513 

weichem der oben ($• 629. u. f. w.) angefahrten 
Ffille man ficb ihn auch denken möge, wenn nnt 
xugleich alle flbrige Renten befteueit find. Um 
t diefes tu beweifen, fetze mai^ 

A. den Fall, dafs der Hauselgenthtimer eine mo* ^ 
nopoUftifohe Hansrente ($.,63o*) ziehe. Wird 
einem Ibichen eine Abgabe auf feine Rente 
an^degt; fo wird deshalb das Angebot der 
Wohnungen nicht geringer» noch die Nach- 
frage nach den Wohnungen gröfser« Denn 
es iftgar kein Gmnd vorhanden» weshalb die 
HauseigenthOmer die Wöhngelegenheit deswe» 
gen vermindern foUten» da fie ihre Capitaliea 
höher als andere durch die Lage ihrer fläufer 
benutzen , wenn fie diefelben fchon befafsen» 
beror die^Mietben fo hoch fliegen. Haben 
fie aber anch dergleicheh Häufer fpäter» za 
einer Zeit», als der Mifttbpreis fchon fo hocb 
war» gekauft; fo haben fie doch diefelben 
nicht thenrer bezahlt» als nach dem gewöhn- 
Üchen Zinsfufse^ und diefes ift ebenfalls keine 
Urfäche» die Wohnungen zn Termindern. 
Wollten die Haaseigner aber den Miethpreis 
mn der Abgabe willen wilikabrlich erhöhen: 
{0 würden die reichen Miether^ da weder ihre 
Zahl noch ihr Vermögen (nach der Vorans* 
fet?nng) gewaohfen ift» und ihr Ausgabe- Etat 
dadurch' überfchritten wflrde» Jhre Wohnungs« 
riume bald mehr einfcbränken» oder tiele 



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524 Erftes Buch, 



fich in entferntere Gegenden oder woblfeilcgre 
Städte ziehen. Dadurch wfirden die Häufer 
leer und die Miethen Wohlfeiler werden. 
Man fetze 
B. den Fall» dafs ein Haus gerade nach dem 
Capitale» welches deffen Bauftelle und der 
Bau des Haufes felbft koften, rentire ($.629.); 
fo würde eine neue Abgabe die Rente zwar 
etwas verkleinern, und dieferUmftandwQrde 
die Capitaliften abhalten, nicht nur mehr 
Häufer zu bauen , fondern auch felbft die al* 
ten fn dem vorigen Zuftande zu erbalten, 
wenn die Abgabe die Hausiente träfe. Es 
würde alfo eine folche Aufjage eine Urfache 
feyn , die Wohngelegenheiten nach 4ind nach 
zu vernriindern, und dadurch mOfste ihr Mieth- 
preis, wenn alle übrige Umftände gleich bhe- 
ben, fteigen. Denn die Capitaliften würden 
ihre Capitale lieber auf andere Gewerbzweige 
wenden, deren Rente nieht befteuert würde> 
und würden dadurch die Rentenfteuer auf ihre 
Häufer vermindern , wenn fie felbige in einen 
Zuftand verfinken liefsen, wo fie nicht mehr 
eine fo hohe Rente als fonft trügen — vqr- 
ausgefetzt, dafs fich die Abgabe jederzeit 
nach der Rente richtete. — Da wir aber 
annehmen, dafs alle übrige Renten mit denen* 
der Hausrente in gleicher Proportion be* 
fteuer t werden ; fo würde diefes nicht erfol* 



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Von der Staatseinnahme. 5:15 

gen, weil, worauf jemand auch fein Capital 
verwenden möchte, deffen Rente immer die 
H(enteuße^er.träffe, folglich diefe Steuei* kein 
Gruiid wäre, dem Capital eine andere An- 
' wendang zugeben. Endlich nehme man 
C. den Fall an , dafs ejne Stadt (ich in einem 
Zuftande befindet, wo die Häufer nicht mehr 
nach ihrem Bauwerthe bezahlt werden. Da« 
felbft werden offenbar die Erbauer neuer Hau« 
fer ihr Capital fo fchlecht anlegen, dafs fie 
gar keine Rente daraus ziehen, und folche 
neu erbauete Häufer wird man in folchen im 
' Wohlftande zurflckgekommenen Stä'dten auch 
billig mit Abgaben eine Zeitlang verfchonen, 
damit doch einige Aufmunterung zum Bauen 
vorbanden fey. Was aber die einmahl vor» 
handenen Häufer anbetrifft; fd wird der Kauf* 
preis derfelben fich fo reguliren, dafs fie dre 
gewöhnliche Capitalrente deffelben tragen. 
Sind nun alle Capitalrenten bey ähnlichen 
Anlagen gleich belegt; .fo wird die Aufla- 
ge auf dergleichen Hausrenten die Wohn- 
gelegenbeiten nicht mehr vermindern, als 
der Unwerth der Häufer es fchon an fich 
thut. Denn jeder berechnet -bey dem An- 
kaufe folchef Häufer, was es ihm koften mö- 
ge, das Haus in folcbem Zuftande zu erhalten, 
dafs es ihm die Rente des daran gewandten 
Capitals tragö. Da aber 10 folcfaen Städten 



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526 £rfles Buch. 



keine neuen HiuCer ohn« Verluft gebauet wer» 
, ^ den können; fo wird die Sttdt nach und 

nach Terfallen, bis die wenigen Hiufer» wel* 
che flbrig bleiben» eine fo hohe Miethe tra*« 
gen, welche wieder zu neuen Bauen auf- 
^ nuntert. 

$. 635. 

Gebäude , welche gar nicht benutzt werden» 

können auch keine Rente tragen, folglich auch 

der Rentenfteuer nicht unterworfen feyn. Wenn 

aber der Eigentharaer fein' Haus felbft benutzt; fo 

verzehrt er die Rente feines Haufes felbit, und 

das Haus trägt ihm wirklich die Rente. Eigen- 

thUmer können alfo deshalb nicht ?on der Haus» 

rentenfteuer frey feyn, weil fie diefelben nicht 

\ yermiethet haben, fondern fie felbft benutzen; 

wenn nur diefe Häufer vermietbet werden, und 

y olfo dadurch, eine Rente tragen können. 

f 636. 

Ein Gebäude mag zur Wohnung, oder zu Ge* 
j, werben, oder zum Vergnügen benutzt werden ; fo 

ift es doch immer einem Capiule gleich» deffea 
Rente dem Preife diefer Nutzung, nach Abzog 
deffen, was die Unterhaltung und die fonftigen 
Laften des Haufes koften, gleichkommt, und diefe 
Rente wird daher allenthalben der Stieuer uftteri* 
liegen, wo die Steuern genau nach Principien ver- 
theilt werden» Bringt man aber z. B. bey Berech- 



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Von der Staatseinnahme. $2y 

nung der Landrente nicht in Abzug, was dem 
Landwirthe der Miethzins oder Nutzwerth feiner 
Wohngebäude 9 Scheuren, Stitlle u. f* w. koftet» 
fondern rechnet dlefes mit zurLandr^nte» fo kann 
man freylich ihm keine Steuer auf die Rente feiner 
Wirtbfchaftsgebäude auflegen. 

Anm» Nur dia Unterfcbetduiig aller Theile der Real«, 
ilirem Urlprange naoh , führt tu einer gleicben Beftea« 
rung. In Städten find gewöhnlioh die Häoler ftark be« 
Iftenert^ und der Stadtökonom muff diefe Steuer aui 
dem Binkonmen leiaer Landwirthfchafl beftreiten» 
Wollte man nun feine Aecker eben fo ftark befteuern, 
tls die des Lendmannt^ delTen Wirtbfcbaftegebände nn- 
befteuert bleiben; fo gefohabo erfterem offenbar su« 
viel. Gemeiniglicb find die Stadtäcker geringer ba* 
Xteuert, al« die Dorfäcker. Aber diefe IVnterfcheidung 
ift aus keinem deutlichen Begriffe herrorgegangtu, und 
daher aucb die ricbtif a Proportioa laft nirgend« g e* 
troffen. 

$. 637. 
Wenn gleich die Haasrente znlet2t aus dem 
Einkommen derer fliefst, welche das Haus benu« 
tzen und dafQr Miothe bezahlen ; fo find es doch 
nicht diefe, welche dieHausrentenfteuer bezahlen» 
ibndem die Hauseigner felbft bezahlen fie von ib> 
rem reinen Einkommen* Denn wenn auch die 
Hau^entenfteuer nicht anfgelegt wire , fo würden 
di^ Miether deshalb keinen geringern Miethzins 
bezahlen mfiffen , wie oben ($• 634«) gazeigr ift 
Es würde alfo die Stenerfreyheit der HSufer nicht 
den Miethem zu Oute kommen , fondern d^efelb» 
würde biofs bewirken, dafs dem Hanseigner «in« 



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528 Etiles Buch. 



gröfsere Ren^e zufiele, und dafs dadurch der Capi* 
talwerth der Häufer fliege. Die Miether mflfsten 
immer die Zinfen des grdfsern Capitals bezahlen« 

f 538. 

Nur dann wOrde die Hausfieuer auf die Mie- 
ther fallen, wenn fie fo angelegt wäre, daCs fie 
die Hausrente entweder fo verminderte ^ /dafs die 
Häufer eine geringere Heute, als alle übrige Grand« 
ftöcke gäben, oder fie gar verfchlänge. Denn 
diefeswarde einen totalen Verfall der Wohngebäude 
nach fich ziehen, da jeder fein Capital, das er auf 
ein Haus verwendete, far vernichtet halten mafste» 
Da aber die Wohnungen doch zu den nothwendi» 
gen Bedürfniffert der Einwohner gehören; fo wür- 
den die Wohnungsbedarftigen fich zu einem fo ho* 
hen Miethzins verftehen mOffen, dafs die Hauseigen» 
thiimer denjenigen Theil der ihnen aufgelegten Ab« 
gaben davon bezahlen könnten, der nöthig wäre» 
um ihaen fo viel übrig zu laffen, als dazu gehört, die 
Gebäude in einem wohnbaren Zuftandezu erhalten. 
Jede Hausabgabe alfo, die nicht von der Rente 
des Haufes bezahlt werden kann, fällt nothwendig^ 
auf den, welcher die Wohnung benutzt, es fejr 
der Miether oder der Eigenthümer. , 

$. 639,. 

Was von der Hausfteuer gefagt ift, gilt auch 
von der Steuer aus Renten» die von irgend einem 

an» 



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. Vdii d^r Staatseinnahmß. 509 

. ■ : : ' ; ■ 

andern, zwar nichts hervorbrlngeoden» aber doch 
. siir Bequemlichkeit und VergnOgeo Anderer dia« 
jaenden Granditacke herrabren) als: Wegen^^rO* 
cken , C^nalen , LuftgSrten, Parks u« f. w. Denn 
die Renten, , welche diefe tragen, find reines Ein- 
I^^mmen d»s lEigenthamers, und mOff^n daher 
fluch der Gruodrentemfieuer unterließen. 

!$• 54o- 
IndelTen ift leicht zu bemerken, dafs die Hans* 
rentenfteuer von ganz anderer Natur ift, und auf 
eine ganz andere Art entfpringt, als die Orund* 
rentenfteuer« Diefe wird von den Froducten.des 
Bodens des Eigetithümers bezahlt, und fahrt alfo 
die Quelle, woraus fie abgeführt werden kann, un« 
' npittelbar hey fich. Jen^ hangt davon ab, dafs 
Menfohen vorhanden find, welche fchon aader* 
weltig ein Einkommen befitzen, um von derafel* 
ben Dienfte zu bezahlen, die ihnen angenehm oder 
nfltzlicb find, und die dadurch denen", welche ih- 
nen die Mittel dazu anbieten, ein reines Einkorn* 
men gewähren. W'enn |edoch die Quantität def« 
fen, was die BedQrftigen der Wohoungen an die 
Uausbefitzer geben , durch den Umftand, ob eine 
Abgabe von dem Einkommen des HauCes genom* 
men wird oder nicht, nicht geändert wird, und 
diefes Einkommen reinxiftj fo wird die Auflage 
auf das letztere gerecht feyn, und nie den Miether, 
fordern» allein den HauseigenthOmer treffen. 



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'sio 



Erftes Buch. 



•' ■' ^ " i: 64ii • '* 

"^iDaft' aber Haüsfteüern ip folchen Städteo, wo 
] '(itt filiethtins' to niedrig^ ift, daf$ er netie Häarer 

'zu b'aaen nicht gemattet» auf den Ruin folcher 
'Städte mitivirken, ift klar, wenn fie gleich den 
Saufern der Häufer kein Unrecht thun« Denn 
diefe werden fleh beym Kaufpreite nach diefen Ab- 
gaben richten 9 und n^cht mehr dafflr geben, als 
S , dafs ein reines Einkommen aus dem Haufe för fie 

' noch übrig bleibt. Da aber eben hierdurch die 

I Häufer iViimer mehr im Wertbe fallen; fo wfrd 

'immer weniger und weniger auf ihre Keparator 
verwendet I bis endlich die Stadt ein Schnttban/en 
• ^wird.* ;• 

f Anm« Oft wird man bemerken ) daXs in folchen St&dten 

* . ' do^h die Käufer nOcH weit Ober ihren '^ragtwertii 

J * bd«aUi werden* Der X3nuid ift ^ . weilr eini^ <7ewerl»i- 

' ^ute^ oder folche, die in dergleichen Orten wohnen* 

/ mütten, derfelben bedürftig und, fie daher über ihren 

'Werth beiahlen, und fich dnrch ihr G«wei4>e ii^en 
•dieCoB Verlufte« erhalfn« jluch Gni die WöiuAingeD in 
lolchen Städten um vieles wohlfeiler, als in. frequenten ' 
und reichen Orten. 'Wer alfo iich in verfallenden Städ- 
ten ein Haus kauf«»- wird «war daXelkft durth Vernie- 
. then delTelben nicht %a feinen Zinfcn kommen ; allein 
wenn errechnet, was. ihm feine Wohnung in andern 
Städten koften wfirde , fo wohnt er doch m der verfel- 
lenden Stadt viel wohlfeiler , wem er ««tch fe^n Haus, 
nach dem Miethzins gerechnet, tu hohen Procenten 
gekauft hat. Das Zul^römen von Fremden' in Städten 
deren Häufer finken, ift dafhtar eine Utflaoha» weldte «s 
yf ^-hindert, dafs ihr IVeirth nicht noch tiefef< iinkt, iind 
weshalb dafelbft die Häufer mit viel gröfserm Capital 
bcsahlt werden, hls fie, nach ihrlsrVetTiiiAmf ^erech- 



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Von (Jör SjtftÄtseinnahme. ,531 



net , werth find. Eben deslialb aber würde auch die 
Exemtion Ton der Hautfteuer kein Mittel feyn, folch«4 
StÄdtfen aufzuhelfen; ^e würde blofs machen, dafs di* 
HaufeigenthOmer eine ^öftere Hansrente erhielten. 
Soll dergleichen Städten wefentlich geholfen werden, 
lo mufs ihr Nahrungsftand fo gehoben werden, daft -» 
Aar Miethpreia wieder fo hoch fteigt, dal« er tum Auf. 
bau neuer Häuler ermuntert. Die meißen unferer 
Städte find nur durch Begünfiiguhgen und Privilegien , 
das geworden , was G^ Waren. Da mau ihnen in dar 
.neuem Zeit. diefe entzogen kat^ro muXsten de in Verfall 
gerathen, und um fo mehr» da ihnen die Lcften, wel- 
che Re bey jenen Privilegien leicht tragen konnten 
geblieben find. ' 



^ 



/ 



f. 642. 



?^'#^wl>t.fiiGh aus der Bfe);rachtuDg der Haus- 
,rtntM&ßMf^^4^ts fie e^entüch zu der Claffe der 
CajpitakpDtenft^uer ^ehiirt, indem der Miethzios 
in der TM ntohts ander3 ift,. als die Verzlofung 
des Capitate, welches das Hauj5 koftet. Da jedoch 
ejp roJche$ Capital in eineofi unbeweglichen Oute 
fyärt wird, u<id das Haus diefes Capital vorftellt; 
fö kann die Hausren tenfteuer immerhin zu der 
. Grundreotenfteuer gerechnet werden, we^n man nur 
fonfi die Verfcbiedenbeit derfeiben von derOrund« 
rentenfteuer (blcher Grffnde, die aus eignen Pro- 
dueten derfelbe». bezahlt wird, nicbt verkennt. — 
Hieraus folgt aber auch, ^aCs Gebfude nur eine 
Steuer ertragen kdonen, wenn £e wirklich eiae 
Rente tragen. Tragen fie diefe nicht, fo können 
fie fo wenig befteuert werden , als todt liegende 
Capitale-, dena nur dfas reine Einkommen ill Oe- 

Ll a 



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532 Erftes Budfi. 



genftand einer Steuer. Pracht- und Luxasgebiurfa^ 
die keine Rente tragen» weil fie darchaos unver- 
miethbar find» können daher der Haut fteoer nSefat ^ 
unterworfen Teyn. Wenn man die Grundfiiebe 
(araa), welche fie einnehmen, wie tragbare« Land 
befteuert; fo ift diefesmebr als.eineBeftrafungdef* 
fen anzufehen , der einen tragbaren Platz mit un^ 
«Otzen Oebättden belaftet, als eina ^auafiener« 
§. 643. 
Sind Gebäude blofse Inftrumenie eines Gewer« 
. bes i fp dafs fie zu deffen Betreibung nothwendig 
gehören ; fo find fie zwar auch als Gapitele anzu* 
fehen» welche eine Rente tragen : und wenn der* 
gleichen Gebäude Co befchaffen find, dafii fie ftets 
Ton Gewerbsgenoffen gefucht werden» fobald fie 
derEigehthOmer nicht braucht» oder fie nicht mehr 
fo hoch als vorher benutzen kann ; fo können der» 
gleichen Gewerbsinftrumente» wie andere Capi« 
tale» wegen der gewiffen Rente» die fie einbrin« 
gen» befteuert werden. Allein» wie groCs der 
Theil der Rente fey» welcher auf ein loftrument 
eines Gewerbes fällt» läf^t fidi da» wo jene kei* 
aen currenten Miethprtns haben» fchwer berech* 
nen. Und deshalb ift es beiXer, unter folcbten Ver« 
hältnilTen lieber die Rente des ganzen Gewerbe^ 
als die einzelnen Beftandtheile , woraus die Ge- 
werbsrente entfpringt» zu befteuern» weil auf diefe 
Art die Rente» welche die Inftrumente geben» 
doch auch mit befteuert wird. Aus diefem Grun- 



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Von der Sjaatn^iimaliine« 53 j 

' — ' — ] — I — "- - I 

de wird man fflgliph die landwirthfcbaftUcben 
GebSttde» fo wie die Fal^il^bäufer, wo dergleicben 
Oebfiude keioen regelmifsigen Mietbzins baben» 
Haadelsmagaziiie u. L w« von der Hausfteuer frey 
laflen» und blols die Gewesbsr^nte derer , die fich 
ibrer als Inftrumeote bedienen , Oberhaupt befteu« 
ern. Hieraus kann ' 

1) kein Nacbtbeil fQr die Staatscafle entfteben. 
Denn befteuerte man die Gewerbsbaufer ; fo 
würde, wenn die Gewerbsftener anders nach 
richtigen Principien eingerichtet werden foll« 
te^ das Capitalf welches in demfelb^n fteckt» 
hej der Berechnung der Gewerbsrente aus 
der Rechnung bleiben mOflen, um nicht noch 
einmabl befteuert zu werden. Thut man diefs 
nicht» fondern befteuert den ganzen reinen 
Gewinn der Gewerbe; fo trifft fie das Ganze 
des in dem Gewerbe wirkenden Capitalsi^ folg* 
lieh aucl) den Theil , welcher in den Ge« 
werbsg'ebäuden liegt. £$ gewfihrt aber diefe 
Methode 

2) dem Gewerbetreibenden Vortheil, und pafst 
die Steuer feinem jedesmahligen Zuftande an» 
da die Gewerbsinftrumente bey Berechnung 
des reinen Gewerbsertrags nur in fo weit in 
Anfchlag gebracht werden kOnnen » als fie 
wirklich ffir das. Gewerbe gebraucht worden 
find. Der Staat ift daher weit fieberer » das 
rechte Maals der Gerechtigkeit und Gleichheit 



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534 Erftes B|lch. 



in der Befteurung der Rente zu treffen» wena 

er feine Steuer n^ch dem Gewerbe abmiEst. 

3) Wo dagegen GewerksgebSude leicht vermieth* 

i ' bar find, und einen currenten Preis haben, 

^ da mögen fie immer der gewöhnlichen Haas* 

f rentenfteuer unterworfen werden, weil es da« 

felbft jeder io feiner Gewalt hat, fein HanSr 

feinen Boden u. f. w, zu vermietben , Sobald 

diefe Behältniffe ihm felbft nicht mehr den 

t Nutzen gewähren, dtß. er durch Vermiethung 

herausziehen kann. 

Erläuterungen« Soll t. B, die Gelrerbsrente einer 
Branerej hereohnet werden, £o würde man pngeflhg' 
# fo sn Werke gehen : * 

In der Branerey des Hm. X Toll ftecken : 
i) ein fixes Capital 

a) an Brauhaus, MalBhanSy6a]irha«sn.Cw. 1500 Rthl. 

b) an Bottidhen, Gefftfsen u. T« w. 500 — 
, ' fl) Zum umlaufenden Capital für Arbeitslohn, 

I Ankauf des Maises u. f. w. habe er jährlich 

[ nöihig y wenn er oontinnirlich brauet, 10,000 &th]« 

Schlägt man den reinen Gewinn des umlaufenden und 
^ des fixen Capitals im Durchfchnitt su 10 Prodent an ; 

' fo wird der reine Ertrag einer f eichen Brauerey £eyn : 
isoo RthL 

Nun fetse man 9}ier^ der Brauer #eile uaoh, er habe 
nur die Hälfte der Zeit im Jahre brauen können; lo hat 
lein fixes Capital ein halbes Jahr geruht , folglich in 
diefer Zeit nichts eingebracht. Daher kann der reine 
Gewinn deHelben nur tur Hälfte, 4 i. su 5 Procent 
angefchlagen werden. Hier ift alfo gleich der Maafs* 
ftab bey der Hand, wie die Rente von Gewerbsgebän* 
den abgefchätst werden muls. 

Zur LandwirthTchaft gehören WirthfchafUgebände 
als Inftrumente derfelben» und bey dem Anfchlage eines 



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Von d^r Staatsökiliahme. '59^ 

Gutes fteeken «Uemahl diele Gebande mit darin.. I(t 
X. B. ein Gut auf einen reinen Ertrag von 10,000 Rthl. 
gefchStit; fa Uegen darin mit die Zinfen det Capitah, 
welcfaa« die {lötkig^n'Wirtlireliaftfgebäude koften, (feU 
ten die, welche SchlöITer oder LuxushäuTer auf den 
Landgütern tragen Tollten). Indem ich alTo <ien rei* 
neu Ertrag des Guts befteure, beAcnre ich su^eichi 
die Renten, die ai|f dai Capital fallen, wtfkbet in^ 
den Gebäuden ßeckt, weil doch zur Bewirthfchaftung 
jedes Gutes Gebäude geboren. Wo^te man die Wirtb- 
rekaüagabäiide befonders befteuern ; Id würde man bej, 
der reinen Ertragsberecbuung das in den .Gebäuden 
ßeckende Capital in Abzug bringen müCTen, da deJTen 
Rente Ibbon befteuert wäre. Man würde alto das Ab" 
lebätiungsgefcbäft nur weitläufiger machen. 

Wo dagegen die Gewerbsgebäude in jener Zeit zu ei-' 
nem currenten Preife vermietbet werden kÖnneti, und' 
wo fie wirklich yarmiethet And» da kann der Mielh^t 
sint, da er rein erlcheint und beliebig gehoben wer-, 
den kann, als ein befonderet lieuerbares Object auch 
hej Gewerbsgebäuden oder deren Baftaadtkeiltn bo« 
trachtet wardea« So wird man füe Miatke der KranM 
laden in frequenten Städten, der Magazine in gro Tsen^ 
Handelsplätzen als befondese Steuerobjecte anznfahexi 
haben , und üe zur Hausrentonßcuer ziehen. Bey Ab- 
' fcbätzung der Stadtökonomieen wird aber auch daraiif 
Rückficht zu nehmen feyn, ob die Wirthfchaftsgebäudt 
fchof belteuert find , oder nicht, 

§. 644- ' 

Hieraus ift klar,daf$y wenn die Gevrerbi^ 
gebiade oicbt befteuert werden », diefes deshalb 
keine Steuerfreyheit fOr die Gewerbtreiben» 
den ift 9 fondern es wird dabey nur die Methode 
der Befteuroog der Rente des Gewerbscgpitals ge- 
indert« Die Gewerbsgebäude! maffen aus denlfel» 
bea Cruqde verfcbont werden« als man die 'Ge* 



/ 



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5}6 ErftcsBijidu 

" II ■■■■■ I ^ 

werbsinftrumente Oberhaupt mit Steuern zu Ter* 
fcbonen anratbet. Der Grund ift oSiniicb , damit 
Niemand dadiircti abgehalten wjerde 9 ficb die ge- 
hörigen Inftrumente zur Vervollkommnung feines 
Gewerbes in CattCamer Menge oder Gate anzufchaf* 
fem ' Da das Produot diefer Inftrumente in dem 
reinen, Ertrage 4f^ ganzen Gewerbes immer zum 
Vorfcbein kommt, fo trifft, den Theil deffelbeo, der 
aus dem Capitale, das in den Inftrumenten fteckt, 
entfpringt» die Steuer nothwendig mit, fobalddle 
ganze Gewerbsrente befteuert wird« Es kann da- 
bey aber immer Fälle geben , wo es keinen Scb»> 
den tbut und bequemer ift, die Rente des Gewerbs* 
ioftruments^ felbft zu beftenern. Diefes ift z. B. 
•Ueothalben der Fall, wo diefe Rente eine gewifla 
Stetigkeit erhalten und ftels einfdrmig und beUe» 
big gezogen werden kann. 

Erläuteriing. Man fetze , et Termictlie ein Capf ta- 
liil in einer groXaen Manufacturftadt WeberftOhle , und 
•s fey dafelhll Gewohnheit, dergleichen na 10 Rthl« 
jährlich so miethen. Wenn nun ein folcher 100 Weber- 
ftühle gewöhnlich ▼ermiethet, und et ergiebt lieh, da£i 
er daroni nach Ahsug der Keparaturkoften und des 
fchwindenden F(^dt| 700 Kthl* reinet Einkommen hat; 
fo würde es hÖchft unrecht fejn , diele 700 Rthl. nicht 
SU beftenerny wenn alle übrige Capitalrenten befteoert 
find. — AuiOh wird er wegen einer folchen Steuer die 
Miethe der Weberltühle nicht fteigem und die Abgabe 
auf die Miether werfen können, da das Angebot und die 
Nachfrage fich dadurch nioht ändert, und foin Capital, 
wie er er auch anwenden möchte ^ nach unferer Vor-- 
ausletznngi dafs defTen Product in jeder Anwendung die 
Steuer trifft» dadnrek dar Btftemmng nidit ealgiage^ 



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Von der Staatsdbmahme. ^^^ 

dats e9- auf eia« andere Art angewandt würde* UätteH 
Bunandfre Weber ilire eignen Stühle, To könnte man. 
mit Heckt yorauifetzen , dals dielen die lo Rthl«, iwel- 
^M ander« lür den 8t«bl jährlieh Bftiethe geben mfif« 
fen, in Gute kommen, und Reh folglich ihr reinea 
Einkommen um ~io Kthl. für jeden Stuhl , den Ge ia 
Arbeit erhalten, Termehrt. Wenn nun folche als Eig- 
ner der Stühle^ eben fo wie die Verieiher derXelben be-< 
fteuert würden; fo gefchähe ihnen kein Unrecht^ und 
das Gewerbe könnte bej den augenoinmenen Voratti« 
leUnageM aueh nicht dadarch leiden. 



Ton der Ctpital • Zinfreate. 

i. 645. 

Die zweyte Cbiffa des StammTermögens find^ 

die Capitale^ dUh. VorrStbe voi^ nitzliehen 'Sa-- 

> oben. Diefe können dadurch ein Einkommen 

bevrifken» dafs man fie zum Ankauf ^Ton Grund!» 

i^Qcken oder Mafchinen und Inftrumenten an* 

wendet t oder Arbeit damit bezahlt , und durch 

alle diefe Mittel Producte erzeugt, odör Werth« 

erhält» wovon man da;» was Ton dem angelegt 

ten Capital dadurch zu- Grunde geht, erfetzeb 

kann» und dann Jioch ein K-oduct flbrig bebilt» 

wekbeg^ das reine Einkommen Ton dem Capital« 

ausmacht« Derjenige Theil von dlefem reinen Ein« 

kommen, welchen man far die Darleihung deS 

Gapiialsoder far dieErlauboifs» daffelbe beliebig 

zu nutzen» zu bezahlen pflegt» wird Zinf en ode* 

Capital« Zinsrente genanat« 



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5^ Erfte^ Bück 



f 646« 
Diefd Zinfen mufs im Allgemeihei^jedef^ gil- 
ben 9 weicbar eia Capital von dem Aodem borgt» 
er mag nun daffelbe fo nutzen, daEs er dadurcb 
tiß Product hervorbringt» 4¥ovon er die Zinfen be* 
xablen kann» oder er mag das Capital unbenutzt 
liegen laffen» oder auch es verzehren. Er behält 
die Verbindlichkeit, das Capital zu erftatten und 
die iUnfen fo lange zu bezahlen, bis er es erftattet 
bat. Läfst er all'o auch das geborgte Capital unnQtz 
liegen, oder verzehrt es; fo mufs ^ fowohl die 
Zinfen, als, bey der Verfalizeit, das Capital, aus ir* 
gend einer andern Quelle feines Vermögens oder 
feiner Einnahme bezahlen , wenn er gerecht leyot 
will. Die Sorge for ErAattung des Capitis sa 
der beftimmteo Frift,. und fOr die Bezahlung der 
Zinfen bis dahin, ift die Sache des Schuldaeraw 

§. 647. 

FOr den Glfiubiger aber bleiben die Zinfen 
immer ein reines £inkommen, der Schuldner mag 
fie aus dem Prodoote de^ erborgten Capiuls» odec 
aus irgend einer andern Quelle befahlen. Denii 
der Gläubiger braucht daraus nichts tu bezahlen, 
was zur Erhaltung de^^Stammvermdgens (Capitala^. 
dient, oder Mittel daraus zu beftreiten, wocdureb 
die Zinfen von'ne;uem angefchafffc wcufden; dte- 
£es ift lediglich Sache deffen, welcher daaCapitttl 
geborgt hat. ... 



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Von der* Sta^teeSnjiahme. 53^ 

$. 648. 

Die Ofepital • Zinsrente ift daher ein wQrdiger 
Gegeaftand der Befteiilriiag. D^na i) ift ^ine Ab* 
gäbe darauf gerecht, fobald der Staat derfelben 
zu ^eioeD BedarfnifCen bedarf, und alle übrige Ren- 
ten gleichfdUs Abgaben geben» da die Zinsrente 
darcbden Staat begrQndet, gefiebert und anter 
(einem ^ksbutze geooffen wird ; und 2^ ift fie den 
Gniodfitzf D der Natiofl«aldkonomie. nicht entgegen, 
cla fie daS'Staoini.Tertndgea (das Capital) unangeta« 
ft^tläfitt) und weder deEfiTenfirhaitung noch Vermeh» 
mog i^odert, fond^rn ni^ einen geringen Theil 
roü dem reinen fiiokonnmea des Ciipitals weg« 
nimmt« 

$. 649. 

Wran aber die Auflage aof die Capital -Zins» 
renten «ine wirkliche Steiier auf das JEinkominea 
der jCapitaliften £efkk foU ; fo mufs fie fo angelegt 
werden, dafs man ficher ift,. fie maffe auch ron 
denen bezahlt werden, welche die ZinCen empfan* 
gen, und dafs diefe es ni^ht in ihre Geyrait be« 
kommen 1 fip denen zu^ulbhieben, welche die 
Zftutea geben* 

§. 65o. 

Um diefe Sicherheit zu bewirken » müffea 
I)4ie ZioCefi a^ler Capitale, gleich befteuert feyn. 
Pe^n 

a) Mim fetze, ee blieben die Zinfen einiget* Ca« 

js^f unbefteui^t^, fo worden die Capitale 



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54^ Ifrlles Buch. 



diefen Arten der Anwendung der Capitala 
zuftrömen , und die Capitale wflrden -deshalb 
fQr dfejenigen theurer werden » wetthe fie 

^ vicbt fo borgen könnten ^ dafs der CapitaUft 
der Steuer entginge* Es wQrden daher die« 
jenigen» welche unter foichen Umftanden 

* Gäpitale fuehten» fie unter keinen andern 
Bediagongen erhalten , als wenn fie entweder 
die Zinfenfteuer Obernihmen » oder, w^lcb^ 
datfelbe ift» #eon fie fe hohe Zinfen geben» 
dab die Empfltnger derfelben a) die Abgabe 
daron beftreiten , und b) noch eben (o hohe 
Zkifea Obrig behielten, als diefeaigen, dermi 
Snfen unbefteuert find. Auf diefe Weib 
wArde die Abgabe, welche den Zinfenem* 
pfingem oderCapitaliften zugedacht werden,* 
gröfstentheils in eine indirecte Steuer auf d\& 
Gapitalbedftrftigen oder die Zinfengeber Ter» 
wandelt, und die Capitaliften gin^pn ftmmt« 
lieh frej aus. 

3) Sind aber alle Zfnfen gleich befteuert; (b 
haben es die Ollubiger nicht in ffirer Gewalt, 
die Steuer von den Schuldnern durch Erhö- 
hung des Zinsfufses einzuzieben. Denn daA 
Angebot und die Nachfrage nach Oapitalen 
indert fich' dadurch nicht, dafs alle Capita* 
liften Ton ihren Zinfen eine Abgabe geben 
maflen ; folglich ift auch keine Urfache vofw 
handm» welche fie effmiGhligeil könnte» 



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V oxi der Staatseianahme« 541 

— — ^W I ' I ■ I ■ I 

höhere Zinfen za erbalten/ w^b nur nicht 
die Höhe der Zinfen tine Urfocba wird, auf 
Vetaiehruftf oder Verminderuog. des Landes« 
ca]^h^e zu wirken« 

f 65i. 

U. Die Aliquote der Zinfen, welche ihnen 
eis Abgebe aufgelegt wird> darf daher nicht fo 
grofe feyn, dafs fie ein Antrieb fejn kann, dfe Ca-* 
pitaie aufter Landes z« Terborgen« Dadureh iprtr« 
de die Steuer 

1) ungerecht und ungleich' werden, ' indem 

-' >a) nicht nor diejenigen ^ welche ihre Qiphale 

ins Ausland verleihea, iak aller Beftcurung 

der von dorther zu beziehenden Zinfen leicht 

entziehen k^ftnaten, fbndem auch b) die im 

Lande zurlckbleibenden Capitale dieurer^ 

und folgheb die CapitalbedCrftigen genöthigt 

wer^n wOrcten, höhere Zinfen und in den* 

ielbm die Abgabe auf die Ziolea zu betableq. 

?4^Ian wttrde allb auch dann eigentlloh nicht 

-'..' ^ die Renten der Oapitaliften» {ondem ihre 

Schuldner^ obgleich indirect, aber doch 

.gegen das Princip der Bcfourang» pit d^r 

ly Al^abe belegen« -*- Aber es wftrde dndurcb 

auch 
1 ü) die Ahgid^e antinathmaJökonomiftifeb wer- 
.den«* .Denn fie triebe a) die. Cspitale als 
.die HaqptnutteL des firireibss wd dqn Ver- 



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;54e : - -ScftM Buch. 

: .. . lnebr«iiig des Natiooalreiclithums aus dem 

i. . . Landoy und erhöhet« b} den Zindfufe. Jede 

.£rli^ung des Zinsfiifses 'a4>er wirkt üuf Er- 

fchwerung der Oewarbe und auf V^miode* 

ritn^ der Production« 

. Ss dflcfen ahdr III) euch dieRenteo frem^lfr 
•^Cij^l&le niokt bfft^Mert weiNiea y fobald zu be£or» 
^ffM ft«ht9 dafs. deshalb die. fremden Capital« aj^s 

dem Lande zurückgezogen oder hereiazu kattunen 
'vebkiiidect werden jt)dohben# Denn fremde, Cajpi* 

tale find.MiUel» .die Joliitdifobe i PifoductfoD zu 
•^ennehreh» uhd i&ringen deml^atde mehr V^rtbeit» 
^1^ die hiniiusgbhenden ZUifen» JBs wQrde daher 
i^ioe Steuer » die fi^ vom X^ande- 4ui:flpkhiel$e oder 
• daraus vertriebe; antlnfttioBi»ldkoiipinitti(ofa:feyn« 

"' ' ' -.'.'. "$• 653." "!" , ' ' 

'^en., )4vel#be jdie.fiiiaaipelitik .bey/ZieftoiM^ der 
rZUifen^u.berOQkfiQbtigfin.bilU; Ai^.fveicbevQuei- 
jM:die<:)s9it^i * ZiitiatentebßzaJblt vwrde, ob «us den 
iP«otfa«tcMi derjeiffaorgteb Gapüal*> .oder aus* einem 
aildfcia^ fiinkomaieo , . odec^ ger xdn cUm ^borgten 
Capitale felbft, geht fie nichts an« Denn Ihre Ab« 
•lUfht ift > den 80 "Uftmern , der lUsytüsie ^nkom- 
iiieii''bezieht. EsiifteinNationalflbid» wenn viele 
Zidfen nieht aus den Prodnctet jder oriiovgteä 



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Von ä^jStBMt^^jakiahme^ ^g^ 



*<!apltal6 lyezahk.v^^ecdea» und cUefefohon veirtbaii 
-find« «Aber ^sjwflrcft cUefas.mobt ^«iiiil^it.war» 
ndeo, wenn der Staat decgleiabM iZiaCen. won. dir 
.Abgabe befreyen ,M>Ml^; er •w9rdo,^ft4uare)i Mckfe 
'den Qläubigern eioe. Wohltbaterteigea^ iadem.v 
-ihr l^akomtnen . aus^den Zipfen- fqlober^OftpitdlB 
"^oh den Abgaben .befneyete; Aber^ die^buJit' 
«^rtdeabalb geriogf^c^ Zinsen h«2ahiea u^Ord^n^ igt 
-höibft unge«cifs. Und felhft. weoo eine dd^kß 
RückTOrkung in einem gemf(en ßgßde erfoIgMi 
fo.wOixIe dock dar SuUt keine Scbuld^eit beben» 
ddrgteichen Schuldnern eine foiche Wobldiat./üi 
^^rweifen,. da die UrCacben, welcjifeibnen den Vet- 
Joft des erborgten: Capital« ziigeasogen, pder die fte 
anr Verzehnmg deiXfiIt>en befiiipint. haben, fa u^ 
•endlich rerfcbieden find, dafs vielleicbt nur der 
aUerkleinfte Tbeil derer, die fich in Solch^m^Ffäl^ 
befinden, eine BerOck&cbtigung djefer Art ver« 
'dient. Dergleichen BerückGchtigungen aber, wo 
I6e auch aifwendbar feyn möchten, gehören doch 
;Air^«M nicht zum jKefTort des ;]^ipiU|zdeparte* 

; W^nn in der Capital ^Zinsr)^nte.^^l^gl^c^,l$i^ 
Thett ^esG^iUi&zpröjgkgezablt wird^jfp dafs i^a^h 
dein VerÄüfs beftiwmter J^lire d^^^^nze Capital 
surückbezahlt ift undfodanq ^ C^pit^ . Zin$re|lt^ 
aufhört; fo.ift ^ine foiche Zinsrente keine reine 
Zinvei^tÄ, fon4^,a mit Cgpita^ljt^pjlpn vermifcht. 



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|b^ Erftes Budi. 



Da Don luich der hier antwiekebvn Anficht nur 
rtl«- 2Unfen beftaoert werden Uütn ; fo können Ein» 
icomman aus Tontinen, Leibrettteil, Annuititen 
lind andere Einkomden mit fohwindeöden Fonds 
«icht höher befteuert werden, als die einfachen 
^kpitahtnfen , weil die Aufliyp. anf dasjenige Ein« 
-kbmmen, wekfaes als Beftandtheil|de8 CapHals 
iRirackkehrt, bicht reine Capital» Zinsrente ift, 
^ind dorch eine folohe Steuer das gemifchte EU* 
.kommen befteuert werden wörde, welches eine 
.ganz andere Steper wSre, als woron hier die Rede 
ift. Letztere wird nach ganz andern Regeln be- 
-tirtfaeilt ($.58o.). In wiefern diefes rflckkehrende 
Capital in reines Einkommen verwandelt und 
nicht zur Erftattung des Capitals angewandt witd» 
msterliegt es zwar mit Recht einer Steuer, aber 
lÜefe erfolgt nach ganz andern Pnncipien, wie 
weiter unten klar werdea wird. 

$. 655. 

Sobald erweislich zu machen ift, defii durch 
die Befteurung der CapiuU Zinsrente zugleich ein 
anderes Einkommen, alfo die Gapitalrente doppelt 
befteuert werden wOrde, mufs diefes in derStener« 
Ordnung rectificirt, und dSeBefteuning entweder 
von dem einen» oder von deoi andern Objectii 
weggenommen werden* ~ j ^ 

Erläuterung. Oef ettt , ein OuttHerr habe mit einem 
•rbor^teii Cepit^ eiiie Witf« entwaCbrt » «ad dedureh 

eiae 



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Von der Staatseinnahmen 545 

' — — 

eine GmndireBte iron 4 Procent bewirkt , welche er an 
den Capitaliften als Zine bezalilte; Xo würden diefe 
4 Procent zwiefach beftcuert werden , wenn fie erMich 
als Zintrente, und sweytene alt Gnindrente belletiert 
würden , da ^ dooh nur ainmahl eziltiren. Da aber 
offenbar die 4 Procefit zu den Koften gehören , welch* 
die Production der Wiefe crfodert; lo müXTen Ce lo 
lange in Abzug bey Berechnung des reinen Ertrage 
kommen j 1^ arwielen werden kann, daTs^in fremdet 
Capital in uer Wiele fteckt^ welches jene 4 Procent 
▼erlangt. Erft wenn das in die Wiefe gedeckte Capital 
lein Eigentbum geworden ^ werden jene 4 Prooent al» 
fein reines Einkommen betrachtet werden können) 

$. 656. 
V Sobald daher auf GrundftQcke hypothekarifch 
eingetragene Zlnfen befteuert werden, mQUenfie 
9uch als Koften der Hervorbringung des reinen 
Ertrags der GrundftQcke bey Berechnung der 
Grundrente in Abzug gebracht werden, 

$. 657. 

Die allgemeine Befteurung der Zinfen ift mit 

ui^gemein grofsen Schwierigkeiten verknüpft, weil 

es fcfalecbterdings kein ficheres Mittel giebt, alle 

Zinfen, welche einkommen, genan xn erf orfchen. 

$• 658. 

Die Zinfen , welche allenfalls zur Notiz der 
Regierung gebracht werden können , find : 

i)die Zinfen von Staats- und Gemeindefchulden ; 
2) die 2^nfen von hypothekarifchen und andern 
gerichtlich verfchriebenen Schulden. 
V. Jak9b Staaufinawtwiffk Mm 



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546 Etiles Buclu 



Qagegea entziehen ficb ihrer Notiz faft gänzlich : 
a} alle Zinfen, die* von den im Auslande feyen« 

den Capitalen gezogen werden ; 
a) alle» welche durch den Umtrieb der Gapi« 
pitale im aufsergerichtlichen Verkehr entfte- 
hen; befonders alle, die von dem fo ausge« 
dehnten hin und her gezahlten Handelscapi« 
• tal verrechnet und bezahlt werden , die Zin- 
^ • foo von den in den unendlichen Gevirerben 
' angelegten eignen und fremden Capitalen. 
$. SSg. 
Wollte man nun die erften Arten der Zinfea 
befteu'ern; fo treibt die Steuer unvermeidlich die 
Capitale aus diefem Kreife, worin ihre Zlnfen von 
ihr getroffen werden» heraus» und fteigert in dem* 
felben den Zinsfufs» fo dafs die Abgabe fehr bald 
den Capitalfuchenden zur Laft fällt. Aus diefem 
Grunde hat man es in den meiften Staaten rathfa* 
mer gefunden ». den Theil des Einkommens, wel- 
cher aus den Zinfen befteht^ gänzlich von. der 
directen Steuer zu befreyen» fich fchmeichelndf 
dafs man ihn durch Umwege oder durch indirect« 
Steuern erreichen könne. 

$. 660. 
Indeffen verfällt-man dadurch unvermeidL'ch 
in den Fehler der Ungleichheit der Befteurung« 
Denn da 

j} die Abgabe 1^ welche man nach dem Befitze 
ordnen möchte, jene Rente auch nicht treffen 



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Von dtfr Staatsekinahme« 547 

kaan, w«il der Befitz d&rCapitale unbekannt» 
auch der BeGtz flberhampt ein {ichlechter 
Steuergrond ]ft^($* 572.); fo bleibt nichts 
übrig, als: 

2) entweder durch Confumtionsauflagen die Ca* 
pitalzinsrente zu treflPcn , oder 

'S) fie nach einer wahrfcheinÜcfaen Schitzuog 
bey Aufnahme des totalen reinen Einkorn* 
mens zu befteuern» 

Die Confumtionsauflagen treffen zugleich alle die« 
jenigen, deren fibrige Renten fchon befieuert find; 
folglich kommen die Capitaliften immer befler 
weg, als diejenigen, welche ihr Einkommen aus 
lindern Quellen ziehen, insbefondere wenn fie zu 
denen gehören, die wenig verzehren und ihre Ren- 
te zur Vermehrung ihrer Capitale anwenden. — 
Die Schätzung. des Einkommens nach Privatnoti* 
zen oder nach dem Gewiffen der Schätzer, ohne 
Grundlage ficherer erweislicher Thatfachen, ift 
immer febr mifslich, da fie unvermeidlich zur 
Willkühr föhrt, welche in Steuerfachen, fo wie 
in allen öffentlichen Handlungen vermieden wer» 
den mofs, da fie gar zu leicht irren, oder dem 
bdfen Willen einen Spielraum eröffnen kan4 

Da nun aber dieCapitalzinsrcnten - Einnahme 
in einem reiqhen Lande fehr beträchtlich ift, avch 

Mm 2 



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949. Elftes Bttdu 



io andern Hinficbten es f ttr die Finanzpol^ik ^öchft 
wichtig werdeo kan^». eine Ue1>erficbt der Capita* 
liften ppci ihrer £|nnahnie zu haben ; fo wird es 
die Finanzpolitik fich insbefondere. angelegen feyn 
lallen mOffen, Methoden zu erfinden, nach wei- 
chen fie zur möglichft vollkommenen Notiz der 
Terliehenen Capitale gelangen, und deren Rente 
zur Steuer gehen kann , jedoch fo, dafs dabey alle 
Nacfatheile vermieden werden, welche entweder 
die Capitale aus dem Lande treiben, oder den 
2insftt(s erhöhen könnten. 

$• 662. 

Es fcheint, dafs man zu diefem -Ziele nicht 
auf Einem Wege gelangen könne, fondern dafs 
verfchiedene Methoden eingefchlagen werden mOf« 
fen , um die Zinsrenten der auf rerfchiedene Art 
angelegten und geborgten Capitale zur Befteurung 
zu bringen* -^ Der Hauptgrundfatz dabey wird 
aber immer feyn mOffen, mit der Befteurung der 
Capital- Zinsrente fehr gelinde zu verfahren, fo dafs 
die Steuer nicht leicht ein Orund werden kann, 
fie zu verhehlen S fodannAnftalten zu treffen, dafs 
die Verleihungen öffentlij:h regiftrirt werden mOf* 
fen, und an die UnterlaiTung der Regiftrirung fol« 
che Nachtheile zu knOpfen, welche jedermana 
beftimmen mOffen , fich lieber der Regiftrirung zu 
unterwerfen , als fich den Nachtheilen der Unter* 
laffung derfelben auszufetzen. Wir werden von 



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Von der StaatSF^t&bahme. ^49 

diefen Metho^len in dem' dritten ^ucbe ^usfflhrlicb 
handeln« iSior war es uosnuir darum i»a thiuH 
das reine Einkommen vom Verleihen der Cttpftali 
genap zu bezeichnen. - . ' 

.. C. 

Von der Induftrii^rei^te« 

$.663. 

Der Fleifs, dieKenntniffe, die Gefcbickljeb* 
keit und Kräfte, welche angewandt werden, um 
ficb durch deren Anwendung öin reines Einkorn' 
inen zu * verrehaffen ^ heifst Induftrie, Er- 
werbs* oder Kunftarbelt'; und das reine Ein- 
kommen, Welches die Erwerbskunft' ficb verfcbaTft, 
Indoftrierente, Erwerbsrente, Arbeits» 
rente« 

§• 664. ; . 

Die Induftrie beweifet fich'entweder dadurch 
wirkfam, dafs fie ein Capitalin Bewegung fetzt, 
und durch Anwendung defTelben das reineEinkom- 
men hervorbringt, oder fie bringt *cs unmittelbar 
durch fich ielbft ohne Anwendung eines Capitals 
hervor. Erftere wollen wir die ^Schliche oder 
Capitalinduft'rie, letztere die perfönliche 
Induftrie, und das reine Einkommen, welches aus 
jener entfpringt, die fächliche oder Capital- 
Indüftrierente, das reine Einkommen aber» 
virasdiefe bewirkt, die perfönliche Induftrie» 
reute nennen. 



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550 Edles Budbu 



^$.665* 
. Mit der OcbliobeBlnduftrie ift rilemahl auch 
eine p«Qf(^olAe.y.6rkDApft,. weil zur Atawe^dtmg 
des Capitals Kunft und Gefobicklichkeit gehört» 
X>iefe gehört daher allemafil xu jener, aber nicht 
umgekehrt: die perfönliche Indnftrie [kann fich 
auch ohne Anwendung von Capitalien wirkfam be« 
weifen, fie kann in fofern^rein perfönlichq 
|ndn4rie beSüsen. 

i. 666- 

Das Stammvermögen bey letzterer^, ift' def 
Menfch mit feinen Gefcbicklichkeiten , KOnftea 
und Kräften, verbunden mit cter Luft, davon Ge« 
brauch zu machen; das Stammvern^ögen der er> 
fiernift, aufser diefem, noch die Sache oder da» 
Capital, welches erfodert wird, um durch diefe' 
Talente und Oefchicklichkeitea Produote henraiw 
zubringen» ij 

}. 667. 

Wenn die Induftrie die Anwendung eine^ C^ 
pitals zur Hervorbringung gewiffer Prodpcte oder 
zur äewirkung eines reinen Einkommens zum Ge« 
genftande bat; fo heifst fie iosbeCondere eine Un« 
ternehmung, und das reine Einkommen , wel« 
cbes daraus für de,n Unternehmer entfpringt, beifsl 
Unternehm er gewinnft. 



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Von der Staatseinnahme; 551 

y $• Duo. 

Die gewöhnlichften und tiäufigften Unterneh- 
mungen laden fich unter folgende Titel bringen : 
l) Land Wirt bfchaftliche und fich mit Gewinnung 

der wahren Producte befchäftigende;' 
d) Manufactur»» Fabrik- und Kunftuntemeb« 

mungen ; 
3) Handelsuntemehmungen« 

Xipe Unternehmung 9 deren Gewinn fflr ungewiCS 
geachtet wird > heilst eine Speculation. 

$• 669. 

Die perfdnliche Induftrie kanti man in* di0 
aatarliche (gemeine) und kanftliche ein- 
tbeilen« NatQrlieh heifst fie, wenn die natürli^ 
ohen Kräfte, Jb wi^ fie Zeit und Uebung ausbildet, 
hinreiehen, um das GefcbSft, welches ein Ein- 
kommen bemrken foll , zu verrichten ; kOnftlich, 
wenn zu deffea AusQbong ein iörmlicher Unter* 
licht» eine mflhfame und lange Vorbereitung 
gehdft» 

f 67Ö* 

Zur natarlichen Induftrie rechnen wir alle 
diejenigen j^rbeiten und Dienfte» welche nur fehr 
kurze Zeit nöthig haben, um fie zu erlernen, oder 
wo mit der Entwickelung der natOrlichen Kräfte 
das blofse Beyfpiel anderer hinreicht, um das Ge* 
fchäfty was jene thun» nachzumachen» zu defTea 



\ 



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S$2 Erlies Buch. 



Erlernung keia Vorfcbufs erfodert wird , wie di# 
Arbeit des Oe&ndes^ der Tagelöhner u. L w. 
$. 671. 
Zur kanftlichen Induftrie mafTen gerechnet 
werden : 

1; Die wiffenfchaftliche, oder die Ge- 
fcbicklichkeit, fleh durch gelehrte KenntnifTe 
ein Einkommen zu verfchaffen , als : a) der 
ganze Lehrftand— geiftliche und weltliche 
Lehrer; b) die Schriftfteller ; c) die» welche 
andern Dienfte leiften, die nur durch ge» 
lehrte KenntnifTe möglich find, als: dieobern 
Staatsdiener 9 Aerzte, Adyocaten u.f.w. 
a)DieeigentiicheKunftinduftriet als: a)die 
fcbönen Kflnfte, dtePoefie» Mufik» Bildhauer* 
kunft, Malerey, Tanz- und Schaufpielkunft; 
b) die mechanifchen und chemifcben KOnfte» 
die theils in der Gefchicklicbkeit beftehen, 
körperliche Dinge zu ndtzlichen Zwecken xa 
bearbeiteut wie die Apotheker «i UhnnaGher»^ 
Baukunfty die Verfertigung maQkaMfober,phy* 
fikalifcher, aftronomifcher Inftruinente«J.w.; 
theils in körperlichen kflnftlich erworbenen 
Gefchicklichkeiten, als Reitkujift, Fechtkunft» 
Tanzkunft, Schaufpielkunft u»X. w. 
B) Die Erdbodeninduftrie oder die De* 
fcbicklichkeit, die gemeinen Arbeiten und 
Mafchinen fo zu dirigiren, dafs dem Erdboden 
feine nQtzlichen Producta abgewoonen wer* 



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I 



Von d^ &aat5eiimahme. ^5^ 

den-^ Landbau, Forftwiffehfchaft» Berg))ai|- 
kunft lu f« w. >' ^ 

4) Fabrik- und MaD.ufac^uriDduftritj» 
oder die Gefchicklichkeit, Anordnungen t^ 
treffen , wodnrcb'den roben Pxoducten durch 
Tertheilte Arbeitskräfte und. durch Mafchinen 
brauchbare Formen gegebep werden. . , . 

5) HandwerkiSinduftrie. i 
6> Die kflnftliche Dienftinduftrie,' we^^he 

Gaftwirthe, Poftbalter, Schiffer, Fuhrleutet 
liObubecUente, Kammerdiener, Schreiber des 
Menfcben leiftisn. , 

7) .Die Hajidelsindufirie oder die Gefchick* 
lichkeit, den Austaufch der Waaren voVtheil» 
baft zu betreiben. 

i 67a. 

Das Einkommen, welches durch diq Induftrif 
bewirkt wird, ift ein gemifchtes Einkommen 
(S'^SO* ^^^ reine Einkommen bleibt fibrig». 
wenn man von dem gemifchten absieht: 

1) «vas zu einer folchen Un|erhakung des G%r 
werbskundigen gehört, dafs diefe Gattung 
Ton Induftrie ferner beftehen kann ; 
a) alles , was zum Erfatz und zut Erhaltung, 
de^ Capitals und der Inftrumente gehört, dj# 
zur Betreibung und Fortfahrung d^rfelben In* 
duftrie -Unternehmung nach gleicher QuaB«t 
tität und Qualität nOthig üL 



t 



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'554 Erlies Buch.' 



ßeyder rdn^perfoDlichealnduärie findet blofs die 
erfte, bey der perfönlich-fäcblicbeD beyde Arten 
'if^ Abzflgä SlatL Das reine 'Einkommen , wel« 
elies ftbrig bleibt 9 heilst Induftrierente« 
f. 673. 
' BeydtBt p^Hbtllich • fachlichen Induftrie find 
cwey UrCachen mit einander in Verbindung thitig;» 
nimllch : 
' 1} die Prodiictionskraft des Unternehmers, wei« 

che in dem Grade der Aufm'erkfamkeit» Kennt« 
' ^ niCTe, Gefcfaicklichkeit oder des perfönlichea 

Kraftaufwandes befteht, den er bey der Di« 

rection der Unternehmung und Begietong 

des Capitah anwendet; 
2) die Productionskraft des auf die Untemeh* 

mung mit jener Gefcbicklichkeit angewandtea 

Capitals. 
Immer ift es zwar die Gefchicklichkeit des Ünter-^ 
nebmers, welche dem Capitale die Richtung er* 
theilty dafs es etwas hervorbringt. Aber wie grob 
das Product der ' Induftrie feyn folle, wird doch ' 
Htcht allein Ton derGrdfse des Pleitses, des Talen- 
tes und der Gefchicklichkeit des Unternehmers» 
fondern zugleich von dem Umfange des Capitals 
beftimmt, fd dafs derfelbige Grad der perfönüchen 
Productionskraft auf eine Unternehmung mit klei- 
nem Capital angewandt, weniger herirorbringt, 
als wf diefelbe -Art der Unternehmung mit gro« 
(sem CapitaL 



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Von der Staat^einhalune: 55^} 

Daher zerfallt das reine EffAJtömmeB der per« 
fönlloh- fäcblicbeQ Iiuiaftrie in vw^y Tbeile , woi 
Ton der eine lieb nach «iem Umfange des ange« 
wandten Capitais» der andere nkch dem Grad4 
und der Art der Gefchloklichkeit des Unternek^ 
mers richtet«- Erfterer bildet die per Idol ich« 
Induftrierente, letzterer den Gäjfiital *^Un%, 
ternebmungsgewinn oder ^die Capital^ 
Induftrierente. ^ 

Bey der rcdn-perfönlicben Indnftrie bafteht 
die Productionskraft hk>(s in den perfüniiohea Ta« 
lenten^ GeCcbiükUobkeiten oder Kräften» Das 
reine Einkommen clerfelben oder die perlbalicb« 
Induftrierekite richtet fich daher allein nach den«! 
{elben> oder.komint diefen aUttä zn. . .- Ir 

f 675. . . 

Zur Erwerbung eines jeden Grades ronf 
perfönlicber Productionskraft, <}e£cbicklk;bkeits 
Kenntnifs, Fleils und Arbeitfamkeit in jeder Oiit*^ 
tung gehört ein ge^rifles Capital, welcfaee wibrencft^ 
der Zeit , wo man £cb die Oefcbiekliolil^ett u« f. w«' 
erwirbt, verzehrt, oder aueh wohl zur Besablaog' 
des Unterrichts, Anschaffung. der nökbigen Hol£s«- 
inittel u. {. w« angewandt wird^ ; welches 'nebft den 
aufgelaufenen und fortgebenden Zinfea jeder in 
dei;.Zeit, wo er ieiiie erlernt» Gefobicklichkek 
gewerbsmäfsig anzuwenden gedenkt» im Allge« '. 



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55^ Erftes Budu 



meinen wieder eioüeben mufo, wenn das Qe werbe 
Dor^daueriyd beftf^efi folL Dbt Lohn der pwCta« 
Uchpß Induftrie miife daher fb gi'oCs feyn^ dafo er 
i) diner )ihrHehen Leibrente gleicht ^ weiche zu* 
reicht , vlm dem Gewerbfldfsigen binnen der g»> 
wöhidichen^Lebensfilft die Auslagen, welche die 
Sfiemung feiner Induftrieart gefcoftet hat,' zu er* 
ftatten^ fb dab er, daron einen andern an feine 
Stelle anlernen, 2) daCi er davon fieh und feine' 
Familie auf eine Iblche Art erhalten kann, wie es 
Leutea feines Sundes geziemt. Wia$ nach Abzug 
dieferAuSffaben tibrig bleibt, macht 3) feine reine 
perfdnliohe Rente aus. — - Erhielt der Induftne« 
lohn nicht einmahl die beiden erftenBeflandt heile; 
fo könnte eine folche Gattung von Induftrie aus 
ihrem eignen Lohne nicht auf die Dauer fortge- 
fetzt werden. Denn wer wflrde Luft haben, ein 
Gewerbe zu erlernen , von welchem er nicht ein- 
«lahl hoffen ^lUInnte, däü es ihm die Koften der 
(riemung wieder einbrichte? Gewöhnlich aber 
bringt jedes Gewerbe mehr ein, und lifst darftber 
•och einea reinen Gewinn , weicher Object der 
Beftenrueg «rerden Icann. Diefer reine Gewinn 
ift die rel&'perfitoUebe Induftrierente und^lie ein- 
zige Quelle, aus weleher die Gewerbe ihre Ver^ 
wiUkQmmnniig und Erweitemng erwarten können ; 
wann diefes durch ihre eignen Peoducte, tfed nicht 
etwa ron aufsen durch frenide Mittel gefchehen 
toil 



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Von der Staatseinnahme. 557. 



l^m 



$. 67s* 

Sobald jemand ein Capital in ^inem Geilrerbe 
anwendet, erwartet er von dieferAnwendiingniebt 
2)ur Erhaltung und Erfiattuifg des Capitals und. det, 
gewöhnlichen Zinfen, Ibndern auch^einen kleinera. 
qder gröfsern Ueberfchuls Ober die ZinCen oacKdem 
^Grade der kleinem oder grAfsern Gefahr und dfc 
yngewifsbeit, welcher das Capital bey der Aa^ 
läge ausgefetzt ift» und felbft bey dem höcbftea 
Grade der Gewi&heit und Sicherheit, doch fOr 
di^ Mühe der Anwendung. Diefer Ueberfcbufs ift 
es allein, welcher eilten Unternehmer beftimmt» 
Capttale in Gewerben anzulegen und folche Anle» 
guhgen zu erweitern. Denn" fonft könnte weder 
der Capitalift, noch ein anderer, dem es der Ca» 
pitalift leihen will, Luft zu einer folchen Anweor 
düng haben« Erfterer nicht, weil er die Zinfen 
ziehen kann^ ohne fich der MOhe und der Gefahr, 
die mit jeder Unternetunung verbunden ift, auszu* 
fetzen} letzterer nicht, weil er, nach Abgebung 
der Zinfen, durchaus gar keinen Vortheil von der 
Unternehmung hätte. — Jede Art der induftriö* 
fc^p Anlage eines Capitals trSgt daher im AUge» 
meinen einen beftimmten Grad des Capitalgewinn* 
ftßs ober dje Zin(en, der Urfacfae ift, dafs 41% 
Anwendung fortdauert, und mit deffeii Aufhören 
die Anlage iliefer Art verf^hvrtndet. 



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f58 Erftes Buch, 



$• 677* 

Die Summe der perfdolichen Induftrierenta 
und des reinen Unteraehmergewinoftes von den ia 
einem Induftriezweige angelegten Capitalenizufam- 
mengenommen macht daher die ganze perfdnlich« 
ftohiiche Induftrierente der perfönlich • {achUcbea 
oder^erfönlich-capitaliftifchen loduftrie aus. 

i 678* 

Die Induftrierente richtet fich alfo: 

2) nach dem Grade und der Art der perfönli« 
chen Induftriegefchickfichkeit, des FleifseSt 
der Aufmerkfarokeit und Kraftanwendung; 

a) nach dem Umfange des in derlnduftrieanlage 
befchlftigten Capitals und deni Grade der 
damit verknüpften Gefahr ; 

, 5) nach der Zeit , binnen welcher die Induftria 
und das Capital zur Indufiriebefchäftigung 
nothwendig ifL 

$• 679. 
Die Induftrierente wird Mnter dem Schutze 
des Staats erzeugt » und trägt alfo billig auch et« 
was zur Unterhaltung deffelben bey« Eine Abgabe 
davon' ift alfo eben fo gerecht» als eine Abgabe 
von jeder undern Art Rente. 



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Von der StaatseuiBjaliine* ' gy^^ 

$. 63o. * 

Eine Abgabe auf die Induftrierente ift: auch., 
den Principien der Na tionalöko.j^pmie nicht entge* 
gen. Denn * ^ . 

1} greift fie das perföolicbe Stammvermögeji 
nicht an. Das Stammvermögßn , durch wel* 
ches fje erzeugt wird, ift di6 Perfon d^s Ge» 
. werbfleifsigen , feine Productionskraft und 
feine Luft zu dem Gewerbe. Nun ift die In* 
duftrierente weder zur Erhaltung feiner Per« 
fön und feiner Familie, noch zur Erhaltung 
feiner Gefchicklichkeit und Productionskraft 
nöthig. Denn dafOr mufs von dem Lohne 
der Induftrie geforgt feyn, ehe eine Rente 
entftehen kann. Auch kann der Abzug' von 
der Rente, welche die Abgabe davon noth* 
wendig macht, die Luft zu dem Gewerbe 
nicht fchwächen, da jede Rente eine gleiche 
Abgabe geben mufs, und eine mäfsige Ab« 
gäbe immer noch genug zur Aufmunterung 
der Induftrie übrig läfst. 
2) Ift zur Betreibung der Induftrieart Capital 
nöthig; foläfst die Abgabe auch diefes Stamm* 
vermögen unangetaftet, da fie nur den Ge« 
wann befteuert, der übrig bleibt, nachdem 
a)'da$ Capital erftattet, un^ b) die Zinfea 
von den Producten der Induftrie abgezogea 
' find. 



^\ 



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^o Erftes Buch. 



Die Abgabe von. der Indufirierente Man 
aber auch 

3) nicht etwa andern zugewälzt werden , fon- 
dern jeder mufs fie von der Rente felbft tra- 
gen. Denn dieCe Abgabe, in den gehörigen 
Schranken gehalten, kann keine Urlache reyo» 
weder die Induftriebelohnung nach dem Ca* 
pitalgewinnft, noch fonft die Preife der In* 
dttftriedienfte und Induftrieproducte zu erhö* 
ben,, um durch ein«^ {olche Erhöhung die 
Abgabe von andern einzuziehen« 

4) Die Abgabe auf die perfönliche Indufirierente 
enthält auch keine Urfache, weder das Angebot 
der Induftnearbeit zu vermindern, noch dia 
Nachfrage darnach zu vermehren. Niemand 
wird die Induftriearbeit deshalb verlaffeff; öder 
Capitale aus den Unternehmungen herauszie» 
ben, weil er von dem reinen Einkommen 
etwas abgeben mufs» Denn da das Steuer» 
fyftem fo regulirt wird , ' dafs alles und jedes 
reines Einkommen nach gleichen Principien 
befteuert ift ; fo kann er der Abgabe nirgends 
entgehen. Folglich wird die Zahl der Inda* 

" ftrieiirbeiter durch die Befteurung ihrer Rente 
nicht verändert, und die Abgabe wird eher 
ein Grund faf n , die Quantität der Induftrie* 

' arbeit zu vermehren, als fie zu vermindern« 
Die Nachfrage nach Induftriearbeit wird aber 
durch diefe Abgabe auch nicht verändert« — 

Da 



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Von der Staatseinnahme. 561, 

Da nan ein verändertes Verböltnifs desAnge« 
bots ^nd der Nachfrage die einzige UrladM 
ift , .welctie den Preis erhöben oder emiedri* 
gen Icaon, fo ift die Abgabe keine Urfacbe. 
diefes zu tbun; und da die Erhöhung desPrei- 
fes der Indaftriedienfte und Induftrieproducta 
das einzige Mittel ift, wie die Indnftriearbei* 
ter die ihrem reinen Einkommen aufgelegte 
Abgabe von anderi\ einziehen könnten, und 
diefes Mittel nicht in ihrer Gewalt fteht; fo 
können die InUuftriegenofTen folche Abgabe 
nicht andern aufbürden, fondern muffen fie 
felbft tragen. 

i. 681. 
Tröge aber ein Gewerbe keine Rente, und 
würde doch mit einer Abgabe belegt, oder Ter« 
tefarte die Abgabe die ganze Rente oder mehr als 
dMe Rente; fo worden es folche Arten derlnduftne- 
arbeiter allerdings nach und nach in ihre Gewalt 
bekommen, die ihnen aufgelegte Abgabe ganz 
öder zum Theil von denen, 'welche ihrer Producta 
oder Dienfte bedürften, durch Erhöhung desPrei« 
fös derfelben einzuziehen. 

Denn in folchem Falle wQrde die Glaffe der 
Arbeiter, die gar keine Induftrierei^te zögen, oder 
denen die Abgabe die Rente ganz oder zum Theil 
verzehrte, &ch vermindern; es fey, dafs viele im 
Elend umkämen, oder viele dergleichen Gewerbe 
verliefsen, um folche aufaufuchen, die eine Rente 
V. Jüh9h StBatsfinMkwiJf, N n ' 



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56 Ä Elftes Buch« 



teagen, oder wenigCtens ihre Zahl dadurch abnäh* 
in«, dafs fie keinen Zuwachs erhielt. Dadurch 
aber warde das Angebot diefer Art von Induftrie 
tbn^men^ dagegen wflrde die Nachfrage, da, 
wie hier angenommen wird » keine Urfache zo de* 
ren Verminderung ift, diefelbe bleiben* Das ver« 
minderte Angebot könnte fie nicht befriedigen» 
olfo würden die Preife diefer Induftrie ft^igen. Um 
nun fo viel Induftriöfe zu diefer Claffe zu locken, 
und fie zu vermögen, darin zu beharren, würd« 
man ihnen fo.hohe Preife für ihj^e Producte oder 
Dienfte bezahlen mQffen, dafs fie zureichen, die 
ihnen aufgelegte Abgabe zu bezahleO, und eine 
folche Rente zu bezieben , welche andere ähnliche 
In duftrif arten gewähren. — - Eine fo unvorfichtig ' 
aufgelegte Abgabe wQrde alfo nicht von den Indu« 
ftnöfen, denen man fie zugedacht hatte, fondern 
indirecte von den Confumenten diefer Induftrieart 
bezahlt werden, 

$. 682. 

Was die GrundCätze der Abfchätznng der In« 
duftrierente eines jeden betrifft; fo werden die« 
felben in dem dritten Buche ausgeführt werden. 
Hier bemerken wir nur vorläufig, dafs dazu nöthig 
feyn wird: 

l) eine gute Eintheilung der verfcbiedenen In« 

duftriegattungen ; 
u) deutliche Kennzeichen, wornach fOr jede 

Gattung von Induftrie Mittel gefunden, wer» 



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Von der Staatseinnahme. 563 

deji könoen, um den Umfang und die Ergie* 
bigkeit jeder Gattung der Induftrie zu er* 
fprfcben; 
3) ein Maafsftab, wornacb die Induftrierente 
und die Steuerquota zu mefCen find. 



Von den Abgaheni welche nach der Ausgabe geordnet fiad» 
* insbelondere den Confumtionslteuern. 

§. 683. 

Könnte man alles reine Einkommen ganz ge- 
nau und phne quälende Maafsregeln dazu anzuwen* 

^den, erforfchen) und zugleich bewirken, dafs ein 
jeder den ihn 'treffenden Steuerantneil zur rechtea 
Zeit entrichtete; fo könnte die Einkommenfteuer 
di^ einzige feyn. Die Abgaben würden dann auf 
das gerechtefte vertheilt> und der Staat hätte be« 
ftändig das ficherfte Mittel in der Hand ^ ftets in 
den gehörigen Schranken zu bleiben, nie das 
Stammvermögen zu berühren, fon d er n alles, was 
er nöthig hätte, allein von dem Producte delTelben 
oder dem reinen Nationaleinkommen und dem rei- 

. nen Einkommen eines jeden nach dem Cefetze 
der Gleichheit zu erheben. 

$, 684. 
Allein 
1) ift es ganz unmöglich, das r^ne Einkommen 
eines jeden genau oder auch nur der Wahrheit 

Nn 2 



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5&4 £rfte8 Buch« 



aonfiberod zu ergründen. Wie man es ai^h 
anfaogea möge» die Sehätzungen deffelben 
bletben in Anfebung der verfchledenen Stamm* 
yermdgen und Individuen nnficher. Man trifft 
es bey dem Einen mehr» bey dem Andern 
weniger , und die allermeiften Angaben und 
Kefttltate der ScbStzungen bleiben faft alle 
•mehr oder weniger Ton der W'ahrheit entfernt^ 
[o dafs jede Steuer auf das Einkommen, la 
gleieh fie-auoh dem Scheine nach uns vor- 
kommen mag, doch in der Wirklichkeit 
höchft ungleich ift. Diefe Ungleichheit fliefst 
nicht nur aus den mangelhaften Schätzungen» 
fondern auch aus dem fteten Schwanken des 
reinen Einkommens der meiilen» Denn daf* 
felbe bleibt fich bey den allerwenigflen Indi- 
viduen und Familien eine lange ZA\ gleich« 
Es ändert fich jährlich, und bey vielen mo- 
natlich, ja wöchentlich. Und da die Steuer 
doch wenigftens fOr einige Zeit galten mufs; 
fo kann es fchon defshalb nicht fehlen, dafs 
fie ungleich trifft. Je mehr fie fich ab^ nach 
diefem Wechfel richten und dadurch Gleich» 
heit bewirken will, defto gröfser und fchwie- 
riger wird die Arbelt und Mähe der Verthei- 
lung und Erhebung derfelben , ohne dafs je* 
doch dadurch das Ziel folcher Mobe erreicht 
wüfd. 



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Von der Stäatd^inftahme. jÄf 

' ' ' 1 1 11 i i 

2) Fällt die Erbebang der Einkommenfteuer» 
bey den armem ClstKen Hisbefohdere» tinge« 
mein fcbwer* Es eotftefaen daher hrf diefer 
Art Steuer 5 fo wie bey aUer directen, eini* 
germafsen betricfatlichen Befteurung der 
Aermern» nnvermeidlieb Refie» deren Bey« 
treibung) der dabey notbwendfgen Hirten 
ungeaebtet» gemeinfghoh mehr koftet^ als 
die eingehenden Hefte betragen ^ und wovon 
«He meiften ain Ende doch BiedergefeUagen 
werden m Offen. Wellte man Wfdiiagen» 
die Srmern OUiTen ganz unbeftettert sn^affen» 
tind alles von den wohlbabenderji tu erheben; 
fo wurde man in der Pra^ bald finden^ dafs 
diefes, ^ne die wohlfaatendern Ckflen i'elbft^ 
nach und nach zu den armem herabtudrftcken» 
nicht gefchehen kann, wo die Befte^mng 
nur irgend bedeutend i& Denn diie kleinen 
XJ^erfehlrffe der armem Glaffen tmecfaen , da 
fie die allergrd&te^^gbl der Staatseinwebner 
in fich begreifen» einen fobedenfteiliteaTheil 
des reinen Natfaoeleinkommeitt «us, dafa» 
wenn man fie ganz mit eilier • A(gfiba ver« 
{chonexs v^oHte, Ae -Lift davon tasit folöher 
. IkCacht mfviie WoUhabendern Ütlt,. ^a£f viele 
'davon el^drt&ekt werden ml^en^ tund tue be* 
limhfgie Summe anf diefem Wnge pidstt zu- 
' faknmengrilraohl werden kann »'ehnrdus rei* 
niSibkQmmeninllergeflt wiegzunetuoMn» ja 



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5^^ Erftes Bticlu 



ihr Stammvermögen anzugreifen« — Die 
Vorfpicgelimg , als ob die Reichen fodann 
den Armen die fQr^e bezahlte Abgabe am 
* Lohne abzi^en könnten , erfcheint ta ihrer 
Niobtigkeit, wenn man erwägt» daCs es nicht 
mir fahr lange dauert, ehe eine (olche Ans- 
gletehung fich feftfetzt» wenn fchon eiomahl 
fim^ andere Ordnung der Dinge befteht; fon- 
d«fii. auch, dafs diefe Beftimmung des Lohnes 
Bicfat von der WillkQhr der WohlhabeDdei^ 
lottd'fim gröfstentheüs von derConeurreozdes 
Angesbots zur Nachfrage abhfingt, diefe aber 
fich dadurch, dafs die^Arxnen die' Abgabe 
pk>ht mehr bezahten,. nur wenig ändert. Denn 
wfts eitwa die Nachfrage der Reichen nach 
Arbeit. fie;h' dadnrch vermindern mAfiste, dafs 
fe wegen Zahlung der Abgabe fftr die Arraea 
nicht mehr fo viel Arbeit bezahlen könnten, 
dai.wttrde im Angebot der Arbeiter dadurch 
eompenfirt wehten , a) dafs viele weniger ar» 
beiteteo', da dils Abnabmetder Auflage fie in 
dei»*>Stand fetzte ^^fichritiatir Erholung) oder 
Bequemlichkeit zu geft^tteki^, b) dafs gerin* 
-gettt Lohn die Zahl 4&r Arbeitec vermindern 
mffffe, tind aUo^ Weto 3er Lobs blii^ci, die 
ärmern Ofailfienjdas, .was fie(bnft als Abgabe 
zahlen ,^ ztir fiezahhmg jeines |[letchen Quan« 
tität Arbeit anwenden' kennen >.4ila dU Rei« 
oliea mit der Siniincie'lMBaaiiben» :diei fiafbnft 



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4 



Von der Staatseinnahmen' $^1 

>■ ■ ; " ' " ' " * ' ' ' " 

übrig behielten, als die Armen diefe Abgabe 

trugen. 
Ans dieCen OrtÜoden kann die EinkainmenfteQW^ 
]»efoiiders da, wo der Staat ftarke dff entliehe^ Be« 
dflrfnifle bt€> und vto nicht «ine febr grofee Anzahl 
von Reichen vorhanden ift, 'Unmöglich die eiA2ig6 , 
ßteuer bleiben. 

$• 685v' , ^ 

Um nämlich den Druck derjiicht zu vermlsi« 
Menden Ungleichheit der Einkommeiifteuer ertrSg^ 
lieh odier gar unmerklich zu nuefaen» ficht maÜ 
fich gendtbigt, die Anlage derfelben to zu ordnen, 
düfämtkB O'gemkitty mm treffe nur das reine 
JS^kommen eines jeden, und s) man treff« ee 
«lur in ein«m folchenGrade^ da£» jeder ohne fie^ 
liohwerde die Steuer abfahren köocM« — Hierdurch 
msd niiki zwar der Zweck erreicht , dafs das in 
iler .Wirklichkeit geringb reine Einkommen nicht 
2u hoch» (ottdeoi intget'echter Proportion beftetoerii 
'srird; dagegen elitfcblOpft das in decWirklicUlceit 
i;r5fsere reine £inkotnoi«j|,(da5 aber in der Steuert 
volle f weil man« es oichl e^deekm konnte^ tmI 
'kleinerlerfoheiot,) der - Beftenrnng zum grolben 
iTheil. VBä ^itferr Fehler Mf^^fich von der Eldn 
jcovuneöft^uer 4Ah wegfebafFtn» Will ^man in In« 
dBTidmUlitea. ^odringen,, und dae fiialiomme» 
^esindividuumeaiifsgjetiiMi^eff^Qg^n^ lo fot« 
ge»*4iiu: fischen Maa&regeln Aioht mir fürs Pubii«r 
UiOikiBadia UAMaigl^ft«^ Pia^keroy«!», und daa 



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568 Erftes Buch. 



Volk wird mit Mifsmuth und Uozuf linden heit er- 
fallt, rondero die Arbeit und die KofteB folcber 
Inquifitioaeh häufen fich (o; dafs 6% die Vartheild» 
die man dadurch erreicht, zehnfach auFwi«g«i« 
und doch nicht zum Ziele fahren. Hält man ficli 
an Ciaffificationen und äussere Merkmable, und 
folgt den Regeln der Billigkeit und Liberalität bef 
den Schätzungen; fo entgeht denfelben ein gro* 
fser Tbeil des deinen Einkommen» unvermeidlich. 
Zwifchen diefer Scylla und OhaTybdia giebt es 
keinen Mittelweg. 

§. 686. 
Eine weife Finanzpolitik kabo zwifchett dierM 
beyden Un Vollkommenheiten keinen andenr Weg 
finden, als diejenige Methode zu ,w£hlen, wobey 
fie ficher ift, keinem zu viel zu tbun,^ und was ^ 
ohne Druck und' ohne fieh bey den Unterthaftea 
vtrhafst zu maefapen, ausfAbren kann, AIfo;|aof 
die Oefahr» Tiel reines EiAkommin zu vftrfeboiien, 
wird fie nur dahin ^ ßrebeB , di^ EinkommiBnfteuer 
to zu ordnen i dab fie Nlennanden zu felir angreiift^ 
dafs fie Niemanden Oberfteoerts -ob fie gleich viele 
»icht genug befteuert. Sie wird aber ibdann aitf 
ein Mittel bedadil föyn, diefr Uiigleichheit "aus^ 
zugleichen ^ tun denjenlgta) welohe die Einioeim* 
neefteoec entweder gar nicht trifft, oder welcbe 
Aitht in de^n gohötfgm Maafse von ihr getrofTeo 
werden, socdi fo viel auf eine andere Weife Absii«* 
aehmen^ calsfie^wahrfcheinllch noch hatte» gebe* 



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Von der Staätseinnahme. 56^ 

^ r ■ - - - ^ _ ..... , 

ml^en» wenn ihr wirküches Einkommen in dil 
SteuertabtUe gekommen wäre. Das befte Mittel» 
diefes zu erreichen, fcbeint eine verftfndig ange^ 
ordnete Confumtioinfftett^y «oder eine Abgabe, naell 
dem Maalaeder Ausgabe geordnet, zu (ejn. 

$. 687, 

Man kann alle Conftimtfonsatiflagen nach tkm . 
Unterfebiede ihren Gegtnftfinde in zwey Ciaffen 
^heilen. Die erAe trifft mateHelle Dinge oder 
IPrivatdienfte, welche zum Gtoüfsoder zurfiefrid* 
fllgung der ^mentbhlicben fiedflrfniffe dienen; dI6 
? w ey t e öfleotlicbe Gegenftände» Dienfte und Vom. 
(beHe , welche wir unter dem Schutze der Regier 
^ng geniefseo. Gewöhnlich wird nur die erfte 
CUffe niiter dem Namen der Gonfumtionsfteuet 
begriffen f .mberea bat die letztere teit jener glei* 
<^e litptur und Befchaffenheit. Wir wollen di« 
letztere ztierft betrachten. 

J, 688. 

Ip wie weit nämüch tlie dlfentllchen Qegien« 
^ ftiode; oder Handlungen undDienfte, wekiie der 
iStaat den Einzelnen l^iftet, diefen einen berctadern 
y^rthül oder G^iufs gewähren, ijiiofeni find die* 
^Ibeo' offenbar eben fo gut al$ Genufsmittel anzu- 
üeben, als die fich im Brirateigtothum befiniBichen 
> &inge» wfilcbe daiTelbe thnn; ..Wenn nun die Re« 
gierung tpn denen , welche dargleicbcA Gegen« 



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576 Erlies Buch. 



ftSnde» Handlungen oder Dienfte bedarfen, 6ch 
die Koften dafar beialileo läfst, oder fie nur unter 
der Bedingung letftet» dafs jeder, der die Vortheile 
daron haben will, einen proportvonirlichen Beytrag 
zur Erhaltung folcb'er Anftalten , wodurch derglei* 
chen Dienfte möglich werden , leiften lllst» und 
wenn diefe Beyträge allein nach diefem Zwecke 
abgemeffen find; fo 6iid diefelben niofft-al^' Aufla- 
gen, fondern nur ab der nolbwendige •Koftenpreia 
diefer Dienfte fe1i>ft zu'betracbteti. 'Wenn aber 
tlie' Regierung die Gelegenheit, wo dergleichen 
i3ienfte geteiftet werden, benutzt,' um von jd^neni 
welche ihrer bedarfea und fie kaufte- maffeii) olcfat 
Mofs den Koftenpreis dafbr einzueielien, fondem 
t^ran noch obenein elttie Abgabe zujcnflpfen, deren 
Ertrag nicht zur Erhaltung diefer Oienftleirtungen; 
fondern fQr die allgto) einen StftatsbedQrftiiRe 1>e^ 
nimmt ilt4 fo »Tt diitrirtleberfcburs nichts ahdl^vsi 
als eine Confumtionsauflage. s . • ' 
$. 689. 
Abgaben diefer An könifes begriffen feyn : 
'! I; in den Oerichtsfporteln'Nind G'ebflbren ffir ge- 
1*^ rtehtlicbe Regiftraturen , BeftStigungen oder 
' Einfcbreibungen (EnregifiremBrit) ^ 

IL in den Preifen, welche far Öffentli<elie An^ . 
wftalten der Bequemlichkeit erhoben werden^ 
.als: ffir den Gebrauch der Poften, Chauffeeo» 

' Wege, Canlle, SeUbeofiso, BrO«k4n, Leuchte 
• .. thfirme u.f.jQf.f . . / • *^' : ; i ,^ 



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y. 



Von der Staatseiraiahme. 571 

III. in dem, was för den Oebrapch der öffebtii- 
. cheo Unternchts - » Cultuf - oder Bildiuigsan- 

ftalldji, der Schulen» Kirchen. u. t w. geg^ 

bea werden muEs} 
. IV. in den CcHnmunaJabgaben ; 

V. in den Vergütungen der Koften r welche fioh 

. ,. ' d^, Sta^X filr di^ AosfertjgüDg jroq Auj^zeich* 

,. .'^ufigeo, Jjjplonten u. L w. b^^ihleto liist; . 

-t.yi.. in den Preifein, we^Jie er tüjc di^ mpnopq? 

,. ^Ufiifeb« B^fj^üidfgvBg von irfieriejr . menfcUir 

_ .' chßn Leidenfebaften upd Begierden nimmt, 

9Js: .for L^tt^sr^^loofe, Charaobinke, »Bort 

delle u. f. w« . 
- . $. 690. 

Die Natur der Abgaben ^ welche in den Prei- 
fen fftr diefe Art Staatsdienfte entrichtet werden» 
wird gröfstentheiis nur deshalb verkannt, .weil iie 
in dem Preife der Dienfte, welche der Staat dea 
lodividu^u, welchen. fie geleiftet werden, erzeigt» 
Verfteckt find^ indem der Staat h&jd^ zieht: 
nämlich 1) Vergütung des Dienftes, und 2) eile 
damit verknapfte Abgabe, Wo .beydea getrennt 
ift, erfcheint die Abgabe fogleich: z;^6. wenp der 
SUit für Mufik etwas dadurch bezahlen läfst^^ dafa 
ihaB einen Müfikzettel Idfen mufs , oder wenn Süt 
LofankutfqherPoftzeitergelöft werden in Q^en/ Im 
Oruiüde iftdas. Geld für letztere nichts anders, als 
ttie Abgabe, weldife indem Fi*ei(b der Extrapoft 



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37» Erftes Buch« 



$. 691. 
Alle didfo Abgaben find nach iteofelben Prio* 
Hpf^n xn beurtheil^n » wie diejenigen, welche all- 
gemeiner unter dem Namen der Confumtionsauf- 
lage begriffen werden: fie laffen fieh rechtferti- 
gen, fo lange fie nach einem Princip geordnet find, 
das auf cfaa wttbrfcbeinKcbe EinkommfenRUckficht 
genommta hat , "und to lange fie nach dem MaaCse 
des wahrfcheiolicben l£inkommetis des Confun^eo* 
^^ ten folober E^ienft^ geordnet 6nd ; fie taugen nichts, 

fobaldlie blind, blofs deshalb aufgelegt find j weil 
fich Qf leg^beit «Geld zu erhalten zeigte« f 

Erläuterung zu |. 689— 691« Dafs öffentliche Aa- 
Aalten fOr Aufrethterlialtuiig dea Keohta getroffen wer- 
den ,, iß notbfirendigy und jeder mura dazu contribniren» 
er mache von diefen Anhalten Gebrauch oder nicht» 
' * Denn er kann in jedem Augenblick in den Fall kommen, 
Ce III 'gebraoohen. IHe Errichtung folcher AnftaltMi 
' mulf deahalb auf allgemeine Koilen aus der Staats^alXa 

beftrjtten werden. Nan aber werden 

I. die Köften diefer Getichte und Gisriehtsanftalten tu« 

gleieh duKoh die Menge und die Art der Dienfte beßimmt^ 

'' welche fie den einzelnen Privat per fönen leiten; und ia 

wiefern diefe entweder die Möhe und Arbeit, welche fid 

• ¥ararfach«ii| ye^fohuldeui ode^ befondere Privatvortheila 

davon ziehen, Xcheint es gerecht und billig, dals fie au^ 

die dadurch verurfachto Arbeit und Mühe insbefondere ver- 

gdten, inid iii diet'er Proportion zur Erhaltung und Verroll- 

kommiHingd&efer A'nA^lten bey tragen. Diefes iü der Falle 

1) bey Proceffen, und zwar 

iü) bey Criminalproeef fen, wo mit Recht der* 

jenige die Mühe der Proeefsführung bezahlt, det 

. fehuldig befunden wird, J^ wiefern dergleic^ff^ 

Procefskoften alfo nichts als Vergütung der bej^öl- 

chen Prooeffen Aii|;ewandtto Mühe nnd AoshtgeiL 



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y 



Von^er Staatseiimalime, 57 j 

*— ; ' ■ J .. 

find usd fie nebft den Strafgeldern tur Erhaltnag 
und Verrollkommnung der Griminalgerichte und ' 
und Sirafanftalten verwandt werden , ariparen Em 
dar Gemeinde dia £onEt d^sn nöUiigaa Baytt^e^ 
und find Tollkommen gerecht und weife. 
Iß) bey <jiTilproeaffen; Sobald ein Cir^lprocafa 
dttr:;b di« Naahläffigkeit oder dia^huld einer odev 
beyder Parteyen entßeht , würde et unrecht feyn^ 
die Koften dafür von dem ganzen Puhlico tu fodenv 
M^ ift daher recht und billig, d*fe dia> Parteyen 
nach dem Maafee ihrer Nachiäffigkeit oder Schuld 
an dem Prooelle , die Koften der durch fia remr* 
fachten Mühe und AuflagenHragen. 
•) EiarregiftrirungcB von Oontraafeen» 8bhttldv«r* 
fchraihung«n iui<i Berechtigungen in die Oanchte- . 
und Uypothekenbüoher , gerichtliche Aufoahme roa 
Teftamenten u. L w. dienen tur Gonftatirung und 
Sioharnngdef Eigenthumt und rechtlicher Anfprüche^ 
und nutzen denen, welche dergleichen Eigenthum 
und Anfprüche haben. Et fcheint nichte billiger, 
ale daft jeder , welcher dergleichen Yortheile ge- 
niefat, auch die dazu nöthige Mühe und Auslagen 
nach dem Maafsc, in welchem er fie verurfacht» ver^ 
. fttte. Sobald « fich daher die Sportein nicht höher 
belaufen, ala waa derOienß, durch die gerichtlichem 
Actus jemandem geUiitet , werth iü ; fo können fio 
nicht als eine Staatsabgabe betrachtet werden , fon- 
dern nur als eine Bezahlung der rerurfachten Arbeit 
de^ Antheils der Koften zur Unterhaltung des Locals, 
Anfchaffung der Gerichtsbücher u. f. w. 
Wenn man aber die Garichtsfporteln für jede gericht« 
liehe Handlung fo hoc% treiben wollte , dafs Rq eine Fi* 
nauzquella für die allgemeine Staatscaüe werden; fo 
macht man die gerichtlichen Handlungen zugleich zur 
€onfumtionsfteuer für die, welche fie gebrauchen. — 
Da nun aber, das BedÜrfnifs der gerichtlichen Hand- 
lungen oder Anßalten fich gar nicht nach dem Einkorn* 
i|ien richtet, das jemand hat, fondern durch Uufen- 
derley Umftända entiUht, die mit dem Grade des Var« 
mögana in keinar Verbindung] ftthe^i^ all# Stauaxn abtr 



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J74 Erftes Buch. 



wem|[ftens auf der Wahrfoheinlichkoit vuhen miirrcn, 
daft He nach Proportion des Einkommttit einet je- 
den Ton allen gleicH bazahlt ^werden ; fo ift eine foldie 
B«ftfl(nrung ohne Princip. -*- Selhlt wenn man Tagen 
wollte, da£B dergleichen Auflagen nur zur Erhaltung und 
Varrollkommnurig der Kechtsanftalten gebraucht, und 

- detl^alb von denen gesogen werden foilteii, die fich ihrer 
wirklich bedienten, würde man irren. Denn die Rechts- 

. «nftalten find nicht blofs «um Nutzen derer eingerichtet, 
die fie wirklich brauchen, fondem ftir alle» die lle mög- 
lidher Weife brauchen könnten.« Soll daher der Ein- 
seine die ihm nutzende Gerichtshandlung besahlen; fo 
darf ihm doch nicht mehr dafür abgenommen werden, alt 
lle nach der Analogie anderer ähnlichen Dienftewerlh ift» 
II. Die unter diefer Nummer begri^enen Auftalten Cbid 
fttmmtlich von der Art , zu deren Errichtung der Staat 
keine nothwendige Verpflichtung hat. Diefe geht blofe 
dahin, dals er den Gliedern der Gefellfehaft die Sicher- 
heit gewähre , dafs fie alles, was ihnen nützlich und ror* 
theilhaft erfcheint, mit einzelnen oder gemeinfamen 
Kräften ausführen können. Da aber der Staat die Schwie- 
rigkeiten wahrnimmt , welche die Vereinigung zur Aus« 
führung gemeinCamer Zwecke in der Gefellfehaft hat; 
fo kommt er den Wünfchen derer, die dergleichen An- 
halten bedürfen , entgegen , und wird Unternehmer der* 
felben , ftatt ihrer. So wie nun , wenn die BedQrftigea 
dergleichen Anftalten für fich errichtet hätten , Niemand 
Mtte genöthigt werden können , zu deren Koften beyza- 
ttagen, als die, welche befondern Nutzen davon ziehen» 
fo ift es auch gerecht und billig, dafs fich der Staat die 
Koften von dergleichen Anttalten hauptfächlich v^on^ de- 
nen erfetzen läfst , welche fich ihrer zu ihren Prirat- 
swecften bedienen. Poftgelder, Chaullee-, Fähr-, Ha- 
fen-, Canalgelder u. f. v/. find daher ebenfallt nicht fo- 
wohl als öffentliche A)>gaben, als vielmehr als Bezahlung 
für die befondern DienOe oder Vortheile, die )emahd da- 
duiych erhält, ankufehen.— Aber darauf fcheinen fie auch 
ihrer Natur nach eingefchränkt werden zu müHen. Madit 
der Staat diefeAnftalten zum Monopol und gebraucht die- 
Xtlben I .um vemiitteljft ihrer noch -ein Einkommen in dim 



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Von der Stflatsednnahmel 575 

aUgemeine StaattcafiTe' xu lejtea; fo yerlaXft er' i) da« 
ächte Princip der Befteurttng » indem er debej das Ein. 
kommoen der Beytragenden gftotlicli aus* dem Gefiobt« 
Terliertf und fie nur nach dem Maafie dea Gebrauofaa 
lolcher öffentlichen AnXtalten hefteuert« Dieftjr aber 
lichtet Geh durchaus nicht nach dem MaaTse det Einkom- 
mene , da der Arme lie oft viel mehr gebraucht , alt der 
Reiche. £• wird folglich dadurch jener viel härter be? 
fteuert'y als diefer» 9) leidet dadurch fowohl der Nutxcn, 
als die Vollkommenheit jener Aaftalten. Der Nutzen, 
weil ihr Gebrauch vertheuert wird ; die VollkommQnhcir» 
weil , fobald der Staat einmahl Ile als Finanxquellen be« 
trachtet , auch die Neigung entfteht > fo viel als möglich 
davon iu die Staatsoalte xa xi€hen , oder wenigftens den 
Etat itt erfüllen: unbekümmert , ob die Änftalt darüber 
verfalle, oder nicht. Wir verwerfen daher dergleichen 
Gewinn für die StaatscaÜe ^änzlich^ und behaupten, dafi 
die Bezahlung für die Dienfte und Vorthetle folcher An- 
halten nie gröfser fqyu dürfe, als es nöthig ift, um fie 
zu erhalten und zu vervollkommnen ; dafs jede Mchrein- 
nähme, welche aus deren häufigerem Gebrauche fliefst, 
sur Vervolikommnutig derfelben angewandt, oder wo 
diefe nicht nöthig ill , die Preife für deren Gebrauch 
vermindert werden müITen. 

IXI. Die Unterhaltung und Vervollkomnuiung der öffent« 
liehen Unterrichts- und Culturanüalten muffen mehr ein 
Oegenftand der öffentlichen Ausgabe als Einnahme feyn. 
Denn der Staat bedarf derfeUjen nothwendig, theils um ge- 
' fchickte Beamte zubilden, theils die Cultur des Volks über- 
haupt zu befördern. Diefes fchliefst jedoch nicht auSydafa 
eiuTheil der Koften dazu auch von denen bezogen werden 
kann, die fich diefer Ani^alten bedienen, da Cie zugleich Mit« 
tel find, ihre Privatzwecke zu befördern, und in diefer Hin- 
licht der Dienft, den fie den Einzelnen in f ehr verfchiedenea 
Graden leiilen, auch von dem Einzelnen vegütet werden 
mufs. Aber aus folchen Anwälten eine Finanzq[uelle zu ma- 
€:hen , wideripricht aller Siaatswcisheit. Wir haben in 
Frankreich die Privaterziehungsanftalten unter Napoleon 
beßeuern fehen ^ wobey freylich mehr der poUtifche Zweck 
Statt fand, allen Privatunterricht in einen öffentlichen z« 



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§76 ^ Erftes Bncbu 



Terwandeln» und die Erziehung einer einzigen, vom Staat« 
beliebten, Form zu unterwerfen, alt dadurch einePinftBfc-> 
quelle für den Staat tu eröffnen. ^ An lioh betrachtet iSt 
aber tvohl einer der Tchädlichlten Gedanken eiaet Finaa- 
•ierf, die Mittel der Cnltur und der Erziehung durah 
Auflagen zu erfchweren, da gerade duro)i diefe Mittel 
•rft der Fondg begründet werden foU , auf welchem fich 
i^e Quellen des Nationalreichthumt ergieftea ; und man 
mult fich daher wundern, daft diefet Bey(jpiel Napaleana 
in Rufsland nachgeahmt ift, wo feit 1811 gleichfallt dia 
PriTatlehrer 50 Rubel für jeden Penfionnair an dieStaati- 
eaHe bezahlen miiJIen. 

IV« Communalfteuem find eine den allgemeinen Staate« 
Beuem untergeordnete Art von Stenem , and kdnaen fAr 
die g^meinfamen Gemeindezwecke nach denfelben Prtn* 
cipien wie die allgemeinen Staattfteuem tufammtnge» ^ 
gebracht werden« — Wenn aber gewiftea Stftdtea oder 
andern Gommunen und Gefellfchafien befondera PxiTi* 
legion , Monopole n. f. w, ertheilt find , fo kann ihnen da« 
für eine Steuer oder Abgabe aufgelegt werden , und eine 
folche wQrde die gröfste Analogie mit einer Geatiftfteaar 
haben, wie ßefteurnngen de« Stapeirechtet , Bterzwangae, 
Bannmeilen gewifter Städte, der ßankprivilegien , dar 
Octroy grolier HandclffgefeUrchaften n, f. w. Diefe Ab* 
gaben fcheinea aber dethalb yerwerflich ^ weil jeaa Pri- 
vilegien und Torzfige überall nur Mittel find , um Mona« 
polpreife von denen, Welche derDienüte oder Gegenftanda 
jener Gefellfohaften bedürfen, oder fie zu gebrauchaa. 
gezwungen werden , zu erprelTen, und alfo die ihnen aof- 
gelegte Abgabe wieder einzuziehen. Sie fällt daher mit 
verftärkter Laft auf die Confumenten , deren Bediirfiiiffa 
durch dergleichen Monopole befriedigt werden. Et 
fcheint daher Überall befier, dergleichen Privilegien und 
Vorzüge gar nicht zu ertheilen , die Steuer davon aber 
lieber von den freyen Gewerben oder deren Gegenftin« 
den einzuziehen. 

Anderf ift es T. mit der Ertheilung von Titeln , Staa- 
desvor Zügen und andern perfönlichen Eangverhältniflen. 
Eine Auflage auf diefe Art des Genudes würde nicht na* 
fchiaklich fayn, wenn der Staat ii>it der Befriadignaf 

def- 



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Von der Staatseinnahmen 577 

delTelben nicht höhere Zwecke tu verbinden hätte, al4 
die Befriedigung der Eitelkeit. Da aber Amt, 3tand^ 
Rang, Titel, Orden u. L w. xur Bezeichnung dei Oradea 
wahrer Verdienfte uttd det bürgerlichen Werthet gebraucht 
werden follep ; fo heiff t es diele VerhältnilTe und Gegen* 
ftände entweihen, wenn man tit tur Finaniquelle macht» 
Geld dafür nimmt, und He wohl xn GegenXtänden dea 
Handels herabwürdigt , fo dafs He jeder für Geld haben 
kann. Es fcheint daher beXTer, dergleichen Ertheüun* 
gen Ton Ehrenbexeigungen von aller Geldabgabe xu be« 
freyen, nnd felbft die Cantleygebühren dafür tLUß der 
allgemeinen CalTe su beftreiten. Wenigßens follten dia 
letttem nie höher angelegt werden, als nöthig ift, um 
die Mühe der Gahxleybedieuten für die Ausfertigung der 
Patente xu bexahlen. 

▼I. Genüile, welcha den .Hang der Menfchen xum Zeit- 
vertreibe und xum Vergnügen befriedigen, xeigen immer 
an, dafs die Ausgaben für dergleichen Vergnügungen, da Re 
fireywillig erfolgen und entbehrlich Hnd, im Allgemeinen 
Ton demjenigen Theile des Einkommens beßritten werden, 
der Übrig bleibt, nachdem fohon fürs NothdGrftige geforgt 
ilt. Und deshalb f^heinen mtfsige Auflagen auf die Mittel 
des Vergnügens, su deren Genufs man fich Ireywillig 
•ntfehüefst, nicht rerwerflich su feyn« Dia Neigung 
tum Spiel ift fine an fich unXchuldige Neigung, ihre Ba« 
friedigung ift aber groHier Schranken un4£rweitcrungea 
fthig, und in einem hohen Grade gehören die GenüITe, 
die der Menfch davon hat, unter die entbehrlichen. Ge* 
wils ift das Vergnügen , in die Lotterie su fetsen, «ins 
der allerentbebrlichftcn ; aber deshalb Xcheinen dock* 
Lotterieen, als Mittel die Neigung su Ölücksfpielen in 
befriedigen, an lieh und im Allgeitieinen den Tadel nicht 
sn verdienen , mit welchem einige Morallften nnd Staats- 
lehren fie ttberhiufen; und in vieler Hinficht Xcheinen 
B^ ein sweckm&Gnge» Mittel iu Xeyn , dem SUate ein 
Einkommen su verföhaffen. Sobald £reylioh;ider Hang« 
in der Lotterie fein Glück su fuchen, sur Volksleiden* 
fohaft wird , und üch d'er arbeitenden GlalTe fo bem&ch- 
tigt , dal^ diefe darüber die Luft sur Arbeit verliert, tond 
Celbft dasNbthwendigfte der ^pielwuth aufopfert ; fo wird 
9. Jak9h Staatsßnanzwiff* O O 



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578 Erlies Buch« 



die Lotterielruth ein LaXter, jund 'ein Suat, welcher «ne 
^olche LeidenTohaft benuixen und dergleichen Lotterieea 
«röffnen wollte, um dadurch feine GalTe zu hereichem, 
wfirde üch njcht nur diefe« Lafters theÜhafdg rnftchen, 
fondem auch unpolitiTch handeln , indem er die Haupt- 
' quelle ^ nitaHch die Arbeitsluft , auttrocknen hilft , ron 
welcher er eine dauerhafte Vermehrung det National- 
reiohthums allein erwarten kann« 

Von dieXer Seite hat fich in der Erfahrung das Oenne* 
fiCohe Lctto geseigt. D%in demfelb^ i) £ür die klein- 
Ben Summen Loofe tu erhalten und die YerheiCtungeift 
dea Glücks fehr grofs find; fo enthalten fie gerade fös 
die AermAen den gröfsten Reis » ihr GlOek durch foloh^ 
JLotterieen tu fuchei;» 2>« t) der Aberglaube und die 
Leichtgläubigkeit unter den niedrigen ClalSan gende am. 
gi^öfsten tll; fo werden fie dadurch befondert germst» 
nllerley Spiel mit der Wahl der Zahlen und derHofihnn^ 
darauf su treiben, die Leidenfchaft der Lotlerieen nimmt 
daher mit jedem Spiele su, und erreiilit endli^ eiae 
Höhe, welche nut dem totalen Ruin und der V^rtweif- 
Inifg desSpielera enden kann* Indem nun s) armeLeut« 
fich mit der Wf hrfcheinUchkeit eines hohen Gewinnes 
fohmeieheln, und ein fotohea Glück ^tSk ihrer Pkantafie 
hemeifterti ▼arlieren fSin darüber dat Vergiififen nia 
• dem kleinen laagfameu Gfwinne ihrer Arbeit, die Luft 
daxu wird immer fehwädter und geht endlieh gaits ver- 
loren; die getänfchte HoAiung ex^Ult fie mit Unmntli, 
treibt ^% titin Trunks um den Verdruft lu bet&ubeit^ 
und macht h^ faul, mfirrifch, unleidlieh ; pIlichtTerger- 
len gegen ihre Familie. Der Staat mnlli fedann fein 
L^tto ak die Uxlache einet fo grefiien Verderbens^ be- 
trachten. £in folches Inftitut alt FInanxqaeile hefte» 
Ken SU lalfon , ift der s öffentlichen Moral eben fo suwi* 
der, als der politifdien Khighett, Denn letaler^ kann 
nur folohe Gonfnmtiontabgaben billigen, welche ein 
.Jeder, der ihr unterworfen wird, aua feinem reinen 
Einkommen, oder von dem, wae ihni tum Entbehriiohen 
dient, beftreften kann, und gewöhnUch wirklich beftrei- 
tet. Sobald aber der Slaat gewahr wird , daft eine^ Ab- 
gabe von dem Noth wendigen iM»f !»C*^^ '^md , et ftgr» 



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Von der Staatseinnahme. 579 

dmU mt fi»^a?oii nnmiUelbar aehiue » oder dafs er eine 
leidMifchaftlidie Wuth dei Menfchen durch fein luftitut 
errege .oder beoutze, tun^dielba Nothwendige dem Gon^ 
tribueoten miter dem Scheine der Freyv^illigkeij^ in feine 
Gaffen xu bringen , dart die politifche Weisheit ein fol« 
chee InlUtot nicht dulden« Da diefef ihm in Anfehung 
det fogenanntenGenuefifchen Lotto^t offenbar dei\ Fall ift^ 
da et eine lafterhafte Leidei^fchaft im' Volk erzeugt j er« 
niUirt und verftürkt , und der Einfatx mit der in ihm be- 
griffenen Steuer pflichtwidrig gefohioht ; fo wdrdigt fich 
dio Regierung felbft herab » indem fie eine Abgabe dul« 
det, deren Entrichtung a) in vielen Fällen eine Pflichtwi- 
drigkeit für den Geber ift , da b) die Regierung im Lotto 
den Spielern ea gänzlich verbirgt , wie riel von den Ein- 
fätzen zurück gewonnen wird , und recht eigentlich Ta- 
fehenfpielerej mit ihnen treibt^d» ee hier auf Täufcinng 
. Ober die dabej Statt findende Wahrfcheinlichkeit ange- 
legt ißy wodurch die Regierung fich zu den Spielern von 
ProfcCELon gefeilt und eins der fchändlichften Gewerbe 
treibt; da diefes Inßitut endlich c) noch obenein ein In- 
ftitut ifty weichet ein Stanunv ermögen , dat die Haupt- 
»rfaehe det Nationalceiahthumt antmaoht (Arbeiitluft. 
und Fleift), , zerrüttet; fo üt dallelbe in Jeder Hinficht 
rerwerilioh. 

£ii^ ganz andere Bef(ran4tnift hat et m^t folchen Lot- 
terieen, deren Einfätze fo hoch find, daft dem gemtinetk 
Manne die Theilnahme daran fchon um deswillen nicht 
leicht beyfaUen kann^ deren Berechnäng dem Publico 
^ genau vorgelegt wird ; fa däfs jeder fehen kann , wat der 
Staat daran hat , und wie viel Ton den Einfätzen unter 
die Spieler alt Gewinn wieder rertheüt wird* — An 
dergleichen Lotterieen nduaen nur folohe Theil, welch» 
1) den geringen Grad der Wahrfcheinlichkeit einet hohen 
Gewinn,et viel beffer zu berechne» vergehen, und bey de« 
neu daher die Hoffnung auf denfelben nicht leicht zu einer 
blinden Leidenfohaft anwächXt« Sic betrachten dat Ein- 
Ibtzen in die Lotterie alt ein Glücksfpiel, das ihnen zwar 
Vergn&gen machx «ncl Hoffnung unterhält» ohne daft 
}edooh diefas die Luit zu ihren gewöhnliehen Befchäfti- 
fangen vtvmj|kd«r|; te gefchieht' daher auch a) nioht 

, Oo a 



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58o ErÄcä Buch, 

leicht, daff jemand fein Stammrermö^en auf dergleichen 
Lotterieen wagt» fondern er beftreitet die Einfätxe roH 
den XU feinem Vergnügen beftimmten Summen , folgUcb 
Ton feinem reinen Einkommen , fb wie das, was er «a 
den gefellfchaftlichen Spielen, Karten vu f. w. beftimmt— 
In dergleichen Lotteria/Bn von feinem reinen EinKommea 
SU fetten, Junn nicht geradezu für nnfittlich gehalten 
werden; man müfste fonft jede Ausgabe tum bloÜKa 
VargnGgen iQr unmoralifeh erklären. — Wenn alfo der 
. Staat dergleichen Lotierieen veranftaltet, um dadarch 
ein Einkommen Ton einer überflüffigen Ausgabe für einen 
entbehrlichen Genufs zu erheben ; fo können nur Split* 
terrichter etwas UnCttliches daran finden. Jeder hat es 
i9 feiner Gewalt, Cch diefer Abgabe zu entziehen, wenn 
er findet I dafs fein Einkommen eine folche Abgabe nicht 
wohl geftattet^ und man kann hier keine fb ftarke Leiden^ 
fchaft als herrfchend annehmen, welche eine vemQnftige 
Ueberlegung , ob man nach Pflicht und Klugheit iai fol- 
che Lotterie fetzen dürfe oder nicht, unmöglich macht,, 
oder auch nur erfchwert , wie diefes bey dem Lotto der 
Fall ift. , 

Es bleibt alfo dem Staate nur übrig , zu fiberlegen , ob 
dergleichen Lotterieen fo eingerichtet werden k5nnen, 
dafs i) eine fo fchädliche Leidenfchaft, dergleichen dai 
Lotto erzeugt, nicht entgehen, oder wesiigftene fich. nicht 
•autdehnen kann ; und e) dols Be jedermann überzeuge, 
es gehe bey der Lotterie aufrichtig und ehrlich zu« Das 
erftere wird insbefondei^e auch dadurdh erreicht, da(^ 
nicht nur die Einßitze nicht zu niedrig gemaoht w^erden, 
fo dafs die Armen davon ausgefchloften find; fondern 
dafs auch die Lotterieen nicht überhäuft, fonderxi zwi- 
fchen den Ziehnngen geraume Zwifchenzeiten gelaflen 
werden; 3) dafs man die Lotterieen fo einrichte, dafs 
dadurch nicht ein «i grofses Capital der Gtrcttlation 
lange entzogen bleibe. 

Noch Itärker, als gegen daa Lotto, find die GrOnde 
gegen Pri?ilegirung der Pharaobänke oder anderer Ha> 
zardfpiele. Denn obgleich daa Hazardfpiel eine freye 
Handlung für jeden ift; fo lehrt doch die Erfahrung, dai# 
es leicht eine Xolcke Leidenfchaft in deä Gemfithani «w 



\ 



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Von der Staatseinnähme. 581' 

regty dals fife «lle Gefühle der Pfliolit tinterdtüoKt • und. 
die Spieler lu Handlungen hinreiTst^ welche ihre Ver- 
xnögenszultHnde gänzlich ruiniren, ondTderen Folgen ih« . 
oen die ErfüUung ihrer fonftigen Pflichten nnmögüch 
^machen. Ob nun gleich die Regierung dergleichen Hand* 
lungen der Einzelnen nicht verhindern kann; fo darf fie 
doch kein Gewerbe dulden , weichet ^aus der Em&hmng 
und Entsünduag folcher Leidenfchalten hauptfächlich 
feinen Gewinn zieht, weil ein folches Gewerbe pflicht- 
widrig und lafterhaft ilt Lafterhafte Gewerbe mufs der 
Staut unterdrücken 9 aber nicht pririlegiren. — Ver- 
pachtungen von Spielbänken find daher unmoraUfoh 
und deshalb durchaus verwerflich. Die ächte Politik 
kann nichts billigen , was dem moralifchen Princip wi- 
derlpricht. Aus denfelben Gründen ift es einer weifen 
Finanzpolitik zuwider, Huren und Hurenhäuf er zu privi- 
legiren» um dadurch eine Einnahmequelle für den Staat 
in eröffoen. Denn das Huren ift ein Lafter, und der 
Staat darf nicht dulden , dafs das Lafter öffentlich getrie- 
ben werde, am wenigften feine Erlaubnifs dazu gebem 
Seine Pflicht ilt, tu wachen, dafs keine öffentliche Hure- 
rey aufkomme. Diefes aber verträgt lieh nicht mit«dec 
Bcßeurung des Hurenwefcns. 

$. 69t. 

Weniger ift die erfte CiaffederCaDfutntions* 
fteuern (§. 687.) verkannt worden. Es findet fich 
diefe Art von Abgaben faft ip allen Staaten ; aber 
in wenigen find fie aus richtigen Prinolpien her- 
vorgegangen. Die einzige Abficht Idabey war, 
Geld zufammenzubringen» alleofails den äufsern 
Handel und die Gewerbe d^fdurch zu leiten« .Ob 
fie aber aus dem reinen Einkommen der*Natioa 
bezahlt werden konnten, und ob fie jeden nach 
dem MaaEse feines reinen Einkommens treffen 



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562 Erftes Buch. 



mööhten, das flberliefs man gSozlich dem Zufalle* 
vind bekümmerte fich wenig darum* UnferSyftena 
nimmt die Coofitmtioosfteaer Aaf» weil die directe 
"Efaikommenfteuer keiner (ölohen Vollkommeoheit 
fähig ift, dafs dadurch das wirkliche reine Ein- 
kommen eines jeden proportionirÜch getroffen 
werden kann« Das Beftreben deffelben ift daher : 
der Confumtionsfteuer eine folche Einrichtung zu 
geben, dafs dadurch jedem noch dasjenige abge* 
nommen wird, was er nach dem Princip der Ein- 
kommenfteuer von feinem reinen Einkommen bitte 
geben mOffen» wenn daflelbe voÜftindig in die 
Steuerrolle gekommen wäre. 

§. 69?. 
Unfer allgemeines Princip ift daher: das Ein- 
kommen eines jeden directe nur leicht zu be* 
ftenern, und.ihm dyrch die Confumtionsfteuer noch 
{o viel abzunehmen , als er hätte an Einkommen- 
fteuer geben mfiffen, wenn die ganze Summe für 
die StaatshedOrfniffe durch die Einkommenfteuer 
allein erhoben worden wäre. 

f 694. 
DieConfnmtionsaaflage eines folchen Syftems 
mufs alfo fo eingerichtet werden : 

1) dafs fie zur Ausgleichung der Ungleichhei- 
ten dient » welche . durch die Unvollkom- 
menheit der Einkommenfteuer nothwendig 
Terbleiben i 



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Von dör Staatseinüahme. 58 j 

a) dafs fia zur Ergänzung der zu geringen Ein- 

kommenfteuer Oberhaupt » und 
3) zur Ergänzung derEinkommenfteuer bey de* 

nen dient , welche damit gänzlich verfchont 

geblieben, 

§. 695. 

Eine folche Steuer ftimmt 

1) mitdenPrincipien der Gerechtigkeit Oberein | 
deon der ruhige und unbefchrinkte Genufs 
der Oater ift uijiftreitig eben fo gut eine Wir- 
kung der StaatHanftalten, als die fiebere Ein* 
nähme, und es ift daher recht und billig, dafs 
jeder nach dem Maafse der zu geniefsendeif 
Güter auch^ zur Erhaltung des Staats wirke» 
befonders wenn diefer Oenufs fo befchaffen 
ift, dafs er erft durch den Staat begründet, 

^ gefiebert und erweitert .werden kann. 

n} Dergleichen Steuern können aber auch bar« 
monifeh mit den Principien der National* 
Ökonomie eingerichtet werden , wenn dahiiV 
gefeben wird, a) dafs fie nie das Stamm ver* 
mögen berühren , fondern ftets Ton dem jeni* . 
gen Theile des Einkommens bezahlt werden 
können, der ^m Teinen Einkommen gehört; 
wenn fie alfo b} nie den OentKs der notbwen» 
digften Lebensbedflrfniffe f erkOrzen, fondern 
c} nur entbehrliche GenOffe zum Gegenftande 
haben , ohne felbft von diefen abzuCcbrecken» 



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584 Erftes Buch« 



oder doch von di9m Uftberfloffigen bezahlt 
werden 9 and d) keine Ausgabe treffen , wel* 
che zur Erhaftung des Stamrovermögent oder 
Vermehrung der Production nothwendig ift. 

Die Möglichkeit, die Conrumtionsfteuer zur 
Ausgleichung der ungleichen Einkommenfteuer an- 
zuwenden, beruht auf folgenden Betrachtungen: 

Wenn der Eine ein gröfseres reines Einkorn» 
tnen hat, als der Andere, welches aber bey der 
Befteurung des Einkommens Obtrfehen ift, fo dab 
er mit dem, welcher ein kleineres Einkommen 
liat» gleich befteuert worden; fo ift wenigftens 
im Allgemeinen bey dem Reichern eine Nei- 
gung anzutreffen, fich mehr oder theurere GenOffe 
zu verfchaffen, als der andere, der weniger einzuneh* 
men hat, und er giebt alfo im Allgemeinen 
oder in der Regel mehr aus. Wenn nun die 
Confumtionsfteuer (b angelegt wird, dafs fie haupt* 
fachlich folche Oenüffe trifft, die fich nuj^ der er* 
laubt, welcher mehr einnimmt als der andere, nicht 
folche BedürfnifTe, die beyde gleich haben; fo 
trifft die Steuer da9 grdfsere Einkommen, und gleicht 
alfo dadurch die Ungleichheit aus. 

Erläuterung. Man fette , xwey Hausvlter, welche 
beyde mit einer reinen Einnalime ron 2500 RUiL in de» 

« Steuerrolle liehen , und elfo beyde eine gleiche Ein- 
kommenfteuer, z. B. zu a Procent d.i. 5oRthl« jihrlieh 
beaahlen : nun habe aber der aiae in der Wiiiückkeit 



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<■ 



Von der Staatsemnahme. 585 

1000 RlH mehr rtines Einkommto, als der andere, aUo 
ftatt 2500 Ethl.9 wie in der Steixerrolle fteht, s5oolVt1i]* ; 
fo wird die Confumtiouflleuer die Ungleichheit auf glei- * 
ohen, wenn fie folche GenüITe betrifft; die fich derje« 
nige erlauben kann ^ welcher 5500 Rthl. jährlich ver* 
zehrt y nicht aber der, welcher nur 2560 Rthl. tu ver- 
zehren hat. Letzterer wird z. B, Equipage, Bedien* . 
tin u. f. w. halten , mehr oder theurern Wein trinken ; * 
folglich wird er viele ConTnmtionsabgaben bezahlen, 
welche Jenen gar nicht treffen. Ein unvermeidlichet 
Uebel hierbey ift freylich dai , dafs der, deffen wirkli- 
che Einnahme nicht mehr als 3500 Rthl. betrügt , und 
4er auch fo hoch in der Steuerrolle ffeht, nun doppelt ' 
angezogen wird, indem er« eine höhere Einkommen- 
ftener ak der bezahlt, welcher in der Wirklichkeit mit 
ihm gleichet Einkommen hat , aber geringer in der 
Rolle ffeht , und dabey doch auch noch mit ihm eint 
gleiche Gpnfumtionsfteuer tragen muff, da diefe dock 
hanptfäclilich för die erfonnen feyn follte, diemöhr rei* 
net Einkonunen haben, al« lie verffeuem; ein Fall, 
für den lieh keine Remednr finden läfst, al« daff jeder 
dahin wir^e , dafi da« reine, Einkommen einet^ jeden 
richtig in die SteuerroUe komme. 

$• 697, 

Der andere Zweck der Confumtionsfteuer ift, 
jeden zu nötbigen, dafs er mehr von feinem^rei- 
nen Einkommen fteure, als ihm die reine £inkoiii* 
menfteuer^ auflegt. 

Die Abgabe auf das reine Einkommen wurde 
deshalb eher zu niedrig, als zu bodi angelegt, da* 
xQit man gewifs fey. Niewand werde dadurch zu . 
lehr angegriffen. Daher kann man annehmen, 
dafs allgemein zu wenig gegeben wird. Da nun 
aber d^ Staat mehr bedarf; Ib mufs er auf ein 



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58^ Erlies Buclu 



Mittel finneo, wie er das Fehlende nocb von dem 
reinen Einkommen erbeben kann p jedoch immer 
davon ausgebend t dafs die» welche fcbon genug 
angegriffen find, der neuen Befteurung leicht ans 
dem Wege gehen können, fobald fie auf ihr qapi^ 
taliftifcbes Einkommen. fallen, oder allzuviel von 
ihrem reinen verzehren möchten. Diefes wird nur 
dadurch bewirkt, dafs die Confumtionsauflage auf 
folche Artikel gelegt wird, von welchen anzuneb« 
men ift, dafs diejenigen, welchen die Einkommen* 
ftenernoch ein grofses Einkommen flbrig lafst, die* 
felben eher verzehren , als die jenigen , welche ei- 
nen geringern T heil Obrig behalten« Denn es ift 
gerechter und billiger , dafs die Reichern mebr zu 
dem Staatseinkommen beytragen, als die Aermern. 

Erläuterung. Man feite folgende Reihe im Stcaer- 
cetafter : 
Namen« Reinet Einkommen. Steuer lu a PC. 
A 1000 RthU so Rthl. 

B ' eooo -^ 40 -— 

C 5000 -- 60 — 

^an werden Ton den Weinext die gewöhnlichen Sorten 
mit 10 , die f^em mit ab , die feinften mit 50 Procent 
befteuert ; To ift ea höchft wahrfcheinlich , da£s A ßoh 
• fich an die ordinairen Weine hahen , und nur fehr we- 
nig von feinen y tob den feiniten Tielleicht gar nicht« 
oonfumiren wird ; B wird dagegen Ton ordinairan Wei* 
nen mehr als A^ und wahrfcheinilich einiga« von den 
feiniten ?erzehren. £r wird alfo mehr an Weinßeuer 
besahlen , "ali il ; am meiHen wird aber C contribuiren» 
da derCelbe walufeheinltch mehr GeftlUbhaften geben 
und überhaupt luxuriöfer leben wird. Um auch den 
Reichen , welcher keinen Wein verbraucht , zu treffen» 
wird man sufleiek andere (jegenftände beftenetni von 



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Von der Staatseinnahme* 587 

denen es walirlblieinlich iß, Saft fie der veariehrt» wel» 
eher den Wein nicht liebt. Wären überheopt alle 
Gonfumtionsartikel mit lo Procent beßeuert; fo wür- ^ 
A , B und C» angenommen, dalt Jeder fein reines £ln- 
Jiommen gaux Terxehrte, in gleicher Proportion be« 
feuert ^werden. Denn A würde Todann an GonTum« 
tiontfteuer 98, B 196, C %^\ Kthl. zu bexahlen haben, 
Sobald aber die Artikel , welche A nicht, . wohl aber B 
und C verzehren » höher befteuert find ; Xo ändert Geh 
^MM YerhältniXs noch mehr in (Zeigender Proportion* 

S^ 698. 

Da es fehr fchwer ift ,. vcm den Srmern Claf* 

fen» die nicht Yiel mehr verdienen, als fie noth* 

wendig gebrauchen» eine directeEinkommenfteuer 

2Xl erbeben 3^ und eine foiche Erhebung viel Arbeit 

^ und Koften verurfacbt, da man dabey mit einer zu 

. grofsen Menge von Indifidnen zu thuu bekomnat, 

deren jeder nur eine geringe Summe zu zahlen 

hat, und die Erbebungen viel Schreiberey, Execu» 

tionen u» f. w« erfodern; fo ift es beffer, diefe gan* 

ze Ghffe von der directen Einkommenfteuer frey 

zulaffen, und dagegen von ihnen fo viel, als fie 

Ton ihrem reinen Einkommeti dipecte zahlen foll« 

ten 9 durch Confumtionsabgaben zu erheben. 

$• iß99- 

• Diefe^ gefchiebt dadurch, dafs die Confum» 

'^ tionsartikel diefer. Claffe mit einer Steuer. belegt 

vverden, wodurch ihnen ihr ihnen gebührender 

Beytrag zu den StaatsbedOrfnifTen indirecte abge* 

nommen wird. -^ Kann man vorausfetztn » dab 



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58S ErAes Buch« 



jeder gemeine Arbeiter fo riel Terriietit, dafs er 
davon i) ficfa und feine Familie (fein StaninnYer- 
iDögen) notbdOrftig erhalten kann , und 2) noch 
etwas Obrig behält» wovon er oberfloCGge Bedfirf* 
niffe befriedigen oder fich ein Capital fammeln 
kann, welches alfo fein reines Einkooimen aos- 
macbt; fo wird ihm nicht zu viel gefchehen, wenn 
er eine Abgabe fQr feine Confumtionsartikel zah* 
l^n mufs , welche dem Antheile gleich ift, den 
er eigentlich von feinem reinen Einkoromen als 
Abgabe bezahlen follte, und die ihm der Staat^ 
auf diefe Wei(e abnimmt, weil die directe Befleu« 
rung fowohl fOr ihn als fiAr den Staat viel läftiger 
fejn wQrde* 

ErlXoterntig. Jeder gemeine Arbeiter rene&rt eine 
gewilTe Qaentität Brot, Fleircli, Bier, Salt, Leder, 
Leinwand, Feuerungsmateria), Tuch, Tabak« Brannt- 
wein n. L w. Wenn man daher diefe Artikel* hefteuert, 
fo iA man fich er , dii Einkommen det gemeinden Ar- 
beitert XU treffen. Beträgt nun die lümmtliche Steuer 
für alle diele Artikel xiiTammengenominen nicht mehr 
für ihn, als wa« er ron feinem reinen Einkommen dem 
Staate eigentlioh abgeben miklate ; fo ift er in richtiger 
Proportion beüteuert, nnd er wird in folohem Falle 
die Abgabe auch nicht durch eine Erhöhung des Prd- 
fes feines Lohnes einxiahen können, wenn fie fo ein» 
gerichtet ift , dafs lie di^ Zahl der Arbeiter nicht ver- 
mindert, folglich Angebot und Nachfrage nach Arbeit 
unverändert bleibt. Wenn ein Tagelöhner mit feiner 
Frau und 4 Kindern jährlich lao Rthl. rerdient; fo 
l^ann man annehmen » dafs er dajron 60 Rthl« für Brot^ 
Fleif oh , Oemüf e und Bier ausgiebt , 15 Kthl. für Klei- 
dung und Wäfohe, 15 Rthl. für Wohnung undHeixung» 
. 5 Rthl« für Tabak und Branntwein «n feiner Bifetxinig* 



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Von der Staatseinnahme. 589 

Es bleiben todtmn »5 R thl. reines Einkommen /Qr ihn 
übrig , wodurch er feine GenüfTe vermehren, oder Ceh 
ein kleines Capital famfneln kann. Läge nun auf allen 
feinen abfolut und relativ -noth wendigen Conlümtions- 
artikelu eine Auflage von ^Proceui, lobetahlte er jähr- 
lich 5^ Rthl. Abgaben ; verzehrte er fein reines Ein- 
kommen Tön 25 Rthl. auch noch gani , fo würde fein* 
Steuer^ Rthl. betragen, welches xuianuiiaii etwa f 
Xeinei rtinea Einkommens aufmacht. 

§. 700. 
Es ift währ, dafs dlefe Steuer zugleich die 
Wohlhabenden mit trifft. Allein dieres ift dem 
Zwecke diefer Art der Befteurung fo wenig entge* 
gen , dafs es vielmehr in dem Plane eines folchen 
Befieurufigsfyftems liegen mufs« Denn die Wohl* 
habendem mufs eine gröfsere Steuer treffen,* als 
die ^rmern Gaffen, da ihr reines Einkommen gr^* 
fser ift. Sie werden daher in der Abgabe von den 
gemeinen Lebensmitteini welche 'fie eben fo, wie 
der Aermere verzehren, einen Theil der ihnen 
zugedachten Abgabe entrichten , den andern aber, 
den fie noch aufserdem zu tragen fchuldig find, 
werden fie in den Confumtionsfteuern foloher Ar* 
tikel abführen » welche der Arme gar nicht , fon- 
dern nor die wohlhabenden ClalTen gebrauchen. 

$• 70K 

Wenn die allgemeinften und allernothwendig- 

ften Lebensmittel befteuert werden ; fo wird jeder* 

mann im Staate befteuert; Da nun blofs das reine 

Einkommen eines jeden befteuert werden foU; fo 



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590 £iiles Buch. 



luno eine folche Steuer nur gerecht (eyn: i) weon 
man annehmen kstnOf dafs jedermann im Staate 
wirklich ein reines Einkommen hat; und 2) weno 
die Steuer auf die alleraotbwenc|igften Lebeosmit- 
tel fo angelegt ift, dab fie das allerklefnfte reine 
Einkommen im Staate wesigftens in keiner grö* 
fsern Proportion trifft^ als das grdfsere Einkorn* 
men der übrigen, es fey indirecte oder directe» 
befteuert ift. 

ErlÜuternng. Man nshme an, et fey aatgemaclit» 
daXf das niedrigfte reine Einkommen im Staate , waa 
felbft dem Aermften übrig bleibt , 5 RthL wäre, und 
das totale reine Nationaleinkommen Tolle .mit to Pro- 
cent befteuert werden ; £0 dürfte die GonAimtiontauf- 
lage auf fimmtliche allgemein nnentbebrliche Artikel 
für «in Indindttum niolit mebr all 1 RtbL betragen« 

$. 702. 
Ift aber die Vorausfetzung» dafs jeder im 
Staate ein i'eines Einkommen habe» ungegran« 
dety fo wird die Auflage auf die allgemeinften und 
sotbwendigften Lebensitoittel folgende Wirkpngen 
haben : 

1) Sie wird diejenigen» welche kein fo grofses 
reines Einkommen haben» dafs die 6e tref- 
fende Auflage ^ dellelben ausmacht» nöthi» 
gen, in einergröfsern Proportion zu den Staats* 
bedarfnifCen beyzutragen » als andere» alfo 
gegen fie ungerecht feyn» 

2) Diejenigen » weiche gar kein r^nes Einkorn* 
men haben » wird fie entwtder ndthigen^ fich 



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Von der Staatseinnahme. 591 

voo demv Allernotbwendigften etwas abzu* 
brechen , oder fich tuf irgend eine Weife ein 
gröfseres Einkommen zu verfcbaffen« Ge* 
fobiebtdas erfte ; fo. wird fich wegen des daraus 
für fie entftehenden Mangels die Sterblichkeit 
unter ihnen vermehren, die Ehen und'Zeu- 
gunglpn werden, fich mindern, und die Anzahl 
der Individuen diefer ClaiTe wird abnehmen« 
Ift nun diefeCiafTe von Menfchen (der gemei- 
nen Arbeiter) doch fflr di« Gefelifchaft noth- 
wendig; fo wird es diefelbe, nachdem die 
Noth anter ihr eine Verheerung bis zu einem 
gewiflen Grade angerichtet bat, in iljre Gewalt 
bekommen, ihren Lohn fozu erhöhen, dafsfie 
davon ihre notbwendigen BedOrfniffe ftillen 
und Zugleich auch noch die Abgabe bezahlen 
kann. Es fällt daher diefer Theil der Abgai- 
b^ auf diejenigen zurück, welche die Arbeit 
diefer Clafle bedürfen , und es würde der 
Notbftand der arbeitenden Claffe vermieden 
worden feyn , wenn man fie ginzlicb mit der 
Abgabe verfchont, und das, was man ihnen 
abnimmt, gleich von denen erhoben hätte» 
welche die Arbeit jener Claffe bedürfen. Letz« 
tern wäre dadurch gleichfalls kein Unrecht 
gefchehen» da fie doch diefe Auflage zuletzt ' 
für ihre Arbeiter bezalilen muffen* Gefchieht 
das zweyte, oder dringt die fo befteuert^' 
ClaCCe^fogleich. auf Vermehrung des Einkorn« 



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59^ Erftes Budu 



mens, wie Notblcidende» Bettler , Almofen* 
geooffeo durch ihr HüogergeCcbrey thua ww- 
den; fo fallt die Abgabe -gleichfalls auf die» 
welche dergleichen Wohlthaten fpenden. 

f 7o3. 

Da die Aoflage auf die nothwendigen Lebens- 
mittel Co wie auf alle Confumtionsartikel die Er- 
xeuguDgskoften derfelben vermehrt; fo ift eine 
verhältDifsmärsige Vertheurung diefer Artikel die 
nothweodige, Folge folcher Confumtionsauflagen, 
fo wie aller ConfumtiODSanflagen Oberhaupt. Diefe 
Vertheurung geht jedoch nicht auf den Arbeitslohn 
aber, in wiefern derfelbe fchon fo hoch ift, dafs 
die Auflage auf jene Artikel von dem reinen Ein* 
kommen der Arbeiter bezahlt werden kann ($.701.); 
denn deren Zähl wird fich durch jene Auflage nicht 
vermindern» folglich wird das Verhiltnifs des An- 
gebots der Arbeit zur Nachfrage 'dadurch nicht 
verändert werden. Nur allein eine folche Verän* 
derung kann aber Einflufs auf den Preis des Arbeits* 
lohnes haben. — Dagegen wird di«b Auflage 
allerdings den Arbeitslohn derer nach und nach 
nm die Orofse der Auflage erhöhen, welche fie 
nicht von ihrem reinen Einkommen , fondfem von 
dem» was für das Allernothwendigfte beftimmt ift, 
bezahlen, wie aus den $• 416. angefahrten Orttn* 
den erhellet. 

Fer* 



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Von der Stäatseintfahme. 59$ 

Fetuet worden die Can(umtioD$auflagen den 
Preis eiUr DUtge proj^ortiottirlii^h erhöhen» wovon 
die Artikelrdie ihnen unterworfen find» Beftand« 
theile- aasmachen. So wird die Auflage auf daf 
Salz den Preis alier Producte > wozu das Salz als 
Beftandtheil gebraucht wird» um fo viel erhöhen» 
als dier'Somme 'der Auflage auf die Quantität Sal^ 
welche zu jenen Producten gehört, beträgt; dec 
Branntwein wird um die Auflege auf | das dazu 
genommene Mehl fteigen , wenn das Mehl allge» 
mein einer Auflage uoterworfen ift u.Lw. Wenm 
indeffen die Aufläge mäfsig ift; fo kann die ErhÖ« 
hung des Preifes dieler Producte nicht fehr merk« 
lieh feyn » in wiefern die befteuerten Artikel nur 
ein geringer Beftandtheil diefer Producte Gnd« Eine 
Auflage von 6 Procent auf das Salz könnte z. B. 
den Prei^ der Schaafe, des Biers u. f . w. kaum 
erholten » de^^as hinzukommende Salz vielleicht 
nicht den bundertften oder taufendften Theil ihres 
Freifefr ausinacbt. —» Und wenn daher andere 
Vortheile die Auflageii auf die gemeinden Lebeos« 
bedarf oiiTe empfehlen ;. fo dürften jene Nachtheile 
nicht ftark genug feyn , fie deshalb zu verwerfen. 

§♦ 704. 

Pas Befte (cheint frey lieh zu feyn, wenn es 

möglich wäre, eile allgemeinen not hwendigften 

l#ebehsinittel .fnit aller und jeder Abgabe zu ver- 

ifhpo^Q9 un4 idi^ A'^S^'?^» welche die Nothwen« 

9. Jakäh Stuaufinanxwijf* Pp 



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594 Erftes: Buch. * 

- ' — ' — ^— — ^^^»-^ . , I , ■ 

digkett.auch von dtfm kleinem reineo Eiokoinmeo 
der gemeinen Stände zu*«rheben ecfodect, lieber 
du^ch eine Steuer auf das uufuMbriaffin^ was den«» 
felben entbehrliefa ift, da auf deffen ConüimtioB 
gewöhnlich das, tvas ^^b 4er Verwendung «nf das 
Allernothwendigft^ flbrlg bleibt, angewandt wird. 
Dabin würde z. B« Caffee, Zucker, «Branntwein, . 
Weizen» und allenfalls auch Bier und FJeifch ge- 
hören. Denn bey der Goafuoition det* beydea 
letzten Artikel fleht es wenigftens in der Macht 
der Confumenten, die Abgabe durch Verminde« 
tung der Quantität der Verzehrung derfeU>en ein* 
zubringen,' ohne dafs ihre Gefundheit dadurch lei« 
det , oder LebensQberdrufs daraus entftebt. 

$. 7o5. 

Ift die Wohlhabenheit in einem Lande fo ver^ 
breitet, dafs felbft der gömeinfte Arbeiter ein b«« 
trichtliches reines EinkoAimen bezieht; fo wird 
die Befteurung der nothwendlgften LebensbedOrf« 
niffe leicht unterbleiben könnet, weil fodann die 
Confumtion der entbehrlichen Artikel fp ftark ift, 
dafs die Summe, die man fonft von den allernoth« 
wendigften Dingen erhebt, leicht unter die ent- 
behrlichen Artikel vertbellt werden kann. In* 
deffen find bey eineni folchen Zuftande d^s Volks 
auch die Folgen der Befteurung der nothwMKÜg« 
ften dinge nicht fehr nachtheilig. Denn die Zahl 
derer« welche die Steuer nicht ron Ihrem 



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Von der Staatseiimahme. 595 

Einkommen zahlen können, ift fodann nur klein9 
und der Zurctnlft, den die Wohlbabeodern zur 
Deckung det Steuerfumme, welche auf die Armen 
fSlIt» ""indirecte geben mOfTen, wird unbedeutend« 

• , $. y'oS. 

Wie die Abgabe auf die Confurotlonsartikel 
zu Tertheilen, und welche fich dazu am heften 
fcbicken, daron wird im dritten Buche ausfahr« 
lieh gebandelt« , • ' . 

IV. 
Von dem iTnttrrohiede der directen und indirecten Abgaben* 

*• 707- 
Worauf der Unterfchied der directen und 
indirecten Steuern beruhe, ift oben ($#5i40 
im Allgemeinen' angegeben. Es werden gewöhn« 
lieh nur diejenigen indirecte oder directe Steuern 
genannt, bey denen es in der Abficht der Regfe« 
rung liegt, daüs fie es feyn foUen. So werden die 
Eaufleute verpflichtet, die Waaren, welcbe fie 
,verkaufen*woIlen, zuverfteuern; nicht, damit fie 
folche tragen , fondern damit fie fich ihre Auslage 
feilen an ihrem Kauf erftatten laffen. Es ift alfo 
diefe Steuer eine indirecte Steuer auf die Con« 
fumenten der Kanfmannswaareo ; von den Kauf« 
leinen aber wird fie direct bezogen* Es foll aber, 
der Abficht der Regierung nach^ far fie gar keine 
Steuer (eyn. Dagegen nennt man die Auflage auf 

Pp 2 



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596 Elftes Buch. 



die Grundfteuer eine directe Steuer, weil fie ua* 
mittelbar auf den, welcher 6e zahlen foU, nimlicb 
den Grundherrn, gelegt wird. Erhebt fie der Staat 
vom Pachter, fo ift es eine indirect^ Steuer auf 
den GutseigerithQmer. Denn nach des Staats Ab« 
" ficht foll fie der Grundherr tragen, folglich der 
Pachter blofs rorfchiefsen. 

$.708» 

Will nun der Staat mit feinem Steuerfyfteine 
ins Reine kommen, und wifTen, wie hoch er jeden 
befteuert; fo ift nothwendig, dafs er keine directeö 
Steuern auflege, als folche, von denen er ge* 
wirs ift, dab fie der, welchem er fie auflegt, 
auch bezahlt; und keine andern indirecten» als 
folche, von denen er gewifs feyn kann, dafs fie 
der, welcher fie anslegt, von dem, aufweichen 
die Steuer fallen foU, wieder einziehen kann. 

Allein es gefcbieht oft, dafs die dlreetea 
Stenernzn indirectenunddieindirecten zndirecten 
werden, ohne dafs der Staat diefes beabfichtigt, 
{o dafs der, welchem der Staat eine indirecte 
Steuer auflegt, fie von denen nicht einziehen 
kann, von welchen er fie, der Ahfichtdes Staats 
nach, einziehen foll , und dafs der, weichender 
Staat directe befteuert, fie doch von anderiA wie- 
der einzieht, wo denn die Steuer^ welche für ihs^ 



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Von der Sftaatsemnahme. 597 

der AbAcbt des Staats nach, eine directe fe^n 
foUte, fOr andere eine indirecte .wird, und den 
alfo gar nicht trifft, den fie treffen follte. — Die 
Flnanrwiffenfchaft mufs daher 4ie Steuern naöh 
allen ihren Wirkungen zergliedern , wenn deutli* 
che Begriffe Ton den Wirkungen dter verfchiede* 
^nen Arten der Steuern entftehen follen, damit der 
Staatsmann genau beurtbeilen lerne, ob er feine 
Abficht durch die directe oder indirecte Befteu- 
rung erreiche , oder nicht. 

|. 710. 

Es giebt Staatsmänner, welche der Meinung 
find, es fey gleichgültig, wie der Staat die Steuern 
Terthrile, weil der, welcher dem Anfcbeine jiaeh 
zufbhr beUftigt fey, feine Laft^ dem andern zuzu- 
fehieben, oder den Verlag feiner Al^aben wieder 
auf die eine oder andere Art von andern einzuzie« 
hen wiffe : fo da£i directe Steuern , fobald fie zu 
drückend für die wären , denen fie die Regierung 
' auflegt, in ^r Stille zu indirecten Steuern für 
andere würden, von denen die nichften Bezahler 
fie yneder eincaffirten, und felbft die indirecten 
Steuern blieben nicht auf denen haften , welchen 
fie die Regierung zugedacht hätte, fobald fie ihnen 
der Natur der Sache nach nicht zukämen, xfondem 
fie würden immer weiter gefchoben, bis fie endlich 
der be^Mte^ der fie eigentlich bezahlen müEste. 



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598 Erlies Buch« 



t 



Wenn diefeMeieung gegrQndetw2re; Towar- 
de alle Steoerweisheit QberflQ[fig feyn, weil .die 
ftille und geheime Veftheilung alle Fehler der 
öffentlichen Vertheilung der Auflagen am betten 
verbeffern wflrde. Allein au$ der vorhergehenden" 
2«ergliedening der Abgaben wird die Fairchbeit 
einer folchen Behauptung (chon (attfam ber?or* 
gehen., 

Das einzige Mittel nämlich , wie jemand die 
an den Staat bezahlten Steuern in der Stille wie* 
der einziehen kann» ift» die Preife feiner Ar« 
beit ode)r feiner Producte fo weit tu erhöben, als es 
die Erftattung des Verlags der Abgabe verlangt.— 
Nun giebt es aber, wie aus der vorhergebenden 
XJnterfucbung und aus den Betrachtungen in der 
Nationalökonomie erhellet» nur zwey Urfaoben» 
welche den Preis der Arbeit und der Waareo er- 
höhen; nämlich; 

j) Vermehrung der noth wendigen Pro* 
ductionskoften » und 

2) die Vermehrung der Nachfrage oder dieVer* 
minderung des Angebots, 
Sobald daher durch die Auflage die notbwen* 
digen Productlonskoften eines Dinges fortdan* 
ernd vermehrt werden , bekommt es der, welcher 
das Ding fOr andere verfertigt, in feine Gewalt, 
den Pfeis deffelben um fo viel, aU diefe Erhöhung 



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>.T.-^M 



Von der Staatseinnahme. 599 

betrigtv zu erholten, und fich alfo die Abgaben 
erfetzen zu laffen» Und eben fo, wenn die Abgabe 
Terurfaobt, dafs die Production des l!>inges, folg« 
lieh das Angebot vermindert, oder die Nachfrage 
darnach vermehrt wird; fo würde fie in beydenFäl* 
len die Urfaohe fleyn, dafs die Verkäufer folcher 
Waaren den Preis erhohen , und folglich die Ab* 
gäbe ganz oder znm Th^il wieder einziehen 
könnten. 

Nun findet weder die eine noch die andere 
Urfache allemahi da Statt, wo £e Statt finden 
*£oUte. Denn wenn z. B. die^ Abgabe^- bloCs die 
Renten vermindert ; fo tritt wedelr die eine noch 
ifie andere Urfache ein. Denn 1) vermehrt fie 
nicht (Ke Productionskoften , weil die Renten- ein 
reines Einkommen bilden, und daher nicht zu den 
notbwendigen Productionskoften gehören« Wenn 
daher die Steuer ungleich auf die Renten fällt ; fo 
gleicht fich diefe Ungleichheit durch nichts aus, 
Sondern trifft den , welchem fie der Staat auflegt» 
ohne dafs der dadurch Leidende im Stande ift, fie 
weiter zu fchieben; 2). bringt fie auch keine Ver« 
änderung in der Nachfrage oder dem Angebot her« 
vor, da hierdurch weder die Zahl der Käufer Ver- 
mehrt, noch die Zahl der Verkäufer vermindert 
Vdrd. 

Erläuterung. Man fetze, z wcy Morgen Land, if und 
Bf wovon A 5 RthL, JB'io RlHl, reines EmkomtufNA 



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6oo Erftes Auch. 



giebt ; et wird «ber jeder >inijt i Tlialer. Gmadfteiter 
beleiht: fo üt^l mit | und B mit /^ feines ^ireinen Ertragt 
befteuerty und A hat durobauf durch diefe fiefteurung 
kein Mittel arbalten, faiae Producta im ^ tl{aärer %n 
▼arkaiifan, um fichfür feine ungleiche Befteurung xa 
erholen. DaCTelbe ia der Fall bey der Induftrierente. 
Man fette, der Schuhmacher A hakt "iim fi^liche 
Induftrierenta von loo RthL , de^, Schuhmacher B 
Ton 400 RtliL ; es werde aber jedem ein Kopfgeld von 
40 RthL aufgelegt. Wenn nun B fehie Stiefeln uod 

I Schuhe nicht theurerrerkauft, als vorher; fo wird 
auch A nicht auffchlagen können : wie will er alfo~ 
die 90 RthL, welche er gegen ß tu viel bezahlt, ein- 
ziehen? Selbft wenn B et in feine Gewalt bek&me, 

t leine Waare um f o viel %U erhöhen, dtfs er feine 40 Rthl. 
einbekäme: fo würde doch^i nicht mehr mit feines 
Waare auffchkgen können , alt B ; und da er nur dia 
Hälfte fb viel her? orbringt , dadurch immer nur 
ao Rthl.. nie aber 40 RthL einbringen. Alfo büaba 
die Ungleichheit dem il immer tur Laft. 
Allein fie würden diePreife ihrer Waare, um der ihr 

I reinet Einkommen treffenden Abgabe willen, gani und 
gar nicht erhöhen können. Denn die nothwendigca 
Urfachen der Production würden dadurch nicht be- 

\ rührt, da dat reiner Einkommen, weichet die Steuer 
' bloXt vermindert, nicht tu den nothw endigen Pro» 
ductionskoften gehört, indem VorfchüfTe, Arbeittlohn 
und Capital tum Ankauf det Materialt, fo wie Zfufen, 
weichet die nothwendigen Urfachen foloher Produptioat 
find , von der Steuer nicht berührt werden , alfo die 
fooduction in gleicher Quantität fortdauert Und eben 
€0 wei\ig wird diefe Steuer Einfluft auf die Vermeh* 
rung ihrer Kunden oder die Verminderung der Schuhr- 
macher haben. 

i. 714. 
Aber wenn auch felbft die Steuern die Pro? 
ductionsk^ften vermehren ; fo ift es 1) nich| (<>• 
gleich möglicht den Preis der Dinge» darpb wel* 



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Von der Staatseirniahme. ^oi. 

cheit dieSteoern wieder eiogezogen werden follen^ 

zu erhöhen ^ oad dergleichen Abgaben fallen dt* 

her wenigftens lange Zeit den Contribuenten zur 

Laft, upd 2} ift es oft gar nicht möglich, den 

Preis 2VL erhöhen» fobald nämlich. andere, (eichen 

Steuern nicht unterworfene Gegenfilnde mit ihnen 

concurriren. 

Krliuterung. Man fette s. B., e$ würde eine to fterke 

Prodttctenfteuer euf die Bauerfelder gelegt, dafs die 

Bauern dadurch nicKt hlofi ihre Grundrente reilören» 

fondem auch ihre Wirthfohaftsproßte ^nd Ar>eitflahii 

dadurch ftark angegriffen wQrden; fo würde es doch 

i) lange dauern, ehe der Feldbau fich dadurch fo Termiii^ 

derte , dafi die geringere Quantität Feldprodnete die 

Bauern in den Stand fetite, c^e Preife derfelbto fo auf- 

ftufchlagen, dab Ce lieh dadurch l&r die Steuer fchad* 

lof hielten. Vielmehr wfirden viele durch eine f ol* 

che Steuer hewogen werden, fich mehr antuftrengen, 

nm durch Vermehrung ihrer Producte tum* Steuer« 

erfatte tu gelangen. Eine folohe Vermehrung aber 

würde mehr auf dai Sinken, al< auf dat Stetigen. der 

Preife der Ackerproducte wirken. -- Wäre 

ü) in einem f olchen Lande die freye Einfuhr der Pro* 

ducte anderer ' Länder , wo die Ackerbauproducte 

wohlfeiler wären, verftattet; fo würden die Preife 

der im Lande erteugten nie höher fteigen können, alt 

bisher, weil fonft fogleich fremde Producte einihrö- 

men nnd* den i^eigenden Preis niederdrücken, würden» 

Ehen fo fohwer würde es den Arbeitern werden , ihrea 

JLohn wegen einer ihnen aufgelegten Abgabe tu erhöhen, 

und fie würden lange mit der Noth, welche aus einet 

folchen Staatslaft^ für fie entftände« tu kämpfen haben, 

ehe fie tu ihrem Zwecke gelangten. 

Es iftdaW eine feUechte Maxime der Finanz- 
politik* die.Gerecbtigkeit und Billigkeit der Be- 



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6o'z Erftes Buch. 



fteurung einer folcben ftillen Vertheihmg zu Aber* 
lifTen« Vielmehr erfodem die ächten Onmdtitzt 
derfelbeoy alle Steuern fo za berechnen und ^ 
anzulegen , dafs Ge denjenigen allein treffen > den 
fie nach der Abficht und nach der Erklimng des 
Flnanzgeretzes treffen follen; und dafs es in Nfe- 
mandes Gewalt gegeben wird^ die Stener, wel- 
che ihm zugedacht oder aufgelegt ift, von fick 
auf andere zn wälzen. Wenn daher eine Steuer 
Kfne indirecte feyn foll; fo mufs man gewifs 
feyn , dafs fie nicht der bezahle , welcher fie 
auslegt, fondem der, aufweichen deren Bezah- 
lung berechnet ift, fo dafs der, welcher fie ans« 
legt» es wirklich in feiner Gewalt hat, fie von 
dem, der dadurch befteuert werden foll, wieder 
einzuziehen; und wenn eine Steuer jenrandem 
directe aufgelegt wird, fo mnia es eine folche 
feyb, welche diefer nicht andern zofcbieben, oder 
ficb ¥on andern erftatten lafTen kann« 
i. 716. 
Aus diefen Gründen ift es fo wichtig, die Ein« 
kommenfteuer wirklich nach dem reinen Einkorn« 
men zu ordnen, und dabey aufs gewifTenhaftefte 
dahin zu fehen, dafs jedem nur ein aliquoter Tbeil 
davon abgenommen werde. Und wenn es auch 
gleich fchwer und vielleicht unmöglich bleibt, eine 
genaue Gleichheit In diefer Art der Steuer zu er» 
deichen; fo mufs man doch alles rerfuchen, um 
fich der Idee derfelben möglichft zu nahem , nnd 



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Von der Staatseinnahme. 603 

was man nicht didrch di^ Einkorn menfteuer errel* 
eben kann, durch die Confumtionsfteuer zu bewir« 
ken ftreben. 

Alle indirecte Steuern mOfCen fo nahe als 
möglich dem Uebergange der Artikel zur Confum* 
tion angelegt werden» Denn wird die ipdirecte 
Gonfumtionsfteuer lange vorher, ehe die Artikel 
zur Confumtion gelangen, erhoben; fo vertheuert 
fie j) die^ Waaren noch mehr durch die Zinfen des 
fOr die Steuer ausgelegten Capitals, und 2) wird 
der Kaufmann oder Fabricant dadurch in Gefahr 
gefetzt, von Artikeln Auflagen zu bezahlen, die 
er nicht verkaufen kann, weil fie ihm vor dem 
Verkaufe verderben. In diefem Falle fällt ihm 
die Steuer zur Laft, die ihn doch gar nicht tref- 
fen foUte. 
\ . $. 718. ^ . 

Um diefes, wo es nur irgend möglich ift^ aus* 
zufahren, mufs ^ie Einziehung der indirecten Con- 
fumtionsfteuer bis dahin verfohoben werden, wo 
fie ^n den Detaillifteo oder an den Confumenten 
übergeht. Daher ifl es zweckmäfsig : 

j) In Seehandlun^s- und Stapelplitzen öFfent* 
Uche Waarenmagazine zu errichten, wo die 
eingebrachten Waaren unter Auf ficht des 
Staats unverzollt lagern können. — • Die 
Beamtei;! der Magazine führen mit den Eigen« 
thOmern Rechnung aber Ab* und Zugang. 



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6o4 Erfte8 Buclu 



Der Abgang inufs auch dann jaocb unverzollt 
bleiben, wenn er in eisen andern Stapelort 
gebt, wo denn nur eine Uebertragnng aus 
dem Niederlagsbuche des einen Ortes in das 
Buch des andern Böthig Ift. Noch weniger 
ift die Bezahlung des Zolles nötbig, wena 
fich die Waare blofs. unter den GroCsbändlom 
dts Ortes l>ewegt« Die Koften der Maga* 
cinage und jeder Uebertragung werden nach 
mifsigen Sätzen vergütet. 
a) Bej Handel mit Wein und andern^ Obfectea, 
die eine lange Privatpflege bcdjlrfen » ehe fie 
verkäufliches Out werden, kann man eine 
Einrichtung treffen» wodurch dem Kaufmann 
die Waare unter feine Privataufficht gegeben 
werden kann, lo dafs die Zollbeamten die 
Auf ficht aber den Ab • und Zugang der Vor* 
rätbe fahren^ und durch gegenfeitige Abrech- 
nung der verzollten abgehenden und bleiben- 
den oder binzukommenenden Waaren die 
Niederlage controlliren. 

$• 7»9- 
In Anfehung der letzten Claffe der Waare 
(f* 718. Nr. 8.) kann eine Zeit beftimmt werdent 
nach deren VerfluCs die eingegangenen Waaren ver* 
zollt werden tnoffen, wenn keine GrQnde vorge^ 
bracht werden können, die das längere Stunden der 
Bezahlung des Zolles zulSffig machen. In Anfe« 



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Von der Staatseinnahme. 605 

IiUDg aller VorrSthe aber, die in den öffentlichen 
Magazinen gehaltet werdien, mufs die Zeit uobe« 
dingt feyn , und der Zoll nicht eher gefodert tver^ 
den, als bis die Waare zur Cönfumtion Übergeht« 
Dfenn ikrenh der Kaufmann die Waare lange im Maga« 
zine liegen lä(st; fogefcbieht es, im AUgemeineut 
nur, ^eil er bey derl^n Verkauf grofse Verlufie 
fürchtet und ficb alfo genöthigt fieht, belfere Preife 
abzuwarten. Wollte man ihn nötbigen, den Zoll 
.nach Verflufs einer beftimmtea 2eit zu bezahlen ; 
fo würde mau ihn entweder zwingen » die Waare 
übereilt und mit Verluft zu verkaufen» oder fe ia 
eine andere autländifche Niederlage zu fchicken^ 
oder den 2k)ll vorzufcbiefseh. In allen drcy Fällea 
wird man nur den Verluft des Kaufmanns Vermeh«» 
ren; in d^m zweyten, der fehr oft vorkommen 
wird, beraubt ma» zugleich die Stadt der Nii^der- 
lagskoften und des Oewinnftes, der aus dem kfltif» 
tigen Verkehr dafelbft mit diefer Waare entftehen 
könnte. Man würde dadurch überhaupt den Spe« 
culationshandel von dem Staate abwenden« ' Denn 
jeder wird lieber feine Waaren, die er auf Specu« 
lation kauft, in einem Lagerungsplat^e laCfen/ wo 
er mit dem Verkaufe fo lange warteb kann', als 
er Luft hat, ohne deshalb in neue Koften und Vor* 
fchüffe verwickelt zu werden. — Dafs eine fol- 
cheErlaubnifs den Wucher begünftige, itt ein nich- 
tiger Grund gegen df^ unverzollte Niederlage auf 
unbeftimmte Zeit, 'Dehn es ifi ^allgemeine Maxime 



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6o6 Erftes Bach. 



des KaufmannsftandeSt jede Waare Ccbnell zn ver- 
kaufeo » fobald es our mit eioigem Pro6te geXebe* 
ben kaoD* An lange lagersdeo Waaren wird 
in der Regel immer vertoreo. Pas wi0en die 
Kaufleute fehr gut; mid wenn 6e dj^ber zögern^ 
fo gefcbiebt es gewdboiicb nur, um folche Prelfe 
abzuwarten^ die ibren Verluft um etwas kleiner 
macben« 

* A n m« In England ift das xollfreye Lager» in Av/ehaag 
dar Colonialwaareb tehr ci n g cfchränk t ; et laftt fick 
ajber ein Tcmfinftiger Onmd davon fchwer entdecken. 
'Weift man aber , da£i die OAindifoke Compagnie «nd 
andere grorse Handel tgefellTchaftcn einlntereCfe dakej 
liaken , daft bey ihren Anctionen keine andern Vorri> 
tha im Lande find^jdie mit den Waaren, welche fie auf 
den Markt biringent concurrircn; fo xaigt fick der tc9> 
deckte eigennütiige Grund einer fonß zweckwidrigen 
ManCiregel.— Warum aber andere' Eegiernngen hierin 
England nachgeahmt haken , davon lärtt Geh eine bin» 
reichende Urfache nicht finden. Im PreulsiXchen s. Bw 
ift die tollAreye Lagerung in den Packhofsmagazinen 
nUr aof xkej Jahre geftattet» mid dieKanfleute in Mag« 
debarg t. B. werden nach Ablanf dieCer FriA häufig g«. 
nöthigty Waaren, die hoch im Zolle fiehen, nachLeipxig 
oder Braunfchweig sn ffihren, oder gar nach Hamburg 
mrfickgehen xu lalTen» wobey Jawohl der Kaufmann ala 
der SUat Verlud erleidet. 

§. 720. 

Die Waare darf daber aucb nur naclr demje- 
nigen Preife.befteuert werden, den fie zu der Zeit 
bat, wo fie wirkiicb in den jenigen. Verkebr tritt, 
der fie dem Conrumenten zufobrt, oder wo fie 
aus dem Orofsbandel zu dem lUeinbändler oder 
in die Hände des Confumentca gtUngt« 



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Von d^ St&atsdnnahme. 607 

i . Dafsd^nKaufmaon upd Fabdcaoteo dann und 
waiioeioeCoDCamticu»8fteuer trifft, dieDicbtauf ibo 
bi#refd)aet w^r^^ivird (ipbfreylictttiie ganz vermeiden 
lai£eoa Aber.es muTsjkYenlgftofisiiicHtan d^cl^e^^l 
(lei;S.titats.Megfmi..d4b d« ibn.ti^effe. Sotrifft^dea 
Kauf^KADii.ttnfeblbar.^ie St^uer^ wekbe er an veiv 
itorb^ien Terfteuert^R* Waaren elnbQfst, oder dec 
Waärqny um die er felbft, nacbdem er fie verfieuert 
bat« betrogen wirdl*-^ Man kann zwar fageo» dafs 
der Kaufmann dergleichen Verlafie bey derCalctda* 
tion feiner Waarenpreife mit in Reobnung brin« 
ge* Allein dergleichen Bereobmingen können nur 
Diurchfcboittaberedtniuig^n fejn, die zvrar aafs Gan- 
ae paffen^ nicht. aJberituf die V^rlufte der£inzelaen{ 
denndiefe find far den Eioea grof$> fardeto^ndern 
ktein, fttr den Dritten garnull, und Vörtheil und 
Vi^luft tbeilt fich daher unter die Individuen nkbt 
nach .den DurchfcbnittafStzen. Ueb^rdiefs »trifft in 
dtefemFalle dieSteuer doch immer irgend jemanden« 
ohne dafs es in der F^oanzmaafsreg^l beftimmt ifty 
f*olglich wird dieSteuer blind vertheilt. -— > Alleia 
es ift diefes eine Unvollkommenbeit in der Con*> 
fnmtionsbefteurung 4iiefer Art» welche voniihr un» 
zertrennlich.iffcy und wogegen es gar kein Verbef» 
{emdKgaooittel giebt» 

S. 722. 

K ' AUemafal Vdrurfacbt der Umweg« den die in-* 

direete Befteiurung ninsmt, Eofien. D^sool der fic^ 



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6o9 >ErIles Buch« 



TorfchisCst, berechnet die Ziafen und den Capital* 
gewinnff feiBes Vorfchudes auf die Zeit» wo er 
fein vorgefchoffene$ Capital entbehren mufs. ^Xben 
hierin liegt ein Hauptgrund» weshalb es Pfliebt 
des Staats ift» die Bezahlung des VorCchuffee de« 
Steuer far die Confttmtionsartikel der Conftunttoft 
derfelben £o nahe zu bringen, als möglich. So wird 
es belCer feyn» die Steuer ron dem Gemahlenen» 
als von den Körnern zu erheben; beffer» von dem 
fertigen Fabricat, als von dem vohen Material u.Cw. 
Zwar will Herr Torrens, dafs fich diefes dadurch 
tusgleidie, da{s der Staat dadurch frOher ein Ca- 
pital erbalte, welches ihm dieConfumenten» wem» 
fie es^ihm fpäter giben, verzinfiw mOfsten ; nnd 
es fey daher gleich , ob fie die Zinfen denen be« 
zahlten, die dem Staate die Steuer vorfcliöfleiiy 
oder ob fie es dem Staate bezahlten ; da er , wean 
er die Steuer fpiter erhielt» genöthigt feyn wQrde^ 
fie um den Zrnfenbetrag zu erhöhen. Dieb Be- 
merkung ift mehr fubtil «Is wahr. Denn i) kitte 
fich der Staat urfprOnglich auf (olche Anticipatio« 
nen nicht eingerichtet ; fo wflrde er fie auch nieht 
nöthig heben, a) Das Geld zur Confumtion befindet 
fich in den Händen der Confunirten mehr^otMo« 
nate mfifeig» weit weder Gelegenheit noch Luft 
vorhanden ift, fo kleine Summen» als jedetr .aa 
feiner 3«-»6monatlichesf Confumtion braucht, zins* 
bar zu belegen. Der Confmnent verzinfec alfo das 
Capital des Kauf tnanns, der dm Zoll voribhieist» 

wSh« 



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t 



Von der Staatseinnahme. 609 

M I I I I .1 , m ■ ■ I 11 I 

wahrend das feinige uoTeraofet liegt. Es erwäofaft 
ihm alfo aus feinem Capital nicht der Vortbeilt 
der ihm fQr die Auflage des kaufmannifcben Vor* 
fchuITes entgeht. 

J. 723. 

Aach die directen Steuern mufs daher die 
Finanzpolitik fo einrichten, dafs fie durchaus nicht 
auf andere fallen, als auf die, denen fie, der Ab- 
ficht und Erklärung des Staats nach, aufgelegt 
Virerden follen. Denn fonft werden die directea 
Steuern Terfteckte indirecte , aber immer fehr 
fchlöchte indirecte Steuern, weil der Staat das 
ichte Steuerprincip dabey verliert, und die Wir» 
kungen davon n^cht mehr in feiner Gewalt bat. 

£rlftut«vun§. Legt man !• B. Steuern «uf die rohen 
Producte des Landmanns, toieynend, dafs fich derfelbe, 
wei)ii er dadurch zu ftark getroffen werde, fchon durch 
Erhöhung der Productenpreife erholen könne; £o ha* 
hen wir fchon Öfter gezeigt , wie unficher eino folche 
Vorausfetzung ift, und wie wenig diele Zurück wälzung 
auf die Confumeulen einer ßchem und zUrerläfiBgen 
Hegel folgt* Eine folche Befteurung üherläfst daher 
die Folgen ganz dem blinden Zufalle. Ein Gleichet 
findet Statt) wenn man den Arbeitslohn fo hoch ha- 

* fteuerty daff die afbeitande Clalle dadurch bedrückt 
i wifd, et Uj direct oder indirect, meynend, dafs die 
Arbeiter folches fchon durch Erhöhung ihres Lohnet 
einbringen werden. Durdi eine folcha Maafsregel 
köiinen ganz« Generationen Ton Kummer und Elend 
aufgefreflen werden , ehe es die überbleibenden in 
ihre Gewalt bekommen^ den Lohn fö zu erhöhen, daft 
fie fich endlich für die > Steuer entfchfidigcn. Nichte 
kann daher einer gefunden Finanzpolitik mehr zawidec 

V. Jak0h Staatsfinantwijf. Q 4 ^ 



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6io Erlies Buch. 



feyn , alt ficH auf dief« ftiUe Antgleichung, %u. T-erlar- 
Ten. Et i& nur eine Zuflucht principlofer FinansailB- 
ner , die ihrer UnwiCfenheit oder Trägheit durch 
diefe Berufung auf die Aille Yertheilung nonh, 
ein den ^chein tiefer Weisheit geben wollen« 



Dritter Abfchnitt. 
Von d€m aufstrordtntlichtn Stautswikümaun. 

$; 724. 
Die Sta'atsbedarfoiffe fiod zum Theil folche, 
welche von Jahr zu Jahr wiederkehren, zum Theil 
folche, welche nur bey aufsefordentlicben Gele- 
genheiten vorfallen, und dann auch nur eio ein« 
jnabli^es, einige Zeit dauerndes Einkommen .Ter* 
langen. Wir haben bis jetzt insbefondere dasjeni- 
ge Staatseinkommen betrachtet^ welches zur Be« 
friedigung der gewöhnlichen jährlich wiederkeh- 
renden Staatsbedürfniffe beftimmt ift, und deshalb 
war 6s befonders nöthig, bey Anordnung diefer 
Art des Einkommens darauf zu fehen, dafs es aus 
denfelben Quellen immerfort gefcbdpft werden 
kann. Die Hauptregeln dabey waren: 

j) dadurch nie das Stamm vermögen oder cBe 
Henrorbringung des jährlichen NatJooaMn* 
kommens anzugreifen, damit diefe immer 
wieder fo viel hervorbringen , dafs die Abga* 
ben von dem Producte diefer immer fortwir- 
kenden Urfachen beftritten werden können; 
2) ftets dahin zu trachten, dafs die gewöhnli* 
chen Abgaben nur einen mögiicbft geringen 



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Vdn det Staatseiiyiahjne. 6ii 

Beftandtheil des reinen Nationaleinkommens 
ausmachen , damit alljäbrlieb von .letzterm 
aicbt nur die Nation eine Menge flberflflffiger 
und entbehrlicher Dinge geniefsen , (^ndern 
fich auch das Stammvermögen in einem fort 
vermehren könne. Denn nur fo kann der 
, Staat an Reichthum und Nationalkraft fort* 

dauernd zunehmen. 

§. 725. 

^ünterdeffen treten öfters Fälle ein, wo der 
Staat mit dem gewöhnlichen Einkommen nicht 
ausreicht, die ganz aufser der Berechnung liegen, 
und er mufs fich deshalb Quellen zu einem aufser* 
ordentlichen Einkommen eröffnen, damit er die 
vorfallenden, oft ftarken u-id anlfaltenden Bedarf* 
nifle, befonders bey eintretenden noth wendigen 
Kriegen befriedigen könne« 

§. 726. 

Wir verfteben daher unter dem aufseror* 
dentlichen Staatseinkommen nicht ein folcbes, 
weltbes der Zufall dem Staate zufahrt, wie, wenn 
mehr LehnsfSlie vorfallen als gewöhnlich, oder 
GlOcksfälle Geh ereignen, die das öffe^itliche Eia« 
kommen vermehren , wie die Entdeckung reicher 
Metallgruben, neuer Erdtbeile, die. den Handel er* 
weitern u.f.w. ; fondern wir verliehen folche, die der 
Staat abficbtjicb auffacht und einfahrt, um ßch 



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6ii Erftes !^ch. 

ein. Einkommen fQr aufsergewöbnliche BedUrfnifTe 
za Terfohaffeii. 

§. 727. 
Die gewöhnlichen Quellen , welche 6cli dem 
Staate fflr dergleichen Fälle anbieten » laflen fich 
unter folgende Begriffe bringen : 

I. Ein vorher gefammelter Schatz. 

II. Erhöhung der bisherigen Abgabeb, oder neue 
Steuern. ' 

III. Veräufsemng der Staatsgflter» der Regalien, 
-^oder Erhöhung der Benutzung derfelben ; Ver* 

kauf der Abgaben u. C w. 

IV. Benutzung des Staatscredits. 
V» AeuFsere Finanzquellen. 

. " • I. 

Von dem Staatsf chatze* ' 

§. 728. 

So wie es die Regel einer verftändigen Privat- 
wirthfchaft ift, nicht alles, was man einnimmt» 
zu verzehren, fondern alljährlich etwas von der 
Einnahme zu erfparen, um einen Ndthpfennig ffir 
aufserordentliche Ausgaben zu haben; fo fcbeint 
es auch eine gute Finanzpolitik zu erfodern, da& 
fie fich bey Zeiten auf die aufserorden^lichen Aus- 
gaben gefafst mache, und fo wirthfchafte, dafs 
von ihrer ordentlichen Einnahme nicht alles auf- 
geht , fondern dafs fie fich einen Refervefond^ foc 



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' i 



Von der Staatseinnahmen 6i) 

aufserordentlicfae und nnvorbergefehene Vorfälle 
v^n der jährlichen gewöhnlichen Einnahme er» 
fpare. Di^fes verdient auch gewife unbedingten 
Beyfall, fobald nur von folchen aufserordentlichen 
Ausgaben die Redeift, welche, wo nicht jährlicb, 
doch von Zeit zu Zeit vorkommen, tind doch 
nicht in einen IregelmaCsigen Etat gebracht werden 
können. 

$. 729. 

Der ordentliche Einnahmeftand* mufs daher 
immer fo eingerichtet werden, dafs er den gewöhn* 
liehen Ausgabeftand etwas flbertriffl, um einen 
folcben Fonds für aufserordentliche AnsgabeA zu 
bilden. Dazu können dienen r ^ 

1) dieUeberfchafTe der gewöhnlichen Einnahme 
aber den ordentlichen Etat,, die befonders 
ohne alle Erhöhung der AbgabenfStze immer 
mehr fteigen, je mehr derNationalreichthum 
continuirlich wächft, und fich alfo fowohl die 
Einnahme als die Ausgabe der Individuen 
vermehrt ; , 

2) die unregelmäfsigen und zufälligen, nicht 
berechneten Einnahmen, die in dem einen 
Staate mehr, in dem andern weniger vorfal* 
Jen, zu der ^neA Zeit ftarker, zu der andern 
fcbwächer find, und die man eben deshalb 
nicht ztu: regelmifsigen und feften Einnahme 
ziehen kann* 



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^14 Erftes Buch. 



§. 73o, 

Unterdeffen können die aufserordentlicben 
Bedörfniffe fo grofs werden, dafs die auf vorher 
erwähnte Art fich ergebenden Ueberfchöffe nicht 
spureichen; welches insbefondere der Fall ift, wenn 
ein langwieriger Krieg entfteht. Ein folcher Zu* 
fiand kann nicht nur in vielen Ländern leicht fol* 
che Vorfälle herbeyziehen, dafs ein Theil der ge« 
wohnlichen Einnahmen wegfällt; fondern es^ wer* 
den dadurch die Ausgaben fo vermehrt, dafs oft 
•ine ganze ordentliche Jahreseinnahme des Staats 
nicht hinreicht, um die Kriegskoften eines eiozi* 
gen Jahres zu beftreiten. Sodann reicht der lieber« 
fchufs, welcher auf die im vorigen §. erwShnte Art 
gefammelt ift, nicht weit, und der Staat mafs ficb 
nach krtftigern IVIitt;eln umfehen. 

§. 73i. 

Viele gute Staatswirthe haben deshalb vorge- 
ichlagen , Geh auch auf folche Zeiten mit einem 
Schatze zu verfeben, der ftark genug ift, ooei 
nicht nur alles, was zur Eröffnung eines Feldzuges 
nöth^g ift, fchnell anzufehaffen, fondern such den 
Aufwand mehrerer FeldzQge davon zu beftreiten. 
Der Belitz eines folchen Schatzes verfchajBfk 

i) dem Staate die Mittel , * fohnell im Felde za 
«rfcheinen, und dem Feinde mit Kraft ent* 
gegen zu gehen* . 



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Von der Staatseinnahme. 615 

»— — — — ^i I t — ^»^i^^i^»^W 

2.) DiQ Unterthanen brauchen nicht fogleich an- 
gegriffen und mit Kriegsfteuefrn befcfawert zu 
werden. Ja die Ausgabe des Schatzes wird 
ihnen fogar vermehrte Nahrung geben , und 
der Anfang des Krieges wird deshalb nicht 
gleich Schreck und Mifsmutb unter dem Vol« 
ke verbreiten , fondern es werden fogar viele ' 
ein Intereffe dabey finden, deCfen Fortfetzung 
zu wQnfchen. 

, 3) Nimmt der Feind einige Provinzen weg, und 
vermindert dadurch die Staatseinnahme; fo 
wird der Staat dadurch nicht in Verlegenheit 
gerathen« Er wird vielmehr aus feinem 
Schatze den leidenden Unterthanen mancher« 
ley Unterilfitzung angedeiben laffen können» 

4) Der Staat gewinnt dadurch Zeit , Anftalten 
zu treffen, um fOr die Zukunft die ndtbigen 
Zufloffe der Einnahme zu bewirken, damit 
er den Krieg, wenn, es dje Noth erfodert^ 
lange auszubalteh im Stande fey. 

5) Endlich ift er ein vortreffliche^ Mittel , fich 
Credit zu verfchaffen, indem eine Kegierting, 

' die ihre wei£i Sparlamkeit im Frieden be- 
wiefen und einen grofsen Schatz gefammelt ~ 
hat, den Capitalfften das gröfste Vertrauen 
einfldfst, und zu den heften Bedingungen die 
Bötbigen VorfchOlfe leicht finden wird* 



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6i6 Erftes Buch. 



J. 732. 
Hierbey kann man ficb jedpch nicht Terbefa- 
len 9 dafs die Sammlung eiAes Sebatzes fflr einen 
Staat mit manchen nachtheiligen Folgen TerknOpft 
ift, welche nicht Statt finden » wenn PriTatleote 
Schutze fammeln. Denn: 

i) Wenn Priiratieute fich Scbltze bammeln» fo 
legen fie dieCelben nicht todt in Kaften , fon- 
dern fie verleihen die Ca^itale zu Betreibung 
natzlicher Gewerbe, oder legen folcbe felbft 
nutzbar an. Der Staat aber kann diefes 
nicht, wenn der Schatz feinen Zweck erfol- 
len foll. Er mufs das haare Geld in Bereit* 
fcbaft haben und jeden Augenblick darüber 
verfügen können, wenn ihm der Schatz den 
gehörigen Nutzen gewähren folh Daher kann 
er das in den Schatz ftrömende Geld nicht 
nutzbar anlegen, fondern mufs das Oold und 
Silber in Gewölben todt liegen laffen. Hier- 
durch werden nun 

2) dem Volke grofse Capitale und mit ihnen alle 
Froducte entzogen, welche durch diefelbeo 
während der Zeit, wo fie in den Kellern m* 
hen» hätten können hervorgebracht werden« 

3) Wird fodann der Schatz mit einem Mahle 
hervorgeholt und ins Publicum gebracht; fo 
entfteht zwar dadurch ein grofses Leben» 
ftarke Gewerbsthätigkeit und ein augenblick* 

, lieber Wohlfiand; aber diefet kann nicht voa 



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Von der Staatseinnahme. 617 

__,^^^,_^____ ■ - — I — —^ 

Dauer feya, uod Idfst bey feinem Verfcbwin- 
den viele nachtheilige Wir)iungen naeb fich. 
Denn das, was mit diefem Schatze bezahlt 
wird» find KriegsbedaifnilTe 9 die gemeinig- 
lich noch fchneller Ternichtet werden, als fie 
entftanden find* Dannift aber auch der Schatz 
gröfstentbeils vernichtet » und es fehlt an 
deolCapitale, um diefelbe Gewerbstbätigkeit» 
die der Schatz hervorgerufen, auch ferner 
zu unterhalten« Und daher folgt gewöhn* 
lieh auf den Krieg Nahrungslofigkeit und 
groCses Elend, und faft noch mehr, wenn er 
durch Ausleerung eines Schatzes unterhalten 
worden, als wenn die Gapitale der Untertha* 
neu dazu verbraucht worden find. Dena 
diefe können die Gewerbe nicht vermehren» 
fondernr nur verwechfeln ; indem das Capital, 
welches der Staat dem Untemebroer abnimmt, 
um es zu Kriegsbedarfniffen anzuwenden, 
zwar mehrem Arbeitern^ den Unterhalt ent* 
zieht, aber ihn zugleich andern zuwendet, 
die feine Kriegsbeddrfnifie befriedigen. Das 
UnglQck ift aber immer ertrfiglicher, wenn es 
mit der Noth anfingt, als wenn es aufs ver* 
meinte Glick folgt. 

§. 733. 

Ift daher ein Staat Im Stande, fich dnrch an« 
derb Wege diefelben prompten Mittel zut Fobrnng 



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6i« Erfte* Bach. 



des ICriegs zo varichaffeBy wdcbe mn Schal« dar- 
bietet; fo kaoD er denfelben faglich entbebreo, 
«md tbat wobl daraa , da(s er es Dicht auf Saflsm- 
lang eioes Scbatzea aol^^t. DieCes wird der Fall 
leyo» weoo eine Regierang' i) ein (ehr reiches 
Volk beberrfcbt» das in jedem Aogenblicke eine 
gro(se Menge Capitale, c^hne dafii es in feiAcn Ge-> 
werben Cehr merklich wird» entbehren kann; 
d) einen anbedingten Credit befitat, der, ibbald 
die Regiemng nur will» fcbneU fooriel Capitale aa* 
fich ziehen kann» als fie bey aulserordentlicfiea 
Vorfillen bedarf. 

f 734. 

^ Fflr folche Linder aber» wo es i) an einer 
lebhaften Circulation fehlt» und das baare Geld 
fehwer zulammen zu bringen ift; 2) wo es wenig 
grofse bewegliofae Capitale» insbefondere wenig 
folche giebt, die zimi Um(atz unfmehtbarer Staats» 
feholdfcheine dienen » und wo endlich die4legier 
mng ihren Credit nicht befeftigt bat», wird die 
Sammlang eines Schatzes bey guten Zeiten höehft 
altttlicb und nothwendig feyn. Aufser den fchoa 
obep (f 73 1.) erwShoten Vortheilen gewihrt er 
einem folchen Lande auch den» daCs der Indaftrie 
nicht plötzlich Capitale exitzogen zu werden brau- 
chen» weldhes for die Erhaltung des WohlftaYides 
eines nicht fehr reichen Landes aufserordentlich 
Wichtig ift. 



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Von ^er Staatseiimahme. , 619 

, Anm. Wo ein grofier Verkehr mit Staattpapier^n Statt 
findet» da find eine Menge Capitale dielem Handel aU 
lein gewidmet. Werden lodann Anleihen eröffnet; - 
fo find es haaptfächlicH diefe Capitale , welelie ih* 
nen zuftrömen. Daher werden dia Nachtheile der Anr 
leihen in folchenl^ändern den Gewerben nicht fogleich 
l&hlhar. 

$. 735. 

Indeffen mufs die Sammlang eines Schatzes 

auch hieic mit Vorficht gefchehen , wenn kein be* 

deutenderer Nacbtheil dadurch hervorgebracht 

werden foll. JOie Bedioguogen» welche dabey 

vorzflglich beobachtet werden muffen^ find fol* 

gende : 

1) Man mufs nicht eher an die Sammlung eines 

Staatsfchatzes denken 9 als wenn man gewifs 

ift» dafs die Wirthfohaftsbalanz der 

Nation zu ihrem Vortheile gereicht» d. h, daff 

fie einen bedeutenden UeberfchuCs jährlich 

aber das hat, was fie jährlich verzehrt« 

a} Von folchem Ueberfchuffe mufs nur ein klei* 

oer Thell alljlt'brlicb in den Schatz gezogen 

werden. 

3) £in Theil des Schatzes mulis jährlich auf die 

Verfertigung von ^egsvorräthen, nAthigey 

Feftungsbau, Vermehrung der Waffen, Am« 

munition , Kriegsbekleidung u* L w^ verwandt 

, werden, wenn dergleichen Aufwand nicht 

fchon im jährlichen Etat der gewöhnlichen 

Ausgaben, begriffen ift« Denn es ift befler» 

daCs diefe allmihlig herbeygefchafft, «Is da(s 



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620 , Erftes^Buch.^ 

fie hernach plötzlich in zu grofser Menge ver- 
fertigt werden maffen. 

Aam. Die WirtitTobaftsbalaiis itt lehr Terföhioden ron 
4er rogenaiuiteiiiiandelsB«Uiiit mit firemdea SUaten. 
Die erftere allein deutet heiUmmt an, ob eine Natiou 
jährlich reicher oder ftrmer werde. Ueber das Sam- 
meln einet Staattfchat«e# findet man in Strw^f9€*s Ab*, 
bandlangei^ über wichtige Gegenftända der Staatf- 
wirthTchaft (Tb« 1.) gute Beitierkungen. 



Vom der ErbShmg der gewdhnHekea od9r "ßOt AuflegUBf 

neuer Abgaben. 

$. 736. ^ 

Erhöhung der gewöhnlichen Abgaben in Noth- 
fällen fcheint das natflrlichfte und hefte Mittel zu 
feyn, um das Staatsein kommen zu vermehren» 
Denn i) bedarf diefe Maafsregel keiner Vorberei* 
tung, da die Vertheilung (ehon gemacht ift, und 
nur der Auffchlag der fchon bekannten Sätze be* 
ftimmt zu werden braucht; 2) wirkt eine folche 
Erhöhung am unmerklichften auf den Nahrungs* 
ftand 9 da hingegen , wenn grofse Capitale rob ei- 
nem einzigen Platze oder aus wenigen Händen ge* 
nommen werden , die arbeitende Claffe fehr harte 
Stöfse empfindet/ 

$• 737- 
Soll aber die Erhöhung- der Abgaben ein fo 
^{anftes Mittel feyn ; fo mufs 

\) ein'folches Abgabenfyftem im Lande fchon 
Statt finden » welches die Laften gleich rer* 



\ 



t 



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Von der Staatseinnahme. 62jl , 

theilt. Denn 9 find die Abgaben ungleich» 
find einige ClafTen vorzOglicb oder gar aus*- 

, (obliefslich damit belaftet, find viele Reiche 
nur leicht angezogen oder gar ganz hefreyt» 
^ie diefes in Anfehung des Adels ^ und der 
Geifilicbkeit in vielen Landern zum Tkeil 
noch Statt findet; fo kann eine Erhöhung der ' 
Abgaben leicht die befteuerte Ciaffe ganz za 
Boden drücken , und in folchen Fällen ift ee 

' netbwendig, entweder dasndtfaige Mehrein«* 
kommen Oberhaupt auf eine andere Weife 
zufammen zu bringen, oder wenigftens für 
die befreyeten Stande eine Methode zu erGn- 
nen , wodurch jdiefe zugleich mit angezogen 
werden. 

a) Es mufs der Finanzminifter» welcher die Er* 
höhung der Abgaben gebrauchen will , um in 
aufserordentlichen Fällen Kath zu fchaffen» 
eine genaue Kenntnifs von dem Verhäitniffe 
der vorhandenen Steuern zu dem reinen £i»- 
fcommen der Befteuerten befitzen, damit er 
die Wirkung der Erhöbung auf den W#U- 
ftand der Borger genau beurtheilen und die 
AufTchläge nach einer folchen Proportion be« 
ftimmen kann, dafs er gewifs ift» die erhö* 
hete. Steuer könne bezahlt werden^ ohne 
dafs fich der Befteuerte dadurch ruinire^ 
oder fein Nabrungsitand allzusehr zerrüttet 
werde« 



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<ai Erftes Buch. 



J- 73«. 

Neue Steuern» als fcbleuniges HalFsmittel 
AT' der Nbtb betrachtet, baben aliemabl viel ge* 
gen ficb, da^ wenn fie'nicbt übereilt , ohne Ke* 
gel und Ordnung eingefohrt, und fcbon dadurch 
Tiel Vermrrung und Bedrückui^g der Einzelnen 
hervorbringen follen» lange Vorbereitungen, weit* 
iSuBge Notizen u. f. w. erfodem. Im Kriege aber 
foll fchnell Geld gefchafft werden. Und dann wer* 
den die neuen Steuern gewöhnlich fehr tumul- 
tuari^ch angeordnet und eingeführt, fo dafs fie 
nicht blofs durch die vermehrte Lall, fondern offc 
noch mehr durch die fch'lechte Vertheilung dem 
Volke befchwerlich fallen , und grofses Unheil in 
dem Nationalvermögen anrichten. 

s- 739. 

Daher Ift es hdchft rath(am, dafs 6ch die Fi- 
nanzbehörde bey Zeiten eine fiebere Bafis ver* 
fchaffe,' worauf fie in vorkommenden Nothfällen 
die Vertheilung bauen kann , wenn pldtzJioh eine 
^rofse Summe ffir ein aufserordentliches Staats* 
bedüffnifs zufammengebracht werden foll. Eine 
Ueberficbt des Vermögens und insbefondere des 
reinen Einkommens des Volks, wird ihr .hierzu 
^hne Zweifel am allerdienlichften feyn. Und des* 
halb mufs fie daffelbe zu Friedenszeiten nie aus 
der Acht laffen» fondern alle Mühe darauf ver- 



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Von der Staatseinnahme. 633 

wenden, jam eine n>öglicbfi richtige Kanntnifs äa* 
Ton zu unterhalten. 

Brlfitttemng^ Das hefte Mittel, data in gelangen» 
iü die EinfTihrung einer leichten Einko'nuBenfteuer xu 
Friedenszeiten. Sollte auch der Staat es nicht gera- 
then finden , einen grofien Theil fein^^r Einnahme anf 
eine Einkommenfteuer in gewöhnlichen Zeiten la 
gründen ; fo wird er im Kriege doch leine Zuflucht la 
ihr nehmen müllen. Dann ift aber die gröfsta Noth, 
wenn üe plöttlich eingeführt werden foll , und keine 
Thatfachen vorhanden find, wora^tf man die Eegel 
derfelben qiit Sicherheit hauen kann, führt aber der 
Staat in der Zeit der Ruh« eine höchft mäftige Steuer 
auff reine Einkommen ein; lo hat er Zeit» die Kennt-' 
niXf deilelhen bis zum höchft en Grade möglicher Voll- 
kommenheit nach und nach zu bringen, da ihm Erfah- 
rung und Klugheit im Laufe langer Zeit die Mhtei da- 
zu an die Hand geben , und bey gehöriger Aufmerk* 
famkeit und gefchicktem (gebrauche der Mittel es gar 
nicht fehlen kann, fich diefelben ohne alle Qufilerej 
des Vplks zu verfchaffen. Tritt fodann der Fall der 
Noth ein; fo jliegen die Quellen, wo er feinen Bey« 
Itand fuchcn foll, fämmtlich fohon offen vor ihm, feJbft. 
die Ordnung ift fchon gemacht, wonach er das Quan* 
tum beftimmen kann, was er ron jedem verlangt. — 
Giebt es manche ClaHen , die im Frieden Steuerfrey- 
heit geiiielseu; fo können diefe im Kriege, wie billig, 
am ftärkiten angegriffen werden, indem eine, grofee 
Quote des reinen Einkommens gefodert , den befteuer» 
ten ClaCTen aber ihre ordinaire Steuer darauf tu Gute 
gerechnet wird u. f. W. 

f. 740. 

Ob f her zu Erhöhung der alten » oder zu 
neuen Steuern überhaupt gefcbritten werden foll, 
^nd ea nicht vielleicht beffer fey, dem Staate in 



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6^4 Erftes Büdi. 



der Notb auf andere Weife za helfen , wird hanpt« 
lachlich nach folgenden Betrachtangen entlchie* 
den werden roOlTen : 

j) Befindet ficli das Land im Fortfchreiteo zun 
Wohlftande» eröffnet ihm der Krieg wohl 
gar aoberordentlicbe Quellen des. Gewinnftes» 
imd erweitert feinen Handel und fein Gewer« 
he; to wird ein folches Volk während det 
Krieges immerfort höhere Steuern zahlea 
können, ohne da(^ es dadurch ruinirt wird, 
e) Leidet aber das Land fchon fehr durch des 
Kri^s ift fein Nahningsftand an fich nicht 
fehr blühend und bedroht ihn der Krieg noch 
mehr; fo mufsroan zu allerletzt feine Zuflucht 
zu Erhöhung der Abgaben oder neuen Steuera 
nehmen , un^ iich lieber auf andere Weife zo 
helfen fachen* 

Es ift fiberdies zu bemerken , dafs derWe^ 
durch Abgaben die Summe, die man zur Ffihrung 
des Krieges bedarf, zu erheben, immer fehr lang« 
fam ift, und gewöhnlich andere Mittel zu Holfe 
genommen werden mOffen, um wenigftens das za 
zu anticipiren, was man durch Abgaben zufammea 
zu bringen gedenkt. Dennoch ift die Erböhang 
der Abgaben ein gutes Mittel, um zur Quelle der 
Wiederbezahlnng von temporären Anleihen zu die- 
nen , und fie fo zur Bafis eines foliden Credits zu 
machen. ' 

in. 



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Von der Sta^tseinnahme. 625 
iir. 

Von Verftufieruiif der Staatsgüter oder Andeir^r Einiulimi* 
quellen tmd dereit höktteii BenatBliii|t» 

, Der Verkauf der Staatsgater kanii sur Zeit 
einbrechender oder vorhandener Nothi feMMi mit 
Vortbeil unternommen werden i a) weil überhaupt 
der plötzliche Verkauf einer grofsen Made von lie« 
genden Gründen nie mit Vortbeil vollzogen wer*^ 
den kann i da die Gapitaie dazu fehlen 5 und fie 
alfo um ein Spottgeld hingegeben werden m Offen ; 
b) wHl die Conqurrenz der KSufer von Üegenden 
Gründen in folchen Zeiten bauptfSohlich gering iftt 
' da dieLaft des Krieges getrieiniglioh auf die Grund* 
ftflcke am fchwerften fällt« «r- Daher kann der 
Verkauf der Staatsgüter vielleicht bej ruhigen Zei« 
ten rathfam werden^ um alimiblig Schulden zu 
tilgen} aber nie fi!(id fie gefchickt f fchleunige 
Hülfe zu gewähren f ohne zugleich dem Staate 
die grö&ten Verluße dabey zu verurfachen« 

f 743« 

' Aber auch felbft in Friedenszeiten fcbeini es 
nicht rathfam zu feyn» Staatsgüter oder nützliche 
und fonft unfchädliche Staatsrechte zu verkaufen» 
um fich aus der Noth zu helfen« Dorn ein Ein«« 
kommen 5 wel«»faes der Staat uMbhängig von den 
Abgaben der Untertbanen zieht ^ mufs diefem inu 



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6i6 Etiles Budl.' 

— — r- . -p - ^ ' — • ^ ^^"r~^— ~i 

tner das tbeuerfte und liebfte feyn, und er tbut 
daher nur in wenig Fällen gut. Qcb ganz und anbe^ 
dingt davon zu trennen ((. i go fgO* Und eben fo 
wenig kann das wohlyerftandene Intereffe des Volks 
eine folche VeriuEserung gut heifsen. Denn Ab- 
gaben, wie vollkommen man fie auch einricbtjf a 
und Vörtheilen mag, bleiben immer eine Laft 
fürs Volk, und nöthigeif den -Staat zu vieieä 
Schritten, welche jenem unangeneVm find. Zieht 
er aber fein Einkommen aus eignem Vermögen; 
fo leidet das Volk unmittelbar dabej durchaus gar 
•nichts. Auf das lucrum ceffans, das es da- 
bey einbafst, hat es keinen Rechtsanfpruch. Selbft 
die Vermehrung des Nationalreichthums wird durch 
die StaatsgOter nicht aufgehalten, wehn die gehu* 
rigen Anftalten zu deren vollkommnen Benutzung 
getroffen werden. Je mehr daher der Staat von den 
Nationalgütern weggiebt, defto mehr mufs er von 
dem Einkommen der Unterthanen nehmen ; folg- 
lich defto läftiger wird er ihnen. 

$. 744. 
Wollte m^n fagen , dafs das Volk durch ille 
Veräufserung der Staatsgüter deshalb nichts ver* 
löre, weil, wenn iSe in Privathände kommen, Ge 
beffe^ bewirthfchaftet wei^den, und dadurch mebr 
Einkommen entfteht, wovon dem Staate eben fo 
viel in Abgaben gereicht werden kann, als er jetzt 
durch deren fchiecbte Benutzung zieht, und den- 
noch der Nation ^a Ueberfchuls verbleibt; fo ift 



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Von ^er Staatseinnahme. 627 ' 



^^g^g^n zu bemerken , dafs, wenn auch der Staat 
fein Einkommen, aus den StaatigOtern nicht aus 
den Händen giebt, dennoch einefoJcheBenutzungs* 
art derfelben möglich fey, wodurch eben fo viel 
Jiervorgebracht wird^ als wenn 6e voUkommnea 
Porateigenthum wären , wie oben bey der Lehre 
von den Domain en ($• 204 %•) ausführlich gezeigt 
worden ift. * 

$. 745. 
Daher ift allerdings der im vorigen Paragra« 
phen. zuletzt erwähnte Punct fehr zu beachten» 
pämlicb, die Staatsgüter in folche V^rbältnifTe zu 
bringen, dafs fie dem Volke dlefelben Vortheila 
gewähren, als fie geben würden , wenn fie freyes 
Privateigenthum wären. Wo die Domainengflter 
noch fchlecht benutzt werden , da ift die Einfüh« 
rang einer beffern Benutzung derfelben ein reiches 
Mittel, um den Staat aus Verlegenheiten zu hel- 
fen, in welche er durch Kriege und Schulden ge« 
bracht worden ift. Um aber diefes auszuführen, 
dazu gehören ruhige Zeiten, reife Einfichten und 
weife Ueberlegungen. Die Grundfätze, woraiif 
dergleichen Verbefferungea gebauet werden muf- 
fen, find oben (J. 193 — 307.} im Allgemeinen 
angegeben* 



•4 
Rr a ^ • ^ 



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629 Erftes Badu 



IV. 
Ton der Betmtxunf dlet 8t«AtserediU» 

$. 746. 
Was aber anch ein Staat för Mittel anwenden 
mag 9 um fich in NothfälleD zu helfen, nie wird 
er doch dabey des Credits entbehren können^ 
Ein Staatsfchatz macht zwar das Schuldenmacben 
nnd Anticipiren auf kürzere oder längere Zeit ent* 
bebriicb; aber in unfern Tagen wird wohl der 
Schatz, wenn anch ja einer gebammelt wird, doch 
nie fo grofs feyn , dafs er weit reicht« Theils find 
tinfre Staaten überhaupt nicht in folchem Zuftande^ 
wo fie ans Schatzfammeln denken können ; theils 
find die Kriege zu unfrer Zeit viel koftfpieliger ge- 
worden als fonft, fo dafs viel gröfsere Summen zu 
deren kraftvoller FAhrung gefodert werden, als 
ehemahls "felbft zu folchen Kriegen , welche da« 
mahls fdr grofs und lang galten. Immer wird 
daher der Staat des Credits bedürfen, theHs um 
diejenigen Summen im Crofsen zu anticipiren, die 
er von den langfam und im Kleinen eingehendes 
Steuern wieder zu erfetzen gedenkt'; theils das, 
wa6 er durch andere Holfsmittel nicht aufbringen 
kann, durch Anleihen anzufchaffen, oder eine 
Zeitlang mit Credit unmittelbar zu bezahlen. 

§• 747- 
Es mufs daher jedem Staate im höctjften Grade 
daran gelegen feyn , feinen Credit feft zu grOndea 



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Von der Staatseiimahme. 6z^ 



-1. 



tind deofelben uoerfcböttert zu erhalten. Es be* 
Hebt aber dor Staatscredit in nichts anderm , als 
in dem allgemeinen Vertrauen, welches er erweckt, 
flafs er aUe (eine eingegangenen Zahlungsverbind* 
lichkeiten, unter allen Umftänden, aufs pQnkt- 
licbfte erfüllen werde. 

. $. 748. 

Je längere Zeit hindurch» je' unnnterbrocl^a« 
ner, unter je mannichfaltigern und fchwierigern 
Umftänden ein Stadt feine Zahlungsverbindlich« 
keiten pOn^tlicb erfüllt bat, defto ftlrker und un« 
erfchfltterter' wird fein Credit feyn* — Freylich 
erholt fich der Credit eines Staat$ leichter wieder, 
als der Privatcredit. Denn weil der Staat des 
Gredits fo nothwendig bedarf; (o fchmeiöheln fich 
jauch die geldreicben Leut^ fehr leicht, dafsfelbft 
«in Aaat, der in der Noth fein Wort öfter getro- 
chen, ja der fogar feine vorhergehenden Gläubiger 
offenbar betrogen hat, doch künftige Verbindlich- 
keiten^ wenn er nur irgend kann, beffer erfüllen 
werde, und wagen es, ihm ihreCapitale zu leihen, 
wenn er nur für die Gefahr, die fie dabey über-^ 
nehmen, einige Procente mehr bezahlt, als an« 
dere folidere Staaten, 

Erläuterung. Wenn die Völker durcli die Einfüh- 
rung dp$ P«pierge2def , am viele teufend Millionen ge* 
bracht wurden ; fo kann man fagen , dafs die Staaten 
den Gebranch diefee Inürumentf noah nicht gehörig 
kiumteipf j 4nd die Velker au$ Un viiTenheit und .Uiige- 



/ 



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V 

630 ' Erftes Buch. 



Xchicklichkeit in diefe Verlufte geftfirzt wurden. In- 
deUeQ war dierei wohl wenigfteni in Anfehung des 
revolutioiiairen Frankreicht nicht der Fall. Dai da- 
mahlige Papiergeld wurde wohl ahßchtlich gefckaffeiiy 
um lieh auf der Noth zu helfen , und et , nachdem ec 
£eine Dienl^e geleiftet, fallen zu lalTen. Wie lehr aber 
die Nation dadurch an Unredlichkeit und Betrug ge» 
wdhnt worden war, zeigte liCh , 1Ü0 die folgenden Ge- 
walthaher die Sftentlich« Schuld redncirten , und dieTe 
Maaftregel auf alle eröherte Länder übertrugen. Denn 
man dachte kaum an das Tyranuifche und Ungerechte, 
das darin lag. [Das Beyfpiel der franzöfifchen Regieruni^ 
itumpfte aber auph bald die GewiGTen mancher andern 
Kegierungen ab. Nicht blofs Ufurpatoren fprachen den» 
' öffentlichen Credit Hohn ; wir haben ihn durch alte, 
•ntirevolutionaire Staaten nicht minder milsHändela 
lehen. Wir haben gefeheui dafi Regierungen in Silber« 
gelde borgten, und Capital und Zinfen in einem Papier» 
gelde bezahlten, ifelche« kaum d<n fechtten Theil dea 
bey der Anleihe empfangenen Silbergeldet werth war* 
Wir haben gefehen, wie Staaten ihre alten Gläubiger zK 
haaren ZufchülTen auf das fchon hergelieheue Capital, 
unter der Bedrohung des gSnzlichen'Verlnftes ihrer Fo- 
derunged , zwangen ; wie üe willkührlich die in Silber 
bedungenen Zinfen auf die Hälfte in gefunkenem Papier 
redncirten j wie andere ihren Glaubigem durch Joden 
die fchimpflichften Accorde anbieten liefsen, und unter 
den nichtigltcn Vorw^nden alle Zahlung rerweigerten; 
wie Reichsftände fich willkQhrlich und einfeitig ron über* 
sommenen Garantieen losfpraoheh , und die Zahlnngt- 
pflicht an Perfonen übertrugen, mit welchen dieOlio- 
bigcr bey Contrahirung der Anleihe gar nichts zu thon 
hatten. Dennoch finden diefc Regierungen, noch wäh- 
rend folcher unwürdigen Unterhandlungen., wiodernm 
Beute, die bereit find, ihnen gegen gute Zinfen von neuem 
zu leihen. Bey folchen Erfcheinungen ift ei fr<ryKdi 
kein Wunder, wenn die Regierungen, welche keinen 
Grund in dem Rechte und in der Moral finden, ihre Ver- 
pflichtungen, zu erfüllen, das, was die Politik verlangt, 
pach folchen Erfahrungen mtffeni und ibra OUnbiget 



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Von der Staats^Simahine. &$i^ 

nach den Umftänden niid nach Willkühi- handhalten» dt. 
fie willen, dafs, fo lehr fie rolche auch mifshandeln, fich^ 
doch teicht wieder 'andere Geldretohe ühden, .wel^hö^ 
^i^ Ho£^ang aiif gröltern Otwüin von nenem antraiht». 
\ es mit ih]|an,tu wagen., Diele verliehen lodann die 

' . Kunfty die Einfaltigen und tlnwilTenden oder 'anderW 
Gewinn lüefatige mitin'ihjr $chick£al lu ▼erwelt^en, oder- 
auch wohJ^ Jich^ur rechten Zeit i^t ihrem Gewiqne aua 
der Schlinge zu liehen» und die durch ihre Auctorität 

'" «ngelgckfot- GlKabiger allein dem Unglücke lu übex^ 
lalTen. . ... ,..'..' rjs 

$• 749- 
lodeffen wird decfa in^er diejeDige Finanz* 
jrolitik die^fftfrlejFii,: Welche vpm ftraagm Fachte 
nie abweicht, un4 pifaiktlif^l^e Elf Olluog der eiiige* 
gangenen Verbiodlicbkeiten fichjzyr unjrerbjcOeh« 
liehen Regel macht Ein Staat, welcher cttcfe 
' Maxime gewilTenluft befolgt, wird nicht nur Xei-r 
jiemtVolKe ein gutes Beyfpiej geben, und mit reit 
pem Gewiden ftrenge Gerecb;tigke;t |untfir.Priv»tt 
ferfonea baj^ab^a können ,.rfoadern er wird fich 
^uch die höphfte Achtung feines eignen Volks und 
^dere^yplkjBir erwerben« A'^ch ift ^Srge^^hnlich 
^pr^ die £if}^^lt und.Schli^c}|tigkeit der Admioi^ 
ftratoren, weli^e die Regierung^ zu dergteichea' 
ungerechten und höchft verwerflichen Verfabjcen 
verleitet. .Denn wenn ^uqb .die. Noth daon und 
wann zuAufCchub der nöthtgen- Zahlungen zwltigt; 
JTo kann doch ein Staat nie in eine Lage geratlien, 
wo es einem, klugen und einGcbtsvollen MiiuA^rio 
nicht möglich feyn follt^ dieobornommehetiOeid- 
TerbindücbkeiH^n des Staats am Ende cbVlia(i zu 



■y/ 



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(53» Erftes BücK 



erfüHen. Sollte das baare Geld dazu nicht aufzif 
ireibeB (eyo ; fo giebt es doch fQr den Staat fo un* 
endlich Tiele Mittel , die Ollnbiger (o za befriedi- 
gen, daüs die Oereohtigkeit nicht dabey leidet^ 
dafs nur die Stumpf 6nnigkeit oder die unTerfcb€m« 
tefte Unredlichkeit die Schuld auf die Unmöglich- 
keit t den Gläubigern Gerechtigkeit widerfahrea 
solaffen^ (cbieben kann, 

f 75o* 

Der unTerrftckte Grundfatt der Finanzpolitik 
snofs alfo feyn, alle eingegangeneh Geldverbind- 
liebkeiten aufs helHgfte und gewiOenhaftefte ztt 
erfOllen , und unter keinen UmftSnden die Gewalt 
oder die UnabbVngigkeit des Staats Ton einem Ge* 
riebt^ihible zur Verletzung derfelben zu gebrau* 
ohen, .-« Eine 'Regierung, welche fich durch 
eine, Jahrhunderte' hindurch^ ununterbrochene Be- 
obachtung dieres' Frincips auszeichnet, wird im* 
liier den »usgedehnteften Credit unter den billige 
iten Bedingungen finden« wenn man ntit nicht ihre 
jginzUcbe Vernichtung zu fürchten hat« - 

Erläuterung« Di» Surp«ii6on der Bearsahlang der 
Siink wird ftets ein Fleck in dem fonft umrerfelirteii 
Qfedit Bnglanda bleibeiu jDetia nie Uänxi ein Pazia- 
inent das Hecht haben | ^in^ Bank, die Terlproche« 
hat, für ihre Sicht wechfel (Banknoten) tÜr jedes ^f und 
' Sterling $1 einer Guiuee haar lu «ahlen » %u berechtf* 
gen » mir nur 15 oder ff einer Guinea daffir sn gehen? 
wie kann et den Creditor von der P/licht gcg^n ejnoi 
frenyden GWuhiffer entbinden? 



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Von der Staatseirinahme.^ 63^ 



/ 



J. 75 1. 

Hierbey wird fie daira auch am weDigften 

TergefTeD : 

• i) dafs Staatsfcbulden immer ein Uebel» älib 

nie zu erwählen find» als wenn fie zur Ab« 

wendong eines noch gt^öfsefn Uebels fttr das 

befte und beilfamtie Mittel unter den vorlie« 

genden UmAanden erkannt werden ; 

a) dafs fie nie Schulden contrabiren darf, ohne 

damit zugleich die Mittel zu verbinden >. fia 

wieder zu tilgen. 

Artm* Ünteif^Ke fröfsten Ung^reitittlieiteii , welche ia 
den ii«ue];n, Zeiten behauptet worden fin^» gehört 
unftreitig der SaU» dals StaaUfchulden den Reich- 
thum einer Nation vermehren , der bekanntlich von. 
Finio luerftf and dann von mehreren feiner Nachhe« 
ter, mit allerley fophiftiTchen Grönden vertheidigt 
' worden ift. Ob nun gleich hier und da noch derglei- 
ehett Laute verhallen ; fo find doch feit Pinto^s Zeit 
die Begriffe von Vermögen und Capital lo aufgeklärt 
worden, dafs nur noch die UnwilTenditett dergleichen 
' Sätie wiederholen können. Ich fage daher hier kein 
"Wort %va Widerlegung folofaer Ungereimtheiten. 
Man findet die Beurthetlung dcrlelben concentrirt in 
meiner Nationalökonomie )• 985 fg- Bafs übrigen» 
Staattfchuldicheine für den Eigenthumer derfelben 
einen Werth haben, dafs &e die Girculationimittel 
vermehren und zu mancherley nützlichen und vor- 
theilhaften Anwendungen gebraucht werden können ; 
wer wird diefes Iflugnen» Hier ill die Frage nur , ob 
fie eine Vermehrung des Nationalreichthums find ? 

f. 75«. 
Es kann aber allerdings Fälle geben , \fo der 
Staat (eine Zuflucbt zum Scbuldeomacben nebmen 



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634 Eriles Buch. 



mub. Es kann Filie geben, wo es fogar dans 
rathfaih ift, Scbnlden zu inachen, wenn er die 
nötbigen Summen aus andern Quellen ficb Ter- 
Icbaffen könnte, oder wenn ihn^ die Noth jsocb 
aicht Cebr dazu dringt, als: 

j) Wenn er färobten mnCs, (ein Volk zn hart 
anzugreifen, wenn er ihm die grofsen Sam« 
men, die er bedarf, durch Contributionen 
oder Abgaben abnehmen mafste, wenn der 
NahruDgsftand dadurch zu fehr geCabwicht, 
und das Stammvermögen zu fehr Termiadert 
werden möchte* — In dieüsa Pillen ift' es 
oftTiel beffer, Schulden zu machen, weil es 
dem Volke, wenn es im Be6u feiner Erwerb« 
mittel bleibt; viel leichter wird, 'diefelben 
zu verzinfen und 6e nach und nach wieder zu 
bezahlen , als wenn es die ganze Summe mit 
Einern Mahle bezahlen feilte. 
2) Wenn die Vorficbt verlangt, fich zum Vor* 
aus mit den geh^rig€n Geldmitteln zu verfe- 
Iien. Selbft wenn der Staat einen Schatz 
befitzt, der zu mehreren FeldzOg<^n zureicht, 
wird es doch öfters die Verficht erfodern, 
frühzeitig Anflalten zu Anleihen zu treffen, 
um fieh auf den Nothfall für alle Fälle mit 
Gelde zu verfehen. Denn gerade, wönn et 
bekannt ift, dafs es dem Staate gar nicht an 
Gelde fehlt und er nicht prefürt ift, fondern 
es Zeit damit hat, kann er zu denjeichte* 






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Von der Staatseiiinahme. 635 

ften undbequemfteQ Bedingungen Schulden 
contrahiren. 
3) Auch kann zuweilen die Staatsklugheit ra* 
then ) fich der Capitale zum Voraus zu be* 
inlchtigen » um dem Feinde die Anleihen zu 
erTchweren, oder gammmögtich zu machen. 

$. 753. 

Die.Methoden aber, wie ein Staat Schulden 
machen kann; find fehr verfchieden, und rofiffen 
hier fämmtlich nach ihren Vortheilen und Nach- 
theil^en erwogen werden. Es kann nämlich 

1) der Staat feine laufenden Zahlungen einftel- 
len» und die laufende Einnahme eiaftweilen 
zu BeftrQitung der Nothausgaben verwenden; 
2} er kann mit Creditzetteln bezahlen ; 

3) er kann die Gelder der Banken oder anderer 
öffentlichen Oeldinftitute an fich ziehen ; 

4) er kann Papiergeld im' Lande ausgeben; 

5) er kann kOnftlg eingehende Gelder antici- 
piren, und dafür Scheine auf feine Gaffen 

' ausftellen; '. 

6) er kann Anleihen . machen, es fey auf 
fpecielle Sicherheiten, oder auf den blo- 
fsen Staatscredit. Hierzu kann er vie* 
lerley Formen errichten , als : 

. a) in Anfehung der Art fie zu bewirken: — » 
gezwungene oder freywillige (pa* 
triotifcbe oder intcrefGrte) Anleihen -^ in 



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6^6 Erfte» Buch. 



der Foi?m von beibrenteii, Tontiaen» 
^Aai&uitäten, Lotterieeo u. f. w«; 

b) in Anfebung der Bedingungen der Bodcp 
Zahlung:—* ROckzablung der ganzen Sobald 
i^a einer beftimmten Zeit-^ terminweife—- 
unbeftinimte AAckzahlung dea Capitals und 
bloCae Sicherung der Zinfen — Aentaniref 
kauf; 

c) 4n Anfehung der Verficherungsmittel der 
Gläubiger für Zioten und Capital: — Aus- 
ftellung von Staatsobligationen und Zins* 
Coupons -^ bloCse Eintragung in das Staats- 
fchuldbuch u. L w. 

$.754- 
1) Eine der fchlechteilen Arten, Schulden 
zu machen, wo nicht die allericblechtefte, ift wohl 
die, Wenn der Staat feide reg^lmaCsigen Zahlungen 
unterbricht, um das dazu beftimmte Geld zu den vor^ 
kommenden Nothausgaben zii verwenden. Denn 
a) verletzt er dadurch fchon feine Verbindlichkei* 
ten und fchwächt alfo feinen Credit } b} fetzt er 
dadurch viele, welche auf den Eingang der Gelder 
von ihm rechneten, in die peinlichften Verlegen* 
beiten und Noth; c^ berechtigt er fie dadurch ge- 
^iffermafsen , auch ihre Verbindlichkeiten nicht 
zu halten,, und zwingt fie fogar dazu, indem er 
ihnen felbft die Mittel dazu entzieht. Dadurch 
aber verbreitet ficb der Bruch der Zahlungsver* 



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Von der Staatßeiimahme« i^f 

mmm^mm^mmmmmm^M ii i i^iii ■ » mmmmmmm ii mw 

bindiicbkeiten um fo weiter, je gröfser die Samme^ 
ift, welche der Staat auf diefe Weife surAckbälty 
lind e6 enfftebt die gröfite Verwirrung und Unord* 
jnong in dem Verkehn •— ßne Regierung mufe 
daher entweder ohne aUe EinJicht, oder fcboh 
ganz credltlos fey> wenn fie zu diefem faöebft veri* 
derbJicben Mittel, fich in der Noth zu helfen, ihrer 
ZuQucbt nimmt« Die Finanzpolitik verbietet e« 
eben fo unbedingt, ala die Gerechtigkeit« 

J. 755- 

2) Unter Staatacreditzetteln Terftehe 
ich von der Regierung oder deren Bebdrden aus* 
gefteUte Scheibe, welche entweder nach Verlauf 
^iner beftimmten oder einer unbefUmmten Zeic 
(aach Beendigung de^ Kriegs, fo oder to viel* Mo- 
jiate nach Abfchlufs des Friedens u. f. w.) mit baa« 
t€m Gelde eingelöfet werden foUen. 

f 756. 

Mit dergleichen Zetteln (bons) kann dieRe* 
gierung bezahlen: 

]) die Befpidung ihrer Beamten, 

a^ die Lieferanten, 

3) requirirttf Bedarfnifle u. f. w. 

$. 7S7. 

Wenn die Staatsbeamten in Regierungszettelnf 
iitch dem Frieden zahlbar, ihre Befoldvgen än<^ 



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«5gi Elftes Buch. 



sebmen mafTen jTo leiden diefelben gewdfanlicb die 
gröfsten Verlufte* Denn die meifteo diefer Beamten 
bedürfen ibre Befoldong zu ihren täglichen Aas- 
gaben , om ficb und ibre Familien zu erhalten* 
Kun nehmen aber die Verkäufer der Lebensbe* 
dttrfniffe dergleichen Scheine gar nicht» oder doch 
nicht für voll an» Die Inhaber fefaen fich daher 
genöthigtf fie gegen Geld zu yerwecbfeln. Nie« 
mand aber wird ihnen das volle Geld, vorauf fie 
lauten, dafür geben. Und da fiph mit dergleichen 
Verwechfeln in der Regel nur Leute abgeben , die 
viel wagen und das WuchergefohSft treiben; fo 
fallen dergleichen Zettel faft fKmrotlich in die 
Ufinde der Geldwucherer , denen fie der Staat am 
Ende, ivenn er anders Wort hält, für voll bezah* 
len mufs, da feinen Beamten bey deren Verwech« 
feiung do, 3o, 5o, ja 80 und 90 Procent abge« 
zogen worden find. Wie viel fie aber auch dabey 
verloren haben mögen, immer wird ihr Verluft 
mehr als dit gewöhnlichen Zinfen betragen, weU 
che fie bis zu dem Einlöfungstermine hätten geben 
mülTen, wenn fie das Geld, worauf die Zettel die 
Anwcifung enthalten, auf einen nur einigecmafsea 
foliden Credit hätten borgen können. 

$. 768. 

Wollte der Staat bedingen , dafs dergleichen 
Zettel nach dem Frieden nur dann für voll einge** 
löft Yfwcdfia foUteii» wenn fie ficb noch in den 



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Von der Staatseinnalmie; 63^ 

■ ■ I. 

Händeo des eriten Empfängers oder def(en Erbea 
befänden, oder lehrte die Praxis» dafs eine folchft 
Maxime ¥on den Regierungen ftillfcbweigend an^ 
genoinmen ifl ; fo würde diefes das Scbickfal der 
Beamten eher erfchweren, als erleichtern. Dena 
es würden Geh fodann noch wenigere bereit finden, 
baares Geld dafür zu geben, und die Staatsbeam« 
ten würden nur noch in die Hände ärgerer Wuqbe« 
rer fallen. Diefe würden dann dergleichen Zettel 
wahrfcbeinlic^ in Verpfändung nehmen, und fick 
die volle Summe derfelben vfcrfchreiben laffen, tun 
fie zur Zahlzeit durch die Beamten felbft einziehen 
zu laden« Die Beamten würden bUq doch immer 
nichts mehr erhalten, als was die Pfandinhaber 
ihnen darauf geborgt hätten. 

$• 759. 

Der Staat begeht durch dergleichen Art, die 
Befoldung der Beamten zu bezahlen, die höchfte 
Unbilligkeit an ihnen, macht fie mifsmuthig, und 
treibt fie zur Verzweiflung, reizt fie. zur Unred« 
lichkeit, Beftecbllchkeit, Betrug u. f. w., und be- 
gründet fo das innere Verderben feiner eignen 
Organe. 

$. 760. 

Der Vorwand, dafs den Staat die Noth zu 
einer folchen Maaferegel zwinge, kann bey einer 
Regijßrong, die ficb nicht fchon gänzlich ihres 
Namens unwürdig gemacht hat, pie ein hinrei* 



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^4^ Erftes Buch. 



^ 
^ 



eben der Gruod zur Ergreifung eines Cplchen Mit^ 
tels feyn. Denn auf alle Falle mufs doch der Staat 
einen gröfsern Credit haben, als feine armen Be* 
amten. Wenn er daher das zur Auszahlung der 
Befoldung der Beamten nöthige baare Geld borgte, 
vnd den Beamten die Zinfen, die er dafOr gebea 
jnüfste, nach dem Maafse ihrer zu empfangenden 
Sefoldung in Abzug brächte, fo wQrden letztere» 
wie hoch auch diefe Zinfen feyn möchten, doch 
nie fo grofse Verlufte- leiden , als yi^enn man fie 
den Händen der Wucherer flberUfst. Ja mn den 
Verluft fo gering als möglich zu machen, könnte 
aMch der Staat die Beamten wirklich in derglei* 
eben' Zetteln bezahlen, aber er mOfste zugleich 
eine Caffe eröffnen, worin jeder Beamte diefelbea 
gegen Abzug einjähriger Zinfen auswechfele, jedem 
aber es freygeftellt wärde, fie bis zum allgemeinen 
Zahltermine zu behalten, wo fie für ^ voll, mit Zu« 
fchufs der landesüblichen Zinfen für die Jahre, die 
fie Ober das Jahr, wo fie als Befold angerechnet 
worden, gelaufen, eingeführt werden. Verzögerte 
fich die Auflöfung länger als ein Jahr, fo würde 
freylich der Staat die Zinfen allein zu tragen haben« 
Aber es ift auch nichts, billiger, als diefes, da er 
feinen Beamten ihren Gehalt fchuldig ift, und aus 
der ganzlichen Unterbrechung der Gehaltszahlung 
die ällerfchrecklichften Unordnungen in dqr bfkf 
gerlichen Gefeilfcbaft felbft entfteheo mOffen. 



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Vom der Staatseinnalime. 64 t 



«MaM**rtiriMMi«rfUba 



5. 761* A 

Bezahlt der Stadt freye Lietet^nttn mit deN 
gleichen Zettelt^ {^.fSSOt fo werden dltCe Ge tiich^ 
höher teehnen^ als fie diefelben fiXt baares Oeld 
linbrfngeü können ) ttttd da fie der Staat am End6 
für voll einwechfeln müh^ fo Wird er dabey enorm^ 
Verlieren 5 und oft den mehrfachen t^reiä der Be«, 
^dorfnifsmittei be2ahlen| welehe er «dafar erhält* 
£s ift daher dlefe Art der Bezahlung ebenfalls eintt 
der allerunirortfaeilhafteften» und ts wird immer ^ 
beffer feyn^ baareä Oeld felbft 2ü den läftlgfletl 
Bedingungen anzufchaffen i um dafür die Bedfirf* 
niffe einzuliaufen» 

Heq[mHrt der Staat die Sedär/nifsmittel VöA 
den Eigenthümern derselben» und bezahlt lie mit 
folcben Zetteln 5 nach dem Marktpreife oder nach 
einer von feiner Seite willkdhrlich beftlmmteti 
Taxe } fo ift diefesi ein Oewaltftreicbi der dadurch 
etwas gemildert wird 5 dafd tr denen 1 welchen er 
dergleichen Dinge abfodert^ doch Hoffnung glebti 
dereinft etwas dafür zu erbalten« <>-^ Unter denBe« 
griff des Hechts läfst fich aber eine fokhe Maafs^ 
regel auf keine Weife bringen« Denn 1) fOgt fie 
denen I welchen fie die Waaren abzwingt» einen 
Verluft zu» da die Zettel 1 welche dafür bezahlt 
Werden I weniger gelten » als worauf Geläuten » ja 
oft ganz iif Unwerth linkem 2) Will man dlefeil 
Verluf): als eine noth wendige Be^fteuer zu den 



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642 Erftes Badu 



Kriegskoftea betrachten; to erfcfaciDt <üe MaaCi- 
regd doch deshalb oogerecht, weil dliefe Beite« - 
roog des Princip der Gleichheit Terletzt vod mm 
diejeoigep trifft» welche ebea die Waaren 
dereo der Staat bedarf, ood die gerade 
Orten bey der Hand ind, wo o* die W 
thig hat. Sie ift alfb immer ein blindes Kebaien, 
wo man etwas findet , nnd kann dorchans näcbt im 
denen Mitteln gerechnet werden, die fich anf den 
Credit des Staats grttnden. <*- Auch too Seiten 
der Politik taugen dergleichen Maabregel» nichts» 
da fie dem Staate nicht viel helfen » nod der Re> 
gierang för die Zukunft felbft dieCes Mittel neh- 
men, fich in der Noth zu helfen. Denn Nieound 
wird mehr Vorrithe anfcbafTea oder bey ich be- 
balten, (bbald er fOrchten mu(s, der Staat könnt 
fie reqnirfren« 

i 763. 

3) Das gewaltfame Eingreifen in die Banken 
und andere freye Geldinftitute fchlagt 1) dem Cre* 
dit diefer Anftalten unheilbare Wunden. Denn 
wenn der Staat ihre Capitale gewaltfam an fich 
reiEst, fetzt er fie in die Unmöglichkeit, ihre Ver* 
bindlichkeiten zp erf Ollen, und zwingt fie zur In« 
CalTenz; dadurch ^ aber yerlieren fie 2} ihren Cre» 
dit, n^d möffen Aothwtndig zu Grunde gehen. 



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Von der Staatseinnahmen 64$. 

§♦ 764. 

Bewegt der St^at dergleiohen Geldinftittitei 
ihreCapitale dem Staate freiwillig xu geben} fo 
treten folgende Wirkungen ein : 

1) Ea hören dadurch die UtoterftOtzungen- auf^ 
^ welche die Banken durch dlefe Capitalfe dem 
/Handel oder andern Oewerben geleiftet ha« 
ben« Diefe gerätben dadurch In eine unver« 
tfieidliche Stockung, da ihnen die HalFsmit« 
. tel und luftrumente ihrer Wirkfamkeit plötz« 
lieh entzogen werden, und eine folehe RCk^k«^ 
Wirkung bat die Brotiofigkeit nnd Notb Tie« 
1er Gewerbsgenoffen^ befonder» der arbei« 
tenden Clarfe» zur unTermeidliohen Folge« 
Da auch (neie gröfaere oder kleinere Unter« 
nehmer fich auf die bisherige Unterftitzung 
der Banken verliefsen, und von deren Bej-» 
ftand die Möglichkeit der Erfüllung ihrer Ver- 
bindlichkeiten abhing; fo macht der plöttli« 
che Zurücktritt der Bank ihnen diefelbe un- 
möglich, und es tritt die ganze Reibe deif 
fibeln Folgen ein, welche das Ausbleibefti 
grofser Zalilüngen unvermeidlich nach fich 
sieht« 
ü) Auch fieht fich der Staat, wenn er die Bau* 
ken willkührlicb mirsbraticht, oft ge^wun« 
gen^ fie zu Handlungen zu autorifiren, weN* 
tha den Bechtsptinoipleti ztiWidet findj 
^nd Unreeht gegen Andere zu begeheni 

Ss M 



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644 £iile« Buch« 



Denn die pfloktlicbe Erfüllung der Verbind- 
IScbkeiten einer Bank bhügt liraptricblich fia- 
von ab) dafs fie ihre Fonds in ibrer Gewalt 
bat und frey darOber diispooiren kann. Nun 
aber Wird diefe Gewalt gar fehr gefchwäcbt» 
wtan fie ihre Fonds dem Staate auf unbe- 
ftimmte Zeit anTertraut« Denn diefer ver* 
braucb^fiet und reebnet genrieiniglicb darauf» 
daf^ er fie recbt lange, wo nicbt auf immer be* 
halten » und blofs die Zitifen davbn entrichten 
will« Treten nun Verbindlichkeiten ein, zu 
deren ErfOllung die Bank ihr#r Fonds bedarf; 
fo kann diefelbe fie Tom Staate Entweder gar 
nicht f oder doch nicht fo^fchnell 9 alsfiefol- 
che nOthig hat» zurflck erhalten«. Sie ficht 
fich alfo hierdurch in die Unmöglichkeit ver* 
' letzt» ihre 2ahlongSTerbindliohkeiten xn er* 
fallen» und da der Staat die Urfacfae daton ift» 
(b inuts er fie durch Gefetze daron befreyen. 
Die Bank macht daher bankrot» und der Staat 

heiligt diefen Bankrot durchs Qefetz. 

Erläuterung« Die Bank von EnglancI hat dem SUate 

nicht nur groDie Gapitaliea TorgefoholTeti , die er ihr 

nie surficksahlt , fondern fie wird auch von ihm alt 

AÜttel gebraucht, die benSthigten Summen baareii 

' Geldes fOrt Autland aasuTchi^ea, Nie würde, die 
Bank-Ton £nglan<^ nöthig gehabt haben, die Baar« 
«ahlung ihrer aasgegebenen Banknoten eintuftellen» 
wenn nicht beyde erwähnte UmlUnde, besonders abev 
der letitere, Sutt gefunden hätten. Hätte die R^e* 
rang das ihr benöthigte Geld auf eigne Reiten ange* 
fchalEti fo wfirde e« der Bank nje an Mitteln gefehlt 



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Von der Staatseinnahmen ^45 

liabeni das Geld, wan der Verkehr bedurfte» berhey 

tu fchaffen, nnd fo viele ihrer Noten baar eintuisren, 

alt bierttt nOtbig war. Da abtt^ fKa Bank allet Geld» 

was die Refieruog In den ICriegsjahren in fo groCiam 

Umfange brauchte y auf ihre Koften anüchaffen mufs* 

te, fo lange die Baanahlung Statt fand» und um 

diefe Soften allein weder tragen wollte noch konnte ; 

f o mufste lie die Regierung berechtigen » diefe Koften 

auf das ganie PubHcum zu fchieben, welches dadurch 

gefchaby 4afs fie die Bank autorifirte» die Btariah- 

\ lung einxuftellen. Per Verluft fiel nun aufs PabU* 

cum durch den finkenden Curs» aber gewifs wurdf 

derfelbe auf diefe Art für die Nation ▼ielfach rtrgrö* 

ftert, und insbefondare «nf das uügl^iohfte nach blo* 

f^em Zufalle rertheüt. Es wdrdc inter^fiTant feyn» lii 

berechnen I wie viel das Volk von Grofsbritanniea 

durch )enee Sinken dat Curfes verloren hat » wie Tiel 

Privatgldofc dadurch «errOltet wurde, und wie HA 

weniger q? der Regierung gekoftet haben würde» wcUu^ 

_^ die Bank ihre Zahlungen nie unterbrochen» nnd die 

Regierung dagegen die ICoften der HerbeyfcVaiFun^ 

d^i ihV'n^thÄgen Geldes übernommen hätte^«- Ahex 

es iß diefe Sache von diefer Seite nur von Wenigett 

angefehen worden« Dafs Groftbritanaien durchaua 

kein anderes Mittel gehabt habe, fich zu helfen» ala 

die Suspenfion der Baarzahlung feiner Bank, kön*- 

aen nur Perfonen behaupten » welche entweder keine 

' ' dentliehett Begriffe vom Geldwefen hab^n» oder die 

r gern eine ^^gerechtigkeitbefchc}nigeum5ohtenw Mam 

fehe über diefen Gegenwand die Anzeige der Schrift 

über den öffentlichen Credit von Ntbgniiu im Hör« 

mes etc. 

. §. 765. 

Dat IbithEtmfte Ift daber^ ctt» Regierung be« 

rabrt die Gelder, der Bank nie anders , als nach 

QttCstzen des Privatcredite und Privdtverkehr^: 

£s bat aUesiaU* die iiaobtbiUigftM Fielgen far den 

Nationalreiehthum, wenn fie diefelbe befthnmt. 



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6^6 Erfles Buch. 



(es lej durch Zwan^ oder durch lockende Aner- 
bi^tuogen), die ichteo Regeln, die eine Bank be- 
folgen mufii, wenn 6e ihren vollen Credit naer* 
(chüttert erhalten will, zu verUCTea. 

S. 766* 

4) Das Papiergeld kann nwCaleoge bey 

feinem Nominalwertbe erhalten werden , ale Mit* 

I lel forhanden find, es beliebijg zu feinem rollen 

Wertbe aossugeheo. Damit dieCes geCcheben kcHi* 

ne, kann nun swar dei^ Staat manche kflnftliche 

^ftalt treffen; aber alle fcheitern an ihren Er^ 

' folge^ wenn er nicht die Kraft und den Willen 

liefitzt, jedes Stock Papiergeld, das nicht fOr 

voll angebracht werden kann, unweigerlich und 

ofafte alle Einfchränkung zu feinem ToUen Wertbe 

In baarem Celde auszuwecbfeln« 

f 767. 

Wenn daher Papiergeld, zu Zeiten der Robe 
mit Vorficht und Waisheit gebrancbt, auch ein 
gutes Mittel feyn mag, um eine bedeutende Summe 
^ baaren Geldes zu erfparen , und daffelbe zur Dis« 
' pofition des Staats zu Hellen ; fo ift doch die Epo- 
che der Notb m^mabls die Zeit, wo man Piipi«p- 
geld im Staate mit Nutzen zur Abfaelfnng derfel* 
ben gebrauchten i kann >. wie aus den. Betrachtun* 
gen in der Watiartalfthnnomie gnnk dentlich her« 
Torgeht« - - 



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Von der Staat^innahme« $47 

^ .^ — — . . ^ . ^ ■ _ 

$. 768. i 

D9S Papiergeld wird unter folchen ümftän- 
.dair» befonders in einem Kriege, dei* im Lande 
felbft gefohrt wird» fehr bald unter feinen Nomi« 
aalwerlh b^runterfinken. Dem Staate werden die 
Mittel fehlen, delTen Werth aufrecht zu erhalten, 
und wollte er den Verfuch machent diefes mit gro« 
f&er Ai^ftrengong zu bewirken ; fo wttrde der Feind 
dadurch es in feine Gewalt bekommen, alles baare 
Oeld defi Staatscaffen zu entziehen, fo dafs das 
immer tiefere Sinken des Paj^iergeldes, aller An- 
ftrengungen ungeachtet» zuletzt doch erfolgen war« 
de. Durch eiu (blcbes- Sinken wird aber dem 
Volke aller der Schade zugefOgt, welcher erfol- 
gen, mufs, wenn das allgemeine Taufchmi^tel fei« 
nes inoern ^ertbei^ beraubt wird und immer mehr 
verliert. 

Derjenige nämlich , welcher das Papier vom 
Staate för voll erhält, verliert l) beym Wieder^ 
ausgeben die ganze Summe , welche während der 
' Zeit, wo er es inne bebalten hat, weniger werth 
geworden ift« Da nun ein folcbes Papiergeld im* 
m6r tiefer und tiefer linkt; fo verliert 2).ein jeder, 
der «s wieder ausgiebt, und d..ie Verlufte verthei- 
len fich unter die Nation auf ganz ungleiche, fchlech« 
terdiogs nicht zu berechnende Weife« 

ErlSuterHng« Manfctad, dasP^iergeld falle in j»* 

- der Woche « Prooent, fo dafi «t im Verlaufe einea 

3ahrea nm 50 Proceat linkt; lo werde» an >oo ;KthI. 

. Papier 5a RthL Terlovtm .Wtnji h^ Einer daa f^nam 



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64S ErJbs Budu 



Jakr über iaii« hehUt, Xo wird er jene 50 Thftler «Udi« 
▼erlieren« Giebt 6e 4 nacb iler erftcn Woel^e «a ^ 
(o Terlierti imr t Proeent d^raa; giebüSdlele «09 &tU 
]ia€li Verlauf einer Wochc^ wo fie< wieder « Tls^^v ▼C' 
)ore« beben, en C, fo wird B ebenlaUt « Tbnler daran 
Terljerem nnd {o ferner mä% immer «nnebmeiKl«* Uo^ 
um Diffe^fiuen^ die der fellende Weftb ««mrCnofcit oad 
wir bier nicbt in AnfcWeg bringen« nnd die Mch mneb 
dem jedes mebligen Yerli^e def innern Qeldwertiie modi« 
^ren, bie derjenige, der Ge in der fnnlkigfteit Wocbn 
bekomm^ ßeu loe I^Ua« mir 50 fttbl« «n Wertk cdüOt, 
und elie reine Yorg^nger jeder einen immer yringnt 
werdenden Tbaler an der Summe verloren bat» der am 
Ende einer beftinuntcn ^Mt daa empl^ge^e jR«n4ert « 
Tbalerbillet aii einefi. andern beMblte« Alinin, |w ro» 
^elmäffig und benimmt gebt frejUcb die Vertbeilnng 
niebt ? on SuUen, |ft das Papiergeld «fnmibl ine Fal- 
len ; £0 lucbi et joder E mpfi fe gm r X4 4)tlinnU nU UMg« 
lieb and Iq bocb elf mogUob wiod«? lo« w wetdeiu 
Mebrere fcbieben es ebne Verlud ron ficb« andere 
tril^ er defto Aerker. Wiefiel daber jeder Cintelne, 
^er Papiergeld einnabm «Mi4 »uilgnli« dabey Valoren, 
4Aunm3glicb «nbeftimment wie viel aber dM Pnbü« 
cnm daran Terlore« > «eigt der fallende Gnra aoie an« 
ketweilellAe an, -» BeCopdere gro(ft teigt Qob der 
l^cbade, 4oi| 4aa Papiergeld dem iHinde durcb den eiit* 
wäriigen Handel verurla^bt. -^ X)enn in% Innem knüpft 
0cb nacb und na«h die Idee Qeld (o fefi( an das Papier, 
dals im^er den\ gemeinen üemfeu der Qedevbe Itiakt 
berrfchend wird» als falle nicbi das Papieirgeld, wenu 
man davon mebr als bisber fiir die W^ren usbleq 
mufs , (ondem af» fteigo der Waarenpreis ; eine TSit* 
(tbung, Ton der ficb Coga? die gro(se9 Bankier« mEß^ 
laud, wclcbe im J* 181Q dem (Parlament ibr Gutacbteu 
über den fallenden Curs abgeben foUteni nicbt losma-» 
eben bomite«. Nur der Oeld- mid We^bfelcnn «dgt 
gm deuUioh^n, wie viel des PapiergeM im Metall 
gelde werlb (ej. Allein im Innern dauert es eine ge« 
rvtme %eii, eb« mun den Preis der («andespredncte 
«Ugewein tut dt u goMlmmi Motallwefth d^iPt* 



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Von der Staatseinnahme. 649 

^mmmmt III I I »I u II i n ^1 im I 1 ■ i i n i i «■ i ■■ i ■■ i ■ m ii i i 

piergeldet rodncirt ; iii«]i targleicht die Waaren lange 
nocli bloff mit dem Namen des Papiergeldes, und giebt £ie 
noch ffir d^n alten Preis, nachdem derfelbe Metall w er th 
4es Papiergeldes Tchon Üiigft nicht mehr beHeht« Von 
diesem Irrthume proütirt dai Au8lan49 und kauft die 
inländiXohen^ Producte und Menufacturen (nachMetnll- 
gelde gei4)chnet) tun einen Spottpreis, JDie innere Pro-i 
dncdon und der auswärtige Handel gewinnen duduroh 
ein grofses Scheinleben, und man bildet fich ein, da« 
(f«n4 gemthe in einen blühenden ^nftand, -*>« Aber 
wird nach dem .Verlauf einiger fS^eit die Rechnung «b^ 
gelchlolteni fo wird m^ mit Schrecken die Tüufchung 
gewahr« Penn der in dem Papiergelde empfangene 
Ke^lwerth ««igt j dafs ^e Lendeswearen tief unter ih* 
. rem KoAenwertho befehlt find , i^nä i^ die dafür er- 
s )ialtenen Summen nich^ tureichen , eine gleiche Qnati« 
titit dafür wieder her^uftellen, BaI4 theilt {ich die 
Th^unmg (nach FapiergeM gerechnet) euch den n^ei« 
Heu inUUidiCoheti Artiheln mit, und man wir4 fodann 
iAne, dafs die Nation hey folchem Handel nur Tarieren 
hat, Dafs dat Papiergeld im Innern noch lange einen 
hHam Realwerth behtflt , alt delten MetaUwerth an'* 
deutet^ rührt anch mit daher, weil die Bezahlung der 
Abgaben noch lu feinem Nominalwert^e eine Zeitlang 
angenommen winU 

^^ 769^ 
V Wooh gröfacr wird die Verwirrung, weoo, wif 
diefes die Qothwendige Folge bey eioom fictv felhft 
aberUffeueo Papiergelde^ift, der Werth deffelhea 
fcbwunktt b9ld fteigt, bald fallt. Das VermO« 
gen der ganzen Nation wird dann dem Zufalle und 
ClOcktfpiele Preis gegeben« Wer heute eine Sum- 
me in Papiergelde empfängt, kann in einer Nacht» 
fibne da{s er irgend etwas dazu beytragt« eben h 
gut mehrere Procente daran gewinnen 1 als verliti« 



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6^50 Erftes Buch« 



ren, je nacbdeni die Umftänd^den Curs deflelbea 
erhöbt oder erniedrigt haben. Niemand ißt daiui 
feines Vermögens Bcfaer. Verleibet . er heute 
i4qo BtbL^ die jetzt loo Mark Silber werth find» 
vnd er erhalt fie nach eineia Jahre zurAckf^ to find 
fie vielleicht nur noch 5o Mark werth. Knrs; dec 
ganze Verkehr wird ein Spiel, eine Art von I,pOt« 
ferie, wo jeder Gewinn nvr durch den Verlnfi An* 
derer mögirch ift. Keine Unternehmung ift ficber» 
kein zuverla(figer Caicul ift dabey mehr möglieb» 
tind die Nation gerith dadurch in ein immer tie> 
leres Clend. 

Es giebt freylieb Fälle , Wo fieh Regierungen 
durch Papiergeld geholfen haben« Die Affignaten* 
artfchiehte liefert davon ein fcbreckliches Beyfpiel. 
Im Vertrauen apf iit Regierung wurden di6 Affigna« 
ten anfangs für voll angenommen y und die Regie- 
rung erhielt dafür eine Menge Kriegs • und andere 
Bedarfnifsmittel. Zwar fingen ße bald an zu finken, 
aber die Hoffnung» dafs fie die Regienxng doch 
nicht ganz würde fallen latTea, erhielt fie deffenun* 
geachtet npch bey einigem Werth, und man konnte 
a^o mit der unendlichen Maffe, welche man aus« 
Iie(s, mehrere Monate lang grbfse Dinge ausrichten. 
Aber was koftetediefes alles der Nation, welche 
Verheerungen und VerwOflungen wurden unter 
den Borgern angerichtet » welche Umkehmng 
dör Vermüigensverbiitnille wurde ^adurcb bervor* 



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Von der Staatsemriahme. 651 



T 



gebracht r Welche Oreditlofigkelt erfuhr das^fran- 
za6fche Papiergeld in der ganzen Handelswelt! — 
Und wie hätte es eine Regierung anfangen mOffen» 
trni diefes Pajpierunwefen wieder in eine Ordnung 
zu bringen! -^ Es war eine gänzliche Ünmög* 
ÜH^bköit, oder es wäre nur dnrch eine abermählige , 
nette Umkehning der Dinge möglich g^wefen« 
Man OberlSefs alfo die Afßgnaten ihrem Schick« 
fal^; fie mufsten endlich zu Nichts herab6nken. 
und fo w«r^n fie nicht» gewefen i als ein Mittel» 
die Koften des Kriegs und der Staatsverwaltung 
auf einige Jahre durch eine fiiUe HOndening zu« 
faitimei^^ufaringeo. Eift (Weiches ift, obgleich in 
lAlnderrf Graden, allenthalben' gefcheben^ wo mao 
ficfa ina Kriege durch Papiergeld zu helfed gefbcbt 
bat, welches die Regierutig Key feinem Pari mir 
^tm Metallgelde zu erhalten nk?ht im Stande^war. 

Nl^ k«nn daher «ine gefaftde Finanzpolitik 
rMhen, im %iege oder in* NbtfafÜlei) Shnlicher 
lArt die Bölfe im Papiergelde zu fuchen. Allemahl 
Hvird ein folcfhee Geld fohnell^ faHen, und der Na- 
tion /viel grMser^ Verluft» WfÖgen, als ihr jede 
dndei^e Art, • dii? Kriegsbedürfniffe zu befriedigen» 
zugefügt babeto wflrde. Der Verluft, welchen 
die Regieliing dem Volke -durchs Papiergeld zu- 
fftgt) wird * ' ' 

i) gana tumultuarifeh verlheiti', I^e Regierung 
' Im die V«tbeÜung Jliebt ift- ihrer Oewaltg 



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^$2 Erftes Bncli. 






(ondera fie OberlaCit es dtro Zufälle, wen 
-trifft oder nipbt trifft Es i& aUb eine 
regellofe Plaaderimg dar Nation« 
g) Die Regierung ift auch gindicb aoberStaa» 
de, je diejenigen zn entfobSdig«!« welcb« 
durcbs Papiergeld verloren babed. Oaua 
Niemand oder, doeh höcbft Wenig« köaiieii 
ihren Scbaden liqoidiren, ja dio wenigftea 
wiffen, wann und wie fie dadurob verlerea 
baben. Nur das Eine vriffen fie 9>it Gewifs* 
heit, dafs fie wrm geworden find. Ja fedv 
Verfuch, den Schaden gut w maeben« ver» 
mthrt nur di« Ungerechtigkeiten und dit 
Uebel^ ftatt fie su beben. Hebt die Regie* 
rung den Curs des gefallenen Papiergektes; 
fo profitiren davon nicht diejenigen t welche 
durch das Fallen des Werthes deffelben ver* 
loren haben, fqnderni ganz andere, welche 
gar nichts vedoren , die vieUeiobt viel dabej^ 
gewonnen haben« Jede kQni^|^be£rböbnng 
des Curfes eines gefallenen Papiergeldes ift 
daher nichts, all eine blinde Vertbeilnng des 
Werthes diefer Erhöhung unter diejenigen, die 
gerade im Befi^e von dem Pafnergelde find, 
qder dergletoh^ zu empfangen baben« Diefe 
gewinnen dadurch nach dfHn Mai^se derSum* 
meu, welche fie davon inne haben, oder in 
Zahlung -fQr^l^KttMm empfangen , die^ in 
(chlecbtem Pafisff gemacht wurdfp ; 4ag^ea 



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; Von der Staatsewnahme. 653 

_ ■ '' ■ ■ 

verurfacbt eine fölciie^laafsregel eben to gewKs 
allen denen » weiche. Papiergeld fchuldig find» 
und felbiges zu niedrigerm Curfe empfangen 
haben, einen eben fo grofsen Verlu^, als 4et 
bdhere Curr des* gefteigerten Papiergeldes be« 
trigt, das fie zu demfelben wieder bezahlen 
mOtfen. Wen dtefei^ Verluft treffe ^ weifs der 
Staat ebenfalls nicht« Er verfährt alfo in der 
Vertheilung der Verlufte eben fo blind » Sils in 
der Vertheilung der Vortheile^ wenn er den 
Curs des Papiergeldes hebt* 

£nnL Man tehe kierüber meine Schrift t UeberAuft» 
londt Piqpiergeld, und die Mittel | ihm einen fixen 
lYerth su vexfolieffen« Utile 1817« 

i. 772. 

Aus diefen Betrachtungen erhellet alfoi dafi 
das Papiergeld unter allen das fcfalechtefte , koft* 
barfte und verderblichfte Mittel ift, de(Ten eine 
Regierung ficb in der Noth bedienen kann* Nie 
wird es der NAion fo theuer zu fteben kommen« 
wenn fie die Summe $ welche die Regierung durch 
ein fchlechtes Papiergeld gewinnt^ auf irgend eine 
andere regelmäfsige Weife aufbringt« 

*• 773- 
5) Antieipationen finden Statt« wenn 
der Staat froher Gelder aufnimmt, als deren Zahl^« 
termin^e fällig find. Es kran diefes auf mehrere 
Artgefchehen» «Isr 



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654 EiÄes Buch, 



I) Wenn auf die in Zukunft eiiigebenden Ab« 
gaben Summen aufgenommen, und dafür An- 
wetfungen an die Sofaatckammer oder Steuer» 

* caCTen gegeben werden, um die erborgten 
Summen von den eingebenden Abgaben zu 
bezahlen. Dergleichen VorfchOfTe kdften 
dem Staate die Zinfen wahrend des Laufes 
der Anweif ung bis zu deren Realifations« 
tenriiue: Schatzkamm erfcheine in England^ 
Rubland , Frankreich u. f* w* 

u) Wenn der Staat einzelne Arten dar Abgaben 
gegen Capitale verkauft» 

$• 774» • ' 

Dergleichen Anticipatiofien find nur Palliativei 
weßn fte als Notbmittel gebraucht Verden ^ und 
können nie fehr grofse Hälfe gewähren. Die erfie. 
Art zu anticipiren kann in einem Lande» wo der 
Verkehr lebhaft ift und Ge)d nie ruhet, auch wohl 
ein ökonomifbhes Mittel feyn oder werden , am. 
dem Volke^ weniger in Steuern abzunehmen i als 
es fonft geben müfste. Die Zweyte Methode fcheint 
blofs zu billigen» wenn fie nicht fowohl ein Mittel 
Sfl* den Staatscaffen Geld zu verfchaffen, als viel- 
mehr eine Befieuningsart zU vernichten,, um in 
Züktiiift eine zweckmäfsigere Art an ihre Stelle 
tu fetzen. * 

ttiüvtiettLfig U Wenh ein Latid fich in «inem fol- 
tkco Zofttncie liefindtft , dtTt jectct Capital im Fsckeltf 



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Von der Staatseinnahme. 655 

Nutcen (Ziafen und Untern ehmergewlnuft) bdngt ; fo 
letze man, dafs der Staat im Januar i Million nöthig 
liaty und diefelhe mit 4 Proc. Discont auf 1 Jahr anti* 
cipirty £0 wird er diele Summe in den Händen des Bu«_ 
blicums bis Ende DcCembers lallen können. Di^nua 
eine Million im Verkehr . weuigßent 8 Procent reinen 
Gewinn ^rägt, und im Verlaufe eines Jahres viele ^en« 
fchen Qifterhälti fo wird das Valk» nftobdera es davon 
dem Staate die 4 Proceut critattet hat, welche ihm die 
Anticipatiouen koßetc, .noch andere 4 Procent gewin* 
nen. — Man ki^nnte zwar l^^en , dals der Staat j« da« 
für eine andere Million an fich sieht, und wenn er da* 
lier diefe im Publico geUlIen , derlelbe^ Verkehr mit 
dielem Gelde hätte getrieben \verden können. Allein 
•s liXst Beh hierauf efwiedern, dafs die Capital«, wel* 
cbe dem Staate %a VorfchiilTen dienen, nicht 8 Procent 
getragen haben müITen, weil He fonft dem Staate niisht 
SU 4 Procent würden angeboten feyn, und dafs esjalfo 
vonheilhafter «11 fejrn fcheint, die miifsigen oder w«* 
aig einbringenden Capitale auf diefe Weife zu. benutttoa^ 
und dagegen die beder angelegten in den Hiinden der ' 
Gewerbetreibenden, fo lange als möglich, zu lallen. «» 
IndefTen find wohl alle dergleichen Anticipationen ur* 
fprttnglich in der Noth entftanden , tmd den Nutzen 
davon hat man erlt fpäter durch Schlülte gefunden^ und 
ibn alt Grund zOirBe^rbehaltungdieferKünaegebraucbt. 
Pur Nothfäile helfen lie nur einmahl ,, da die durch die 
Abgaben eingebenden Summen dadurch nicht vergrÖ«» 
fsert werden. Oft find Re auch nur Mittel^ dfe Anlei« 
lien SU vermehren, wie in England, wo die Schatzkam*> 
xnerfcheine, welche die eingehende«! dazu beftinimtea 
Sunmien nicht deoken können , zuletzt i^ confolidirte ' 
Fonds verwandelt und alfo der Staatsfchuld sugefchla« 
gen werden. 

«4 Eine Steue* gegen ein Capital verkaufen, iBt im 
Gründe eine Vernichtung einer Einnahme^elle, wenn 
sacht etwa das dafür eingehende Capiul angewandt 
wird, um fie zu örfetsen. Gewifs ift diefes nicht der 
)^a(L bey dem Abkanf der Landugcf in England« Ift iia 
gfais,«bgelöfet> fo wird wabrfdieiBlioli bald ein« neu« 



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656 Erlies Buch« 



Gtandftetter unter irgend eiiicr atidem Form «um Vor- 
fckein kommen« (Siehd das Urtlieil Ton Dorrtns^ weiter 
oben)* Wäre dielet nicht d6rFall| und wollte man lUe . 
Grundrente auf immer frey laCTen; fo würde maii fielt 
•ine der ficherften und sweokmiliiif ften Befteura'ngear- 
ten berauben. Und dennoch würden die Grundherrea 
deshalb nicht verf chont werden können ; denn man War» 
de ihnen TieHeicht noch einmahl tö viel durch indirecte 
Steuern abnehmen mÜHen, alt fie Torher in dar Gliuid* 
rentenfteuer betahlten. Wahrloheinlich foll aUo daa 
^Manöver aur dasn dienen » eine fchlecht angeordaet« 
Steuer tu TertilgcUi um defeinft eine argicbif«r9 
OJrundrtntenfteuer an ifayt Stelle su hriaf «a« 

§. 775. 

6) Das Hauptmittal in der Noth werden tut 
Staaten» die Credit habea» iromer förmlicbs An* 
leihen ($*756.) bleiben* Dlefe xu bevdrkeni giebt 
es aber verfchiedeoe Metboden« Wir haben fie 
nach der Art» wie fCir die Anleihen Sicherheit 
gegeben wird» eiHj^etheiltt nämlich in folchei die . 
auf fpecielle Sicherheiti und in foloh^ die mxt 
den allgemeinen Staatscredit' gegroodtt 
werden« 

Specielle Sicherheiten kann der Staat 
gewähren : 

1) durch Unterpfand« Er kann Gold* und SiU 
berbarren > Kupfer oder andere Metalle $• Ju« 
welen» Kronfcbtnuck u« C w« dem Capitaliften» 
der ihm feine Capttale leihet» nach den Be* 
dlngungen dea Prlvatpfandrechta zum Unter« 
/ pfände 



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Von der Staatseinnahme. (57 



pfände geben, und ihn berechtigen» fich 
daran ffir Capital und Zinfe n, im Falle unter^ 
bleibender Erfallung der vom Schuldner aber«* 
nommenen Verbindlichkeiten , zu baltep. 
3) Durch wirkliche Verpfändung von Domai« 
nen oder ganzen LSndern, indem dem Gläu* 
biger diefelben in Be6tz und Verwaltung fo 
lange gegeben werden» bis Zinfen und Capi* 
tale bezahlt 6nd. 

3) Durch hypotbekarifche, auf Domainen, Staats- 
gQteroder ganze Lfinder eingetragene Rechte« 

4) Durch Ertheilung rechth'cher AnfprAche auf 
beftimmte Staatsrevenfien, mitErmIchtigung 
des Gläubigers, fie entweder felbft zu eriie* 
ben , oder fie von den L^descafTen abzufo* 
dem^u. f. w. 

• ^ $. 777- 

Von dlefen Methoden gewährt frejlich die 
erfte (§. 776. i.) die meifte Sicherheit, und einem 
Staate, der fie gewahren kann oder will , wird es 
nicht leicht fehlen, einen beträchtlichen Theil 
des Werths diefer Unterpfänder gegen diefelben zu 
erhalten. Auch werden bey diefer Art der Sicher« 
heit die C^pitale ohne Zweifel zu den möglich 
niedrigften Zinfen zu erlangen feyn/ Diefe Me* 
thode des Borgens war in den altern Zeiten niclit 
ungewöhnlich ; fie ift aber bey gröfsern Staaten in 
dteh neuern Zeiten faft gänzlich aus der Mode ge* 
kommen. Denn 

9. Jakoh StüüUfinan%viiJf. Tt 



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^5g ErAes Budu 



a) wird keio Suat Luft habeo» fblche .Äxten 
von Dinges» welche verkänflicbe Waarea 
find, aof lange Zeit als Pfand hinzugeben, da 
er durch den Verkauf derfelbea fich das Capi- 
tal ohne Zinfen verfchaffen kann. Solche 
Dinge aber, welche nicht marktgängii^ find, 
und deren Werth blofs auf dem Geldreich- 
tbum weniger Liebhaber beruhet» werden 

b} die Gläubiger nicht gern zum Pfände aiuaeh- 
fnen , da deren Verkauf nicht beliebig zu be- 
wirken» und fie leicht im Werthe bedeotend 
finken kdnnen« Dergleichen find: fehr koft- 
bare Diamanten» Krönungsapparate u.il w« 

c) wird heut zu Tage eine folche Art zu borgen 
fchimpflich fär hohe Häupter und grofse Staa« 
ten gebalten» weil das Verlangen nach fol- 
cben Sicherheiten einen Mangel des ,Staats* 
credits v^rausCetzt. Denn es mufs fehr fchlecht 
um den Credit eines Staats fiehen» wenn 
derfelbe nicht höher geachtet wird» als der 
Werth der Kolibarkeiten» die er zum Pfiinde 

V anbieten kann. Endlich 

d) können das doch nur immer böchft unbe- 
deutende Summen für einen grofsen Staat 
feyn» welche dergleichen Anleihen herbey- 
fcbaffen können« 

$• 778- 
Domainengflter» Provinzen oder ganze Lia* 
der den Gläubigern in die Gewalt zu gebeuj wflrda 



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. Von der Staatseihnahme. 65^ 

{$•776. 2«) eben fo vielfeyn, als die Herrfcbaft Ober 
diefe Oegenftlndie aufgeben , und fie^ den Uändea 
des Gläubigers anvertrauen« Zwar findet mün in 
den frflhern Zeiten häufig dergleichen Länder« 
verfetzungen , aber fie haben fich auch meiftens 
mit dem^ Ruin (olcher Regierungen geendet. — > 
Verfetzt 

a) ein kleiner Staat an einen gröfsern feine Gü- 
ter oder Länder auf diefe Weife; fo ersieht 
er'fiohganz und gar der Wtllkahrdes letztern» 
da zwifchen Staaten keine oberfte Gewalt 
Statt findet, welche fie zwingen kann, die' 
Gefetze und gemachteo Bedingungen za be- 
obachteii. Verfetzt 

b) ein gröfserer an einen kleinern dergleichen; 
fo ift diefer nie fiebert in dem ruhigen Befitze 
der verpfändeten Güter und Provinzen ' gelaf* 
fen zu werden, da der Starke taufenderley 
(cheinbare Urfachen finden kann, ihn daraus 
zu vertreiben. Noch weniger wird alfo 

c) Privatperfonen in dergleichen Unterpfändern 
gröfsere Sicherheit gegeben feyn, als der 

• blofse gute Wille mächtiger Regenten ihfaen 
gewährt« 

$• 779- 

Eben fo wenig werden bypotfaekarifcfae.Ver* 

fcbreibungen ($. 776» 3.) oder Anweilnngen auf 

Staatscaffen ($• 776. 4«) den Gläubigern gröfsere 

Sicherheit gewähren ^ aJs der gute Wille und die 

Tt 2 



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66o ' £fAe5 Buch. 



gute Wirthrchaft der Regierung in fich enthÜt. 
Denn wer will es ihnejti wehren, die Hypotheken- 
fcheiue zu durchftreichen , und die Anfodemngen 
der Gläubiger von denCaiTen, worauf fie An^^eifs» 
gen erhalten haben, abzuweifen? SoUen derglei- 
chen Sicherheiten ja einige Kraft haben ; fo muSs dit 
Garantie eine andere mächtige Regierung flbemeh- 
men, welche der Schuldner zu beleidigen fich 
fbrchtet, die im Stande ift und auch den Wtiiea 
hat, die Erfollung des gefchlollenen Vertrags allen* 
falls durch einen Krieg zu erzwingen. 

-Erlftuternng. Die Gefohichte der letxten rcHwedi- 
rchen Anleihe in Leipzig durch das Fregifche Hans liat 
geseigt y dafs weder tugefagte h jpothekariXche Sichev^ 
heil, noch (weichet billig mehr gelten Ibllte} Garantie 
der KeichtAände den Gläubigem etwas geholfen lud,. 
Ein preuffifcher Staatsbeamter Terfchaffte endlidi de- 
nen Interellenten , welche prtfulsifche Untcrthanen 
waren, ein Abfindnngsquan tum, wobey nicht 
nur die Zinfen, fondem auch ein bedeutender Tlieil 
des Gapitals , gerade wie es bej Concnrfen tu gerche» 
hen pflegt, för die Gläubiger verloren ging. DaCt den 
fibrigen Gläubigem etwas mehr wäre geboten wordeui 
als die fchimpfliehen Bedingungen , welche ihnen fr&> 
her durch ein jüdifches Handelshaus gemacht wurden, 
davon ift nichts sur öffentlichen Kunde gekommen. 

Im Omnde bleibt daher keine feilere Sicher* 
beit fär die Glaubiger, die einem Staate Geld lei» 
hen, Obrig, als der allgemeine Credit tliefes Staats 
(f. 756.)* Trifft eine Regierung rokheMaaCsregthi» 



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Von der Staatfeinnahme^ 16 St 

welche die iVlögiJcfakejt usd Ordnimg der Bezah- 
lung der 2Unfen uod der Wiederbezahluag des Cih 
pitals deutlich vor Augen legen, und ihren fefteii 
Willen, ihre Verbindlichkeit redlich zu er fallen^ 
anzeigen, dergleichen z. B« die Beftimmuog ge* 
wiffer Staatseinkflnfte zu diefem Zwecke und eine 
auf (blides Einkommen organifirte Tilgupgscaffe 
ift; fo find diefes Urfachen, feinen Credit defto 
fifirker zu machen, aber immer nur» in wiefern 
man den Verficherungen des Staats zutraut, dafa 
fie von einem wirklichen guten Willen begleitet 
find; nie aber werden fie als fpecielle Sicherheit 
far die Gläubiger von hohem Werthe feyn. 

Ein mlU^htiger Staat wird fich ^uch nicht leicht 
auf etwas anderes einlaffen , als auf feinen allge- 
meinen Credit zu borgen, d. i. auf den Glau- 
ben, daCs er den feften Willen und daa 
Vermögen habe, feine Zahlungsverbindlich- 
keiten ehrlich zu erfallen« Gebricht es den mäch« 
tigen Staaten an gerechtem Willen; fo find alle 
Garantieen, die fie gegeben haben, ohne Kraft. 
Gebricht es ihnen an Vermögen; fo wird auch 
fchwerlich der Wille da feyn, das Einzige, was fie 
noch Haben, und worauf den Staatsgläubigern ein 
fpecieller Rechtsanfpruch ertheilt ifk, in die Hände 
dar Gläubiger zu geben. Unter beiden Bedingung 
gen find iMo Htalficherbeiten» welche ein Staat 



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<6i Erftes Budu 



feiiieo des GlM»g«ro ertbeilleo Rcchtsaa fpr ft fch e» 
giebt, die ichwiclift«o» die »aa ich sar 



i. 78a. 

Tangen die Realficherfaeiten des Staats mcbtsw 
mad lind diefe nicht fabig , die geldreicben Leute 
zn locken» ibnen ihr Vermögen zu leihen ; fo wer* 
den die Staaten nm fo mehr Urfache haben , fSr 
die Befeftigung des perfönlichen Staatscredits zm 
forgen» da ein folider unerrchatterücher Staatscrc- 
dit im Stande ift» die gröfsten Summen ans dea 
Tafchen der geldreichen Leute in die Staatscafien 
an locken, und Anleihen auf einen folchen CredBt 
ohne Zweifel die aosgedehnteften Mittel darbieten» 
den Staat ans allen Verlegenheiten zu helfen , ood 
ihm ^e gröfsten Summen zu den leicbteften Bo> 
dingangen zn verfchaffen. 

J.785. 

Das Steigen des Staatscredits aber folgt nacfa- 
ftehenden Regeln : Der Credit eines Staats wird 
vm fo gröfser feyn, 

1) je länger er feine Geld Verbindlichkeiten nn- 
unterbrochen erfüllt , und je weniger er die* 
fes felbft zur Notbzeit und in den gröfsten 
Verlegenheiten unterlagen hat; 

a) fß fparfamer und geordneter die Finanzen ei» 
nes folchen Staates find} 



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Von det Staätseinnahme. 46$' 

3) je mehr Vorßcht er bey jeder Anleihe zeigte 
je forgfihfger 'derPlan der ^iederbezahlung 
tind der Bezahlung der Renten eingerichtet 
ift, je beftlitiititer die Quellen angewiefen find« 
aus denen die Mittel ctdzu fliefsen, und je 
mehr fich jeder aus vergangenen Erfahrungea 

V fiberzeu^en kann, dafs die einmabi hierzu 
angewiefenen Summen zu keiner andern Be* 
ftimmung gebraucht werden ; 

4) je pfinktlicher der Staat die öffentlich erklär* 
ten Bedingungen feiner Geldverbindlichkeiten 
erfüllt , foUte auch für ihn Schade daraus 
entftehen ; 

5} je mehr er von freyen Stacken bemfibt ifi^ 
denjenigen, welchen er etwas Schuldig ge- 
worden ift', und die ihr Vermögen zu dem 
allgemeinen Wohl aufgeopfert haben. Sicher« 
hett ihrer Bezahlung zu gewähren, und }e 
öfter und gewifler er diefe wirklich gewährt; 
6) je mehr fich ein folcher Staat in einer poli« 
tifchen Lage befindet, von welcher nicht, 
zu farchten Ift, dafs er durch ICrieg oder an« 
dere Umftände in die Unmöglichkeit verfetzt 
' werden könnte, feine Vefi'btndlichkeiten zu 
erfollen. 

«. 7»4. 
Einem folcfaen Staate nun wird e^ niemahls 
fiMen, Gapitale zu finden, und" fie von den'geld- 
Mcl^n Perfoneii' zu den möglfcfa heften Biedi»« 



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664 ' Erfteft Buch« 



guDgen zu erhalten« Für ihn werden die-frey* 
willigen Anleihen» wozu alle Capitaliftea 
Unterfchied » auslindirche nicht minder ala inll 
difche» zngelaOen werden^ die yortheilhafteftiro 
ttjn. Er wird daher 

j) die fogenanntea patriotifchen Anleihen. 
Terfchrolhen« Denn a) bey denfelben ift es 
darauf angefehea, die Reichften des Landes 
indirecty wenigftens pfjohologifch zu zwiia* 
gen 9 daCs £e dem Staate einen Theil ihres 
Vermögens leihen« Alle, die im Rufe des 
lleichthums ftehen oder die iulsem Kennzei- 
chen da?on tragen 9 find gen&thigt, propor« 
tionirliche Beytrage dazn zu liefern, wenn fie 
fich nicht dem Rufe fchlechter Patrioten und 
den mancherley nachtheiligen Wirkongen ei« 
nes folcben Rufes ausfetzen wollen« Es lau* 
fen Subfcrjptionsliften' herum», und wer nur 
irgend als vermögender Mann bekannt ift^ 
darf es nicht wagen» die Summen , die man 
ungefähr von ihm erwartet» zu verweigern« 
So wirkt die^Auslchreibung einer patrioti« 
fcben Anleihe fchon immer als ein halber 
Zwang. . Aber b) da diejenigen Perlbnen» 
deren Vermögen am meiften am Tage liegt^ 
die reichen Gewerbsleute» Kaufmänner» Fa* 
. brikunternehmer» reiche. Ackerwlrthe ii«£w. 
find , und von diefen die Capitale zu derglei* 
eben Anleihe vomOgUch zufammengepreOit 



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Von der Staatseinnahme. 66;^ 

werden: es fey> di£s der £hrgeiz und die 
Furcht fie ibnen abpöthigt» oder dafs wirkli« 
jicfaer Patriotismus fie antreibti einen grofsen 
Tbeii ihres Vernidgens 'dem Staate zu leihen ; 
Ib werden dadurch der Circulation immer 
gerade- die nflt^^ichften Capitale entzogen» 
Denn in Gewerben angelegt» befcbäftigen ie 
die meiften Hindci md bringen im Staate 
das Meifte hervor, indem, der Staat fie den 
Gewerben entzieht, entzieht er auch einer 
eben (o groüsen Menge Menfchen ihre Arbeit» 
als durch jene Capitale bf^fchäftigt wurden* 
WSre die Anleihe ganz frey willig, fo würden 
ihr befonders diejenig